The Nizkor Project: Remembering the Holocaust (Shoah)

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Hitler tobte und schrie. Er verbitte sich das. Eine Inflation lasse er 
nicht zu. "Ich habe mein Wort verpfaendet...." Er ueberschrie sich, ich 
verstand nicht mehr alles. Es dauerte eine Weile, bis er sich wieder 
beruhigt hatte. Es war kein erfreuliches Erlebnis. 

p.195. Rauschning, Gespraeche

Hitler kam damit auf die Massenfuehrung zu sprechen. Er haette ein 
untruegliches Gefuehl dafuer, was die Masse fuehle, was man ihr zumuten 
koenne und was man unter allen Umstaenden vermeiden muesse. Dies sei eine 
einmalige Begabung, und keiner koenne ihm in dieser Beziehung etwas sagen. 
Aber damit allein sei es noch lange nicht getan. Man muesse auch seiner 
Mittel sicher sein. Die Massenfuehrung sei eine Kunst im wahrsten Sinn des 
Wortes. Ihre Beherrschung setze eine angestrengte Arbeit voraus. 

p.197. Rauschning, Gespraeche

"Ich bin mir bewusst, .... dass mir in der Kunst der Massenbeeinflussung 
keiner gewachsen ist; auch Goebbels nicht..... die eigentliche Fuehrung der 
Masse ist nicht erlernbar..." 

pp.198/99. Rauschning, Gespraeche

...Der eigentliche Grund dafuer, dass Hitler den Weg in den Abgrund ging, 
lag in einer Schlaffheit seines Willens. Der Augenschein, dass Hitler ein 
grosser Willensmensch ist, truegt. Im Grunde seines Wesens ist er schlaff 
und apathisch und bedarf der nervoesen Reize, um aus einer chronischen 
Lethargie sich zu krampfhaften Willensimpulsen zu steigern. Er waehlte 
den bequemeren Weg, er liess sich fallen, er lieferte sich den Kraeften 
aus, die ihn im Absturz forttrugen. 

p.203. Rauschning, Gespraeche

Hitler ist kein Diktator. Aber er ist auch nicht "der Korken, der oben 
schwimmt." Er verstand es immer, mit den staerkeren Batallionen zu 
marschieren... Hitler hat vor allem eines nie getan. Er hat sich nie in 
einen Gegensatz zu seinen Gauleitern gebracht. Mit diesen Maennern.... 
wusste er sich so zu stellen, dass er bei Differenzen immer die 
ueberwiegende Zahl auf seiner Seite hatte. ....er liess sich von Kraeften 
hinter, oft wider sein besseres Wissen treiben.... 

pp.20x/0x. Rauschning, Gespraeche

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Hitler war der typisch Entwurzelte, behaftet mit allen Maengeln eines 
oberflaechlichen Wissens, das ohne wahre Ehrfurcht schnell urteilt und 
verurteilt. ...Er gehoert zu den deutschen "Hungerleidern nach dem 
Unerreichlichen".... 

p.208. Rauschning, Gespraeche

Hitler (gab mir) gelegentlich seine Ansicht von Geist und Moral zum 
Besten. Es war missverstandener Nietzsche, es waren popularisierte Ideen, 
die eine gewisse Richtung der zeitgenoessischen Philosophie in den 
Mittelpunkt ihrer Betrachtungen gestellt hatte. Hitler trug dies alles 
mit der Geste des Propheten und schoepferischen Genius vor. Er schien 
ueberzeugt, dass es seine eigenen Ideen waren. Er kannte nicht ihren 
Ursprung und meinte sie nur sich selbst und den Eingebungen seiner 
Einsamkeit in den Bergen zu verdanken. .......

Mit der Autoritaet des Fuehrers und in seiner Umgebung vorgetragen, 
machten solche Saetze mitten ins Gespraech den Eindruck tiefster 
Offenbarungen. Hitler empfand es uebrigens als eine persoenliche Kraenkung, 
wenn man durch die Aehnlichkeit mit Gedanken anderer beruehrt, etwa auf 
Vorlaeufer oder gleichgesinnte Denker hinwies. Hitler wollte alles allein 
und ohne Anregung gedacht haben. Er betrachtete es als eine Verkleinerung 
seiner Groesse, wenn man auf aehnliche Ideen hinwies. ....er hasste 
Vorlaeufer und Mitlaeufer, weil sie ...ihre Ideen in einem ganz anderen 
Zusammenhang geaeussert hatten. 

pp.209,213. Rauschning, Gespraeche

Hitler erkannte keine Vorlaeufer an. Mit einer Ausnahme: Richard Wagner. 
Ob ich in Bayreuth gewesen sei, fragte mich Hitler ....Keiner von diesen 
Epigonen wisse, was Wagner wirklich sei. Er meine nicht bloss die Musik, 
sondern die ganze umstuerzende Kulturlehre, bis hinab in das scheinbar 
kleine, belanglose Detail. Ob ich wuesste, dass Wagner zum Beispiel 
vieles von unserem kulturellen Verfall auf den Fleischgenuss 
zurueckgefuehrt habe? Wenn er heute fuer seine Person den Genuss von 
Fleischspeisen verschmaehe, so geschehe das nicht zum geringsten Teil auf 
das hin, was Wagner dazu geaeussert habe und was er fuer absolut richtig 
halte. Es kaeme so vieles von unserem kulturellen Verfall vom Unterleibe 
her, chronische Verstopfung, Vergiftung der Saefte, Rausch. Er enthalte 
sich des Fleisches, des Alkohols und des schmutzigen Rauchens nicht bloss 
aus Gesundheitsruecksichten, sondern aus innerster Ueberzeugung. Aber 
dafuer sei die Welt noch nicht reif. ....Er, Hitler, sei durch Zufall 
oder Schickung frueh auf Wagner gestossen. Er haette mit einer geradezu 
hysterischen Erregung gefunden, dass alles, was er von diesem grossen 
Geist las, seiner innersten, unbewussten, schlummernden Anschauung 
entsprochen habe. 

pp.215/16. Rauschning, Gespraeche

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"Sie muessen uebrigens den Parsifal ganz anders verstehen als er so 
gemeinhin interpretiert wird.... Nicht die christlich-Schopenhauerische 
Mitleidsreligion wird verherrlicht, sondern das reine, adelige Blut, das 
in seiner Reinheit zu hueten und zu verherrlichen sich die Bruederschaft 
der Wissenden zusammengefunden hat. Da leidet der Koenig an dem unheilbaren 
Siechtum, dem verdorbenen Blut. Es wird der unwissende, aber reine Mensch 
in die Versuchung gestellt, sich in dem Zaubergarten Klingsors der Lust und 
dem Rausch der verdorbenen Zivilisation hinzugeben oder sich zu der Auslese 
von Rittern zu gesellen, die das Geheimnis des Lebens hueten, das reine 
Blut. Wie koennen wir uns reinigen und suehnen? Merken Sie, dass das 
Mitleid, durch das man wissend wird, nur dem innerlich Verdorbenen, dem 
Zwiespaeltigen gilt. Und dass dieses Mitleid nur eine Handlung kennt, den 
Kranken sterben zu lassen... 

pp.216/17. Rauschning, Gespraeche

"....Der Jude und der Arier, stelle ich sie einander gegenueber und nenne 
den einen Mensch, so muss ich den anderen anders nennen. Sie sind so weit 
von einander wie das Tier vom Menschen. Nicht, dass ich den Juden ein Tier 
nenne. Er steht dem Tier viel ferner als wir Arier. Es ist ein 
naturfremdes und naturfernes Wesen." Hitler wollte noch etwas sagen. Aber 
es war, als versagte ihm in der Fuelle der ihn ueberstuerzenden Geschichte 
die Sprache. Sein Gesicht war krampfhaft verzerrt. Er knackte in der 
Erregung mit den Fingern. "Hier lernen wir nie aus," stammelte er noch. 

p.228. Rauschning, Gespraeche

Bevor Hitler sich ganz der Aussenpolitik und seinen militaerischen Plaenen 
verschworen hatte, brach er einmal leidenschaftlich in den Wunsch aus, 
bauen zu duerfen als Staatsmann und Gesetzgeber schaffen zu duerfen. Er 
stecke voll riesiger Plaene. Die Welt wuerde in ihm den groessten 
Schoepfergenius aller Zeiten sehen. "Mir bleibt nur wenig Zeit! Mir bleibt 
nur wenig Zeit." Wir wuessten nur das geringste von ihm. Seine intimsten 
Parteigenossen ahnten nicht, was er im Sinne habe und wenigstens im 
Fundament begruenden muesse. Eine furchtbare nervoese Angst, nicht mehr 
zum Ziele zu kommen, trieb ihn von Zeit zu Zeit rastlos herum. 

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Dann wieder verlor er sich an technischen Spielereien. Er beschaeftigte 
sich mit Motoren und neuen Erfindungen. In solch unruhigen Zeiten wurde er 
seiner Umgebung zur ausgesprochenen Qual. 

p.229. Rauschning, Gespraeche

Hitler sprach dann wie ein Seher und Eingeweihter.... "Magisch sichtig" zu 
werden, das schien ihm als das Ziel einer menschlichen Fortentwicklung. Er 
selbst fuehlte sich bereits an der Schwelle dieses magischen Wissens und 
schrieb ihm seine Erfolge und seine kuenftige Bedeutung zu. Da hatte ein 
Muenchener Gelehrter ein paar merkwuerdige Sachen geschrieben ueber Urwelt, 
Sage, und Menschheit.... Solche Ideen faszinierten Hitler. Er liebte es zu 
Zeiten, sich damit leidenschaftlich zu beschaeftigen. Er sah sein eigenes, 
wundersames Leben als eine Bestaetigung verborgener Kraefte. Er steigerte 
den Sinn seiner Berufung zu der uebermenschlichen Aufgabe, der Menschheit 
die Wiedergeburt zu einer neuen Gestalt zu verkuenden. 

p.230. Rauschning, Gespraeche

Glaubt Hitler so etwas? ....Er ist imstande das Widerspruchvollste zu 
verbinden. Eins ist gewiss: Hitler ist Prophet. Weit ueber die Bedeutung 
eines Politikers strebt er in die Gefilde eines uebermenschlichen Daseins 
als der Prophet einer neuen Menschheit. 

p.231. Rauschning, Gespraeche

"Der neue Mensch lebt unter uns. Er ist da!" rief Hitler triumphierend. 
"Genuegt Ihnen das? Ich sage ein Geheimnis. Ich sah den neuen Menschen, 
furchtlos und grausam. Ich erschrak vor ihm." Mir fiel ploetzlich unser 
deutscher Dichter Stefan Georg ein. Hatte Hitler auch "Maximin" gesehen? 
Ich spuerte etwas wie die Verzueckung eines Liebenden an ihm. 

p.233. Rauschning, Gespraeche

....ein roter Faden laeuft sichtbar durch das ganze zwiespaeltige, 
widerspruchsvolle Tun dieses hoechst seltsamen Mannes. "Bewegung ist 
alles. Immer in der Aktion sein." Die Rastlosigkeit seines Wesens praegt 
sich in allem aus. Aber nicht bloss seine eigene "jagende Hysterie", wie 
er so bezeichnend selbst sagt, steht dahinter.... 

p.239. Rauschning, Gespraeche

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Spaeter sah ich bei ihm oefter auffallend huebsche, blonde Maedchen. Sie 
sassen an seiner Seite bei Tisch. Er taetschelte ihre Haende. Er erlaubte 
sich kleine Vertraulichkeiten. Das Ganze war Schaustellung. Die ganze 
Verstiegenheit und Unnatur dieses Menschen praegte sich auch in den 
elementarsten Beziehungen des menschlichen Lebens aus. Ich moechte nicht 
in das dunkle Kapitel seiner Nichte ruehren, diese Maedchens, das 
angeblich Selbstmord veruebt hat. Ich habe darueber von Persoenlichkeiten 
berichten hoeren, die den Ereignissen nahestanden. Es wuerde in das Bild 
Hitlers richtig hineinpassen; aber es entzieht sich der Erzaehlung und man 
mag dies auf sich beruhen lassen. Es hat sich mir und anderen gegenueber 
mehr als ein junger Mann damit gebruestet, der Liebling Hitlers gewesen 
zu sein. Auch das Bleibe uneroertert.... 

p.241. Rauschning, Gespraeche

Immer mal wieder kommen Anfaelle, die Hitler bis in den Wahnsinn 
erschuettern. Unruhe laesst ihn keinen Schlaf finden. Aber jetzt ist er 
nicht mehr einsam, wenn er es nicht sein will. Er drueckt auf den Knopf 
und Adjutanten jagen heran. Mit Flugzeugen und Autos wird herangeholt, 
wen der Fuehrer gerade zu sprechen wuenscht. Oft sind es nur junge 
Maenner, die nachts aus den Betten geholt ihren Herrn vergessen lassen 
muessen, dass Furcht, Sorge, und Einsamkeit ihn foltern. Um den Kamin, in 
dem riesigen Raum sitzen und stehen diese unwissenden und nicht 
verstehenden fuehllosen Maenner herum, plaudern gezwungen zwanglos, 
erzaehlen einander banale Witze und Unanstaendigkeiten. Sie sollen Hitler 
ablenken, sie sollen ihn vergessen machen, was er denkt und sorgt. 
Und Hitler selbst geht ruhelos wie John Gabriel Borkmann auf und ab. 

p.246. Rauschning, Gespraeche

Hitler ist auch unter die Erfinder gegangen. Er erfindet, ....mit Hilfe 
anderer. ....Hitler hat sich immer fuer technische Fragen interessiert. Er 
konnte seinen staunenden Gauleitern die Vorzuege und Nachteile jedes 
Automotors zeigen und zeichnen. Es macht ihm besonderes Vergnuegen, seine 
Mitarbeiter technisch zu beraten. ...Er entwirft, er verbessert, er 
zeichnet..... Er hat ein unleugbares Geschick.... 

p.247. Rauschning, Gespraeche

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Ihn hat laengst die Leidenschaft der hohen Kunst der Strategie gepackt. Er 
befasst sich nur mit der einen, der reizvollen Seite, wo es auf 
Kombinationen, auf Einfaelle ankommt. Die muehselige Arbeit der Berechnung, 
der allseitigen Pruefung des Details ist nicht nach seinem Geschmack. Da 
wird er ungeduldig, da ermuedet er. Mit ein paar Strichen geniale Skizzen 
hinwerfen, das befriedigt ihn auf hoechste. 

p.247. Rauschning, Gespraeche

Hitler behauptete mir gegenueber, den "Principe" des Florentiners nicht 
bloss einmal gelesen zu haben. Das Buch sei schlechthin unentbehrlich 
fuer jeden Politiker. Er habe es eine Zeitlang staendig auf seinem 
Nachttisch liegen gehabt. Die Lektuere habe auf ihn eine reinigende und 
befreiende Wirkung sondergleichen ausgeuebt.... 

p.249. Rauschning, Gespraeche

....Es bleibt nur noch eins uebrig. Hitler die volle Verantwortung dafuer 
tragen zu lassen, was unweigerlich kommen muss, Krieg, Niederlage und 
Zerstoerung. Hitler wird versuchen, diese seine Verantwortung abzuwaelzen. 
Er wird die ganze Partei damit belasten wollen. Er wird seine anderen 
Ratgeber sie teilen lassen. Er wird vor allem den militaerischen Fuehrern 
die Verantwortung fuer die Kriegshandlungen zuschieben..... 

p.261. Rauschning, Gespraeche

Dreimal sieben Jahre, die beiden heiligen Zahlen verbunden, das wird 
seinem Leben die Erfuellung geben.... 

p.267. Rauschning, Gespraeche

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