The Nizkor Project: Remembering the Holocaust (Shoah)

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THEODOR HEUSS
Hitlers Weg


Verbesserung zur sechsten Auflage:
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Die Niederschrift dieses Buches ist Anfang Dezember 1931 abgeschlossen 
worden... In der Vorbemerkung zur ersten Auflage war die Frage offen 
gelassen, ob fuer ein Buch dieser Haltung zwischen dem aplogoletischen und 
polemischen Schriftum noch Raum vorhanden sei.... Doch kann ich nicht 
verschweigen, dass mich einiger besorgter Vorwurf erreichte: die Stunde 
fordere nicht ein betrachtendes und klaerendes, sondern kaempferisches 
Verfahren. Von nationalsozialistischer Seite wurde ich darauf hingewiesen, 
dass Gittfried Feder mehr "ueberwunden" sei, als mein Buch annehme; auch 
fehle dem Buch die Charakteristik von Hitlers persoenlicher Umgebung, dem 
"Stab"; dessen Art und Einfluss muesse sehr stark gewertet werden..... 
"Die Schrift macht den Versuch, eine geistige Grundhaltung und eine 
Entwicklung aus zeitgeschichtlichen und persoenlicher Bedingtheit 
aufzuhellen." 

Ein fehlgegangener Putsch kann seinen Urheber leicht in den Bezirk der 
Laecherlichkeit stossen. Hitler war nahe daran, solches Schicksal zu 
erleiden. Der Abend mit dem Schuss in die Decke des Bierkellers, mit der 
Absetzung der Reichsgewalten, mit der Bestellung einer neuen 
Reichsregierung behaelt den Zug einer Groteske, ist im besten Fall ein 
Melodrama, das die Zeitgenossen ausgepfiffen haben. Dass der Fortgang des 
Stueckes am anderen Morgen junge Menschen in den Strassen Muenchens sterben 
sah, erhebt das Unternehmen noch nicht zur Tragoedie. Die ihr Leben verloren 
haben, sind unschuldige Opfer einer unsicheren Regie. Hitlers Sinn fuer 
Tragik, fuer die Auseinandersetzung mit einer Schuldfrage, ist gering. Er 
hat fuer die toten Kameraden Schmerz und Trauer empfunden, aber bei dem 
Gegensatz im eigenen Verhalten hat er sich nicht lang aufgehalten: jene 
Versicherung eines entflammten Pathos, dass der Misserfolg des Versuches 
das eigene Ende bedeuten werde, und dann der graemliche Ausgang mit Flucht 
und alledem. Darueber ist er entschlossen hinweggekommen, eine motorische, 
eine sehr gegenwaertige Natur.	p.1

Natuerlich hat ihm der Fehlschlag des Staatsstreichs eine Lehre geboten. 
Er ist zum erstenmal auf eine Gewalt gestossen, die in der harten 
Nuechternheit des befehlsgemaessen Funktionierens staerker war als er 
selber. ein paar Jahre hatte er geredet, sich selber hochgeredet; ....Im 
Beginn hatte es wohl auch Widerspruch... gegeben -- aber als dies ins 
Handgreifliche gedieh... in die Saalrauferei, hatte er sie abgeschafft. 
Der Saalschutz wurde zum Ersatz der Diskussion, die Versammlung zum Rahmen 
eines zwei-dreistuendigen Monologs. p.1 

00011189.GIF (page 2)

Er glaubt an das was er sagte. Auch daran, dass die Stunde auf den Retter 
des Volkes, auf den Erneuerer versunkener, auf den Schoepfer neuer Werte 
harre. Durch die Reden jener fruehen Zeit vollzog sich in der ewig gleichen 
Abfolge mit den Anhaengern eine ewig gleiche, seelische Selbststeigerung, 
durch die der Sprechende seine persoenliche "Sendung" fuehlte und erlebte. 

Er gibt sein Ehrenwort, dass er [unreadable] nichts unternehmen werde. Das 
beruhigt den Polizeiobersten von Seisser, und als Hitler am 8. November 
1923 losschlug oder doch losschlagen wollte, glaubte er wohl noch halb, das 
sei der Putsch mit Polizeierlaubnis, auch wenn er nicht vorher 
ordnunsgemasess bei der Polizei gemeldet war. Die Abrede vom Fruehsommer 
mochte ihm durch spaetere Besprechungen, durch die Zuspitzung der Beziehungen 
zwischen Muenchen und Berlin hinfaellig, sozusagen konsumiert sein. Nicht er 
hatte sich ueber ein Versprechen hinweggesetzt, die geschichtliche Lage 
haette den Sinn der frueheren Abmachung entwertet und ihm das Recht, wenn 
nicht die Pflicht auferlegt, mit dem fait accompli der gemeinsamen 
Grundstimmung Gestalt, Bewegung, Blut zu geben. So sah er den Ablauf der 
Dinge und blieb dadurch mit sich selbst im reinen.	pp.2/3.

Bewundernswert ist die Spannkraft, mit der er diese boese Geschichte 
hinter sich brachte.	p.3

Man kennt den Lebenslauf des Kindes und werdenden Mannes (Hitler) -- wenn 
nicht aus seiner eigenen Erzaehlung, so aus einer Probe der Heroenliteratur, 
die sich an das Buch angeschlossen hat. Die Schriften ueber Hitler von 
Schott, Czech-Jochberg und anderen, sind fuer die Beurteilung nicht 
unwichtig, weil in ihnen die Wirkung von Hitlers Anlage sich spiegelt. Auf 
diese aber kommt es an. p.15. 

(Sehr kurze Biographie -- nur wenige Saetze). Ganz sachlich. Schluss) Ein 
fruehes soziales Resentiment kuendigt sich bei dem jungen Menschen an, was 
ihm spaeter noch allerhand logische Schwierigkeiten machen wird: er sucht 
die MAsse, ja er braucht sie geradezu, und sei es nur, damit sie ihm Echo 
gebe. Aber er will nicht im Glied mit ihr marschieren.	p.16

Im aeusseren Ablauf ein wenn auch trauriges, so doch alltaegliches 
Schicksal -- es ist sehr lehrreich, wie Hitler, noch mehr seine Biographen, 
in ihm die Anlagen des Ausserordentlichen sich entfalten lassen. Man kann 
dies, unbefangen, auch bei gutem Willen nicht erkennen.	p.16.

00011190.GIF (page 3) [most is unreadable] 

Man erfaehrt von Hitler und noch mehr von seinen [unreadable], ..... viel 
gelesen habe; das Bild eines jungen Kadet in der Wachstube entstand, der 
Wissensdinge in sich hineinfrisst. Leider nennt er selber, ausser irgend 
einer populaeren Kriegsgeschichte, nicht in welchen Auseinandersetzungen 
er sein historisch-politisches Weltbild, annehmend und ablehnend, gestaltet 
hat. Dadurch klafft eine schwerliche Luecke vor dem Versuch, naehere 
Einsichten in das geistige Werden des Mannes zu gewinnen. p.25 

....Hingabe und der Propagandastil. Er ist der Erfinder des Hakenkreuzfahne 
und der Sturmabteilung mit ihren Uniformen. Deren braune Farbe soll ein 
Einfall des Oberleutnants Rossbach sein -- ....Hitlers ungezeichneter 
Spuersinn fuer das Wirkungsvolle...... der kollektiven Suggestion....	p.26/17

...[unreadable]....Verfuegung....[unreadable].. ...........................
......schlicht. .............................Volk ist, das auserwaehlte. 
Diese Vorstellungsreine ist vollkommen echt und unmittelbar, sie ist 
geglaubt..... Echt und ..... auch die Selbstidentifizierung, ... Hitler ... 
diesen Volksbegriff vornimmt und die sich bei ihm in der [unreadable] 
seelischer Hingabe vollzieht. Dass die [unreadable] in der Widerholung 
einen mehr technischen Charakter bekommen hat, ist selbstverstaendlich, aber 
sie waere laengst verbraucht, wenn sie nicht [unreadable] von einer 
urspruenglichen ...[unreadable]... tritt aber die ..... Der Misserfolg des 
November 1923 hat die Enttaeuschung vertieft. Offenbar hatte Hitler 
damit gerechnet, .... die.... Volk willensgemaess so geformt zu haben, dass 
es ihm auf dem Weg der Befreiung folgen... wuerde -- es blieb halb 
interessierter, halb veraengstigter Zuschauer, der .... Hitler eine 
Muenchener Novemberaktion. .... gemacht, und diese Bitterkeit hat er sich 
im.... von der Seele geschrieben. Es war die Zeit, wo er sich in die 
Maertyrerrolle hineinlebte -- da sprach er von der Basis veraechtlich, 
zynisch, ... ... ..., ... ... ... ... Hand des Propagandisten. .... 
Nietzsche gelesen? Ein deutscher Minister hat sich ja durch Hitlers Buch 
an den grossen ..[unreadable]... erinnert gefuehlt, eine Mitteilung, die 
alle Menschen mit Sprachgefuehl, von andern abgesehen, schmerzen muss.	
pp.60/61.

Der sich als Vorkaempfer der Masse gab, kann ohne die Masse nicht sein. 
Er braucht sie, um zu sich selbst zu kommen, er lebt sein erhoehtes 
"Lebensgefuehl in den Instinkten, freundlichen und feindlichen, die er 
koerperlich aus der Masse auf sich einwirken spuert. ....In weichen 
Augenblicken redet er von den Muehen und Opfern seines in der Agitation 
sich verzehrenden Lebens;..... pp.61/62. 

00011191.GIF (page 4)

Der Wortschatz, dessen Hitler sich zur Charakteristik des Parlaments 
bedient, ist eine Angelegenheit des Geschmacks darueber nicht mehr.	p.65.

Hitler setzt sich heute selber unzweifelhaft als den gegebenen Faktor, von 
dem aus die Fuehrung des Staates und dessen Elemente neu gebildet werden. 
Das war nicht immer so. Der Griff zur Macht, November 1923, misslang; er 
hat sich selber im Anschluss daran den "Trommler" genannt, ohne zu bewiss 
von der militaerischen Aufgabe dieses Musikanten gering zu denken. Dies 
Wort, was auch Lloyd George waehrend des Krieges einmal auf sich angewandt 
hat, ist viel zitiert worden; es wirkte vor Gericht als eine Geste 
der Bescheidenheit: 'mir mag es genuegen, geweckt und gesammelt zu haben, an 
der Spitze marschiert zu sein -- die Befehlsausgabe mag bei einem anderen 
liegen.' Das ist ziemlich lange her; es meldet sich fuer jede Erinnerung 
an dies Wort, dass er den Trommelschlegel jetzt fuer den Marschallstabe 
haelt. Das Recht dazu wird ihm bestreiten, wen Gehalt und Sprache seines 
Buches bestuerzt haben und wer in seinen Reden die Konkretisierung eines 
Weges und eines Zieles vermisst -- das Echo von Millionen mag in ihm den 
Glauben an seine Sendung bestaetigen, ihm ueber Zweifelsgefuehle, die ihn 
gelegentlich ueberfallen, hinweghelfen. Die Konstruktion eines staatlichen 
Willens aus diesem Ich mag ihm heute genuegen. p.70. 

Hitler hasst oder verachtet den Slawen -- er hat selber slawisches Blut und 
muss das Wissen davon ueberkompensieren;....	p.90

Die Hemmungslosigkeit (und Kenntnislosigkeit), mit der Hitlers Buch ueber 
das franzoesische Problem redet.... p. 99 

Hitler liebt den Sperrdruck. Er hebt mit ihm die Saetze hervor, die 
entweder den Ehrgeiz haben, als feste Wahrheiten in die Erinnerung 
einzugehen, oder den Ausdruck einer gewissen rednerischen Erregtheit, ja 
Ekstase spiegeln sollen. (Auch das geschriebenen Buch bleibt fuer den 
Redner bezeichnend dessen Kraft der des ziemlich maessigen 
Schriftstellers ueberlegen ist.)	p.102.

Die Natur hat ihn mit einem gluecklichen Temperament ausgestattet, so 
dass er gar nicht spuert, dass er selber immerzu in die Suende des 
blossen Ressentiments faellt. Das rationalistische Machtkalkuel und die 
Hemmungslosigkeit des Gefuehls stehen unvermittelt nebeneinander.	p.103.

Wenn ihn manche seiner Anhaenger als eine Art von deutschem Messias 
sehen.... so hat er nichts dagegen, soweit sich aus solcher Betrachtung 
ein Zuwachs an Menschenbindenden Glauben ergibt. 

00011192.GIF (page 5)

Natuerlich wuerde man Hitlers Leistung nicht voellig gerecht, wollte man 
in ihm nur den grossen, unermuedlichen Organisator sehen. Er hat auch 
Seelin in Bewegung gesetzt und einen zu Opfer und Hingabe bereiten 
Enthusiasmus an sein Auftreten gefesselt.	p.119.

Hitler industrialisiert seinen Ruhm als Redner, als Maertyrer, als Retter. 
....Er hat selber einmal in einem denkwuerdigen Aufsatz mitgeteilt, dass er 
fuer seine Reden bestimmte Garantiesummen verlangt, die er dem Ausbau und 
Schmuck des Generalquartiers, des "Braunen Hauses" in Muenchen, widmet. p.12? 

Sein Verhaeltnis zur Masse......ist nicht eindeutig; nicht als ob er sie 
"verachtete", wie gelegentlich gesagt wird, er hat sich nur, um hassen zu 
koennen, eine anti-demokratische Lehre zurecht gemacht, in der das 
"mitverantwortende" Volk als eine laecherliche oder truegerische Fiktion 
beseitigt wird. Aber er braucht das Volk, moeglichst entindividualisiert, 
in der tausendfachen Nachbarschaftsuggestion der grossen Versammlung, um 
sich in dieser Begegnung selber zu bestaetigen.	p.131.

....er bebraucht das Wort Legalitaet, wenn nicht im Schreiben, so doch 
im Reden mit durchaus ironischen Anfuehrungszeichen.	p.137.

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