The Nizkor Project: Remembering the Holocaust (Shoah)

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Otto STRASSER: Deutsche Bartholomaeusnacht. 1~5 
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Dazu kommt allerdings eine geradezu krankhafte Verlogenheit; eine 
Eitelkeit, die laengst das Ausmass von Groessenwahn erreicht hat; eine 
Treulosigkeit, die mehr ein Zeichen der Schwaeche, als ein Zeichen 
machiavellistischer Politik ist; eine Unbestaendigkeit des Wesens, die 
durchaus hysterische Zuege traegt; eine Verkrampftheit der Haltung, die 
nicht nur in der nie abgelegten Unsicherheit des "kleinen Mannes", sondern 
zweifellos auch in sexueller Ungeloestheit ihren Ursprung hat. Ueberhaupt 
bildet das Wissen um Hitlers ausgesprochen feminine Art den Schluessel 
zum Verstaendnis seines Wesens und seiner Handlungen. Seine schwankenden 
Stimmungen, die der ~~Kamrilla~~ um ihn einen so bemerk~~baren Einfluss 
einraeumen; seine Angst vor allen Entscheidungen, die geradezu grotesk 
ist; seine entwaffnende Unlogik, die ihn befaehigt, alle seine eigenen 
Worte mit der Sicherheit ~~des~~ guten Gewissens abzuleugnen; seine 
geistige Abhaengigkeit von irgendeiner noch so unzulaenglichen, aber 
gerade in Folge seiner Halbbildung kritiklos uebernommenen Lehre oder 
Anschauung; seine Abneigung gegen alle innerlich gefestigte, 
selbstsichere Menschen und dementsprechend seine Vorliebe fuer labile, 
unausgeglichene, ja verbrecherische Menschen -- all das findet in dem 
femininen Wesen Hitlers seine Begruendung -- wie nicht minder auch sein 
Einfuehlungsvermoegen, seine Phantasie, seine Gefuehlskraft, seine 
geradezu gen~~ialen Faehigkeiten, die sowohl passiver wie aktiver Natur 
sind. Ist Hitler ein Fuehrer? -- Kann man jenen einen Fuehrer nennen, 
der zwar ein Ohr hat fuer die intimen Leidenschaften eines Volkes und 
auch die Kunst beherrscht, diese Leidenschaften in Aufruhr zu bringen 
-- dem aber jede Erkenntnis fuer das Wesen, fuer die Bedingtheit dieser 
Leidenschaften fehlt und vor allem jedes Wissen um die Gruende, daraus 
sie ~~erforschen~~ und um die Ziele, denen sie zustreben ? -- Der in 
dumpfer Erkenntnis eigner geistiger Unzulaenglichkeit, die durch 
ueberbetontes Selbstgefuehl nur mangelhaft verdeckt wird, Angst vor 
jeder klaren Entscheidung hat und sich deshalb in allgemeinen 
Redensarten gefaellt, die jeder Hoerer nach seinem Belieben auslegen 
kann ? Der bei ganz dringenden Fragen einfach "unauffindbar" verreist, 
sowie er einmal Gregor Strasser genenueber dadurch auswich, dass er vom 
gemeinsamen Mittagessen weg durch die Toilette das Lokal verlies und 
schnell davonfuhr? Aber ein Taktiker ist er, von grossem Format ! Mit 
Fingerspitzengefuehl, wie eine Frau ! Mit allen Requisiten der 
Menschenbehandlung, wie ein Schauspieler ! Mit einer aalglatten 
Wendigkeit und oeliger Vieldeutigkeit, wie ein Hofmann alter Schule ! Da 
laechelt er gewinnend, schaut treuherzig, markiert Traenen (es gibt wohl 
keine interne Verhandlung, in der Hitler nicht diesen Trumpf versucht!), 
um ploetzlich in wuetendes Schimpfen, drohendes Toben ueberzugehen, wenn 
er sich davon mehr Eindruck verspricht ! Ein englischer Diplomat hat 
nach seinem Besuch bei Hitler diese feminine Art Hitlers dem Verfasser 
gegenueber in die Worte gefasst: "Hitler ist doch kein Politiker, er 
ist die Frau eines Politikers!" Und ueber die peinliche Eitelkeit Hitlers 
fand er die Worte: "Ich habe gedacht, ich komme zu einer Primadonna. 
Aber es war nuch eine Soubrette." 

pp. 7~,7~,75

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30. Juni 1934

....Hitler (stuerzte) auf Roehm's Zimmer, Nr. 7 los, trommelt mit einer 
Hundepeitsche gegen die Tuer und bruellte: "Aufmachen, aufmachen!" 

Von drinnen hoerte man das schwerfaellige Umdrehen eines schlaftrunkenen 
Mannes, der zurueckfrug: "Ja, wer ist denn dan?" Und nun kommt die 
Wechselrede, die der Verfasser als direkte Mitteilung eines Augen- und 
Ohrenzeugen empfing und unter seinem Eid wortgetreu wiedergibt: "Ich 
bin's, Hitler, Mach auf!"

Worauf Roehm antwortet:

"Was, du bist schon da? Ich hab gedacht Du kommst erst Mittag." Machte 
die Tuer auf -- und wurde mit einer Flut von Schimpfworten, Fluechen, 
Vorwuerfen, Drohungen Hitlers ueberschuettet, die er erst in 
fassungsloser Stummheit ueber sich ergehen lies, um dann seinerseits in 
aehnlichem Ton und gleicher Lautstaerke zu erwidern. Auf Befehl Hitlers 
gefesselt, sass Roehm noch einige Minuten im Vorzimmer, wo er auf einen 
"Heil Hitler Gruss", des inzwischen erwachten und herbeigeeilten Wirtes 
nur ein muedes "Na ja, Gruess Gott" antwortete. Herr Hitler bat den Wirt 
um Entschuldigung fuer die Stoerung und fuhr dann mit Roehm... nach 
Muenchen.... ...Dort.... im Braunen Haus.... haelt Hitler "Gericht". 
Fahlen Angesichts, flackernde Augen, wie ein Wahnsinniger bruellt er 
immer nur: "Die Hunde! Die Verraeter! Verrecken muessen sie alle!" Und 
eilfertig notiert Buch: Tod, Tod, Tod..... 

pp. 113/114, Strasser, Die deutsche Bartholomaeusnacht.

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