The Nizkor Project: Remembering the Holocaust (Shoah)

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New Yorker Staats-Zeitung und Herold ( April 1939) 
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"Asketentum vs. Genussucht".

"Angesichts der wachsenden Schwierigkeiten 
der deutschen Finanzsituation, der mannigfachen 
Warenknappheit und des Mangels an hochwertigen 
Nahrungsmitteln laesst Hitler mit seinem scharfen 
Instinkt fuer die Gefuehlslage der Kassen immer 
mehr eine gewisse Verachtung fuer extravagante 
Lebens- fuehrung und geniesserischen Aufwand 
sichtbar werden. In demselben Masse gewinnen 
Vertreter der gewissermassen asketischen 
Machtausuebung an Einfluss und verlieren 
umgekehrt die allzu auffaellig welt- und 
lebensmaennischen Machthaber an Geltung. 
Darauf wird vor allem der Rueckgang des 
Einflusses Dr. Goebbels zurueckgefuehrt. 
Auch die Machstelling Goerings soll ziemlich 
geschwaecht sein, wie man aus der Kaltstellung 
eines seiner Vertrauensmaenner, des Fliegergenerals 
von Stuelphagel folgert. Dr. Ley sei sehr bemueht, 
seine Lebenshaltung dem neuen beduerfnislosen 
Kurs anzupassen, um seinen Einfluss zu wahren. 
Eine Reinigung der oberen und mittleren Machtstellen 
mit dem Ziel der Ausmerzung von Aufwandsuendern 
wird erwartet, wahrscheinlich auf dem Wege 
unauffaelliger Kaltstellung. Die Ereignisse werden 
jedenfalls eine Verhaertung des Selbst- 
erhaltungswillens herbeifuehren", schliesst 
diese Betrachtung, um dann auf die Aussenpolitik 
zu kommen. 

"Aussenpolitische Differenzen".

Es heisst da: "Auch bezueglich des kuenftigen 
Kurses der deutschen Aussenpolitik bestehen 
Gegensaetze, nicht etwa innerhalb der Regierung, 
die von den letzten Entscheidungen voellig 
ausgeschaltet und ein schlechtes Ausfuehrungsorgan 
der Parteiinstanzen geworden ist, sondern zwischen 
den verschiedenen Richtungen innerhalb der 
Heeresfuehrung und des naechsten Vertrauenkreises 
von Hitler.

"Die Ostfrontgeneraele" haben sich im Gegensatz 
zu den West- frontgeneraelen das besondere 
Vertrauen Hitlers erwerben koennen. Ihr Rat 
und ihre Stimme war bei der Durchfuehrung der 
Aktion in der Tschecho-Slowakei bei Hitler 
massgebend und sie haben seinen Beifall 
gefunden. Diese -- zu ihnen gehoeren Rist, 
Blaskowitz und Reichenau -- sollen fuer 
einen sofortigen weiteren Vorstoss gegen 
Ungarn und Rumaenien gewesen sein. 
Demgegenueber steht eine sogenante 
gemaessigte Richtung, die fuer eine Pause 
bis zum Herbst eintritt.

Reinigungsaktion erwartet.

Hitler soll sich unter dem Einfluss Ribbentrops 


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und vielleicht auch unter dem Eindruck der 
unerwarteten Haltung Englands nach dem 
Sprung nach Prag vorlaeufig fuer die gemaessigte 
Richtung entschieden haben. Danach wuerde 
zunaechst eine straffe Durchorganisierung der 
wichtigsten Parteidienste, verbunden mit einer 
Reinigungsaktion, in Aussicht stehen. Mit ihr 
koennten unter Umstaenden Persoenlichkeiten, 
die im Ausland besonderen Unwillen hervorgerufen 
haben, wie Julius Streicher, in den Hintergrund 
geschoben werden. Gleichzeitig aber wuerde die 
Fertigstellung der Befestigungswerke im Westen, 
der sogenannten Siegfriedlinie, die sich teilweise 
wegen Maengels an Material und an qualifizierten 
Arbeitskraeften bisher verzoegert hat, gesichert 
werden", schliesst das Blatt seinen bemerkenswerten 
Artikel. 


New Yorker Staats-Zeitung und Herold (Dezember 1940) 
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ADOLF HITLER FUEHRT EIN SPARTANISCHES PRIVATLEBEN! 

Reichsfuehrer kommt mit wenigen Stunden Schlaf 
aus; seine Privatraeume in der Reichskanzlei sind 
ein Muster der Einfachheit.

von Preston Grover ("Associated Press")

Berlin, 31. Dezember 1940. Adolf Hitler lebt 
persoenlich in spartanischer Einfachheit.
Sein Tageslauf umfasst viel harte Arbeit, ist 
aber keineswegs nach der traditionellen "preussischen 
Disziplin" arrangiert, denn Hitler kommt nun einmal 
aus dem weniger fuer diese Disziplin eingenommenen 
Sueden des Reiches.

Die neue Reichskanzlei, die sein offizieller Wohnsitz 
ist, kann es an Innendekorationen wohl mit frueheren 
kaiserlichen Palaesten aufnehmen und ist eines der 
prunkvollsten Gebaeude Berlins.

Aber die Privatraeume Hitlers inmitten der 
Reichskanzlei stechen krass von den anderen 
ab, denn sie sind aeusserst einfach eingerichtet.
Hitler schlaeft ziemlich wenig und kommt oft 
tagelang hintereinander mit je vier bis sechs 
Stunden Ruhe pro Tag aus. Er schlaeft in einem 
einfachen Feldbett und steht puenktlich morgens 
um 8, spaetestens 9 Uhr auf. Er hat drei Diener -- 
namens Junge, Krause und Linge -- aber er 
rasiert sich selbst. Diese drei Diener,

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die saemtlich verheiratet sind und Kinder haben, 
arbeiten in drei Achstunden-Schichten und begleiten 
Hitler auch nach Muenchen oder Berchtesgaden.

Kein waehlerischer Esser.

Hitler beginnt morgens sofort mit der dringendsten 
Arbeit und fruehstueckt erst um 11 Uhr. Er isst 
zu dieser Zeit gewoehnlich Obst und ueberlaesst 
es seinem Koch, Kamenberg, die beiden anderen 
vegetarischen Mahlzeiten des Tages 
zusammenzustellen. 

Der Reichsfuehrer ist, abgesehen davon, dass 
er kein Fleisch isst, kein besonders waehlischer 
Esser, und selbst seine engsten Freunde sind 
sich darueber im Unklaren, ob er Muss-Vegetarier 
ist -- weil er im Weltkrieg eine Gasvergiftung 
erlitt -- oder Ueber- zeugungsvegetarier.
Es ist aber bekannt, dass er kleine Tiere liebt, 
und dass er die Toetung von Tieren hasst, ja 
dass er sie nicht einmal in der Gefangenschaft 
sehen will und einmal einen Adler freisetzte, 
der ihm von einem Anhaenger geschenkt worden 
war. 

Hitler trinkt gelegentlich Tee oder duennen 
Kaffee, aber keine staerkeren alkoholischen 
Getraenke als anderthalb-prozentiges Bier. Er 
begibt sich nach seinem Fruehstueck nach 
seinem Arbeits- zimmer in der Reichskanzlei, 
wo er drei Privatsekretaerinnen hat - Frl. 
Derranowski, Frl. Schroeder und Frl. Wolf. 

Staendiger Nachrichtendienst.

Sein Schreibtisch ist erst einmal mit den 
wichtigsten deutschen Zeitungen bedeckt, 
die er schnell, aber sorgfaeltig liest -- ohne 
den Sport und die Theaternachrichten zu 
vergessen. 

Er erhaelt ferner Funkmeldungen aus aller 
Welt und stuendlich die neuesten Presseberichte. 
Er ist auch auf Reisen stets in Verbindung mit 
Berlin und mit der Welt, ob er nun das Flugzeug, 
seinen Sonderzug oder das Auto benutzt -- das 
Flugzeug hat sowieso eine Funkanlage, der Zug 
fuehrt einen als Empfangs- und Sendestation 
eingerichteten Wagen mit, und die Autokarawane 
ist entsprechend ausgeruestet.

In seinem Buero diktiert Hitler seine Briefe 
und Reden meistens in einen Diktographen, 
oftmals aber auch einer Sekretaerin direkt 
in die Schreibmaschine. Und dabei duldet er 
keine Unterbrechun- gen. Uebrigens redigiert 
er spaeter selber seine Reden auf den Stil hin.

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Kein Tyrann bei Beratungen.

Oft holt Hitler seine Berater zur Konferenz am 
Runden Tisch zusammen. Und im Gegensatz zu 
der im Ausland verbreiteten Ansicht, dass er 
ihnen seinen Willen aufoktroyiert, heisst es hier, 
dass er die Meinungen anderer gern annimmt, 
wenn er einmal ueberzeugt ist, dass sie besser 
sind als seine eigenen. 

In diesem Zusammenhang wird von seinen engsten 
Mitarbeitern gesagt, dass man ohne weiteres auch 
ueber schwierigste Probleme mit ihm sprechen 
kann, dass er ein ausserordentlich guter Zuhoerer 
ist, und dass er ein geradezu phaenomenales 
Gedaechtnis hat, das er nur von Zeit zu Zeit mit 
Aufzeichnungen in ein Notizbuch unterstuetzt.
Seine Hauptberater auf militaerischem Gebiet 
sind General Alfred Jodl, Marschall und 
Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel, der 
Chef des Oberkommandos der Wehrmacht. 
Marschall ist verhaeltnismaessigerweise ein 
Neuling mit vielen neuen Ideen, die Hitler 
ansprechen. Keitel ist ihm im Laufe des 
Krieges immer naeher gekommen, weil er 
die Faehigkeit besitzt, verzwickte militaerische 
Situationen mit einfachen Zeichnungen 
klarzumachen.

Militaerische Studien.

Hitler arbeitet aber nicht nur bei Tage, sondern 
auch bei Nacht -- die er besonders in letzter Zeit 
zum Studium militaeri- scher Probleme benutzt.
Im letzten Winter, ehe der Feldzug im Westen 
begann, war sein Arbeitspult allabendlich mit 
militaerwissenschaftlichen Werken und militaerischen 
Landkarten uebersaet, in denen er Schlachtplaene 
studierte -- die Schlachtplaene der letzten tausend 
Jahre. 

Hitler hat eine Schwaeche fuer die Oper, das 
Variete und den Film. Sein Lieblingskomponist 
ist Richard Wagner, aber er hat keine Liebhabereien 
im Sinn der Zerstreuung, und er treibt keinen Sport. 
Er hasst die Limousinen und bevorzugt offene Autos, 
sitzt dann meistens neben dem Chauffeur.
Aber er geht hin und wieder im Garten der 
Reichskanzlei oder auf der Strasse spazieren 
und er verbraucht ohnehin eine gewaltige Menge 
Energie bei seiner Tagesarbeit.

Er zieht es vor, seine Spaziergaenge allein zu 
machen, aber er wird im Garten der Reichskanzlei 
oft von Diplomaten und anderen begleitet. Er 
verweigert indessen auf seinen anderen Spaziergaen- 
gen den Schutz selbst der eigens zur Sicherung 
seiner Person ge- gruendeten SS, er laesst sich 
aber auf dem Obersalzberg von einem Schaeferhund 
begleiten.

Hitlers Mitarbeiter sagen, dass er eine Vorliebe 
fuer Kinder hat, obwohl er selbst unverheiratet 
ist -- aber seine Bilder zusammen mit Kindern 
zeigen eine gewisse Steifheit und ein Sich-nicht-
zu-Hause-fuehlen. (Ein zweiter Artikel morgen).


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