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10th Anniversary of
Marcel Callo´s Beatification


Beatified October 4, 1987 (The Vatican)
* December 6, 1921 (Rennes, France)
+ March 19, 1945 (KZ Mauthausen-Gusen)

Marcel Callos´ Entry to Mauthausen Death Book

L´Ange de Midi / Der Engel des Mittags

par / von Jean Cayrol


L´ANGE DE MIDI DER ENGEL DES MITTAGS

L´ange de midi frappe a la porte
j´apercois dans ses yeux ce qui reste de la vie
un peu de terre, un pont détruit,
un ciel aimé, des branches mortes.

L´ange de midi a tellement faim
qu´il dort debout les yeux clos.
Qui de nous lui tend la main?
L´ange de midi ne dit plus un mot.

L´ange de midi garde une levre pour la soif
que deviendra-t-il, nul ne le sait.
Au coeur saignant, jour enchanté,
lune blanche et tendre d´hiver.

L´ange de midi dort sur mon épaule
déja raidi comme un bois encore vert,
l´ange ébloui de paix que vous étiez
sur les levres memes du pere.

Entends le son si grele de la faim!
Il est miniut sur l´ange de midi.
Ou courez-vous sur l´aile qui se plie?
Son ombre est la qui finit notre faim.

--oOo--

Der Engel des Mittags erschreckt mich am Tor.
Ich erkenne in seinen Augen das, was vom Leben bleibt:
Ein wenig Erde, eine zerstörte Brücke,
ein geliebter Himmel, die toten Zweige

Der Engel des Mittags hat so sehr Hunger,
dass er stehend schläft mit geschlossenen Augen.
Wer von uns reich ihm die Hand?
Der Engel des Mittags sagt nie ein Wort.

Der Engel des Mittags hält Wache über den Lippen des Dursts,
den niemand mehr erkennt, wenn er kommt.
Im blutenden Herzen steht am Tage des Jubels
der weisse und zarte Mond des Winters

Der Engel des Winters ruht auf meiner Schulter,
schon schwingend wie ein noch grünes Holz.
Der Engel blendet mit dem Frieden,
den ihr nur haben werdet auf den Lippen des Vaters.

Hört den Ton, es trommelt der Hunger wie Hagel.
Es ist Mitternacht beim Engel des Mittags.
Wo werdet ihr laufen? Auf den ausgebreiteten Flügeln?
Sein Schatten ist schon da, der unseren Hunger beendet.

--oOo--
Übersetzung und Kommentar: Martha Gammer

Der heute in Frankreich berühmte Schriftsteller Jean Cayrol (zuletzt Academie Goncourt) kam einst als einer der jüngsten Deportierten 1943 in das Lager Gusen I und wurde dort anfangs zu den härtesten Arbeiten (Strassenbau, Schienenverlegung, Steinbruch) eingesetzt. Als er eines Abends dem Tode näher war als dem Leben, riefen polnische Mithäftlinge den "Wundertäter" des Lagers, den Linzer Priester Dr. Johannes Gruber zu Hilfe, der von da an die französische Gruppe, ganz besonders die jungen Burschen aus Bordeaux ins Herz schloss und ihnen seine Hilfe, die berühmt gewordene "Gruber-Suppe" , im Waschraum des Blocks Nr. 20 geheim zukommen liess. Jean Cayrol stand ihm ganz besonders nahe (Dr. Gruber wurde am Karfreitag 1944 im KZ Gusen ermordet).

Das Gedicht ist als die absolute Todes-Sehnsucht der jungen Gefangenen aufzufassen, gegen die "Vater" Gruber sosehr ankämpfte. Der Engel steht für Tod und die Verführung des Todes, diesem Grauen durch Selbstmord oder - wie bei Cayrol bezeugt, durch Essensverweigerung zu entkommen.

Mittag war am ehesten die Stunde des Lebens im Februar 1945 in Gusen. Schon wärmer als der Eises-Tod am Morgen, als der Lager-Tod in der Nacht in den Baracken oder der Unfalltod, der jeden Abend auf Karren zum Waschraum nahe dem Krematorium von Gusen I daherkam.

Cayrol schrieb diesen, wie auch unzählige andere Texte, während der Arbeitspausen in der sogenannten "End-Kontrolle" der Steyr-Werkshallen des KL Gusen I (" Georgenmuehle" ), wohin ihn und seine gefährdeten Freunde Vater Gruber durch seine vielen Beziehungen gebracht hatte. Diese Arbeit war unter Dach und weniger gefährlich. Cayrols Aufzeichnungen gingen bei der Befreiung verloren und wurden 10 Jahre später von einem unbekannten Deutschen übermittelt. Mehr als 50 Jahre nach der Befreiung, lange nach Cayrols Tod, wurden sie in Paris veröffentlicht.

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