The Nizkor Project: Remembering the Holocaust (Shoah)

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RAUSCHNING, Gespraeche mit Hitler

"Der kommende Krieg wird voellig anders aussehen als der letzte 
Weltkrieg...... Dafuer garantiere ich. Es war eine Entartung des Krieges." 
Hitler blickte mit seinen starr gewordenen Augen aus der kleinen 
Glasveranda seines Berghauses auf die Bergwand drueben...... 

"Ein Volk, dem sein Recht vorenthalten wir, kann jede Waffe verwenden, auch 
den Bakterienkrieg." Hitlers Stimme wurde lauter. "Ich habe keine Skrupel...." 

p.9. Rauschning, Gespraeche

Unser Gespraech verbreitete sich ueber einige Details des Kuenftigen 
Gas- und Bakterienkrieges. Wir sassen in der etwas engen Veranda von Haus 
Wachenfeld auf dem Obersalzberg. Hitlers wundervoller Wolfshund lag zu 
seinen Fuessen. .....Hitler summte Motive aus Wagner'schen Opern. Er 
schien mir zerstreut, sprunghaft. Eben mitteilsam, versank er unmittelbar 
danach in trockenes Schweigen. Uebrigens war es die Zeit, in der sich der 
Nationalsozialismus seiner schwersten Krise naeherte. Die Partei war in 
eine fast verzweifelte Lage geraten. Aber aus jedem Wort Hitlers klang 
die Ueberzeugung, bald an der Macht zu sein...... 

p.11. Rauschning, Gespraeche

"Wir werden nicht kapitulieren, niemals," stiess Hitler hervor. "Wir 
koennen untergehen, vielleicht. Aber wir werden eine Welt mitnehmen. 
Muspilli, Weltenbrand." Er summte ein charakteristisches Motiv aus der 
'Goetterdaemmerung'. 

p.11. Rauschning, Gespraeche

"Nein, die Strategie aendert sich nicht. Wenigstens nicht durch 
technische Erfindungen. Das ist falsch." Hitler wurde lebhaft. "Was hat 
sich seit der Schlacht bei Cannae geaendert?....." 

p.11. Rauschning, Gespraeche

"Die meisten Menschen haben keine Phantasie." Hitlers Gesicht verzog sich 
zu einer veraechtlichen Grimasse. "Sie koennen sich das Kommende nur in 
den Bildern ihrer eigenen, kleinen Erfahrung vorstellen. ....Der 
schoepferische Genius steht immer ausserhalb des Kreises der Fachmaenner. 

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Ich habe die Gabe, die Probleme auf ihren einfachen Kern 
zurueckzufuehren..... Krieg ist das Natuerlichste, Alltaeglichste. Krieg 
ist immer, Krieg ist ueberall. Es gibt keinen Beginn, es gibt keinen 
Friedensschluss. Krieg ist Leben. Krieg ist jedes Ringen, Krieg ist 
Urzustand. ....Was ist Krieg anderes als List, Betrug, Taeuschung, als 
Ueberfall und Ueberraschung? .....Worauf kommt es im Kriege an, Forster? 
Dass der Gegner kapituliert. Wenn er das tut, habe ich Aussicht, ihn ganz 
zu vernichten. Warum soll ich ihn auf militaerische Weise demoralisieren, 
wenn ich es auf andere Weise billiger und besser kann?" Und nun 
entwickelte Hitler die Grundlinien seines Krieges, den er seitdem vielfach 
erprobt hat..... Man sah, er hatte sich mit diesen Dingen lange und 
eingehend beschaeftigt. Er fuehlte sich als ein neuer, grosser Stratege, 
als ein kuenftiger Kriegsherr in einem neuen und bisher unerhoerten Sinn. 

pp.12/13. Rauschning, Gespraeche

Hess hatte gerade an einem Flugwettbewerb mit Erfolg teilgenommen...... 
"Lassen Sie das kuenftig," sagte Hitler. "Sie haben das nicht noetig. Ich 
brauche Sie, Hess." 

p.14. Rauschning, Gespraeche

"Ich werde nie einen Krieg beginnen, ohne die Gewissheit, dass ein 
demoralisierter Gegner einem einzelnen gigantischen Stoss auf Anhieb 
erliegt." Hitler bekam starre Augen und begann zu schreien. "Wenn der 
Feind innerlich demoralisiert ist, dann ist die Zeit da...... Ich spiele 
nicht Krieg. Ich lasse mich nicht von 'Feldherrn' kommandieren. Den Krieg 
fuehre ICH. Den eigentlichen Zeitpunkt zum Angriff bestimme ICH. Es gibt 
nur einen guenstigen. Ich werde auf ihn warten. Mit eiserner 
Entschlossenheit. Und ich werde ihn nicht verpassen....." 

p.16. Rauschning, Gespraeche

Wir waren von Danzig heraufgekommen: Forster, Linsmayer und ich..... 
Hitler hatte uns sein Auto heruntergeschickt.... Hitler kam uns entgegen. 
Er hatte Besuch: Damen. Ein kleines, sympatisch bescheidenes Haus. Man 
sass in einem mittelgrossen, im Stil einer bayrischen Bauernstube 
eingerichteten Raum, der durch die ganze Breite des Hauses ging. Um den 
grossen Ofen lief eine einfache Bank. Aus einem verhaengten Vogelbauer 
piepten aufgeschreckte Singvoegel.... 

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Hitler bot uns -- in seinem abstinenten Hause -- einen Kirschlikoer an...... 
Ich sah Hitler damals im August 1932 nicht zum erstenmal. Ich hatte ihm 
auch vorher schon in die beruehmten Augen geschaut. Aber ich sah ihn hier 
zum ersten Mal in seinem eigentlichen privaten Millieu. Er war gut 
buergerliche Verbundenheit mit Bergnatur und veredeltem Bauerntum; .....
Kattunvorhaenge, sogenannte Bauernmoebel: alles etwas klein, verniedlicht. 
Keine geeignete Umrahrmung fuer den kuenftigen Befreier Deutschlands. Wie 
Hitler persoenlich auf einen wirkt? .... Ich gestehe, dass es jedenfalls 
zwiespaeltige Empfindungen waren, die er bei mir persoenlich weckte. Der 
grosse Volksredner verblasste bis zur Unbedeutendheit des Kleinbuergers in 
dieser Umgebung. Das war alles sympathisch, aber von keinem Gegenstand ging 
ein persoenlicher Ton aus. Mich machte die mitternaechtige Gesellschaft 
stark ueberreifer Damen stutzig. Bedurfte er wirklich der glaeubigen 
Hingabe von Frauen, um seiner selbst gewiss zu bleiben? Hitler hat nichts 
Anziehendes. Jedermann weiss es heute. Aber damals fabelte man von seinen 
tiefen, blauen Augen. Sie waren weder tief noch blau. Sie blickten starr 
oder erloschen. Ihnen fehlt jeder Glanz und Schimmer echter Beseelung. Die 
Faerbung seiner dunklen, fremdartigen Stimme ist fuer den Norddeutschen 
abstossend. Der Ton ist voll, aber gequetscht, als wenn die Nase 
verstopft waere. Inzwischen ist diese Stimme, kreischend, gurgelnd, 
drohend, rasend in der ganzen Welt bekannt geworden..... ....Es ist mir 
aufgefallen, dass Hitler auf solche Persoenlichkeiten den staerksten 
Eindruck machte, die entweder suggestionsfaehig waren und einen femininen 
Einschlag hatten oder an Byzantinismus und Personenkult durch Erziehung 
und gesellschaftliche Stellung gewohnt waren. Das Aeussere Hitlers 
traegt sicher nicht dazu bei, seinen persoenlichen Eindruck zu erhoehen. 

pp.18/19. Rauschning, Gespraeche

Hitler empfing uns jovial. Es war die Zeit nach einem gewessen 
bestialischen Mord in Oberschlesien (Potempa). .....Hitler hatte sich .... 
oeffentlich mit diesen Moerdern solidarisch erklaert. Er bekannte sich zu 
ihrer Tat.... Er griff die Todesurteile des Gerichtes an und nannte sie 
einen Hohn auf jedes rechtliche Empfinden. Die Heftigkeit seines Tones 
zeigte, wie stark er sich durch seine Haltung exponiert wusste. 
....Hitler, wie die meisten seiner hysterischen Gauleiter, haben das gute 
Gewissen, voellig ihre Meinung aendern zu koennen, ohne sich dessen 
bewusst zu werden. Sie leugnen im besten Glauben ihre eigenen frueheren 
Ansichten ab..... Die Zeit war vorgeschritten. Die Damen griffen ein. 
Hitler hatte sich zur Unzeit hinreisen lassen. Ihm stand eine 
schlaflose Nacht bevor.... 

pp.19/21. Rauschning, Gespraeche

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Hitler aeusserte seine Meinung ueber die Eintoenigkeit der 
Reiseeindruecke vom Flugzeug aus, im Gegensatz zu den immer neuen und 
reizvollen Einblicken in die Landschaft und das baeuerliche und 
staedtische Leben bei einer Autofahrt. Er riet uns, den Heimweg im Auto 
zu machen. Er selbst habe nach der ersten Ueberraschung ueber das Bild 
von oben laengst keinen Genuss mehr an Fluegen. 

p.21. Rauschning, Gespraeche

Dass Hitler von Haus aus ein ruehrseliges, ein ausgesprochen 
sentimentales Temperament ist mit Neigung zur Gefuehlsschwelgerei und 
Romantik, weiss jeder, der ihn aus der Kampfzeit naeher kennt. Seine 
Traenenausbrueche bei allen inneren Krisen waren keineswegs nur eine 
Nervensache. Der schluchzend-ruehrselige Ton, mit dem er etwa an die 
Berliner S.A. appellierte, als der Stenneskonflikt die ganze Partei zu 
sprengen drohte, war echt und nicht Theater. Gerade darum liegt hinter 
der betonten Grausamkeit und Unerbittlichkeit Hitlers die Trostlosigkeit 
einer erzwungenen und kuenstlichen Unmenschlichkeit, nicht die 
Amoralitaet der reinen Bestie, die schliesslich als Naturkraft wirkt. 
Trotzdem ist in der Haerte und in dem beispiellosen Zynismus von Hitler 
noch etwas anderes wirksam als der unterdrueckte Affekt einer 
uebergrossen Empfindsamkeit, die ihrem Traeger im Wege steht. Es ist der 
Drang, Rache und Vergeltung nehmen zu muessen. Ein echt 
russisch-nihilistisches Gefuehl, ziehllos und unverstaendlich, sich der 
"Erniedrigten und Beleidigten" annehmen zu muessen. 

pp.22,23. Rauschning, Gespraeche

Hitlers ganze Gedanken rangen damals (1932) mit der Versuchung, aus 
seiner sich selbst vorgezeichneten Bahn, auf legitime Weise an die Macht 
zu kommen, herauszubrechen und sich mit einer blutigen Revolution in den 
Besitz der Macht zu setzen. .....Er befand sich selbst im Zwiespalt 
zwischen seinem eigenen revolutionaeren Temperament, das ihn zur 
leidenschaftlichen Aktion draengte, und seiner politischen 
Verschlagenheit, die ihm riet, den sicheren Weg der politischen 
Verschlagenheit, die ihm riet, den sicheren Weg der politischen 
Kombination zu gehen, um erst dann seine Rache zu nehmen..... ....Hitler 
malte sich und seiner Umgebung die Chancen einer ueberraschenden 
Besetzung der Schluesselpunkte staatlicher und wirtschaftlicher Macht 
aus.... Wie weit Staatsstreichplaene durchgearbeitet waren, hatten 
Ereignisse des Sommers erwiesen..... Sie gingen auf Hitler selbst zurueck. 
Sie entsprachen seinem Temperament, seinen Phantasiebeduerfnissen und 
seinen Vorstellungen von historischer Groesse, die nicht ohne Blut
vergiessen errungen werden koenne. 

pp.23,24. Rauschning, Gespraeche

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Es ist derselbe Widerstreit der Gefuehle, der vor kurzem den Fuehrer des 
Dritten Reiches schwanken liess, ob er seinem Wunsche, der "groesste 
Feldherr aller Zeiten" zu werden nachgeben solle oder ob er nicht den fuer 
ihn schon einmal entscheidenden Weg der "Kombination", der Kunst, sich in 
die Macht hineinzumanoevrieren, sein Weltimperium gleichsam 
zusammenzulisten, weiterverfolgen solle. ....In die Enge getrieben, aus 
allen Aktionsmoeglichkeiten herausmanoevriert, sah Hitler seine ganzen 
Plaene, an die Macht zu gelangen, zerrinnen...... Von einer ungeheuren 
Ungeduld und Leidenschaft zur Aktion getrieben, musste er den untaetigen 
Sommergast in den bayrischen Bergen spielen, indess die Zeit verstrich 
und Papen seine Plaene vorwegnahm. 

p.24. Rauschning, Gespraeche

Hitlers Fragen nach der Lage in Danzig fuehrten zu der Frage nach der 
Wirtschaft..... Mir leuchte nicht ein, sagte ich, dass die Theorie Feders 
etwas anderes bedeute als Finanzierung mit Hilfe einer Inflation. "Wieso?" 
fragte Hitler und sah mich unfreundlich an. "Die Finanzierung macht mir 
keine Sorgen...... Inflation hat man, wenn man sie haben will," 
entruestete sich Hitler. ....."Ich habe die Gabe, alle Theorien auf ihren 
realen Kern zurueckzufuehren. Mit Phantasien habe ich nichts zu schaffen. 
....Ich habe die Gabe zu vereinfachen, und da geht alles auf einmal...." 
....Hitlers Abschuettelung Feders war mir damals neu. Sie war interessant 
als Zeichen der Ueberlegenheit Hitlers ueber seine Umgebung. sicherlich 
besass Hitler die Gabe der Vereinfachung und zwar bis zu einem gewissen 
Grade durchaus in einem schoepferischen Sinn. Er hat die Gabe, wie viele 
Autodidakten, durch den Wall der Vorurteile und konventionellen Meinungen 
der Fachleute durchzustossen, und er fand dabei wiederholt ueberraschende 
Wahrheiten. 

p.26. Rauschning, Gespraeche

Hitler legte, wie es schiene, nicht grosses Gewicht auf die 
Arbeitsbeschaffungsplaene...... Der ganze "Plan in der Schublade" war.... 
eine schillernde Seifenblase, keine ernsthafte Arbeit. Und der 
Parteifuehrer selbst glaubte gar nicht an den Wert der Bemuehungen.... 
Die ganze sachlich Ruestung, mit der Hitler die Macht uebernahm, bestand 
in seinem unbegrenzten Selbstvertrauen mit den Dingen schon fertig zu 
werden, mit der primitiven aber wirksamen Maximei was befohlen wird, 
geht.... Immerhin steckte hinter Hitlers Haltung eine 
Vorurteilslosigkeit und Bauernpfiffigkeit, die man schon grossartig zu 
nennen versucht ist..... Schwierigkeiten, die im Wesen der Sache langen, 
erkannte Hitler nicht an. Er sah nur menschliche Unzulaenglichkeit und 
menschliche Boeswilligkeit. 

pp.27/28. Rauschning, Gespraeche

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...wenn...Hitler im Kampf um die Macht von Schwarz, dem Kassierer der 
Partei Geld verlangt habe, dann habe der regelmaessig erwidert: "Herr 
Hitler, es ist nichts in der Kasse." Dann habe Hitler mit der Faust auf 
den Tisch geschlagen: "Schwarz, ich brauche morgen frueh 1000 Mark." Und 
siehe, am naechsten Tag sind die tausend Mark dagewesen.... 

p.28. Rauschning, Gespraeche

Ich hoerte spaeter, dass in der Tat die deutsche Regierung das generelle 
Verbot der nationalsozialistischen Partei.... erwogen hatte.... Der Kampf 
als illegale Partei interessierte Hitler, es reizte ihn sogar.... Er 
konnte ihn ruecksichtslosen, sozusagen heimtueckischer fuehren. Hitler 
gab seinen "unbaendigen Willen" zu verstehen.... sich erst recht 
durchzusetzen.... .....Immerhin ist es im Hinblick der weltpolitischen 
Krise um Danzig nicht ohne Pikanterie, dass die Selbstaendigkeit Danzigs 
als Staat einmal fuer Hitler besondere Reize gehabt hat, und dass er 
beabsichtigte, diese Lage fuer seine eigene Sicherheit auszunuetzen. 

pp.32/33. Rauschning, Gespraeche

Hitler hat auch sonst Gelegenheit gegeben ihm nachzuweisen, dass seine 
Parteiinteressen gemeinsame nationale Interessen weit ueberwogen..... 

p.33. Rauschning, Gespraeche

Hess zeigte nach dem Fleck, wo Salzburg lag. Wir erfuhren, dass Hitler mit 
einem unstillbaren Grimm auf die Grenze blickte, die ihm sein Geburtsland 
verschloss. wir fuehlten, dass hier sehr starke persoenliche Gefuehle 
wirksam waren, nicht bloss politische und nationale. 

p.33. Rauschning, Gespraeche

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Ich entsinne mich des folgenden Gespraeches bis in alle Einzelheiten. Es 
hat einen unausloeschlichen Eindruck auf mich gemacht. Damals begann 
meine innere Abkehr vom Nationalsozialismus. Ich begann, zu begreifen, 
was er war und was er vor allem selbst sein wollte. Ich empfinde noch 
heute die kleine, enge Atmosphaere: den Geruch neuer Moebel, die Wahrheit 
einer ueberalterten Tages. Familiaere Enge und Bohemienwesen; 
Kleinbuergerliche Allueren und revolutionaere Gespraeche. Ich hoere noch 
diesen abstursen, unvermeidlichen Puzzi Hanfstaengel im Nebenraum den 
Fluegel traktieren. Er hatte gerade einen Marsch komponiert, der angeblich 
Hitlers Wohlgefallen gefunden hatte. Er kreuzte seine Motive auf mit 
Motiven aus Wagnerschen Opern. Ein kleines Sofa, ein paar Sessel, ein 
Tisch; Frau Kaubal, Frau Goebbels, Forster, Goebbels, ich sitzend. Hinter 
uns der "Fuehrer", der neue Reichskanzler. Er lehnte an seinem 
Schreibtisch und blaetterte in Schriften. Vor ihm Julius Streicher, Wagner 
aus Muenchen. Es wurde Tee gereicht, kleine Kuchen. Frau Raubal, die etwas 
mutterlich-guetiges hatte, versuchte ein harmloses Gespraech in Gang zu 
bringen. Wir waren abgespannt. Frau Goebbels, sehr undeutsch geschminkt, 
lauschte zu Hitler herueber, und auch ich vermochte mich nicht von 
dem Gespraech loszureisen, das hinter meinem Ruecken gefuehrt wurde und 
mich immer mehr erregte. Es war spaete Nacht. Hitler war aus einer 
Kinovorstellung gekommen. Irgenein patriotischer Schinken, Friedrich den 
Grossen verherrlichend. Wir waren schon vor Hitler in der Reichskanzlei 
oben gewesen. Wir waren schon vor Hitler in der Reichskanzlei oben gewesen. 
Wir warteten auf ihn. Als erster kam Goebbels. Ein fabelhafter Film, 
aeusserte er sich. "Ein grosser Film, das ist es, was wir brauchen. "Ein 
paar Augenblicke spaeter kam Hitler im Fahrstuhl heraufgefahren. "Wie war 
der Film?" fragte Forster zur Begruessung. "Ein Greuel, ein Schmarrn. Das 
muss polizeilich verboten werden. Es ist genug mit diesem patriotischen 
Kitsch!", "Jawohl, mein Fuehrer," draengte sich Goebbels heran, "Es war 
ein schwaches Stueck, ein sehr schwaches. Eine grosse Erziehungsarbeit 
bleibt uns zu leisten." Prinz August Wilhelm v. Preussen, der Hitler 
begleitet hatte und sich gleich wieder verabschiedete, warf salopp 
hinein: "Es ist Zeit, dass man so etwas wie ein Tierschutzgesetz 
erlaesst gegen diesen Missbrauch von historischen Erinnerungen."

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