The Nizkor Project: Remembering the Holocaust (Shoah)

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   Leute, denen man gute Information zutrauen duerfte, wussten von 
sehr freundschaftlichen Beziehungen zu einem jungen Menschen namens 
Schiller in Berlin zu berichten; dieser Schiller habe Briefe Hitlers in der 
Schweiz an sicherer Stelle untergebracht.  Ohne dass nach der Person dieses 
Schiller hier weiter geforscht sei, kann gesagt werden, dass die Behauptung 
von einer Homosexualitaet Hitlers reine, durch die handgreiflichsten 
Tatsachen widerlegte Kombinationen sind.   Bis vor wenigen Jahren waere es 
niemandem eingefallen, ihn nach dieser Richtung hin zu verdaechtigen; erst 
der Roehm-Skandal legte die Vermutung der Gesinnungsverwandtschaft mit dem 
Duzfreund nahe.  Aber die Duzbruederschaft erklaert sich viel einfacher: die 
beiden kennen sich seit den kleinen Anfaengen der Bewegung, als Adolf Hitler 
sich mit mehr oder minder allen seinen Kumpanen duzte.

   Wir erinnern uns, wie seine intimen Parteifeinde aus der Anfangszeit ihm 
"uebermaessigen Damenverkehr" vorwarfen und ihn der Grossprecherei 
gegenueber seinen Freundinnen beschuldigten.  Wir erinnern uns an den 
Ruegebrief Gottfried Feders, der ihm doch ausdruecklich das Recht der 
Erhohlung "im Kreise schoener Frauen" zugestand.

   Aber dann gibt es auch wieder gegenteilige Beobachtungen.  Der 
Gefaengnisdirektor Leybold in Landsberg schreibt in einem seiner Berichte: 
"Er hat keinen Zug zur Weiblichkeit".  Aus seiner Jugend wird berichtet, er 
sei einmal in die groesste Raserei geraten, als bei einer Zecherei ein 
Kamerad die Kellnerin in die Wade kniff.

   Etwas ist nicht in Ordnung.

   In "Mein Kampf" gibt es ein wenig beachtetes erotisches Kapitel.  Es 
beginnt merkwuerdigerweise mit einer Betrachtung ueber die Syphilis, beklagt 
dann die "Verprostituierung der Volksseele" und fordert die Sterilisation 
unheilbar Kranker.  Das Kapitel enthaelt eine Reihe vernuenftiger Gedanken; 
auffallend ist aber die Ueberreiztheit und Einseitigkeit mit der hier 
Wunden betastet und Laster gegeisselt werden.

   Der wuetende Ton, in dem er die Bekaempfung der gewiss gefaehrlichen 
Syphilis fuer die Aufgabe der Nation erklaert, muss stutzig machen.

   Die ganze Nation als geistiges Syphilislazarett -- die Phantasie 
eines offenkundig Ueberreizten.

   Ein weiterer Absatz freilich klingt nicht so ganz nach Phantasie.  
Da schildert er mitleidig den Mann, der "leider nur zu haeufig gerade 
nach reichlichem Alkoholgenuss dieser Pest in den Weg laeuft, da er in 
diesem Zustande am wenigsten in der Lage ist,

Heiden, Konrad: Adolf Hitler. 1936.  pp.353,354,355.

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die "Qualitaeten" seiner Schoenen zu beurteilen, was der ohnehin kranken 
Prostituierten auch nur zu genau bekannt ist. Das Ende aber ist, dass der 
spaeter unangenehm Ueberraschte auch bei eifrigstem Nachdenken sich seiner 
barmherzigen Beglueckerin nicht mehr zu erinnern vermag, was einem in einer 
Stadt wie Berlin oder selbst Muenchen nicht wundernehmen darf.  Dazu kommt 
noch, dass es sich oft um Besucher aus der Provinz handelt.

   Alle seine Beziehungen zu Frauen hatten einen merkwuerdigen Verlauf.

   1923 galt bei den Parteigenossen Jenny Haug als seine Braut.  Ihr Bruder 
war Hitlers Chauffeur.  Jenny fuehlte sich vernachlaessigt, als Hitler in 
der Gesellschaft Hermann Essers und Ernst Hanfstaengls Ablenkung fand; sie 
war eifersuechtig auf die junge Frau Esser.  Hitler nannte das Einbildung 
und sprach gefuehlvoll von einer "spinnerten Urschel".  Auch Haug, der 
Bruder, scheint gekraenkt gewesen zu sein; nach dem Putsch von 1923 richtete 
Roehm aus dem Gefaengnis eine Mahnung an ihn, Hitler auf jeden Fall treu zu 
bleiben.  Da Roehm in jener Zeit seine Gefuehle gern in Versen ausdrueckte, 
schrieb er an Haug: "Bleibe immer nur treu dem Fuehrer und Freund Adolf 
Hitler! Feiger Memmen Gewalt schafft uns nur schoeneren Sieg."

   Wie dem auch sei, Haug ist nach der Neugruendung der Partei nicht mehr 
Hitlers Chauffeur geworden und aus seiner Umgebung ebenso verschwunden wie 
die Schwester Jenny.

   Damals keimte eine andere Beziehung, von der bereits in Andeutung die 
Rede war: Hitlers Neigung zu Erna Hanfstaengl, der Schwester Ernst 
Hanfstaengls.  Erna Hanfstaengl ist eine grosse, eindrucksvolle, viel 
begehrte Dame der Muenchener Gesellschaft, stolz und kuehl.  Hitlers 
Neigung ist heftig, aber anscheinend ziemlich einseitig; Erna Hanfstaengl 
zieht ihm den Chirurgen Sauerbruch vor.  Hitler fuehlt einen Stich im 
Herzen.  Es wird gefluestert, der Fuehrer der Nationsozialisten sei mit 
einer jungen Dame juedischer Abstammung verlobt; der Name wurde nicht 
genannt, aber darauf angespielt, dass Erna Hanfstaengls amerikanische 
Grossmutter Heine geheissen hatte.  Darauf eine fettgedruckte 
Bekanntmachung im "Voelkischen Beobachter": es liefen Geruechte ueber eine 
Verlobung Adolf Hitlers mit einer juedischen Dame um.  Diese Geruechte 
seinen erlogen; Adolf Hitler sei nicht verlobt.  Ausserdem - nun woertlich 
und mit voller Namensnennung -- "ist das betreffende Fraeulein Hanfstaengl 
gar nicht juedischer Abstammung."  Nach dieser taktvollen Erklaerung 
konnte die ganze Stadt denken, was sie wollte; die Wahrheit war aber, dass 
Hitler kein Glueck gehabt hatte.  Erna Hanfstaengl heiratete bald darauf 
den Professor Sauerbruch; dieser wiederum vertauschte Muenchen mit Berlin 
nicht zuletzt, um den abgewiesenen Liebhaber etwas aus dem Gesichtsfelt 
zu bekommen.

Heiden, Konrad: Adolf Hitler. 1936.  pp.355,356.

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   Im Jahre 1931/32 fallen die haeuffigen Besuche Hitlers im Hause Wahnfried 
in Bayreuth auf.  Dort lebt Frau Winnifred Wagner, die Witwe des verstorbenen 
Siegfried Wagner und Schwiegertochter Richards.  Wieder schwirren Geruechte 
von einer bevorstehenden Verlobung.  Es brechen diese Beziehungen im 
Herbst 1932 ploetzlich ab.  Tatsache ist, dass Hitler, bis dahin Gast im 
Hause Wahnfried, ploetzlich mit allem Gefolge und vielen Automobilen 
Bayreuth verlaesst und sich im benachbarten Staedtchen Berneck einquartiert.  
Wieder ist offenbar er der unglueckliche Partner einer Beziehung, die 
vielleicht erst angebahnt werden sollte.  Das Interesse fuer Bayreuth hoert 
nicht auf; die haeufigen Privatbesuche unterbleiben.

   Im Fruehjahr 1933 beschaeftigt ihn ein junges Maedchen, Tochter eines 
Berliner Gelehrten, in dessen Salon Hitler und Goebbels schon vor der 
Machtergreifung verkehrten.  Hitler wird von der Hausfrau mit "Herr Adolf" 
angesprochen.  Herr Adolf muss sich von ihr beispielsweise Vorwuerfe wegen 
des Judenboykotts gefallen lassen, der in diesem kultivierten Hause nicht 
verstanden wird; dann mischt sich Goebbels ein und sagt gesalbter Stimme: 
Gnaedige Frau, ich war das schwarze Schaf!"  Die eine Tochter des Hauses, 
ein lebenslustiges junges Maedchen, findet Gefallen daran, den 
beruehmtesten Deutschen der Gegenwart ein wenig an der Nase herumzufuehren.  
Mit himmlicher Geduld begleitet er sie auf ihren Autofahrten, aber dabei 
bleibt es auch.

   Viel Anlass zum Gespraech hat die Filmschauspielerin Leni Riefenstahl 
gegeben. [unreadable] hat Hitler der Dame drei Jahre nacheinander den 
Auftrag gegeben, den Nuernberger Parteitag zu filmen; zweimal sind nach 
allgemeinem Urteil schlechte Filme daraus geworden.  Trotzdem bleibt Leni 
Riefenstahl vorlaeufig die Herstellerin des offiziellen Films vom 
Parteitag.  Sie schwaermt fuer Hitler, erklaert "Mein Kampf" fuer eine 
Offenbarung; auf einer Filmexpedition nach Groenland hat sie Hitlers Bild 
in ihrem Zelt haengen.  Sie gehoert zu den Intimsten des Kreises, duzt 
Hitler, wie Goering, erklaert aber im uebrigen, Hitler stehe hoch ueber 
jeder persoenlichen Beziehung.

   Eine Zeit lang schwaermte Hitler fuer die Saengerin Margarete Slezak.  
Hier, wie bei anderen Beziehungen ist zu bemerken, dass der 
nationalsozialistische Fuehrer keinen Anstoss an der "Verjudung" des 
Milieus nimmt, in dem die von ihm verehrte Frau lebt.  Auch seine 
haeufigsten Besuche in einer Muenchener Gaststaette wurden bemerkt, deren 
Inhaberin ihn stark fesselte.

   Auffallend ist bei diesen Beziehungen Hitlers Unbestaendigkeit, um 
nicht zu sagen Untreue.  Es scheint, dass er in die achtungsvolle 
Verehrung kultivierter Weiblichkeit gern das derbere Verhaeltnis zu 
groeberen Typen hineinmengt.  Anspruchsvolle Freunde klagen ueber die 
"unmoegliche Flietscherln", die er in jede Gesellschaft und zu den 
unpassendsten Gelegenheiten mitbringen.  Die Carlton-Teestube an der 
Brienner Strasse war lange Zeit ein beliebter Treffpunkt fuer derartige 
Zusammenkuenfte.

Heiden, Konrad: Adolf Hitler. 1936.  pp.356,357.

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   Vor einigen Jahren gehoerte Hitlers starke Neigung der jungen Henny 
Hoffmann, der Tochter des Freundes und Leibphotographen Heinrich Hoffmann.  
Freunde beobachteten, wie Hitler in der Gegenwart des jungen Maedchens 
unruhig wird und die Selbstbeherrschung verliert.  Henny Hoffmann heiratet 
spaeter Baldur von Schirach.

   Tiefer und tragischer als alle diese Beziehungen verlaeuft ein 
Verhaeltnis, das man Adolf Hitlers grosse Liebe nennen kann: der [unreadable] 
mit seiner Nichte Grete Raubal, der Tochter der Stiefschwester Angela.

   Grete Raubal war ein junges, krausblondes, peppiges Landmaedchen aus 
Oberoesterreich -- so etwa ist der Typ am besten beschrieben.  Sie wohnt mit 
der Mutter im Haus des Onkels: nimmt in Muenchen Gesangsunterricht, will zur 
Buehne.  Hitler fasst eine starke Neigung zu dem jungen Maedchen, das ihn 
lange nur als den beruehmten Onkel anschwaermt, ja vergoettert.  Ihm selbst, 
der im Leben nicht viel aufrichtige Liebe gekannt hatte, mag die 
bedingungslose, vorerst halbkindliche Zuneigung des jungen Wesens wohlgetan 
haben.  Sie nennt ihn Onkel Alf, er nennt sie Geli.

   Die Freundschaft zwischen Alf und Geli gibt fruehzeitig zu Klatscherei 
in der Partei Anlass.  Sie sind mit Grund fuer den Sturz des 
wuerttembergischen Gauleiters Wunder im Jahre 1928.  Hitler schreit die 
wuerttembergischen Amtswalter an, er sei der Gruender und Fuehrer der 
Partei und lasse sich keine Vorschriften machen, ob und wohin er mit seiner 
Nichte im Auto fahre.  Das haeufige Erscheinen Gelis neben Alf war bei 
Versammlungen und Tagungen aufgefallen.

   Im Herbst 1930 erfaehrt die breite Oeffentlichkeit zum erstenmal von 
dem Verhaeltnis durch seinen schrecklichen Abschluss.  Grete Raubal hat zur 
Pistole gegriffen, sie hat sich in ihrem Schlafzimmer in der Muenchener 
Wohnung, die sie gemeinsam mit der Mutter und dem Onkel bewohnt, erschossen.  
Hitler ist zerbrochen.  Grete Raubal wird in Wien beerdigt; der Onkel, der 
aus Oesterreich ausgewiesene, erhaelt von der oesterreichischen Regierung 
die Erlaubnis, ans Grab zu kommen, unter der Bedingung, dass er sich 
jeder politischen Taetigkeit enthalte.  Die oesterreichischen Genossen 
werden aufgefordert, den Besuch des Fuehrers ueberhaupt nicht zu beachten.

   Warum hatte Grete Raubal sich getoetet ?

   Es gibt einen dokumentarischen Vorgang, der ein ueberraschendes Licht 
auf Adolf Hitlers Beziehungen zu Frauen wirft.  Dieser Vorgang setzte es 
ausser Zweifel, dass Adolf Hitler gegenueber geliebten Frauen in einer 
besonderen Art hoerig ist.

Heiden, Konrad: Adolf Hitler. 1936.  pp.357,358.

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Ruecksichten jeder Art verbieten es, sowohl diese Veranlagung wie den 
erwaehnten dokumentarischen Vorgang naeher zu beschreiben.  Bemerkt sei 
nur, dass mit dem Fall der Reichsschatzmeister der Partei, Franz Schwarz, 
in Verbindung steht, der geholfen hat, Adolf Hitler aus Erpresserhaenden zu 
befreien.

   Die Tatsache der Hoerigkeit liefert die bis jetzt noch fehlende, ins 
Gesamtbild fugenlos hineinpassende Komponente zum Charakterbild Adolf 
Hitlers.  Sie ist der geheime ontrast zu seiner ueberbetonten, affektierten 
Brutalitaet in Politik und Geschaeften, gegenueber Freunden und Mitarbeitern, 
ein Kontrast, der den Sexualwissenschaftlern wohlbekannt ist.

   Ob die Entdeckung dieser Eigenschafte and dem verehrten Onkel Alf Grete 
Raubal  die Lebensfreude genommen hat, sei hier nicht untersucht.  die leider 
notwendige Beschaeftigung mit den unbekannten Eigenschaften des Phaenomens 
Adolf Hitler hat da zu enden, wo eine unbedingte Notwendikeit nicht mehr 
vorliegt.  die Tatsache war Grete Raubal jedenfalls bekannt.

   Nach ihrem Tode fertigte der Maler Ziegler ein Portraet von ihr an, vor 
der Hitler in Traenen ausbrach.  Ziegler wure spaeter durch 
handschriftliches Dekret Hitlers Professor an der bayrischen Akademie der 
bildenden Kuenste mit ausserordentlichen Vollmachten.

   Und nun ist der eigentuemliche Charakter von Hitlers Frauenbeziehungen 
zu verstehen.  Sie sind alle undurchsichtig und geheimnisvoll.  Er gibt 
sich, wahrheitswidrig, das Air des Mannes ohne Privatleben.  Diese 
Beziehungen reissen, fast ohne Ausnahme, an irgend einer Stelle ploetzlich 
ab, und in vielen Faellen kann man feststellen, dass Hitler nicht der 
Verlassende, sonder der Verlassene ist.  Eine der hier genannten Frauen 
hat, nach ihren Beziehungen zu Hitler befragt, zu verstehen gegeben, dass 
sie eine Enttaeuschung erlebt habe, die ihr den Mann nicht gerade 
respektabel mache.

   Die oft ausgesprochene Vermutung, dass Hitlers Triebleben nicht normal 
sei, ist richtig.  Nur wurde meist in der falschen Richtung geraten; er ist 
nicht homo- oder bisexuell sondern hoerig.  Manche Psychologen schreiben 
Menschen mit einer solchen Veranlagung eine besondere Suggestivitaet zu; 
eine ungewoehnliche Art des Blicks und der Gebaerde, die faszinieren soll.  
Die hier aufgeworfene Frage mag der Fachmann beantworten.

Heiden, Konrad: Adolf Hitler. 1936.  pp.358,359.

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