The Nizkor Project: Remembering the Holocaust (Shoah)

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					           /1/				

G”tzen
				
			/2/

I. Teil
				

			/3/
                  ,G”tzen"  Teil I. 
Inhalt:
Quellenverzeichnis zum Teil I ----                                             4 Seiten
Teil I (Nummeriert von 1-220;
	aber durch a,b,c,d, usf.
	Einfgungen)  Total					228 Seiten
	(unterteilt in
	20 Abschnitte.)
Achtung!
Bei der Quellenverzeichnisnummer  /39/
fehlt die Dokumenten Nummer. Es handelt sich um den Wetzelschen-Handschrift-
Entwurf. Darf ich Dr. Servatius bitten, diese No. In das Quellenverzeichnis unter  
/39/  einsetzen zu wollen.
			Adolf Eichmann
			6 - 9 - 61.

						/4/
G”tzen
Inhalt:
Worte fr den Lektor
Leitspruch + Widmung
Vorwort - - - - - - - - -       8 Seiten.

				Adolf Eichmann
				Haifa, den
				6 - 9 - 61
                                                            
                                                                  /5/				AE: 1

Beim Anlesen und šberfligen(sic) dieses Manuskriptes, muá ich feststellen, daá 
es mir zu leer und zu oberfl„chlich erscheint. Auch habe ich die Absicht, mich mit 
dem ,Antisemitismus" n„her auseinanderzusetzen. Hierzu aber ben”tige ich noch 
einiges Quellenstudium. Aus diesen Grnden weiá ich nicht, und habe ich nicht 
den Mut zu entscheiden, ob dieses so bleiben kann wie es ist und in einem zweiten 
Manuskript - gewissermaáen als Fortsetzung - das mir fehlend Erscheinende zu 
bringen, oder ob ich dieses Manuskript gelegentlich vervollst„ndigen soll.
An Dr. Servatius m. d. B. um Kenntnisnahme und Beurteilung.
							(Unterschriftskrzel)  XI. 61.
P.S. Es ist eben doch nicht so leicht, als Gefangener ein Manuskript von sich zu 
geben, welches dann erst noch einer Zensur unterzogen wird; da fhlt man sich 
beim Schreiben nicht frei genug; dies muá man bercksichtigen. W„re es nur eine 
,Lektorenzensur"; oder w„re ich zurck, dann wrde es sicherlich fr mich als 
Skribent einfacher sein.
Am liebsten w„re mir, ich k”nnte es ausfhrlicher u. freundlicher neufassen.
                						(Unterschriftskrzel)
/6/

/The page numbered /19/ with Eichmann`s
instructions to the censor and instructions
regarding the use of this manuscript, should, 
in my opinion, be here.
E. Friesel,10/1999/
   		
  /7/				AE: (2)
Meine pers”nliche Meinung zuvor:
Die Art meines ,Schreibens" ist eher ,sddeutsch-bajuvarisch" zu nennen. Sollte 
der Lektor aus diesem Raume stammen, ist es m”glich, daá es fr das Buch von 
Vorteil w„re. (Es m”ge lediglich ein Hinweis sein; meine Meinung ist nicht 
kompetent.)
Betr.: Vermerk fr den Lektor:
1.) Ich kann dieses Geschehen - so sehr ich mich anfangs auch bemhte es anders 
stilistisch zu formen - nicht anders wiedergeben, als in einem sachlich-nchternen 
,Amtsstil". Heitere Sachen zu schildern, liegen mir mehr; aber selbst eine 
leichtere, beschwingtere Feder ist hier, die Natur der Sache respektierend, 
abwegig.
Wenn andere eine gewisse ,Satzauflockerung" vornehmen wollen, bin ich damit 
einverstanden, denn es ist m”glich, daá es dadurch leichter lesbar wird; doch ist es 
mir am liebsten, wenn es so bleiben kann.
2.) Ich habe einfach darauf los geschrieben, so wie der Schreibstift es wollte; auf 
Interpunktionen und Absatzbildung nicht sonderlich geachtet. Solange der Sinn 
nicht ver„ndert wird, bin ich mit textlicher Umgestaltung einverstanden. Auch 
Streichungen k”nnen vorgenommen werden; keinesfalls aber Hinzufgungen. z.B. 
das Vorwort k”nnte gestrichen werden.
3.) Der Teil I behandelt Schwerpunkte im seinerzeitigen Geschehen im Altreich + 
™sterreich + B”hmen M„hren + Generalgouvernement, verbunden damit, die 
Stellung des Befehlsempf„ngers im Durcheinander mit seiner Innenschau.
Der Teil II befaát sich mit den Reparationsangelegenheiten in 12 europ„ischen 
L„ndern. Die Kristallpunkte  sind dokumentarisch belegt und fhren von 
Schwerpunkt zu Schwerpunkt.
Der Teil III spiegelt das Verh„ltnis zwischen
 /8/				AE: (3)
dem „uáeren Geschehen von damals und meinen inneren Gefhlen wieder und 
letzlich(sic), nach dem Sturz des eben noch Gltigen, sehe ich mich langsam und 
nach und nach, zu einer mich befriedigenden Weltbildvorstellung gelangen.
4.) Als Titel schwebt mir ,G”tzen" vor. Ich dachte auch schon an ,Gnothi seauton". 
Jedenfalls wnsche ich nicht, daá dem Buch ein anderer Titel gegeben wird, ohne 
mich vorher zu befragen. Ich stelle diese beiden daher zur Wahl frei. Ich bin auch 
damit einverstanden, falls Uneinigkeit bezglich eines Titels entstehen sollte, statt 
meiner, die Einverst„ndniserkl„rung meines Verteitigers(sic) Hr. Dr. Servatius 
einzuholen.
5.) Der Einband und Schutzumschlag m”ge einfarbig gehalten sein; etwa Perl.- oder 
Taubengrau, mit klarer liniensch”ner Schrift.  Es ist klar, daá ich kein Pseudonym 
wnsche, da es nicht in der Natur der Sache liegt.
6.) Die Quellenangaben sind so zu verstehen:
Eins.) Teil I.
Eckige Umrandung mit fortlaufender Nummeration. Die Nummern geben im 
Anhang des Buches dann die Dokumentennummern der israelischen 
Staatsanwaltschaft wieder.
z.B.  [1]  Dokument 1182
 							/9/				AE: (4)
b.) Teil II.
Hier ist genau dasselbe wie unter a.), nur habe ich fr das Manuskript die runde 
Umrandung (1) gew„hlt, aus dem einzigen Grunde, damit die Nummern nicht 
verwechselt werden.
Aber da beim Druck unter Umst„nden ja fortlaufend durchnummeriert wird, f„llt 
sowohl runde, wie eckige Umrandung fort und es bleibt im Druck lediglich die 
Hinweisnummer auf das Quellenverzeichnis im Anhang stehen.
Die den Dokumentennummern vorausgesetzten Buchstaben besagen:
N = von Gericht angenommenes Beweisstck der Verteitigung(sic).
T = von Gericht angenommenes Beweisstck der Anklage.
(Viele der unter T laufenden Dokumente wurden auch seitens der 
Verteitigung(sic) eingebracht; sie behielten(sic) aber, da das Gericht das Stck ja 
schon hatte, mit der T-Nummer stehen).
Es fehlen mir bei einer ganzen Anzahl
/10/				AE: (5)
der Dokumenten-Nummern die Gerichtsnummeration; ich habe sie leider auch 
nicht. Aber Hr. Dr. Servatius resp. Herr RA Westenbruch sind im Besitze einer 
Liste, aus der diese sofort zu entnehmen sind.
7.) Ob die von Herrn Dr. zur Verfgung gehaltene Zeittafel zu den 5 Skizzen 
ebenfalls dem Anhang zugefgt werden sollen, berlasse ich Hr. Dr. Servatius.
8.) Ich bitte Herrn Doktor Servatius, dem Verlag Auftrag geben zu wollen, an meinen 
Freund, dem(sic) Prior des Pr„m. Klosters (Fr. Bernardus) ein Exemplar zu 
schicken, ebenfalls der Studentin nach Kanada, mit freundl. Gráen von mir. 
Meine Brder m”gen bitte dafr sorgen, daá meine Frau zehn Exemplare 
bekommt, die sie in meinem Namen an meine Freunde, die sie nach eigener Wahl 
bestimmen mag, sowie an meine S”hne mit der Bemerkung versieht:
Eins.) ,Im Auftrage meines Mannes mit freundlichen Gráen und der Bemerkung 
,So war es", bersandt	
Name m. Frau.
Zwei.) ,Im Auftrage Deines Vaters lieber (Name des Sohnes) mit herzlichen Gráen 
gewidmet."
9.) Ein Exemplar fr mich.
Adolf Eichmann
Haifa, den 10-9-61.

/11/				AE: 3
/Pages /11/ to /17/ were found here, although
they seem to belong to the drafts.
E. Friesel, 10/1999/


,---- und er wrde seine Schattenwelt 
fr wahr, die wahre Welt aber fr 
unwirklich halten."
Aus Platon`s H”hlengleichnis, 
  ,Staat"; 7. Buch.
 	/12/				AE: 4
Bemerkung: Dies Manuskript (Vorw., Teil I-III) gilt solange als noch nicht 
abgeschlossen, bis ich eine letzte Lesung vorgenommen habe; es ist dies eine von 
mir eingebaute Sicherung, damit nicht Wortkonstellationen, zu meinem Nachteil 
falsch ausgelegt und gedeutet werden k”nnen. /Satz gestrichen, aber noch lesbar: 
Die letzte Lesung erfolgt erst nach der Besprechung mit Dr. Servatius./
Vorwort
/von hier bis S. 15 unten durchgestrichen, einzelne Zeilen unleserlich gemacht/
Ich befinde mich im Gef„ngnis in Israel. Die Beweisaufnahme ist abgeschlossen 
und in acht Tagen folgen die Pl„doyers des Generalstaatsanwaltes und meiner 
Verteitigung(sic). Es werden sodann etwa zwei bis drei Monate vergehen, bis der 
Gerichtshof zu einem Urteil gelangen wird. M”glicherweise geht es dann weiter 
an die h”here Instanz; m”glicherweise auch nicht. Wie dem auch sei; ich sagte 
w„hrend des Prozesses einmal auf eine Frage des Ankl„gers im Kreuzverh”r, 
darauf werde ich antworten, wenn ich mich eines Tages hinsetzen werde um an 
die jetzige und kommende Jugend, zu ihrer Warnung, einige Kapitel zu schreiben. 
Vorausgesetzt, daá ich dazu die Genehmigung erhalte. Dann wrde ich ,das Kind 
beim Namen nennen".
Nun, der Pr„sident des Gerichtshofes verlangte die ,Nennung" bereits w„hrend 
des Verfahrens von mir. Ich gehorchte und sagte, daá das Geschehen mit den 
Juden, welches die damalige deutsche Reichsregierung w„hrend der Jahre des 
letzten groáen Krieges in`s Werk setzte, das kapitalste Verbrechen in der 
Menschheitsgeschichte darstelle. -
Ich habe mich also entschlossen, die Zeit des Wartens auf das Urteil zu bentzen, 
besser gesagt auszuntzen, und daá(sic) in die Tat

/13/				AE: 5
umzusetzen, was ich verkndete. Es drfte kaum schaden; eher hingegen zum 
Nachdenken anregen, wie es einem Menschen so im Leben ergehen kann. Ich war 
von tausend Idealen beseelt und schlitterte gleich vielen anderen in eine Sache 
hinein, aus der man nicht mehr herausfand. Ich habe heute einen zeitlichen 
Abstand von den Geschehnissen, der zwischen 16-29 Jahren liegt. Und vieles 
ehemals Gltiges ist ungltig geworden. Ehemals ,weltanschauliche Werte" habe 
ich als Germpel, allm„hlich im Laufe der Jahre ber Bord geworfen. /8 Zeilen 
bis Ende des Abschnitts unleserlich gemacht/
Weil ich H”lle, Tod und Teufel sah, weil ich dem Wahnsinn der Vernichtung 
zusehen muáte, weil ich als eines der vielen Pferde in den Sielen mit eingespannt 
war und gem„á dem Willen und den Befehlen der Kutscher weder nach links noch 
nach rechts ausbrechen konnte, fhle ich mich berufen und habe das Verlangen, 
hier zu erz„hlen und Kunde zu geben von dem, was geschah. Es ist sicher ein 
trauriges Resum‚e, wenn ich feststellen muá, daá ich in der Lage bin, das

/14/				AE: 6
ungeheure Volumen alleine der organisatorischen Voraussetzungen, welche das 
Geschehen erm”glichten, zu umfassen und zu bersehen. Die meisten jener 
Akteure, die ja nun so oder so in die Geschichte eingehen werden, kannte ich, 
sprach zum Teil mit ihnen und vermag sie ann„hernd zu beurteilen.
/2 Abschnitte von 8 bzw. 5 Zeilen unleserlich gemacht/
Ich werde das Leben jener Zeit schildern, so wie es war, so wie ich es erlebte und 
gesehen habe. Nichts werde ich zu besch”nigen versuchen. Ich schreibe zu 
niemandes Ruhm und Ehre; was sind es fr verlogene, selbstbeweihr„uchernde 
Begriffe! Was ich gestern noch glaubte anbeten zu máen, liegt heute im Schutt 
des Gestrzten.
Ich werde den V”lkermord am Judentum schildern, wie er geschah und gebe dazu 
meine Gedanken von gestern und heute. Denn nicht nur die Felder
/15/				AE: 7
des Todes muáte ich sehen mit eigenen Augen, die Schlachtfelder auf denen das 
Leben erstarb, ich sah weit Schlimmeres. Ich sah, wie durch wenige Worte, durch 
den einzigen knappen, kurzen Befehl eines Einzelnen, dem die Staatsfhrung als 
Befehlsgeber dazu die Macht verlieh, solche Lebensausl”schungsfelder 
geschaffen wurden. Und ich sah die Unheimlichkeit des Ablaufens der 
Todesmaschinerie; R„dchen in R„dchen greifend, gleich dem Werk einer Uhr. 
Und ich sah jene, die da achteten auf den Gang des Werkes; auf den Fortgang. Ich 
sah sie, das Werk stets von neuem aufziehen; und sie beobachteten den Zeiger der 
Sekunden, welche eben dahineilten; dahineilten, wie die Leben zum Tode.
Den grӇten und gewaltigsten Totentanz aller Zeiten.
Den sah ich.
Und ihn zu beschreiben, zur Warnung schick ich mich an.   		Adolf 
Eichmann
									    6 - 9 - 61.
/3 nachtr„gliche Zus„tze:
(Siehe dazu meine Fuánote bezglich der Wortw„gung. Gilt sinngem„á fr alle 
Kapitel.)
(Anschlieáend folgt mein Schluáwort, welches ich in meinem Prozess zu 
Jerusalem gehalten habe.)
Bemerkung: Man darf diese und andere schriftstellerischen Worte keinesfalls mit der 
Waage der juristischen Paragraphen w„gen.						
/16/				
,G”tzen"
Dieses ist mein Schluáwort, welches ich in dem Prozess zu Jerusalem am /Platz 
fr Datum offengelassen/ 1961, gem„á meinen Erfahrungen und gem„á meinen 
Empfindungen, gehalten habe: 
/17/				AE: 8.
/I. Teil, unleserlich gemacht/
/18/				AE: 1
					Teil I
					-(1)-
/3 Zeilen samt Zus„tzen unleserlich gemacht, die 4. durchgestrichen, aber 
leserlich:
weiá, mit wem man es zu tun hat./
Als ein Menschenkind, trat ich am 19. M„rz 1906 in das Leben. In Solingen, im 
Rheinland, wurde ich geboren, als erster Sohn der Eheleute Wolf und Maria 
Eichmann. Wenige Tage nach meiner Geburt wurde ich auf den Namen Adolf 
Otto, nach dem Ritus der evangelischen Konfession, helvetischer Richtung, 
getauft. Noch als kleines Kind zog ich mit meinen Eltern nach Linz a/Donau, 
Ober”sterreich, wo mein Vater als kaufm„nnischer Direktor der Linzer 
Straáenbahn und Elektrizit„tsgesellschaft t„tig war und sich glaublich(sic) in den 
zwanziger Jahren pensionieren lieá um ein Elektrowarenunternehmen zu grnden.
Nach Besuch der Volksschule und vier Jahren Realschule absolvierte ich 
zwei Jahrg„nge einer h”heren technischen Bundeslehranstalt. In den Jahren 1925 
bis 1927 war ich als Verkaufsbeamter der ,Ober”sterreichischen Elektrobau 
A.G." in Linz a/Donau, sodann bis Juni 1933, als Verkaufsbeamter der 
,™sterreichischen Vacuum Oil Company A.G.", Filialdirektion Linz und 
Salzburg, t„tig gewesen.
Das damalige Linz a/Donau war ein vertr„umtes, kleines, liebliches und 
sauberes Provinzhauptst„dtchen, im Zentrum des vorwiegend b„uerlichen 
Ober”sterreich. Da war das weizenschwere Innviertel, das
/19/			
/Found here. - In my opinion, belongs
to page numbered /6/.
E. Friesel, 10/1999/

Bemerkung fr die Zensur:
1.) Diese schriftstellerische Arbeit kann nicht mit der Waage der Rechtsparagraphen 
gewogen werden.  /Signaturkrzel/

2.) Dieser Manuskriptverband darf ohne der Zustimmung von Dr. Servatius, nicht 
ver”ffentlicht werden. (Gilt fr das gesamte Manuskript).
Ich bin mit Dr. Servatius dahingehend verblieben, daá, falls er dieses Manuskript 
nicht zur Ver”ffentlichung ausgeh„ndigt bekommt, (und zwar bis zu seiner 
Rckkehr nach Deutschland vor Weihnachten) ihm Gelegenheit gegeben sein 
m”ge, bei der Vernichtung des Geschriebenen, anwesend zu sein.  
/Signaturkrzel/

/20/				AE:  2
braunkohlenreiche Hansruckviertel, das damals schon dem Fremdenverkehr sehr 
erschlossene Traunviertel mit seiner Perle Gmunden am Traunsee, und dem 
ober”sterreichischen Hausberg, dem Traunstein, dem W„chter der beginnenden 
Hochalpenwelt.
Ganz besonders verliebt aber war ich in das reizvolle Mhlviertel. Das Viertel, der 
vielen sagenumwobenen Ruinen und Burgen. Und hier war es das obere 
Mhlviertel, daá(sic) ich ganz besonders in mein Herz geschlossen habe.
Die Heimat eines Adalbert Stifter; der ewige B”hmerwald, dessen Ausl„ufer tief 
in das Obere Mhlviertel hineingreifen, mit den romantischen, braunw„sserigen, 
kleinen linken Fláchen. Die vielen hurtigen forellenbewohnten B„che, die sich 
durch das, gegen die Donau zu abfallende, b”hmisch-m„hrische Granitplateau, 
seit undenklichen Zeiten ihren Weg zum groáen Wassersammler Donau, bahnen. 
Diesen herrlichen Fleck der Erde durfte ich meine zweite Heimat nennen und in 
diesem Kleinod Ober”sterreich, verlebte ich dank der steten Frsorge meiner 
Eltern eine herrliche, unbeschwerte Jugendzeit.
Und auch als junger Mann - wie man zu sagen pflegte - waren es Tage von 
Liebe, Lenz und Leben, die mir geboten wurden. Motorsport, Bergsport, Arbeit, 
Kaffeehaus, Freunde auch Freundinnen - warum auch nicht - fllten die Tage und 
Jahre aus. 
Gar manche heimelige Weinstube lockte

/21/				AE:  3
zur Einkehr und in ihren alten Gem„uern lieá es sich gut sitzen. Eine solche 
Weinstube kannte ich, deren Existenz bis in das dreizehnte Jahrhundert 
zurckzuverfolgen war. Und der ,Gumpoldskirchner" schmeckte nach jedem 
Viertel besser auch ohne Schrammeln und Zigeunermusik. Man lebte im 
Ph„akenland; eben in Ober”sterreich. Und fuhr man auf den Postlingberg, das 
Wahrzeichen von Linz, dann war der erste Weg mit der kleinen Freundin, zu 
Meister Bugele, dem Oberg„rtner der herrlich-sch”nen Gartenanlagen auf diesem 
Berg, mit seinen tausend oder mehr Rosenst”cken. Ihn um einen Strauá Rosen fr 
die Angebetete zu bitten, war fr diesen Meister der Blumen, Str„ucher und 
B„ume stets groáe Freude, kannte er mich doch schon als kleinen Lausbuben, 
wenn ich Samstags an der Hand meines Vaters, die Anlagen besuchte. Mein alter 
Herr hatte seinerzeit viel zur Hebung dieser Augenweide, welche damals zum 
Besitztum der Linzer Straáenbahn- und Elektrizit„tsgesellschaft geh”rte, getan 
und meinen Freund Bugele, zum Oberg„rtner dieses Paradises(sic) bestellt. - 
Nichts h„tte diese heiter-frohe und unbeschwerte Lebenslust zu st”ren vermocht 
w„ren die ,G”tter" nicht auch bis nach Ober”sterreich gekommen. Bei mir 
klopften sie bereits seit 1931 an, und ab und an auch schon frher; sie 
vereinnahmten mich dann genau am 1. April 1932.
/22/				AE:  4
Ja Freunde, heute zurckschauend, es sind bald 30 Jahre her, muá ich sagen 
,wenn es dem Esel zu gut geht, dann geht er auf`s Eis, um zu tanzen."
-(2)-
Nun ja, es gab damals verschiedenartig eingestellte junge Leute, so wie es solche 
zu allen Zeiten gegeben haben mag und immer geben wird. Ich war durch die 
Schule und Gesellschaft in der ich mich bewegte, kurz durch meine Umgebung 
die mich beeinfluáte - und welche Umgebung vermag einen jungen Menschen 
nicht zu formen - zur nationalistischen Richtung hin gelenkt worden.
Und welchem Nationalisten brannten nicht /gestrichen: die Worte/ das Wort 
,Versailles". Natrlich verstand man im Anfang nichts davon. Aber das 
Verst„ndnis hierfr wurde schon geweckt; Zeitungen, Gespr„che und Bcher 
sorgten dafr. Und man erz„hle einem jungen Menschen in dieser Richtung 
tendierend, von nationaler Schmach, von Verrat, vom Dolchstoá, welcher der 
deutschen Armee zuteil ward, von nationaler Not und Elend; Herrgott, da packt es 
einen halt, da ger„t das Blut in Wallung. Und dann h”rt man durch die 
Propaganda, daá da eine Partei ist, welche die Schmachbeseitigung auf ihr Banner 
geschrieben hat. Die Beendigung der nationalen N”te versprach, den Dolch aus 
der Wunde zu ziehen sich anschickte, die Gleichberechtigung auf dem 
wehrm„áigen Sektor zu erk„mpfen bestrebt war und die Arbeitlosgkeit in die 
unterste H”lle verdammte. Und dann
/23/				AE:  5
sitzt man in solch einem Weinstberl, vor seinem ,Viertel", im Bierstberl vor 
seinem ,Krgerl" oder im Caffee vor seinem ,Schwarzen" und liest den 
,V”lkischen Beobachter", man liest vom Tod der SA und SS-M„nner; man 
lieát(sic) heldische Worte ber heldischen Tod; ber mannhaftes Sterben und 
furchtlose Treue. Und ich sag es noch einmal, welchen Burschen, nationalistischer 
Tendenz, ,packte" es da nicht.
Da war kein Wort von Jude und Judentum; und laá(sic) man es ab und zu in 
besonderen Artikeln, wer nahm solches ernst? Wer machte sich dieserhalb 
berhaupt šberlegungen. Mag sein die Žlteren und Alten. Uns Burschen 
interessierte alleine, und einzig und alleine, das Heldische. Mit zu helfen an der 
Beseitigung, an der Ausrottung einer Schmach.
Rot sah man beim Wort ,Versailles". Bereit zu allem, dieses Wort, im Sinne von 
Schmach, zu vernichten, zu zerstampfen; dafr auch wenn es sein muá zu leiden. 
Es muáte ausgel”scht werden. Und diejenigen, welche dazu aufforderten waren 
unsere G”tter.
So muá es in alten, in uralten Zeiten gewesen sein, wenn man den Heldensagen 
trauen konnte.
Aber warum sollte man ihnen denn nicht trauen?

/24/				AE:  6
Die >Herz”ge<, die >Gefolgschaft<; die Herzogstreue und Gefolgschaftstreue. 
Ich verschrieb mich den G”ttern mit Haut und mit Haren(sic). Ja, teilweise diesen 
G”ttern zuliebe verlieá ich das ,Landel ob der Enns", mein geliebtes 
Ober”sterreich. Freilich war der Abschied vom Landl schwer, der Abschied von 
Eltern und Geschwistern; der Abschied von meiner Verlobten. Vorbei war das 
regelm„áige Wochendverleben(sic) in fr”hlicher Zweisamkeit, sei es in 
Sdb”hmen, sei es in Ober”sterreich. Vorbei war es, eigener Herr seiner Zeit zu 
sein. Fremdes, Unbekanntes lag vor mir. Aber Dienst an den G”ttern, meinem 
Vaterland zuliebe schien mir gleichwichtig zu sein, denn sonst w„re ich ja 
geblieben.
Tausend und mehr Str„nge zogen mich zu bleiben, aber ebenso viele zogen mich 
zu den G”ttern.
Und ich diente ihnen.
Ich diente ihnen mit dem ganzen Glauben den ich aufzubringen vermochte; 
kein Opfer schien mir zu gering. 
Keine Strapaze zu groá. 
Ja, je grӇer Opfer und Strapazen und Entbehrungen, desto grӇer schien mir die 
Tat fr das Werk, welches die G”tter versprachen zu tun.

Schlafen auf nackter Erde, im Stroh, auf Strohs„cken, scharfer und sch„rfster
/25/				AE: 7
Exerzierdienst bei der Truppe; vom Robben abgeschundene Ellenbogen und Knie; 
Kadavergehorsam und Einschr„nkung der Freizgigkeit tauschte ich ein, gegen 
das gutbrgerlich eingerichtete behagliche Elternhaus, gegen Kaffeehaus und 
Weinstberl, gegen Motorsport, Bergsport und dem Zusammensein Jungverlobter. 
Wahrlich, ich diente den G”ttern aus freien Stcken; wahrlich ich opferte ihnen 
zuliebe viel.
Aber was galt es schon; wenn nur das Vaterland frei werden konnte und Not und 
Elend der Deutschen ein Ende fand.
Im Jahre 1934, an einem sonnigen Herbstmorgen kam ich von dem ersten 
Bataillon des Regimentes SS 1 nach Berlin, zum SD-Hauptamt versetzt, am 
Anhalter Bahnhof an. Nach durchfahrener Nacht war eine kleine Erfrischung sehr 
wichtig und brauchbar. Ich begab mich in einem(sic), dem Bahnhof 
gegenberliegenden, Friseurladen und lieá mir nach erfolgter Rasur, heiáe 
Kompressen auf`s Gesicht legen, um die šbern„chtigkeit zu verscheuchen. Und 
schlenderte sodann in eine ,Aschinger-Kneipe", gleich neben dem Friseur. Einige 
Mollen Helles und ebensoviele Schn„pslein, dazwischen ein ordentliches 
Gullasch(sic)
/26/					AE: 8
mit frischen, knusprigen Br”tchen, waren just das richtige Frhstck fr einen 
Unteroffizier in der SS-Verfgungstruppe, der Vorl„uferin der sp„teren Waffen 
SS.
Als solcher hatte ich mich freiwillig zum Sicherheitsdienst des Reichsfhrers SS, 
gemeldet. Sicherheitsbegleitpersonal fr die G”tter. Warum auch nicht; ich stellte 
es mir sehr interessant vor. Erst sp„ter sollte ich draufkommen, daá ich einem 
Irrtum zum Opfer gefallen war. Das Begleitpersonal fr die G”tter hieá 
Reichssicherheitsdienst. Der Sicherheitsdienst des Reichsfhrers SS, war etwas 
ganz anderes.  
Vorl„ufig ahnte ich aber noch nichts.Vorl„ufig suchte ich ein Kaffeehaus. Kaffee 
war fr alles gut. Gut zum d”sen, gut um den Geruch von Aschingers Biermollen 
zu t”ten und bei der Truppe benutzten wir ihn Jahr und Tag zum Fleckenputzen an 
unseren schwarzen Uniformen. Freilich, zum Exerzierdienst hatten wir feldgrau 
oder was am l„stigsten war, hellgraue bis fast an das Weiáliche grenzende 
Drilliche, welche leicht schmutzten.
Mit souver„ner Unteroffiziersruhe im Bauch, begab ich mich nun zu der mir 
befohlenen Dienststelle, ein Palais in der Wilhelmstraáe 102, um mich zum
/27/				AE: 9
Dienst zu melden. Ob ich verheiratet oder ledig sei. Dies war die erste Frage, die 
mir der Offizier vom Dienst stellte. Ledig. Natrlich, meine Braut war ja in 
Sdb”hmen, und an eine Heirat wegen meiner vorbergehenden Verhinderung im 
Augenblick nicht zu denken.
Ledige sind kaserniert; wenn Sie heiraten, k”nnen Sie drauáen wohnen, gab man 
mir zur Antwort.
Na sch”n dachte ich mir, irgendwo muá der Mensch ja hingeh”ren. Zu den Eltern, 
in die Kaserne oder zur Ehefrau.
Also ging ich zum Kammerbullen. Bisher hatten wir Unteroffiziere stets so eine 
Art stillschweigend geduldeter Ordonanzen zur pers”nlichen Dienstleistung zur 
Verfgung gehabt; je vier Unteroffiziere eine Ordonnanz(sic). Er trank frei, 
rauchte frei auf unsere Kosten und hatte seine vier Unteroffiziere zu Freunden, die 
ihn gegen Tod und Teufel verteitigten(sic), fraá er etwas gegen das 
Dienstreglement aus. Auáerdem hatte er nur allerleichtesten Exerzierdienst. Aber 
meistens verstand er es, sich sogar von diesem zu drcken.
Hier aber schmiá mir der Kammerbulle meine blauweiákarrierten Bettklamotten 
an meinen pers”nlichen Kragen; Decken und Leintuch folgten und dann damit auf 
die Stube.
Was dann noch an Kramzeug mehr war,
/28/				 	AE: 10
war der bliche Kasernenzinober(sic), war altbekannt und nichts Neues.
Nachmittags wurde ich vereidigt. Zwar hatte ich beim Tode des 
Reichspr„sidenten Generalfeldmarschall von Hindenburg den Fahneneid auf 
Fhrer, Reichskanzler und Vaterland geleistet; jetzt also nochmal, aber in einer 
anderen Form; mit der Geheimhaltungsverpflichtung.
Mich hatte es an sich schon mehr als stutzig gemacht, als ich zwecks 
Eidesleistung im Dienstanzug mit Stahlhelm, zu einem SS-Offizier gefhrt wurde 
und dabei einige museum„hnliche R„ume durchschreiten muáte, auch sah ich 
einen Sarg in einem dieser R„ume stehen, mit groáer Glasplatte, indem(sic) ein 
menschliches Gerippe lag, aber ich hatte zu sehr auf meine Fáe zu achten, denn 
meine schweren Stiefel vertrugen sich nicht mit dem glatt gewichsten, gl„nzenden 
Fuáboden und bei Kurven hatte ich Mhe nicht auszurutschen.
Merkwrdig dachte ich mir; alles sehr merkwrdig. Aber m”glicherweise war der 
Stab in einem Museum untergebracht, ging es mir durch den Sinn. Man fand die 
Dienststellen in jener Zeit ja an allen Ecken und Enden, wo man sie nie vermutet 
h„ttte. Auáerdem kam ich von der Truppe und hatte mich um solchen Kram

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nicht zu kmmern. Behandelt wurde ich ohnedies, als sei ich Rekrut, der eben erst 
frisch eingezogen war. Und es ist erstaunlich, zu welchem Maá an Leiden, 
einem(sic) eingedrillter Kadavergehorsam mit einem geh”rigen Schuá Idealismus 
gepaart, f„hig macht. Natrlich muá es jedem rechtschaffenen Unteroffizier 
schwer, sehr schwer fallen, wenn er im Verein der elf weiteren Stubengef„hrten, 
mit denen er zusammenwohnte, von denen nur zwei, ebenfalls gediente 
Unteroffiziere waren, der Rest aber eine Kaserne h”chstens vom 
H”hrensagen(sic) kannte - allenfalls, auf Grund eines ,Schnellsiederkurses" von 
acht Wochen, - Samstag fr Samstag den Boden zu schruppen, die Hocker und 
Tische zu scheuern hatte und im Spind nach einer anderen, neuartigen Ordnung 
die Klamotten zu legen kamen (sic). Und sich dabei von einem Feldwebel der 
,allgemeinen SS" also zivilen SS, der ebenfalls als ,Waffentr„ger der Nation" 
seine Dienstzeit noch nicht einmal angefangen hatte, sondern seinen Rang in dem 
SD, von der allgemeinen SS, also Zivil SS, mitbrachte, kommandieren zu lassen, 
wobei ihm seine herzliche Genugtuung, es den ,Herrn Unteroffizieren von der 
Truppe" einmal ,geben" zu k”nnen, auf tausend Meter Entfernung, anzumerken 
war.
Es war auch keine Freude, frh morgens im Park des Palais, zum Exerzieren

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anzutreten. Nicht des exerzieren Wegens (sic); dies war im Gegenteil noch das 
einzig erfreuliche(sic) an dem ganzen Dienstbetrieb. Nein, das Wurmende und der 
nagende Zorn kam daher, daá Hanswrste denen selbst die Bedienung an einem 
Maschienengewehr(sic) fremd war, Sonntagsexerziermeister der allgemeinen SS 
also, uns hier die ”desten und bl”desten Bewegungen machen lieáen; wir drei 
Gedienten der ,Stube zw”lf", wurden durch diese Taktik zwar bis an den Rand 
unserer Geduld getrieben; aber wir parierten; wir gehorchten.
Nach wenigen Tagen kam ich dahinter, daá ich an der verkehrten Stelle gelandet 
war, und ein Abgang zum Reichssicherheitsdienst, nicht gestattet wurde.
Jetzt war der Galeerenstr„fling fertig. Mit unsichtbaren Ketten fhlte ich mich an 
einen Karteitrog angebunden und hatte die Aufgabe, im Verein mit einem halben 
Dutzend anderer Kameraden, die Freimaurerkartei, aus Zehntausenden von 
Karteikasten bestehend, zu schreiben, zu ordnen und einzuordnen.
Der schwerste Kampf, der in diesen Tagen auszufechten war, war der Kampf 
gegen den Schlaf.
Man wird einwerfen, ja groáer Herrgott, wenn ich irgendwo gegen mein Wollen 
mit einer Arbeit, welche mir gegen den 

						/31/				AE: 13
Strich geht, als freier Mensch, eingespanntt werden soll, da macht man einfach 
Schluá damit, oder man ist ein Waschlappen, dem eben nichts besseres gebhrt. 
Kaserne na ja, gut und sch”n; da hat man zu gehorchen, daá(sic) weiá ein jeder. 
Aber in einer Kanzlei, in einem Amt, da hau ich einfach auf den Tisch, sage 
meine Meinung und wetze aus dem Tempel raus. Noch dazu wenn man 
inzwischen ein Kerl von 28 Jahren geworden ist.
Genau dieselben Gedanken hatte auch ich um jene Zeit und mit mir eine Anzahl 
meiner Stubengef„hrten.
Aber da waren die G”tter, denen ich ja dienen wollte.
Und die weltanschauliche Schulung, der man uns am Anfange unterzog, brachte 
uns noch n„her an sie.
Das Leben des alten Preuáenk”nigs, Friedrich des Groáen wurde uns in den 
lebendigsten Formen, von Meistern auf diesem Gebiete, lebensnahe gebracht.
Volksbindung und Blutsbande in den leuchtendsten Farben idealisiert.
Der Dienst am Volk, der Dienst am Fhrer als ein geheiligtes Privilegium 
gepredigt. Fr die Freiheit des Vaterlandes alles hinzugeben, als h”chste 
Verpflichtung und freudiges, jederzeitiges Wollen, eingeh„mmert.
Und ich glaubte es; mit allen Fasern

						/32/				AE: 14
meines Glaubens, den aufzubringen ich in der Lage war.
So tat ich denn meinen Dienst; Schreibtischdienst, der mir weder physisch noch 
psychisch lag; der fr mich eine Qual bedeutete; zu dem ich mich jeden Tag auf`s 
Neue selbst k„mpfend besiegen muáte, ehvor ich an das befohlene Tagewerk 
ging.
(3)
Der Mensch gew”hnt sich an alles, wenn es sein muá. Und nachdem die Macht 
der Gewohnheit groáe Prozents„tze des Widerwillens an der nichtbehagenden 
T„tigkeit verschluckt hatte, die weltanschaulichen Belehrungen einen weiteren 
Teil unter den Tisch schlug(sic), blieben relativ nur noch geringe Rckst„nde des 
Widerwillens an der Oberfl„che und auch diese wurden alsbald bertncht durch 
die nicht ableugbaren Erfolge der Fhrung des Reiches, die sie fr das deutsche 
Volk erlangten. Die groáe politische Linie sah unsereiner ja nicht. 
Auslandsmeldungen durch Presse und Rundfunk gelangten noch nicht zu uns; 
dazu waren wir zu geringe Diener an Volk und Staat. Die internationalen 
Verflechtungen im politischen Geschen(sic), waren damals auch mir noch 
,B”hmische D”rfer".
Aber auch ich sah das Verschwinden der Arbeitslosenarmeen, die Militarisierung 
der Rheinlandzone, 

						/33/				AE: 15
die Wiederherstellung der Wehrhoheit; den frenetischen Jubel der 
Millionenmassen, wenn die G”tter sich zeigten. Und meine Verhaftung an diese 
war eine stets fhlbarere.
Aber es waren schlieálich doch nur irdische G”tter. Bewuát und unbewuát wehrte 
ich mich, ihnen mit meinem allerletzten inneren Ich zu verfallen. Das Vaterland, 
die Freiheit, ja. 
Bedingungslos!
Die Seele, daá(sic) was dann kommt, wenn die Stunde da ist, und diese irdischen 
Werte aufh”ren Gegenstand des Hoffens, Glaubens und Wirkens zu sein, dies 
behielt ich als ein Privatissimum, ber welches ausschlieálich nur ich selbst 
entscheiden konnte und wollte. Hier lieá ich auch die G”tter nicht heran, so sehr 
ich ihnen sonst gl„ubig verfallen war.
Hier war die elterliche Erziehung und die innere Bindung an die von Generation 
zu Generation berlieferten Werte noch zu stark, um dem 
Einbruchsversuchen(sic) nachzugeben. Hier war ich stur.
Stur wie die neuen schweren Panzer, welche eben zur Hebung der Herzensfreude 
und als sichtbare Garanten der Freiheit, in Erscheinung traten.
Stur wie die Kurse der neuen Bombengeschwader, welche unbeirrbar am

						/34/				AE: 16
berliner Himmel dahindonnerten.
Meine Bindung an die Kirche! Fast alle meine Kameraden waren l„ngst aus den 
Religionsgemeinschaften ausgetreten und wetzten nun den Schnabel in Zoten und 
Verleumdungen gegen Kirche und Klerisei.
Und hatten sie Alkohol im Bauch, dann wollte damit einer den anderen, im 
Wettstreit mit ihrer Dummheit, bertrumpfen. Natrlich war ich dann stets 
besonders eine willkommene Zielscheibe, freilich nicht b”se gemeinten, 
Kameradenspottes. Schon in der Kaserne fing es an. Es geh”rte zum neuen Ton, 
selbstverst„ndlich den Kirchenaustrittschein zu bringen. Nicht daá von seiten der 
Obrigkeit darauf gedr„ngt wurde; dies w„re unwahr. Mag sein, daá dies im 
Parteileben blich war. Bei den SS-Verfgungstruppen und selbst auch im SD-
Hauptamt, war es nicht blich. Aber der Kameradenspott grob, ja saugrob, freilich 
landserhaft gutmtig, doch nicht ohne Stachel und Dorn, der sorgte dafr und 
auch die Hoffnung auf schnelles Avancement tat das ihre, diese Austrittsscheine 
im allgemeinen baldigst zu holen.
Bei der Truppe hatte ich dieser halb bald Ruhe.
Denn wie es unter jungen Menschen schon einmal so blich ist, z„hlte alles 
andere oftmals nicht halb so viel,

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wenn der Betreffende ein guter Sportler ist.
Das gefrchtete Ger„t in jener Zeit, war die Eskladierwand. Eine zwei Meter und 
einiges, hohe und starke Bretterwand, ber die es in mehr oder weniger eleganter 
Weise hinber zu wetzen galt. Hier arbeiteten die Hintern, Knie und Fuáspitzen, 
verzweifelt mit der Muskulatur der Arme, um die runden 70 Kilogramm 
Landserlebendgewicht, auf die andere Seite zu bef”rdern.
Die ,Taugenichtse" gingen in das Vermerkbuch des ,Spieá"; zwecks 
Dienstleistung in der Kche zum verhaáten Kartoffelsch„len, zum 
Abortbrillenputzen, denn gelernte Optiker gab es stets nur sehr wenige, oder gar 
keine, und diese T„tigkeit wurde dann meistens von diesen Nichtsk”nnern 
verlangt, wenn die brige Kompanie Ausgang hatte, und mit Fr„ulein Braut in`s 
Grne abhauen konnte. 
Ich hatte den Vorzug - in jener Zeit hatte ich noch eine turnerische und sportliche 
,Ader" - mhelos und sogar elegant ber jene Wand zu kommen und wurde 
auszeichnungshalber, zwecks leichter Hilfeleistung, welche nur mit Fingerspitzen 
gegeben werden durfte, vom Kompaniechef abgestellt. Dies war eine bliche 
Erleichterung.

						/36/				AE: 18
Aber in der Regel hatten die Hilfeleister ihre allergrӇte Freude an einer 
Behinderung und Erschwerung, statt umgekehrt. Dies geh”rte ebenfalls zum 
allgemeinen ,Flachs" und Ulk. Freude auf Kosten anderer. Ja, das Kasernhofleben 
war eben rauh aber herzlich. Ich leistete damals in Wahrheit, vorzgliche 
Hilfestellung. Es gengte meist ein leichter Druck auf eine der in der Luft 
herumorgelnden Hinternbacken, und der Kerl war drber. Das Znglein an der 
Wage(sic) gewissermaáen. Und da gerade Samstag vormittag war und der 
Stabsfeldwebel keine Notierungen zu machen hatte, kamen die Herren der 
Kompanie alle mit ihren geehrten Br„uten zu ihrem Wochenendvergngen.
Ich wurde seit damals, so wenig die Motive selbst auch zusammenhingen, in 
religi”sen Dingen nicht mehr bel„stigt.
Als ich 1935 Hochzeit machte, fand diese in der evangelischen Kirche zu Passau 
statt; in Uniform.
Hier freilich versuchten meine damaligen Vorgesetzten zu intervenieren und 
wiesen auf die Unm”glichkeit hin.
Aber die Panzer waren ja auch stur. -
Erst im Herbst 1937, ich war jedenfalls schon seit einer kleinen Ewigkeit 
Hauptfeldwebel, trat ich ohne Druck oder Zwang, aus freien Stcken und in voller 
šberlegung aus dem evangelischen Religions-

					/37, 38/				AE: 19
Verband aus und bezeichnete mich ab dieser Zeit, als ,gottgl„ubig". Daran hat 
sich bis heute nichts ge„ndert. Ich wurde weder ein Kirchenfeind, noch war ich je 
antiklerikal. Ich sah die Notwendigkeit religi”ser Gemeinschaften aus ethischen 
und aus Grnden der Erziehung als wichtig an, aber ich wollte frei und ohne 
kirchliche Bindung im Verkehr zwischen meinem Herrgott und mir sein. 
Auáerdem widerte mich der seinerzeitige Kampf innerhalb der evangelischen 
Kirche so an, daá ich nichts mehr von ihr wissen wollte. Die eine Seite war Feuer 
und Flamme fr die neuen G”tter und ihr Tun; die andere Seite bek„mpften sie 
auf Tod und Teufel.
/Der folgende Abschnitt ist gegenber von S. 17 nachtr„glich notiert, geh”rt 
offenbar hierher:
Nicht die Tatsache des Kampfes gegen den damaligen Staat selbst war es, der 
mich zur Distanzierung zwang, als vielmehr die šberlegungen, ,daá es kaum 
g”ttlichen Wnschen entsprechen mochte", wenn seine verordneten Diener sich 
derart eifernd und gegenseitig verunglimpfend, in irdische Belange einlieáen und 
sich gegenseitig ,in die Wolle" bekamen. Hinzu kamen meine Zweifel in 
glaubensm„áiger Hinsicht, die ich an anderer Stelle noch einmal streife./
Da lobte ich mir damals die r”misch-katholische Kirche; sie holte ihren 
Wertmaástab erst gar nicht aus der Kiste. Sie war gewohnt in Jahrhunderten zu 
denken, zu messen und zu w„gen. W„re ich damals Katholik gewesen und nicht 
Protestant, ich w„re stur als solcher im Kirchenverbande geblieben. Man hatte 
sich ja schon seit drei langen Jahren daran gew”hnt gehabt, daá ich einer der ganz 
wenigen, wenn nicht der einzige war, der hier so lange stur blieb. Freilich muá ich 
einschr„nkend hinzufgen, daá ich auf der anderen Seite aber auch in keiner

						/39/				AE: 20
Form etwa missionierend oder sonst irgendwie predigend t„tig geworden bin. 
Solches h„tte ich nie und nimmer getan. Ich verteitigte(sic) ausschlieálich meine 
eigene pers”nliche Stellung zu den mir anerzogenen Werten und šberlieferungen; 
bis auf den Tag, an dem ich aus eigener Erkenntnis, die Dinge in einer mich 
innerlich befriedigenderen anderen Helle sah.
Ja, und wie war es mit der Judenfrage in jener Zeit und wie stand ich zu ihr.
Als ich im Herbst 1934 in das SD-Hauptamt versetzt wurde, gab es dort berhaupt 
noch kein Referat und keinen Sachbearbeiter, der sich mit Juden zu besch„ftigen 
hatte. Dies war erst im Laufe des Jahres 1936 der Fall.
W„hrend des Prozesses, und zwar innerhalb des etwa 10 Tage dauernden 
Kreuzverh”res, frug mich einer der drei Richter, oder war es der 
Generalstaatsanwalt, bezglich meiner seinerzeitigen Einstellung zum Programm 
der ,Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiter Partei", ob es mir bekannt 
gewesen sei, und ich doch zweifelsohne gewuát haben muáte, daá diese Partei 
den Kampf gegen das Judentum, als einen nicht zu bersehenden Faktor ebenfalls 
auf ihr Panier geschrieben hatte; also máte ich doch auch Antisemit gewesen 
sein.
Ich konnte diese Frage sehr einfach und wahrheitsgem„á beantworten, indem ich

						/40/				AE: 21
sagte, daá ich den Judenprogrammpunkt wohl gekannt habe, doch niemals 
Antisemit war. Nun, diejenigen der israelischen Polizeibeamten, mit denen ich 
w„hrend der Voruntersuchung laufend zu tun hatte, kannten die n„heren 
Umst„nde, die mich berechtigten, eine solche Antwort zu geben. Auch mit einem 
Psychiater unterhielt ich mich ber diese Frage. Es ist blich, daá Angeklagte in 
gr”áeren Prozessen im Laufe der Voruntersuchung sich mit solchen Fach„rzten 
zusammensetzen, der(sic) dann auf Grund der Unterhaltung, seine Teste macht. 
Diese Unterhaltung setzt natrlich eine freiwillige Bereitschaft seitens des 
Angeklagten voraus, denn sonst w„re der Test ja schlieálich auch wertlos.
Nun, ich will zu dieser Frage jetzt auch hier Stellung nehmen; und ich muá auf 
eine kleine Sekunde in mein Elternhaus zurckgehen.
Meine erste Mutter starb sehr frh; mein Vater heiratete zum zweiten Mal. Er 
muáte es, denn wir waren fnf kleine Kinder und es gab mit den 
Wirtschafterinnen, K”chinnen und Stubenm„dchen, die in einer zweij„hrigen 
,mutterlosen" Zeit den Haushalt meines Vaters zu fhren hatten viel Žrger. Wie 
es schon so geht. - 
Mit der zweiten Mutter, die selbst keiner jdischen Familie entstammte, kam aber 
jdische Verwandtschaft in unsere Familie.

						/41-42/				AE: 22
Tanten, Onkel, sp„ter Cousinen. Wenn man klein ist, dann w„chst man 
automatisch in seine Umgebung hinein. Unsere Familie, nicht nur die engere, ich 
meine die gesamte Sippschaft, geh”rte zu den seltenen Familienverb„nden, von 
denen man behaupten konnte, daá niemand dem anderen seine W„sserchen trbte. 
Es war ein fr”hliches, herzliches Verbundensein ohne Arglist, Lug oder Trug. 
Egal, ob Jude, jdisch versippt oder Nichtjude.
/1. Zusatz von Seite gegenber: Meine Eltern und damit meine Familie war weder 
judenfreundlich, noch judenfeindlich. Das Problem als solches, war eben ein 
v”llig Familienfremdes gewesen; es stand niemals in irgend einer Form zu(sic) 
Debatte./
Mein alter Herr selbst hatte u.a. auch Juden zu Freunden.
/2. Zusatz von Seite gegenber: W„ren es keine Juden gewesen, w„ren sie auch 
befreundet gewesen. Mein Vater kmmerte sich um diese Dinge ebensowenig, 
wie etwa, was es am Abend zu essen g„be./ 
Ich erinnere mich noch des jdischen Hopfenh„ndlers Taussig aus Urfahr bei 
Linz. Ich glaube es war der Nachbar unseres damaligen Gartens am Hang des 
P”stlingbergs. Und wir Kinder kamen zur Erdbeerzeit aus unserem Garten in 
Taussig`s Gehege und schnabelten dort, mit seinem Einverst„ndnis und 
Einladung, allm„lig(sic) die Erdbeerbeete leer, nachdem unsere schon l„ngst von 
uns Kindern abgeerntet waren.
Ich war noch ein sehr kleiner Lausbub, aber ich erinnere mich zu genau, eines 
anderen jdischen Freundes meines Vaters, der mir, war er Gast meiner Eltern, 
auf dem Flgel stets sehr feurig die Marseillaise vorspielte /3. Zusatz von Seite 
gegenber: und vorsang ,Allons enfants de la patrie"./ Er war gebrtiger 
Franzose, aber l„ngst

						/43/				AE: 23
naturalisierter ™sterreicher. In der Volksschule kam ich neben einem Juden zu 
sitzen; wir wurden Freunde. Ich in seinem Elternhaus, wie das schon so geht, er in 
dem meinen. Die Freundschaft hielt eigentlich lange an. Genau gesagt, bis wir uns 
aus den Augen verloren, durch meinen Abgang von Linz a/Donau, im Jahre 1933. 
Eingemale trafen wir uns auch auf der Reise, letztmalig in Grnau im Almtal, bei 
einem Raseur. Es machte ihm offenbar nichts aus, daá ich das Abzeichen der 
NSDAP angesteckt hatte und mir machte es nichts aus, daá er Jude war. Im 
Gasthof tranken wir unser Getr„nk und kmmerten uns den Teufel ob Jude oder 
Nichtjude. /6 Zeilen gestrichen, noch lesbar: Mein Religionslehrer, der 
evangelische Pfarrer Tiebel in Linz, ein Junggeselle aus Ostpreuáen, erz„hlte uns 
w„hrend des Religionsunterrichts oftmal von seinem Amtsbruder - wie er ihn 
nannte - dem Rabbiner in [Ortsname]./ Noch als SS-Obersturmbannfhrer, káte 
ich sehr herzlich meine halbjdische Cousine, die mich mit ihrem Vater in Berlin 
auf meiner Dienststelle besuchte und man brach am Abend in einer netten 
Weinstube in Berlin, einigen netten Flaschen den Hals.
Und warum sollte ich meine bildhbsche

						/44/				AE: 24
zwanzigj„hrige halbjdische Cousine nicht káen, sagte ich zu meinem 
,st„ndigen Vertreter", dem SS-Sturmbannfhrer Gnther; so was kann doch 
unm”glich Reichsverrat sein. Er hatte diesbezglich strengere Auffassungen.
In Budapest hatte ich auch entfernte Verwandte sitzen. Meine dortige Cousine, 
eine Psychiaterin, war mit einem jdischen Schuhindustriellen verheiratet, von 
dem sie aber geschieden war und just um die Zeit, als ich 1944 nach Budapest 
befohlen wurde, war sie mit einem jdischen Dozenten an der Universit„t 
Budapest, verlobt.
Gemeinsam tafelten wir zu Abend. Meine Tante, meine Cousine, ihr jdischer 
Verlobter und ich in der Uniform eines SS-Obersturmbannfhrers. So, wie es mir 
mit den Juden in der Verwandtschaft meiner zweiten Mutter erging, „hnlich 
erging es mir mit der Verwandtschaft meiner Frau bezglich der Cechen. Ich 
feiere brigens in wenigen Tagen hier im Gef„ngnis in Israel, den dreiáigsten 
Jahrestag unserer Verlobung; seit 26 Jahren bin ich verheiratet.
Die Verwandtschaft meiner Frau besteht aus Cechen und ehemaligen 
™sterreichern, also B”hmen mit der Muttersprache Deutsch. Seit 1648 ist ihre 
Familie in

					/45-46/				AE: 25
Sdb”hmen ans„áig gewesen. Und ein Holzbalken im Hofe zeigt eine noch 
frhere Jahreszahl.
Als ich dienstlich im Jahre 1939, nach Prag versetzt wurde hatte ich genau 
dasselbe herzliche Zusammenleben mit meinen cechischen Schw„gern, es waren 
die Ehem„nner der Schwestern meiner Frau, wieder aufgenommen. Der eine 
davon war w„hrend der Zeit des(sic) cechoslovakischen Republik 
Artillerieoffizier gewesen, der andere zur Zeit der Besatzung durch uns, aktives 
Widerstandsmitglied und Kommunist. Seine Tochter, meine Nichte also, studierte 
irgendwann nach 1945, Welthandel in Moskau.
Ich weiá, daá meine beide Schw„ger glhende cechische Patrioten waren und ich 
achtete ihren Nationalismus. Ich h„tte mir eher die Zunge abgebissen, als das(sic) 
ich sie angezeigt h„tte, oder selbst eine Verhaftung vornahm, zu der ich berechtigt 
gewesen w„re. Die verwandtschaftlichen Bande waren st„rker als die zu meinen 
G”ttern; obgleich sie auch durchaus nicht schwach waren. 
Ich haáte weder den Cechen, noch den Juden, noch irgend jemanden anderen.
/Zusatz von Seite gegenber: Ich hatte auch nie von irgend jemanden(sic) 
pers”nliches Leid erfahren./
Die ganze Erziehung die ich genoá feite mich darber hinaus vor solchen 
Gefhlen. Ich kannte sie nicht. Ich lebte in einer Welt, die gegens„tzlich 
beispielsweise von der, junger Corpsstudenten der schlagenden Verbindungen 

						/47/				AE: 26
war. Hier n„hrte(?) diese, der Geist eines Ritter von Sch”nerer mit seinen 
antisemitischen Ges„ngen und Predigten. Hier wurde das Wort Arier, betont und 
deutlich ausgesprochen, ein Wort, welches erst sp„t, sehr sp„t berhaupt in 
meinen Wortschatz gelangte.
H„tte ich nicht innerhalb eines solch innigen und herzlichen Familienverbandes 
gelebt, ein Verband, zu dem sich dann die Familien meiner Frau hinzugesellten, 
m”glich daá auch ich von solchen Gedankeng„ngen angesteckt worden w„re. 
Aber ich wurde es nicht und dies ist entscheidend.
/zweieinhalb Zeilen unleserlich gemacht/ Als in Linz einmal Pfadfinderfhrer, von 
irgendeiner Tagung kommend in unserem sch”nen Landeshauptst„dtchen einige 
Tage verweilten und die einzelnen ausl„ndischen Pfadfinder auf Brgerfamilien 
aufgeteilt wurden, da brachte mein Vater einen franz”sischen Pfadfinderfhrer als 
Gast mit nach Hause. Ich sprach um jene Zeit - genau wie mein zweit„ltester 
Bruder Emil - recht ordentlich franz”sisch, da unsere Mutter, ein gutes 
franz”sisch und englisch sprach und uns durch Conversation, die Sprache 
mhelos eintrichtern wollte. 
Dieser junge Franzose war ein pr„chtiger

						/48/				AE: 27
Mensch und ich fhlte mich nach Art der Halbwchsigen glcklich, ihn zum 
Freunde gewonnen zu haben. Wir verlebten gemeinsam frohe unbeschwerte Tage, 
schwelgend in Romantik, Bubenfreundschaft und P”stlingbergroseng„rten und 
tauschten unsere bndischen Lieder aus dem ,Zupfgeigenhansel" des 
Wandervogels, und aus anderem aus. Und sp„ter, als auch fr mich die Franzosen 
mit die Verk”rperung von Versailles schlechtwege wurden, selbst da gelang es 
keiner Macht, in mir auch nur die leisesten Haágefhle gegen auch nur irgend 
einen Franzosen als solchen zu erzeugen.
Und ich lernte eigentlich schon recht frh, daá das Einzelindividuum keinesfalls 
zu identifizieren ist mit Nation oder Glauben oder gar Politik.
Die Worte Rasse, Volkstum und „hnliche gelangten gleichermaáen erst sp„t in 
meinen Wortschatz, so wie ich es bezglich des Wortes ,Arier", schon feststellte.
Und auch da, klassifizierte ich das Verh„ltnis zwischen dem Individuum und den 
fr mich neuen Begriffen nicht anders, als wie ich es bis dahin zwischen 
Individuum und Nation tat.
Selbstverst„ndlich bin ich kein Heiliger; als w„hrend des Krieges der 
Bombensegen ganze Stadtviertel in Null komma Nichts in Schutt und Asche legte, 
und tausende Deutscher verreckten und ver-

					/49-50/					AE: 28
kamen, verschmorten und zerrissen wurden, da habe auch ich in der Hitze-
Leidenschaft ungez„hlte derbe und derbste Flche gegen die Bombenwerfer vom 
Stapel gelassen.
Auch ich bin kein Heiliger und habe als die Israeler mit den Franzosen und 
Engl„ndern Žgypten angriffen in der Hitze der durch die Presse entfesselten 
Leidenschaften, derbe und derbste Worte gegen die Angreifer gebraucht. Ich bin 
nicht anders als andere auch. Aber dies ist eben eine Reaktion die ausgel”st wird, 
der man sich je nach Temperament hingibt und die dann mit Worten ihr Ende 
findet. Dies bezieht sich weder auf den einzelnen Engl„nder, Franzosen, Juden 
oder Nordamerikaner; weder auf den einzelnen Ruáen, Polen, Jugoslawen, noch 
auf einzelne andere.
Sie ist - es kommt mir jedenfalls so vor - irgendwie natrlich; denn nur kranke 
oder teilnahmslose Menschen, oder der Weise, die sind gefeit von(sic) diesen 
menschlichen Schw„chen; andere nicht, besonders dann nicht, wenn sie 
/Fortsetzung gestrichen und ersetzt durch Zusatz von Seite gegenber: anl„álich 
der Beispiele die ich nannte, durch Zerst”rung praktisch, und durch die Presse 
knstlich, in einem erweckt, ausgel”st werden./
So also konnte ich sagen, ich bin nie ein Antisemit gewesen, denn es stimmt. Und 
w„hrend der sogenannten Kampfzeit der NSAP, nahm weder ich, noch die mir 
geistig verwandten Meinesgleichen, den Judenbek„mpfungsprogrammpunkt der 
Partei auch nur im leisesten ernst. Ja,


						/51/				AE: 29
man beachtete ihn nicht einmal. Seinetwegen fhlte man sich ja auch in gar keiner 
Form mit der Partei verbunden. Die Anziehungspunkte lagen, wie ich schon sagte, 
auch fr mich, auf einem ganz anderen Sektor. Wenigstens war es so im 
”sterreichischen Bergland. Ich beachtete ihn ebenso wenig und er war fr mich 
ganz genau so bedeutungslos, wie die ,Bek„mpfung" der Kirche und Klerus.
				-------  ----------
Dies also war mein Ich, als ich meine Anfangszeit im SD-Hauptamt zu Berlin 
verbrachte.
Unverbildet, unkompliziert, nicht faul und nicht fleiáig; und eine derbe 
Kasernenhofschale nach auáen, schtzte mein Innenleben.
Zwar war meine T„tigkeit nicht nach meinem Geschmack, aber die steten 
weltanschaulichen Hinweise auf Eid und Verpflichtung, lieáen in mir nach und 
nach keine anderen šberlegungen mehr aufkommen.
Ich gehorchte und blieb meinen G”ttern verbunden, indem ich mich befehlen lieá 
und gegen den Stachel nicht l”ckte.
					-(4)-
Ein halbes Jahr nach meiner Versetzung nach Berlin, heiratete ich. Seit dem 15. 
August 1931, war ich verlobt und die Hochzeit fand am 21. M„rz 1935 in Passau 
statt.
Bis der M”belwagen meiner Frau aus der

			/52/			             AE: 30
Cechoslowakei nach Berlin kam, und die Zoll- und sonstigen Formalit„ten 
erledigt waren wohnten wir - es waren etwa drei Wochen - in einer Pension und 
bezogen dann ein nettes, kleines, einstockhohes Einfamilienh„uschen mit Garten, 
in dem es sich ruhig und gemtlich leben lieá.
Tagsber schob ich meinen Dienst, mit der Gleichf”rmigkeit eines Uhrwerks und 
Abends und Wochenende arbeitete ich im Garten oder wir rekognoszierten und 
inspizierten in Berlin und n„here Umgebung herum.
Ich lieá mir ber einen Kameraden manches F„álein guten Pf„lzerweines aus 
seinem Heimatgau kommen. Und je nach Witterung und Jahreszeit, verdrckte ich 
manches Tr”pflein unter dem Schatten einer japanischen Blutbuche oder 
innerhalb des geschmackvollen Mobiliars, dem Ausstattungsgut meiner Frau, im 
Living(?). Ab dem Augenblick der Dienst fr mich vorbei war, lieá ich die G”tter 
sein, wo sie waren und mein ausschlieáliches Interesse galt dem famili„ren 
Beisammensein.
Meine dienstliche T„tigkeit war auch - wie ich zu sagen pflegte - zum 
Knochenkotzen. Tausende von Freimaurersiegeln und Mnzen muáte ich 
katalogisieren und einordnen; meine kmmerlichen, allerletzten Lateinreste 
feierten in jener Zeit noch einmal fr”hliche Urst„nd. Mein Chef war

						/53/				AE: 31
ein dienstgradgleicher, verbummelter Student an der Berliner Universit„t und 
selbst Berliner; ungedient und nie bei der Truppe gewesen; aus der zivilen, bzw. 
allgemeinen SS, kommend.
Er war als ,Museumdirektor", als Referent des Freimaurermuseums in der 
Wilhelmstraáe 102 t„tig, und ich war ihm als einer seiner ,Sachbearbeiter" 
zugeteilt worden. Viel Wrdezeigen und Dreischrittvomleibetaktik waren die 
hervorstechensten(sic) Eigenschaften des ,Direktors", und wir Kasernhofblten 
nahmen ihn gewaltig auf die Schippe. Besonders, wenn er mit tierischem Ernst 
seine surrealistischen ,halbverwesten" Leichen aus Modellierpaste formte und sie 
mit berdimensionalen Wrmern und Asseln garnierte. Und war ihm solch ein 
Prunkstck gelungen, dann hinein in einen Sarg und aufgestellt, zur Schau; etwa 
in den ,Andreassaal". 
Und Professor Schwarz-Bostaunitzel, der stocktaube ehemalige Verteitiger(sic) 
am Appellationsgerichtshof in Kiew, zur Zarenzeit, und nunmehrige Leiter der 
Abteilung Freimaurerei des SD-Hauptamtes machte mit dem donnernden Baá 
seiner Stimme und in seiner deutsch-russischen Aussprachsweise, die offiziellen 
Besucher des Museums anl„álich der Fhrungen durch dieses, mit kurzem 
Hinweis auf die ,Geschmacklosigkeit und das Verworren-Dekadente der 
freimaurerischen Geistesverbildung" aufmerksam; nicht ohne	

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bissigen Nebenbemerkungen, wobei durch pl”tzliches Kopfheben sein spitz 
auslaufender Knebelbart wie eine Parallele, zur Decke und Fuáboden gebracht 
wurde und gleichsam als kleiner Keil von ihm abstand: ,und so etwas waren dann 
Studienr„te und Studiendirektoren, verantwortlich fr die Erziehung unserer 
Kinder", war sein sarkastischer Abschluá und seine /Fortsetzung auf der Seite 
gegenber: Physiognomie erinnerte stark an einen eifernden babylonisch-
assyrischen Priester./
Ich sah, wie hier b”ser Heck-Meck getrieben wurde, um die Freimaurerei ad 
absurdum zu fhren und dachte in meinem Sinn, na, wenn sie nichts anderes 
finden und Wurmkram und Leichen mit Ton und Modellin pr„parieren máen, 
dann scheint mir nicht viel dahinter zu sein. Ich hatte das Wort Freimaurerei zum 
allerersten mal genau am 1. 4. 1932, geh”rt. Ich meine, wissentlich zum ersten 
mal geh”rt, und das kam so:
Ich wurde durch Kollegen so etwa Anfang 1932 als Gast der Linzer ,Schlaraffia" 
im ,Vereinshaus" zu Linz eines Ortsverbandes der sogenannten ,Allmutter-
Praga" eingefhrt. Kaufleute, Žrzte, Rechtsanw„lte, Knstler usf. z„hlten zu ihren 
Mitgliedern. Der Brauch dort war witzig und das V”lkchen war harmlos-humorig. 
Narrenkappen„hnliche Kopfbedeckungen, mit vielen Orden und 
Verbandsauszeichnungen, zierten die K”pfe der Mitglieder. Einen ausgestopften 
Vogel, einen Uhu, der in einer Ecke, auf bevorzugtem Platze aufgestellt war, 
muáte man beim

						/56/				AE: 33
Eintritt, die H„nde ber die Brust gekreuzt, und sich verneigend, begráen. Ein 
Erzmarschall leitete den offiziellen Teil des Beisammenseins und Klavizimbel 
hieá das Klavier. Na, wie ich schon sagte, harmlos-fr”hlich; Jude wie Christ saáen 
hinter Bier und Wein, das heiát man h„tte nicht gewuát wer Jude war, wer Christ, 
aber in so einer kleinen Stadt, kannten ja viele, Viele.
Am 1. 4. 1932 trat ich in die SS ein. Der damalige SS-Oberscharfhrer Dr. Ernst 
Kaltenbrunner, Rechtsanwalt in der Kanzlei nach seinem Vater, war schon eine 
bedeutende Pers”nlichkeit innerhalb der ”sterreichischen NSDAP. Er wollte 
wissen, ob ich in irgendwelchen Vereinen oder Verb„nden w„re, wenn ja in 
welchen und warum.
Und ich sagte ihm, daá ich als Gast bei den Schlaraffen verkehre. Raus aus dem 
Freimaurerhaufen, das ist eine ganz gef„hrliche Bande, sagte er mir. Nun er war 
damals noch nicht Chef der Sicherheitspolizei und des SD, noch kein General der 
Polizei und der WaffenSS, und noch nicht Mitglied des Reichstages. Ich konnte 
ihm daher sagen, von der Freimaurerei wáte ich nichts, da ich davon bisher nie 
etwas geh”rt h„tte, aber eine gef„hrliche Bande ist es ganz bestimmt nicht, so viel 
wáte ich inzwischen sehr genau. Kaltenbrunner und ich kannten uns schon viele 
Jahre von der Straáe her.

						/57/				AE: 34
Man gráte sich und sprach, so wie es der Tag und die Stunde mit sich brachte. 
Unsere V„ter hatten gesch„ftlich ”fter miteinander zu tun.
Aber ich kann die ganze Sache kurz abtun, indem ich erkl„re, daá auf mein 
weiteres Kommen als Gast bei der ,Schlaraffia" Linz gerade um diese Zeit herum 
kein Wert mehr gelegt wurde, weil ich in vorgerckter Stunde und in vorgerckter 
Laune, den ebenfalls um jene Zeit in vorgerckter Laune befindlichen 
ober”sterreichischen humoristischen Schriftsteller Franz Resl, im Rosenstberl zu 
Linz auf eine Flasche Wein eingeladen hatte. Er war Erzschlaraffe, ich war nur ein 
lausiger Gast; ich war damals 26 Jahre alt und er so zwischen fnfzig und sechzig; 
ich war ein Niemand, er aber war ein bedeutender Schriftsteller; wenn auch ber 
™sterreichs Grenzen hinaus eigentlich wenig bekannt. Aber trotz allem: diese 
meine Frechheit berstieg den Rahmen des Gewohnten. Dies war mein erstes 
Erlebnis mit der ,Freimaurerei".	
					-(5)-
Obwohl also der Antisemitismus in einem der Parteiprogrammpunkte fixiert 
wurde, blieb ich demgegenber unempf„nglich; nicht einmal aus Wissen oder 
Wollen, sondern ganz einfach aus dem Grunde, weil er nicht zu meiner 
Vorstellungswelt geh”rte, und weil ich nichts mit ihm anzufangen wuáte.

					/58/					AE: 35
Zum vielen Bcherlesen hatte ich es in jenen Jahren nicht gebracht. Sehr zum 
Kummer meines Vaters. Mit irgendwelchen ,ismen" hatte ich mich aus Indolenz 
nicht auseinander gesetzt; und pers”nlich hatte ich keine Feinde; weder Juden 
noch Nichtjuden.
Die Gnthersche Rassenlehre habe ich bis zum heutigen Tage nicht gelesen, 
ebenso wenig den Rosenberg'schen ,Mythus des 20. Jahrhunderts" oder Mathilde 
Ludendorff. Dem Mystizismus war ich nie verfallen. Fr mich haben bis zur 
Gegenwart weder die klar„ugig-nordischen Rassevertreter das Licht, noch die 
dunkel„ugigen Semiten die Finsternis oder umgekehrt verk”rpert. Ich habe 
solches stets fr einen ausgesprochenen Kohl gehalten und halte solches noch 
immer dafr.
Freilich, in dieser Vorstellung whlten und bohrten Himmler und andere. Auch 
kleine Diener, wie besagter Professor Schwarz-Bostaunitzel, schwelgte in seiner 
mystischen Vorstellungswelt und pendelte in seinen verschiedenartigen 
geometrischen Figuren herum, um einem diese ganze Angelegenheit nach Art der 
alten Alchimisten schmackhaft zu machen. Seine Diagramme, seine Pentagramme 
und Hexagramme, dargestellt in den verschiedenartigsten Formen und 
Bedeutungen geschmckt mit Dutzenden von weiteren Symbolen, fanden in 
meinem wein- und bierfrohen Soldatengemt keinen Platz. -
Als ich um jene Zeit im SD-Hauptamt war, hatte Himmler einem solchen 
modernen Alchimisten

						/59/				AE: 36
in dem Park, in dem wir unsere morgendlichen Exerzierbungen absolvierten, ein 
kleines Laboratorium eingerichtet. Er sollte darin Gold machen. Angeblich konnte 
er es. Dieser Goldmacher hieá merkwrdigerweise Tausend.
Himmler war auf dem Wege, die SS zu einem Orden mit besonderem Brauchtum 
zu formen, in dem sich Gedankengut der alten Germanen mit dem des Deutschen 
Ritterordens, Materialismus, Romantik, Gottgl„ubigkeit und anderes mehr 
mengte. Die Brauer dieses Gemisches saáen im SS Rasse- und 
Siedlungshauptamt, und von dort aus wurde dieses Geistesgut in den Orden 
gepumpt. -
					-(6)-
Im Jahre 1936 sprach mich ein SS-Untersturmfhrer von Mildenstein an, der seit 
kurzer Zeit ebenfalls im SD-Hauptamt t„tig war. Er hatte eine Judenabteilung 
eingerichtet und suchte nun Personal, um seine Sachgebiete zu besetzen. Er 
erz„hlte mir, daá er Diplom Ingenieur von Beruf sei, in Pal„stina gewesen w„re 
und nun noch einen Sachbearbeiter gen”tige, ob ich Lust h„tte. Ich hatte Lust. Ich 
h„tte alles angenommen um jene Zeit, wenn ich dadurch nur von meinen 
verdammten Mnzen und Siegeln, die mir schon beim Halse heraushingen, 
fortgekommen w„re.
Und so kam ich fort.
Die Abteilung hieá II 112; der Hauptabteilungschef blieb derselbe wie bisher, 
infolgedessen war die Personalabteilung des SD-Hauptamtes nicht erst groá zu 
befragen, sondern es brauchte

						/60/				AE: 37
ihr lediglich eine formlose Ordnungsmeldung gemacht werden.
Herr v. Mildenstein hatte sich die Bearbeitung der Zionisten vorbehalten, ich hatte 
die jdische Orthodoxie und ein dritter Mann die Assimilanten zu bearbeiten. 
Dazu kamen noch drei Hilfskr„fte, als Schreiber und Aktenschieber. Herr von 
Mildenstein leitete das Ganze. [1]
Meine erste T„tigkeit in diesem neuen Laden, war das Lesen eines Werkes von 
Adolf B”hm. Es war eine ausfhrliche Schilderung des Wirkens und Wollens der 
Zionistischen-Weltorganisation.
Ich sollte eine Kurzdarstellung des Inhaltes herausarbeiten.
Dies war meine erste bewuáte Kontaktaufnahme mit dem Judentum.
Mildenstein war ein liberaler und toleranter Geist; fern allem Fanatismus, 
Mystizismus und Radikalismus; und aus der Znaimer Gegend, aus M„hren, 
stammend; er war stets freundlich, ruhig, und hatte ein mildes Gemt. Er sah die 
Judenfrage nicht vom rassischen und nicht vom religi”sen Standpunkt, sondern 
einzig und alleine von der politischen Warte aus. Er war mein erster und zugleich 
mein bedeutenster(sic) Meister und Lehrer auf diesem Gebiet und seine 
Anschauungen von den Dingen habe ich mir zu eigen gemacht, da sie mich 
beeindruckten und berzeugten. Ich habe diese Anschauung bis zum Ende 
beibehalten.
Leider schied von Mildenstein bereits nach einigen Monaten aus. Er war einer der

					/61-62/					AE: 38
wenigen, dem es gelang. Freilich, sein Beruf kam ihm dabei zu Hilfe, sonst w„re 
es sicher nicht gegangen. Er war Straáenbaufachmann; als solcher erhielt er den 
Befehl, in Nordamerika die Autobahnen zu studieren. Als er von seiner 
Studienreise zurckkam, wurde er von irgend einem anderen Ministerium 
vereinnahmt, da um jene Zeit der Reichsautobahnbau, mit aller Macht 
vorangetrieben werden muáte.
/Abschnitt gestrichen, noch lesbar: Seine Stelle als Abteilungsleiter bernahm ein 
junger Mann, der aber bereits nach kurzer Zeit zu(sic) Milit„r eingezogen wurde 
und mit der šbernahme der Judenabteilung im SD-Hauptamt durch Wisliceny, 
und sp„ter durch Six kam auf l„ngere Zeit eine gewisse Stabilit„t in den Laden./
/ersetzt durch Zusatz von Seite gegenber: Es wechselten dann in der Folgezeit 
kurz hintereinander die Abteilungsleiter. Jeder hatte sein eigenes System soeben 
als gltige Norm von sich gegeben, schon war er wieder abgel”st und ein anderer 
trat an seine Stelle. Schlieálich bernahm Prof. Dr. Six die Zentralabteilung und 
setzte einen seiner Vertrauten als Leiter der Abteilung ,Judentum", ein./
Es wurde im Laufe dieser Zeit mit der Anlage von Sachakten begonnen, eine 
Sachkartei wurde aufgestellt, eine Generalaktenhaltung aufgezogen und laufende 
Berichterstattung fr die Vorgesetzten, bildete die Hauptarbeit, der wir 
nachzukommen hatten. Dem Berichterstattungswesen, waren alle anderen 
Arbeiten unterzuordnen.
Himmler und Heydrich máen in jener Zeit auf ihren Nachrichtenapparat, dem 
SD-Hauptamt, sehr stolz gewesen sein. Ein mir vorliegendes Dokument aus jener 
Zeit, zeigt die stattgefundenen Besichtigungen auf, und man ersieht, daá



						/63/				AE: 39
die Dienststelle innerhalb weniger Tage von 150 Offizieren der Kriegsakademie 
besucht wurde, daá Heydrich den(sic) Reichsauáenminister v. Ribbentrop das SD-
Hauptamt zeigte, ferner sind 150 Offiziere des Reichskriegsministeriums 
verzeichnet sowie der Besuch des Chef(sic) der jugoslawischen 
Geheimpolizei. [2]
In jener Zeit bestand meine Hauptarbeit im Lesen von Fachzeitungen und 
Zeitschriften sowie im Verdauen der einschl„gigen Werke. In rauhen Mengen 
lagen die Zeitungen auf und ich „rgerte mich jedesmal, wenn ich die in 
hebr„ischen Lettern gedruckten jiddischen Zeitungen sah, denn die konnte kein 
Mensch lesen. Also ging ich eines Tages daran und kaufte mir in einer 
Buchhandlung ein Lehrbuch zum Studium der hebr„ischen Sprache. ,Hebr„isch 
fr Jedermann" hieá es und ein gewisser Samuel Kaleko hatte es verfaát. Nach 
einem Jahr Selbststudium kam ich nicht mehr zgig weiter, auch war mir das 
Alleinebffeln l„ngst zu langweilig geworden und ich suchte auf dem Dienstweg 
um die Genehmigung nach, die weitere Unterrichtserteilung durch einen 
Rabbiner, gegen ortsbliches Stundengeld von drei Reichsmark, zu gestatten.
Offenbar aus politischer Sorge, wurde mir diese Genehmigung nicht erteilt. 
M”glicherweise w„re der Bescheid ein positiver gewesen, wenn ich gesagt h„tte, 
dann sperrt man

						/64/				AE: 40
eben einen Rabbiner solange ein, bis er mir die Sprachte vermittelt hat. Es wurde 
ja in der damaligen Zeit durch die Geheime Staatspolizei am laufenden Bande 
eingesperrt. Aber mir kam nicht einmal die Idee zu einem solchen Tun, 
geschweige denn, daá es mir ein Vergngen bereitet h„tte, auf diese Art und 
Weise, mir fehlendes Wissen zuzulegen. [3]
					-(7)-
Jedes Jahr einmal, im Herbst, hielten die G”tter Heerschau. Sie stiegen von ihrem 
Olymp herab und zeigten sich in breiter Front den Massen, die sie aufboten. 
Milit„rparaden, Paraden der SA u. SS, Aufm„rsche der anderen 
Parteiorganisationen. Konferenzen, Kongresse, Resolutionen, Ansprachen und 
Paroleausgabe. Die Fhrung teilte ihren Gl„ubigen mit, was sie geschafft hatte 
und was sie plante.
Es w„re ungerecht zu sagen, sie h„tte nichts getan. Sie lag wahrlich nicht auf der 
faulen Haut. Und sie hatte in krzester Frist fr das deutsche Volk soviel getan, 
besonders in wirtschaftlicher Hinsicht, daá der gewaltige, jubelnde Beifall der 
Masse, echt war. So etwas an rauschender, impulsiver Begeisterung konnten(sic) 
selbst Goebbels nicht knstlich hervorrufen.
Ich war zum ersten mal auf einem solchen Parteitag, der jeweils in Nrnberg 
stattfand; ich wurde dienstlich dorthin

						/65/				AE: 41
geschickt. Nicht um an Paraden und Aufm„rschen teilzunehmen, nicht um mir 
Reden anzuh”ren und Versammlungen zu besuchen, sondern um 
nachrichtendienstlich t„tig zu sein. Denn das SD-Hauptamt war um jene Zeit 
nichts anderes, als eine einzige groáe, straff gelenkte und organisierte 
Spionageorganisation. Sie war niemanden anderen unterstellt, als Himmler und 
auf dessen Befehl, hatte sie ihr Grnder Heydrich, zu leiten.
Eine groáe m„chtige Boykottbewegung mit der Zentrale in Nordamerika k„mpfte 
gegen das nationalsozialistische Deutsche Reich. Nicht grundlos; dies war selbst 
mir damals schon klar geworden. Wenn wir w„hrend der Truppenausbildungszeit 
aus irgendwelchen Grnden dermaáen geschliffen wurden, daá uns das Wasser 
am Arsch zu kochen anfing, wie wir im rauhen Landserjargon zu sagen pflegten, 
dann erzeugten die augenblicklichen Leiden in uns Landser frchterliche 
Vorstellungen im Hinblick auf Vergeltung an die uns schleifenden Ausbilder, 
nach der Dienstzeit. Zwar khlten diese furchtbaren Vors„tze nach beendeter 
Tagesdienstleistung, nach dem Motto ,gehabte Schmerzen hat man gerne" ebenso 
rasch wieder ab, als sie aufflammen konnten, und verbrannten bei einem oder 
auch mehreren halben Liter Bier in der Kantinie(sic), restlos.

						/66-67/				AE: 42
Aber wenn ich so sah, besser gesagt gelesen hatte, was die Abteilung I des 
Reichsaussenministeriums an Judengesetzen seit 1935 erlassen hatte, dann konnte 
ich die Boykottbewegung gut verstehen. Sie war eine ganz natrliche Reaktion. 
Wenn ich bedenke, daá in jener Zeit, sich ein Berliner Rabbiner namens Prinz von 
seiner Gemeinde verabschiedete, um nach Nordamerika auszuwandern und sagte, 
er wolle drben mitarbeiten an der Schaffung eines m„chtigen Reservoirs aus dem 
das Judentum Kraft und Hilfe erhalte, dann wuáte ich, der ich mich unter den 
Zuh”rern befehlsgem„á befand, sehr wohl, was Prinz damit meinte; und ich 
konnte ihm gar nicht Unrecht geben. Der anwesende Kriminalbezirkssekret„r 
/Zusatz von Seite gegenber: der Geheimenstaatspolizeileitstelle Berlin/, welcher 
die Versammlung auftragsgem„á zu berwachen hatte, verlieá sich auf mich und 
ich mich auf ihn, bezglich einer allf„llig notwendig sein sollenden Aufl”sung 
und Inhaftnahme des Sprechers. Ich tat nichts dergleichen, denn meine 
šberlegungen verboten mir, mich diesbezglich an den Kriminalbeamten zu 
wenden, da ich wie gesagt dem Sprecher von seinem Standpunkt aus gesehen 
Recht geben muáte und es tausendmal tausend Prinzen gegeben hat, so daá eine 
Inhaftnahme

						/68/				AE: 43
eines einzelnen, das Problem ohnedies nicht l”ste. Gem„á dem Befehl den ich 
erhielt, machte ich sp„ter meinen Bericht, indem ich alles wahrheitsgem„á 
schilderte und auch meinen šberlegungen breiten Raum lieá. Ich habe nie wieder 
etwas darber geh”rt; Prinz wanderte nach Nordamerika aus.
Ich hatte die Nrnberger Gesetze ja nicht geschaffen; nicht dabei mitgeholfen und 
hatte auch als ausfhrendes Organ nichts damit zu tun, denn ich geh”rte einer 
Nachrichteninstitution an und keinem exekutiv-t„tigen Polizeiapparat.
Daá die G”tter hier einem verh„ngnisvollen Irrtum anheimgefallen waren schien 
klar, aber Auswchse gibt und gab es nach jeder Revolution und dann sagte man 
sich immer noch, daá nie etwas so heiá gegessen werde, wie es gekocht wrde. 
Selbst groáe Teile der Judenschaft sagten und dachten genau dasselbe. Und dann 
sollte das Ziel der Maánahmen sein, die Auswanderung der Juden aus dem Reich 
anzukurbeln; freilich waren diese Maánahmen dazu nicht sehr geeignet. Die 
L”sung durch eine planvoll gelenkte Auswanderung ging auch mir in's Hirn ein. 
Denn inzwischen hatte ich ja nun gelesen, daá die Juden im Laufe der Geschichte 
in vielen europ„ischen L„ndern

						/69/				AE: 44
dann stets als Sndenb”cke herzuhalten gehabt haben, wenn ber ihren Rcken 
oder auf ihre Kosten, die Masse von augenblicklichen Schwierigkeiten oder 
šbelst„nden irgendwelcher Art abgelenkt werden konnte.
Also war eine gelenkte und planm„áig organisierte Auswanderung von allen 
šbeln, noch das kleinste; und dem abgewanderten Juden taten die Gesetze ja nicht 
mehr weh. Viel schlimmer war es mit der Bedr„ngnis, denen(sic) sie unterworfen 
waren, bis zur Zeit der Auswanderung. Aber ich konnte hier weder den G”ttern 
noch ihren Unterg”ttern hindernd in den Arm fallen, dazu fehlte mir jede 
M”glichkeit. Ich hatte auf meinem Sektor nachrichtendienstlich t„tig zu sein und 
die erhaltenen Meldungen und Mitteilungen in Berichtsform auf dem Dienstwege 
weiter zu geben. Meine Vorgesetzten verarbeiteten diese Mosaiksteinchen aus 
vielen Referaten und Sachbearbeitungen kommend, zu einem Bild und legten es 
den Unterg”ttern zur gef„lligen Kenntnisnahme vor. Dergestalt, konnten sich auch 
die G”tter selbst jederzeit solche ,Bilder" betrachten.

Nun also war ich in Nrnberg. Es war das Jahr 1937. Festliche 
Parteitagsatmosph„re, groáe gewaltige Sportfelder, Stadione, Hunderttausende

						/70/				AE: 45
fassend, l„rmendes Gedr„nge in den alten, heimeligen Gassen und G„ss'chen 
innerhalb der Mauern des mittelalterlichen Nrnberg. Das Rot der tausend und 
abertausend Fahnen leuchtete im Schein der pr„chtigen Frh-Herbstsonne.
Ein Nachrichtenmann muá, will er etwas h”ren und Agenten, Mitarbeiter, 
Vertrauensm„nner oder Zutr„ger, wie alle die Fachausdrcke auf diesem Gebiet 
lauten, werben, berall herumkriechen. Zur damaligen Zeit waren es fr 
unsereinen insonderheit die netten kleinen verrauchten biergeschw„ngerten 
Br„ustuben in denen ganze Ausl„ndergruppen von den ihnen zur Verfgung 
gestellten Betreuern gastlich bewirtet, gefhrt, eben so richtig betreut wurden. 
Hier galt es also mit mehr oder weniger Glck, durch Verbindungen und 
Beziehungen, Kontakt mit den Besuchern aus fernen L„ndern zu bekommen.
Aus einem Dokument, welches mir hier vorliegt entnehme ich folgende Worte, 
die ich damals in meinem Dienstreisebericht u.a. verwendete:
,Der Groáteil machte den Eindruck von mehr oder minder fragwrdigen 
Existenzen, die zum Teil von der fixen Idee besessen sind, als Fhrer von Parteien 
und Organisationen in ihren L„ndern

						/71/				AE: 46
einstmals berufen zu sein." Lediglich ein einziger fand ,Gnade vor meinen 
Augen", ein nordamerikanischer Staatsangeh”riger, welcher ausgezeichnete 
Verbindungen zu dem Leiter der ,Anti-Nazi-Liga", der Befehlsstelle der 
Boykottorganisation gegen Deutschland, haben wollte.
Aber da dieser Fall auch nicht ganz klar war insbesondere bezglich der Frage ob 
das SD-Hauptamt hierfr noch zust„ndig sei, bemerkte ich abschlieáend, daá ich 
um Weisung b„te, ob der SD diese Angelegenheit selbst bearbeiten soll, oder ob 
sie dem Propagandaministerium abzutreten ist.
Ich habe nie mehr etwas darber geh”rt, so daá ich annehme, daá meine 
Vorgesetzten in ihrem Ratschluá entschieden, die Sache abzutreten. [4]
						(8)
Einige Tage sp„ter, trat ich zusammen mit meinem mir vorgesetzten 
Abteilungsleiter eine Dienstreise nach Pal„stina und Žgypten an. Der Zug brachte 
uns durch Polen und Rum„nien nach Constanza und von hier aus ging es mit der 
,Romania" nach Konstantinopel, Pir„us, Beyruth, Haifa und Alexandrien.
Moscheen, Akropolis, der Berg Carmel, das graeco-romanische Museum in 
Alexandrien wurden besucht, ebenso das „gyptologische Museum in

						/72/				AE: 47
Cairo. Die Pyramiden von Gizeh sahen wir ebenso wie die von Sakarat; die 
ehemals heiligen Stiergr„ber; ein Abstecher in die „gyptische Wste ein anderer in 
die lybische Wste wurde unternommen. Der vor 3 einhalb Jahrtausenden 
verstorbenen(sic) Pharao Tutenchamon samt seinen Sch„tzen, welche dank der 
Kunstfertigkeit der Arch„ologen ihrem langen Schlaf entrissen wurden und einer 
staunenden Nachwelt zur Schau gestellt sind, erfreute auch mein Auge und 
Wissen und auch ich konnte nur staunen. Staunen ber die hohe Kultur der 
Menschen jener grauen Vorzeit und meine Gedanken verloren sich weitab vom 
,Staats- und Gegenwarts-Bejahenden", in Zonen und Regionen, in denen die 
Wandelbarkeit und das ewige Werden und Vergehen allen Lebens, ja schlieálich 
allen Sein`s, die fhrende Rolle spielten. Alles eitle Hoffen und Streben, scheint 
einem beim Anblick vergangener Jahrtausende, nichts als flchtiger 
Menschentand zu sein; und ich beneidete in diesem Augenblick alle Arch„ologen 
und Geologen, denen es meiner Meinung nach verg”nnt sein muáte, in solchen 
Gedanken und šberlegungen ungest”rt Tag fr Tag schwelgen zu k”nnen, dieweil 
es fr unsereinem(sic), im Trubel des Alltags, lediglich oasenhafte 
Glcksmomente sein durften.
Aber unsere Chefs hatten uns ja nicht all dieser Dinge wegen auf Dienst-

					/73/				AE: 48
reise geschickt sondern - wie immer - hatte die Sache ihren Grund in einer 
informativen Bereicherung, in einer politischen Nachrichtensammlung.
Durch Vermittlung des Vertreters der offiziellen ,Deutschen-Nachrichten-
Agentur" in Jerusalem, Dr. Reichert, besuchte mich Monate vor unserer Reise, in 
Berlin ein jdischer Funktkon„r auf Pal„stina. Gem„á Weisung meiner 
Vorgesetzten wurde der Besucher zum Gast des Reichssicherheitshauptamtes 
erkl„rt und ich erhielt den Befehl, ihn zu betreuen. Wir aáen zusammen in der 
,Traube" am Zoo und unterhielten uns, denn jeder wollte ja vom anderen daá(sic) 
wissen, was ihm an Wissen zu seiner gegenst„ndlichen Sache fehlte. Mein 
Interesse galt dem zionistischen Leben in Pal„stina. Das Ende vom Lied war eine 
Einladung des Gastes an mich, ihn in Pal„stina zu besuchen.
Ich erhielt Befehl, diese Einladung anzunehmen. So also kam es zur Reise, der 
sich mein damals unmittelbar vorgesetzter Abteilungsleiter anschloá. Ich fuhr als 
,Schriftleiter des Berliner Tageblattes" und mein Vorgesetzter als ,Student der 
Auslandwissenschaftlichen Fakult„t der Universit„t zu Berlin", deren Dekan unser 
gemeinsamer n„chsth”herer Vorgesetzter in jener Zeit war. Als Angeh”rige des 
Sicherheitshauptamtes h„tte man ja damals 

				/74/				AE: 49
schlieálich und endlich auch fahren k”nnen, denn der mich Einladende wuáte ja, 
wer ich war und letztlich hat es der englische Geheimdienst ohnehin 
herausgebracht, aus welchem Nest diese beiden V”gel waren; genauso, wie uns 
ein Mitglied des Secret-Service, oder ein solches des 2-eme Bureau, wenn sie 
nach Deutschland kamen, in der Regel ja auch sehr schnell bekannt wurden. Man 
tat sich gegenseitig nichts, man war sehr h”flich zueinander, nur man erleichterte 
dem Kollegen von der anderen Seite nicht gerade seine Arbeit, oder wenn, dann 
hatte es schon seinen besonderen Grund, der auf Gegenseitigkeit lag. Aber es war 
ja schlieálich Frieden.
	Wir waren etwa sechs Stunden in Haifa, und fuhren dann programmgem„á mit 
unserem rum„nischen Dampfer nach Alexandrien und gedachten innerhalb der 
n„chsten 14 Tage, drei Wochen, zum eigentlichen Pal„stina-Besuch zu starten. 
Aber da bedauerte man es englischerseits, daá man nicht in der Lage w„re, ein 
diesbezgliches Visum erteilen zu k”nnen. Gut, dann muá eben der Berg zu 
Mohamed kommen. Dr. Reichert und der jdische Funktion„r wurden von uns 
nach Žgypten eingeladen. Zu uns gesellte sich noch der Vertreter des DNB in 
Cairo, so daá wir alle fnf Mann hoch eine ganz sch”ne Nachrichtenbande 
bildeten.

						/75/				AE: 50
Wir tafelten im Mena-Hotel, bei den Pyramiden von Gizeh und ferne von uns 
waren ,Nrnberger Gesetze". -
Ich selber kam allerdings nicht auf meine Kosten bei dieser Dienstreise in den 
,Nahen Orient", will ich den dienstlichen Sektor betrachten, weil ich das jdische 
Leben in Pal„stina durch das englische Einreiseverbot ja nicht zu sehen bekam.
Privat und pers”nlich hatte ich durch die Flle des Erlebten eine sch”ne 
Bereicherung erfahren.
Mein mir vorgesetzter Reisegef„hrte, ursprnglich aus dem Zeitungswesen 
kommend, hatte mehr Erfolg in dienstlicher Hinsicht fr sich buchen k”nnen, 
denn ihm gengten ja auch die wirtschaftlichen und politischen Meldungen, die er 
aus erster Hand, soweit sie den Nahen Orient betrafen, bekam. [5]

Nun, nach diesem mehrw”chischem(sic) Aufenthalt in sonnigen Landen, kamen 
wir wieder in die sp„therbstliche, ja fast schon winterliche Landschaft unserer 
,Festung" Deutschland zurck. Wenn jemand eine Reise tut, dann kann er auch 
erz„hlen, heiát es; aber er kann auch Vergleiche anstellen. šber Italien und die 
Schweiz fuhren wir nach Berlin zurck. Viel Tolernaz, viel Liberalismus sah ich 
und es war daá(sic), was mir am meisten auffiel. Ich kannte es aus meiner langen 
™sterreich-

						/76/				AE: 51
zeit her; vom Elternhaus, aus der Schule, kurz das ganze Leben in ™sterreich war 
ein einziges groáes Toleranzpatent gewesen, so wie Kaiser Joseph II es sich wohl 
ertr„umt haben mag, will ich die Zeit bis etwa 1932, ansetzen.
Aber es war bei mir durch die inzwischen verlebten, ber fnf Jahre 
Totalitarismus bereits leicht bertncht worden. Nicht ausgel”scht; im Gegenteil, 
die Reiseerlebnisse verwischten wieder einen Groáteil der Tnche. Ich sah den 
,Strmer" mit einem Male wieder deutlicher - obgleich er im SD-Hauptamt 
weder gesch„tzt noch beachtet oder gelesen wurde; ich sah sein Herumwhlen im 
Pornographischen; im verworrenen mittelalterlichen Mystizismus schlimmer 
Pr„gung. Ich sah das Reichsinnenministerium bei seiner fleiáigen Gesetzes- und 
Verordnungsfabrikation, die Geheime Staatspolizei bei ihren 
Verhaftungsbefehlen, das Propagandaministerium bei der Herausgabe des 
Verbotes fr Juden die ,Bank im Park" zu benutzen, das 
Reichswirtschaftsministerium bei seiner T„tigkeit die Juden aus dem 
Wirtschaftsleben auszuschalten und das Ausw„rtige Amt bei seiner 
Behinderungsarbeit, bezglich einer an sich gewnschten Auswanderung der 
Juden.
Das Reich, bzw. dessen Fhrung wollten es doch - so nahm ich stets an - und die 
Mehrzahl der Juden trachtete im Hinblick auf die Lebenserschwerung dasselbe

						/77/				AE: 52
Ziel anzustreben.
Und das Sicherheitshauptamt besorgte sich die Nachrichten und fabrizierte 
Berichte. Das alles schien mir gleich wie eine Katze, welche sich in ihren eigenen 
Schwanz beiát.
Da fand beispielsweise 1938 in Evian ein(sic) internationale Konferenz statt und 
der britische Botschafter in Berlin sprach den Deutschen Reichsauáenminister v. 
Ribbentrop darauf an, ob die Rechsregierung bereit sei, bei der L”sung der 
Emigrantenfrage, insbesondere bei der F”rderung der Auswanderung von Juden 
deutscher Staatsangeh”rigkeit, mit den brigen interessierten Staaten 
zusammenzuarbeiten. Denn kein Land sei bereit, die auswandernden deutschen 
Juden aufzunehmen, wenn sie mittellos w„ren. Ob daher die Reichsregierung 
bereit sei, bei der Transferierung von Kapital in jdischen H„nden, mitzuwirken.
Nachdem die Reichsregierung einer F”rderung der Auswanderung eigentlich 
grunds„tzlich keinerlei Hemmnisse in die Wege legte, h„tte man annehmen 
máen, daá eine solche Anfrage seitens offizieller britischer Stellen, freudige 
Zustimmung gefunden h„tte.
Nicht so bei Ribbentrop.
Er teilte dem britischen Botschafter mit, daá er eine Zusammenarbeit mit anderen

						/78/				AE: 53
interessierten Staaten ablehnen máe, da es sich um ein innerdeutsches Problem 
handele. Auch die Frage, ob Deutschland eine Transferierung von Kapital in 
jdischen H„nden erleichtern k”nne, máe verneint werden.
Es k„me daher eine Zusammenarbeit mit den in Evian tagenden M„chten fr 
Deutschland nicht in Frage. Der Staatssekret„r Weizs„cker schickte diese 
Stellungnahme am 8. Juli 1938 an zehn in Frage kommende deutsche Botschaften 
und Gesandtschaften, zur Kenntnisnahme ab.
Also, statt Auswanderungserleichterung, ein Handicap, eine Erschwerung. [6] 
Statt dessen aber erging an alle diplomatischen und berufskonsularischen 
Vertretungen im Ausland eine Aufforderung des Ausw„rtigen Amtes, ber alle 
Regierungsmitglieder, Parlamentarier, Wirtschaftler, Wissenschaftler, hohe 
Offiziere und Journalisten, soweit sie als jdisch, jdisch versippt, oder als 
Freimaurer galten, zum Zwecke der Errichtung einer Kartothek, zu berichten. [7]
Und in einem Telegramm Kennedy`s an das Staatssekretariat in Washington vom 
Dezember 1938, kommt Ribbentrop infolge seiner gegen das Judentum 
geschleuderten, h”chst undiplomatischen Verbalinjurien, alles andere, als gut 
weg. [8]

						/79/				AE: 54
Wir Referenten im SD-Hauptamt, erhielten Anfang 1938 von unserem 
Abteilungsleiter die Weisung, Material fr eine Denkschrift zusammen zu stellen, 
in der darzulegen sei, daá die Judenfrage auf der augenblicklichen Basis nicht zu 
l”sen ist, wegen finanzieller Schwierigkeiten usw., und daá man daran herantreten 
máe, eine auáenpolitische L”sung zu finden, wie sie bereits zwischen Polen und 
Frankreich verhandelt wurde. Ich schrieb damals folgendes:
1.) ,Das Ergebnis der Volksz„hlung abwarten."
2.) ,In 10 Jahren giebt(sic) es in Deutschland bei gleichbleibender Tendenz nur noch 
etwa 60.000 Juden."
(Unter gleichbleibender Tendenz verstand ich die stagnierende Haltung des 
Ausw„rtigen Amtes im Hinblick auf die Auswanderung von Juden, in Verbindung 
mit der Verproletarisierung der Juden, durch die gesetzgeberische T„tigkeit der 
hierfr zust„ndigen Zentralinstanzen.)
3.) ,Wenn die mittellosen Juden abgewandert sind kommen die Kapitalisten an die 
Reihe, die durch wirtschaftliche Maánahmen bis dahin langsam entkapitalisiert 
sein k”nnen, mit Hilfe von Stapomaánahmen."
(Darunter war zu verstehen, die von der Geheimen Staatspolizei in jener Zeit 
durchgefhrten Beschlagnahmen und Einziehungen der Verm”genschaften).

						/80/				AE: 55
 So war der Status, so wurde es praktiziert. Es war die Katze, die sich ewig im 
Kreise drehend in ihren eigenen Schwanz biá.

Ich schrieb dann weiter als Vorschlag:
,Sie ist ferner dann zu l”sen, wenn dem SD-Hauptamt keinerlei Hemmungen 
auferlegt werden"; und ich nahm als Beispiel ein gerade in jenen Tagen 
aufgetretenes Problem im Hinblick auf das Jugenderziehungsclearing. Ich lebte 
damals gerade im Kampf mit den wirtschaftlichen Einschr„nkungen, welche den 
Juden auferlegt wurden, worunter auch die auswanderungshemmenden 
Devisenvorschriften z„hlten.
Ich vertrat den Standpunkt der ,arme" Jude will genau so gerne und so schnell 
auswandern wie der ,reiche" Jude. Einem jeden war es lieber, je schneller, desto 
besser; n„mlich das Ausland zu gewinnen. Und an sich wollte es ja auch die 
Reichsregierung. Sei es aus Neid oder Knickrigkeit, sei es aus Dummheit oder 
Unverst„ndnis, oder aus blindem Haá, die meisten dieser Stellen f”rderten diese 
Auswanderung nicht, sondern hemmten sie; bewuát und unbewuát.
Was nutzte es, in Fragen des Jugenderziehungsclearings devisentechnische 
Schwierigkeiten zu machen, die obendrein meistens nur formeller und rein 
paragraphenm„áiger Natur waren? Weder dem Deutschen noch dem Juden war 
dabei gedient.
Und warum muáte das Reich dem reichen

						/81/				AE: 56
Juden das Geld abnehmen, und dem Reichsfiskus einverleiben, anstatt mit einem 
Teil dieses Geldes die Auswanderung zu finanzieren. Natrlich - so dachte ich - 
sollte der ,reiche" Jude mehr bekommen, denn es war ja sein Geld, aber ein Teil 
seines Geldes sollte er zwecks Finanzierung der jdischen Kultusgemeinden und 
der Finanzierung der Auswanderung verm”gensloser Juden zur Verfgung stellen. 
Denn eine Auswanderung war teuer. Reisekosten, Vorzeigegeld usf. An Stelle 
eines zehn Jahre langen elenden Dahintreibens, konnte nach meiner Idee eine 
Auswanderung zgig und flott in die Wege geleitet werden und die Juden 
dergestalt im Besitze ihrer Gesundheit und physischen Kraft neues Land betreten. 
Einen durch jahrelanges, zermrbendes Warten krank Gewordenen, nahmen die 
Einwanderungsl„nder ohnedies kaum auf.
Nein, so wie dies damals praktiziert wurde ging es nicht; und Ribbentrop irrte hier 
sehr, obgleich er Reichsauáenminister war, und es h„tte wissen sollen. Bei jedem 
Reisebroinhaber h„tte er sich dieserhalb besser informieren k”nnen, als bei 
seinen Legationsr„ten und Unterstaatssekret„ren.

Auáerdem schlug ich in diesem L”sungsvorschlag als letzten Punkt, allmonatliche 
Besprechungen in dieser Angelegenheit zwischen

						/82/				AE: 57
allen an der Sache beteiligten Stellen vor, damit das hemmende Gegeneinander 
innerhalb der Beh”rden in Fortfall k„me und schlieálich Zurverfgungstellung 
von L„ndereien fr die Juden, und setzte dazu in Klammer, das Wort 
,Madagaskar". [9]

Aber all dies war hoffnungslos, bei der Sturheit der deutschen Brokratie. Ich will 
nicht einmal sagen deutsche Brokratie, eine jede Brokratie ist egal weg, gleich 
stur. Nur die Nachrichtendienste aller L„nder neigen eher zur Beweglichkeit; es 
liegt in der Natur ihrer Aufgabe. 
Auch das SD-Hauptamt war um jene Zeit noch lange nicht so verbrokratisiert, 
wie es sp„ter werden sollte. Natrlich verlangt eine jede Beh”rdenarbeit ihr Maá 
an Schematismus, dies ist klar; aber er drfte keinesfalls zum Selbstzweck 
ausarten.
					-(9)-
Kurze Zeit nach der ,Wiedervereinigung ™sterreichs mit dem Deutschen Reich", 
wurde ich nach Wien versetzt, um dort als Referent des SD-Oberabschnittes 
,Donau", die Auswanderung der Juden lenkend zu betreiben. Es war Frhjahr 
1938. Aber was sah ich, als ich nach Wien kam; ein zerschlagenes jdisch-
organisatorisches Gebilde. Von der Geheimen Staatspolizei geschlossen und 
versiegelt. Die jdischen Funktion„re saáen in Haft. Die Juden wollten 
auswandern, aber keiner kmmerte sich um sie.

						/83/				AE: 58
Sie wurden von Beh”rde zu Beh”rde geschickt. Standen halbe Tage lang und 
mehr Schlange, und muáten dann h”ren, daá diese Stelle seit gestern nicht mehr 
fr ihren Fall zust„ndig w„re.
Systemlos, ordnungslos; das Resultat war Verdruá, Žrger und Verstimmung auf 
beiden Seiten, wenn nicht noch Žrgeres.
Als erstes hielt ich den Assessoren und Regierungsr„ten der Staatspolizeileitstelle 
Wien, Vortr„ge, wie sie am besten jede Auswanderung behindern und verhindern 
k”nnen. Darber war nicht viel mehr zu sagen als wie: ,gleichbleibende 
Tendenz". Dann entwickelte ich ihnen meinen von meinen Vorgesetzten 
genehmigten Plan. Enthaftung der jdischen Funktion„re, Wiederer”ffnung all 
jener jdischen Organisationen, soweit sie der Auswanderung dienlich waren. 
Ferner die Genehmigung einer jdischen Zeitung in welcher alles Wissenswerte 
ber die Auswanderung und der damit verbundenen Dinge zu lesen war. 
Auftreibung von Reichsmarkbetr„ge(sic) zur Anfangsfinanzierung der jdischen 
Organisationen, Einstellung von Hilfskr„ften und Errichtung jdischer 
Wohlfahrtsstellen zwecks Betreuung der Kranken und Alten. -
Nach all den unwahren Vorwrfen, die ich in den letzten fnfzehn Jahren ber 
mich habe ergehen lassen máen, mag es der Leser schwerlich glauben, daá ich 
solches tat. Daher setzte ich jetzt im Anschluá an diese Zeile eine

						/84/				AE: 59
Nummeration. Sie weist auf die Quellen hin. Und dies sind die Dokumente, in 
denen alles viel ausfhrlicher steht, als ich dieses hier mit mageren Worten zu 
schildern in der Lage bin. [10]

Als ich das jdisch-organisatorische Leben so in Gang gebracht hatte und bei der 
Geheimen Staatspolizei - Wien, auf Verst„ndnis bezglich der ,neuen Linie" traf, 
da bewarb ich mich um eine freigewordene Abteilungsleiterstelle beim SD-
Unterabschnitt in Linz a/Donau. In dieser Stadt wohnten meine Eltern, dort war 
ich aufgewachsen. Nach dorthin wollte ich nun wieder zurck.
Freilich, es war die unterste Instanz innerhalb des Gebildes des 
Sicherheitsdienstes, aber ich w„re wieder zu Hause gewesen und wer weiá, 
vielleicht h„tte ich wegen šbernahme des elterlichen Gesch„ftes die 
Genehmigung bekommen, meinen Dienst eines Tages zu quittieren. Schicksal. Ich 
sage immer, es kann niemand ber seinen eigenen Schatten springen.
Denn mein Chef in Berlin Prof. Dr. Six hatte von meinem Vorhaben Kenntnis 
erhalten und so schrieb er am 16. Mai 1938 meinem damaligen Vorgesetzten, dem 
SS-Oberfhrer Naumann nach Wien, daá ich keinesfalls von Wien fortzugehen 
habe, da er mich, falls ich in Wien nicht bleiben wolle, notfalls durch den Chef 
des SD -Hauptamtes, wieder nach Berlin zurckversetzen lassen wrde.

						/85/				AE: 60
Ja, so war es schon 1938; im Frieden. Ich war nicht mehr Herr meiner 
Freizgigkeit; ich hatte zu gehorchen und daá(sic) zu tun, was mir befohlen 
wurde.
Ich habe meinen S”hnen sp„ter oft und oft gesagt, seht zu, daá ihr nie Offiziere 
werdet, denn dann seid ihr nicht mehr frei. Inzwischen war ich n„mlich l„ngst 
zum Offizier avanciert und meine Verhaftung an die G”tter war noch bindender, 
als vorher geworden.

Ich hatte also befehlsgem„á in Wien zu bleiben. Die Einschr„nkungen, denen die 
Juden unterworfen wurden, waren immer fhlbarere. Das Amt des 
Reichskommissars fr die Wiedervereinigung ™sterreichs mit dem Deutschen 
Reich war fleissig t„tig, auch auf dem Sektor ,Juden", Verordnung um 
Verordnung herauszugeben.
Die Beh”rden behandelten die Juden gelinde gesagt schroff und unsachlich, 
gem„á den von h”heren Orten ergangenen Weisungen, sodaá der seine 
Auswanderungspapiere komplett machen Wollende, hier nie auf einen grnen 
Zweig kam. Denn ein Teil der Dokumente, wie zum Beispiel die ,Steuerliche 
Unbedenklichkeitsbescheinigung" hatte lediglich eine Laufzeit von sechs 
Wochen, nach der sie ungltig wurde und die Schlangensteherei zur Erlangung 
einer neuen Bescheinigung, von vorne angefangen werden muáte. Dazwischen

						/86/				AE: 61
aber wurden dann wieder andere Papiere ungltig, so daá es einer Schraube ohne 
Ende gleichkam.
Die jdisch-politischen Funktion„re klagten mir ihre Not. Dr. L”wenherz, Dr. 
Rottenberg und Kom. Rat Storfer hatten t„glich neue Anliegen, die sie mir 
vorbrachten.
Die Anklage gegen mich sagte, daá die Dokumente es ja beweisen wrden, daá 
ich fr alles, in des Wortes wahrster Bedeutung, die zust„ndige und 
verantwortliche Stelle im Hinblick auf Judenfragen in Wien, gewesen w„re.
Obwohl es, wie ich sofort nachweisen werde nicht zutraf, so kann ich der Anklage 
rein augenscheinlich, so Unrecht nicht einmal geben.
Denn man braucht ja nur einmal die Flle der von Dr. L”wenherz dem 
Amtsdirektor der israelitischen Kultusgemeinde Wien gefertigten 
Aktennotitzen(sic) ber die jeweils mit mir gehabten Rcksprachen in jener Zeit - 
soweit es sich um solche handelt, welche damals, und nicht erst nach 1945 
angefertigt wurden - vornehmen.
Er kam buchst„blich mit allem und jedem zu mir.
Nun, es liegt mir ferne, mich besser machen zu wollen, als ich war. Warum aber 
mag L”wenherz, Rottenberg, Storfer und andere, hohe jdisch-politische 
Funktion„re denn ausgerechnet zu

						/87/				AE: 62
mir gekommen sein? Ich war zu jener Zeit im Range eines Leutnant, sp„ter 
Oberleutnant und dann Hauptmann; es gab ja Stellen von entscheidenderer 
Bedeutung. Meine Dienstellung(sic) war lediglich die eines Referenten bei einem 
SD-Oberabschnitt; also nicht einmal im exekutiven, sondern nur im 
nachrichtenm„áigen Dienst.
Mein Jargon soll hart gewesen sein, so sagen die Zeugen von 1960 und 1961. In 
der Tat, ich muá es zugeben, mein Ton war kasernhofm„áiger Natur. Und 
trotzdem weiá ich, daá er frei war von beleidigendem Tenor, frei war von 
Rpeleien, frei war von Gebrll, kurz frei war von jener Begleitmusik, die der 
Wald- und Wiesenzivilist zu gerne jedem ,Kasernhofton", unterstellt.
Wie denn w„re es sonst m”glich, daá man heute noch in einer solchen 
L”wenherz'schen Aktennotitz(sic) lesen kann, wie er bei mir beschwerdefhrend 
vorspricht und mir klagend mitteilt, die Juden wrden auf dem Wohnungsamt der 
Stadt Wien, ,schroff" behandelt. [12]
Dies setzt doch voraus, daá die Juden weder von mir, noch von meinen mir 
damals unterstellten Offizieren, Unteroffizieren und M„nnern, schroff behandelt 
wurden.
Und berall dort, wo ich sachlich fr mich keine Zust„ndigkeit erblicken konnte,
						/88/				AE: 63
ja darber hinaus nicht einmal die Polizei zust„ndig war, setzte ich mich an das 
Telephon oder sprach bei der federfhrenden Beh”rde vor, um, auch dort in 
meinem ,Kasernhofton", daá(sic) abstellend zu erbitten, was L”wenherz drckte. 
Nicht immer gelang es mir; ich versuchte es.
Aber die jdischen Funktion„re muáten letztlich mit der Kasernhofpflanze 
manierlich ausgekommen sein; denn auch sie konnten mit mir frei von der Leber 
weg sprechen, ohne sich ihre Worte zehnmal berlegen zu máen, ehvor sie das 
Gehege ihrer Z„hne verlieáen.
Und man konnte dies in jener Zeit nicht berall tun, ohne Gefahr zu laufen, dies 
wuáten die Funktion„re. -
Das Reich drckte auf Auswanderung. Die Juden wollten auswandern. Und alles 
was dem dienlich war tat ich, war ich zust„ndig fr den einen oder anderen Fall, 
dann war es ohnedies klar; war ich nicht zust„ndig, dann wetzte ich ab, und 
versuchte es zu erledigen.
So kam es, daá man mir in den Ohren lag, und mir die Sprnge eines lahmen 
Amtsschimmels darlegte, der vor lauter Paragraphenreiterei berhaupt nicht mehr 
geradeaus marschieren konnte. Und man schlug mir jdischerseits eine

						/89/				AE: 64
gewisse Zentralisierung der beh”rdlichen Arbeit vor.
Na, dies war ja nun gerade daá(sic), wo man bei den Beh”rden, egal welchen 
Landes auf unserer Erde, stets in das Fettn„pfchen trat.
So etwas, was ich mir nun durch mein Kasernhofgehirn gehen lieá, war auch in 
der preuáisch-deutschen Verwaltungsgeschichte noch nicht dagewesen.
Ich dachte so in meinem Sinn, alles was beh”rdlicherseits mit der Ausstellung von 
Papieren an auswandernwollende Juden, zu tun hat, ran(sic) unter ein einziges 
Dach, und dann unter SD-Leitung. Dann muá doch solch ein verdammter 
Reisepaá anstatt in 10 oder 12 Wochen oder noch l„nger, in gut und gerne 2mal 
24 Stunden fertig sein k”nnen.
Gedacht getan. Ich meldete dies alles meinem Chef, dem Inspekteur der 
Sicherheitspolizei und des SD, der in Personalunion gleichzeitig den SD-
Oberabschnitt ,Donau" fhrte.
Er machte die n”tigen Wege, fhrte die notwendigen Verhandlungen mit dem 
Reichskommissar Brckel; und auf dem Verordnungswege wurde die 
,Zentralstelle fr jdische Auswanderung in Wien", geschaffen, zu der alle in 
Frage

						/90/				AE: 65
kommenden Beh”rden ihre Sachbearbeiter abzustellen hatten.
Die Leitung hatte der SD-Fhrer des Oberabschnittes Donau. Ich wurde von ihm 
mit der Durchfhrung der Aufgabe betraut, wie der Befehl es in der damaligen 
Terminologie besagte. [13]
Tats„chlich wurden Reisep„sse jetzt in zwei, h”chstens drei Tagen fertig. 
Einhundertdreiáigtausend oder einhundertvierzigtausend solcher Reisep„áe 
konnten in etwa Jahresfrist ausgefolgt werden.
Nun, wenn die Anklage in dem Prozess gegen mich behauptet, es w„re eine 
Zwangsauswanderung gewesen mit all ihren blen Begleiterscheinungen, so hat 
sie damit eigentlich recht. Ich kann es auch nicht anders bezeichnen.
Aber zu bedenken w„re doch auch dieses: ich habe die for‡ierte Auswanderung ja 
nicht befohlen, wenngleich ich sie unter den gegebenen Umst„nden als die noch 
beste Alternative ansah und auch als beste L”sungsm”glichkeit im Hinblick auf 
die von der Reichsregierung eingenommene Stellung, den Juden gegenber.
Die jdisch-politischen Funktion„re, mit denen ich ja am laufenden Bande diese 
Angeheiten(sic) besprach, waren in Anbetracht der den Juden entgegengebrachten 
Tendenz, ja derselben Meinung.

					/91, 92/				AE: 66
Auf meinem eigenen Mist ist die Sache nicht gewachsen. Irgendwo her muá ich ja 
die Anregungen bezogen haben. Von den Reichsstellen aber konnte ich solches 
nicht beziehen; dazu brauche ich nur auf die offizielle Stellungnahme 
Ribbentrop`s hinweisen. Und wenn man ferner sagt, ja damals ist weit und breit 
von einer Vernichtung der Juden noch keine Spur gewesen und trotzdem hat 
dieser Eichmann hier ein Auswanderungstempo vorgelegt, daá einer Sau grauste, 
dann muá ich nur sagen, daá das Ergebnis alleine z„hlt. Und kein ,h„tte" und kein 
,wenn" und kein ,aber".
Ich setze den Fall, die Auswanderung in jener Zeit w„re durch mich behindert 
worden, wie die Ribbentrop'sche Haltung es ja automatisch im Gefolge hatte, 
dann wrde man mir heute dieserhalb den Strick drehen.
Also wie man sieht, was immer ich auch tat, ,gefangen wird der Kerl auf alle 
F„lle". - Hay que tener paciencia! 
/Zusatz auf Seite gegenber: Hay que tener paciencia! (Man muá Geduld haben; 
span. Sprichwort in Argentinien wird es fr alles Unklare gebraucht, hat also 
eine(sic) spezifischeren Sinn, als die bloáe šbersetzung)/
Bueno, was tat sich in jener Zeit also weiter.
Die Paáausstellung und die dazu notwendigen Papierkramgeschichten liefen jetzt 
in einer unkomplizierteren Maschinerie. Das Komplizierte, hatte ich l„ngst nach 
Kasernenhofart abgeschliffen.
Aber die Auswanderung kostet viel Geld; sehr viel Geld sogar. Und woher sollte 
man

						/93/				AE: 67
solches bei der allgemeinen Verarmung der jdischen Massen nehmen. Sie waren 
ja aus dem gesamten wirtschaftlichen und gewerblichen Leben, sagen wir es kurz, 
aus allen Lebensgebieten schlechtweg, hinausgedr„ngt.
Da sollten Vorzeigegelder in Devisen vorhanden sein; die Reisekosten waren zu 
bezahlen; fr die dringensten(sic) Untersttzungsf„lle muáten von der jdischen 
Kultusgemeinde Wien ber ihr Wohlfahrtsamt Mittel aufgebracht werden; der 
Beamten- und Angestelltenk”rper dieser jdischen Kultusgemeinde in der H”he 
von etwa 500 K”pfen muáte bezahlt werden und vieles andere mehr.
Keine Reichsstelle half; allen war dieses schnurz und egal. Diese Stellen befahlen 
nur ,Raus mit den Juden".
L”wenherz kam zu mir. Ich h„tte ja sagen k”nnen, was geht dies alles mich an. 
Ich h„tte dieses schon viel frher sagen k”nnen. Vielleicht stnde ich heute besser 
da, denn ich h„tte mich von Haus aus nie so tief in diese Dinge eingelassen. Ich 
mochte L”wenherz und Rottenberg und Storfer gut leiden; sie mochten 
zweifelsohne auch mich. So lernte man sich immer n„her kennen. Und so luden 
sie alles bei mir ab. Alles. Buchst„blich alles.
Sie hatten in mir einen Menschen gefunden, der sie anh”rte; stundenlang, ohne die 
Geduld zu verlieren. Nicht so wie sie

						/94/				AE: 68
dies bei anderen Beh”rdenvertretern gew”hnt waren. Dazu kam dann, daá 
dasjenige, was miteinander abgesprochen wurde, dann auch irgendwie tats„chlich 
funkte.
Also, jetzt war der Geldjammer an der Reihe. Ich selbst habe kein Geld; ich 
pers”nlich war immer schon verm”genslos gewesen und blieb es. Ich habe 
keinerlei buchhalterische St„rken; Kontobcher und dererlei Dinge, sind mir stets 
ein Greuel gewesen. Und ob ich pers”nlich hundert oder fnfhundert Mark in der 
Tasche hatte, war mir egal. Ich hatte zum Geld kein pers”nliches Verh„ltnis. In 
meinem Haushalt schaltete und wirtschaftete meine Frau; darber war ich froh 
und so brauchte ich mich selbst um diese Dinge nicht zu kmmern.
Und jetzt auf einmal wurde ich mit solchem Greuel angegangen. Aber ich muá es 
sagen, wenn es sein muá, dann befaát man sich auch mit Dingen, die man nicht 
versteht. Und in meinem finanztechnischen Unverstand - denn nur solcher konnte 
in seiner Harmlosigkeit solchen Dingen gegenber, so etwas zustande bringen, 
was ich nun in die Wege leitete - stellte ich mir die Angelegenheit gar nicht 
einmal so schwierig vor. Die jdischen Funktion„re muáten nur

						/95/				AE: 69
in das Ausland fahren, dazu verschaffte ich ihnen die Genehmigung, von den 
jdischen Hilfsorganisationen Dollars erbitten und damit nach Wien 
zurckkommen. Dann verkauft die Kultusgemeinde einen Teil dieser 
Dollarbetr„ge an Juden, welche noch viel Geld hatten zu einem Mehrfachen des 
amtlichen Kurswertes und mit diesem Reichsmarkerl”s bezahlte sie Geh„lter fr 
ihre Angestellten, Untersttzung, Reisekosten fr die verm”genslosen Juden und 
gab ihnen jenen Dollarbetrag als Darlehen, welchen sie als Vorzeigegelder 
ben”tigten.
Manche der Einwanderungsl„nder witterten darin ein Gesch„ft und erh”hten diese 
nun laufend.

So war alles gut und sch”n, aber ich dachte nicht daran, daá wir unter strengster 
Devisenbewirtschaftung standen.
Nun, auch dieses konnte ich dann endlich mit ,H„ngen und Wrgen" einer 
Erledigung zufhren, indem ich den Reichsbankrat Wolf aus Berlin, er war im 
Reichwirtschaftsministerium, in der Devisenbewirtschaftungsabteilung t„tig, nach 
Wien eingeladen hatte. Wir kannten uns schon von Berlin her. Ich erkl„rte ihm 
meinen Plan. Er besprach dann diese Angelegenheit mit seinem Staatssekret„r, 
welcher sie genehmigte. Es war dies auch gut so,

						/96/				AE: 70
denn mir wurde bereits vorgeworfen, daá meine Praktiken zu einer theoretischen 
Unterbewertung der Reichsmark fhren máe(sic), indem hier der Dollar 
gewissermaáen offiziell, zu Schwarzmarktpreisen in Reichsmark verh”kert 
wrde.
	Damit und wie man aus den L”wenherz'schen Aktennotitzen(sic) weiter 
entnehmen kann, mittels anderer finanzieller Angelegenheiten, wurde der 
geldliche Teil dieser Dinge erledigt. [14]

Am 10. November wurde von der politischen Fhrung des Reiches auf dem 
j„hrlichen Treffen in Mnchen, am 9. Nov. 1938, als Vergeltung fr die 
Niederschieáung eines deutschen Botschaftsrates in Paris durch einen Juden, zu 
einer Vergeltungsaktion im ganzen Reichsgebiet aufgerufen.
Die offizielle Berichterstattung in jener Zeit durch den SD-Oberabschnitt Donau 
zeigt dokumentarisch, daá, von wenigen Ausnahmen abgesehen, die 
Dienstellen(sic) der Geheimen Staatspolizei und des SD, scheinbar durch einen 
Fehler in der Nachrichtenbermittlung, erst dann dieserhalb verst„ndigt wurden, 
als die Synagogen und die H„user der israelitischen Kultusgemeinden bereits 
brannten. Jdische Gesch„fte wurden zertrmmert und die Juden zu Tausenden 
eingesperrt.
------ Die G”tter wandelten sich offensichtlich zu

						/97/				AE: 71
G”tzen. Diese Befehle waren nicht nur unsinnig, sie waren verbrecherisch.
Die Gesetzesfabrikation, die sah derjenige nicht, der nichts damit zu tun hatte. Die 
praktische Durchfhrung der gesetzlich verankerten Maánahmen, betraf nicht den 
SD-Angeh”rigen, denn er hatte keinerlei exekutive Vollmachten.
Aber die folgen der ,Reichskristallnachtbefehle", die trafen in ihrer Unsinnigkeit 
diesmal auch mich. Denn was ich mit Mhe in ™sterreich wieder aufgebaut hatte, 
n„mlich ein funktionierendes jdisch-organisatorisches Leben, freilich mit 
Blickpunkt auf Auswanderung, wurde in einer einzigen Nacht wieder zerschlagen.
Das Bromaterial, Karteikarten, Akten, die Auslandskorrespondenz, kurz alles 
wurde ein Raub der Flammen. Dazu kam(sic) die Verhaftungen von Funktion„ren 
der jdischen Organisationen. Ich tat interessenbedingt was ich konnte, um zu 
retten was noch zu retten war. Aber viel war es nicht. Die Funktion„re bekam ich 
allm„lig(sic) frei.
Ich erspare mir das Anfhren von Einzelheiten, denn es s„he mir zu sehr nach 
Selbstbeweihr„ucherung aus. Ich muáte nun wieder einmal aufbauend t„tig 
werden.
Scharfe und sch„rfste Bestimmungen gegen die Juden, hatten diese 
Zerst”rungsbefehle obendrein zur Folge. Auch in finanzieller Hinsicht. Eine 
Verfgung des Devisenfahndungsamtes in Wien besagte, daá Juden von ihren

						/98/				AE: 72
Konten monatlich nur noch Betr„ge bis zum H”chstwert von vierhundert 
Reichsmark abheben k”nnen.
Dies w„re fr den Betrieb der jdischen Kultusgemeinde ein vernichtender Schlag 
gewesen, w„re diese Verfgung auch auf sie ausgedehnt worden.
Aber sie wurde ausgenommen und konnte von ihren Konten, Summen in jeder, 
dem Bedarf entsprechenden H”he abheben. Die Zentralstelle fr jdische 
Auswanderung gab bei Abhebung gr”áerer Betr„ge jeweils ihre Befrwortung 
dazu. - [15]
Bei jungen Juden war oftmals der Nachweis ber einen erlernten praktischen 
Beruf die Voraussetzung fr die Erteilung einer Einwanderungsgenehmigung. 
Also muáten auch solche Stellen geschaffen, und hier bei den ”rtlichen Staats- 
und Parteistellen um Verst„ndnis dafr geworben werden. Natrlich blieb auch 
solches Bemhen, bei der uneinheitlichen Ausrichtung der diversen Amtstr„ger 
schlieálich an mir h„ngen.
Da heiát es beispielsweise in einer Aktennotitz(sic) von Dr. L”wenherz ber eine 
Rcksprache mit mir, am 9. M„rz 1939, ,Der Leiter des Pal„stinaamtes erhielt 
den Auftrag einen Bericht ber die M”glichkeit der Errichtung einer 
landwirtschaftlichen Hachscharah (Umschulung) auf dem Gute Markhof zu 
erstatten und darauf

						/99/				AE: 73
hinzuweisen, welche staatlichen und Parteistellen, fr und gegen die Errichtung 
dieser Hachscharah sind."

In demselben Aktenvermerk von Dr. L”wenherz und Dr. Rottenberg heiát es dann 
weiter: ,Herr SS-Hauptsturmfhrer Eichmann erkl„rte sich bereit, die Gebeine 
Herzl's zwecks šberfhrung nach Pal„stina freizugeben, jedoch unter der 
Voraussetzung, daá aus diesem Anlaá die jdischen maágebenden Organisationen 
neue Einwanderungsm”glichkeiten fr 8.000 Personen aus der Ostmark verschafft 
werden (sic), und beauftragte die Gefertigten, diesbezglich gelegentlich ihrer 
Anwesenheit im Auslande, die erforderlichen Verhandlungen zu fhren."

Natrlich konnte ich hier nicht selbst freigeben. Wie jedermann weiá, sind fr 
solche Exhumierungsgenehmigungen viele Wege bei den hierfr zust„ndigen 
Beh”rden erforderlich. Und um jene Zeit der ,Nachreichskristallnacht", hatte auch 
ich bei den verschiedensten Beh”rden, in allen Dingen wenn es sich um Juden 
handelte, groáe Schwierigkeiten.

Es ist nachtr„glich immer sehr leicht, jemanden - ich spreche jetzt von mir - mit 
diktatorischen Vollmachten ausgestattet darzustellen und die Konstruktion so zu 
fhren, daá dieser Mensch dann

					/100-101/			AE: 74, 74a
einfach in Bausch und Bogen verantwortlich fr alles gemacht wird. Es ist 
interessanter, es liest sich leichter und es ist unter Umst„nden auch gar nicht 
inopportun.
Nur - wieder meine Person herangezogen - es trifft nicht zu und ist daher nicht 
wahr. [16]

Wenn ich heute, nach 22 Jahren so die Dokumente jener Zeit betrachte, dann muá 
ich mich fragen, wie ein vernnftiger Mensch ausgerechnet mir Haá und 
Vernichtungswillen unterstellen kann. Im Gegenteil, ich muá den jdisch-
politischen Funktion„ren gegenber doch sicherlich wohlwollend eingestellt 
gewesen sein; frei ohne jeden pers”nlichen Haá, denn man k”nnte ja fast von 
einem gegenseitigen dienstlich bedingten Vertrauen sprechen, daá(sic) unschwer 
aus und zwischen den Zeilen jener Dokumente herauszulesen ist.
/Einschub Text von Seite gegenber:
Da kam einmal an einem Vormittag der von der israelitischen Kultusgemeinde, 
Wien, mit brigen jdischen Beamten dieser Institution, in die Zentralstelle fr 
jdische Auswanderung, eingebaute Jurist zu mir. Ein Dr. Sowieso; den Namen 
habe ich vergessen.
W„hrend der Nacht hatte die Staatspolizei, Verhaftungen vorgenommen. Wir 
besprachen das Ereignis und er meinte dann: ,frecher Judenlmmel greift 
harmlosen deutschen L”wen an". Und im selben Atemzuge meinte er, aber er 
wáe, zu wem er solches sagen k”nne.
Ich sagte ihm, da habe er zwar recht mit seinem Wissen, aber wenn er solches 
anderw„rts anbringe, máe er sich nachher unter Umst„nden in einer Polizeizelle 
sagen ,H„ttest du das Maul gehalten, w„rest du ein Weiser geblieben"; diese 
šbersetzung hatte mir einer meiner Lateinlehrer fr ,Si tacuisses philosophus 
mansisses" gegeben. Wohingegen einmal mein Maschinenbauprofessor anl„álich 
einer Statikprfung zu mir sagte: ,Gehirn ausgeschaltet, Schnauze l„uft leer mit". 
Und ich sagte dem Juristen, ich m”chte nicht gerne haben, daá er sich solche 
Selbstvorwrfe eines Tages machen máe, weil uns beiden damit nicht gedient 
w„re; denn es ,s„áe", und ich máte fr ihn intervenierend t„tig werden./
Aber meine Aufgabe soll es nicht sein, auf diese Stellen im einzelnen 
hinzuweisen; m”gen dies Berufenere eines Tages tun oder auch lassen, mir ist es 
egal. Ich war daneben f”rmlich so etwas wie eine Beschwerdestelle, zu der man 
mit allen Anliegen kommen konnte, und ich wahrte sicherlich eine tendenzlose 
Korrektheit gegenber den Juden und Nichtjuden; und ganz sicher kamen sie 
nicht zu mir

						/102/				AE: 75
voll, von pers”nlicher Angst.
Freilich l„át es sich nicht leugnen, daá sp„ter mit zunehmenden Kriegsgeschehen 
die Verordnungen und Befehle auch meiner Vorgesetzten, welche ich an die in 
Frage kommenden Dienststellen weiterzuleiten hatte stets sch„rfer und radikaler 
wurden.
Aber noch war es in Wien nicht so weit. Wenngleich der zunehmende Druck der 
staatlichen und parteilichen Leitung in ™sterreich, nach einer beschleunigten 
Entjudung, stets fhlbarer wurde.
W„re ich wirklich der "Haáer", der ,Bluthund", der ,ordin„re Fletz" gewesen, so 
wie mich manche Zeitgenossen nach 1945 gerne darstellten, dann wrde man dies 
zweifelsfrei irgendwie sogar zwischen den Zeilen der L”wenherz'schen 
Aktennotitzen lesen k”nnen, aber mir will wirklich scheinen, als ob es das 
Gegenteil w„re. Ich spreche hier natrlich von den Dokumenten, die vor der 
Beendigung des Krieges angefertigt wurden. Und dabei ist der Stil beispielsweise 
von Dr. L”wenherz als durchaus trocken und sachlich zu bezeichnen.
Das damalige amtliche Deutschland, an seiner Spitze das Ausw„rtige Amt, 
schufen eine ,Schraube ohne Ende", ,eine sich in den Schwanz beiáende Katze", 
und es hatte schlieálich als seiner Weisheit letzten Schluá, kaum andere Befehle 
zu erteilen als solche, wie sie zur Reichskristallnacht fhrten. Andere M„chte, zu 
deren Sprecher sich in Berlin der britische Botschafter machte, erkl„rten, ,keine 
Juden ohne Kapital".
Ja, in drei Teufels Namen, was sollte denn da noch an M”glichkeiten zur 
Verfgung stehen. Ich habe es oft fast schon beweint, in jener Zeit meine

						/103/				AE: 76
H„nde nicht in die Tasche gesteckt und die Stellungnahme vieler anderer, auch 
mir zu eigen gemacht zu haben. Ich stnde wahrlich heute besser da.
/gestrichen: Bueno, ich habe sie aber nun einmal wie man sieht nicht ,in die 
Tasche gesteckt". Ein weiterer Satz unleserlich gemacht./ 
/nachtr„glicher Zusatz zum Schluá des Abschnitts: Ob aber dann die Mehrzahl der 
Juden aus ™sterreich h„tte auswandern k”nnen, m”gen andere berprfen./ 
Ich ging in Wien damals den Mittelweg zwischen jenen beiden Extremen, 
n„mlich: der Auswanderungsbehinderung auf der einen Seite, verbunden mit 
versch„rftem gesetzgeberischen Druck durch die amtlichen deutschen Stellen; und 
der Erkl„rung des Auslandes andererseits, keine verm”genslosen Juden 
aufnehmen zu wollen.
					-(10)-
W„hrend des Prozesses gegen mich, wurde einige Male der Hitler'sche Ausspruch 
in seiner Rede vor dem deutschen Reichstag am 30. Januar 1939 erw„hnt:
,Ich will heute wieder ein Prophet sein. Wenn es dem internationalen 
Finanzjudentum in- und auáerhalb Europas gelingen sollte, die V”lker noch 
einmal in einen Weltkrieg zu strzen, dann wird das Ergebnis nicht die 
Bolschewisierung der Erde und damit der Sieg des Judentums sein, sondern die 
Vernichtung der jdischen Rasse in Europa." [17]
/zwei Zeilen unleserlich gemacht/
Es passt zum M„rchen ,der Protokolle der Weisen von Zion" und den 
,Ritualmordm„rchen".
Natrlich ist das internationale private Groákapital zu einem guten Hauptteil

					/104/			     			AE: 
77
mitschuldig, ja urs„chlich verantwortlich an der Not der V”lker, fr den Kummer 
und das Leid, als Gefolge der von ihm heraufbeschworenen Kriege. Aber t”richt 
ist es, hier von einem jdischen internationalen Finanzblock sprechen zu wollen. 
Soferne es sich hier um Juden handelt, die auch in den gewaltigen internationalen 
Finanzkartellen mit drin saáen, handelte es sich ganz zweifellos um Juden, denen 
ihr Judentum genau so wenig oder so viel bedeutete, als die katholischen oder 
protestantischen Finanzmagnaten sich um Katholizismus oder Protestantismus 
gekmmert haben m”gen. Das vorherrschende Charakteristikum gerade dieser 
Juden war ihre assimilatorische Einstellung. Nicht immer zur Freude des wirklich 
berzeugten Juden.
Nein, die internationale Hochfinanz war und ist mit das gr”áte aller šbel; daran 
gibt es nichts zu rtteln. Aber hier den Tenor auf das Wort ,Jude" zu legen, heiát 
die Sachlage verkennen.
Und Hitler verkannte die Sachlage, wie so oft, so verh„ngnisvoll oft; so auch hier.

					/105/						AE: 
77a
Ich will daá(sic), was ich eben sagte, genauer erkl„ren. Es m”gen die Jahre 1936 
und 1937 gewesen sein; da ging eine Abteilung des damaligen SD-Hauptamtes 
der Angelegenheit ,Internationales Finanzjudentum", Internationale jdische 
Hochfinanz" nach. Ich pers”nlich hatte sachlich nichts damit zu tun, denn der 
Schwerpunkt lag hier bei der ,Wirtschaftsforschung". Aber ich habe manche Akte 
gelesen, die im Zusammenhang mit diesem Nachforschen entstand. Auch hatte ich 
Gelegenheit, zu jener Zeit mit dem einen oder anderen hierfr zust„ndigen 
Referenten ab und an ber diese Fragen zu sprechen. Ich entsinne mich noch, daá 
gerade das Ergebnis der Untersuchungen ber den ,Unilever-Konzern" vorlag; es 
war ein gewaltiges Margarine und Seifenkartell und es waren diesem noch weitere 
groáe Unternehmungen angeschlossen. Seine wirtschaftlichen Verflechtungen 
waren wahrhaft internationale. Seine Aktienpaketinhaber, wenn ich nicht irre auch 
Teile seiner Verwaltungsratsvorsitzenden, waren zum Teil Juden, oft und oft 
genannt, mit ebenfalls internationalem Klang. Ja, man sprach Teile des Unilever-
Konzernes direkt als Familiengebilde an.
Es stimmte auch, daá einzelne Namenstr„ger innerhalb dieses Wirtschaftsgebildes 
lebhafte Beziehungen beispielsweise zur ,Anti-Difamations-Liga", zur ,Anti-
Nazi-Liga", zu dem Leiter der Boykottbewegung gegen Deutschland, Samuel 
Untermyr, hatten und auch zu vielen anderen politischen und wirtschaftlichen 
Zentren, wie das nun eben einmal so das Getriebe der Multi-Million„re in der 
Hochfinanz, mit sich bringt.
Nun, meine Einstellung zur Boykottbewegung habe ich geschildert. -
Es konnte trotz eifrigen Nachforschens - der Hebel dieser Ermittlungst„tigkeit 
wurde damals in Holland angesetzt und erstreckte sich auf eine ganze Reihe von 
L„ndern, ein-
							Fortsetzung siehe auf dem
							Beiblatt No 1 !!!

						/106/				AE: 77b
1. Beiblatt zur Seite 77a
schlieálich der USA, - nichts anderes ,gefunden" und festgestellt werden, was 
nicht ebenso auch auf irgend einen Wald und Wiesenkaufmann, welche sich 
dieser Boykottbewegung angeschlossen hatte, festgestellt h„tte werden k”nnen. 
Sicherlich sind ihre finanziellen Untersttzungen gr”áer gewesen, als die jener 
minderer(sic) Bemittelten. Dafr aber auferlegten ihnen die Rcksichtnahme(sic) 
auf ihre Wirtschaftsbetriebe ein ungleich h”heres Maá an Vorsicht und 
Zurckhaltung, als solches die kleinen Leute notwendiger Weise zu beachten 
gehabt h„tten.
Mit anderen Worten: nichts Belastendes ergab sich, was der Mhe wert gewesen 
w„re, es lauthals in alle Welt hinauszuposaunen. Und das SD-Hauptamt saá 
damals - wie man fachm„nnischerweise zu sagten(sic) pflegte - sehr gut im 
Unilever-Konzern drin.
W„re wirklich etwas festgestellt worden, dann w„re dies unter Anfhren aller 
Einzelheiten sp„testens bei der Besetzung Hollands durch Goebbels Vermittlung 
einer internationalen Presse und sicher auch dem diplomatischen Korps in Berlin 
bekannt gegeben worden; wie dies nun einmal so blich war. Daá es bis 1945 
aber nicht geschah, ist eine Best„tigung der Richtigkeit meines Geschilderten.

Natrlich war es ein ,geflgeltes Wort", das internationale ,Finanzjudentum". 
Aber man nehme doch einmal die Summe aller Multimillion„re

						/107/				AE: 77c
mit Dollarbasis her, und dann sehe man nach wie hoch die Zahl der jdischen und 
wie hoch die Zahl der nichtjdischen Dollar-Multimillion„re ist; unter Beachtung 
der von ihnen vertretenen Dollarsummen.
Ebenso mache man es mit den Vorsitzenden der Aufsichtsr„te von 
Unternehmungen, Konzernen und Kartellverb„nden, denen einige Bedeutung in 
internationaler Hinsicht zuzumessen ist; zwar ist nicht unbedingt und 
notwendigerweise Aufsichtsr„ten, Mitgliedern der Exekutivkomitees(sic) und 
Vorsitzenden solcher K”rperschaften der Status eines Multimillion„rs 
zuzusprechen, wohingegen ihr wirtschaftlicher Einfluá ein enormer sein kann.

Was sieht man? Sicher nichts anderes, als daá(sic), was auch wir seinerzeit im 
SD-Hauptamt sahen. Die Zahl der Juden, war im Vergleich zur Zahl der 
Nichtjuden sehr gering.
Der einzelne Konzern, der einzelne jdische Finanzmagnat, der einzelne 
nichtjdische Aufsichtsratvorsitzende oder Dollar-Multimillion„r, vermochte 
gegen das Reich nicht mehr zu unternehmen, wie eine Stecknadelspitze gegen 
eine Elefantenhaut.
Erst in ihrer Zusammenballung, in dem Einigsein des Groáteiles der 
internationalen Hochfinanz zur Zielerreichung, da wird diese Macht finster und 
gef„hrlich.
Aber ab diesem Augenblick hat der Jude als solcher damit nichts mehr zu tun; er 
ist nur noch ein Prozentsatz im Volumen ,Einhundert"; ein Prozentsatz, der 
haushoch entfernt von einer Majorit„t ist.

						/108/				AE: 77d
So war es jedenfalls in jenen Jahren, von denen ich spreche.
Und nachdem mir solches, als kleiner Referent bekannt war, um wieviel mehr 
muáte es den Fhrungsspitzen bekannt gewesen sein. Denn fr sie wurden ja 
diese Nachrichtenuntersuchungen gefhrt und an sie gingen ja die 
Berichterstattungen.
Wenn ich sage, daá wir Referenten im Reichssicherheitshauptamt, bei einer 
solchen Rede Hitlers, daher nur an die Erzielung einer propagandistischen 
Wirkung glaubten, dann mag dies seine Richtigkeit haben. Am 30. Januar 1939 
hat meines Erachtens in ganz Deutschland im Ernst niemand an eine physische 
Vernichtung des Judentums gedacht. Der Gedanke selbst schon w„re auch zu 
absurd gewesen; und ich wage dies zu behaupten trotz aller wirklich sehr scharfen 
Maánahmen, welche bis dahin gegen die Juden Anwendung fanden.
Denn, daá jede Politik in allen L„ndern eine einzige groáe Lge und ein einziger 
groáer Betrug ist, dies wuáte auch damals schon ein jeder Mensch in allen 
L„ndern, sofern er nur Zeitung lesen konnte.
Der Jude wurde - wie schon so oft in seiner Geschichte - auch von der obersten 
Fhrung des Reiches als Katalysator benutzt, an dem sich alle ihre Miáerfolge 
und prophylaktisch auch alle eventuell kommenden Schwierigkeiten und 
Ungelegenheiten, niederzuschlagen hatten.
An dieser Grundeinstellung hat sich nichts ge„ndert; so entstand das 
Propagandabild der ,Protokolle der Weisen von Zion", so entstand das 
,Ritualmordm„rchen", zu seiner Zeit. Es ist dies beileibe nicht erst meine 
Einstellung zu den Dingen, seit ich hier als

						/109/				AE: 77e
Staatsgefangener in einem israelischen Gef„ngnis sitze. Ich verdanke diese meine 
Kenntnis im Wesentlichen der Erkenntnis meines Lehrer auf diesem Gebiet, dem 
Freiherrn von Mildenstein. Er sah die Dinge leidenschaftslos und nchtern, so wie 
sie in Wahrheit lagen. Frei von Mystizismus, frei von ,Strmerauffassung" und 
frei von propagandistischen Truggebilden.
Die Richtigkeit seiner Auffassung konnte ich in langen Jahren, an Hand der 
amtlichen Unterlagen best„tigt finden.
Daá der einzelne jdischen Finanzmagnat genau so schlecht oder genau so gut 
wie der einzelne nichtjdische Finanzmagnat gewesen ist - und alle zusammen 
noch immer so sein werden - ist eine sonnenklare Angelegenheit, hat aber mit 
Judentum nichts zu tun.
Ich denke in diesem Augenblick an eine andere Geschichte, die man mir erz„hlte, 
deren Glaubwrdigkeit oder Nichtglaubwrdigkeit sehr leicht nachzuprfen ist. 
(Zusatz fr den Lektor: sollte es nicht stimmen, dann bitte diesen Absatz in 
Fortfall kommen zu lassen. Der Gew„hrsmann, der es mir erz„hlte war ein zwar 
gediegener Wirtschaftler, aber ich habe es mit eigenen Augen nicht amtlich 
gesehen. Daher meine Vorsicht.)
Als dem Volkswagenwerk in Deutschland von der englischen Besatzungsbeh”rde 
die Wiederingangsetzung des Betriebes erlaubt wurde, geschah dies mit der 
Auflage, fr jeden verkauften Volkswagen ,Eintausend Deutsche Mark" an 
England abzuliefern.
Dies ist zum Beispiel solch ein Raubzug der Hochfinanz. Konkurrenzneid und 
Wirtschaftsangst diktieren hier dem einzelnen Verbraucher den mittelalterlichen

						/110/				AE: 77f
2. Beiblatt zu 77a.
,Zehent" auf. Diese Summen flieáen netto in die Taschen der daran interessierten 
englischen Kapitalistenkreise. Daá das englische Volk, der englische Arbeiter, 
davon keinen Pfennig sieht, ist klar. Es ist der Tribut, den der Volkswagenk„ufer 
dafr zu bezahlen hat, daá die englische Kleinwagenindustrie eben einen gewissen 
Prozentsatz weniger Wagen abstoáen kann. Soviel ich weiá, haben Juden 
beispielsweise hier nicht mit zu tun gehabt.
Aber man wird mir vorhalten, daá es doch unleugbar sei, daá den Juden im 
Vergleich zu seiner Gesamtbev”lkerung in Deutschland, ein 
unverh„ltnism„áighoher Anteil an Bank und B”rse, an Kunst, Schriftum(sic), 
Film und Theater zukam; ferner am Handel im allgemeinen, an gewissen 
Berufssparten wie Žrzten usf., auf dem Gebiete der Rechtssprechung und 
Erziehung und was dergleichen nochmehr sein mag.
Jawohl, da muá ich sagen, daá dies stimmt. Und es war ja auch die Masche, in 
welche die nationalsozialistische Propaganda immer wieder hineinhaute.
Es war dies wohl mit gewissen zeitgeschichtlichen Abweichungen in der einen 
und anderen Form so, seit Jahrhunderten und noch l„nger.
Es fhrte diese Tatsache auch immer wieder mit zu Pogromen und 
Wirtschaftsdruck auf die Juden.
Viele schlachteten diese Tatsache zu ihrem Vorteil aus; die Landesfrsten zum 
Wohle ihrer
						/111/				AE: 77g
Privatschatulen(sic); und die Politiker zum Fange der Stimmen die sie ben”tigten, 
um ,an den Drcker zu kommen". Alle bentzten diese fr ihre pers”nlichen 
Ambitionen willkommene Gelegenheit, um unter spekulativer Ausntzung 
erwachter Neidtriebe im Menschen, ihr Ziel zu erreichen, daá(sic) sie sonst 
mangels eigener Geistesgaben kaum oder viel schwerer h„tten erreichen k”nnen. 
/ein Satz unleserlich gemacht/
Zweierlei Ursachen sind es, denen die Juden ihr Los zu beklagen hatten.
Die Jahrhunderte w„hrenden Exile, in welche die Juden lange vor der 
Zeitenwende abgefhrt wurden. Nach Babylonien, nach Žgypten. Gewisse 
Berufszweige waren ihnen hier gestattet, andere untersagt. Selbst in 
Mittelalterlicher(sic) Zeit war es oft noch so. Und wenn man nachsieht, was ihnen 
damals erlaubt war, betreiben zu drfen, dann waren es in der Mehrzahl der F„lle, 
jene Berufe in welchen die Juden der Neuzeit einen grӇeren Anteil hatten, als es 
ihrer Gesamtzahl zur Einwohnergesamtzahl entsprach. Es war ganz klar, sie 
waren darauf zwangsl„ufig spezialisiert worden.
Zum anderen trug Schuld daran die Tatsache, daá den Juden die M”glichkeit zur 
Eigenstaatlichkeit verwehrt war.
Und da nun jeder Nationalismus potenzialer Egoismus ist, so sollte anf„nglich das 
Problem in Deutschland durch Auswanderung gel”st werden. Dies war nicht neu, 
dies hatte zahlreiche Pr„zedenzf„lle in der Geschichte, ich erinnere nur an die 
Judenaus-
/112/				AE: 77h
treibungen Isabellas der Katholischen. Die „uáeren Deklarationen der Motive 
wechselten im Laufe der Zeiten. Das Motiv selbst blieb sich stets gleich. 
/nachtr„glicher Zusatz: Ich pers”nlich wies stets und nachdrcklich darauf hin, 
daá nur Eigenstaatlichkeit das Problem l”se. Aber hier unterlag ich 
stellungsm„áig sowohl als auch im Kampf mit Lgen und Gegenpropaganda./
Und ich behaupte heute, daá das ganze menschliche Zusammenleben, zumindest 
in seiner zweitausendj„hrigen neueren Zeit - aber sicherlich auch vordem - eine 
einzige groáe und gewaltige Betrugs- und Lgensymphonie ist. Bernard Shaw, 
der Menschenkenner und Sp”tter, erz„lt(sic) uns eine nette Geschichte:
,Sobald eine Lge popul„r geworden ist, daá(sic) werden alle M„rchen, ist es 
unm”glich sie einzuholen, wenn sie einmal einen Vorsprung hat. 
Von Lord Melbourne, dem Mentor der K”nigin Victoria, als diese den Thron 
bestieg, erz„hlt man sich, er habe bei einer Zusammenkunft mit seinen 
Ministerkollegen, mit seiner Person die Tre des Beratungszimmers verstellt und 
ihnen zugerufen: ,Es ist mir ganz egal, was fr eine gottverdammte Lge wir 
erz„hlen máen, aber nicht einer von Ihnen verl„át dieses Zimmer, bevor wir uns 
auf eine und dieselbe gottverdammte Lge geeinigt haben."

So viel zu diesem Kapitel. -
					_____________
					/104+113, 114/			AE: 77+78

					-(11)-
Die deutschen Panzer rasselten durch Prag. Die goldene Stadt an der Moldau. 
>Slata Praha<, wie der Ceche zu seiner Hauptstadt, der baulich sch”nsten aller 
mitteleurop„ischen Hauptst„dte, wenn nicht darber hinaus, sagt. Wer an der 
Moldau steht und seine Blicke ber die steinernen Heiligen der Karlsbrcke, 
hinauf zum Hradschin und Veitsdom gleiten l„át
und hierbei nicht dem Zauber der Jahrhunderte sinnierend erliegt, kann kein 
Lebender mehr sein. 
Ich kannte Prag noch aus tiefster Friedenszeit. Ich kannte Prag, als es noch zur 
K.u.k.”sterreich-ungarischen Monarchie /verschrieben, Korrektur gegenber auf 
S. 113/ geh”rte und ganz besonders verstehend und liebend lernte ich diese 
reizvolle Feste an der Moldau in den Jahren 1931 bis 1933, kennen.
Aus den vertr„umten G„s'chen(sic) der Altstadt und des Hradschin, umwehte 
einen der Hauch des Mittelalters; von Gewerbefleiá und Baukunst kndend.
Und tausend alte Sagen und mehr raunten sich durch das lauschende 
/verschrieben, Korrektur gegenber auf S. 113/ Ohr. Und vergoldet leuchteten 
hundert Trme und Kuppeln in den letzten Strahlen der untergehenden Sonne.
Oh, wie liebte ich Prag.
Doppelt heimelig war sie mir, diese Stadt; als st„dtebauliches Kleinod und meine 
Verlobte in jenen Jahren, meine sp„tere Frau, war obendrein in der 
Cechoslowakei beheimatet.
In wenigen Tagen, werden dreiáig Jahre vergangen sein, seit jener Zeit, da ich 
Prag zu lieben anfing.
				________________

Mitte 1939 erhielt ich Befehl nach Prag zu fahren und mich bei dem dortigen 
Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD, zu melden. Es sollte das 
Spiegelbild der ,Zentralstelle

						/115/				AE: 79
fr jdische Auswanderung, Wien", aufgezogen werden.
Genau war es der 28. Juli 1939, an dem in Prag die Zentralstelle zu arbeiten 
anfing.
Bis dahin gab es noch keine einheitlich geregelte Auswanderung. Wer von den 
Juden auswandern wollte, muáte sich die notwendigen beh”rdlichen Dokumente 
selbst beschaffen. Damit ging er zur Durchlaáscheinstelle der Geheimen 
Staatspolizei, die darber entschied, ob dem Betreffenden die Auswanderung 
genehmigt wurde oder nicht.
Nach Errichtung dieser ,Zentralstelle fr jdische Auswanderung Prag", wurde 
der jdischen Kultusgemeinde Prag bertragen, dafr zu sorgen, daá die 
auswandernden Juden die gesetzlichen Voraussetzungen erfllten. Der 
Durchlaáschein, der zum Verlassen des ,Protektoratsgebietes" berechtigte, wurde 
nunmehr von dieser Zentralstelle ausgegeben. Es waren eine groáe 
Anzahl Dokumente notwendig, um in jener Zeit in das Ausland auswandern zu 
k”nnen und ich gehe kaum fehl, wenn ich sage, daá diese Anzahl fr Juden und 
Nichtjuden so ziemlich die gleiche war. Dazu geh”rten:
1.) Wohnungsnachweis von der Polizeidirektion;
2.) Polizeiliches Fhrungszeugnis;
3.) Sichtvermerkerteilung durch den Oberlandrat Prag;
4.) Gesuch um Ausstellung eines Reisepasses, an die Polizeidirektion Prag und an das 
Oberlandratsamt in Prag;

                                                          /116/	            		AE: 80

5.) Formblatt fr einen Auswanderungspaá, von der Polizeidirektion in Prag;
6.) Best„tigung des Magistrates der Stadt Prag, ber die Bezahlung der 
Gemeindeabgaben;
7.) Gesuch an die Gruppe VII/Wirtschaft/ des Reichsprotektors;
8.) Gesuch und Fragebogen an die Steueradministration zwecks Erlangung einer 
,Steuerlichen Unbedenklichkeitsbescheinigung";
9.) Ausgefllter Fragebogen des staatl. Gebhrenamtes;
10.)Antrag auf Mitnahme des Umzugsgutes an die Revisionsabteilung des 
Finanzministeriums und an die Nationalbank;
11.)Verzeichnis des Umzugsgutes an die Revisionsabteilung des Finanzministeriums;
12.)Verm”gensbekenntnis fr das Devisenschutzkommando der Zollfahndungsstelle.
13.)Best„tigung der Bezahlung der Auswanderungssteuer, Abgaben bezglich des 
Umzugsgutes usf. im Sinne der Regierungsverordnung No 287/1939;
und anderes mehr.

Wie man sieht, war es - nicht nur in Prag - alleine schon schwer, diese Vielfalt 
von Bestimmungen zu erfllen. Fr den Einzelmenschen oft eine Qual. Es hatte 
die Schaffung einer zentralen Stelle schon recht viel fr sich; freilich hatte sie 
auch ihre Nachteile.
Und es m”gen diejenigen werten und bewerten zwischen Vorteil und Nachteil,

						/117/				AE: 81
die in die Notwendigkeit kamen, im(sic) Besitze solcher Bescheinigungen zu 
gelangen. Sie werden es wissen.
Ich sagte diejenigen, welche in die Notwendigkeit kamen.
Ja, und da geht mir durch den Sinn:
Ich trat der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiter Partei bei, weil sie gegen 
das Unrecht von Versailles k„mpfte, 
/eine Zeile unleserlich gemacht/
Gegend(sic) das Diktat;
Gegen Besatzung;
Gegen nationale Schmach;
/eine Zeile unleserlich gemacht/
Gegen Landraub.

Und was brachten wir?
Unrecht;
Diktat;
Besatzung;
Nationale Schmach;
/eine Zeile unleserlich gemacht/
Landraub.
Es ist wahr; genau daá(sic), brachten wir!
Genau daá(sic), alles, rasselte im Gefolge unserer Panzer, gegen daá(sic) wir 
einstens uns erhoben und aufstanden.
Alles dies und noch viel mehr diktierten wir anderen V”lkern auf.
Es ist wahr: ein Unrecht schafft das andere Unrecht nicht aus der Welt.
Und unsere damalige Fhrung h„tte solches erkennen máen. Sie waren die 
verantwortlichen Politiker.
						/118/				AE: 82
/gestrichen, offenbar daraufhin als Schluásatz auf die vorige Seite gesetzt: Sie 
waren die verantwortlichen Politiker./
/7 Zeilen bis zum Schluá des Abschnitts unleserlich gemacht/
/weitere 6 Zeilen unleserlich gemacht/
/6 Zeilen bis zum Schluá des Abschnitts gestrichen, zum Teil noch lesbar: . Form 
geworden w„re; nicht daá ich predigend oder schreibend diese Ideologie landein, 
landab verkndet h„tte, etwa einem Reichsredner gleichend. Nein, dies nicht./
/weiterer Abschnitt von 5 Zeilen unleserlich gemacht/
/9 Zeilen bis Ende der Seite gestrichen, noch lesbar: Und diese Einstellung war 
es, die mich weiterhin als Diener im Tanz um die G”tter verharren lieá. Freilich, 
es war damals schon schwer, sehr schwer aus diesen Reihen zu brechen; selbst 
wenn man es wollte.
Aber ich muá es gestehen, ich dachte um jene Zeit nicht mehr und noch nicht von 
neuem an eine Losl”sung von meinem Dienst, nachdem mein/

						/119/				AE: 83
/2 Zeilen bis zum Abschnitt unleserlich gemacht/

Am 27. September 1941 wird Heydrich zum Stellvertretenden Reichsprotektor fr 
B”hmen und M„hren ernannt.
Des Ehrgeizigen und sehr Machthungrigen Wunsch, ist erfllt: sein Sprung in das 
grӇere politische Geschehen.
Ich h”rte ihn bei irgendeiner Gelegenheit einmal sagen, daá es ihm eine 
Genugtuung bedeute, aus dem Negativum der polizeilichen ,T„tigkeit", nunmehr 
in eine ,positive Aufbauarbeit" gestellt zu sein.
Doch scheint diese, seine Erkl„rung ohne weiteren Belang gewesen zu sein, denn 
er behielt seine Stellung als Chef der Sicherheitspolizei und das SD auch 
weiterhin, in Personalunion, bei.
Darber hinaus war er SS-Obergruppenfhrer und General der Polizei, Mitglied 
des Deutschen Reichstages, zeitweilig Vorsitzender der ,Internationalen 
Kriminalpolizeilichen Kommission", um einige seiner wichtigsten Funktionen 
und Titel zu nennen.
Sein geheimes Ziel aber war die Verdr„ngung Ribbentrops, und sich selber als 
Reichsauáenminister sehend. Dazu sollte ihm das Sprungbrett in die hohe Politik, 
als des Reiches Protektor fr B”hmen und M„hren, dienen.
Er hatte sich als ,Architekt" das Gebilde eines Reichssicherheitshauptamtes 
geschaffen, daá(sic)

						/120/				AE: 84
er in z„her Kleinarbeit, aus kmmerlichen Anf„ngen heraus, zu jener m„chtigen 
Institution ausbaute und als dessen Chef und Beherrscher er als Person 
schlechterdings unangreifbar wurde.
Mut und Entschlossenheit, gepaart mit Draufg„ngertum war ihm keineswegs 
abzusprechen gewesen, besonders wenn es sich darum handelte seinem Ehrgeiz 
und seiner Eitelkeit zu fr”nen. 
Er wollte sich in den Besitz von Tapferkeitsauszeichnungen setzen. 
Zu diesem Zweck lieá er sich in seiner knappen Freizeit ber seine Beziehungen, 
in die Uniform eines Luftwaffenmajors stecken und an einer ,Messerschmitt" 
ausbilden. Tats„chlich beteiligte er sich dann auch als J„ger an K„mpfen ber dem 
Kanal, schoá einige Feindflugzeuge ab, und erhielt Frontflugspange und Eisernes 
Kreuz. Himmler verbot ihm daraufhin jedwede weitere Fliegerei. -
Auch diesen Wunsch hatte er sich also erfllt.

Auf einer Pressekonferenz in Prag, hatte Heydrich sich in seiner impulsiven Art 
dazu hinreiáen lassen, einen unm”glich kurzen Termin fr die ,Entjudung 
B”hmens und M„hrens" zu nennen.
Um seinen Worten einigermaáen nachkommen zu k”nnen, wurde in der Folgezeit 
Theresienstadt von deutschen Truppen, welche dort in Garnison lagen ger„umt 
und die cechische Zivilbev”lkerung durch das 

						/121/				AE: 85
zust„ndige Ministerium der Protektoratsregierung, umgesiedelt.
Ein vorliegendes Dokument, beschreibt die Besprechung mit Heydrich, an der 
auch ich teilnahm. Ich habe das Original nicht gesehen. Das mir zur Verfgung 
stehende Dokument - eine Ablichtung - zeigt weder Briefkopf noch 
Tagebuchnummer, weder Signum noch Unterschrift, so daá ich nicht zu ersehen 
vermag, wer diese Notitzen(sic) machte, von welcher Dienststelle sie gemacht 
wurden; kurz, ich kann dieses Dokument solange nicht als amtlich ansehen, 
solange ich das Original nicht gesehen habe. Hinzu kommt, daá ich die 
Angelegenheit anders in Erinnerung habe; wenngleich ich nicht behaupten will, 
daá nach so langer Zeit, es sind inzwischen zwanzig Jahre mit all ihrer Turbulenz 
darber hinweggegangen, meine Erinnerung untrglich w„re.   [18]
Heydrich frug auch mich in jener Zeit um meine Meinung, wie ich mir - nun er 
sich einmal als Reichsprotektor festgelegt habe - eine L”sung vorstelle. Er frug 
Dutzende von Personen und Stellen. Ich sagte ihm, er m”ge eine Stadt mit 
gengendem Hinterland zur Verfgung stellen. In diese(sic) Stadt k”nnten die 
Juden von B”hmen und M„hren angesiedelt werden; das Hinterland hat die 
ben”tigten landwirtschaftlichen Produkte zu liefern. Die laufende Auswanderung 
wrde im Laufe der Jahre das Problem

						/122/				AE: 86
sodann von selbst l”sen. So geschah es dann auch; jedoch ohne Hinterland.
/1 nachtr„glich hinzugefgte Zeile gestrichen und unleserlich gemacht/
Die wenigen hundert Hektar Land waren zu wenig und die Auswanderung war 
inzwischen auch verboten worden. Hinzu kam, daá in der Folgezeit alle 
m”glichen Partei- und Staatsdienststellen des Reichsgebietes, in der Dr„ngelei, 
ihre Juden los zu werden, Himmler in den Ohren lagen, ihrerseits Juden nach 
Theresienstadt schicken zu k”nnen. Hinzu kam ferner, daá Himmler /1 Zeile 
unleserlich gemacht/ eines Tages befahl, Theresienstadt zu einem Muster-Alters-
Ghetto umzugestalten, um hier dem Ausland zu zeigen, wie das Deutsche Reich 
die Judenfrage l”se. Es war dies eine der von Himmler befohlenen Tarnungen. 
/zweieinhalb Zeilen bis Ende des Abschnitts unleserlich gemacht/
Theresienstadt war dem Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD, in Prag 
unterstellt. [19]  Der Befehlshaber wiederum unterstand einmal fr 
Angelegenheiten des Protektoratsbereiches, dem H”heren SS- und Polizeifhrer 
fr B”hmen und M„hren, als dem bevollm„chtigten Vertreter Himmlers, des 
Reichsfhrers SS und Chefs der Deutschen Polizei; 
zum anderen demselben, in seiner Eigenschaft als Staatssekret„r fr das 
Sicherheitswesen in B”hmen und M„hren. Es war dies der SS-Gruppenfhrer und 
Generalleutnant der Polizei und der Waffen SS, K. H. Frank.

					    /123-124/				AE: 87
Zum dritten hatte der Befehlshaber der Sicherheitspolizei in Prag die Befehle des 
Reichssicherheitshauptamtes zu beachten, soferne ihnen Reichshorizont 
zuzumessen war, und Frank kein Veto einlegte.
Bis zum Tage, an dem gegen Heydrich die Bombe geworfen wurde, an deren 
Splitterverwundung er am 5. Juni 1942 starb, befahl auch Heydrich als Chef der 
Sicherheitspolizei und Reichsprotektor, seinem Befehlshaber der 
Sicherheitspolizei in Prag, unmittelbar.
/Zusatz von Seite gegenber: Es war eine komplizierte Stellung, alleine schon im 
Hinblick auf die Befehlswege und die dadurch bedingten Kontrollm”glichkeiten./
Von Zeit zu Zeit traten die Dienststellen der Sicherheitspolizei auf Dr„ngen der 
”rtlichen Vorgesetzten oder der parteilichen Instanzen, an das 
Reichssicherheitshauptamt heran, eine vorgeschlagene Anzahl von Juden zwecks 
Auflockerung der Besiedlungsdichte in Theresienstadt, nach dem Osten zu 
deportieren, denn die Auswanderung von Juden in europ„ische oder 
auáereurop„ische L„nder, war von Himmler mit Wirkung vom 10. Oktober 1941, 
verboten worden.
Solche Ansuchen konnte nur Himmler pers”nlich entscheiden und daher wurden 
sie entweder vom Amtchef IV des Reichssicherheitshauptamtes, meinem 
inzwischen unmittelbaren Vorgesetzten, SS Gruppenfhrer und Generalleutnant 
der Polizei Mller, oder von dem Nachfolger Heydrichs, dem SS 
Obergruppenfhrer und General der Polizei und der Waffen SS, Dr. 
Kaltenbrunner, als Chef der

						/125/				AE: 88
Sicherheitspolizei und des SD, unterschrieben, an Himmler weitergeleitet. 
Dieser genehmigte oder verwarf.	[20]

Ich sagte, daá die Einrichtung und der Betrieb des Ghettos Theresienstadt von 
Himmler zur Tarnung befohlen wurde. Also wurden alle Ansuchen, welche die 
Dienststellen des Roten Kreuzes, bei den zust„ndigen Reichsstellen, wie dem 
Ausw„rtigen Amt, insoweit es sich um das Internationale Rote Kreuz handelte 
oder bei der Kanzlei des Fhrers oder Reichskanzlei, sofern der Antrag vom 
Deutschen Roten Kreuz ausging, ber Himmler geleitet, der als letzte Instanz 
erlaubte oder verbot. So wurde Theresienstadt im Juni 1943 von dem 
Generalhauptfhrer des Deutschen Roten Kreuzes, Hartmann besucht, als 
Vertreter des Herzogs von Koburg, /fast 2 Zeilen unleserlich gemacht/ und am 5. 
April 1944, von einer Kommission des Internationalen Roten Kreuzes selbst. [21]
Auch ich nahm an diesen Besichtungen(sic) befehlsgem„á teil. Es ist natrlich 
heute leicht zu sagen, ja h„tten Sie denn damals den Kommissionen nicht sagen 
k”nnen, ist ja alles Schwindel, ist ja alles Tarnung Himmlers, der damit die 
Welt”ffentlichkeit irre fhren will.
Abgesehen davon, daá ich unter Eid stand; abgesehen davon, daá die Tatsache der 
Judent”tungen im Juni 1943 auch im Ausland unwiderlegbar bekannt war und es 
im April 1944 bereits alle Spatzen vom Dach pfiffen; abgesehen von der Tatsache 
ferner, daá ich an die n„chste Mauer gestellt worden w„re, um erschoáen zu 
werden, abgesehen von

					        /126-127/				AE: 89
diesem allen, was h„tte es der Sache gentzt? Ich konnte ja nichts abstellen, 
genauso, wie ich nichts in Gang setzen konnte.
Es waren in der ganzen Judenangelegenheit zu viele Befehlsgeber eingeschaltet. 
Angefangen von Hitler ber Himmler, Heydrich und Kaltenbrunner, ber Krger, 
dem H”heren SS- u. Polizeifhrer im Generalgouvernement; den 
Einsatzgruppenchefs im Osten, den SS Generalen Nebe, Rasch, Ohlendorf, 
Stahbecker(?), Jaeckeln und andere; den SS Generalen Globocnigy, Katzmann 
und andere im Generalgouvernement; dem Oberdienstleiter Brack /Schreibung 
dieses Namens auf Seite gegenber verdeutlicht/ in der Kanzlei des Fhrers; dem 
SS General Pohl, den H”heren SS- und Polizeifhrern im Reichsgebiet und den 
besetzten Gebieten; den Gauleitern und Reichsstatthaltern, den Reichsleitern, dem 
Reichsminister des Ausw„rtigen; dem Reichspropaganda- und 
Reichsjustizminister; dem Chef des Oberkommandos der Wehrmacht; und andere 
mehr.
Was schon h„tte hier ein Mann mit dem Dienstgrad eines Oberstleutnants zu tun 
vermocht?   
Nichts!
Die doppelte und dreifache jederzeitige Kontrollm”glichkeit, seitens der 
Vorgesetzten, denen ein jeder Befehlsempf„nger, ohne jede Ausnahme, innerhalb 
des Gebildes der Sicherheitspolizei unterworfen war, sorgte ebenfalls fr eine 
linientreue Beibehaltung des von der Fhrung vorgeschriebenen Kurses.
Und dieses automatisch arbeitende Kontrollsystem - die Skizzen welche dieser 
Arbeit angehangen sind, veranschaulichen dies - nicht nur innerhalb der 
Sicherheitspolizei, erm”glichten es den G”ttern mit, zu G”tzen zu werden.
/am Rand Verweis auf: Skizzen/
-----,------


/128-129/			        AE: 90-90a
					-(12)-
Aus Grnden der besseren šbersicht bin ich mit meinen Betrachtungen, soweit es 
sich um B”hmen und M„hren handelte, der Zeit vorausgeeilt. Ich muá daher jetzt 
wieder etwas zurckschalten, um den Betrachtungen nachkommen zu k”nnen, 
was sich inzwischen auáerhalb des Protektoratsbereiches zugetragen hatte. 
Wir schreiben den 1. September 1939.
Um fnf Uhr frh haben sich die deutschen Divisionen in Richtung auf Polen in 
Bewegung gesetzt.
Deutsche Sturzkampfbombergeschwader belegen die polnischen 
Bereitschaftsstellungen mit Bomben.
Die Summe der deutschen, englischen und franz”sischen Unvernunft in der 
Polenfrage, lieáen(sic) es zum Kriege gegen dieses Land kommen. Die Tragik des 
Schicksals hatte den polnischen Marschall Pilsudsky zu frh sterben lassen. Unter 
seiner Staatsfhrung, w„re es nie und nimmer zum Kriege gegen dieses Land 
gekommen.
Die Furie des Krieges raste durch Polen und nach einigen Wochen standen sich an 
der Demarkationslinie sowjetrussische MWD-Beamte, deutsche Geheime 
Staatspolizeistellen, sibirische Infanterieregimenter und deutsche 
Grenadiereinheiten, in fast friedensm„áiger Grenzsicherung gegenber.
/Einschub von Seite gegenber (gekennzeichnet als 90a):
Am 21. September hatte Heydrich seine Amtchefs und in Polen t„tigen 
Einsatzgruppenchefs zu einer Besprechung nach Berlin zusammengerufen.
Auch ich bin in der Anwesenheitsliste eines Protokolls erw„hnt, aber ich war um 
diese Zeit noch gar nicht in Berlin und ebensowenig war ich Einsatzgruppenchef. 
(Dieses Dokument tr„gt im brigen auch weder Unterschrift noch Signum. 
Freilich lag mir nicht das Original, sondern nur eine Photokopie vor.)
Es muá sich um einen Irrtum handeln; ich habe an dieser Besprechung nicht 
teilgenommen. Mein ehemaliger Vorgesetzter, Prof. Dr. Six, der an dieser 
Besprechung teilnahm, wurde dieserhalb als Zeuge 1961 in Deutschland befragt. 
Er erkl„rte, daá ich an keinerlei Amtchefbesprechungen teilgenommen habe. Mein 
Vorg„nger in Berlin, ein Regierungsrat Lischka unterschrieb noch am 16. Oktober 
des gleichen Jahres, Schreiben seines Dezernates, die Reichszentrale fr jdische 
Auswanderung betreffend. Dr. L”wenherz stellte in seiner Aktennotitz(sic) vom 
17. Dezember 1939 erstmalig fest, daá ich ihm mitgeteilt habe, daá ich nunmehr 
die Reichszentralstellengesch„fte zu bearbeiten habe.
Also hatte ich vordem dienstlich in Berlin nichts zu suchen. Ich arbeitete in Wien 
und Prag in den Auswanderungszentralstellen.
Heydrich hatte in dieser angefhrten Besprechung die Ghettoisierung der Juden 
im Generalgouvernement befohlen./

Am 6. Oktober verkndet Hitler die Nationalisierung der neu zum Reich 
hinzugekommenen Ostprovinzen und be-

						/130/				AE: 91
auftragt mit der Durchfhrung Himmler, unter Ernennung zum Reichskommissar 
fr die Festigung deutschen Volkstums. Als Chef der Deutschen Polizei und als 
Reichsfhrer SS, hatte er in organisatorischer Hinsicht auáer einem 
Verm”genstr„ger keine andere neue diesbezgliche Institution zur Durchfhrung 
der ihm von Hitler bertragenen zus„tzlichen Aufgabe n”tig. Die 
Regierungsstellen des Generalgouvernements, wie der deutsche(sic) besetzte 
polnische Teil nunmehr hieá, waren bereits im Aufbau.
Als Verm”genstr„ger ber das gesamte Verm”gen - bewegliches und 
unbewegliches - der im Zuge der Nationalisierung zu Deportierenden, fungierte 
die um jene Zeit errichtete Haupttreuhandstelle Ost.
Die Deportationen erfolgten nach dem Generalgouvernement.
Am 30. Oktober erteilte Himmler folgenden Befehl: ,In den Monaten November 
und Dezember 1939, sowie in den Monaten Januar und Februar 1940, sind 
folgende Umsiedlungen vorzunehmen:
1.) Aus den ehemals polnischen, jetzt reichdeutschen Provinzen und Gebieten, alle 
Juden.

2.) Aus der Provinz Danzig-Westpreuáen, alle Kongreápolen


3.) Aus den Provinzen Posen, Sd- u. Ostpreuáen und Ostoberschlesien, eine noch 
vorzuschlagende Anzahl besonders feindlicher

                                                 /131/				AE: 92
	polnischer Bev”lkerung.

4.) Der H”here SS- u. Polizeifhrer Ost (Generalgouvernement), gibt die 
Aufnahmem”glichkeiten des Gouvernement fr die Umzusiedelnden bekannt und 
zwar getrennt nach Kreishauptmannschaften und gr”áeren St„dten.

5.) Die H”heren SS- u. Polizeifhrer Weichsel, Warthe, Nordost, Sdost und Ost, 
bzw. die Inspekteure und Befehlshaber der Sicherheitspolizei, legen gemeinsam 
den Umsiedlungsplan fest.


6.) Verantwortlich fr den Abmarsch und fr den Transport ist der H”here SS- u. 
Polizeifhrer innerhalb seines Gebietes; verantwortlich fr die Unterbringung im 
neuen Wohngebiet ist die polnische Verwaltung bzw. Selbstverwaltung." [22] 

Dies war der erste Deportationsbefehl. Dutzende sollten ihm noch folgen. Im 
Zuge dieses Befehles setzten sich die angeschriebenen SS und Polizeigener„le am 
8.11.1939 beim Generalgouverneuer in Krakau zu ihrer ersten Beratung 
zusammen. Ihre Besprechungspunkte waren die von Himmler befohlene 
Unterbringung und Ansiedlung von in das Reich zu nehmenden Volksdeutschen, 
aus den Baltenl„ndern und Wolhynien, sowie die Deportierung von Juden und 
Polen.
Der General der Polizei Krger, der H”here SS- u. Polizeifhrer Ost 
(Generalgouvernement) fhrte denVorsitz; der Generalmajor der Polizei,

					/132-133/			AE: 93
SS-Brigadefhrer Streckenhach(?), der Befehlshaber der Sicherheitspolizei im 
Generalgouvernement war mit der Zentralplanung der Ansiedlung und der 
Deportation im Ostraum beauftragt. Er hatte auch gem„á den ihm erteilten 
Weisungen, die Verhandlungen mit der Reichsbahn, zwecks 
Zurverfgungstellung von Transportzgen zu verhandeln. Dieser Besprechung 
zufolge sollten bis Ende Februar 1940, rund 1 Million Juden und Polen aus den 
neuen Ostprovinzen in das Generalgouvernement deportiert werden. Eine Zahl, 
welche in der Praxis infolge der auftretenden Schwierigkeiten, in dem gesteckten 
Zeitraum auch nicht ann„hernd eingehalten werden konnte.
Heydrich schaltete sich jetzt als Chef der Sicherheitspolizei und des SD, 
pers”nlich mit in diese Angelegenheit ein und zergliederte das Gesamtvorhaben in 
mehrere Nahpl„ne; er stellte die Zust„ndigkeiten fr Deportation und 
Zielstationen im Einzelnen fest.
Aus welchen Orten der Abtransport erfolgt, habe der zust„ndige Inspekteur der 
Sicherheitspolizei zu bestimmen, im Auftrage des H”heren SS- u. Polizeifhrers. 
Ebenso bestimmt dieser nach Vorschlag der Landr„te, wann und wieviel Personen 
aus den einzelnen Kreisen abgeschoben werden.
Der Befehlshaber der Sicherheitspolizei in Krakau hat im Auftrage des H”heren 
SS- u. Polizeifhrers die Zielstationen fr die Transporte bekannt zu geben. - 
/Einschub von Seite gegenber: Ehrgeiz, Geltungsbedrfnis und Machthunger 
feierten in diesen Wochen und Monaten Triumpfe(sic). Jeder der ”rtlichen 
Hoheitstr„ger war entschlossen, sein Maximum an Zust„ndigkeit in das Treffen zu 
werfen und hieraus diktatorische Rechte abzuleiten. Ein ”rtlicher Befehl jagte den 
anderen. - /
Und jetzt ging es los.
Alles strzte sich auf die Arbeit.
Jedem ging es zu langsam.

					/134/				AE: 94
/Die ersten 4 Zeilen nachtr„glich hinzugesetzt: Die Zust„ndigkeiten berschnitten 
sich oft und die daraus resultierenden Schwierigkeiten wurden nicht beobachtet, 
denn jeden der Hoheitstr„ger beselte(sic) ausschlieálich lokaler Egoismus./
Ein heilloses Durcheinander war die Folge.
Falsche Zielbahnh”fe. šberbelegung der Zge. Mangelnde 
Nachrichtenbermittlung zwischen Absender und Transportempf„nger.
Kopflosigkeit berall.
Der ganze Fahrplan kam in Unordnung. Die Leidtragenden waren die Ohnedies 
von der Deportierung Betroffenen.
				___________

Im Dezember 1939 bekam ich Befehl, mich zur Dienstleistung in Berlin, bei dem 
Amtchef IV des Reichssicherheitshauptamtes, Mller zur Dienstleistung (sic) zu 
melden. Meine Bitte um Abstandnahme von meiner Person zur dienstlichen 
Verwendung in Berlin, unter Hinweis darauf, daá meine Familie in Wien lebe und 
sich auf eine šbersiedlung nach Prag vorbereite, mir Berlin daher aus diesem 
Grunde ungelegen sei, wurde abschl„gig beschieden.
Wird man zum Truppendienst eingezogen, dann hat man sich, ohne mit der 
Wimper zu zucken, zu fgen; aber zum Zwecke einer beh”rdlichen Dienstleistung 
glaubte ich einen solchen Antrag stellen zu k”nnen. Jedoch der Hinweis auf den 
Kriegszustand, lieá meinerseits keine weitere Rekursm”glichkeit mehr zu.
In Berlin war ,auf dem Papier" schon seit Monaten eine Reichszentralstelle fr 
jdische Auswanderung gegrndet worden. Ihr Leiter war, gem„á der Verfgung 
des Reichsmarschalls

					/135/				AE: 95
G”ring, in seiner Eigenschaft als Beauftragter fr den Vierjahresplan, Heydrich.
Zum Gesch„ftsfhrer bestellte Heydrich seinen Amtchef IV, Mller. 
Des weiteren hatten noch gem„á G”ring'scher Weisung, einige h”here Beamte 
des Innenministeriums, des Ausw„rtigen Amtes und der Dienststelle des 
Beauftragten fr den Vierjahresplan, im Ausschuá dieser Reichszentrale t„tig zu 
sein.
Ich bekam den Auftrag, nunmehr diese Dienststelle praktisch einzurichten, damit 
sie fr den Parteienverkehr funktioniere, sowie gem„á den Weisungen des 
Gesch„ftsfhrers, die Dienstgesch„fte zu fhren.
Des weiteren wurde ich mit der Koordinierung der Deportationstransporte betraut.
Die entprechende Verfgung erlieá der Chef der Sicherheitspolizei und des SD 
am 21. Dezember 1939.
Meine Amtsbezeichnung war ,Sonderreferent IV R"; das heiát Sonderreferent fr 
R„umung im Amte IV des Reichssicherheitshauptamtes. [23] Die Bezeichnung 
Sonderreferent erkl„rt sich daraus, daá es ein neues Referat innerhalb des Amtes 
IV des Reichssicherheitshauptamtes war, also des Geheimen Staatspolizeiamtes, 
und der n„chste etatm„áige Gesch„ftsverteilungsplan erst im Februar 1940 f„llig 
war.
Ab dieser Zeit war ich sodann planstellenm„áiger Referent IV D 4, im Amt IV 
des Reichssicherheitshauptamtes. Ich hatte also von Anfang an keine anderen 
Befugnisse, als jeder der brigen etwa 100 bis 150 Referenten des 
Reichssicherheitshauptamtes sie auch hatten.

				/136-137/				AE: 96
Nach etwa 1 « j„hriger Unterbrechung hatte ich nun wieder in Berlin t„tig zu 
sein.
Schade, ich w„re lieber in den Provinzen geblieben; und am liebsten in einer 
m”glichst kleinen Provinzstadt. Aber mein Wille wurde nicht gefragt; ich hatte zu 
gehorchen.
Aber wer dachte um die weihnachtliche Zeit des Jahres 1939 schon daran, daá der 
Krieg weitergehen wrde. Alles rechnete mit einer Regelung zwischen 
Deutschland, Frankreich und England. /1 « Zeilen unleserlich gemacht/
Ich las um jene Zeit ,Kant; die Kritik der praktischen Vernunft". Das mich 
Umgebende fand ich fr mich unpraktisch und von Vernunft war nicht viel zu 
spren.
Die Weihnachtsfeiertage verbrachte ich im Kreise meiner Familie. Meine Frau 
war ber die Versetzung nach Berlin „rgerlich und erkl„rte mir sehr entschieden, 
daá sie keinesfalls nach Berlin zu ziehen gedenke. /1 Zeile unleserlich gemacht 
und ersetzt durch von Seite gegenber: und sie hat ihren Willen auch durchgesetzt 
und zog nicht in die Reichshauptstadt um. Zwar hatten weder meine Frau, noch 
ich das Geringste gegen Berlin und die/ Berliner, im Gegenteil, wir verlebten von 
1935 bis 1938 drei volle, glckliche Jahre in den Mauern der Reichshauptstadt, 
lernten sie lieben und mit ihr, die Berliner. Aber unser beider Animosit„t gegen 
groáe St„dte, entsprang sicherlich den(sic) uns innewohnenden Hang zum 
Landleben, denn darin wuchsen wir beide ja auf; meine Frau, als Tochter eines 
Bauern, mehr noch als ich; obgleich auch mich tausend Stricke aus die(sic) 
Steinhaufen der 

					/138/				AE: 97
St„dte zog, wo der Blick nicht frei schweifen konnte, wo er dauernd an hundert 
mal hundert Ecken anstieá, wo der erdige Taugeruch mit den ersten Strahlen der 
aufgehenden Sonne nie hinkam; wo Vogelgezwitscherkonzerte nie stattfanden; 
wo man durch die Ordonnanz erst erinnert werden muáte, daá in 15 Minuten 
Sonnenuntergang sei und man sich daraufhin in den Wagen setzte, um 10 Minuten 
bis zum gewohnten Beobachtungsplatz zu fahren und dann 5 Minuten das 
Schaupsiel des glutroten Untergangens der Lebensspenderin genieáen konnte. 
Fnf Minuten alleine; Ruhe; stilles Genieáen. - Oder wie war es selbst in Wien.
Ob Winter, ob Sommer, ob es sch”n war oder in Str”men vom Himmel herunter 
kam, ich konnte einfach die Kraft nicht aufbringen, mich hinter dem(sic) 
Schreibtisch zu setzen, ehvor ich nicht frhmorgens auf dem Kahlenberg gefahren 
war, um den angehenden Tag zu schauen.
Ich weiá, meine Kameraden von damals legten es als eine wunderliche Marotte 
von mir aus. Sie gew”hnten sich daran.
Als ich noch Feldwebel war und ber keinen Wagen verfgen konnte, als ich 
allmorgentlich um Punkt halb acht, die Straáenbahn der Linie 21, von Berlin-Britz 
zum Anhalter Bahnhof, eine halbe Stunde

					/139/				AE: 98
bentzen muáte, da ging ich eben frh genug von Hause fort, um einige Kilometer 
zu Fuá zu gehen. Nicht um des Fuámarsches wegen, aber es war da an einem 
S„gewerk eine Fichte gewachsen und diese Fichte inmitten des H„usermeeres, die 
tat es mir an. In ihr sah ich den B”hmerwald, die W„lder des Mhlviertlerlandes; 
schweigend, grndunkel, rauschend und raunend. Und indem ich mit dieser 
Fichte, einem Narren gleich, meine allmorgentliche(sic) Zwiespr„che gehalten 
hatte, ward ich froh und innerlich heiter und frei. Gerne opferte ich ihr die 
morgendliche Zeit.
Drei lange Jahre sprach ich mit ihr; und sie kannte meinen Kummer, sie kannte 
meine Freude und auch mein Leid; meistens jedoch war es Freude. Auch hier 
gew”hnten sich meine Kameraden von damals daran, daá ich erst unterwegs auf 
die Straáenbahn zustieg, und an diese meine eigenbr”dlerische Gewohnheit.

In dem Prozess gegen mich, hier in Jerusalem frug mich einer der Richter 
anl„álich des Kreuzverh”res, ob ich nach dem Kant'schen Imperativ gelebt habe.
Frei konnte ich sagen, jawohl ich habe mich zumindestens bemht nach der 
Kant'schen Forderung mein Leben auszurichten, beziehungsweise, nach

				/140-142/				AE: 99
ihr zu leben. Ich war zumindestens bemht, stets so zu handeln, daá die 
Richtlinien meines Willens, jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen 
Gesetzgebung h„tten gelten k”nnen. /weitere anderthalb Seiten unleserlich 
gemacht, ersetzt durch Text von Seite gegenber:
Allerdings h„tte ich ab einem bestimmten Zeitpunkt erkannt, daá ich nach dem 
mir einsichtsm„áig innewohnenden Sittengesetzt(sic) nicht mehr handeln k”nne, 
da ich dazu nicht mehr Herr meiner Handlungsfreiheit war. Ich h„tte danach 
handeln máen. Dies stimmt. Es ist  in der Theorie auch ganz leicht und sch”n zu 
sagen. Aber im wirklichen Leben, k”nnen Umst„nde eintreten, die einen daran 
hindern. Eine unbeschr„nkte M”glichkeit zum praktischen Handeln, ist dem 
Befehlsempf„nger in Kriegszeiten nur in den selteneren F„llen m”glich. Und nur 
in den selteneren F„llen entsprechen Befehle im Kriege dem Prinzip einer 
allgemeinen Gesetzgebung; dem mir innewohnenden Sittengesetzt(sic). Und dann 
unterhalte man sich einmal w„hrend des Krieges mit einem vorgesetzten SS 
General ber die Ethik in diesem Zusammenhang. Er tritt dich in den Hintern!
Aber nicht nur in der SS alleine. 
So sieht die Praxis aus.
Als weltfremder Narr wirst du verschrieben und entsprechend der 
Kriegsgerichtsordnung behandelt, weil der Gegner ja auch nicht psalmodierend 
und hosianasingend einherschreitet.
Man wird im besten Falle auf Fahneneid und Volksnotstand hinweisen und zur 
Ordnung gerufen.
Von einem praktischen Handeln also, kann da mangels Befehlsbefugnis seitens 
des Befehlsempf„ngers keine Rede mehr sein; was anderes ist seine innere 
Einstellung zu dem Geschehen, daá(sic) er als der Kant'schen Forderung 
zuwiderlaufend erkennt. Aber solches ist ohne Resultat nach auáen hin./

				/143-144/			AE: 100-101
/ganze Seite 143 und die ersten sechseinhalb Zeilen auf Seite 144 unleserlich 
gemacht/
				-(13)-
W„hrend meiner 1 « j„hrigen Abwesenheit von Berlin, also vom Frhjahr 1938 
bis zum Sp„therbst 1939, hatte sich das organisatorische Gefge der 
Sicherheitspolizei und des SD, wesentlich ver„ndert.
Die beiden Haupt„mter Sicherheitspolizei und SD, wurden zu einer Zentrale 
vereinigt, 
/gestrichen, aber noch lesbar: Fortsetzung befindet sich in Arbeit
Adolf Eichmann  12-8-61/

					/145/				AE: 101
/noch einmal die Zeilen der vorigen Seite, gestrichen/
Das Reichssicherheitshauptamt bestand nunmehr aus sieben Žmtern; und zwar die 
Žmter: ,Personal", ,Verwaltung"; ,Lebensgebietsm„áige Gegnerbeobachtung"; 
Weltanschauliche und Lebensgebietsm„áige Gegnerbek„mpfung" oder kurz 
Geheimes Staatspolizeiamt genannt; ,Verbrecherbek„mpfung", oder 
Reichskriminalpolizeiamt; ,Spionage und Gegenspionage - Ausland", oder 
Abwehr genannt und ,Wissenschaftliche Gegnererforschung". Hauptamtchef war 
Heydrich; mein unmittelbarer Vorgesetzte(sic) der Leiter des Geheimen 
Staatspolizeiamtes, oder Amt IV, SS-Gruppenfhrer und Generalleutnant der 
Polizei Mller.
Die nachgeordneten Instanzen des Reichssicherheitshauptamtes waren im 
Reichsgebiet, die Inspekteure der Sicherheitspolizei u. des SD, sowie die 
Staatspolizeistellen und die SD-Abschnitte; in den besetzten Gebieten, die 
Befehlshaber der Sicherheitspolizei u. des SD und die Kommandeure der Sipo u. 
des SD.  [24]
Zwei Aufgabengebiete hatte ich also zu bearbeiten, die Auswanderung und die 
Koordinierungsangelegenheiten im Hinblick auf die Transporte der befohlenen 
R„umung der neuen deutschen Ostprovinzen. Eine T„tigkeit, mit der ich praktisch 
am 2. Januar 1940 in Funktion trat.

				/146-147/				AE: 102
Fr mich pers”nlich begann nun sehr gegen meinen Willen eine Zeit der 
Familientrennung, die erst im Jahre 1952, in Argentinien ihre Beendigung fand. 
Natrlich war ich bis 1945 oft und oft ber das Wochenende mit meiner Familie 
beisammen, aber was will dies alles besagen.
Am Sylvestertag 1939 fuhr ich von Wien ab, nahm Begráungsaufenthalt bei 
meinen Eltern in Linz, dasselbe bei meiner Schwiegermutter auf ihrem Hof in 
Sdb”hmen und gedachte in gestreckter Fahrt mit meinem 3,4 Merzedes-Benz 
durchzupreschen bis zur Autobahn bei Dresden, und dann war es nur noch ein 
Katzensprung von etwa 140 Kilometer, bis Berlin. Aber aus irgendeinem Grunde, 
der mir heute nicht mehr sicher /versehentlich gestrichen: in/ Erinnerung ist, 
/Zusatz von Seite gegenber: ich glaube, die Schneeketten hatten Schuld,/ kam ich 
nur bis zu einem Ort so etwa am Kamm der Berge hinter Aussig. Ich habe keine 
Karte hier, es drfte zum Erzgebirge geh”ren, wenn ich mich nicht t„usche. 
Dicker Winter; und Žrger im Bauch. Da h„tte ich ja ebensogut noch den 
Sylvesterabend mit meiner Frau und meinem Kind gemeinsam feiern k”nnen, 
zumal ja jetzt die Stunden des Beisammenseins doch nur noch sehr gez„hlte sein 
wrden.
Hoffentlich geht der verdammte Krieg bald aus, dachte ich in meinem Sinne und 
verfluchte den Befehl, der mich nun an Berlin band. Ein anst„ndiges Gasthaus 
gesucht, Wagen versorgt und dann nichts wie hinein mit dem ,Trkenblut" um 
den Žrger hinunter zu splen. ,Trkenblut" war meine beliebte Spezialit„t, so ab 
und an. Halb Sekt, halb Rotwein; das Zeug

					/148/				AE: 103
verkroch sich gut und gerne hinter die Binde. Die sylvesterliche Stunde schuf 
einigen Betrieb in diesem Wirtshaus. Wintersportler, Einheimische und ein SS-
Hauptmann. Zu essen gab es in jener Zeit noch alles, wonach man begehrte, und 
die Kche es bieten konnte. Ich philosophierte d”send fr mich alleine, die Nase 
tief in's Glas steckend dahin; den gelinden Jahreswendenrummel lieá ich ohne 
groáe Teilnahme meinerseits, nicht mehr als eben noch empfindend, an mir 
abprallen. Die n”tige Bettschwere lupfte mich dann in die Federn. -
Es gibt kaum sch”neres an Winterbildern als frostiger Rauhreifmorgen in den 
Bergen. Strauch und Baum, H„us'chen und D”rfer, verzuckert. Und die schr„gen 
Morgensonnenstrahlen lassen die Myriaden der Eisbrillanten vom schwarzviolett 
ber blaustes Blau und Rot wie nie gesehen, bis zum hellsten Gelb dir 
entgegenleuchten und da hast du den Wunsch nur zu schauen und nimmer satt zu 
werden. Und die unendliche Reinheit der Natur sagt dir mit jedem leuchtenden 
Krisall(sic), wie schlecht sein Sch”pfungsprodukt, der Mensch, in Wahrheit in 
seinem Handeln doch geworden ist. Nicht daá ich Spezielles am Menschenwerk 
damit meine; nicht daá ich selbst mich im besonderen damit bezeichnen will; 
nicht besser noch schlechter war auch ich, und bin ich, als die groáe Masse des 
Durchschnitts. Aber wenn ich das allgemeine Tun und Wollen der Menschen, - 
mich eingeschlossen, - 

					/149/				AE: 104
bedenke, und sehe die unberhrte Reinheit der Natur, dann berkommt mich oft 
ein heiáes und sehnendes Verlangen, nach den Leben, die mir in unendlicher 
Manigfaltigkeit noch bevorstehen. Die tausend mal tausend Tode, die wir 
organische Seinsformen, zu durchlaufen haben, sie sind nicht schlimmer, als die 
tausend mal tausend Geburten, die jeden von uns noch harrend erwarten.
/etwa 3, teilweise berschriebene, Zeilen unleserlich gemacht/ -
Mein Glaube an die G”tter, kam in jener Zeit in arge Bedr„ngnis. Die von ihnen 
befohlenen Flammen des 10. November 1938 lieáen mich stutzen. Aber ich hatte 
mit der exekutiven T„tigkeit ja nichts zu tun gehabt. Jetzt aber war ich mitten drin.
Ab dem 21. Dezember 1939.
Wenn dem Menschen nachhaltig etwas gegen seinen Strich geht, dann wird er 
kr”tig. Und das pl”tzliche Herausreiáen aus dem Kreise der Meinen, ging gegen 
mein Wollen. Freilich Hunderttausenden ging es in jener Zeit ebenso. Denn Krieg 
war im Lande. Und niemand wurde gefragt ob es ihm passt oder nicht. Auch ich 
hatte nur zu gehorchen, aber die Dienstleistung im Geheimen Staatspolizeiamt 
war mir l„stig genug. Wie hatten wir im Sicherheitsdienst bisher berheblich auf 
die Angeh”rigen der Sicherheitspolizei gesehen, wir dnkten uns besser als jene. 
Und jetzt war ich einer derselben. Freilich, auch die Hunderttausende

				/150-151/				AE: 105
und sp„ter die Millionen wurden nicht lange gefragt, wo und bei wem sie zu 
dienen wnschten. Sie wurden befohlen und hatten ihren Dienst gehorchend zu 
schieben.
Einer(sic) der ersten dienstlichen Fragen Mllers, war die Angelegenheit meiner 
šbernahme in das Beamtenverh„ltnis.
/zweieinhalb Zeilen unleserlich gemacht, ersetzt durch Text von Seite gegenber: 
Nun, ich hatte nichts gegen Beamte oder gegen das Beamtentum im allgemeinen. 
Aber wie soll ich das einmal ausdrcken, ohne irgend jemanden ,auf den Schlips 
zu treten". Man muá wissen, daá mein Vorgesetzter ein sogenannter ,Nur-
Beamter" war. Reichskriminalpolizeidirektor. Da kann man nicht gut sagen, 
wissen Sie, ich habe kein Interesse an einer šbernahme in den Beamtenstand, 
weil ich mir dann vork„me, als wrde ich in eine verstaubte Mottenkiste gesetzt 
werden und Ellbogenschoner wrden hinfort meine begerenswertesten(sic) 
Weihnachtsgeschenke sein. Und dieser Zustnad wrde dauern, bis ich mein 
fnfundsechzigstes Lebensjahr erreicht h„tte und damit reif fr die endliche 
Pensionierung geworden w„re. Auf ein solches ,Lebensl„nglich" m”chte ich nicht 
gerne eingehen. - Man sollte einen Tiger nicht reizen, denn die Vorsicht ist eine 
Tugend. Und ich hatte es an dieser Tugend ohnedies, weiá Gott, oft genug fehlen 
lassen. Daher sagte ich, daá ich von mir aus mein diesntliches Verh„ltnis zur 
Truppe nicht aufgeben m”chte; zumal nicht jetzt, w„hrend der Kriegszeit. Dies 
klang auf alle F„lle gut und gab mir die Hoffnung, aus der 
schreibtischgebundenen Beh”rdenluft inees Tages bei gutem Wind und Glck 
wieder verschwinden zu k”nnen. Mir ging die Versetzung nach Berlin, sehr gegen 
meinen Strich./ 
Und im Verdruá mit mir selbst verbrachte ich meine Tage. Es gelang damals zu 
meiner Freude nicht, mich aus meinem militanten Verh„ltnis zu l”sen und in den 
Beamtenstand zu berfhren. Die Grnde lagen wohl darin,d aá ich von der 
Personalabteilung des Sicherheitsdienstes nicht freigegeben wurde. So ist es auch 
unter anderem mit zu verstehen, daá ich von meinem Ausfhrungsrecht, /fast zwei 
Zeilen unleserlich gemacht/ als Referent an einer Beh”rde keinen Gebrauch 
machte, sondern mir meine Weisungen stets einholte; ein Recht, daá(sic) mir 
zustand und daá ich hinfort fr mich in Anspruch nahm. Daher konnte ich mich 
nie irren, so trug ich auch keine Verantwortung, und so erregte ich auch nicht den 
Neid jener schon lange dienenden Beamten, die l„ngst schon gerne Referenten 
geworden w„ren. -

Nun, die Auswanderung ging den normalen Weg: Zahlenm„áig wurde sie infolge 
der Kriegsl„ufte zwar immer geringer.

				/152-153/				AE: 106
Dessen ungeachtet ntzte ich jede M”glichkeit, um sie im Rahmen der 
bestehenden Verordnungen und Erlaáe zu f”rdern.
Die Deportationsangelegenheiten waren ein einziges groáes Chaos geworden, 
durch das niemand mehr durchschaute. Nur Beschwerden kamen; von allen Ecken 
und Enden.
/Zusatz von Seite gegenber: Mit einem Wort, ich traf die miserabelsten Zust„nde 
an. Jeder hatte so seinen Privatdeportationsplan, nachdem er glaubte, fr seinen 
Gaubereich im Sinne des ,Fhrerbefehls" als erster die Vollzugmeldung machen 
zu máen.
Die Provinzspitzen der neuen deutschen Ostgebiete kmmerten sich den Teufel 
darum, ob solches Vorgehen zu Stockungen und Schwierigkeiten im 
Generalgouvernement fhren muáte und daá die deutsche Reichsbahn bei diesem 
Durcheinander ihren Fahrplan l„ngst schon nicht mehr einhalten konnte. Und am 
meisten hatten darunter und mit Recht, diejenigen zu klagen die da gem„á der 
Befehle von h”chster Stelle deportiert wurden./
Meine Aufgabe war es also, jetzt erst einmal durch Koordinierung der Transporte, 
diese aufgetretenen Miást„nde abzustellen. /am Rand Ziffer 25/ Sie wurden auch 
sehr bald abgestellt, soweit das berhaupt nur m”glich war. Die Durchfhrung der 
Transporte, waren nicht der Durchfhrung der Deportation gleichzusetzen. 
Hierfr waren gem„á den Himmler- und Heydrich'schen Befehlen, andere 
Dienststellen beauftragt. Auch die Planung oblag nicht meinem Referat; 
ebensowenig die Leitung der Deportation, sowie die Auswahl der zu 
deportierenden Personen, ihre Konzentrierung und ihre Behandlung. Die 
Tatsache, daá ich mit der Koordination der Deportationstransporte betraut wurde, 
beweist keine besondere Machtvollkommenheit, die mir bertragen wurde, 
sondern belegt, daá ich auf ausdrcklichen h”heren Befehl Heydrichs t„tig, und 
dem Amtchef IV des Reichssicherheitshauptamtes, unterstellt wurde. /am Rand 
Ziffer 26/

Wenn jemand etwas koordinieren soll, dann muá er in der Regel zuerst einmal 
alle an den Handlungen Beteiligten, ,unter einen Hut bringen" um ihnen eine 
arbeitsm„á9ige Ausrichtung zu geben. Dies tat

					/154/				AE: 107
auch ich. Zum 8. Januar 1940 wurden alle an den Transporten beteiligten 
Dienststellenvertreter zu einer Besprechung nach Berlin befohlen. An der 
grunds„tzlichen, Bestehenden Befehlsgebung durfte nichts ge„ndert werden. Aber 
keine Dienststelle konnte durch die neuen Anweisungen, die ich jetzt in 
transportm„áiger Hinsicht zu erlassen hatte, knftig ohne vorherige Genehmigung 
durch mein Referat, Zge in Gang setzen. Natrlich, Berlin war weit und wenn 
ich sage, es konnte niemand mehr ohne Erlaubnis einen Transport durchfhren, 
dann war dies zwar auch die Regel, die eben da und dort trotz allem immer mal 
wieder durch eine Ausnahme best„tigt wurde. Denn die ”rtlichen Gauleiter und 
Reichsstatthalter oder die Oberpr„sidenten der Provinzen, unterstanden nicht den 
Befehlen des Reichssicherheitshauptamtes. Im Gegenteil, diese Stellen waren 
erlaám„áig sogar berechtigt, den in ihrem Hoheits- oder Befehlsbereich t„tigen 
Staatspolizeistellen oder anderen Dienststellen der Sicherheitspolizei und des SD 
Weisungen zu erteilen, denen diese nachzukommen hatten. Oft und oft war diese 
merkwrdige Regelung eine quelle des Žrgers und der Grund zahlreicher 
Unzuk”mmlichkeiten.
Aber es lag mit im Funktionellen des doppelt- und dreifachen Kontrollsystemes. 
Aus all diesen šberlegungen heraus befahl Heydrich zu einer Zentralkonferenz 
zum 30. 1. 1940, zu der diesmal die ”rtlichen Dienststellenleiter

					/155/				AE: 108
und Einheitschefs geladen wurden. Er umriá ihnen das gewaltigste 
V”lkerwanderungsprogramm der Neuzeit, und bermittelte die Befehle 
Himmlers, welche dieser in seiner Eigenschaft als Reichskommissar fr die 
Festigung deutschen Volkstums gab. Wiederholte die bisher schon befohlenen 
Zahlen und Personengruppen, erg„nzte diese durch 30.000 Zigeuner und befahl 
erstamls die Deportierung von etwa 1000 Juden aus dem Altreichsgebiet; aus 
Stettin, nach dem Generalgouvernement.
Genau 14 Tage gab er Zeit; zu diesem Termin muáte diese Deportation beendet 
sein. Der Grund hierfr war, daá die ”rtlichen Stellen, von denne ich vorhin 
sprach, idese Deportation durchgefhrt wissen wollten, denn dadurch gedachten 
sie das lokale Wohnungsnotbel zu l”sen und hatten daher im Einvernehmen mit 
Himmler diese Deportation besprochen.
Die Leitung all dieser Unternehmungen, lag bei Stellen, welche meinem Referat 
bergeordnet waren. Ich hatte lediglich mit dem Reichverkehrsministerium die 
Fahrplanerstellung und was damit zusammenh„ngt zu bearbeiten, nachdem mir 
sowohl von den Deportierungsbeh”rden als auch von den Aufnahme„mtern des 
Generalgouvernements die hierfr notwendigen Unterlagen eingesandt wurden. 
Es ist dies zwar nur ein einziger Satz; aber welche Flle von Schwierigkeiten, 
Arbeit und šberredungsknste, Vertr”stungen und Mahnungen zur Geduld, 
Appellationen an die Vernunft und auch scharfes Durchgreifen zur šbelabstellung 
diese T„tigkeit verlangte, dies alles

				/156-157/				AE: 109
zeigt dieser eine Satz nicht an. Ein jeder der ”rtlichen Verantwortlichen wollte als 
erster seine Deportationsarbeiten beendet wissen; ohne jede Rcksichtnahme. /am 
Rand Ziffer 27/
Er war ein strenger Winter; trotzdem muáten die Deportationen durchgefhrt 
werden. Keiner der Befehlsgeber lieá etwa verlauten, diese Vorhaben bis zum 
Anbruch des Frhjahrs aufzuschieben; zu einer ahreszeit etwa, welche alleine 
schon durch die besseren klimatischen Verh„ltnisse einen groáen Teil vieler 
Schwierigkeiten in Fortfall gebracht h„tte. Es ist heute leicht reden, ,der 
Eichmann hat die Deportationen durchgefhrt. Er ist der Verantwortliche." 
/Zusatz von Seite gegenber: Im Nachhinein ist es immer leicht das Maul 
aufzureiáen und einfach mit Behauptungen irgendwo hinein zu poltern. Dies war 
schon zu allen Zeiten in der Geschichte so gewesen. Und h„tten wir gesiegt, dann 
h„tten eben jene, die heute von einer federfhrenden Zust„ndigkeit nichts mehr 
wissen wollen, noch vernehmlicher ihre Verdienste um die 
,Fhrerbefehldurchfhrung" in alle Welt hinausposaunt, als sie dies damals schon 
taten. So aber muáte eine neue ,Masche" gefunden werden. Und die hieá: 
,Eichmann"; 1 « Jahrzehnte lang. Man sehe sich das Ergebnis, in der Literatur, 
kurz in der gesamten Publizistik bis zum Beginn des Kreuzverh”res, dem ich 
unterzogen wurde an. Da erst konnte ich zum ersten Male, den verlogenen 
Herrschaften in ihre Hinterteile ,treten", so wie sie es auch verdienten". Aber es 
w„re ein Wunder, wenn meine gerechte Abwehr schon Erfolge zeitigen wrde. 
Trotzdem: es ist mir ein Trost aus tiefstem Grunde, denn ,den letzten beiáen 
immer die Hunde"./
Ich kann diesen Nichtwissern nur empfehlen, sie m”gen es einmal versuchen, mit 
dem Dienstgrad und als Hauptmann, einem Dutzend Generalen und einem 
weiteren Dutzend Provinzhoheitstr„gern und hohen Beamten, entgegenzustellen. 
Da wrden sie ihre Wunder erleben. Noch dazu in einer Zeit, wo jene sich an das 
Blitzkriegstempo gew”hnten. Noch dazu in meiner Stellung als Referent, bar jeder 
Sondervollmacht; eben nur als Referent, wie der Name es alleine schon besagt. 
Und dies alles, bei einer bewuáten Dezentralisierung der Grundbefehle durch 
Himmler. W„re ich damals Himmlers Referent gewesen, dann freilich h„tte ich 
ein anderes Durchschlagsverm”gen an den Tag legen k”nnen. So war ich ja nicht 
einmal der alleine schaltende Referent eines

				/158-159/				AE: 110
der etwa 12-14 Himmler'schen Hauptamtchefs, sondern nur der eines Amtchefs, 
welcher seinerseits wieder dem Hauptamtchef unterstellt war. Die Dokumente 
zeigen dies in aller Klarheit auf. Aber selbst schon die damaligen 
Gesch„ftsverteilungspl„ne zeigen die Richtigkeit meiner Darstellung in aller 
Deutlichkeit.
/9 Zeiten gestrichen, noch lesbar: Natrlich nach 1945, wollten gerade die 
”rtlichen Stellen und die Zentralinstnzen welche seinerzeit so verbissen die 
Zust„ndigkeiten versuchten und diese auf hundersten Besprechungen wie die 
L”wen verteidigten, von solche Dingen nichts mehr wissen. Heute schreiben wir 
1961; und es ist mir nur ein Trost aus tiefstem Grunde: den Letzten beiáen immer 
die Hunde./
/ersetzt durch Text von Seite gegenber: šber den Umfang der Dezentralisation 
der exekutiven T„tigkeit gibt ein Fernschreiben, daá(sic) ich am 30. M„rz 1940 an 
den Inspekteur der Sicherheitspolizei und das SD nach Posen richten muáte, 
beredtes Zeugnis.
,Betrifft: Technisches Vorgehen bei der Aussiedlung der Wolhyniendeutschen. 
Verschiebung von etwa 120.000 Polen.
Vorgang;: Ohne.
Ich bitte in einem Bericht das technische Vorgehen und die vorgesehene 
Abwicklung der Ansiedlung der Wolhyniendeutschen im Warthegau, in allen 
Einzelheiten mitzuteilen."

Die Voraussetzung dieser Aussiedlung war die von Himmler befohlene 
Aussiedlung der Polen. Ich, der ich den Fahrplan mit dem 
Reichverkehrsministerium erledigen sollte, kannte nicht einmal ein einzhiges 
Detail; und dies im M„rz 1940. - 
Daraufhin entschied dann nach Erhalt eines diesbezglichen Aktenvermerkes das 
Reichsverkehrsministerium, daá die Reichsbandirektion Posen, auf 48stndigen 
Abruf, die notwendigen Zuge zur Verfgung stellt.
Am Rand Ziffer 28/

Im M„rz 1940 wurde wieder einmal eine sachliche und personelle Umsolidierung 
des Reichssicherheitshauptamtes, vorgenommen. Ich hatte ab dieser Zeit das 
Dezernat innerhalb des Geheimen Staatspolizeiamtes, welches sich mit 
Judenangelegenheiten besch„ftigte, mit zu bernehmen, das heiát, es wurde 
meinem Referat mit eingegliedert. Nicht daá ich dadurch fr s„mtliche 
Judenangelegenheiten des Reichssicherheitshauptamtes zust„ndig geworden w„re, 
sondern eben nur fr diejenigen des Amtes IV. Es gab solche

					/160/				AE: 111
noch im Amt II, im Amt III und auch im Amt VII, desselben 
Reichssicherheitshauptamtes. Ja auch die Žmter V und VI besch„ftigten sich 
damit, soferne ihr Aufgabengebiet am Rande damit berhrt wurde.
				________

Im Nichtvorhandensein einer jdischen Eigenstaatlichkeit sah ich das Problem 
Nummer 1. Nicht bin ich vermessen genug, damit etwa behaupten zu wollen, daá 
diese meine ,geniale" Erkenntnis etwa pl”tzlich des šbels Wurzel entdeckt, und 
ich damit den Stein der Weisen in's Rollen gebracht h„tte. Nein, solches ist 
akkut(?) und bekannt bereits seit dem achten Jahrzehnt unserer Zeitrechnung und 
zog sich durch alle zwanzig Jahrhunderte hindurch.
	Aber in tausend und mehr Verhandlungen mit den jdischen Funktion„ren 
h”rte ich stets wiederkehrend den Jammer nach eigenem Land. Ob man mir's 
glaubte oder nicht, soll mich nicht st”ren und ist mir egal, aber ich war froh und 
tatenlustig, als ich von meinen Vorgesetzten, nach dem polnischen Feldzug, die 
Zustimmung bemerken konnte, gem„á meinem Vorschlag den Juden einen der 
vier knftigen Distrikte in denen dann das Generalgouvernement unterteilt war, 
zum jdischen Siedlungsgebiet freizugeben. Mir schwebte ein Protektoratsstatus 
„hnlich dem der Slowakei war; nicht dem von B”hmen und M„hren.

					/161/				AE: 112
Es war mir klar, so etwas geht nicht von heute auf morgen, solches muá werden 
und braucht seine Zeit. Auáerdem war zerschlagen jedes friedensm„áige 
organisatorische Leben in polnischen Landen; dazu kam das Durcheinander der 
Himmler'schen V”lkerwanderung vom Osten nach Westen und von West nach 
Ost; chaosmehrend durch den Ehrgeiz ”rtlicher Machthaber.
Mein damaliger Vorgesetzter, der Befehlshaber der Sicherheitspolizei und das SD 
in Prag, war von Heydrich mit der Durchfhrung des von mir mit jdisch-
politischen Funktion„ren wie Dr. L”wenherz, Stonfer(?) und Edelstein geborenen 
Planes beauftragt worden. Niskr am San, war das vorl„ufige Sprungbrett. 
Pionieren gleichend sollten vorl„ufig die ersten zweitausend von hier aus, nach 
vorgefaátem Plane, Aufnahmem”glichkeiten fr Nachkommende schaffen.
Und als die ersten Zge ausgeladen waren, Menschen und Material, Handwerker 
und Žrzte, Baust„be und Verwaltungsleute, da haute der inzwischen zum 
Generalgouverneur bestellte ,Polenfrank", in das Kontor und machte mit einem 
Befehl alles wieder zunichte. Er war mit seiner Gegenvorstellung zu Hitler 
gelaufen und dieser schloá sich ihm nunmehr an.
	Damit war diese Hoffnung entschwunden, denn

				/162-163/				AE: 113
Frank's politisches Ziel war die Entjudung seines Befehlsbereiches. Der damalige 
Befehlshaber der Sicherheitspolizei und das SD in Krakau, mit dem 
Zust„ndigkeitsbereich Generalgouvernement teilte mir mit, Frank habe Befehl 
gegeben, mich bei Betreten des Generalgouvernements festzunehmen. Abgesehen 
von der Unsinnigkeit einer solchen Weisung, denn kein ”rtlicher Befehlshaber der 
Sicherheitspolizei konnte einen Referenten des Reichssicherheitshauptamtes 
festnahmen, es sei denn er h„tte dazu den Befehl von Mller, dem Chef des Amtes 
IV, von Heydrich dem Chef der Sicherheitspolizei u. d. SD, wie Himmler dem 
Reichsfhrer SS und Chef der Deutschen Polizei /Zusatz von Seite gegenber: 
vom zust„ndigen Milit„rbefehlshaber/ oder von Hitler dem Staatschef und 
Reichskanzler; trotzdem: Frank war der ,alleinige Diktator" in seinem 
Generalgouvernement.
					_________

Kaum war in Compiegne die Unterschriftstinte des Waffenstillstandsvertrages 
zwischen Deutschland und Frankreich trocken geworden, gebar ich nach dem 
Fiakso von Nisko am San, die Ausgrabung des alten ,Madagaskarprojektes". Eine 
M”glichkeitsverwirklichung war nunmehr gegeben. Jedenfalls arbeitete ich den 
Plan einmal aus. Heydrichs Ehrgeiz kam mir hierbei zu statten. M”glich, daá er 
sich schon, als Gouverneur dieser Insel sah. Nebenbei, versteht sich; unter 
Beibehaltung seiner bisherigen, m„chtigen Stellung.

				/164-165/			AE: 114
Ich selbst konnte ja Himmler oder Hitler dieses Projekt nicht zum Vortrage 
bringen. /etwas mehr als 1 Zeile unleserlich gemacht/ Und Heydrich's Verlangen, 
seine Finger in auáenpolitische Dinge zu stecken, war allseits bekannt. Auch hier 
schwebte mir vor ein Protektorat. Der Anfangsstatus war mir ziemlich belanglos! 
Ich hatte diesbezglich auch keinerlei Einfluá. Die Zeit nur konnte Rat und 
Endgltiges schaffen. Und nun aber, da Hitler seine Genehmigung zu Madagaskar 
erteilte, da fing das Rennen der anderen Stellen des Reiches an. Jeder 
beanspruchte ressortbedingte Federfhrung und Primat, an der Bearbeitung dieses 
fr ihn neuartigen Falles. Und eh ich mich richtig versah, hatte ich es mit zwanzig 
und mehr Referenten zu tun. Und ein jeder hatte sein ,wenn" und sein ,aber", so 
wie seine Vorgesetzten es ihm befahlen. Es kam eine Gemeinschaftsarbeit 
zustande, die nicht im Sinne der Anfangsvorstellung lag.
Aber wie gesagt, die Zeit wrde Rat und den entdltigen Status erst schaffen. 
Mein diesbezglicher Kummer war nicht sehr groá, denn ich pers”nlich gedachte 
die Dinge der Insel an Ort und Stelle zu steuern. Dazu hatte ich mir bereits die 
Genehmigung meiner Vorgesetzten erwirkt. Es w„re bestimmt kein 
Konzentrationslager geworden. Und sieben Millionen Rinder auf dieser Insel, 
waren ein beruhigender Schatz /Zusatz von Seite gegenber: mit einer der 
landwirtschaftlichen Ausgangsbasen/, mit dem alleine man schon viel anfangen 
konnte. Bis hoch in das Jahr 1941 arbeitete ich an der Realisierung.

				/166-167/				AE: 115
	Aber der weitere Verlauf des Krieges und die politische Radikalisierung 
machten den Plan durch Hitlers Gebot, dann ein Ende. /am Rand Ziffer 29; 
weitere anderthalb Zeilen unleserlich gemacht, ersetzt durch Text von Seite 
gegenber: mich packt noch heute, wie damals, ein unb„ndiger Zorn, wenn ich an 
die verdammte Kopflosigkeit, Starrk”pfigkeit und torheit unserer eigen(sic) 
Machthaber von ehemals denke. Aber nicht nur diese alleine waren es.
Natrlich sind meine Projekte von damals fr die Ohren aller Polen und 
Franzosen nicht wholklingend. Aber man stelle sich einmal einen dampfkessel 
vor, der durch unsinnige Hezmethoden ber den zul„ssigen Atmosph„rendruck 
weiter geheizt wird. Es wird immer weitergeschrt; der Kessel wird zerreiáen, 
wenn ich keiner um das Ventil kmmert.
Mit dem Heizen hatte ich nichts zu tun. Auch der Dampfkessel unterstand nicht 
meiner Kontrolle. Jedes Ministerium hatte hier seine eigenen ,Kesselinspektoren" 
und keiner, der da gesagt h„tte, daá es so nciht weiter gehen k”nne. Ich hatte dazu 
keine M”glichkeit, denn ich geh”rte nicht zu dem Gremiuzm der ,Inspektoren". 
Ich versuchte mich mit dem Ventil zu besch„ftigen, um eine Ausreichm”glichkeit 
zu finden. Ob sie gut oder schlecht war, darber hatte ich keine M”glichkeit zu 
befinden. Mir kam es darauf an, eine Explosion zu verhindern. Mochten sich dann 
sp„ter Berufenere als ich, mit einer endgltigen Normalisierung befassen. Ein 
Provisorium, dies war das Maximum dessen, was ich vorschlagen und ersinnen 
konnte. Und auáer den wenigen damaligen jdischen Funktion„ren hatte ich nicht 
einen, der heutigen Schreier und Wortverdreher, die mir dabei halfen.
Aber was sage ich: ,halfen"; Schwierigkeiten und Ungelegenheiten hatte man mir 
bereitet.
Jawohl, ich scheue mich nicht das Kind beim Namen zu nennen; denn die war die 
Tatsache!/			- - - - - - - - 

Schon gleich zu Beginn des Jahres 1941 berief die Abteilung Ie des 
Reichsministerium des Innern, zu einer wichtigen Besprechung. S„mtliche daran 
interessierten Instanzen des Reiches wurden dazu geladen. Im Wesentlichen 
handelte es sich um die Eingliederung neu zum Reich gekommener 
Personenst„nde, in die Reichsbrgergesetzordnung. Einen ersten diesbezglichen 
Vorschlag des Ministerium des Inneren, hatte Hitler verworfen. Einen neuen, 
sch„rferen, hatte diese Abteilung nunmehr entworfen. Dieser Verordnungsentwurf 
trat dann am 25. Okrober, als 11. Verordnung zum Reichsbrgergesetz, in Kraft.
Er verkndete die Ausbrgerung s„mtlicher Juden bei šberschreitung der 
Reichsgrenze, und Einziehung ihres Verm”gens, zugunsten des Reiches. /am 
Rand Ziffer 30/
Noch im gleichen Jahre erfolgte ein weiterer einschneidender Schritt; n„mlich die 
Kennzeichnung der Juden. Ein Stern aus gelbem Stoff; sichtbar zu tragen. Frank, 
der Staatssekret„r fr das Sicherheitswesen in B”hmen und M„hren machte den 
Antrag, die Reichskanzlei und das Innenministerium wurden bemht und 
Goebbels als Reichs-

					/168/				AE: 116
minister fr Volksaufkl„rung und Propaganda erwirkte bei Hitler den Auftrag fr 
die Kennzeichnung der Juden, im Reichsgebiet und in B”hmen und M„hren. Am 
15. September 1941 trat diese Verordnung in Kraft. Zwei Jahre vorher, am 23. 
November, hatte Frank sie fr das Generalgouvernement schon befohlen.  /am 
Rand Ziffer 31/    ______
				
					-(14)-
Am 21. August 1939 fuhr Ribbentrop nach Moskau um auf Hitlers Befehl, den 
Nichtangriffspakt mit der Sowjetunion zu unterschreiben. Aber am 22. Juni 1941 
setzten sich deutsche Divisionen aus ihren Bereitstellungsd„mmen(?) heraus, zum 
Angriff gegen die Sowjets in Bewegung. Genau daá(sic), was Hitler in seinem 
Buch, der politischen Fhrung des Reiches w„hrend des ersten Weltkrieges 
vorwarf, als Fehler; genau dies, tat er nun selbst. Und damit vernichtete er sich 
und sein Reich. Auch Bismarck'sche Lehren waren fr ihn diesbezglich ohne 
Belang. 
Ich weiá es noch heute, wie ich damals mit Kameraden den Pakt mit Ruáland 
feierte; mit Bier und mit Wein, so war es der Brauch. Und ich weiá noch heute die 
Gefhle, die mich beherrschten, als ich von den Vorbereitungen h”rte, zum Krieg 
gegen die Sowjets. Es gab auch in der SS zwei nach auáen nie in Erscheinung 
getretene gefhlsm„áige Richtungen. Eine politisch links empfindende und eine 
extrem rechts tendierende Ein-

				/169-170/				AE: 117
stellung. Meine gefhlsm„áigen politischen Empfindungen, lagen links /Zusatz 
von Seite gegenber: das Sozialistische mindestens ebenso betonend wie das 
Nationalistische/. Und unsere Meinung damals war, daá er Nationalsozialismus 
und der Kommunismus der sozialistischen Sowjetrepubliken eine Art 
,Geschwisterkinder" seien. Und es mag auch sein, daá diese Einstellung 
besonders dem ”sterreichischen SS-Angeh”rigen lag. Denn seine damaligen 
Feinde waren nicht Sozialdemokratie und Kommunismus; dies wurden durch die 
”sterreichische Aristokratie genau so bek„mpft wie auch er; diese hatte um jene 
Zeit die Fhrungsstellen in den ,Heimwehren" inne und ihre Kampfangsage galt 
den Natioanlsozialisten, Sozaildemokraten und Kommunisten, gleichermaáen. Ja, 
es gab Zeiten, wo sich die Anh„nger dieser zwei Richtugnen durch Burgfrieden 
und gegenseitige Hilfe und Untersttzung im Kampf gegen ihren 
Hauptwidersacher, einig waren. Keinesfalls aber sich gegenseitig verrieten und 
schlechtestenfalls ,Gewehr bei Fuá" standen, wie man zu sagen pflegte.
Mag sein, daá diese Einstellung der Linkstendenz seinen Anfang in jener Zeit 
nahm, wie dem immer auch sei, sie war jedenfalls vorhanden.
Und der 22. Juni 1941 sah uns miámutig und unzufrieden. Aber wir gehorchten, 
wie der Eid es befahl.

					/171/				AE: 118
/erster Abschnitt gestrichen, noch lesbar: Die ??? bei Minsk und Bialystok waren 
l„ngst geschlagen. Die Beuteaufr„umekommandos hatten ihre T„tigkeiten bereits 
grndlich beendet. Und nur noch etliche Dutzend halbausgeschlachteten Panzer 
standen in den Feldern der ausgeklungenen Schlacht./

Im Herbst des Jahres 1941 teilte mir mein vorgesetzter Amtchef mit, daá ich mich 
gem„á Befehl Heydrichs, bei ihm zu melden h„tte.
Wurde man zu Heydrich befohlen, dann war eins gegen tausend zu wetten, daá 
vorerst stundenlanges Warten im Vorzimmer einem bevorstand. Der verschobene 
Stundenplan des Terminkalenders geh”rte zu den Tagt„glichkeiten des 
Vielbesch„ftigten. Žhnlich erging es mir auch mit den h„ufigen Vorsprachen bei 
meinem amtchef, wenngleich die Wartezeit hier auch nicht ann„hernd so lang 
war, als die, beim Chef der Sicherheitspolizei selbst. Es war klar, Rangh”here 
rangierten immer zuerst, wie sp„t sie auch kommen mochten, und sie lange der 
dienststellenm„áig Geringere, schon wartete. Genau so war es, wenn Besucher 
aus der Ferne pl”tzlich aufkreuzten. Nun, dies war alles verst„ndlich. Und nach 
dem Motto: ,Die H„lfte seines Lebens, wartet der Soldat vergebens", ergab man 
sich mit Gleichmut in sein Warteschicksal.  
Da mein Verh„ltnis zu den Adjutanten ein kameradschaftlich-freundliches war, 
half stets ein Gl„s'chen Wein oder Armagnac ber die

					/172/				AE: 119
Langeweile des Wartezimmer hinweg und Haustratsch mit dem Adjutanten 
verkrzte die Zeit. Aber alles hat einmal ein Ende. Ich meldete mich gehorsamst, 
wie befohlen, zur Stelle.
,Der Fhrer hat die physische Vernichtung der Juden befohlen. Globocnigg(?) hat 
vom Reichsfhrer seine diesbezglichen Weisungen erhalten. Er soll demnach 
dazu die Panzergr„ben bentzen. Ich m”chte wissen, was er macht und wie weit er 
gekommen ist. Fahren Sie zu ihm und berichten Sie mir ber daá(sic), was Sie 
gesehen und geh”rt haben."
Damit war ich entlassen. 
Ich muá'te mir erst einmal den Begriff ,physische Vernichtung" ordentlich durch 
den Kopf gehen lassen, um die ganze Bedeutung ermessen zu k”nnen. /1 Zeile 
unleserlich gemacht/ Etwas Unbekanntes, Neues, Ungewohntes. Bisher 
Nichtgeh”rtes, muáte ich verdauen. Ein Blitz aus dem eben noch fr”hlichen 
Geplauder mit dem Adjutanten.
Obwohl Heydrich ruhig sprach; nicht das blich Nerv”s-Laute, daá(sic) ihn sonst 
auszeichnete. Donnerwetter sagte ich nur, dies ist allerhand. Und mit diesen 
Gedanken stieg ich ein Stockwerk h”her, um mich bei Mller zu melden.
Ich teilte ihm den erhaltenen Befehl mit, aber er schien ihn schon zu kennen, denn 
seine Bemhrungen galten dem Unterschreiben 

					/173/				AE: 120
des Marschbefehles, den sein Adjutant fr mich schon ausgestellt hatte.
Ich fuhr los. šble Vorstellungen ber daá(sic), was ich zu sehen bekommen 
wrde, im Kopfe. Der einzige Trost war meine Feldflasche, die ich mir mit einem 
Liter Rotwein gefllt hatte. Sie war mit braunem Filz berzogen, wie eben 
Feldflaschen berzogen zu sein pflegen und nur am Gewicht und am Schwinden 
meiner Vermutungsschilder(?), merkte ich, daá ich sie mir irgendwo in einem der 
Flecken die ich mit meinem Fahrer druchfuhr, wieder auffllen lassen máte.
So kam ich nach Lublin.
Am n„chsten Tage fuhr ich mit einem Adjutanten Globocniggs zu der Stelle, ber 
die ich berichten sollte.
Globocnigg war um jene Zeit SS Brigadefhrer und Generalmajor der Polizei. 
Seine Dienststellung war die eines SS- u. Polizeifhrers des Distriktes Lublin im 
Generalgouvernement. Er unterstand dem H”heren SS- u. Polizeifhrer im 
Generalgouvernement und Staatssekret„r fr das Sicherheitswesen, in der 
Regierung des Generalgouverneuer in Krakau, SS Gruppenfhrer und General der 
Polizei, Krger. Er und damit seine vier SS- u. Polizeifhrer, waren Himmler 
unmittelbar untergeordnet. So viel also zum Personellen.
Nach etwa zwei Stunden Fahrt, es m”gen auch nur anderthalb Stunden gewesen 
sein, kamen wir zu einer Waldlichtung, an der zur rechten Straáenseite ein 
Bauernh„us'chen stand.

					/174/				AE: 121
Dort hielt der Wagen.
/gestrichen: Eichmann    Fortsetzung folgt:  15-8-61./
Wir wurden von einem Ordnungspolizisten mit aufgekrempelten Hemd„rmeln, 
offenbar bei der Arbeit selbst mit Hand anlegend, empfangen. Die Art seiner 
Stiefel und der Schnitt seiner Reithose, deutete auf einen Offizier. Bei der 
Vorstellung wuáte ich, daá ich es mit einem Hauptmann der Ordnungspolizei zu 
tun hatte. Der Name ist mir in den Nachkriegsjahren lange Zeit entfallen gewesen. 
Erst durch die Literatur, erinnnerte ich mich wieder. Sein Name war Wirth.
Meine Vorstellungsbilder, waren traumhaftschrecklich gewesen und die Wirkung 
machte sich in innerer und sicher auch „uáerer Beklemmung bemerkbar. Es ging 
mir in den letzten Tagen so, wie ich es aus meiner Schulbubenzeit her kannte, 
wenn ich ein schlechtes Zeugnis nach Hause zu tragen hatte. Je l„nger der 
Heimweg war, desto besser. Also ging ich auf langsamg geschaltet, im 
Zeitlupentempo nach Hause und zwecks Zeitstreckung studierte ich s„mtliche 
Schaufenster der Gesch„fte, mit doppelter Grndlichkeit, um den Augenblick der 
šbergabe meines Zeugnisses, so lange hinauszuz”gern, wie eben noch m”glich. 
/Anmerkung der Schreibkraft: denn ein schlechtes Zeugnis wurde mit brutalen 
Schl„gen und Demtigungen geahndet/
Zwar konnt ich jetzt meine Schulbuben-

					/175/				AE: 122
manieren nicht zur Anwendung bringen. Ich konnte meinem Fahrer nicht sagen, 
er solle nur mit Traktorengeschwindigkeit fahren. Er jagte auf guten Straáen mit 
seinen achtzig Stundenkilometern und manchesmal auch mehr dahin und auf den 
schlechten Fahrstrecken, entsprechend gedrosselt. Heute und gestern versuchte ich 
es eben mit Rotwein und ablenkenden Gespr„chen.

Besagter HauptmannWirth also, fhrte uns auf einen kleinen Waldweg zur linken 
Seite der Straáe und da standen unter Laubb„umen zwei kleinere Bauernh„user. 
Ich kann nich nicht mehr mit Sicherheit erinnern, ob dort im Augenblick unseres 
Besuches gearbeitet wurde, aber Wirth erkl„rte uns seinen Auftrag.
Demzufolge hatte er s„mtliche Fenster und Tren hermetisch zu verschlieáen. In 
den R„umen wrden nach Arbeitsbeendigung Juden kommen, welche durch die 
auspuffgase eines russischen U-Bott-Motors, die in diese R„ume geleitet wrden, 
get”tet werden.
Das war alles, was er zu sagen hatte.
Von Panzergr„ben war nichts zu sehen. Juden oder Leichen sah ich keine. Und ich 
muá sagen, ich fhlte mich sehr erleichtert; denn das H”ren und Sprechen ist stets 
etwas anderes als Tun

					/176/				AE: 123
oder Sehen. Dies wird jedermann mir best„tigen. Und das alte 
Soldatensprichwort, daá nichts so heiá gegessen wird, als es gekocht wurde, 
beruhigte mich doch sehr und ich weiá heute noch, daá mir auf der Rckfahrt in 
der Entspannung der Nerven der Rotwein und die Zigaretten besonders 
bek”mmlich waren. Denn wenn ich es damals rckschauend betrachtete, was 
wurde im Laufe der Jahre nicht schon alles befohlen und dann widerrufen. Ich 
nahm das Vergasen einfach nicht ernst. Nach Berlin zurckgekehrt, machte ich 
meine Meldung Mller und Heydrich.
Kommentarlos wurde sie zur Kenntnis genommen.
Heydrichs nerv”se Art und sein kurzes milit„risches Verhalten Untergeordneten 
gegenber, sein hoher Rang und seine enorme Dienststellung, lieáen keinerlei 
pers”nliche Fragestellungen zu.
	Anders war es bei Mller. In seiner bajuwarischen, gemtlicheren Art, lieá es 
es zu, daá man pers”nliche Anliegen, Frangen und Wnsche jederzeit vorbrignen 
konnte, die er auch vom anfang bis zum Ende geduldig anh”rte und nie 
unterbrach. Aber selten bekam man darauf eine Antwort. Die Regel war ein 
sofortiges Einschwenken auf irgendwelche dienstlichen Obliegenheiten, so, als ob 
Wnsche oder Pers”nliches nie Gegenstand des Vortrages gewesen w„ren. Nie 
wuáte man, woran

					/177/				AE: 129
man war. Das einzige, welches zu Erwarten stand, tat sich kund durch ein ,ja,ja!", 
verbunden mit einem dnnen, v„terlichen L„cheln. Gerade so, als wolle er sagen, 
ja mein Lieber, ich verstehe dies alles, aber da k”nnen wir gar nichts machen.
Mller selbst rhrte sich in all den Jahren, in denen ich unter ihm zu arbeiten 
hatte, nur ganz selten von seinem Schreibtisch weg; das heiát, er nahm keinen 
Urlaub, war fast nie krank und machte selten eine Dienstreise. Er arbeitete bis sp„t 
am Abend und selbst dann trug ihm sein Fahrer Aktentaschen, voll von 
Arbeitsmaterial in den Wagen, die er in seiner Privatwohnung noch durchnahm.
Es liegen bei den Dokumenten der israelischen Anklage unter anderen, zwei 
Fernschreiben vor, die Mller selbst zu sp„ter Stunde des ,Heiligen Abends", 
unterschrieb. Sonntage und Feiertage arbeitete er rastlos durch.
Nicht nur ich, auch andere Zeugen k”nnen bekunden, daá er sich in buchst„blich 
alle Vorg„nge, von auch nur einiger Bedeutung, ja selbst Einzelf„lle betreffend, 
weisungsgebend pers”nlich einschaltete, sobald sie seine Amtszust„ndigkeit 
betrafen. /am Rand Ziffer 32/ Ich selbst war w”chentlich mindestens zweimal bei 
ihm zur Rcksprache. Entweder befohlen, oder ich suchte darum nach. Im Laufe 
der Zeit wurden die Tage so

					/178/				AE: 125
zur Routine, daá man ohne zu bertreiben, von festgesetzten Tagen und Stunden 
sprechen konnte. Und wen ich jedesmal nur 25 Akten mitnahm, um mir die 
Weisung des Chefs einzuholen - es waren aber meistens mehr - dann kann ich 
mir berschlagsm„áig ausrechnen, daá es im Laufe der Jahre zirka 10.000 bis 
15.000 Vorg„nge waren, zu denen entweder er selbst die Weisung 
beziehungsweise den Befehl gab, was zu veranlassen sei, und den Rest seinerseits 
seinem Chef zur Weisungseinholung unterbreitete. Denn Mller selbst war keine 
besonders entschluáfreudige Natur. Eher war er der vorsichtige, „ngstliche 
Brokrat. Und er verlangte auch von seinen Referenten die sture Einhaltung der 
brokratischen Vorschriften. Dies alles wird ebenfalls best„tigt von dem Mann, 
der ihn besser kennen muáte als viele andere, jenem SS-Standartenfhrer und 
Regierungsdirektor, der gegen Kriegsende eine Zeitlang der papierm„áig amtliche 
Vertreter Mllers war und seine diesbezglichen Feststellungen in einer 
Zeugenaussage niederlegte. 
	Eines steht fest, Mller war einer der M„nner, welche stets bestens ber alle 
Vorkommnisse unterrichtet waren. Er hatte nicht nur die Funktion als Chef des 
Geheimen Staatspolizeiamtes, sondern auch die des Generalgrenzinspekteurs 
inne.
					--------

				/179-180/			AE: 126
Es muá Januar 1942 gewesen sein, daá mir Mller den Befehl gab, nach Kulm 
/Schreibung des Namens auf Seite gegenber verdeutlicht/ bei Posen zu fahren 
und ihm Bericht ber die dort in Durchfhrung befindlichen T”tungen an Juden, 
zu machen.
Ich muá sagen, daá meine Besorgnisse, Furchtbares zu sehen, diesmal nicht so 
arge waren, als im vergangenen Herbst. Wenngleich ich in den Berichten, die 
innerhalb des Reichssicherheitshauptamtes als Geheimumlauf zirkulierten, viel 
und laufend von Erschieáungen im Osten inzwischen gelesen hatte. Aber ich hatte 
es nicht angeordnet, ich hatte es nicht zu bearbeiten, ich konnte es auch nicht 
beeinflussen oder abstellen; ich konnte es mir nicht einmal als Wirklichkeit so 
richtig vorstellen, denn ich hatte es auch noch nie gesehen. Einen Augen- oder 
Tatzeugen hattte ich nicht gesprochen. Ich wurde also, im damaligen Warthegau 
angekommen, von einem Beamten der dortigen Staatspolizeistelle nach Kulm 
gelotst.
Was ich allerdings jetzt dort zu sehen bekam, dies war das Grauen schlechtweg. 
/Zusatz von Seite gegenber: Und meine Vorstellung, ich k”nnte „hnlich gut 
davonkommen, wie letzten Herbst bei Lublin wurde durch die gr„álichste 
Wirklichkeit, die ich je sah, gewandelt./ Ich sah nackte Juden und Jdinnen in 
einen geschlossenen Omnibus ohne Fenstern, einsteigen. Die Tren wurden 
zugemacht und der Motor angelassen.

					/181/				AE: 127
Das Auspuffgas entstr”mte aber nicht in's Freie, sondern in das Innere des 
Wagens, Ein Arzt im weiáen Kittel, machte mich auf ein Guckloch beim 
Fahrersitz aufmerksam, wodurch man in das Innere des Wagens sehen konnte und 
forderte mich auf, den Vorgang anzusehen.
Das konnte ich nicht mehr. Mir fehlten auch die Worte, meine Reaktion zu diesen 
Dingen wieder zu geben, denn es war alles zu Unwirklich. Ich glaube, daá ich 
mich selbst in jenem Augenblick gar nicht mehr bewuát unter Kontrolle hatte. Ich 
war auch nicht f„hig gewesen, den Befehl Mllers, die Zeit der T”tung zu 
stoppen, durchzufhren. Ich hatte darauf vergessen gehabt; und w„re auch 
physisch nicht f„hig dazu gewesen. Dann setzte sich dieser Omnibus in 
Bewegung. Ich selbst wurde zu einer Art Waldwiese gefahren und als ich dort 
ankam, bog auch schon dieser Omnibus ein, er fuhr an eine ausgehobene Grube; 
die Tre wurde aufgemacht und heraus purzelten Leichen; in die Grube hinein. 
Eine ber die andere. Das war ein schauriges Inferno. Nein, es war ein 
Superinferno. Eben sah ich sie noch lebendig. Nun waren sie samt und sonders 
tot. Und dann sprang ein Zivilist in die Grube, kontrollierte die Mnder und brach 
mit einer Zange die Gold-
					/Zusatz: Fortsetzung siehe Seite 128/

				/182-184/			AE: 128, a-b
z„hne aus. -
/Siehe Seite 128a und b/  128a
Wenn ein Mensch pl”tzlich vor eine Sache gestellt wird, die er sich in seiner 
Grauenhaftigkeit auch nicht im Ungef„hren vorher hatte ausmalen k”nnen, 
trotzdem er mit einigen Worten auf ungeheure Geschehen vorbereitet wird und 
sich mit blen Vorstellungsbildern bereits herumzuplagen hatte, dann tritt ein 
Zustand ein, der von einem Nichtpsychologen nur sehr schwer wieder gegeben 
werden kann.
Ich weiá noch, daá ich mich in die Haut meines Handrckens zwicken muáte, um 
festzustellen, daá ich wach bin, daá das, was ich sehe, Wahrheit ist, und daá ich 
nicht nur tr„ume.
Ich kann mich erinnern, als man mich an jenem Maiabend in Buenos Aires 
berfallen hatte, dreiáig Meter von meiner Wohnung entfernt, Fáe und H„nde 
zusammenband und mich mit einem Personenwagen auf eine Quinta brachte, in 
ein Pyjama steckte und mich mit den Fáen an ein Bett fesselte, nachdem mir die 
Augen verbunden waren; da zwickte ich mich ebenfalls in die Haut meines 
Handrckens, um festzustellen was nun eigentlich daá(sic) ist, tr„ume ich, oder 
hat sich daá(sic), was ich mir eben einbilde, wirklich zugetragen.
So „hnlich, erging es mir auch damals. Ich selber hatte mit den Dingen nichts zu 
tun. Meine mir befohlene Aufgabe war, nur zu sehen und darber zu 
					128b
berichten. Ich weiá nicht, ob wenn man mit solchen Dingen als Befehlender oder 
Ausfhrender zu tun hat ebenfalls solche Art L„hmungserscheinungen oder 
Einbildungen Platz greifen, aber mein Realit„tsbewuátsein war irgendwie v”llig 
ver„ndert. Es kam eibnem Hin- und herklettern vom noch Denkbaren, zm 
Unwirklichen gleich; eine verschobene Welt, in der ich nur Wellen sah, auf denen 
sich alles bewegte.
Aber dann f„llt mir pl”tzlich ein, na muát doch mal kontrollieren, ob dies alles 
Wahrheit ist; der Zwickschmerz best„tigts dann. Es ist merkwrdig und 
erstaunlich, in welche Situationen ein Mensch kommen kann, und frchterliche 
Vorstellungskomplexe beherrschten mein Wachsein und verlieáen mich selbst 
nicht im Schlafe /anderthalb Zeilen unleserlich gemacht, die folgenden Zeilen in 
ver„nderter Schrift/. Ob nicht auch mangelnde Civilcourage mit einer der Grnde 
waren, daá man dies alles mitmachen konnte; dies frug mich einer der Richter, 
w„hrend des Prozesses gegen mich. Dies ist richtig, und tr„fe auch zu und ich 
sagte ihm etwa, Civilcourage habe das deutsche Offizierskorps nicht gekannt. Es 
ist wahr; und das Wort selbst besagt es ja f”rmlich schon.
Pflicht; Befehlserfllung; Gehorsam und Treue! Aber Civilcourage kam im 
Dienstreglement nirgends vor.
Es ist eigentlich sehr bedauerlich muá ich sagen.
			
/zurck auf Seite 128/
Ich fuhr nach Berlin.
Ich hatte nur Mller zu berichten. Nach der Meldung sagte ich ihm, ich h„tte nur 
eine andere Dienstverwendung, dafr sei ich nicht der richtige Mann. Rein 
nervlich halte ich solches nicht aus; das sei keine politische L”sung! Diesmal 
antwortete er mir: Der Soldat an der Front kann sich auch nicht aussuchen wo er 
gerne k„mpfen m”chte. Er hat doch seine Pflicht zu tun, wo man ihn hinstellt. 
				________

Kamen mir bislang schon ”fter Bedenken, ob das Tun der G”tter selbst bei gr”áter 
Nachsicht noch als G”tterhandeln zu bezeichnen w„re, dann hatte ich als der 
Weisheit letzter Schluá mir stets noch sagen k”nnen, mit Ausnahme der Flammen 
vom 10. November 1938, hast Du ja noch gar nichts von all dem Greuel gesehen. 
Es sind alles Berichte. Teils waren es H”rensagenberichte, teils freilich dienstliche 
Berichte. Aber zwischen dem Buchstaben und dem Bild war es eben ein 
gewaltiger Unterschied. Besonders dann, wenn man - wie ich - damit ja 
dienstlich gar nicht befaát ist. Und auch Mller hatte es nicht befohlen; auch er 
h„tte es nicht abzustellen vermocht.
/ca. 1 Zeile durchgestrichen, neu geschrieben/
Jetzt aber diente ich G”tzen; dies wurde mir klar.   

					/185-186/			AE: 129
/5 Zeilen durchgestrichen, ersetzt durch Text auf Seite gegenber:
Alles daá(sic), fr welches ich mich tats„chlich begeistern konnte, eine L”sung 
des Problems auf politischer Basis zu suchen und zu finden, daran mitarbeiten zu 
k”nnen, zum Whole beider Parteien, war in mir zerbrochen worden. Von dem 
Schaurigen selbst, will ich gar nciht weiter sprechen, denn meine an sich sensible 
Natur revoltiert beim Anblick von Leichen und Blut.
Und dabei w„re es ein Leichtes, ein Kinderspiel geradezu gewesen, im 
Vergleich zu der jetzt befohlenen Gewaltl”sung, zumindestens ein Provisorium 
einer politischen L”sung zu schaffen; es h„tte ja nichts Endgltiges zu sein 
brauchen. W„hrend eines Krieges begngt sich jeder oft nur mit einer Teill”sung 
der Probleme, wenn es eben nicht anders geht. Der Frieden br„chte schon 
automatisch Kl„rendes, Festes.
Wie hatte ich mir, von meiner Warte aus, den Kopf zerbrochen, um nach 
Auswegen zu suchen.
Zu eienr solchen Gewaltl”sung aber hatte ich von mir aus wahrhaftig nichts dazu 
beigetragen und ich konnte meine H„nde, wie weiland Pontius Pilatus in 
Unschuld waschen. Aber wem konnte selbst dieses dienen?
Wer den Tiger reitet, kann jedoch nicht mehr absteigen./
Dabei war mein Vaterland in Not. Der rieg gegen Ruáland und Angland in vollem 
Gange. Und am 11. Dezember 1941 hatte Deutschland den USA den Krieg 
erkl„rt. Alles unvorstellbar. Der Befehl Mllers: Dort habe ich meine Pflicht zu 
tun, wohin ich gestellt wrde. Ein aussuchen gibt es fr den Soldaten nicht. -
Ausweglos; l„ngst schon war ich fr die Dauer des Krieges, gleich den anderen 
Angeh”rigen des Sicherheitsdienstes, zur Kriegsdienstleistung /ca. 2 Zeilen 
gestrichen/ verpflichtet worden. Da wurde man nicht gefragt; es war eine 
Verfgung von Oben!
Vielleicht h„tte ich, wenn ich den Befehl bekommen h„tte, zu t”ten oder T”tungen 
zu befehlen, sagen k”nnen: nein, es kann mir niemand befehlen, Zivilisten zu 
t”ten, wenn diese sich nicht aktiv gegen die Kriegsgesetze vergangen haben. Aber 
ich bekam ja soclhe Befehle nie. Jemand, der in einem Einsatzkommando war und 
T”tungsbefehle bekam, der h„tte die M”glichkeit gehabt; ob mit Erfolg oder ohne 
bleibt dahingestellt.

				/187-188/			AE: 130
Einige wenige F„lle sind nachweisbar, wo es den betreffenden Ansuchenden 
gelungen ist, sich von der Befehlsausfhrung entbinden zu lassen. Ich weiá nicht 
utner welchen Umst„nden, denn ich h”rte darber, selbst erst in Israel. Aber wie 
dem auch sei. Ich saá in Berlin hinter dem Schreibtisch und hatte nichts 
diesbezgliches zu befehlen.
Mir fehlte zu einem Ansuchen um Versetzung mit der Hoffnung auf Erfolg jede 
entsprechende Untermauerung. Ich hatte es ja eben wieder erlebt gehabt. Genau 
wie schon einmal im Sp„therbst 1939. /Zusatz von Seite gegenber:
Ab meiner Versetzung zur Geheimen Staatspolizei unterstnad ich erst recht dem 
Zwang.
Žuáerlich durfte ich mich dagegen freilich nicht in Form von Disziplinlosigkeiten 
hinreiáen lassen. Innerlich stand ich gegen Zwang und Druck und nahm, den 
Rahmen der befohlenen Subordination nicht verlassend, auch in Worten dagegen 
Stellung. 
Es ist klar, ohne Erfolg; denn mein unmittelbarer Vorgesetzter, dem ich solches 
vortrug, stand ja selbst auch unter dem Zwang und Druck. Ja, wahrscheinlich 
mehr noch als ich selbst. Denn der Grad seines Wissens an Geheimvorg„ngen, 
war sicherlich ungleich gr”áer als meiner. In dem Maá ich die Nutzlosigkeit einer 
pers”nlichen Opposition gegen diesen Druck erkannte, in dem Maáe fgte ich 
mich, nach dem Prinzip des Gummiballes diesem Zwang, und erkannte ihn 
schlieálich als eine Art Gesetzm„áigkeit, der ich mich nicht zu entziehen 
vermochte, an. Ich lebte in einem Zustand, in dem man sich mit dem Neuen 
schwer zurecht fand, denn es k„mpften in mir die Produkte genossener Erziehung, 
mit dem Totalit„tsanspruch der neuen, freiwillig gew„hlten Fhrer. Freilich, im 
Augenblick dieser Wahl, ahnte ich nicht ihre umfassenden Forderungen an meine 
Gesamtperson; an meine physische und psychische Pers”nlichkeit.
Und so konnte ich schlieálich froh sein, wenn ich mir, alles in allem, doch noch 
eine gem„áigte - brgerliche Form und Art, die sich niederschlagsm„áig in 
meiner T„tigkeit darbot, bewahrte. Denn ich lebte in einer Umgebung, in der die 
Žsthetik der Toleranz dahin schwand, wie der Schnee in der M„rzsonne.
Ich hatte es innerlich dazu gebracht, daá ich (Fortsetzung n„chste Seite im 2. 
Drittel)/  nicht einmal fr meinen tagt„glichen Brokram in der Aktenbearbeitung 
Entscheidungen zu treffen brauchte. Wegen jedes Detailfalles, stand mir jederzeit 
der Weg zu meinem Amtchef offen. Pers”nlichen inneren Belastungen konnte ich 
dadurch aus dem Wege gehen. Ich ging diesen Weg seit meiner, gegen meinen 
Willen befohlenen Versetzung. Meine diesbezgliche Gepflogenheit war 
referatsbekannt und darber hinaus. /anderthalb Zeilen unleserlich gemacht/ Hatte 
ihn mein Chef entschieden, dann selbstverst„ndlich traf ich die angeordneten 
sicherheitspolizeilichen Vorkehrungen. Dazu war ich ja eidlich verpflichtet.
So gerne ich im Nachrichtendienst t„tig war,
						Fortsetzung siehe Seite 131!

				/189-190/				AE: 131
so l„stig war mir der exekutive Teil des Polizeidienstes.
So sehr ich die Befehlsgebung der deutschen Reichsregierung aus Sorge um das 
Reich, mit stets pessimistischerer Betrachtung beobachtete, egal ob es sich um die 
mir unn”tig erscheinenden Serien der Kriegserkl„rungen handelte, oder um 
Befehle im Hinblick auf die Judenfrage, mmir blieb in anbetracht meines 
Dienstgrades als SS-Oberstleutnant und meiner Dienststellung als Referent, als 
Befehlsempf„nger also, nichts anderes brig, als zu gehorchen. Die 
Verantwortung hatten die verantwortlichen politischen Fhrungsstellen und die 
”rtlichen und sachlichen Befehlsgeber dieser Reisspitzen zu tragen.
Ich war eingespannt, und konnte auf legalem Wege nicht anders marschieren; 
gleich tausenden anderen Oberstleutnanten. Mochten die anderen Tun(sic), was 
sie glaubten; ich konnte sie nicht hindern; ich hatte es auch nicht zu verantworten.
Meine Aufgabe war es, meinem Fahneneid getreu zu bleiben und wie ich es eben 
wieder geh”rt hatte, meine Pflicht dort zu tun, wohin der Befehl mich stelle. 
/3 Zeilen unleserlich gemacht, ersetzt durch Text von Seite gegenber:
Aber eines erkannte ich jetzt mit aller Deutlichkeit, daá das ,handeln máen" 
nach einem dem Menschen innewohnenden Sittengesetz fr mich schwer, wenn 
nicht unm”glich wurde, bedingt durch die Gesetze des Krieges, denen ich 
unterworfen war und die mich willen- und wollensm„áig, entgegen meiner 
inneren Auffassung, banden und unfrei machten.
Freilich erkannte ich dieses bereits ab der Zeit meiner Versetzung zum Geheimen 
Staatspolizeiamt, im sp„therbst 1939; jedoch nicht mit der jetzigen 
erschreckenden Deutlichkeit. Denn ich lebte bis zum Herbst 1941 in dem Wahn 
einer politischen L”sungsm”glichkeit. Daá solches eine Wahnvorstellung 
meinerseits war, dies muáte ich nunmehr erkennen.
Und ich erkannte auch, daá sich die damaligen Fhrer des Reiches um sittliche 
Forderungen nicht kmmerten; schon gar nicht um Kantásche Auffassugnen von 
den Dingen. Sie scherten sich den Teufel darum. Ihre Einstellung glat alleine nur 
noch dem Augenblick und selbst da versagten sie infolge Plan- und 
Ideenlosigkeit, und verloren im sinnlosen Hin und Her, jede Initiative des 
Handelns auf dem Sektor der Kriegsfhrung.
Aber auch auf der anderen Seite, auf der Seite verschiedener Fhrungsmitglieder 
der verschiedenen damaligen Feindseiten, kann man keinesfalls fr sich in 
Anspruch nehmen, etwa ethisches Wollen, fr sich gepachtet zu haben.
Die Politik ist und bleibt eine ganz gew”hnliche Hure.  (Fortsetzung siehe Seite 
131a und b)!

					/192/				AE: 131a
Nicht daá ich heute etwa dem verlorenen Kriege nachtrauern wrde. Ich stehe seit 
langem ber meiner diesbezglichen Nachkriegseinstellung.
	Mein einziges Wollen w„re, Kriege und deren unausbleibliche Folgen, 
unm”glich zu machen. Aber wenn ich die Dinge von damals beschreibe, dann 
muá ich mich rckversetzend zu ihnen einfinden. Ich muá sie gleichsam noch 
einmal erleben und durchleben, damit ich sie hier wiedergeben kann.
Ich stehe auch heute noch auf dem Standpunkt daá der Krieg dem deutschen Volk 
ursprnglich aufgezwungen worden ist. Wirtschafts und Konkurrenzneid standen 
hier Pate. Ich bin mir aber dessen nicht sicher, daá er unvermeidbar gewesen 
w„re, h„tte unsere eigene Regierung ein anderes Verhalten gezeigt. Sicher bin ich 
mir hingegen, daá der Krieg seine Ausweitung durch Dummheit und Verkennung 
aller Realit„ten seitens unserer eigenen Fhrung erfuhr; dies kommt noch zu allem 
brigen dazu. -
Und so teilte sich das deutsche Volk nach und nach in mehrere Gruppen, 
zus„tzlich zu denen, welche ohnedies schon bestanden.
Diejenigen, deren Ausrichtung und Einstellung rein trieblich bedingt war; ihre 
Problemstellung war einfach und umkompliziert.
Diejenigen, welche „uáerlich wohl mitgingen und eidgetreu den Befehlen 
gehorchten; innerlich aber Distanz nahmen, aus Grnden die ich eben schilderte. 
Und drittens diejenigen, welche sich nunmehr sowohl innerlich, als auch „uáerlich 
distanzierten, ja sabotierten.  
/folgende Zeile angefangen, gestrichen/

					/193/				AE: 131b
Die Konsequenz dieser Uneinheitlichkeit bei den Befehlsempf„ngern fand 
letztlich in einem geringeren Durchstehverm”gen seinen sichtbaren Ausschlag. 
Daran „ndert auch nicht die haltung der Zivilbev”lkerung in den Zentren der 
Bombenschlachtfelder und nichts der Opfermut einzelner Divisionen und 
Armeen; auch nichts „nderte daran die sture eidgetreue Einstellung der 
Kriegsmarine und Fliegergeschwader. Es griff allenthalben, nach und nach, eine 
Dekonzentration, eine Zerstreuung Platz, als genaues Spiegelbild, des Verhaltens 
der Fhrung des Reiches. Sie glaubte in ihrer šberheblichkeit, in Zeiten des 
Krieges Maánahmen durchfhren zu k”nnen, die unter normalen Zust„nden 
unm”glich gewesen w„ren und bedachte - von allem sonstigen jetzt einmal 
absehend - nicht die unausbleiblichen psychologischen Folgen.
Ich geh”rte nicht zu der Gruppe, die sclieálich zu einem ,20. Juli 1944" fhrte; 
ich geh”rte nicht zu der rohesten Gruppe, deren innere und „uáere Einstellung 
gleich blieb. Ich z„hlte zu jenen, die „uáerlich gehorchten, nichts taten was sie mit 
ihrem geleisteten Eid in Konflikt brachten(sic) und ehrlich und aufrichtig dienten 
und ihre befohlene Pflicht erfllten. Durch die innere Einstellung jedoch kam es 
zu einer Art Pers”nlichkeitsspaltung; ein Zustand der hinderte. Ein Zustand, der 
jeden Schwung und jeden Elan t”ten muáte. Ein Zustand, unter dem der einzelne 
mehr litt als er jemals zugeben wollte, oder zugab. Und er bet„ubte sich selbst, 
durch ,Pflicht" und ,Eid"; und ,Treue" und ,Ehre".
/S. /191/ war plaziert gegenber Seite 131a, dort allerdings kein Verweis darauf. 
Der gestrichene Abschnitt im unteren Drittel ist teilweise noch lesbar: . in der 
bloáen Existenz der Gattung Mensch zu erblicken, besser gesagt, ich zweifelte in 
solchen Momenten daran, daá die Natur einen solchen je erwog. Dann aber muáte 
ich solche Gedanken wieder verwerfen, denn die Gesetzm„áigkeit der Natur kennt 
nicht den Zufall und kennt nicht gewollten Verderb. Wir Menschen sind es 
ausschlieálich selbst, die dem Natrlichen in's Handwerk pfuschen wollen./ 
/zurck auf Seite 131, nach 3 unleserlich gemachten Zeilen:/
Aber abgesehen davon gleichgltig, was es fr ein Staat ist: Verr„ter und 
Befehlsverweigerer, Saboteure und Selbstverstmmler erfahren in Zeiten des 
Krieges,

					/194/				AE: 132
seitens der Staatsfhrung jene Behandlung, /2 Zeilen unleserlich gemacht/ die auf 
Fahneneidbruch steht.
Mir ist auch nicht bekannt geworden, daá sich daran selbst nach 1945 etwas 
ge„ndert h„tte und die auch nach diesem Jahre vorgekommenen Verbrechen an 
der Menschlichkeit, Kriegsverbrechen und andere Greuel, sind Leion. Und dies 
trotz Magna Carta, UNO und anderen Sicherungsbestimmungen. Menschliche 
Unzul„nglichkeit, heute und gestern, wohin man auch sieht. Nichts hat sich 
ge„ndert.
Aber nicht die Taten unserer seinerzeitigen Machthaber will ich damit 
besch”nigen. Ich diene in dieser Arbeit niemandem; und ich besch”nige nichts. 
Wie ich berhaupt durch meine Erfahrung jeden besonderen Obrigkeitsrespekt 
verloren habe.
/Abschnitt von 10 Zeilen unleserlich gemacht/
Frwahr, ich schreibe zu niemanden Lob und mir ist es egal, ob meine arbeit 
gelesen, egal, ob sie gelobt oder verdammt wird.
/2 Zeilen unleserlich gemacht/
Ich will nur warnen. Und warnende Worte sind weder Honig noch Milch. Sie sind 
drr und trocken wie die Dornenbsche der Pampa, oder wie bleichende Knochen 
in der Wste.
				______________

				/195-196/				AE: 133
/auf S. 195 oben steht nur: groáer Absatz!/
	
Die Leute selbst, die ich an den Stellen der T”tung oder mit 
Vorbereitungsarbeiten zu dieser sah, waren durch die Einschaltung der ,Kanzlei 
des Fhrers" zur Verfgung gestellt worden.
Der Oberdienstleiter Brack von dieser Kanzlei, dessen Name in einigen 
Dokumenten, welche w„hrend des Prozesses gegen mich, auch aufscheint, hatte 
diese Angelegenheit mit Himmler selbst direkt geregelt. Er hatte die T”tung der 
Geisteskranken durchzufhren gehabt und bot nach Beendigung seiner T„tigkeit 
das Personal, welches ihm zur Verfgung stand Himmler an, worauf Brack dieses 
Globotnigg zur Verfgung stellte. Wirth war urspr„nglich Beamter der mittleren 
gehobenen Laufbahn, an einer Kriminalpolizeistelle im Sdwesten des Reiches. 
Ich sah ihn in der Uniform eines Offiziers der Ordnungspolizei und w„hrend des 
Prozesse zeigte mir mein Verteitiger(sic) eine Photographie, die ihn als SS-
Sturmbannfhrer wiedergab. Wirth leitete die Vergasungst”tungen im 
Befehlsbereich Globocniggs.	

In Kulm wiederum, hing in dieser Sache der Gauleiter und Reichsstatthalter 
Greiner pers”nlich. Er korrespondierte diesehalb mit Himmler. /am Rand Ziffer 
33/ Bothmann, der Leiter der Vergasungsstelle Kulm, kam ebenfalls aus dem 
Euthanasiestab Bracks, von der ,Kanzlei des Fhrers", genau wie Wirth.

					/197/				AE: 134
Aber auch das Reichssicherheitshauptamt war den T”tungen durch Auspuffgase 
direkt beteiligt, wie dies w„hrend des Prozesses vorgelegte Dokumente 
einwandfrei bewiesen haben. Aber es war nicht das Amt IV, welches hier seine 
Finger drin hatte, sondern das Amt II. Ein ganzes Bndel an Schriftverkehr liegt 
hier vor. Diese Omnibusse wurden fr den vorgesehenen Zweck durch das Amt II, 
entsprechend umgebaut und dann zu den Einsatzgruppen nach dem Osten 
geschick. Dies besagen die Dokumente mit aller Deutlichkeit.	

Es wird mit nie erkl„rlich werden, warum Mller mich mit einer sturen 
Gleichf”rmigkeit in jener eit von Ort zu Ort der T”tungen schickte, obgleich er 
meine jeweilige Verfassung nach Rckkehr zur Berichterstattung kannte. 
Obgleich er wuáte, daá mit eben derselben Sturheit meinerseits die Bitte um 
Transferierung kam, obzwar auch ich wuáte, daá mit eben derselben Automatik 
nicht darauf eingegangen wurde. Mller hatte sicher mit den Gaswagen pers”nlich 
nichts zu tun. Und wen ein zeitweiliger formeller Zwischenvorgesetzter auf dem 
Dienstweg zwischen mir zu Mller, mit Namen Hartel, nach 1945 in Nrnberg 
sagte, Mller habe ihn nach dem Osten geschickt, um ,hart" zu werden, und als er 
Kommandos zum Erschieáen aus pers”nlichen oder nervlichen Grnden nicht 
bernehmen konnte, ihm	

				/198-199/				AE: 135
erkl„rt, er máe eigentlich nicht ,Hartel", sondern ,Weichel" heiáen, so kann ich 
dies nur schwer glauben.
Unter Ausrichtung auf diese Aussage, frug mich der Generalstaatsanwalt im 
Kreuzverh”r, ob Mller mich auf Grund meiner Berichterstattung nicht auch statt 
,Eichmann" mit ,Weichmann" bezeichnet habe; ich muáte diese Frage verneinen.
Mller hat auch diesen Einsatzgruppen nicht die T”tungsbefehle gegeben; diese 
Befehlsgebung nahm Heydrich vor, wie aus den Aussagen der Einheitschefs ganz 
klar hervorgeht. Nie gab mir Mller irgendwelche Befehle fr die Kommandos 
die zu besuchen er mir befahl. Nichts anderes als zu seiner pers”nlichen 
Unterrichtung wurde ich in Marsch gesetzt. Wie gesagt, es wird mir ewig ein 
R„tsel bleiben, warum er mich dazu ausersah, wo es Dutzende konstitutionell 
robustere Naturen als mich, gab. 
/Zusatz von Seite gegenber: Ich will meinen ehemaligen Vorgesetzten weder 
entlasten, noch belasten mit Dingen, von denen ich nichts Genaues weiá. Eine 
Entlastung ist bei seinen gehabten Zust„ndigkeiten ohnehin nicht m”glich und 
eine Belastung berlasse ich den Dokumenten denn da steht alles viel genauer 
verzeichnet, so genau, wie es mir nach inzwischen vergangenen rund 20 Jahren, 
nicht mehr m”glich ist, die Dinge wieder zu geben./
Aber es hat auch keinen Zweck ber solche Dinge heute nachzudenken; 
Geschehenes kann man nicht ungeschehen machen. Ich bekam den Befehl und 
hatte die Berichterstattungsreisen anzufhren(?).
Daher schicke ich mich zur Schilderung der n„chsten Inmarschsetzung meiner 
Person nach Minsk an.
Es war um dieselbe Zeit, etwa Januar 1942, als ich die Weisung erhielt ihm ber 
die Vorg„nge in der genannten

					/200/				AE: 136
Stadt zu berichten. Es war bitterkalt und ich trug einen langen, geftterten 
Ledermantel und nahm mir die entsprechende Alkoholreserve mit, denn ohne 
dieser konnte ich diesen Befehlen nur unter stetigem Sinnieren nachkommen. Der 
Alkohol aber schuf einige Bet„ubung. Es ist klar, daá der Grad, nie zur 
Trunkenheit heranlangen durfte, denn ich fuhr ja in Uniform mit Fahrer, in einem 
Polizeifahrzeug. Aber es ist erstaunlich, welche Alkoholmengen der Mensch bei 
aufgepeitschten Nerven braucht, um sie einigermaáen in Rand und Band zu 
halten. Freilich w„re Schnaps besser gewesen als Rotwein, aber Schnaps trank ich 
nur, wenn Wein nicht erh„ltlich war.
Ich kam an einem Abend an. Und am n„chsten Tag hatte ich mich versp„tet. Die 
mir genannte Stunde war l„ngst berschritten, so kam ich erst zur Stelle, als die 
letzte Gruppe erschoáen wurde.
Als ich den Exekutionsort anfuhr, knallten die Schtzen in ununterbrochenem 
Dauerfeuer in eine Grube vom Ausmaá mehrere groáer Zimmer. Sie schossen mit 
Maschinenpistolen. Angekommen sah ich eine jdische Frau mit einem kleinen 
Kind in den Armen in der Grube. Ich wollte das Kind herausreiáen, aber da 
zerschlug eine Kugel den Kopf des

				/201-202/				AE: 137
Kindes. Mein Fahrer wischte mir vom Ledermantel kleine Gehirnstcke. Ich stieg 
in meinen Wagen. -
Berlin, sagte ich meinem Fahrer. -
Ich aber trank Schnaps, als sei es Wasser. Ich muáte trinken.
Ich muáte mich bet„uben.
Und ich dachte an meine eigenen Kinder; um jene Zeit hatte ich zwei.
Und ich dachte ber den Unsinn des Lebens nach. 
/3 Abschnitte unleserlich gemacht, ersetzt durch Text von Seite gegenber:
Und ich fand keine Ordnung mehr, im Wollen und Willen des Waltens. Es war 
unsagbar schwer, in diesem Chaos berhaupt noch an etwas zu glauben./

				/203-204/				AE: 138
Und ich stellte mir vor, als sei daá(sic), was die christlichen Konfessionen mit 
H”lle bezeichnen, nicht etwas Knftiges, mit dem sie die Menschen verwarnen, 
sondern es konnte nur so sein, daá wir uns samt und sonders bereits in dieser 
,H”lle" befanden. 
/gute 12 Zeilen unleserlich gemacht, ersetzt durch Text von Seite gegenber:
Es war die einzige Erkl„rung.

Glaube und Liebe; Ethik, Žsthetik; die ganze Erziehung; alle Sorge und Hoffnung 
legten die Eltern in ihr hinein.
Das denkende Hirn machte sodann den eigenen Versuch der Vorstellungsformung 
im Rahmen der passenden M”glichkeit. Es fand dazu untere anderem die Brcke 
und Hilfe, in Kant. /6 Zeilen bis Ende der Seite unleserlich gemacht/

					/205/				AE: 139
Wie konnte ich all dieses einpassen und in Gleichklang bringen, zu dem was ich 
sah? Es war zum verzweifeln.
Aber die šberlegungen gingen noch weiter.
Der Grund meines innneren Anschluáes an die Partei, war das Unrecht. Es war 
das Diktat von Versailles. Und jetzt brachten wir selber das Unrecht in vielfacher 
Form. Das Oberhaupt des Staates pers”nlich befahl es.
Meine eigenen Gerichtsherren und der h”chste Gerichtsherr der SS- und 
Polizeigerichtsbarkeit, befahlen dies alles, und sie befahlen auch mir.
/11 Zeilen unleserlich gemacht/

Und hier versuche nun einer mal Ordnung zu machen und all diese vielen, 
divergierenden Komponenten auf eine innerlich beruhigende Resultante zu 
bringen. Es ist ein Ding der Unm”gkeit(sic).
					/206/				AE: 140
In solche ein inneres Gestrpp brachte einen die damalige Reichsfhrung. Im 
Nachhinein ist es fr Dritte immer leicht reden. Aber was h„tten sie selbst in einer 
solchen Lage getan?
Ist der Motor eingeschaltet und sind die Wellen gekuppelt, dann máen die R„der 
laufen, egal ob der Schlauch, die Seele des Reifens, platzt, egal ob selbst der 
Reifen zerfetzt wird, sie máen laufen, und wenn es nur noch auf zerschlagenen 
Felgen dahingeht; solange, bis der Motormann anderen Sinnes wird, oder der 
Wagen zum Teufel geht.
Mit einem solchen Rade bin auch ich vergleichlich; sind viele vergleichlich. Aus 
eigener Kraft kann solch ein Rad nicht abspringen, selbst wenn es merkt daá bei 
dem Motormann nicht mehr alles in Ordnung sein kann.
Dies ist das Los der Befehlsempf„nger. Nun ich's nicht „ndern konnte, tat ich das 
einzige, was ich tun konnte. Gehorsam fhrte ich die mir erteilten Befehle aus. 
W„re Frieden gewesen, dann w„re es leichter fr mich meine Lage zu „ndern, im 
Vergleich zu dem totalit„ren Anspruch des Staates, auf die Person, die er in 
Kriegszeit erhebt; gleichgltig, was er befiehlt.
				_______________
					/207/				AE: 141
				-(15)-
	Ich muá nun abermals zeitlich wieder etwas zurckschalten, und nocheinmal 
das Jahr 1941 beleuchten.
Die von Himmler befohlenen Deportationen erstreckten sich von zeitweiligen 
Unterbrechungen abgesehen auch in dieses Jahr hinein. Aus Ostpreuáen, und zwar 
aus jenem neu zu dieser Provinz hinzu gekommenen Kreisen, aus dem 
Warthegau, ja auch sogar aus Wien.
Ich habe ein Fernschreiben vor mir liegen, welches am 13. Februar 1941 an alle 
Staatspolizeistellen auáer Wien ausging, und von mir unterschrieben wurde.
Es heiát darin u.a.:
,Betrifft: Evakuierung der Juden aus Wien in das Generalgouvernement. In 
Anbetracht der besonders gelagerten Verh„ltnisse in Wien, hat der Fhrer die 
Evakuierung der in Wien ans„áigen Juden angeordnet.
Die Staatspolizeistelle Wien hat (bereits) am 1. Februar 1941, eine Verfgung 
erlassen, nach der Juden, die in Wien ihren st„ndigen Wohnsitz haben, das 
Gaugebiet Wien nicht verlassen drfen."

Diese Hitlerverfgung hatte sich gem„á einer Aussage Baldur von Schirachs, des 
ehemaligen Gauleiters von Wien, anl„álich einer Vorsprache, die er bei Hitler 
hatte, ergeben. Daher auch konnte die Staatspolizeistelle Wien - Gauleiter, 
Reichsstatthalter und Oberpr„sidenten hatten gegenber ihren ”rtlichen Stellen 
Weisungsrecht - eine

					/208/				AE: 142
Sperrverfgung fr ihren Zust„ndigkeitsbereich erlassen, ehvor noch das 
Reichssicherheitshauptamt hiermit befaát wurde. /am Rand Ziffer 34/
	Aber am 15. M„rz muáten bereits s„mtliche Evakuierungstransporte aus den 
eingegliederten deutschen Ostgebieten, bzw. Wien, in das Generalgouvernement 
eingestellt werden. Die Operationsabteilungen des deutschen Generalstabes, 
wnschten fr ihre Aufmarschpl„ne gegen Ruáland in den Bereitstellungsr„umen, 
freie Hand zu haben, und durch keinerlei sonstige Transportbewegungen gest”rt 
zu werden.
Mller unterzeichnete den entsprechenden Einstellungsrunderlaá. /am Rand Ziffer 
35/

	Im Juli 1941 schickte G”ring, in seiner Eigenschaft als Reichsmarschall, als 
Beauftragter fr den Vierjahresplan und als Vorsitzender des Ministerrates fr die 
Reichsverteitigung(sic), an Heydrich eine Bestallungsurkunde, die ihn 
erm„chtigte alle erforderlichen Vorbereitungen in organisatorischer, sachlicher 
und materieller Hinsicht, fr eine Gesamtl”sung der Judenfrage im deutschen 
Einfluágebiet in Europa zu treffen. Er wnschte diesbezglich in B„lde einen 
Gesamtentwurf vorgelegt zu erhalten. /am Rand Ziffer 36/
	Die Bemhungen Heydrichs, den euro„ischen Auftrag zu erhalten, hatte(sic) 
insoferne ihre Schwierigkeiten, als sein diesbezglicher Nebenbuhler, der 
deutsche

				/209-210/				AE: 143 a
Reichsauáenminister, auf diesem Gebiete ohne jeden Zweifel, seine nicht 
abzusprechenden federfhrenden Zust„ndigkeiten nachweisen konnte. Es hatte 
zwischen Heydrich und Ribbentrop ohnedies schon gengend Miátrauen gegeben, 
seit der Madagaskarplan wieder einmal aktuell wurde. /Zusatz von Seite 
gegenber: 143a
Obwohl mir aus eigener Erfahrung bekannt ist, wie sehr die Zentralinstanzen 
bemht waren, auf ihrem Gebiet auch s„mtliche Zust„ndigkeiten im Falle einer 
Madagaskar-Verwirklichung in ihre H„nde zu behalten, so habe ich nie etwas 
davon geh”rt, daá der Chef der ,Kanzlei des Fhrers", Philip Bouhler, zum 
gouverneur dieser Insel vorgeschlagen worden w„re, noch daá irgend jemand aus 
der Kanzlei des Fhrers, hier unmittelbare diesbezgliche Wnsche oder 
Hoffnungen hatte. Es war dieses ausschlieálich ein Kampf zwischen Heydrich 
und Ribbentrop. Die anderslautende Darstellung des Oberdienstleiters Brack von 
der "Kanzlei des Fhres", die er im Jahre 1947, in Nrnberg abgab, ist sicherlich 
nur aus Verteitigungsgrnden(sic) abgegeben worden. Hingegen weiá ich mit 
Sicherheit, daá es insbesonders die ,Kanzlei des Fhrers" war, welche laufend 
Versch„rfungspunkte eingebaut wissen wollte und daá sie es war, welche meine 
ursrpngliche Madagaskar-Konzeption umkrempelte. Bouhler hat im Mai 1945 in 
Zell a/See im Salzburgischen (™sterreich) Selbstmord begangen und Brack wurde 
1948 in Landsberg hingerichtet./
Heydrich jedenfalls brachte seine Zust„ndigkeitsrechte fr diese 
Madagaskarl”sung durch eine schriftliche Versicherung der hierfr zust„ndigen 
Reichsspitze, G”ring, zu erhalten und bekam sie.
Von der diesbezglichen Idee Heydrichs, bis zur vollzogenen Unterschrift, 
vergingen Monate. Es ist falsch, annehmen zu wollen, daá derartige Vollmachten 
gewissermaáen im Schnellverfahren so zwischen Tr und Angel erledigt wurden. 
Heydrich muáte hier erst seinen Boden pr„parieren.
Wochen sp„ter erst, wurde das Madagaskarprojekt durch den deutschen 
Botschafter in Paris, Abetz, der neue Vorschl„ge machte, endgltig zu Grabe 
getragen. Doch davon soll sp„ter die Rede sein, wenn ich auf Frankreich zu 
sprechen komme.
Aber diese G”ring'sche Formulierung paáte auch afu den neuen Pariser 
Vorschlag, os daá sie keinerlei Žnderung zu erfahren brauchte.
Offiziell wurde das Madagaskar-Projekt erst Anfang 1942 zu den Akten gelegt.
Im Herbst 1941, genauer gesagt, ab Oktober, wurde das Deportationsprogramm, 
welches

					/211/				AE: 144
durch die milit„rischen Operationsvorbereitungen zum Feldzug gegen Ruáland 
unterbrochen werden muáten, von oben wieder angekurbelt und die 
Wiederinangriffnahme befohlen.
Die erste Welle bestand aus zusammen 20.000 Juden aus Berlin, Wien, Prag, 
K”ln, Hamburg, rankfurt, Dsseldorf und Luxemburg.
Mein Referat erhielt die Deportierungsst„tten, die Zahlen der aus diesen 
Bereichen zu deportierenden uden, und den Termin genannt. Es wurde befohlen 
wer deportiert werden muáte und welche Personenkategorien nicht evakuiert 
werden durften. Himmler selbst befahl sogar den Umfang des zuzulassenden 
Gep„ckes. Als Aufnahmeort hieá es, besetzte russische Gebiete oder 
Litzmannstadt; eine Konzession an die fahrplantechnisch zust„ndige Beh”rde, 
also an das Reichsverkehrsministerium. Es war dies das erste und auch 
gleichzeitig letzte mal, daá eine solche M”glichkeit zugelassen wurde. In alle 
Zukunft wurde dann stets nur noch eine einzige Zielstation befohlen.
Denn folgendes trug sich zu:
Kurz ehvor der Befehl zur Vorbereitung zu dieser ersten groáen Judendeportation 
- wenn von der Deportation aus Stettin Anfang 1940 abgesehen werden soll - 
ergangen war, kam ich aus dem Befehlsbereich Globocnigg, aus Lublin zurck. 
Ich sah dort die Vorbereitungen

				/212-213/				AE: 145
zur Judent”tung. Ich hatte auch von den Erschieáungen in den besetzten 
russischen Gebieten gelesen. Wenngleich ich der Annahme war, daá den Juden 
aus dem Reich nicht das gleiche Schicksal zugedacht wurde, - ich glaubte dies aus 
dem Inhalt der befohlenen Richtlinien zu entnehmen -, so wuáte ich aber ganz 
bestimmt, daá im Groághetto Litzmannstadt, bisher von solchen Dingen 
berhaupt noch keine rede war. Also wurden die Fahrpl„ne fr Zielstation 
Litzmannstadt zurecht gemacht, und seitens des Reichsverkehrminiseriums 
erstellt.
Dem voraus aber muáte die Einverst„ndniserkl„rung des zust„ndigen 
Hoheitstr„gers ber Litymannstadt eingeholt werden. Ich verhandelte mit dem 
zust„ndigen Mann des Regierungspr„sidenten šbelh”r /Schreibung des Namens 
auf Seite gegenber verdeutlicht/. Mit welchen kleinen Tricks ich sein halbes oder 
dreiviertel Einverst„ndnis erzielte, weiá ich heute nicht mehr. Es ist wahr, daá ich 
den alleine darber verfgenden Regierungspr„sidenten pers”nlich nicht 
aufsuchte, da mir seine ablehnende Einstellung, Juden aufnehmen zu wollen, 
bekannt war.
Der Fahrplan war fertig; vielleicht war sogar schon ein Zug in das Ghetto 
angekommen, ich weiá dies heute auch niciht mehr; da schrieb šbelh”r ein 
geharnischtes Fernschreiben an das Reichsinnenministerium und andere 
Zentralinstanzen, beschwerte sich ber 

					/214/				AE: 146
mich, daá ich wie durch ,Roát„uscher oder Zigeunermethoden" berfahren h„tte 
und verlangte Einstellung der Transporte und meine Bestrafung.
Die Sache ging bis zu Himmler, nachdem sich auch das Heeresoberkommando 
auf Seite des Regierungsprasidenten mit einschaltete, da es fr die 
Rstungsindustrie angeblich bangte, welche im Ghetto aufgezogen wurde; sie 
verlangten, die Juden sollten nach Warschau transportiert werden. Himmler 
schrieb dem Oberkommando, daá es dabei bleibe und Heydrich teilte dem 
Regierungspr„sidenten mit, daá die Juden nach Litzmannstadt k„men, und daá 
ferner eine Bestrafung meiner Person nicht erwogen werde, da ich Befehl hatte.
Aber wie gesagt, in Zukunft wurde mir nie wieder die Wahl zwischen einigen 
Zielstationen berlassen, sondern sie wurden in der knappen milit„rischen Form, 
wie das brige auch, befohlen. (am Rand Ziffer 37/

Ende Oktober bereits folgte solch ein n„chster Befehl, n„mlich 50.000 Juden aus 
dem Gebiet des Groádeutschen Reiches einschlieálich dem Protektorat B”hmen 
und M„hren in die Gegend von Minsk und Riga zu schaffen. Die Akion sollte bis 
Ende November abgeschlossen sein. /am Rand Ziffer 38/ Aber einmal begann sie 
versp„tet und die Zahl betrug 30.000

					/215/				AE: 147
Hier also wurden neben der Anzahl, Deportationsgebiete, und Termin innerhalb 
welcher die Deportation durchgefhrt sein muá, auch das Aufnahmegebiet 
genauest befohlen. Es war dies die zweite groáe Evakuierungswelle aus dem 
eigentlichen Reichsgebiet. Ich habe im Quellenverzeichnis auch ein Dokument 
mit angefhrt, welches als Beweisstck der Anklage dem Gericht vorgelegt 
wurde, und sich unter anderen mit dieser Deportation befaát, aber ich muá dazu 
sagen, daá mich der Inhalt desselben befremdet, so wie ich es schon bemerkte, als 
ich die Grndung des Theresienst„dter Ghettos behandelte. Denn erstens zeigt das 
Dokument keinen Briefkopf auf, keine Buchnummer, kein Signum, keine 
Unterschrift oder Dienstsiegel. Wer es geschrieben hat, ist also nicht ersichtlich.

Bei dieser Gelegenheit komme ich auf ein anderes merkwrdiges Dokument 
zu sprechen. Das sogenannte ,Wetzel-Schreiben". Dr. Wetzel war 
Amtsgerichtsrat. Er machte in den Jahren 1941 auf 1942 im Rosenberg'schen 
Ostministerium Dienst, in einer juristischen Abteilung. Es existiert ein 
Dokumentensatz, der folgendermaáen aussieht:
Eins.) ein handschriftlicher Entwurf
Zwei.) ein maschinengeschriebener Klartext
Drei.) ein maschinengeschriebner Entwurf
Vier.) ein maschinengeschriebenes Schreiben an eine Dienststelle des 
Ostministeriums.
  Keines der vorgenannte Dokumente tr„gt eine Unterschrift oder Signum.

				/216/				AE: 148
Der Briefentwurf, Entwurf und Klartext gehen zurck auf den handschriftlichen 
Entwurf. Demzufolge h„tte Dr. Wetzel mit dem Oberdienstleiter Brack von der 
,Kanzlei der Fhrers" verhandelt, wegen der Vergasung der Juden. Es steht nicht 
so deutlich geschrieben, aber es ist der unmiáverst„ndliche Sinn.
Es sind einige Wortlcken freigelassen, manche Wortreste nur angedeutet. Ich 
weiá nciht, wie das Original dieses Entwrufes aussieht, ich hatte nur eine nicht 
immer deutliche Ablichtung vor mir. Aber unschwer ist unter dem 
Vergr”áerungsglas zu erkennen, daá niemals mein Name und Dienstgrad, sowie 
Dienststelle geschrieben sind, wie dies der Klartext dann pl”tzlich verzeichnet. 
Ich habe es vor Gericht als ein einwandfreies Falsifikat, wenigstens soweit es 
mich betrifft, bezeichnet und die Empfehlung anheimgestellt, das Original oder 
die Ablichtung durch einen Fachmann untersuchen zu lassen. Abgesehen davon, 
habe ich nie ber solche Dinge verhandelt.
Auf diese Art hatte sich die Literatur in den letzten 1 « Jahrzehnten dieser Sache 
angenommen und man konnte dann lesen wie: , Vorschlag Eichmann, Vergasung 
der Juden, u.„.m."
So also kommen M„rchen zustande. /der folgende Satz, einschlieálich einiger 
W”rter auf der neuen Seite, unleserlich gemacht/

					/217/				AE: 149
Die israelische Polizei hat mir fairerweise diesen handschriftlichen Entwurf 
ebenfalls vorgelegt; ohne diesen h„tte ich heute keine M”glichkeit gehabt, die 
zwar nicht signierten, gesiegelten oder unterschriebenen Schreiben, welche eben 
nur maschinengeschriebene Entwrfe darstellen, zu entkr„ftigen, insoweit es sich 
um meine Person handelt. /am Rand Ziffer 39/
Es kann nicht anders sein, als daá irgend jemand, lange ehvor die israelischen 
Beh”rden diese Dokumente besaáen - ich nehme an, in den ersten 
Nachkriegsjahren - zu solch einer merkwrdigen Handlung schritt.

/die ersten 3 Zeilen des neuen Abschnitts gestrichen, noch lesbar: Heydrich hatte 
bekanntlich durch G”ring im Juli 1941 die Vollmacht erhalten, die europ„ische 
Judenfrage ,in einer den/

Heydrich hatte von G”ring den Auftrag, alle erforderlichen Vorbereitungen fr 
eine Gesamtl”sung der Judenfrage, im deutschen Einfluágebiet in Europa zu 
treffen.
Als Auftakt plante er eine Besprechung mit allen Staatssekret„ren, der in Frage 
kommenden Zentralinstanzen.
Himmler hatte zwar fr die besetzten russischen Gebiete gem„á des Hitler-
Befehles, den ich aus Heydrichs Munde vernahm, die physische Vernichtung der 
Juden bereits seit Monaten anlaufen lassen. Und eben hatte ein Spezialkommando 
im Warthegau auch schon damit angefangen. Auch Globocnigg

					/218/				AE: 150
bereitete, im Generalgouvernement die Vernichtung der Juden gem„á der 
Befehlsgebung Hitler-Himmler, vor.
Der Madagaskarplan war tot. Und am 20. Januar 1942 fand unter Heydrichs 
Vorsitz im Geb„ude der ,Internationalen-Kriminalpolizeilichen-Kommission", 
Am Groáen Wannsee bei Berlin die Mehrmals verschobene Besprechung statt.
Ich hatte mit einer Stenotypistin das Protokoll zu erledigen, nachdem ich 
schon Wochen vorher, Heydrich, das fr seine Rede ben”tigte zahlenm„áige 
Unterlagenmaterial besorgen muáte.
Der Staatssekret„r des Reichsinnenministeriums, Dr. Stuckart, der sonst so 
vorsichtige und abw„gende Beamte, ging an diesem vormittag sehr forsch an das 
Werk, indem er knapp und formlos erkl„rte, die ,Zwangssterilisierung" und die 
gesetzlich noch zu erlassende Anordnung ,Mischehen sind geschieden", sei die 
einzige L”sungsm”glichkeit des Mischehen- und Mischlingsproblems.
Auch Luther vom Ausw„rtigen Amt, der „uáerst aktive Unterstaatssekret„r 
Ribbentrops, brachte zu Heydrich(sic) Staunen seine Wunschliste vor, aus der die 
Bedenkenlosigkeit des Ausw„rtigen Amtes, Deportationen aus den beeinfluáten 
L„ndern Europas durchzufhren, klar hervorging.

						/219/				AE: 151
Der Staatssekret„r Bhler trug Sorge, man k”nne bei dieser Gelegenheit das 
Generalgouvernement, in dessen Regierung er saá, stiefmtterlich behandeln und 
bat darum, mit dem Generalgouvernement zu beginnen. Denn einmal seien die 
Juden seines Gebietes als Seuchtr„ger zu bezeichnen und zum anderen stnden 
weder arbeitseinsatzm„áige Grnde, noch Transportschwierigkeiten einer 
Umsiedlung hindernd im Wege.
		Es nahmen ferner teil, der Chef des Rasse- und Siedlungshauptamtes 
SS-Gruppenfhrer Hoffmann, Gauleiter Dr. Meyer, der Pr„sident des 
Volksgerichtshofes, damals als Staatssekret„r fr das Reichsjustizministerium, Dr. 
Freisler, der bevollm„chtigte Vertreter der Parteikanzlei und andere mehr.
		Seitens der Polizei waren auáer Heydrich und Mller als Amtchef IV 
des Reichssicherheitshauptamtes, noch die Befehlshaber der Sicherheitspolizei 
und des SD, Dr. Sch”ngarth nd Dr. Lange vertreten.
Dachte Heydrich, durch eine wohlgesetzte Rede berzeugend wirken und wie die 
Praxis es bislang zeigte, gegen allf„llige Bedenken und Vorbehalte Stellung 
nehmen zu máen, so konnte auf dieser Konferenz das gerade Gegenteilige 
festgestellt werden. In seltener Einmtigkeit und freudiger Zustimmung, forderten 
diese Staatssekret„re ein beschleunigtes Durchgreifen. Und es war die 
sachbearbeitende, federfhrende Prominenz, welche sich zur Beschluáfassung 
hier versammelt hatte. Und ihre Entscheidungen waren endgltig,

						/220/				AE: 152
denn sie waren von ihren Ministern und Chefs, bevollm„chtigt, nicht nur 
bindendes Einverst„ndnis zu erkl„ren, sondern teilweise sogar, ber von Heydrich 
Erhofftes, hinauszugehen. Und es wurde eine offene, unverblmte Sprache 
gesprochen.
Wenn ich so, als Protokollant dieser seinerzeitigen Staatssekret„rbesprechung, 
hier in Israel erstmalig die Aussagen der verschiedenen an dier Konferenz 
teilgenommenen GrӇen studierte, die sie nach 1945, in eben derselben Sache von 
sich gaben, und wenn ich ferner die Aussagen ihrer Chefs in jenen Zeiten lese, 
dann muá ich nur sagen, daá es ebenfalls zum Staunen ist, wie wenig Mut diese 
ehemaligen Befehlsgeber, aufbrachten. Und solchen Kadetten hatte man 
Gehorsam bis in den Tod geschworen!
Es waren in Wahrheit doch alles kleine, billige, armselige Geister ohne jeden 
Charakter. Geister, denen lediglich das Lametta ihrer hohen Dienstgrade oder die 
Durchschlagsm”glichkeit ihrer Dienststellung, in den Tagen ihres Glanzes, das 
n”tige Auftreten und die Haltung verlieh. Aber h„tte ich dies alles schon damals 
im Herbst 1939 erkannt, es h„tte mir solches ebenso wenig gentzt, wie auch 
anderen. Die Zivilisten in den Žmtern, freilich, die

					/221-222/				AE: 153
hatten es leichter Der Uniformtr„ger hatte nur zu gehorchen. /am Rand Ziffer 40/
Das Protokoll dieser Konferenz war lang, obgleich ich das Unwesentliche nicht 
einmal hatte stenographieren lassen.
Heydrich arbeitete mit seinem Blaustift und lieá zum Schluá nur noch einen 
Extrakt gelten; den hatte ich zu bearbeiten und er wrude dann nach weiteren 
mancherlei Žnderungen durch Heydrich, an die nichtsicherheitspolizeilichen 
Teilnehmer der Konferenz, als ,Geheime Reichssache" zur Absendung gebracht.
Die von Stuckart abgegebenen Erkl„rungen, er pl„diere fr Zwangsscheidung und 
Zwangssterilisierung waren neue Tatbest„nde, in einer Sch„rfe, wie sie selbst 
Heydrich berraschen muáten. Die Art und Weise der brokratischen Bearbeitung 
im Hinblick auf die Detailregelung war noch unklar. Es wurde daher seitens der 
Konferenzteilnehmer besprochen, daá in Zeitkrze eine Besprechung der 
Sachbearbeiter der zust„ndigen entralinstanzen in den R„umlichkeiten meines 
Referates, in der Kurfrstenstraáe 116, stattzufinden habe. Sie h„tte ebenso gut im 
Amte II des Reichssicherheitshauptamtes /Zusatz von Seite gegenber: als die fr 
juristische Dinge zust„ndige Dienststelle der Sicherheitspolizei - und wie die 
okumente es zeigten, sich auch mit Judenangelegenheiten befaáte, die mit 
Juristerei kaum oder schon gar ncihts mehr zu tun hatten - / stattfinden k”nnen; 
obzwar sie in der Prinz-Albrechtstraáe reichlich wenig Platz hatten. Die 
Wannseekonferenz selbst wurde aus diesem Grunde auch nicht in der 
Heydrich'schen Zentrale der Albrechtstraáe abgehalten. Auáerdem fanden in 
jener Zeit umfangreiche Umbauten im Innern

						/223/				AE: 154
des Hauses statt. Es war ja ein Haus mit hundert Winkeln und Ecken, noch aus der 
alten Kaiserzeit stammend, und fr einen modernen Beh”rdenapparat kaum noch 
geeignet. Den Dienstr„umen der Amtchefs, insonderheit aber denen des Chefs der 
Sicherheitspolizei, wurden durch Innenarchitekten der Stil der neuen Zeit 
aufgepr„gt. Ich fand ihn sch”n, weil er einfach und sauber war.
Diese Besprechungen h„tten ebenso gut aber auch im Innenministerium oder in 
der Parteikanzlei, dem Auw„rtigen Amt, oder selbst wieder am Wannsee 
stattfinden k”nnen. Warum Heydrich gerade meine Dienststelle dazu bestimmte, 
weiá ich nicht. Aber er bestimmte es jedenfalls so. Denn daá ich sachlich nicht 
damit befaát worden bin, zeigt die erste diesbezgliche Sitzung am 6. M„rz 1942. 
Weder ich, noch irgendeiner der Angeh”rigen meines Referates, hatte daran 
teilgenommen. Das Besprechungsprotokoll mit der Anwesenheitsliste, zeigte dies 
deutlich. Der fr diese Fragen zust„ndige Referent im Reichsministerium des 
Innern, Regierungsrat Dr. Fledscher erl„uterte im einzelnen die Meinung seines 
Staatssekret„rs, bezglich seines am 20. Januar gemachten Vorschlages.
Es war eine reine Angelegenheit der Juristen des Innenministerium, der 
Parteikanzlei, des Ausw„rtigen Amtes, der Reichskanzlei, des Rassepolitischen 
Amtes der NSDAP, des Rasse und 

						/224/				AE: 155
Siedlungshauptamtes, des Amtes II des Reichssicherheitshauptamtes, des 
Propagandaministeriums und der anderen zentralen Beh”rden.
Diese Besprechung endete mit dem Einverst„ndnis aller Anwesenden, jedoch 
Beschláe wurden nicht gefaát, da die Teilnehmer ja nur Referenten, ohne 
Entscheidungsbefugnisse waren.
Am 27. Oktober des gleichen Jahres fand eine weitere Besprechung statt, mit 
ungef„hr demselben Teilnehmerkreis. Diesmal war auch ich zugegen und mit mir, 
einige Herren meines Referates. Auch anl„álich dieser Besprechung wurde 
lediglich geredet; gel”st wurde ichts. Die Protokolle zeigen es einwandfrei auf.
Es war und blieb auch jetzt eine Angelegenheit der Juristen. Mein Dezernat hatte 
den brokratischen Kram der Protokollerstellung und der Einladung zu besorgen. 
Es ist auch ganz klar; Aufgabe der Polizei ist es nicht, Erkenntnisse zu geb„ren, 
oder Sterilisationsmaánahmen durchzufhren, auch nit den Gesetzestext im 
Hinblick auf Zwangsscheidung zu erbrten. Dies ist Aufgabe der zust„ndigen 
Ministerien, der verschiedenen zentralen Beh”rden und Žmter. Niemals aber 
Angelegenheit der Polizei.
Auch in dieser Konferenz, /2 Zeilen einschlieálich eines Wortes auf der folgenden 
Seite unleserlich gemacht/

						/225/				AE: 156
wurden die Ergebnisse der Planung der Staatssekret„re weder ge„ndert, noch 
weiterentwickelt.
Das Ergebnis auch dieser Konferenz war nicht die Anordnung der Durchfhrung 
der geplanten Maánahmen. Es kam berhaupt nie dazu. Es hatte sich irgendwie 
totgelaufen. Auch war ich weder mit der Planung noch mit der Durchfhrung von 
Sterilisationsmaánahmen befasst; es wurden auch keine Maánahmen zur 
Geburtenverhinderung festgelegt. Das Protokoll selbst l„át darber hinaus 
keinerlei Schluá zu, daá beispielsweise ich aktiv an dieser Besprechung 
teilgenommen h„tte.  /am Rand Ziffer 41/
/anderthalb Zeilen unleserlich gemacht/
Ich lese in Reitlingers ,Endl”sung", im siebenten Kapitel, auf Seite 195: ,. 
Tats„chlich hat sich in diesem Allerheiligsten der Endl”sung - wo nicht einmal 
die Gestapo ohne Bewilligung Zutritt hatte - ein Zusammenstoá zwischen den 
Zivilisten und der SS zugetragen. Gottfried Boley, der Hans Lammers und die 
Reichskanzlei vertrat, erkl„rte in Nrnberg, daá einige der Anwesenden dem 
Machtanspruch der Gestapo entgegentraten, besonders als einer von Eichmanns 
Bluthunden ausgeplaudert hatte, daá die Gestapo Verzeichnisse der Halbjuden 
fhre, um sie des heimlichen Abh”rens von feindlichen Rundfunksendungen und 
„hnlicher Dinge beschuldigen zu k”nnen." (Reitlingers Quellen: Prozess XI No 
2419, XI NG 2586-J und No 2419 Affidavit Gottfried Boley)
Ich kann dazu nur sagen,
						/226/				AE: 157
daá bei den Besprechungen stets gr”áte Einigkeit herrschte. Bezglich der ersten 
Sitzung weiá ich es nicht aus eigener Erfahrung, bestimmt aber im Hinblick auf 
die zweite Konferenz. Und man kann es mir auf das Wort glauben, daá wenn es 
zu einem Zusammenstoá auf meiner Dienststelle zwischen den beteiligten 
Instanzen gekommen w„re, ich das Recht des ,Hausherren" in Anspruch 
genommen haben wrde, die Ordnung h„tte ich sicher sofort wieder hergestellt. 
Aber nichts, rein gar nichts derartiges passierte.
Und als weiteren Beweis dafr, daá Herr Boley offensichtlich nur ein flotter 
Erz„hler war, noch dieses:
Ein Legationsrat vom Ausw„rtigen Amt schrieb an das 
Reichssicherheitshauptamt, zu meinen H„nden, oder Vertreter im Amt, am 17. 
Februar 1943, also 3 « Monate sp„ter, ich mochte eine listenm„áige Erfassung 
der im Deutschen Machtbereich ans„áigen fremden Staatsangeh”rigen ,jdischer 
Rasse" vornehmen.
Darauf teilte ich ihm am 24. Februar fernmndldich mit: ,daá es mir nicht 
m”glich ist, der vorgetragenen Bitte des Ausw„rtigen Amtes zu entsprechen, da 
die listenm„áige Erfassung dieser Personen nicht kriegsentscheidend sei, und ich 
daher kein Personal fr diese Arbeiten abstellen kann."
Am 26. Februar kam ein weiterer Brief des Ausw„rtigen Amtes an meine 
Dienstbeh”rde, in der(sic) es u.a. heiát:

/227-228/				AE: 158
,. Die von Ihnen mndlich vorgetragenen Argumente erscheinen daher zur 
Begrndung der Ablehnung der vom Ausw„rtigen Amt vorgetragenen Bitte nicht 
ausreichend." /am Rand Ziffer 42/ 
/ein paar W”rter gestrichen, ersetzt durch Text von Seite gegenber: Das 
Ausw„rtige Amt hatte also, wie man sieht das Recht und die Befugnisse/ der 
Polizei ohne weiteres solche Auflagen zu machen; und es erhellt dies auch ein 
weiteres Schreiben des Ausw„rtigen Amtes vom 27. Februar 1943 an seine 
Dienststelle in Brssel mit: ,. Das Ausw„rtige Amt teilt dem 
Reichssicherheitshauptamt jeweils mit, wenn gegen die Anwendung der 
allgemeinen Judenmaánahmen auf fremde Staatsangeh”rige keine Bedenken 
bestehen. Dies ist hinsichtlich der italienischen Juden noch nicht geschehen. Es ist 
jedoch nach Ablauf des 31. M„rz hiermit zu rechnen." /am Rand Ziffer 43/
Ich hatte eigentlich vorgehabt, diese Schreiben des Ausw„rtigen Amtes erst sp„ter 
zu behandeln, aber durch die Boley'sche Aussage - auf die ich gleich wieder 
zurckkommen werde - nahm ich sie jetzt schon vor und muá damit gleich noch 
eine andere Urkunde besprechen, auf die man in anbetracht der Tatsache, daá ich 
zehn Jahre in Argentinien lebte, groáe Bedeutung legte. Es ist ein von mir ,im 
Auftrage" unterschriebenes Fernschreiben vom 27. Januar 1944, herausgegeben 
als Runderlaá, mit der Weisung, alle Juden argentinischer Staatsangeh”rigkeit 
festzunehmen und sie in das Interniertenlager Bergen-Belsen (nicht

					/229-230/				AE: 159
zu verwechseln mit dem Konzentrationslager Bergen-Belsen) zu berfhren.
		Ich weiá nicht, wann Argentinien damals Deutschland den Krieg 
erkl„rte, es ist auch v”llig unwichtig, obzwar ich glaube, daá sie diese Maánahme 
ausl”ste. Ich habe dazu den Befehl gehabt, eine solche Weisung, ,im Auftrage" 
ausgehen zu lassen. Aber was wichtig in diesem Zusammenhang ist, daá solches 
auch nicht mein Amtchef, oder der Chef der Sicherheitspolizei und des SD, 
anordnen konnte, sondern das Ausw„rtige Amt, wie solches dessen angefhrtes 
Schreiben vom 27. Februar 1943, einwandfrei best„tigt. /am Rand Ziffer 44/
/Zusatz von Seite gegenber: Man sieht also, daá es richtig ist, wenn ich sagte, die 
Polizei selbst hat nichts zu ,geb„ren", sondern sie bekam von den Ministerien ihre 
Weisungen./
Und um auf die Boley'sche Erz„hlung zurckzukommen: Wenn also dem 
Ausw„rtigen Amt solche Schwierigkeiten bereitet werden muáten gezglich der 
Anlegung von Listen bestimmter Judenkategorien, dann wird man es mir wohl 
glauben, daá wir 3 « Monate vorher, also zur Zeit der Herbstkonferenz ganz 
bestimmt keine Verzeichnisse der Halbjuden gehabt haben k”nnen.
Es wurde eben damals in Nrnberg recht viel geschw„tzt, was den Tatsachen 
nicht entsprach. /weiterer Zusatz von der Seite gegenber: Der Legationsrat Dr. 
Grell best„tigte dies auch noch im Jahre 1961, in einer Zeugenaussage in 
Deutschland./ Nun gut, Boley war auch kein Befehlsgeber. Wer will es ihm 
verbeln. Dokumente lagen um jene Zeit kaum vor. Also konnte man munter 
drauf los reden.

					/231-232/				AE: 160
/gleich oben auf der Seite Zusatz von gegenber, Seite 160a:
Richtig ist, daá wenn Einzelerhebungen befohlen wurden, diese auch 
polizeilicherseits durchgefhrt wurden. Und wenn solche von besonderer 
,Reichswichtigkeit" waren, hatte diese Eruierungst„tigkeit auch vom Referat des 
Richssicherheitshauptamtes gefhrt zu werden. Ich erinnere mich noch der vielen 
Arbeit, welche ich mit einer ganz besonders geheim zu haltenden 
Ermittlungst„tigkeit hatte, n„mlich die Abstammung der ,Di„tk”chin des 
Fhrers", zu bearbeiten. ,Mit gr”áter Beschleunigung unter Beteiligung eines 
m”glichst geringsten Personenkreises" so lautete der Befehl.
Das Ende vom Lied war, daá die Di„tk”chin, nach den Nrnbergergesetzen, 
,zweiunddreiáigstel" Jdin war.
Das war damals dermaáen aufregend, daá mein Chef s„mtliche in dieser 
Angelegenheit angelaufenen Akten, samt Nebenakten von mir verlangte. Ich habe 
nie mehr etwas darber geh”rt. Nur das eine, daá Hitler kurz vor seinem Tode 
seine ,Di„tk”chin" ehelichte. Es war Eva Braun./
Und weil ich schon dabei bin, Aufkl„rungen zu geben noch dieses: Die 
Bemerkung Reitlingers ,. wo nicht einmal die Gestapo ohne besondere 
Bewilligung Zutritt hatte...""stammt auch aus Zeugenaussagen aus der Zeit, kurz 
nach dem Kriege, wo einige „ngstliche Herren glaubten, sich mit solchen 
Hinweisen eine Art Alibi zu verschaffen. Ich kann dazu nur bemerken, daá wenn 
Herren wie Boley, einer der ,Teilnehmer von elf Ministerien und 
Žmter"(Reitlinger ,Endl”sung" Seite 195) Zutritt hatten, diesen auch alle 
Angeh”rigen der Sicherheitspolizei haben muáten, ja darber hinaus kamen ja im 
Rahmen des allgemeinen Parteienverkehrs alle m”glichen Personen zu 
Vorsprachen und Auskunftseinholung, egal ob es der damalige Pfarrer Grber war, 
der heutige Probst zu Berlin, der solches selbst noch w„hrend des Prozesses gegen 
mich hier in Israel als Zeuge der Anklage best„tigte, daá er auf meiner 
Dienststelle zwecks Interventionen war, oder die hunderte und aberhunderte von 
anderen Personen, Juden und Nichtjuden. Ich kann ruhig sagen Tausende m”gen 
es in all den Jahren gewesen sein. Von den Reisepaáantragstellern zwecks 
auswanderung ganz zu schweigen, denn dieses h”rte im Oktober 1941 auf, weil 
Himmler das Verbot der Judenauswanderung erlassen hatte.
Aber man kann sich dieserhalb ja auch beim damaligen evangelischen 
Oberkirchenrat oder

						/233/				AE: 161
bei dem ,st„ndigen Gesch„ftsfhrer der Fuldaer Bischofskonferenz" erkundigen, 
der h„ufig bei mir vorsprach. Er war damals im Bischofsrang. Ferner beweisen 
hier als Dokumente vorliegende Gesch„ftsverteilungspl„ne, daá ich ab einer 
gewissen Zeit nicht einmal mehr mit meinem Referat alleine in dem 
Dienstgeb„ude in der Kurfrstenstraáe untergebracht war, sondern zwei weitere 
Referate, mit denen ich nichts zu tun hatte, dort ebenfalls eingewiesen wurden. 
/am Rand Ziffer 45/
Also, wie man sieht, es wurde wirklich das Blaue vom Himmel herunter 
geschw„tzt; und wollte ich alles, was die Publizistik an derartigem Kohl fr bare 
Mnze nahm, aufkl„rend bearbeiten, dann máte ich einige Sekret„re zur 
Verfgung haben.
Zu den staatspolizeilichen T„tigkeiten des Amtes IV, des 
Reichssicherheitshauptamtes, ganz besonders aber mein Referat betreffend, muá 
ich generell feststellen, daá das Erkennen wer zu behandeln ist und was zu 
unternehmen ist, nicht seitens des Amtes IV fixiert wurde. Soweit es sich um 
Volkstums- oder Rassefragen handelte, waren dies innerhalb der 
Sicherheitspolizei und des SD, vornehmlich das Amt III, unter Umst„nden 
gegebenenfalls auch das Amt VII; ferner das Rassepolitische Amt der NSDAP, 
das Rasse und Siedlungshauptamt, das Reichsinnenministerium das Ausw„rtige

						/234/				AE: 162
Amt, die Parteikanzlei, die Reichskanzlei, der Reichsfhrer SS, und viele andere 
mehr. Hier wurde alles federfhrend bedacht, besprochen, aufgestellt, genehmigt; 
von den Chefs der zentralen Instanzen verabschiedet unter Beteiligung aller daran 
interessierten Stellen, um dann als Weisugnen, Richtlinien und Verordnungen, 
dem Amte IV des Reichssicherheitshauptamtes, zur polizeilichen Durchfhrung 
zugeleitet.
Wie in allen L„ndern, so hatte auch in Deutschland die Polizei diesbezglich nicht 
aus sich heraus entscheidend zu bestimmen, sondern sie hatte ihre Weisungen und 
Befehle, denen gem„á sie verfahren muáte.
Ich maáe mir mangels Durchschau nicht an, hier fr das ganze Geheime 
Staatspolizeiamt zu sprechen; insoweit aber es sich um meine ehemalige T„tigkeit 
in diesem Amte handelt, und bezglich des Sektors, den ich zu bearbeiten hatte, 
kann ich dies um so bestimmter tun. Etwa eintausendsechshundert Dokumente, 
welche mir in Israel vorgelegt wurden, zu denen ich Stellung hame und die zu 
einem groáen Teil dem Gericht als Beweisstcke, sowohl seitens der Anklage, als 
auch druch die Verteitigung(sic) eingebracht wurden, erh„rten diese meine 
Feststellung, ohne jeden Zweifel.

						/235/				AE: 163
Im Frhjahr 1942 erhielt ich von meinem unmittelbaren Vorgesetzten, dem 
Generalleutnant der Polizei, Mller den Befehl nach Auschwitz zu fahren und ihm 
ber das Vorgehen des Kommandanten des Konzentationslagers Auschwitz, 
gegen die Juden, zu berichten. -
H”á, der Kommandant sagte mir, daá er mit Blaus„ure, t”te. Runde Pappfilze 
waren mit diesem Giftstoff getr„nkt und wurden in die R„ume geworfen, worin 
die Juden versammelt wurden. Dieses Gift wirkte sofort t”tlich.
Die Leichen verbrannte er auf einem Eisenrost, im Freien.
Er fhrte mich zu einer flachen Grube, worin eine groáe Anzahl von Leichen 
gerade verbrannt wurden.
Es war ein grauenhaftes Bild, daá(sic) sich mir darbot. Nur durch dem(sic) 
Rausch und die gewaltigen Flammen gemildert. 
Er bentzte zur Verbrennung irgend ein ™l.
Ich nehme davon Abstand, auch hier wiederum meine damaligen Gedanken und 
šberlegungen zu schildern, den(sic) einmal m”chte ich nicht einen allf„lligen 
Vorwurf h”ren, daá es im Nachhinein billig w„re, dieserhalb 
Konstruktionsversuche zu machen und zum anderen hatten ja meine 
Versetzungsgesuche keinerlei Erfolg, so daá mir in diesen Dingen ein 
Beweisantreten nicht leicht ist. Wenngleich

					/236-237/				AE: 164
mir meine Verteitigung(sic) mitteilte, daá der Zeuge Dr. St”ttel in ™sterreich, sich 
dessen gut entseinne, daá ich dauernd um Versetzung zur allgemeinen 
Polizeiverwaltung nachsuchte.
So war es auch.
/Weiterer Abschnitt auf Seite gegenber, gestrichen, aber noch lesbar: Und zum 
dritten nehme ich an dieser Stelle deswegen jetzt keine weitere Stellung, da ich an 
einem anderen Punkt meiner Betrachtungen auf das Grunds„tliche der Sache noch 
zu sprechen komme./
Erb„rmlich sind die Unwahrheiten, welche H”á ber mich nach 1945 aussagte. 
Aber sie sind als solche, zum Teil durch seine eigenen Aussagen, da er an anderer 
Stelle, anders berichtete, leicht zu erkennen, macht man sich die Mhe seine 
Aussagen zu studieren, dazu die Literatur und die Dokumente als 
Vergleichsmaterial bentzend.
So sagte H”á beispielsweise, ich w„re bereits im Juni 1941, kurz nach dem 
Besuch Himmlers in Auschwitz, bei ihm gewesen, und von mir habe er alle 
Einzelheiten ber die T”tungsm”glichkeiten erfahren. Er spricht, daá ich ihm ber 
das Vergasen mittels Auspuffgase gesprochen habe. Aber daá es eine solche 
M”glichkeit berhaupt gibt bzw., eine solche in den K”pfen /mehrfach korrigiert, 
schlieálich auf Seite gegenber verdeutlich: einiger/ SS u. Poliezi enerale 
schwirtte, erfuhr ich selbst ja zum erstenmal im Sp„therbst 1941, als ich bei dem 
damaligen Generalmajor der Polizei Globocnigg war, der dem General der Polizei 
und der Waffen SS Krger, unmittelbar unterstellt gewesen ist. Wenn H”á weiter 
sagt, daá ich ihm Einzelheiten ber die Deportationspl„ne mitgeteilt h„tte; dann 
kann solches

					/238-239/				AE: 165
allerfrhestens um den 20. 3. 1942 gewesen sein, denn um diese Zeit genehmigte 
der Staatssekret„r Weizs„cker /Schreibung des Namens auf Seite gegenber 
verdeutlicht/ im Ausw„rtigen Amt zum ersten mal Deportationen aus Frankreich. 
Freilich hatte der deutsche Botschafter in Paris, Abetz, dieserhalb bei Hitler und 
Himmler, vorgebohrt gehabt; aber davon erfuhr auch ich erst im Sp„therbst 1941, 
zum ersten mal. Der erste Deportationsbefehl aus dem Westen, also aus 
Frankreich und Belgien und Holland, grӇere Kontingente betreffend, den 
Himmler ber den Amtchef IV erteilte, lag in meinem Referat erst kurz vor dem 
Juni 1942 vor.
HӇ hatte die ersten Versuchsvergasungen in Auschwitz aber bereits am 23. Sept. 
1941 gemacht, wie aus seinen eigenen Aussagen hervorgeht. Als ich zum ersten 
mal nach Auschwitz kam, lief die Vergasung bereits. HӇ verbrannte die Leichen 
auf Eisenrosten. Und eben darber was H”á treibt hatte ich Mller ja zu berichten; 
dies war ja der Grund, warum er mit den Befehl gab, nach Auschwitz zu fahren.
Nach eigener Aussage hatte HӇ aber mit dem Verbrennen auf Eisenrosten erst im 
Sommer 1942 begonnen.
Er erw„hnt dann ferner, ich h„tte ihm gegenber von Erschieáungen im Osten 
gesprochen. Solches aber hatte ich

						/240/				AE: 166
zum erstenmal im Winter 1941/42 erlebt.
Ich selbst entsinne mich noch, in Auschwitz blhende Blumen in G„rten, gesehen 
zu haben. Es muá also Hochfrhjahrszeit gewesen sein.
H”á hat sich um ein ganzes Kalenderjahr, bezglich meines ersten Besuches - 
gelinde gesagt - geirrt.
Mller hat mir keinerlei Befehle bergeben, die ich ihm etwa h„tte berbringen 
sollen. Auch keine andere Person gab mir solche oder „hnliche anweisungen.
Ich selbst habe ihm nie einen Vorschlag ber die technische Durchfhrung einer 
Vergasung gemacht; im Gegenteil, ich war heilfroh, wenn ich von solchen Sachen 
nichts h”ren und sehen brauchte.
Ich hatte weiter nichts mit diesen Dingen zu tun, als jene elenden Befehle 
auszufhren, die mir mein Chef erteilte, weil er ber alle diese Maánahmen 
pr„zise informiert sein wollte.
HӇ unterstand auch nicht dem Reichssicherheitshauptamt, sondern - wie die 
Dokumente es haarscharf beweisen - den SS-Verwaltungs- und 
Wirtschaftshauptamt. Er bezog daher auch von dort seine Befehle.
Seine unmittelbaren Vorgesetzten waren der SS-Obergruppenfhrer und

					/241-242/				AE: 167
General der Waffen SS, Pohl und der SS-Gruppenfhrer und Generalleutnant der 
Waffen SS, Glcks.
Im brigen wurde durch Aussagen von Zeugen, wie auch durch eigene Erkl„rung 
des Dr. Sigmund Rascher, Leiter der „rztlichen Experimente der Luftwaffe, einem 
englischen Hauptmann Payne-Best gegenber von Rascher zugegeben, daá er die 
Gaskammern erfunden habe, und solches in Auschwitz vorlegte.
H„tte ich dieserhalb ach nur im Geringsten mich seinerzeit gewissermaáen 
mitarbeitend bemerkbar gemacht, dann w„re es mehr als sicher, daá ich von 
vielen anderen Personen diesbezglich in den Prozessen nach 1945, genannt 
worden w„re. Es blieb H”á und zum Tiel Wisliceny vorbehalten, sich solcher 
unwahrer Behauptungen, auf diesem Gebiete, zu bedienen. /am Rand Ziffer 46/ 
Dabei bentte H”á zur besseren Glaubwrdigkeit, Untermalungen aus meinem 
privaten Leben, beziehungsweise Erl„uterungen ber meine Einstellung, 
Charkter(sic) und dergleichen.
Ganz allgemein gesagt, er versuchte hier die Verantwortung fr die Geschehnisse 
von dem SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt, dem er angeh”rte, auf die 
Diensthstellen des Chers der Sicherheitspolizei und des SD, zu verlagern und 
bediente sich hierbei insonderheit meiner Person.
/Zusatz von Seite gegenber: Es ist ein Unfug, ein SS-Hauptamt gegen das andere 
ausspielen zu wollen. Natrlich habe ich selbst heute licht reden, denn ich brauche 
mich ja nur auf die Unzahl der zur Verfgung stehenden Dokumente berufen. 
Heute gewinnt man diesbezglich ein klareres Bild, als in den Jahren 1945 bis 
1948/
Es erhebt sich letztlich noch die Frage, warum Mller mich, einen

						/243/				AE: 168
seiner Referenten, fr diese Reisen aussuchte und sie nicht selbst unternahm. Nun, 
dies mag einmal daran gelegen haben, daá Mller sich kaum von seinem berliner 
Bro fortbegab. Er saá wie die Spinne im Netz und die St„rke seiner Stellung 
beruhte vor allen Dingen darauf, daá er ber alles und jedes, bestens informiert 
war. Zum anderen aber h„tte es wie eine Einmischung des 
Reeichssicherheitshauptamtes in die Angelegenheiten des SS-Wirtschafts- und 
Verwaltungshauptamtes ausgesehen, h„tte er als Amtchef des RSHA, diese 
Fahrten selbst gemacht. -

Die Auswirkungen der Wannseekonferenz, oder wie sie damals amtlich nieá, der 
Staatssekret„rbesprechung am Wannsee, auf die besetzten oder beeinfluáten 
Gebiete in West-, Sd- und Nordeuropa, schilder der zweite Teil dieser Arbeit.
Aus dem Reichsgebiet ausschlieálich dem Protektorat B”hmen und M„hren, 
muáten die Deportationen, gem„á der Himmler'schen Befehlsgebung, jetzt mit 
gr”áter Beschleunigung durchgefhrt werden.
Im Generalgouvernement, besorgten dies die ”rtlichen Beh”rden der Regierung 
des Generalgouverneurs.
Waren Schwierigkeiten mit dem Reichsverkehrsministerium zu verzeichnen, 
daá(sic) infolge Waggonmangel oft nur schwer oder gar-

					/244-245/				AE: 169
nicht nachkommen konnte dann setzte Himmler, seinen Feldadjutanten und Chef 
des Pers”nlichen Stabes den General der Waffen SS Wolff in Marsch, diese 
Angelegenheiten mit dem Staatssekret„r im Reichsverkehrsministerium Dr. 
Ganzenmller, zu erledigen. 
In einem Schreiben Ganzenmllers an Wolff vom 28. 7. 1942 heiát es:
,Unter Bezugnahme auf unser Ferngespr„ch vom 16. Juli, teile ich Ihnen folgende 
Meldung meiner Generaldirektion der Ostbahnen (Gedob /Schreibung auf Seite 
gegenber verdeutlicht/) in Krakau zu Ihrer gef„lligen Unterrichtung mit:
Seit dem 22. 7. f„hrt t„glich ein Zug, mit je 5000 Juden von Warschau ber 
Malkimia nach Treblinka, auáerdem w”chentlich ein Zug mit 5.000 Juden von 
Przemysl nach Belzek. Gedob steht in st„ndiger Fhlung mit dem 
Sicherheitsdienst in Krakau. Dieser ist damit einverstanden, daá die Transporte 
von Warschau ber Lublin anch Sobibor /Schreibung auf Seite gegenber 
verdeutlicht/ (bei Lublin) solange ruhen, wie die Umbauarbeiten auf dieser 
Strecke, die Transporte unm”glich machen (ungef„hr Oktober 1942).
Die Zge wurden mit dem Befehlshaber der Sicherheitspolizei im 
Generalgouvernement vereinbart. SS- und Polizeifhrer des Distrikts Lublin, SS-
Brigadefhrer Globocnigg, ist verst„ndigt."

Darauf antwortete Wolff am 3. August 1942,

						/246/				AE: 170
an Ganzenmller:
,Fr Ihr Schreiben vom 28. Juli 1942 danke ich Ihnen - auch im Namen des 
Reichsfhrers - herzlich. Mit besonderer Freude habe ich von Ihrer Mitteilung 
Kenntnis genommen, daá nun schon seit 14 Tagen t„glich ein Zug mit je 5000 
Angeh”rigen des auserw„hlten Volkes nach Treblinka fhrt und wir doch auf 
diese Weise in die Lage versetzt sind, diese Bev”lkerungsbewegung in einem 
beschleunigtem(sic) Tempo durchzufhren. Ich habe von mir aus mit den 
beteiligten Stellen Fhlung aufgenommen, so daá eine reibunslose Durchfhrung 
der gesamten Maánahmen gew„hrleistet erscheint. Ich danke Ihnen nochmals fr 
die Bemhungen in dieser Angelegenheit und darf Sie gleichzeitig bitten, diesen 
Dingen auch weiterhin Ihre Beachtung zu schenken." /am Rand Ziffer 47/
In Treblinka und Belzek hatte Globocnigg auf Befehl Himmlers und Krgers, 
Vergasungslager errichtet. Solche und „hnliche Dokumente waren freilich in den 
ersten Zeiten der Nachkriegsprozesse nicht immer gleich zur Hand. Daher konnte 
man isch in Nrnberg getrost auf mich ausreden. Heute ist solches nicht mehr 
m”glich. Diese beiden Dokumente sind in Himmlers eigenem Kommadostab 
aufgefunden worden. Denn das Schreiben Ganzenmllers ist das 
Originalschreiben, w„hrend die

						/247/				AE: 171
Wolff'sche Antwort darauf ein von diesem signierter Durchschlag des Schreibens 
an Ganzenmller ist. -
Alles Grunds„tzliche wurde h”eren Ortes ausgearbeitet; und tauchten selbst bei 
untergeordneteren Arbeiten einmal Schwierigkeiten auf, sofort wurden diese von 
den Befehlsgebern selbst unmittelbar untereinander, und pers”nlich behoben.
Nur nach 1945, da schob man solches fleiáig auf die seinerzeitigen 
Befehlsempf„nger, da atten die ehemaligen Chefs mit solchen Fragen 
selbstverst„ndlich gar nichts zu tun, und sie wuáten berhaupt von solchen 
Dingen nicht das Geringste. ,Nachher sollte es sich um einen Schimmel und nicht 
um einen Rappen gehandelt haben."
Im M„rz 1942 klate das Reichsverkehrsministerium ber Unzutr„glichkeiten, bei 
der Benutzung der ™rtlichen Verkehrmittel, durch Juden. Es befaáte sich mit einer 
Neuregelung betreffend der Benutzung der Verkehrsmittel durch Juden, und 
beabsichtigte diese den Beh”rden seines Bereiches bekannt zu geben, womit der 
Chef der Sicherheitspolizei und des SD, einverstanden war. Es bedeutete dies eine 
weitere Einschr„nkung, im Vergleich zu einigen bereits herausgegebenen Erlaáen. 
Zur einheitlichen Linienwahrung muáte nunmehr ein allgemeiner 
Polizeirunderlaá folgen. Hier hatte mein Dezernat die Wnsche des 
Reichsverkehrsministerium und des Reichspostministeriums entgegen-

					/248-249/				AE: 172
zu nehmen und Heydrich unterzeichnete dann am 24. M„rz 1942 den 
Erg„nzungserlaá.  /am Rand Ziffer 48/
/Zusatz von Seite gegenber: šberall im damaligen deutschen Machtbereich 
herrschte im Jahre 1942 gewissermaáen Hochbetrieb. Rckschauend k”nnte man 
fast in Versuchung geraten zu sagen, es wre wie bei einem Bauern gewesen, der 
Grobes Wetter ahnend noch schnell seine Ernte unter Dach und Fach zu bringen, 
sich bemht.
Dazu kam der Tod Heydrichs Anfang Juni 1942 als Folge eines Bombenattentates 
auf ihn, der die Reichsspitzen in einer bisher ungeahnten Aktivit„t, auf dem 
Gebiet der Deportierungen und sonstiger Endl”sungsmaánahmen zeigte.
Hitler, goebbels, Himmler, das ausw„rtige Amt, die Gauleiter, die Staatssekret„re 
fr das Sicherheitswesen, die Parteikanzlei und wie die befehlenden Zentralen alle 
heiáen haben m”gen, legten eine unerh”rte Durchschlagskraft und ein fanatisches 
Wollen, mit pers”nlicher Detailanordnung und laufenden h”chstpers”nlichen 
Kontrollen an den Tag. - /

Auf Grund eines Erlaáes Hitlers vom 7. Oktober 1942, dem eine Weisung Hitlers 
vom 18. August voranging, wurde Himmler die verantwortliche Fhrung der 
Partisanenbek„mpfung im Generalgouvernement bertragen.
Im Zuge der Erledigung dieser Aufgabe erlieá Himmler folgende Anordnung: 
,Die Kreishauptmannschaft Zamosc wird zum ersten deutschen Siedlungsbereich 
im Generalgouvernement erkl„rt.
Der Bereich soll die neue gesicherte Heimat werden fr
Eins.) Umsiedler aus Bosnien;
Zwei.) Gef„hrdete volksdeutsche Umsiedler aus den besetzten Ostgebieten;
Drei.) Volksdeutsche und Deutschst„mmige aus dem brigen 
Generalgouvernement, die zur Behebung ihrer jetzigen Notlage, aus 
sicherheitspolizeilichen Grnden in diesen Bereich umgesiedelt werden máen.
Vier.) Sonstige Umsiedlergruppen.
Die Gesamtleitung bei der Durchfhrung dieser Aufgabe liegt in den H„nden 
meines Vertreters im Generalgouvernement, des H”heren SS- u. Polizeifhrers im 
Generalgouvernement, Staatssekret„r fr das Sicherheitswesen, SS-
Obergruppenfhrer und General der Polizei, Krger,

					/250/				AE: 173

in Zusammenarbeit mit meinen Haupt„mtern.
Die notwenigen Aussiedlungen von Polen aus dem Bereich fhrt mein Vertreter 
im Generalgouvernement in seiner Eigenschaft als Staatssekret„r fr das 
Sicherheitswesen durch.
Am 11. Oktober informiert der Leiter der Umwandererzentralstelle Litzmannstadt, 
die in Zamosc eine Nebenstelle gem„á dem Befehl Himmlers eingerichtet hatte 
und fr die Dauer ihrer T„tigkeit dem H”heren SS- u. Polizeifhrer im 
Generalgouvernement unterstellt war, meinen Vertreter in meinem Referat in 
einem Erfahrungsbericht ber die, durch das Rasse- und Siedlungshauptamt 
vorgenommene, Einteilung der zu deportierenden Polen in Wertungsgruppen.
Gem„á einem Befehl Himmlers vom 3. Oktober und einem weiteren vom Anfang 
November, wurde bestimmt, daá die zur Wertungsgruppe I und II, durch das 
Rasse- u. Siedlungshauptamt eingestuften Polen, durch eine Auáenstelle dieses 
Hauptamtes in Litzmannstadt zur Eindeutschung zu gelangen haben. Die 
arbeitsf„higen Angeh”rigen der Wertungsgruppe III, wurden nach Berlin 
verbracht, um dort die in der Rstungsindustrie besch„ftigten Juden abzul”sen 
und die arbeitsf„higen Angeh”rigen der Wertungsgruppe IV, wurden in das 
Konzentrationslager Auschwitz abbef”rdert. Die zu den Wertungsgruppen IIII 
und IV geh”renden Altersgruppen bis zu 14 Jahren und ab 60 Jahre und die 
Nichtarbeitsf„higen der Gruppen wurden im Generalgouvernement in sogenannte 
,Rentend”rfer" untergebracht und zwar

					/251/				AE: 174

in den Distrikten Warschau und Radom. Sie erhielten dort pro Familie Wohnung 
und je Famalie(sic) « Hektar Land zugeteilt. Himmler hatte zuerst die 
Altersgrenze der zu Evakuierenden von 10 bis 60 Jahre festgelegt, lieá sich aber 
dann durch den Amtchef IV des Reichssicherheitshauptamtes Mller, berzeugen, 
daá das Alter von 10 auf 14 Jahre hinaufgelegt werden máe.
	Das von mir geleitete Referat hatte bei diesen Aktionen den Befehl erhalten fr 
die, gem„á den bestehenden Anweisungen nach Berlin und nach auschwitz zu 
deportierenden Polen, beim Reichsverkehrsministerium die 
Fahrplanangelegenheiten zu erledigen. Durch die ,Rasse- u. Siedlungshaupt-
Wertungsgruppen III und IV, ergaben sich die Zahlen und damit die Anzahl der 
Transportzge. Die Bestimmung der zu deportierenden Personengruppen und die 
Zielbestimmung der Deportation lag nicht bei meinem Referat, ebensowenig der 
Pransport selbst oder die šbergabe. /am Rand Ziffer 49/
Himmler pers”nlich gab, wie blich, so auch hier, bis in Einzelheiten hinab, selbst 
Anweisungen, an die in Frage kommenden Beh”rden. 
				-----------
Auf Befehl Heydrichs muáten im M„rz 1942 weitere 55.000 Juden aus dem 
Altreich und dem Protektorat B”hmen und M„hren sowie aus der Ostmark 
deportiert werden. Es ist ein Dokument der Staatspolizeistelle Dsseldorf ber 
eine diesbezglich in meinem Referat stattgefundene Besprechung erhalten 
geblieben. Ich hatte Befehl den Besprechungsteil-

				/252-253/				AE: 175

nehmern zu er”ffnen, daá SS-Gruppenfhrer Heydrich die Leiter der 
Staatspolizeistellen pers”nlich fr die Durchfhrung der Richtlinien 
verantwortlich mache.
Des weiteren hatte ich ihnen mitzuteilen: ,Damit einzelnen Stapostellen der 
Versuchung, ihnen unbequeme „ltere Juden mit abzuschieben, nicht weiter 
ausgesetzt sind, sei zur Beruhigung gesagt, daá diese im Altreich verbleibenden 
Juden h”chstwahrscheinlich schon im Laufe dieses Sommers bzw. Herbstes nach 
Theresienstadt abgeschoben wrden, daá als Altersghetto vorgesehen sei. Diese 
Stadt wrde jetzt ger„umt und es k”nnten vorl„ufig schon 15-20.000 Juden aus 
dem Protektorat dorthin bersiedeln. Dies geschieht, um nach auáen das Gsciht zu 
wahren".
/Zusatz von Seite gegenber: Es war eine der von Himmler befohlenen 
Tarnungsvorschriften. Und wenn nach 1945 verschieden ,Zeugen" behaupteten, 
daá ich es gewesen w„re, der sie ,hinter das Licht" gefhrt habe, so ist dieses 
Dokument der schláigste Beweis dafr, daá ich es ganz bestimmt nicht tat, 
sondern von mir aus ohneVerschleierung und Tarnung die Dinge so weiter gab, 
wie mir dies befohlen wurde./
Der berichtschreibende Beamte der seinerzeitigen Staatspolizeistelle Dsseldorf, 
teilte seinem Chef ferner mit daá ,das sogenannte Sonderkonto WS dem Referat 
IV B 4 des Reichssicherheitshauptamtes (also meinem Referat) zur Verfgung 
stnde, da nach der 11. Verordnung zum Reichsbrgergesetz, das 
Reichssicherheitshauptamt an das Verm”gen der Juden nicht mehr heran kann. 
Um diesem Fond ausreichend Gelder zur Verfgung zu stellen, wird geboten, die 
Juden in n„chster Zeit zu erheblichen ,Spenden" fr das ,Sonderkonto W" 
anzuhalten."
Nun hier hat der damalige Beamte die Angelegenheit - wie man zu sagen pflegte 
- ,in den falschen Hals bekommen".
Auch ich war sehr erstaunt, als man mich

					/254/				AE: 176

in Israel nach einem ,Sonderkonto W", daá(sic) von meinem Referat gefhrt hatte 
sein sollen, befragte. Erst die im Laufe der Zeit eingehenden Dokumente, schufen 
auch hier Klarheit.
Die 11. Verordnung zum Reichsbrgergesetz wurde auf Betreiben der Abteilung 
I, des Reichsministeriums des Inneren im November 1941 erlaáen und machte die 
Aberkennung der Staatsangeh”rigkeit der Juden und die Einziehung ihres 
Verm”gens zugunsten des Reichsfiskus bekannt. Die Einziehung nahmen die 
jeweils zust„ndigen Oberfinanzpr„sidenten vor.
Die jdischen Organisationen unterhielten weiterhin ihre Konten bei ihren 
Banken, zur Bestreitung organisationseigener Auslagen.
Nachdem den Juden nun ohnehin ihr Verm”gen enteignet wurde, kamen die 
Juristen des Reichssicherheitshauptamtes oder auch irgendwelcher 
,Staatsplizeistellen dahinter, daá ,Spenden" fr ihre jdischen Organisationen, 
durch den Gesetzgeber nicht verboten waren. Also, wurden sie zu solchen 
,Spenden" aufgerufen. Denn hatte der Fiskus einmal das gesamte Verm”gen, 
dann ar es schwer und zeitraubend, auf dem Wege der Antragstellung bei den 
zust„ndigen Finanzbeh”rden hier wieder Gelder locker zu machen.
Zum Zwecke der Einzahlung solcher Spenden, er”ffneten die jdischen ”rtlichen

					/255/				AE: 177

Organisationen dann bei ihren Banken ein ,Sonderkonto W", von dem diese 
Organisationen nach vorheriger Freigabebescheiderteilung durch ihre zust„ndige 
Geheime Staatspolizeistelle, Abhebungen vornehmen konnten. Das Geld diente 
sodann der Bezahlung der jdischen Funktion„re, sowie der Angestellten und 
sonstigen Hilfspersonals, Untersttzung, Krankenbehandlung, alle weiteren 
sachlichen Bedrfnisse und auch Bezanhlung der Transportkosten bei der 
Deportation. Dies letztere war die eigentliche Veranlaáung, daá den Juristen, 
welche auf diese Art ,Gesetzeslcke" draufkamen, seitens der Chefs, diese 
Angelegenheit genehmigt wurde. Weder ich pers”nlich, noch sonst jemand 
meines Referates hat - wie die Dokumente es einwandfrei beweisen - mit diesem 
,Sonderkonto W" etwas zu tun gehabt.  /am Rand Ziffer 50/

Auch gegen das dunkelh„utige Volk der Zigeuner, aus nicht gekl„rten fernen 
Landen stammend, wurden sicherheitspolizeiliche Aktionen im Rahmen der 
,Blutschutzgesetzgebung" durchgefhrt. Ich hatte gem„á Befehl hier den Teil zu 
bearbeiten, welcher mir zugewiesen war: Fahrplanerstellung.
Anl„álich der ,Heydrich-Besprechung" vom 30. Januar 1940 bermittelte 
Heydrich den mit der Umsiedlung bzw. Deportation beauftragten, 
					/256/				AE: 172

eingeladenen ”rtlichen Befehlsgebern, den Befehl Himmlers, unter anderem auch 
30.000 Zigeuner in das Generalgouvernement zu deportieren. Weder ich och mein 
Dezernat war auch hier fr ihre Konzentrierung, noch fr deren Festnahme oder 
Einweisung in ein Konzentrationslager zust„ndig.
Nur anl„álich der bereits geschilderten ersten Deportationswelle im Jahre 1941, 
als mir zum ersten und gleichzeitig letzten male zwei verschiedene Zielstationen 
zur Fahrplanerstellung zur Verfgung standen, ,schickte" ich neben den 20.000 
Juden auch 5.000 Zigeuner, statt in Gegenden, von denen ich h”rte oder gelesen 
hatte, daá dort vernichtet wrde oder Vorbereitungen hierfr getroffen wrden, 
nach Litzmannstadt. Die Beschwerdefhrung des Oberpr„sidenten šbelh”r in 
dieser Angelegenheit gegen mich, habe ich bereits geschildert.
Ich war weder fr die Umsiedlung, noch fr die Erfassung verantwortlich. Ich 
fhrte auf Befehl des Chefs der Sicherheitspolizei lediglich die Fahrplanm„áigen 
Agenden bezglich der Transporte der Zigeuner aus dem Reichgebiet durch.
Der ehemalige Kriminalbeamte Fritz Friedel sagt in seiner schriftlichen Erkl„rung 
am 12. Juni 1949, im Gef„hgnis zu Bialystok folgendes:
,Bereits vor 1933, war in Mnchen eine Zentrale fr Zigeuner errichtet worden.

					/257/				AE: 179

Von dieser Zentrale war vorgeschrieben, daá s„mtliche Zigeuner listenm„áig zu 
erfassen und zu registrieren seien. Beauftragt hiermit waren die damaligen 
Landeskriminalpolizeistellen, die Zigeunerkarteien zu fhren hatten. Nach 1933 
erging von der Zigeunerzentrale Anordnung, die Zigeuner strenger zu 
kontrollieren und in Strafrckf„llen in Konzentrationslager einzuweisen. Dann 
erging m. Erinnerung nach im Jahre 1943 von Amt V (Reichskriminalpolizeiamt) 
des Reichssicherheitshauptamtes, Berlin, ein Erlaá, demzufolge s„mtliche igeuner 
festzunehmen und als asoziale Elemente in ein Konzentrationslager einzuweisen 
waren."
Sowei der Bericht dieses Kriminalbeamten. Nun, im Jahre hat er sich 
offensichtlich geirrt, denn es war nicht 1943, sondern wie die Dokumente es 
beweisen, im Jahre 1940/41.  /am Rand Ziffer 51/

Wie sehr sich die damalige h”chste SS-Fhrung in Detailangelegenheiten 
pers”nlich bearbeitend, einh„ngte zeigt ein Schreiben meines Chefs, des Amtchefs 
IV, Mller, an den schon erw„hnten General der Waffen SS und Chef des 
Pers”nliches Stabes des Reichsfhrers SS, vom 17. Sept. 1942. Dieser hatte 
Mller in Evakuierungsangelegenheiten von Juden welche als Arbeiter bei einer 
Erlgesellschaft(sic) t„tig waren, telephonisch gesprochen, mit dem Ziel der 
Vermeidung einer Arbeitsunterbrechung bei dieser Gesellschaft und daher 
Koppelung

				/258-259/				AE: 180

der Deportation mit der Zurverfgungstellung von Ersatzkr„ften. 
/auf Seite gegenber war Zusatz vorgesehen, gestrichen, aber noch lesbar:
Egal, ob es kleinere Einzelf„lle waren oder ob es sich um Waggonerstellung fr 
Hunderttausende handelte, auf alle F„lle zeigten die Herren damals eine 
erstaunliche Aktivit„t - eine Aktivit„t, von der manche nach 1945 nichts mehr 
wissen wollten, daá sie je von ihnen an den Tag gelegt wurde./

Ich sagte, daá ich mich an die Aufgaben hielt, die durchzufhren gem„á dem 
Gesch„ftsverteilungsplan und der Zust„ndigkeitsbegrenzungen, meine mir 
befohlene Pflicht war. Stur lehnte ich in all den Jahren alles, was da sonst noch so 
herangetragen wurde ab.
Freilich kamen alle m”glichen Stellen mit den ausgefallensten Wnschen und 
Antr„gen. Von meinem damaligen Amtchef muá ich sagen, daá er mich - wenn 
ich von den Dienstreisen zu den todesfeldern, zu denen er mich schickte, absehe - 
im allgemeinen von zus„tzlichen Auftr„gen verschonte /3 Zeilen unleserlich 
gemacht/ und darber hinaus Akten, die ich ihm mangels Zust„ndigkeit anl„álich 
der Rcksprachen bergab, geduldig und stets ohne Vorwurf, quasi als Irrl„ufer, 
auch bernahm. Dies muá ich sachlich und nchtern feststellen. Er hatte fr 
brokratische Notwendigkeiten vollstes Verst„ndnis; denn er war der geborene 
Brokrat und mich hatte er im Laufe der Jahre dazu gebracht.
Eines Tages, am 16. Nov. 1942 bekomme ich mit dem Posteingang ein Schreiben 
des ,Pers”nlichen Stabes des Reichsfhrers SS", betreffend des Aufbaues einer 
Sammlung von Skeletten in der Anatomie Straáburg. Und da

					/260/				AE: 181

konnte ich folgendes Merkwrdige lesen:
,Der Reichsfhrer SS hat angeordnet, daá dem Direktor der Anatomie Straáburg, 
SS-Hauptsturmfhrer Prof. Dr. Hirt, der zugleich Leiter einer Abteilung des 
Institutes fr wherwissenschaftliche Weckforschung im Amt Ahnenerbe ist, fr 
seine orschungen alles Notwendige zur Verfgung gestellt wird. Im Auftrage des 
Reichsfhrers SS bitte ich deshalb, den Aufbau der geplanten Skelettsammlung zu 
erm”glichen. Wegen der Einzelheiten wird sich SS-Obersturmbannfhrer Sievers, 
mit Ihnen in Verbindung setzen."

Eine Woche sp„ter schickt der Pers”nliche Stab an den genannten Sievers eine 
Abschrift des vorgenannten Schreibens zur Kenntnisnahme.
Fr so etwas war ich nicht zust„ndig. In den reichlich vorhandenen Dokumenten, 
liegt auch keinerlei Reaktion meinerseits vor. Wie schon so oft; man richtete zwar 
an mich Schreiben ber Schreiben, aber es findet sich nirgends eine Antwort oder 
Stellungnahme meinerseits. Dies bemerkte auch einer der Richter in dem Prozess 
gegen mich.
Ich konnte ja gar nichts anderes tun, als - mangels Zust„ndigkeit, - die Akte 
meinem Chef zu bergeben. Was er damit machte, entzog sich meiner 
Kenntnisnahme.
In den Nrnberger Prozessen, war (Fortsetzung siehe umseitig!)

					/261/				AE: 181a

auch ein Tagebuch Sievers, Gegenstand der gerichtlichen Er”rterungen. Da steht 
unter dem 28. April 1943: ,Reichssicherheitshauptamt IV B, SS-Sturmbannfhrer 
Gnther. Untersuchungen jetzt m”glich." Dies war Sievers Eintragung ber ein 
am gleichen Tage, um 10.45 Uhr gefhrtes Telephongespr„ch mit Gnther. Also 
hat es sechs Monate gedauert, bis Mller sich der Sache, ber Gnther entledigte. 
Hierzu ist die Zeugenaussage des ehemaligen Regierungsdirektors 
Huppenkotlen(?) interessant, der sowohl kurz nach 1945, als auch im Jahre 1961 
u.a. sachlich und trocken feststellte, daá es zu Mllers Gepflogenheiten geh”rte, 
ber den Kopf des Referenten hinweg, irgend einen Referatsangeh”rigen mit 
Sonderauftr„gen zu betrauen. Der so Betraute hatte seinem Referenten gegenber 
bezglich eines solchen Sonderauftrages selbstverst„ndlich keine 
Berichterstattungspflicht, sondern in der Regel war er Allen gegenber dem zur 
Verschwiegenheit verpflichtet, wenn solche Auftr„ge unter ,Geheime 
Reichssach" liefen.
Gnther geh”rte zu meinem Referat.
Am 21. Juni 1943 schrieb mich Sievers abermals an. Er nimmt Bezug auf ein 
Schreiben meines Referates vom 25. 9. 1942 und wiederholte zwischenzeitliche 
pers”nliche Besprechungen und teilte mit, daá die Arbeiten im 
Konzentrationslager Auschwitz am 15. 6. 43 wegen der Seuchen-

					/262/				AE: 182

gefahr beendet seien. Ein SS-Hauptsturmfhrer Dr. Bruno Beger habe sie 
durchgefhrt. Er schreibt weiter: ,Insgesamt 115 Personen, davon 79 Juden, 2 
Polen 4 Innerasiaten und 30 Jdinnen sind bearbeitet worden. Diese H„ftlinge 
sind z. Zt. Getrennt nach M„nnern und Frauen in je einem Krankenhaus des 
Konzentrationslagers Auschwitzuntergebracht und befinden sich in Quarant„ne.
Zur weiteren Bearbeitung der ausgesuchten Personen ist nunmehr eine sofortige 
šberweisung an das Konzentrationslager Natzweiler erforderlich, was mit 
Rcksicht auf die Seuchengefahr in Auschitz, beschleunigt durdhgefhrt werden 
máte. Ein namentliches Verzeichnis der ausgesuchten Personen ist beigefgt.
Es wird gebeten, die entsprechenden Anweisungen zu erteilen."
Nun, auch dieses Schreiben wurde von mir nicht beantwortet, sondern gem„á der 
bestehenden Weisung, als unzust„ndig dem Amtchef bergeben.
Denn es hatte ber Verlegungen einzig und alleine das SS-Wirtschafts- u. 
Verwaltungshauptamt zu entscheiden und zwar dessen Amtsgruppe D, n„mlich 
die ,Inspektion fr das Konzentrationslagerwesen" unter dem SS-Gruppenfhrer 
u. Generalleutnant der Waffen SS, Glcks. Es heiát da u.a. in den Richtlinien 
dieser ,Inspektion": ,Verlegungen in andere Lager, vor allen Dingen in Stufe III 
beim Reichssicherheitshauptamt bzw. Reichskriminal-

					/263/				AE: 183

polizeiamt zu beantragen, gibt es nicht. Verlegungen werden grunds„tzlich nur 
von hier verfgt."
Also, ein ganz klarer und einwandfreier Fall von Unzust„ndigkeit meinerseits; 
und Mller kann m.E. nur das eine getan haben, den Vorgang an Glcks 
abzutreten. Anders ist es brokratisch nicht denkbar. Von mir jedenfalls ist auch 
auf dieses Schreiben keine Reaktion erfolgt.
Und anl„álich des Prozesses gegen Sievers in Nrnberg erkl„rte dieser: ,ich sagte 
schon, daá Himmler, Wirth in Straáburg besucht hat. Ich war bei diesem Besuch 
nicht zugegen. Wie mir Hirth dann mitteilte, sollte er sich auf Weisung von 
Himmler mit Glcks unmittelbar in Verbindung setzen und sich allenfalls meiner 
Vermittlung bedienen, wenn er nicht selbst nach Berlin kommen konnte."
Sievers wurde nun von seinem Verteitiger(sic) gefragt, ob der Inspektion fr das 
Konzentrationslagerwesen, Glcks der Befehl Himmlers schon vor der 
Rcksprache Sievers mit Glcks bekannt war. Darauf antwortete er: ,Ja, der 
Befehl Himmlers lag bei Glcks bereits vor, als ich auf Bitte Wirth's mit Glcks 
sprach."
Er wird dann weiter gefragt, warum denn ein derartiges Schreiben an mich noch 
notwendig war, wenn Glcks diesen Befehl schon kannte. Es ist dies eine V”llig 
klare und logische Frage des Verteitigers(sic). Darauf gab Sievers eine Antwort, 
die deutlich

					/264/				AE: 184

erkennen l„át, daá der damalige Angeklagte Sievers sich mit allen Mitteln aus der 
Affaire, in der er durch seine Ahnerben-Geschichte und gegenst„ndlich durch 
seine Schreiben steckte, zu ziehen bestrebt war. Dies ist menschlich verst„ndlich.
Aber es scheiterte eben daran, weil von mir nichts vorlag, infolge der 
Nichtbearbeitung bzw. Abgabe der Akten an meinen Vorgesetzten.
Mller und Glcks verhandelten direkt. Beide waren Amtchef; beide waren 
Generalleutnant; der eine der Polizei, der andere der Waffen SS.
Nun, ich habe angefangen diese Angelegenheit zu schildern und will zum 
Abschluá dieser traurigen Sache noch das Ende beschreiben: Sievers schreibt am 
5. Sept. 1944 an den Pers”nlichen Stab des Reichsfhrers SS, zu H„nden von SS-
Standartenfhrer Ministerialrat Dr. Brand: ,Gem„á Vorschlag vom 9. 2. 42 und 
dortiger Zustimmung vom 23. 2. 42 wurde durch SS Sturmbannfhrer Prof. Dr. 
Hirth die bisher fehlende Skelettsammlung angelegt. Infolge Umfang der damit 
verbundenen wissenschaftlichen Arbeit sind Skelettierungsarbeiten noch nicht 
abgeschlossen. Hirth erbittet im Hinblick auf etwa erforderlichen Zeitafuwand fr 
80 Stck Weisungen, falls mit Bedrohung Straáburg rechnen ist, wegen der 
Behandlung der im Leichenkeller der Anatomie befindlichen Sammlung. 
Er kann Entfleischung und 

					/265/				AE: 185

damit Unkenntlichmachung vornehmen, dann allerdings Gesamtarbeit umsonst 
und groáer wissenschaftlicher Verlust fr diese einzigartige Sammlung, weil 
danach Hominalabgsse nicht mehr m”glich w„ren. Skelettsammlung als solche 
nicht auff„llig. Weichteile wrden deklariert, als bei šbernahme Anatomie durch 
Franzosen, hinterlassene alte Leichenreste, und zur Verbrennung gegeben. Erbitte 
Entscheidung zu folgenden Vorschl„gen:
1.) Sammlung kann erhalten bleiben.
2.) Sammlung ist teilweise aufzul”sen.
3.) Sammlung ist im Ganzen aufzul”sen.
Sievers
SS-Standartenfhrer."

Ich bin kein Jurist, kenne auch den ganzen Vorgang zu wenig. Aber eines 
dokumentiert Sievers durch sein eigenes Fernschreiben hier, daá der Vorschlag 
von ihm, bzw. Seinem Amt seinerzeit gemacht wurde, solch eine 
Skelettsammlung anzulegen. Und ich stehe auf dem Standpunkt, wenn man schon 
so etwas vorschl„gt, dann muá man auch nachher den Mut haben, es 
einzugestehen und nicht versuchen, die Sache auf ,kleinere Leute" abzuw„lzen.
Aber ich habe die Wahrnehmung gemacht, daá von wenigen Ausnahmen 
abgesehen, mit zunehmender Dienstgradh”he, die Abw„lzungsbereitschaft eine 
stets grӇere wird.  /am Rand Ziffer 53/

				/266-267/				AE: 186

Im Anschluá an das eben Geschilderte, muá ich mich mit einer anderen 
makaberen Angelegenheit befassen.
Die Einsatzgruppen im Osten, und die Kommandos der SS- u. Polizeifhrer im 
Generalgouvernement, sowie das Kommando welches Himmler mit dem 
Reichsstatthalter Greiner im Warthegau angesetzt hatte, hinterlieáen zahlreiche 
Massengr„ber. Diese sollten nunmehr im Hinblick auf das Vorw„rtsdr„ngen der 
Roten Armee verwischt werden; das heiát die Leichen sollten ausgegraben und 
verbrannt werden.
Der SS-Standartenfhrer Blobel /Schreibung des Namens auf Seite gegenber 
verdeutlicht/ erhielt dazu den Befehl. Er war bis Ende 1941, Chef eines 
Sonderkommandos der Einsatzgruppe C, unter dem Befehl des SS-Brigadefhrers 
und Generalmajors der Polizei Dr. Dr. Rasch /Schreibung des Namens auf Seite 
gegenber verdeutlicht/, im Bereich der 6. Armee des Generalfeldmarschall von 
Reichenau /Schreibung des Namens auf Seite gegenber verdeutlicht/, t„tig. Er 
wurde dann gem„á seiner eigenen Aussage nach Berlin strafversetzt und ,erhielt 
im Herbst 1942 die Aufgabe als Beauftragter Mllers sich in die besetzten 
Ostgebiete zu begeben und die Spuren der Massengr„ber die von den 
Hinrichtungen der Einsatzgruppen stammten, zu verwischen. Diese Aufgabe hatte 
er bis zum Sommer 1944." /Abfhrungszeichen gestrichen, šbergang von Zitat zu 
Referat unklar/
Diese Angaben habe ich einer eidesstattlichen Erkl„rung Blobels vom 6. Juni 
1947, die er in Nrnberg abgab, entnommen. Zu Blobels Kommando geh”rten 
etwa 4-6 SS-M„nner, die aus seinem frheren

			   /268/				AE: 187
Einsatzkommando stammten.
Bis zum Mai 1941 war er Fhrer des SD-Abschnittes fr Dsseldorf. Von Beruf 
war er Architekt.
Da er nun Mller unmittelbar unterstellt war, hatte er diesem laufend und direkt 
zu berichten, bzw sich bei ihm zu melden. In einem Hause neben der Dienststelle, 
in der mein Referat untergebracht war, muáten in einem der Stockwerke gem„á 
Befehl des Amtchefs IV fr durchreisende G„ste stets einige freie Zimmer zur 
Verfgung gehalten werden. In solchen wohnte Blobel mit seiner Begleitung 
dann, wenn er zur Berichterstattung nach Berlin kam. Aus diesem Grunde lieá er 
sich auch seine Privatpost an meine Dienstanschrift kommen. Man k”nnte sagen, 
daá der Mann meines Referates, welcher die Hausaufsicht fhrte, ihn 
wirtschaftlich zu betreuen hatte. Und da dieser Mann neimenaden wirtschaftlich 
betreuen durfte, es sei denn, er h„tte von mir, oder meinem Vertreter, dazu den 
Befehl erhalten, ist es richtig, wenn es heiát, daá Blobel von meinem Referat 
wirtschaftlich betreut wurde. Damit sich keine falsche Auffassung einschleicht, 
m”chte ich den Zusatz machen, soweit es sich um die privaten-pers”nlichen 
Bedrfnisse, als da sind Wohnung, Privatpost, Lebensmittelmarken, handelt. Dies 
war alles.
Schon ein Versuch des Standartenfhrers Blobels, der Hauswache des 
Dienstgeb„udes in der Kurfrstenstraáe 116, Befehle zu erteilen,

				/269/				AE: 188

fhrte zu einem Zusammenstoá mit ihm und einer dienstlichen Beschwerde 
meinerseits, denn kein Referatsfremder durfte der Wache dienstliche Weisungen 
geben. Dies war eine allgemein gltige Regel und beweist, daá der 
Standartenfhrer Blobel nicht zu meiner Dienststelle geh”rte. Selbstverst„ndlich 
konnten die im selben Hause untergebrachten anderen Referenten, dieser 
Hauswache Befehle erteilen; aber auch ein solcher war Blobel nicht. W„re mir 
dieses Kommando unterstanden, oder auch nur Teile desselben, oder h„tten 
Angeh”rige meiner Dienststelle zu diesem Kommando geh”rt, dann h„tte Blobel 
diess ganz sicher anl„álich der vielen Verh”re oder w„hrend des Prozesses gegen 
ihn, an irgendeiner Stelle zum Ausdruck gebracht. Er war aber nach seinen 
eigenen Worten ,Beauftragter des SS-Gruppenfhrers Mller". Er unterstand 
daher ihm direkt und niemanden anderen.  /am Rand Ziffer 54/
Es blieb dem Berater fr Judenfragen bei der deutschen Gesandtschaft in der 
Slowakei, dem SS-Hauptsturmfhrer Wisliceny vorbehalten, neben seinen 
zahlreichen Unwahrheiten, auf welche man sich in Nrnberg geeinigt hatte, 
weitere zus„tzliche, ber mich zu erfinden darunter auch die Behauptung, Blobel 
w„re mir unterstanden, bzw. ich h„tte ihm sachliche Anweisungen erteilt.
Blobel selbst, fr den solches doch sicherlich eher entlastend gewirkt h„tte, straft 
aber Wisliceny Lgen. Es verlohnt sich auch

						/270/				AE: 189

nicht, n„her auf das Wisliceny'sche Gerede einzugehen, denn es ist sowohl von 
meiner Verteitigung(sic), als auch von mir, im Laufe des Prozesse gegen mich, an 
hand der vorliegenden damaligen amtlichen Unterlagen aufgedeckt worden.
Ich finde es auch gar nicht mehr der Mhe wert, weitere diesbezgliche Worte 
ber ihn verlieren, denn es charakterisiert ihn zur Genge, was er in einem 
mehreren handgeschriebenen Ausfhrungen der seinerzeitigen 
mordamerikanischen Besatzungsmacht vorschlug. Er entwickelt dieser darin 
seinen Plan, wie man am besten meiner Person habhaft werden k”nnte. Er hatte 
mehrere Vermutungen ber meinen damaligen aufenthalt.
Solche Vorschl„ge ausgerechnet von Wisliceny unterbreitet, haben irgendwie 
einen Sch”nheitsfehler, ganz bestimmter Art. Schlieálich war er ja einmal mein 
vorgesetzter Abteilungsleiter in Judenangelegenheiten, im SD-Hauptamt gewesen.
Er schlug also eine etwa sechs Wochen dauernde Suchaktion unter seiner 
Beteiligung vor. W„hrend dieser Zeit sollte meine Frau ber mich verh”rt werden, 
meine damaligen Kameraden, die schlieálich auch seine waren, des weiteren alle 
meine Verwandten und Bekannten, soweit Wisliceny ber sie Bescheid wuáte.
In ,loyalster Weise" trug er der nordamerianischen Besatzungsmacht seine 
diesbezgliche Hilfe beziehungsweise Mitarbeit an und ,er war fr”hlich wie eine 
Lerche", heiát es in einem nordamerikanischen Bericht. /am Rand Ziffer 55/

						/271/				AE: 190

					          -(16)-
Es scheint mir von Bedeutung zu sein, einmal einen ganz bestimmten Teil der 
damaligen nationalsozialistischen Terminologie zu streifen. Durch die laufenden 
Tarnungsbefehle Himmlers, wurden verschiedene Worte und Begriffe im Laufe 
der Zeit so vieldeutig, das daá (sic) z.B. was mit den Insassen eines 
Transportzuges wirklich geschah nur die Stelle mit absoluter Sicherheit wuáte, die 
solche Transportzge an der Zielstation zu bernehmen hatte.
Die Befehle, was tats„chlich zu geschehen habe, gingen von den Befehlsgebern 
direkt an die durchfhrende Stelle.
Natrlich kannte man die Einstellung der Befehlsgebung in genereller Hinsicht, 
soweit man an den Gesamtarbeiten irgendwie mit eingespannt war.
Ich sprach von ,man". Damit sind alle Zentralbeh”rden in Berlin und alle 
Beh”rden der mittleren Instanzen, soweit sie an den Deportations- und sonstigen 
sicherheitspolizeilichen Arbeiten mittelbar oder unmittelbar, federfhrend oder 
auch nur am Rande mitbeteiligt, eingeschaltet waren, zu verstehen.
Aber genau gewuát, was beispielsweise mit dem Transport aus dort und dort, 
geschah, oder geschehen wird, ob die Transportteilnehmer get”tet wurden, ob sie 
in einem Konzentrationslager verbleiben, oder ob sie zur Arbeitsleistung in eine 
der Rstungsindustrien kamen, alles dieses wuáten diese Stellen nicht. Auch ich 
selbst

						/272/				AE: 191

habe solches nie und zu keiner Stunde gewuát. Es war auch von mir in keinerlei 
Weise abh„ngig oder zu beeinfluáen. Genau so wenig, wie ich oder andere Stellen 
solches im Hinblick auf die Deportationsbefehlsgebung h„tten tun k”nnen.
Dies alles hatten sich die Befehlsgeber ausschlieálich selbst vorbehalten.
Solche Worte der Tarnung waren unter anderen
,Sonderbehandlung";
,Abwanderung nach dem Osten";
,Arbeitseinsatzverbringung nach dem Osten";
,Evakuierung nach dem Osten";
,Endl”sung der Judenfrage" usf.
Niemand auáer der Letzstelle(sic), wuáte, ob die wahre Bedeutung des Wortes in 
Anwendung gebracht wurde, oder ob Himmler, oder das SS-Wirtschafts- und 
Verwaltungshauptamt (Inspektion fr das Konzentrationslagerwesen) oder der 
Chef der Sicherheitspolizei - dieser jedoch auch nur in selteneren F„llen - in 
Abweichung der genannten Wortgebilde, hierfr, der Letzstelle(sic) das Wort 
,t”ten", befahl.
Himmler befahl dem Chef der Sicherheitspolizei ein bestimmtes Kontigent, aus 
einem bestimmten Territorium, innerhalb eines bestimmten Zeitraumes, nach 
einem bestimmten Zielort zu deportieren. Und das SS-Verwaltungs- u. 
Wirtschaftshauptamt erhielt von ihm Befehl, was mit den Deportierten zu 
geschehen hat.
Dies ergibt sich eindeutig aus den Dokumenten.

						/273/				AE: 192

Schon das Wort ,Sonderbehandlung", ganz allgemein als ,t”ten" aufgefaát, hat in 
Wirklichkeit die verschiedensten Definitionen, beziehungsweise 
Auslegem”glichkeiten gehabt.
So zum Beispiel anl„álich der von Hitler und Himmler befohlenen 
Polendeportation; hier verstand man unter ,Sonderbehandlung" folgendes:
Das Rasse und Siedlungshauptamt erkannte, wer zu den von diesem Amt 
aufgestellten Wertungsgruppen I bis IV einzuordnen sei. Himmler oder sein 
jeweils ”rtlicher Vertreter, der H”here SS- und Polizeifhrer, entschied, was mit 
den einzelnen Wertungsgruppen zu geschehen habe; n„mlich,
Eins.) zum Arbeitseinsatz in das Reich;
Zwei.) zur Deportation aus den neuen Ostgebieten in das Generalgouvernement;
Drei.) Aufteilung in Rentendrfer im Generalgouvernement.
Vier.) In das Konzentrationslager Auschwitz, oder
Fnf.) Eindeutschungsf„hig.

Dies alles fiel unter dem(sic) Begriff ,Sonderbehandlung".
Es sind noch Vordrucke, bzw. Formulare des Rasse- u. Siedlungshauptamtes 
erhalten geblieben, in denen es heiát:
,Betrifft: ,Sonderbehandlung" - (Name) Bezug: Erlaá des Reichsfhres SS-S IV 
D 2 ... Hierdurch erfllt der Obengenannte
						/274/				AE: 193

in rassischer Hinsicht die Voraussetzungen, die an einzudeutschende 
Fremdv”lkische gestellt werden máen. Er gilt als eindeutschungsf„hig."

Ein anderes Formblattbeispiel:
,Betrifft: ,Sonderbehandlung" - (Name)
Hierdurch erfllt der Obengenannte in rassischer Hinsicht nicht die 
Voraussetzungen, die an einzudeutschende Fremdv”lkische gestellt werden 
máen. Er gilt als nicht eindeutschungsf„hig.  /am Rand Ziffer 56/

Es ergib sich zweifelsfrei, daá das Wort ,Sonderbehandlung" in solchen F„llen, 
mit ,T”tung" nicht das Geringste zu tun hat. Das Wort wurde hier ohne 
Zweideutigkeit, also ohne eine Tarnungsabsicht, fr eine auáergew”hnliche 
Behanldung einer Personengruppe gew„hlt, die nach einer Befehlsgebung 
Himmlers, in verschiedene Kategorien eingeteilt wurde; gleichgltig ob 
,eindeutschungsf„hig" oder nicht,wurde diese Musterung als ,Sonderbehandlung" 
bezeichnet.

Wenn ich solches heute schreibe, dann ist es mir als spr„ch ich vom Geschehen 
aus fernen, unwirklichen Welten. Ja, der Mensch kann es in seiner Torheit zu ganz 
unwahrscheinlichen šberheblichkeitsleistungen bringen. -

						/275/				AE: 194

Ein anderes Beispiel, aus den Richtlinien des Chefs der Sicherheitspolizei u. des 
SD, nach denen die sogenannten Kriegsdelikte zu bearbeiten waren. Sie stammen 
vom 26. Sept. 1939, und es heiát da:

,Sonderbehandlung" (Exekution)
. Sonderbehandlungen werden grunds„tzlich bei II A bearbeitet, mit Ausnahme 
von F„llen, der Sonderbehandlung gegen Geistliche, Theologen und 
Bibelforscher, fr die II B zust„ndig ist."  /am Rand Ziffer 57/

Hier also heiát ,Sonderbehandlung"" ganz einwandfrei ,t”ten". Solche F„lle 
entschied - die Richtlinien weisen ausdrcklich darauf hin - Himmler pers”nlich.

Zwei weitere Beispiele:
,Betrifft: ,Sonderbehandlung" von Juden.
Bezug: Bericht v. 6. 5. 42 - II B 2
Der Reichsfhrer SS- und Chef der Deutshcen Polizei aht angeordnet, daá die in 
vorstehenden genannten Bericht n„her bezeichneten Juden (es folgen sieben 
Namen) im Ghetto Neuhof, in Gegenwart ihrer Rassegenossen aufzuh„ngen sind."

,Betrifft: ,Sonderbehandlung" von Juden.
Bezug: Bericht v. 27. 3. 42 - II B 2
Auf Anordnung des Reichsfhrers SS

						/276/				AE: 195

und Chef der Deutschen Polizei, ist die von dort gegen die Juden (es folgen vier 
Namen) vorgeschlagene Sonderbehandlung, druchzufhren."

In beiden F„llen handelte es sich um Fernschreiben des 
Reichssicherheitshauptamtes an eine Staatspolizeistelle, die den Antrag auf 
Sonderbehandlung stellte. Das Reichssicherheitshauptamt war in disen F„llen 
nichts anderes, als die Stelle, welche solche Antr„ge befehlsgem„á an Himmler 
weiter zu leiten hatte und seine jeweilige Anordnung an die antragstellende 
Beh”rde durchgab.
Auch hier ist ganz einwandfrei unter ,Sonderbehandlung", t”ten zu verstehen.
/am Rand Ziffer 58/

Die Deportationstransporte liefen unter dem Betreff wie: ,Endl”sung der 
Judenfrage", ,Sonderbehandlung", ,Evakuierung nach dem Osten", so wie es 
befohlen wurde. Alle par(sic) Monate kamen diesbezglich neue Weisungen.
		Sie gingen nach Auschwitz, dem Generalgouvernement, nach Riga 
oder in den Warthegau. Hier war ,Sonderbehandlung", ,Endl”sung", 
,Evakuierung" usf. nicht gleich zu setzen dem Worte ,t”ten", denn es erfolgte 
sowohl Arbeitseinsatz, als auch T”tung.
Himmler selbst befaáte sich ganz pers”nlich mit der Tarnung.

						/277/				AE: 196

Einen Bericht des Inspekteurs fr Statistik, Dr. Korherr, ber den zahlenm„áigen 
Stand der Judenangelegenheiten in Europa, ber Deportationen, 
Sterblichkeitsziffern und Auswanderungszahlen vom Frhjahr 1943, best„tigt 
Himmler im April desgleichen Jahres an den Chef der Sicherheitspolizei mit den 
Worten, daá er diesen Bericht aus Tarnungsgrnden fr sp„tere Zeiten fr gut 
halte; im brigen wnsche er daá nach dem Osten evakuiert werde, was berhaupt 
nur menschenm”glich ist. Er verlangte nur noch Berichte mit zwei Zahlen, die 
ihm jeden Monat vorzulegen seien: Zahl der in dem Berichtsmonat deportierten 
Juden und die Zahl der in den einzelnen L„ndern noch vorhandenen Juden.

					-(17)-
Als eine der Folgen des Todes Heydrichs, den eine gegen ihn geschleuderte 
Bombe am 29. Mai 1942 in einem Vorort von Prag traf, wurde das Dorf Lidice in 
B”hmen, dem Erdboden gleich gemacht; seine Beowhner wurden entweder 
erschoáen oder deportiert.
Etwa hundert Kinder aus diesem Dorf wurden gem„á einem Befehl des H”heren 
SS- u. Polizeifhrers fr B”hmen und M„hren, Generalleutnant der Polizei, K. H. 
Frank, durch das Rasse und Siedlungshauptamt, Nebenstelle Prag, zur 
Umwandererzentralstelle nach Litzmannstadt, deportiert.

						/278/				AE: 197

Diese Kinder hatte man in Eindeutschungsf„hige und Nichteindeutschungsf„hige 
unterteilt. Die ersteren wurden in das Kinderheim ,Brocken" berfhrt und 
bezglich der nichteindeutschungsf„higen Kinder schrieb der damalige Leiter der 
litzmannst„dter Umwandererzentralstelle an alle m”glichen Dienststellen, mit der 
Bitte um Weisung, was mit diesen zu geschehen habe.
Auch mein Referat schrieb er an.
Mein Dezernat war fr cechische Angelegenheiten nicht zust„ndig. Trotzdem 
hatte Gnther der ,St„ndige Vertreter" von mir, aus einem Grunde, den ich 
mangels jedweder Zust„ndigkeit nicht einzusehen vermag und ihn auch nicht 
erkl„ren kann, der Umwandererzentrale geantwortet, daá die 
nicheindeutschungsf„higen(sic) Kinder, an die Staatspolizeistelle Litzmannstadt 
zu bergeben seien, die weiteres veranlaáen werde.

Die Anklage beschuldigte mich nun, ich h„tte diese Kinder der Sonderbehandlung 
zufhren lassen und sie seien get”tet worden.
		Es ist eine jener aus der Luft gegriffenen Anschuldigungen gegen mich, 
denn ich habe mit der gesamten Angelegenheit berhaupt nichts zu tun gehabt.
Weder mit der Deportation, noch mit irgend einer Weisung, was mit den Kindern 
geschehen soll.
Die Kinder sollten auch gar nicht get”tet

						/279/				AE: 198

werden und wurden auch nicht get”tet. Sie sollten gem„á dem Wissen des 
damaligen SS-Obersturmbannfhrer Krumeg(?), dem Leiter der 
Umwandererzentrale in Litzmannstadt, laut seiner Zeugenaussage vom 6. Juni 
1961, einem Polentransport in das Generalgouvernement angeschlossen werden.
Und nach einer eidesstattlichen Erkl„rung der Frau Waltraut Elise Freiberg, 
welche vor dem Notar Dr. Kurt Merling in Bremen am 21. Juni 1961, abgegeben 
wurde, befanden sich noch am 20. Januar 1945 in einem Heim in Puschkau 
(ehem. Gen. Gouv.), etwa dreiáig Kinder aus Lidice.
Fr die mir seitens der Anklage vorgeworfenen Handlungen, hat die 
anklagebeh”rde keine Beweise erbringen k”nnen. /am Rand Ziffer 59/

Abgesehen davon, daá ich mich selbstverst„nldich meiner Haut zu wehren gehabt 
habe, wenn mir Dinge zur Last gelegt werden, mit denen ich nichts zu tun hatte, 
ist es ein erschtterndes Bild und unsagbar traurig,wenn man so sieht welches 
Unheil die Ausgeburt des Krieges ber die Menschheit bringt. Alle, die gesamte 
Kriegsgreuel ist im h”chsten Maáe besch„mend; auch ich sch„me mich ber alle 
Maáen, egal ob ich damit zu tun hatte oder nicht.

						/280/				AE: 199
 
Es wird allm„lig(sic) wirklich Zeit, daá dem Menschen endlich der Schutz gegen 
machtlsterne Ehrgeizlinge zuteil wird, der solches Geschehen unm”glich macht; 
denn deren akute Gef„hrlichkeit ist im Zeitalter der nuklearen 
Maáenvernichtungsmittel gr”áer denn je. Und bei Fortdauer des jetzigen 
Zustandes ist die Zukunft der Menschheit unheilschwanger, jederzeit bereit neuen 
gewaltsamen Tod, neue Tr„nen und neues Leid zu geb„ren und damit neuen 
Grabeshauch ber die Menschheit zu bringen.
Und die das Leid zu tragen haben, werden genau wie bisher die Unbeteiligten, 
und letzten Endes ebenso die Befehlsempf„nger sein und bleiben.
Und wenn wir Jetzigen schon zu beschr„nkt waren, eine Žnderung 
herbeizufhren, dann sollten unsere Kinder aus unserem Unverstand die Lehren 
ziehen und den Schritt zur Anpassung, an die menschlichen Wnsche tun. Es w„re 
ein Schritt nach vorw„rts; wir Alten gingen auf dem Gebiet des menschlichen 
Zusammenlebens, h”chstens einem solchen zurck. Uns hat der Mut dazu 
offenbar gefehlt. Die Jugend der V”lker muá sich einig werden. Die 
organisatorischen Erstvoraussetzungen bestehen ja in Form der tausende von 
Jugendverb„nde.
Setzt Euch zusammen und werdet eins! Dann schafft den 
Eigenstaatlichkeitsgedanken mit den partikularistischen Hoheitsrechten

					/281-282/				AE: 200

und den gesamten politischen Anhang ab. Schafft Euch statt dessen eine zentral 
regierende K”rperschaft, zum Nutzen und Wohle aller V”lker der Erde.
/Zusatz von Seite gegenber: 
Eine solche K”rperschaft mit allen notwendigen bernationalen 
Regierungsvollmachten auszustatten, bedarf selbstverst„ndlihc einer 
šberwindung instanzieller und ideeller Hemmungen. Auch sind die 
Zust„ndigkeitsverlagerungen, mit gewissen Anfangsschwierigkeiten zweifelsohne 
verbunden.
Aber zugegeben, Mord und Vernichtungsbefehle m”gen unter Aufwand 
geringerer Hemmungen und Schwierigkeiten seitens der Staatsfhrung erteilt 
werden k”nnen, so bleibt immer noch die Frage offen, ob es sich nicht lohnt, 
selbst allergrӇte Schwierigkeiten, egal welcher Natur, dann in Kauf zu nehmen 
und an ihrer Bereinigung zu arbeiten, wenn dadurch Friede, Freude und Glck 
unter die Menschen gebracht werden kann.
Bisher h”rte man stets von Blut, Schweiá und Tr„nen./
Und wenn eine solche Renaissance das m„nnliche Geschlecht nicht schafft, er 
w„re m”glich, denn es hat leider auf diesem Gebiete nur Unheil gebracht, dann 
sollen die Frauen es versuchen. Denn sie sind in Wahrheit die Erhalter und 
Bewahrer des Lebens. Man kann zu ihrem K”nnen auf diesem Gebiete jedenfalls 
mehr Vertrauen haben, als zu den abgentzten diesbezglichen Knsten der 
M„nner.
Es heiát, die Frauen lieáen sich von den Gefhlen leiten, wohingegen wir M„nner 
uns den Vernunftsstandpunkt zu eigen machen wáten. Abgesehen davon, daá ich 
von einer Vernunft auf dem Gebiete der Politik ohnedies bis jetzt nichts gemerkt 
habe, frage ich mich, was etwa dagegen spr„che, wenn weibliche 
Gefhlsbestimmtheit, einmal den m„nnlichen Unvernunftsstandpunkt auf diesem 
Gebiete abl”sen wrde. Schlechter und schlimmer kann es niemals werden; 
hingegen h„tte die Menschheit die Aussicht, daá es sehr wahrscheinlich besser 
wrde.

						/283/				AE: 201

Da habe ich vor mir wieder solch ein Beispiel m„nnlicher ,Vernunft" liegen. Es 
ist ein Schreiben des Chefs des SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamtes, an 
Himmler, vom April 1944.

,Reichsfhrer!
Ich bersende hierbei eine Karte des Reichsgebietes mit dem 
Generalgouvernement, den Ostlanden und den Niederlanden, in welchem nach 
dem Stand vom 31. 3. 1944, alle Konzentrations- und Arbeitslager eingezeichnet 
sind.
Es bestehen jetzt:
Im Reichsgebiet -----------------   13 Konzentrationslager
Im Generalgouvernement -------    3   - -
Im Ostland ------------------------    3   - -
In den Niederlanden ------------     1   - - 
					   __________
					Total 20 Konzentrationslager

Auáerdem werden folgende Arbeitslager unterhalten:
Im Reichsgebiet -----------------   130 Arbeitslager
Im Generalgouvernement ------      3  - -
Im Ostland ------------------------   30  - -
In den Niederlanden -------------     2  - -
					__________
				       Total 165 Arbeitslager

Zu Eickes Zeiten gab es insgesamt 6 Lager; jetzt 185!
						Heil Hitler!
						Gez. Pohl
						SS-Obergruppenfhrer und
							General der Waffen SS."
/am Rand Ziffer 60/

					/284-285/				AE: 202

Bei dem genannten Eicke, handelt es sich um den Vorg„nger von Glcks, dem 
Inspekteur fr das Konzentrationslagerwesen. Im Jahre 1941, bekam der SS-
Gruppenfhrer und Generalleutnant der Waffen SS, Eicke, Befehl, eine 
Fronteinheit zu bernehmen. ,Eickes-Zeiten" h”rten demnach 1941 auf. Ab dieser 
Zeit, bis zum April 1944, wurden 179 Konzentrations- und Arbeitslager neu 
errichtet.

Ulrich von Hutten /Schreibung des Namens auf Seite gegenber verdeutlicht/, wo 
sind deine Tage!
Wahrlich, es ist wirklich keine Lust mehr zu leben. Es ist mir unglaublich und 
erklingt mir unwahrscheinlich, daá ich selbst mitten drinn in all disem Geschehen 
stand.
Wenn solche Zust„nde wenigstens mit dem Jahre 1945 aufgeh”rt h„tten zu 
bestehen; aber wieviele Konzentrationslager mag es wohl heute geben?

					-(18)-
/ Bemerkung auf Seite gegenber:
Falls die auf Seite 202 bis 204 von -Anfangszeichen- bis -Endzeichen- 
geschrieben(sic) Zeilen besser in Fortfall kommen sollen, dann bittte streichen./
šber eines freue ich mich, daá es mir ein Schicksal erm”glicht hat, ber all solche 
Dinge noch frei und frank reden und nicht etwa vom H”rensagen, sondern 
erlebnisbedingt, aus eigener Anschauung heraus, diese Dinge niederschreiben zu 
k”nnen.
Aus keiner pers”nlichen Verbitterung heraus, kommen meine Worte, denn ich 
habe gelernt ich selbst zu erkennen und in dem Maáe ich mich erkannte, sah ich 
auch

						/286/				AE: 203

die Fehler, welche ich machte.
Kant setzte dieses Selbsterkennen zur Vorbedingung meiner Grundhaltung, zu 
meinem praktischen Bewuátsein; und auch Sokrates, jener Weise der Antike, 
macht dieses Selbsterkennen zu etwas Prim„ren, zu einer zu stellenden 
Voraussetzung schlechtweg, fr alle meine ausrichtung auf die ethischen Werte.
Aber was ntzt mir in der Praxis die ganze Selbsterkenntnis und alle sch”nen 
Lehren verstorbener und lebender Weisen, wenn die jewielige Staatsknute mich 
unter Vormundschaft stellt.

Als Schler gr”hlten wir vor etwa vierzig Jahren, zum Leidwesen unserer 
Professoren,

,Ihr Leut vernehmt die Moritat,
Die sich einst zugetragen hat;
Er war vor rund zwotausend Jahr,
Islauverhar, Islauverhar.

Da war in Griechenland zu seh'n,
Die wundersch”ne Stadt Athen;
Dort lebt zur Zeit des Perikles,
Sokrates, Sokrates.

Auf Markt und Straáen blieb er steh'n,
Wo Mann und Weib vorber geh'n;
Sprach jeden an O anthrope, 
Gnothise, gnothise.

					/287-288/				AE: 204

Die Gendarmerievon Athen
Fand dieses Treiben gar nicht sch”n;
Drum packt ihn eines Tag's am Arm,
Ein Gendarm, ein Gendarm.

Der schleppt auf das Disterichon,
Den altersschwachen Mann davon;
Und dorten sprach der Staatsanwalt,
Macht's ihn kalt, macht's ihn kalt.

In einer finsteren Kerkernacht.
Da ward er endlich umgebracht;
Mit einem Becher Schierlingssaft,
Ekelhaft, ekelhaft."

Ja, auch dieser Weise muáte sein Leben der menschlichen Unvernunft und 
Einsichtslosigkeit hingeben.
Auch er vermochte sich gegen die Staatsgewalt nicht anders durchzusetzen, als 
durch seinen Opfertod.
Die von seinen Freunden erwirkte Fluchtm”glichkeit ausschlagend, verwieá(sic) 
er auf die gesetzlichen Bestimmungen; er empfahl ihnen, nach seinem Tode den 
G”ttern einen Hahn zu opfern und trank den Becher aus. Soweit die Geschichte, 
wie sie auf uns kam. Ich war kein Sokrates; ich war auch kein Giordano Bruno.
/Zusatz von Seite gegenber: Und selbst einem Geist von dem Format eines Platon 
gelang es nicht, den tyrannen Dionysios von seiner staatspolitischen Linie 
abzubringen und statt dieser, platon'sche Staatsfhrungsvorstellungen zu 
praktizieren./

						-(19)-
Auf Weisung des deutschen Reichsauáenministers von Ribbentrop, fand am 3. u. 
4. April 1944 in Krummhbel, eine Arbeitstagung der Judenreferenten der 
deutschen Missionen

					/289-290/				AE: 205

in Europa statt. Sie wurde beschickt von zwei Gesandten, zehn Doktoren, einigen 
Legationsr„ten, Konsulen, Regierungsr„ten und anderen. Der Gesandte Prof. Dr. 
Six bergab nach der Begráung, den Vorsitz an den Gesandten Schleier 
/Schreibung des Namens auf Seite gegenber verdeutlicht/. Dieser sprach nun in 
seinem Er”ffnungsreferat ber ,Aufgaben und Ziele der antijdischen 
Auslandsaktion". Ihm schloá sich Dr. Six ber ,Die politische Struktur des 
Weltjudentums" an. Es folgte weiter ein Vortrag des Legationsrates Dr. von 
Thadden /Schreibung des Namens auf Seite gegenber verdeutlicht/: 
,Judenpolitische Lage in Europa, šbersicht ber den Stand der antijdischen 
Exekutivmaánahmen".

Der Gesandte Dr. Six stellte fest, daá das Judentum in Europa seine biologische 
und gleichzeitig seine politische Rolle ausgespielt habe; die physische 
Beseitigung des Ostjudentums entziehe dem Judentum die biologischen Reserven. 
Nicht nur in Deutschland, auch international, máe die Judenfrage zu einer 
L”sung gebracht werden.

Der Legationsrat von Thadden schloá seine Ausfhrungen an die Vertreter der 
Missionen mit der Bitte der Unterdrckung jeder, auch antijdisch getarnten 
Propaganda, die geeignet ist, die deutschen Exekutivmaánahmen zu hemmen oder 
zu behindern. Ferner, Vorbereitung des Verst„ndnisses in allen V”lkern, fár 
Exekutivmaánahmen gegen das Judentum. Des weiteren laufende 
Berichterstattung ber die M”glichkeit, auf diplomatischen

						/291/      			AE: 206

Wegen, versch„rfte Maánahmen gegen das Judentum in den einzelnen L„ndern 
zur Durchfhrung zu bringen. Und letzlich(sic), laufende Berichterstattung ber 
Anzeichen fr Gegenaktionen des Weltjudentums, damit rechtzeitig Gegenminen 
gelegt werden k”nnen.
Es wurde davon Abstand genommen, die von dem Referenten vorgetragenen 
Einzelheiten ber den Stand der Exekutivmaánahmen in den einzelnen L„ndern, 
in das Protokoll aufzunehmen, da dieselben geheim zu halten seien.
Es folgten schlieálich noch etwa zwanzig weitere Referate, welche von den 
einzelnen Tagunsteilnehmern gehalten wurden.  /am Rand Ziffer 61/

Diese Dokumente sind mir - ich geh”rte nicht zu den Tagungsteilnehmern - mit 
den anderen Unterlagen aus jener Zeit, hier in Israel vorgelegt worden und waren 
ebenfalls Gegenstand der Er”rterungen w„hrend des Prozesses.

Ja, wenn ich gleichzeitig dazu die Zeugenaussage von Prof. Dr. Six, die er im 
Jahre 1961 in Deutschland gemacht hat, lese und dazu die Zeugenaussagen des 
ehemaligen Legationsrates Dr. von Thadden, aus den Jahren kurz nach dem 
Waffenstillstand von 1945, dazu ferner einige der hier in Israel gegenst„ndlichen 
Unterlagen aus der Korrespondenz Dr. Six mit dem Fhrer des damaligen SD-
Oberabschnittes Donau und

						/292/				AE: 207 

andere, dann muá ich schon sagen: merkwrdig; sehr merkwrdig ist dies alles. -

Ich hatte mit dem Legationsrat Dr. von Thadden in den Jahren bis 1945, sehr viel, 
man k”nnte sagen, laufend zu tun gehabt. Denn er war eine Zeitlang Referent im 
Ausw„rtigen Amt gewesen. Ein lebhafter Aktenverkehr verband ber unsere 
unmittelbaren Vorgesetzten, sein Referat mit dem meinen. Hunderte solcher 
Dokumente liegen heute noch vor.
Pers”nlich war Herr von Thadden eine liebenswerte Erscheinung; gem„áigt, 
ruhig, brokratisch-trocken. Nur eines verstehe ich nicht, wie er frank und frei in 
Nrnberg behaupten konnte, er habe von den T”tungen berhaupt nichts gewuát, 
er máe schon sagen, daá der SS-Obersturmbannfhrer Eichmann, ihn nach Strich 
und Faden belogen habe und wie er jetzt feststellen máe, sogar sehr geschickt.
Dabei hatte er aber im April 1944 ber eben dieselben Angelegenheiten so 
Eindeutiges vorzutragen gehabt, daá dasselbe nicht einmal in das Protokoll der 
Tagung Aufnahme finden konnte.
Es ist mir bekannt, daá Lgen gerne und Vorzugsweise entstehen, wenn man 
gefragt wird. Und nach 1945 wurde sehr viel gefragt. Ich trage Herrn von 
Thadden auch pers”nlich nichts nach.
Ich stelle nur fest, durch solches und Žhnliches, hat sich dann zwangsl„ufig

						/293/				AE: 208

ber meine Person eine Vorstellung herauskristallisiert, als sei ich in Wahrheit der 
treibende und mit hauptverantwortliche Faktor an den Maánahmen gegen die 
Juden gewesen. Eine Vorstellung, die allerdings anl„álich des Prozesses gegen 
mich erschttert wurde, und von vielen Uneingeweihten staunend zur Kenntnis 
genommen werden muáte, kurz eine Annahme, welche Schiffbruch erlitt.
Es sind solche Vorstellungen, die sich da breit machen konnten, die Folge, daá ich 
bei manchen der seinerzeit in Nrnberg in Haft Gehaltenen, gewissermaáen zum 
,deus ex machina" avancierte. In ihrer Misere hatten sie pl”tzlich erkannt, daá, 
indem sie alles auf mich abladen - weil ich ja nicht erreichbar war - sich ihre 
eigene damalige Situation nur verbessern konnte.

Prof. Dr. Six war eine Zeitlang im SD-Hauptamt mein Vorgesetzter gewesen, 
wenn ich von einem zwischen mir und ihm noch eingeschalteten Abteilungsleiter 
und einem Hauptabteilungsleiter, absehen will. Er war auáerdem um jene Zeit 
Dekan der ,Auslandswissenschaftlichen Fakult„t der Universit„t zu Verlin"; aber 
dies sagte ich ja schon einmal. Dr. Six war „uáerst scharfsinnig und intelligent; 
ihm ein ,X fr ein U" vorzumachen, war unm”glich. Wenn ich von meiner ,nach 
1945er Warte aus" die Dinge so recht besehe, dann muá ich sagen, daá das 
,Auslandswissenschaftliche" der Krumhbler Konferenz, es best„tigt,

						/294/				AE: 209

daá es mit seiner Intelligenz eigentlich so recht betrachtet auch nicht recht viel 
weiter bestellt sein konnte, als bei mir. Denn sie hat uns beiden einen gar argen 
Streich gespielt kommt mir vor. Freilich, um keinerlei Miáverst„ndnis 
aufkommen zu lassen, verfgte ich nur ber jenen ,Hausgebrauchsgrad" an 
Intelligenz, der mir eben so zukam; mich dieserhalb mit einem ehemaligen Dekan 
messen zu weolln, erscheint mir frivol. Dieses beeile ich mich hinzu zu setzen. 
Und ich h„tte das ganze Kapitel ,Intelligenz" kaum berhrt, h„tte Dr. Six dieses 
nicht in seiner Zeugenaussage im Jahre 1961, von sich aus angeschnitten. Aber 
wie dem immer auch sei, ich denke, wir h„tten beide besser daran getan, uns mit 
anderen Dingen zu besch„ftigen, als mit der damaligen ,Weltanschauung". Und 
ich meine dies nicht im Hinblick auf den heutigen wirtschaftlichen Status, mit 
dem man gewissermaáen als Folgeerscheinung vorlieb nehmen muá - obzwar ich 
mich bezglich meiner „uáeren Lage in den letzten zehn Jahren in Argentinien 
keinesfalls beklagen m”chte, was mir umso leichter f„llt, da ich pers”nlich 
ohnedies nie ein besonderes Verh„ltnis zum Geld oder Geldeswert gehabt habe - 
sondern ich denke bei der Vergleichsziehung zwischen damals und heute, an 
einen ethischen Gewinn, den man in einem direkt proportionalen Verh„ltnis zu 
den inzwischen erreichten Lebensjahren h„tte fr sich buchen k”nnen, h„tte man 
nicht teils aus eigener Torheit, teils umst„ndebedingt, ein jahrelanges ,geistiges 
Vacuum" zu durchlaufen gehabt.

					/295-296/				AE: 210

Aber auch Dr. Six trage ich pers”nlich nichts nach; ich mochte ihn als Mensch, in 
der Zeit, da er mein Vorgesetzter war, gerne leiden.
Die Zeugenaussage von Prof. Dr. Six, bezglich des Versuchenk”nnens, sich von 
Einsatzgruppen zu distanzieren, beziehungsweise davon los zu kommen, unter 
Hinweis darauf, daá es ihm selbst ja auch gelungen sei, hat den 
Generalstaatsanwalt veranlaát, in dem Verfahren gegen mich, darauf Bezug zu 
nehmen.
Auch die Aussage des Herrn Von dem Bachzelewski - ehemals General der 
Polizei - daá die M”glichkeiten gegeben waren, sich einem Auftrag durch 
Versetzungsgesuch zu entziehen, geht meines Erachtens, soweit es meine Person 
betrifft, an den(sic) Kern der Sache vorbei.
Ich kennen Hernn Von den Bach-Zelewski nicht pers”nlich, ich habe aber ber 
ihn stets nur Gutes und Lobenswertes, als Mensch, geh”rt.
Ich denke nun, daá mir beide Herren recht geben, wenn ich sage, daá es ein 
gewaltiger Unterschied ist, wenn sich ein General der Polizei oder ein Amtchef im 
Reichssicherheitshauptamt von etwas zurckziehen will, oder ob einer ihrer 
Referenten bei ihnen mit solch einem Ansuchen vorstellig wird. 
/Gestrichenes ersetzt durch Zusatz von Seite gegenber: Versetzungsgesuche, die 
konnte man freilich machen, da hinderte einem(sic) niemand daran, aber ich 
denke und da braucht/ man kein Wort mehr darber zu verlieren, weil solche eben 
abschl„gig beschieden wurden. Besonders dann, wenn der betreffende Referent ja 
ohnehin keiner Einsatzgruppe angeh”rt, niemanden

						/297/				AE: 211
zu t”ten hat, keine Befehle dazu zu geben braucht, ja nicht einmal die 
Deportationsbefehle von sich aus anzuordnen hat. Wenn solch ein Referent 
beispielsweise im Reichssicherheitshaupamt, hinter dem Schreibtisch seinen 
Dienst macht - und trotzdem um Versetzung einkommt - oder wenn er nach 
Ungarn zum Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD versetzt wird und 
damit sowohl diesem, als damit auch dem H”heren SS- u. Polizeifhrer, der 
gleichzeitig sein Gerichtsherr ist, unterstellt wird. Oder wenn sich ein Referent 
von einem Oberabschnitt zu einem Unterabschnitt, sagen wir zum Beispiel nach 
Linz a/Donau, versetzen lassen will. Da heiát es bei negativem Ausgang des 
Ansuchens doch nur ,gehorchen und weiterdienen". Denn die Antworten lauten 
doch dann jedesmal ungef„hr so: ,Was wollen Sie denn, Sie haben doch nichts 
weiter als Ihre verwaltungsm„áige aktenarbeit zu erledigen. Kein Mensch verlangt 
von Ihnen, daá Sie t”ten sollen oder Befehle dazu geben. Auáerdem leben wir 
inmitten eines der gewaltigsten Kriege. Da haben auch Sie Ihre Pflicht zu erfllen; 
und zwar dort, wo Sie hingestellt werden. Es kann sich w„hrend eines Krieges 
niemand aussuchen, wo er gerne zu k„mpfen wnscht."
Genau solches h”rte man dann.
Stimmt es meine Herren? Hand auf's Herz! Ich will fr mich dadurch gar nichts 
erreichen; auáerdem ist die Beweisaufnahme in dem
						/298/				AE: 212

Prozess gegen mich l„ngst abgeschlossen. 
Es soll lediglich der Wahrheit dienen; und dem ein oder anderen kleinen 
Dienstgrad von ehemals, die M”glichkeit geben, sich darauf berufen zu k”nnen. 
Ich denke und dies kann mir niemand verwehren, dabei in erster Linie an meine 
eigenen Referatsangeh”rigen von damals. 
Ich kann diese Betrachtungen abrunden, mit einer Erkl„rung, welche Prof. Dr. Six 
anl„álich seiner Zeugenaussage im Jahre 1961 abgab, in der es u.a. heiát, daá 
schlieálich fr jeden von uns noch die M”glichkeit bestand, sich zu erschieáen, 
falls dem Ansuchen um Versetzung, nicht stattgegeben wurde. Dieses stimmt!
Ich habe es offenbar bersehen, mich zur richtigen Zeit zu erschieáen; bueno und 
in logischer Auslegung dieser Alternative, habe ich eben heute die Konsequenzen 
zu tragen.

Dr. Six hatte es fr sich erreicht, von einer Einsatzgruppe weg zu kommen. Er 
hatte es wie gesagt als einer der sieben Amtchefs des Reichssicherheitshauptamtes 
auch leichter. Er tauschte seinen Platz in der Sicherheitspolizei mit dem eines 
Gesandten im Ausw„rtigen Amt. Aber trotzdem sieht er sich im April 1944, als 
einer der Maágeblichen, auf der Krummhbler Konferenz wieder.
				(Fortsetzung siehe Seite 215)!

					/299-300/			AE: 213-214

/Die beiden Bl„tter sind nicht beschrieben, mit groáen Xen versehen; das erste 
davon tr„gt recht oben den Vermerk: Nummer existiert nicht -
schr„g ber die Seite steht: Irrtmlich ausgelassen, durch einen Zusatz welchen 
ich sp„ter einbaute./
						/301/				AE: 215

Nicht er war der Initiator, sondern sein Reichsauáenminister dies ist klar, und geht 
aus den Dokumenten hervor. Aber auch er hatte selbst als Gesandter, zu 
gehorchen und daá(sic) zu machen, was ihm angeordnet wurde.
Um wievieles mehr an Gehorsam hatte ein Referent zu leisten. -
Himmler hatte im Oktober 1943 vor seinen SS-Gruppenfhrern, also vor seinen 
SS-Gener„len, in Posen eine Rede gehalten. Unter anderen Punkten, behandelte er 
das Kapitel ,Gehorsam".
Er fhrte aus:
,Gehorsam wird im soldatischen Leben morgens, mittags, und abends gefordert 
und geleistet. Der kleine Mann gehorcht auch immer oder meistens. Gehorcht er 
nicht, so wird er eingesperrt.
Schwieriger ist die Frage des Gehorsams bei den h”heren Wurdentr„gern in Staat, 
Partei und Wehrmacht, auch hie und da in der SS. Ich m”chte hier etwas klar und 
deutlich aussprechen:
Daá der kleine Mann gehorchen muá, ist selbstverst„ndlich. Noch 
selbstverst„ndlicher ist es, daá alle hohen Fhrer der SS, also das ganze 
Gruppenfhrer-Korps, vorbilder des bedingungslosen Gehorsams sind. -------- In 
dem Augenblick aber, in dem der betreffende Vorgesetzte oder der Reichsfhrer 
SS - das kommt ja fr das Gruppenfhrer-Korps in den meisten F„llen in Frage -

						/302/				AE: 216

oder gar der Fhrer entschieden und den Befehl gegeben hat, ist er auch 
durchzufhren, nicht nur dem Wort und dem Buchstaben nach, sondern dem 
Sinne nach. Wer den Befehl ausfhrt, hat dies zu tun als getreuer Walter, als 
getreuer Vertreter der befehlsgebenden Gewalt. Wenn Sie zuerst glaubten, dies 
w„re richtig und jenes w„re nicht richtig oder sogar falsch, dann gibt es zwei 
M”glichkeiten.
Wenn einer glaubt, er k”nne die Befolgung eines Befehles nicht verantworten, 
dann hat er das ehrlich zu melden: ich kann es nicht verantworten, ich bitte mich 
davon zu entbinden. Dann wird wohl in den meisten F„llen der Befehl kommen: 
Sie haben das doch durchzufhren.
Oder man denkt: der ist mit den Nerven fertig, der ist schwach. Dann kann man 
sagen: Gut, gehen Sie in Pension. Befehle máen aber heilig sein."
/am Rand Ziffer 62/

Das h”rt sich nun ganz sch”n an. Aber wenn man bedenkt, daá es sich ja hier um 
SS-Gener„le handelt, auf welche Himmler diese, seine Worte mnzte, dann sieht 
es schon anders aus. Bezglich der kleineren Dienstgrade heiát es ja auch: er hat 
zu gehorchen; wenn nicht: einsperren. Ja, es ist eben genau daá(sic), was ich 
sagte: unsere damaligen Chefs hatten es in dieser Hinsicht einfacher. Auáerdem 
ist

						/303-304/			AE: 217

es eine alte milit„rische Erfahrung, seit Generationen: je weiter dienstgradm„áig 
herunter, desto rcksichtsloser und strenger, ,wird mit ihnen Schlitten gefahren". 
-------
/weiterer Abschnitt von 6 Zeilen unleserlich gemacht/

						-(20)-
Der Mensch unserer Tage insonderheit der Stadtmensch lebte und lebt in der Hast 
und der Hetzjagd, im tagt„glichen Kampf um seine Existenz. Diese Arbeiterei und 
Plackerei, der er zur Versorgung seiner selbst und der seiner Angeh”rigen 
unterworfen wurde /Zusatz von Seite gegenber: oft genug unter Umst„nden, die 
ihn rein nervlich bis an den Rand des gerade noch Ertr„glichen treiben,/ ist zur 
eigentlichen Inhaltsflle seines Daseins geworden. Und mit zunehmender Dichte 
der Erdbev”lkerung wird dieser Daseinskampf in zunehmendem Maáe 
rcksichtsloser und brutaler.
Er l„át ihm zur Sammlung geister(?) Werte, an denen er sich innerlich aufrichten 
k”nnte stets weniger Zeit und Muáe. Ja, darber hinaus wird es ihm, infolge 
seines abgek„mpften Zustandes in physischer und psychischer Hinsicht, stets 
schwerer, berhaupt noch ein Interesse fr eine solche Wertesammlung, 
aufzubringen. Dafr wird an Stelle solcher Verlangen ein potenzierter Egoismus, 
verbunden

						/305/				AE: 218

mit einer pessimistischen Grundeinstellung zu den Dingen des Daseins, und wenn 
er es je noch bedenken sollte, zu den dingen berhaupt, allwaltend.
		Eine auf dieses Milieu abgestimmte staatliche oder prarteiliche 
Propaganda, wird hier stets ihre Erfolge zeitigen.
In Deutschland beispielsweise vegetierte zur Zeit des Werdens der 
,Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei" ein Millionarbeitslosenheer, 
mehr schlecht als recht, dahin.
Die verschiedenen politischen Str”mungen mit ihren demagogischen 
Aufrufen, werden dem Individuum mittels einer psychologisch spezialisierten 
Propagandamaschinerie aufgedr„ngt, und beeinfluát schlieálich dessen sittliche 
Grundhaltung durch Richtungsabdr„ngung in das von Partei oder Staat 
gewnschte Denken und Tun.
Die ursprngliche Verschiedenheit der Gesinnung, den Einzelcharakteren 
entsprechend, wird in eine Norm gebracht, wird ausgerichtet; soll gleichgeschaltet 
werden. Damit aber geht die Voraussetzung einer individuellen Gesinnungsethik 
verloren und an seine Stelle tritt eine staatliche oder parteiliche ,Massenethik", 
besonderer Eigenart.
Das Individuum kann jetzt allenfalls wohl noch unterscheiden und 
entscheiden, was wertvoll und was gem„á seiner Einstellung und seinem 
Empfinden nach den allgemein gltigen sittlichen

				/306/				AE: 219
	
Werten zuwiderl„uft, aber er kann dem eigenen Denkresultat oder seinem eigenen 
Empfinden dann keinen sichtbaren Ausdruck mehr verleihen, wenn der 
Totalit„tsanspruch einmal staatlich-exekutiven Charakter angenommen hat, ohne 
pers”nliche, leibliche Gefahr auf sich zu nehmen; ja, selbst solch ein Opfer wird 
keine Žnderung des befohlenen Allgemeinzustandes herbeifhren.

/2 Zeilen unleserlich gemacht/
Der Handlungsfreiheit kann nur noch in jenen Bahnen Ausdruck verliehen 
werden, deren Richtung und Ziele der Staatsfhrung genehm ist. Und anstatt daá 
die menschlichen Triebwerte im Hinblick auf ein gedeihliches Zusammenleben 
der Menschen untereinander, zugunsten der moralischen Werte eine Unterordnung 
erfahren, ist es gerade umgekehrt. Mit eine der Konsequenzen ist dann schlieálich, 
daá an Stelle der gebotenen Rcksichtnahme auf die Interessen und Rechte 
anderer V”lker, das Recht gesetzt wird, welches dem eigenen Volke alleine 
ntzen soll, ohne Beachtung der Lebensnotwendigkeiten und des Lebens anderer 
Gemeinschaften, ja sogar auf Kosten dieser.
Solange dieser Zustand nicht ge„ndert wird, gibt es unbarmherzig weiterhin 
Katastrophen im V”lkerleben, so sicher wie das Amen in der Kirche. Und der 
Parlamentarismus verstecke sich nicht hinter der Tr”stung, daá solches doch nur 
in

						/307/				AE: 220

totalit„ren Staaten m”glich w„re und das(sic) diese alleine die ausl”senden 
Ursachen w„ren. Die geschichte gibt darauf ganz eindeutige Auskunft. 
						__.__

/1 Abschnitt von 9 Zeilen unleserlich gemacht; danach dieselben drei 
Abschluázeilen wie unten, gestrichen/

Des Schicksals Walten stellte mich in's Sein, in's Leben: als Mensch.
Und ihm entschwinde ich, gleich der Reise eines Wanderers in der Nacht.
Ein jeder hat auf diesem Gleise vieles, daá(sic) Schmerzen und auch Kummer 
macht.
							Ende des Teiles I
							Adolf Eichmann
							      6 - 9 - 61
					/308-309/				AE: 221

/die erste Seite ist leer, auf die Rckseite des Blattes sind etliche dreistellige 
Zahlen gekritzelt, offenbar Seitenberechnungen des ersten Manuskriptteiles/

						/310/

					Quellen zum Teil I
/1/  Dok. 1182
/2/  Dok. 1451 (T 107)
/3/  Dok. 5
/4/  Dok. 1168
/5/  Dok. 2, 38
/6/  Dok. 462 (T 110)
/7/  Dok. 77
/8/  Dok. 505 (T 115)
/9/  Dok. 1508
/10/  Dok. 1512, 1516, 1515  /daneben notiert, gestrichen: Dazu die L”wenherz-
Aktennotitzen, es sind deren glaublich 30. Aber die Nummern (Staatsanwalt No) 
fehlen mir. Man muá sie hier einsetzen. Aber nur die vor 1945 von ihm 
geschriebenen./
	         	Dok. 1139
		Dok. 1129 bis 1138
		Dok.  1139, 1140

/11/  Dok. 1169
/12/  Dok. 1139
/13/  Dok. 1571 (N 33)
/14/  Dok. 1171, 1176  /daneben notiert gestrichen: und die L”wenherz-
Aktennotitzen, (diejenigen, welche vor 1945 geschrieben wurden.)/

/15/  Dok 91
        Dok 108  /gestrichen, noch lesbar: Ich weiá nicht auswendig, ob es genau 
No 91 oder 61 ist. Bitte nachsehen./
        Dok. 784.
/16/  Dok. 1129.
/17/  Dok. 296.
/18/  Dok. 1193,
/19/  Dok 889, 1236, /gestrichen: 1557/ 541, 172 (Seite 7),
/20/  Dok. 192, 1181, 1557,
/21/  Dok. 1194, 1058, 550, 855, 1197.
/22/  Dok. 1397, 1396, 1087,
/23/  Dok. 1398,

						/311/

			Quellenverzeichnis zum Teil I.
				(Fortsetzung)

/24/  Dok. 1588, 36, 51, 554, 921.
/25/  Dok. 1399
/26/  Dok. 1398
/27/  Dok. 1485, 468, 1405, 1403, 1485, 14, 1458, 1488, 1461, 1400,
/28/  Dok. 1486, 1487
/29/  Dok. 172
/30/  Dok. 728, 738
/31/  Dok. 503, 197, 1064, 948, 1027
/32/  Dok. 874,

/33/  Dok. Poliakow ,schwarz" Seite 197 (Poliakov Dok. No 246)

/34/  Dok. IMT XIV, S. 467 (Aussage Schirach's vor dem Intern. Milit.
 Tribunal)
 	Dok. IMT XIV, S. 560
		Dok. 1634
		Dok. 1462, 1407, 1408.

/35/  Dok. 1395
/36/  Dok. 461
/37/  Dok. 1247, 1248, 1545, 1544, 1446, 504, 1193, 406, 1197, 42
/38/  Dok. IMT XXIII Seite 534, PS-3921
		Dok. 1193 (Seite 2), 138, 139.

/39/ Dok. hat Dr. Servatius. Wetzel'sches Handschreiben, samt den Entwrfen 
und Klartext. Die Nummern habe ich nicht; máen besorgt werden, da die Sache 
wichtig und interessant ist.

						/312/

/40/   946, 890, 1101, 465, 947, 74, 597.
/41/   841, 842, 876, 446, 877, 1206, 106, 878
/42/   174
/43/   701
/44/   389
/45/   1588, 36, 51
/46/   ,Der Kommandant von Auschwitz"
		,Captain Payne-Best, the ?? Incident, London 1950, S. 186 u. 227."
		,Die Zeugenaussagen des SS-Richters Morgan, in Nrnberg"
		Wdie Zeugenaussagen H”á in Nrnberg und in Polen"
		,Filip Friedmann, This was Oswiccim"
		,Bayle, Croix Gammee contre Cadmee(?)"

/47/   Dok. 1253
         Dok. 1537

/48/   Dok. 1174
/49/   Dok. 285, 1411, 1412, 287, 286, 1413, 289, 284,
/50/   Dok. 119, 728, 738, 739, 187, 1175  
/gestrichen, noch lesbar: (Die Dokumente ,Sonderkonto W" máen noch 
angefhrt werden. Ich kenne die Nummern nicht!)/

/51/   Dok. 1505, 468 (Seite 4 u 6), 1248
/52/   Dok. 1498,
/53/   Dok. 46, 913 (Seite 4), 175 (Seite 2)  912 (Seite 5775/76)  914, 874.
/54/   Dok. 843

						/313/				AE: 4

/55/   Dok. 773, 6, 29, 500, 235, 129, 395
/56/   Poliakov (rot) Seite 301 u. 302 
/57/   Dok. 410
/58/   Dok. 1254, 1255
/59/   Dok. 865, 866, 867, 868, 869, 936, 937, 938, 939, Dok. N 19., und Aussage 
Krumez Antsgericht Frankfurt a/Main v. 6. 6. 1961.

/60/   Dok. 558
/61/   Dok. 168, 506; Zeugenaussagen: Six 1961 in Deutschland
						   v. Thadden 1945-1948 in Nrnberg 
						   und 1961 in Deutschland
/62/   Dok. 150

/314/
G”tzen       Teil II.
Inhalt
Quellenverzeichnis ............. 20 Seiten
Teil II. (Seite 1 - 193  und 2 Seiten (1a, 1b.) als ,Eingang"
(unterteilt in 15 Abschnitte)
194 Seiten (einhundertneunzig und sechs als laufende Blattzahl.
Adolf Eichmann /Unterschrift/ 
6 - 9 - 61

/315/

II. Teil

/316/
AE 1A = 1a,
Teil II 
- 1 -
Wenn in den letzten 15 Jahren, Publizisten in Wort oder Schrift, sich mit meiner 
Person besch„ftigten, dann kann man beim Studium der Ver”ffentlichungen die 
Wahrnehmung machen, daá es hier zum Beispiel heiát: ja, eine Beteiligung 
Eichmann's an den Massakern im Osten behaupten zu wollen, erscheint wohl 
abwegig, aber er war der Verantwortliche fr die L”sung der Judenfrage in allen 
von Deutschland besetzten oder beeinfluáten brigen Gebieten Europas.
Nun, nachdem ich darauf in den Mittelpunkt solcher Beschreibungen gestellt 
wurde, ist es fr mich nicht ganz einfach, gerade ber das Kapitel West- Nord- 
Sd und Sdosteuropa zu sprechen, ohne bei schier jedem Satz in die pers”nliche 
Verteidigungsstellung zu gehen. Solches aber langweilt. Auf der anderen Seite 
aber, scheint es doch auch wieder selbstverst„ndlich, daá jemand, der fr etwas 
nicht verantwortlich war, also nicht der Drahtzieher, Initiator oder der Befehlende 
war, wohl aber dessen beschuldigt wird, daá sich ein solcher also, gegen falsche 
Beschuldigungen zur Wehr setzt; denn sonst erg„be es ja ein falsches Bild. Ich 
habe daher die beste und zugleich einfachste L”sung gefunden, in

/317/
AE 1B 1b
der Form, als ich glaube, daá es hier fr die Erziehung eines objektiven Bildes das 
Beste ist, weitgehend die damaligen amtlichen Dokumente selbst, mit ihren 
eigenen Worten sprechen zu lassen. Dadurch wird erreicht, daá selbst jede 
m”gliche Unterstellung etwa, ich sei mit "Aalgl„tte oder Doppelzngigkeit" an 
die Beschreibung der Materie herangegangen, von vorneherein verunm”glicht 
wird. Eine solche Betrachungsweise, die ich mit pers”nlichen Erinnerungen und 
Meinungen illustriere, scheint mir ein recht wahrheitsgetreues und anschauliches 
Bild zu vermitteln, just daá, was der Leser ja wissen will, n„mlich: was war denn 
nun wirklich damals das. Was ist wahr und was ist Geflunker. Und der Leser 
selbst wird es sein, der sich abschlieáend eom klares Urteil ber das Tats„chliche 
an dem Geschehen bilden kann.

/318/
AE 1
I
II. Teil
- 2 -
A. Frankreich
Am 21. Juni 1940 wurde in dem historischen Spreisewagen der "Internationalen 
Schlafwagengesellschaft" in Campiegna der Waffenstillstand zwischen 
Deutschland und Frankreich vereinbart.
Am 3. Aug. 1940 teilt der damalige ReichsauáenministerJoachim von Ribbentrop, 
dem Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, Berlins, folgendes mit. (1) Hitler 
habe gem„á seinem Vorschlag den bisherigen Gesandten, Abetz, zum Botschafter 
ernannt und ihm fr Frankreich u.a. folgende Aufgaben bertragen:
One.) Beratung der milit„rischen Stellen in politischen Fragen.
Two.) St„ndiger Kontakt mit der Vichy-Regierung und ihren Beauftragten im 
besetzten Gebiet.
Three.) Beratung der Geheimen Feldpolizei und Geheimen Staatspolizei bei der 
Beschlagnahme politisch wichtiger Dokumente.
Four.) Sicherstellung und Erfassung des ”ffentlichen Kunstbesitzes, ferner des 
privaten und vor allem jdischen Kunstbesitzes auf Grund besonderer hierzu 
erteilter Weisungen.
Ferner hatte Hitler ausdrcklich angeordnet, daá ausschlieálich Botschafter Abetz 
fr die Behandlung aller politischen Fragen im besetzten und unbesetzten

/319/
/gegenber S. 2/

Bemerkung fr die Zensur:
Diese schriftstellerische Arbeit kann nicht mit der Waage der Rechtsparagraphen 
gewogen werden. (Unterschriftskrzel)

/320/
AE 2
Frankreich verantwortlich ist.
Weiter teilt Ribbentrop mit, daá der Botschafter die Weisungen zur Durchfhrung 
seiner Aufgaben von ihm erhalte und ihm ausschlieálich hierfr verantwortlich 
sei.
Dies war eine Bestellung mit ungeheuren Vollmachten: Und so nimmt es nicht 
Wunder, daá Abetz bereits in einer Besprechung am 17. Aug. 1940 anregt, die 
Milit„rverwaltung in Frankreich m”ge anordnen, daá mit sofortiger Wirkung 
keine Juden mehr in das besetzte Frankreich hereingelangen. Ferner verlangte er 
die Vorbereitung zur Entfernung aller Juden aus dem besetzten Gebiet und 
schlieálich die Prfung, ob das jdische Verm”gen im betzten Gebiet enteignet 
werden kann. (2)
Der Chef der Milit„rverwaltung im besetzten Frankreich hatte diese 
Angelegenheiten nun von der brokratisch-administrativen Seite aus zu 
bearbeiten.
Um die gleiche Zeit hat das Ausw„rtige Amt in Berlin, den Pers”nlichen Stab des 
Reichsfhreres SS, um Stellungnahme zu der Anfrage Abetz, ber antisemitische 
Maánahmen, die als Grundlage dienen k”nnten, sp„ter auch die Juden aus dem 
nichtbesetzten Frankreich zu entfernen. (3)
Und am 20. Sept. 1940, beeilte sich Heydrich unter dem Briefkopf "Der Reichs-
/321/
AE 3
Fhrer SS und Chef der Deutschen Polizei im Reichsministerium des Innern, 
Aktenzeichen 5-IVD6-776/40 gRs.", dem Anfrager, SA Standartenfhrer, 
Gesandten Luther, die Antwort zu geben.
Er habe keinerlei Bedenken gegen die Durchfhrung der von Abetz geplanten 
Maánahmen und sei auch mit deren Erledigung durch die franz”sischen Beh”rden 
einverstanden.
Abetz aber ging bereits einen Schritt weiter als wie es bisher gesehen hatten, denn 
er verlangte die Meldepflicht der im besetzten Gebiet ans„áigen Juden, die 
Kenntlichmachung der jdischen Gesch„fte und die Einsetzung von Treuh„nder 
fr jdische Verm”gschaften, deren Besitzer geflohen waren. (4)
Eine entsprechende Einschaltung der in Frankreich stationierten deutschen 
Sicherheitspolizei aber - so meinte Heydrich - sei empfehlenswert.
Und am 1. Oktober 1940 ergeht ein weiterer Vorschlag von Abetz in 19 facher 
Ausfertigung, an die verschiedensten Zentralbeh”rden, indem er in Zukunft fr 
das besagte Gebiet Frankreich, Kollektivausbrgerungsverfahren fr n„her 
genannte jdische Personengruppem durchgefhrt wissen will. Er meint 
abschlieáend, daá diese angeregt Maánahme nur als erster Schritt zur L”sung des 
Gesamtproblems anzusehen sei. (5)

 /322/
AE 4
Die franz”sische Regierung in Vichy hatte inzwischen in der Person von Xavier 
Vallat, einen "Kommissar fr Judenfragen" ernannt. Dieser sprach am 3. April 
1941 in der deutschen Botschaft in Paris vor. Abetz berichtete an das Ausw„rtige 
Amt, wie folgt:
"Damit in einer sp„teren Stufe "auch die alteingesessenen" durch die gleichen 
Maánahmen wie die ausl„ndischen und neu naturalisierten Juden erfaát werden 
k”nnen, ist schon jetzt ein Gesetz notwendig, daá den franz”sischen 
Judenkommissar erm„chtigt, "alteingesessene" Juden, die gegen die spezialen und 
nationalen Interessen der franz”sischen Nation verstoáen haben, zu 
"ausl„ndischen" zu erkl„ren."
Er habe Xavier Vallat geraten, seiner Regierung in Vichy, ein solches Gesetz 
vorzuschlagen. (6)
Bereits am 4. Okt. 1940 hatte die franz”sische Regierung ein Vichy einen eigenen 
Judenstatut erlassen, in dem u.a. die Unterbringung jdischer Ausl„nder in 
besonderen Konzentrationslagern vergesehen war; und mit Erlaá IVD6-229/40 v. 
30 Okt. 1940 des Reichsfhrers SS-Chef der Sicherheitspolizei u. des SD, wurde 
die Errichtung besonderer Konzentrationslager fr die Juden deutscher, 
”sterreichischer, ?loslowatischer und polnischer Staatsangeh”rigkeit,angeordnet. 
Dieses teilte der Beauftragte des Chefs der

/323/
AE 5
Sicherheitspolizei u. des SD, fr Belgien und Frankreich, mit dem Sitz Paris, Dr. 
Knochen, dem Chef der Milit„rverwaltung Frankreich, am 28. Jan. 1941, mit. (7)
Ich habe hier an Hand der Dokumente einen kurzen Abriá des legislativen 
Fundamentes, welches zur Behandlung der Judenfrage in Frankreich geschaffen 
wurde, aufgezeigt. Weder ich, noch mein Dezernat trat bisher dabei in 
Erscheinung. Es wurde durch andere Dienststellen bearbeitet. Der in meinem 
Referat kurze Zeit dienstlich t„tig gewesene SS-Hauptsturmfhrer Dannecker, 
wurde gem„á Befehl meines Amtschefs seiner T„tigkeit im 
Reichssicherheitshauptamt enthoben und als Refernt dem Beauftragten des Chefs 
der Sicherheitspolizei, nach Paris versetzt.
Inzwischen war gem„á einer Anordnung G”rings die Auswanderung von Juden 
aus dem Raum des ,Groádeutschen Reiches", auch w„hrend des Krieges, im 
Rahmen der gegebenen M”glichkeiten, verst„rkt durchzufhren. Und da um jene 
Zeit nur ungengende Ausreisem”glichkeiten, besser gesagt, 
Einwanderungsbewilligungen, zur Verfgung standen, wrde eine Auswanderung 
von Juden aus Belgien und Frankreich, diese wenigen M”glichkeiten weiterhin 
schm„hlern. Daher sei eine Auswanderung aus diesen Gebieten zu verhindern.

/324/
AE 6
Abschlieáend wird auf die zweifellos kommende Endl”sung der Judenfrage 
hingewiesen. Dies wurde am 20. Maai 1941, allen Staatspolizeistellen, den 
Beh”rden in Frankreich, den SD-Dienststellen, sowie dem Ausw„rtigen Amt in 
Berlin, mitgeteilt. Ein Sachbearbeiter von mir hatte dieses Schreiben, gem„á eines 
Disposition meines Amtschefs om Reichsicherheitshauptamt, aufgesetzt; ich hatte 
dem Sachbearbeiter (IVB4b) die Richtpunkte des Chefs diktiert. 
Mein damaliger mir unmittelbar vorgesetzter Chef, der SS-Gruppenfhrer und 
Generalleutnant, der Polizei Heinrich Mller, muá einige Tage krank oder 
dienstlich unterwegs gewesen sein - eine Tatsache, welche zu den allergrӇten 
Rarit„ten z„hlte - denn sein damaliger Vertreter Schellenberg, unterschrieb diesen 
Runderlaá. Jener Schellenberg, der dann sp„ter nach der Ausbootung von Canaris, 
zu unumschr„nkten Herren der Deutschen Spionage und Contraspionage, kurz 
,Abwehr" genannt, werden sollte. (8)

Ich schnitt eben das Wort ,Endl”sung der Judenfrage" am. Um jene Zeit war 
gem„á meiner Erinnerung, unter diesem Begriff der bereits unter meiner 
Mitwirkung fertiggestellte ,Madagaskarplan" noch zu verstehen, der diesen 
,Betreff" fhrte und ber den an anderer Stelle dieser Arbeit

/325/
AE 7
ausfhrlicher berichtet ist. Die nun folgenden Zeilen, werden zeigen, wie dieser 
Plan - abgesehen von der sp„teren milit„rischen und politischen Lage, durch 
welche er berholt wurde - torpediert worden ist.
Ein Legationrat Dr. Zeitschel war in Paris zur Betreuung der dort befindlichen 
Diplomaten angestellt worden. Dies teilte Abetz dem Milit„rbefehlshaber in Paris 
mit. Dieser Dr. Zeitschel machte am 22. Aug. 1941, eine Aufzeichnung fr den 
Botschafter Abetz. In dieser heiát es, daá die fortschreitende Eroberung und 
Besetzung der weiten Ostgebiete, das Judenproblem in ganz Europa in krzester 
Zeit zu einer engltigen, befriedigenden L”sung bringen k”nnte. Man máte dort 
ein besonderes Territorium fr sie abgrenzen. Durch einfache milit„rische Befehle 
k”nnten die Juden der besetzten Gebiete wie Holland, Belgien, Luxemburg, 
Norwegen, Jugoslawien, Griechenland, in Massentransporten in das neue 
Territorium abtransportiert werden und den brigen Staaten nahegelegt werden, 
dem Beispiel zu folgen. Der Madagaskarplan sei zwar an sich nicht schlecht, 
drfte aber auf unberwindliche Transportschwierigkeiten stoáen, da die 
Welttonnarge zu anderen Dingen wichtiger gebraucht wrde, als groáe Mengen 
von Juden auf den Weltmeeren spazieren zu fahren. Ganz abgesehen davon, daá 
ein Transport von

/326/
AE 8
1e Millionen jahrelang dauern wrde.
Er schl„gt dem Botschafter Abetz nun vor, diese Angelegenheit dem 
Reichsauáenminister vorzutragen, damit dieser sich mit dem bereits ernannten 
Minister fr die Ostgebiete, Rosenberg, und dem Reichsfhrer SS Himmler 
zusammensetze, um die ganze Sache in dem von ihm vorgeschlagenen Sinn zu 
prfen.
Das Transportproblem der Juden in die Ostgebiete wrde selbst w„hrend des 
Krieges durchzufhren sein.
Er bitte weiter, bei dieser Gelegenheit auch besonders zu betonen, daá in 
Frankreich nicht gengend Lager zu Interniereung zur Verfgung stnden und 
man sich infolgedessen mit allen m”glichen Gesetzen und sonstigen Vorschriften 
durchhelfen máe, die doch im Ganzen gesehen, nur vorbergehende und nicht 
duchrgreifende Maánahmen seien.
Schlieálich schl„gt er Abetz vor, dieses Problem auch dem gerade jetzt fr 
Judenfragen sehr empf„nglichen Reichsmarschall G”ring, nahezubringen, da er 
sicher in seiner augenblicklichen Einstellung und nach seinen Erfahrungen des 
Ostfeldzuges, eine starke Sttze in der Durchfhrung der entwickelten Idee sein 
k”nnte.
Soweit Dr. Zeitschel.
Nun, dies muáten freudige Kl„nge in den Ohren des Reichsauáenministers von

/327/
AE 9
Ribbentrop gewesen sein. Behaglich war ihm sicherlich nicht zu Mute bei dem 
Gedanken einer federfhrenden Einschaltung des aktiven Heydrich mit seinen 
auáenpolitischen Ambitionen; im Falle Madagskar. Schlimm genug fr Ribbentop 
war schon, daá ausgerechnet Heydrich mit dem Posten eines ,Stellvertretenden 
Reichsprotektors" fr B”hmen und M„hren betraut wurde. Und Heydrichs 
Machthunger war grenzenlos. Dabei war Heydrich schlau, raffiniert und in seinem 
Sinne, von einer architekten„hnlichen Konstruktosit„t beselt; sehr im Gegensatz 
zu Ribbentrop. Jedenfalls muá Abetz auf willige und freudige Aufnahme gestoáen 
sein, denn kurze Zeit sp„ter, oder war es zur selben Zeit fiel der Madagaskarplan 
als integrale L”sung.
Und fr Frankreich selbst hatte Abetz, anl„álich seiner Anwesenheit im 
Hauptquartier die Genehmigung Himmlers erhalten, daá schon jetzt alle in den in 
Frankreich befindlichen Konzentrationslagern einsitzenden Juden nach dem Osten 
deportiert werden k”nnen, sobald dies die Transportmittel zulassen.
Dieses Ergebnis teilt Dr. Zeitschel am 8. Oktober 1941 dem Beauftragten des 
Chefs der Sicherheitspolizei und des SD fr Belgien und Frankreich, zu H„nden 
Danneckers, mit. (F„lschlicherweise heiát es in dem Dokument 
,Obersturmbannfhrer

/328/
AE 10
Dannecker. Ich kann versichern, daá Dannecker nie ber den Dienstgrad eine SS-
Hauptsturmfhrers (Hauptmann) hinauskam und die den Dienstgrad eines SS-
Obersturmbannfhrers (Oberstleutnant) innehatte).
Er bittet, nachdem es ihm also gelungen sei in deser Richtung die prinzipielle 
Einwilligung Himmlers zu erreichen, nicht locker zu lasen und alle paar Wochen 
einen Bericht nach Berlin loszulassen, mit der dringenden Bitte, baldm”glichst die 
Juden vom besetzten Frankreich abzuschieben. (9)
Damit also war die Befehlsgebung zur Deprotation von Juden aus Frankreich 
erreicht. Die Polizei bekam die entsprechenden Weisungen und hatte zu 
gehorchen. Was h„tte es beispielsweise gentzt, wenn ein Einzelner etwa h„tte 
verlauten lassen, nein, ich will nicht. Die SS- u. Polizeigerichtsbarkeit w„re 
eingeschritten und an seine Stelle h„tte ein anderer die Arbeit weiter zu fhren 
gehabt.
Der Milit„rbefehlshaber in Paris dr„ngelte, der Botschafter dr„ngelte und dieses 
Dr„ngeln hatte der Beauftragte des Chefs der Sicherheitspolizei u. des SD 
entgegenzunehmen. Denn Himmler hatte genehmigt.
Sobald es die Transportmittel zulassen.

/329/
AE 11
Wann lassen sie es zu?
Paris bedr„ngte das Reichssicherheitshauptmat. Mein Chef, der Amtschef des 
Amtes IV, befahl die Verhandlungsaufnahme mit dem zust„ndigen Dezernat des 
Reichsverkehrsministeriums. Der Reichsfhrer SS, Himmler, und der Chef der 
Sicherheitspolizei u. des SD, Heydrich, bestimmten den Personenkreis, 
bestimmten die Ausnahmen, bestimmten die Zielstation im Osten, bestimmten die 
Gep„ckkilogrammgrenze; alles im Einvernehmen mit dem Ausw„rtigen Amt und 
anderen, politischen Zentralinstanzen, unter Angleichung an die erster 
Deportierungswellen von Juden aus dem Altreichsgebiet, ™sterreich und dem 
Protektorat B”hmen und M„hen, im Herbst 1941.
Kein Dezernent im Reichsverkehrsministerium h„tte sagen k”nnen, wir haben 
keine Zge, die Transportlage erlaubt es nicht. Alles zusammen war ein 
brokratisches R„derwerk, in dem ein R„dchen ein das andere greift.
Die Triebr„der der Hauptwellen waren im Falle Frankreich, Dr. Zeitschel, Abetz 
und Ribbentrop; ferner Himmler und Heydrich. 
Es ist keine Theorie.
Die Dokumente beweisen es.

/330/
AE 12
Die Deportationen aus Frankreich liefen an.
Am 23. Oktober 1941 befahl Himmler in seiner Eigenschaft als Reichsfhrer SS 
und Chef der Deutschen Polizei, die Einstellung, besser gesagt, die Verhinderung 
der Auswanderung von Juden mit sofortiger Wirkung. Die Evakuierungsaktionen 
hatten davon unberhrt zu bleiben. (10)
Die Deportation wurde jedoch um die Wende des Jahres 1941/42, infolge des 
Weihnachtsurlauberverkehrs noch einmal verschoben. Dies teilte der Amtchef IV 
des Reichssicherheitshauptamtes, SS Gruppenfhrer und Generalleutnant der 
Polizei, Mller, am Heiligen Abend des Jahres 1941 um 23 Uhr dem Beauftragten 
des C.d.S. fr Frankreich und Belgien mit. /10 Zeilen gestrichen, unleserlich/ (11)
Am 28.2.1942 bekam ich Befehl, der Dienststelle Paris auf deren Anfrage vom 
27.2.1942, mitzuteilen, daá

/331/
AE 13
tausend Juden sofort nach Beendigung einer im Augenblick im Gang befindlichen 
Fahrplanbesprechung deportiert werden k”nnen. (12)
Aber es gab offenbar immer noch Schwierigkeiten, denn die Brokratie aller 
L„nder arbeitet eben in einem brokratischen Tempo. Befehlsgem„á hatte ich fr 
den 4.3.42 eine Judenreferenten-Besprechung in Berlin, abzuberaumen gehabt. In 
dieser hatte der zust„ndige Referent des Beauftragten des Chefs der Sipo u. des 
SD in Paris, neuerlich auf die Dringlichkeit einer sofortigen Deportierung 
hingewiesen. Auftragsgem„á hatte ich ihm eine Abnahme fr den Monat M„rz 
1942 zuzusagen (13) /2 gestrichene Zeilen/ und bekanntzugeben, daá 
vorbehaltlich der endgltigen Entscheidung durch Heydrich, schon jetzt mit der 
franz”sischen Regierung in Verhandlungen wegen Abschubs von fnftausen 
Juden nach dem Osten eingetreten werden k”nne. Weisungsgem„á habe es sich 
dabei zun„chst um m„nnliche, arbeitsf„hige Juden, nicht ber 55 Jahre alt zu 
handeln. Ferner sei dafr zu sorgen, daá die Juden franz”sischer 
Staatsangeh”rigkeit, vor dem Abschub oder sp„testens am Tage der Deportation 
ihre Staatsange-

/332/
AE 14
h”rigkeit verlieren, und die Verm”gensabwicklung máe gleichfalls erledigt sein. 
(14)
Hier spuckte die von der Abteilung I des Reichsinnenministeriums ausgekochte 
11. Verordnung zum Reichsbrgerschaftsgesetze, in den K”pfen meiner 
Vorgesetzten herum.
Als Deportierungsbeginn war gem„á Fahrplanregelung durch das 
Reichsverkehrsministerium der 23.3.1942 vorgesehen. (15)
Nachdem durch die Initiative des Staatssekret„rs fr das Sicherheitswesen in 
B”hmen und M„hren, Ritt. Frank und dem Reichsminster fr Volksaufkl„rung 
und Propaganda Dr. Goebbels die Kennzeichnungspflicht fr Juden fr das Gebiet 
des ,Groádeutschen Reiches einschlieálich B”hmen und M„hren" bei Hitler 
erwirkt war, gingen die Stellen der besetzten Gebiete daran, nunmehr auch die 
Juden dieser Gebiete der Kennzeichnungspflicht zu unterwerfen.
Der Milit„rbefehlhaber in Frankreich erlieá die vom Ausw„rtigen Amt, Berlin, 
genemigte Verordnung am 7. Juni 1942. Gleichzeitig damit erfolgte seitens des 
H”heren SS- u. Polizeifhrers in Frankreich, dem Vertreter Himmlers fr dieses 
Gebiet, SS-Brigadefhrer und Generalmajor der Polizei Oberg

/333/
fr Juden ein Verbot, ”ffentliche Einrichtungen zu betreten und an ”ffentlichen 
Veranstaltungen teilzunehmen.
/Der H”here SS- u. Polizeifhrer war gem„á einem Befehl Hitlers, einzusetzen 
und war noch nicht lange Zeit im Amte gewesen.Doch versprach man sich seitens 
des Milit„rbefehlshabers, wie auch seitens der Stellen der ”rtlichen 
Sicherheitspolizei durch diese neue Regelung eine gnstige Auswirkung im 
Hinblick auf die Endl”sung der Judenfrage - gestrichen/. (16) 


/334/AE 15
II
Ich sagte schon, daá der Beginn der Deportierung aus Frankreich zum 23.3.1942 
vorgesehn war und im wesentlichen auch eingehalten werden muáte. Sehr 
aufschluáreich in diesem Zusammenhang ist ein Fernschreiben des Chefs des 
deutschen Sicherheitspolizei fr Frankreich, Dr. Knochen, an mein Referat vom 
20.3.1942, worin er mir mitteilt, daá der Milit„rbefehlshaber endgltig mitgeteilt 
habe, daá er seinerseits keine Bewachungsmanschaften fr die Deportierung der 
ersten tausend Juden aus CampiŠgne, bzw. Drancy, stellen k”nne. Er bittet daher 
mit dem deutschen Oberkommando des Heeres diese Frage der 
Transportbegleitmannschaften zu regeln, da dieses ja auch den Befehl zu 
Inhaftierung und Deportierung dieser Juden ber das Hauptquartier Hitlers erwirkt 
habe. Als Transportabgang wurde jetzt der 28.3.1942 genant. (17)
Es ergibt sich daraus, daá neben Dr. Zeitschel - Botschafter Abetz - 
Reichsauáenminister v. Ribbentrop auch das Oberkommando des Heeres, fr den 
Beginn, bzw. Das Anlaufen der Deportierungen aus Frankreich, verantwortlich 
ist.
Freilich muáte letzten Endes das Ausw„rtige Amt seine Zustimmung zu solchen 
Deportierungen aus dem Ausland geben; zwar war es in diesem Falle eine 
lediglich formelle brokratische Notwendigkeit, da ja sein Chef pers”nlich, also 
Ribbentrop, das Einverst„ndnis dazu gegeben hatte. (18)
/335/
AE 16
Am 26. Jan. 1942 teilte Himmler dem Inspekteur fr das 
Konzentrationslagerwesen, dem damaligen Generalmajor der Waffen SS Gl„cks, 
mit, daá er sich darauf einzurichten h„tte 100.000 m„nnliche und 50.000 
weibliche Juden in den Konzentrationslagern aufzunehmen. Groáe wirtschaftliche 
Vorhaben seien in n„chster Zukunft zu verwirklichen. Sein Chef der Gegeral der 
Waffen SS, Pohl, wrde ihn im einzelnen unterrichten. (19) Und am 1. Februar 
1942, schuf Himmler innerhalb der Konzentrationslagerleitung, eine straffere 
organisatorische Fhrung. Er ernannte Pohl zum Hauptamtchef des Wirtschafts- 
und Verwaltungshauptamtes, dem Glcks als Chef der Inspektion, als Chef der 
Amtsgruppe D, unterstellt war. (20)
Befehlsgem„á muáte ich fr den 11.6.1942 wieder einmal eine Besprechung in 
Berlin anberaumen, zu der ich die Judenreferenten aus Paris, Brssel und Den 
Haag, auf dem Diesntweg, zu laden ahtte. Glcks hartte inzwischen 
Aufnahmevorbereitungen in Auschwitz getroffen und Himmler befahl die 
Deportation von 100.000 Juden aus Frankreich, 15.000 aus den Niederlanden und 
10.000 aus Belgien.
Gem„á Himmlers Weisung war Grundbedingung, daá die Juden zwischen 16 und 
40 Jahre alt sind, wobei er 10 % nichtarbeits-

/336/AE 17
f„hige Juden tolerierte. Ab 13.7. 1942 sollten diese Transporte gefahren werden 
und zwar w”chentlich deren drei. (21)
Als Himmler diesen Befehl seinem Chef der Sicherheitspolizei u. des SD erteilte 
lebte dieser noch. Aber am 29. Mai 1942 wurde er durch eine Bombe, verletzt. 
Sieben Tage sp„ter erlag er seinen Verwundungen.
Heydrich war tot. Himmler selbst bernahm die Leitung seines 
Reichssicherheitshauptamtes und sollte sie bis anfang Januar 1943 beibehalten. 
Erst um diese Zeit wurde Dr. Kaltenbrunner zum Nachfolger Heydrichs in sein 
Amt eingefhrt.
Der Tod Heydrichs l”ste allenthalben versch„rfte Aktionen auch gegen die Juden 
aus. Himmler befahl nunmehr, in Abweichung seines ursprnglichen Befehles, 
s„mtliche Juden, ohne Rcksicht auf Altersgrenzen und Geschlecht zu 
deportieren. Und zwar sobald als m”glich; sowohl aus dem besetzten, als auch aus 
dem unbesetzten Teil Frankreichs. Ich selbst wurde auf Befehl meines Amtchefs 
Mller nach Paris in Marsch gesetzt, um diesen Himmler-Befehl zu berbringen. 
(22)
Der von Dannecker am 1.7.1942, nach seinen Notitzen von ihm in Paris 
abdiktierte Vermerk, weist zwar eine Reihe von brokratischen Unm”glichkeiten 
und M„ngeln auf, so

/337/ AE 18
beispielsweise der ,Kopf" (RSHA = Reichssicherheitshauptamt, IV B4, in 
Verbindung mit dem Ort ,Paris" gibt es nicht). Der Vermerk ist weder beglaubigt 
noch gesiegelt. Es ist werder meine, noch Danneckers Unterschrift.
Jedoch sinngem„á erkl„re ich ihn als ungef„hr richtig wiedergegeben.

L„ngst schon war Dr. Knochen in Paris zum SS-Standartenfhrer und Oberst der 
Polizei bef”rdert worden und seine Dienststellung war die eines Befehlshabers der 
Sicherheitspolizei und des SD, in Frankreich. Nach dem Himmler Befehl, 
s„mtliche Juden aus Frankreich zu deportieren, wurden seitens der ”rtlichen 
Stellen in Paris die Kontakte mit den franz”sischen Stellen aufgenommen 
insenderheit mit dem franz”sischen Polizeichef Darquier de Pellepoix und dessen 
Vertreter Laguay. Mit dem Chef der Judenkartei in der Pr„fektur Paris, Direktor 
Tulard; ferner mit dem Vertreter des Pr„fekten Seine, Direktor Garnier; dem 
Direktor der antijdischen Polizei Schweblin u.a.m. (23)
Das Unausbleibliche nach einer solch scharfen Befehlsgebung von h”chster 
Stelle, trat ein.
Die Deportationen begannen im groáen Stil.

/338/AE 19
Am 10.7.1942 teilte Paris meinem Dezernat mit, daá 4000 jdische Kinder bei der 
Verhaftungswelle auftreten wrden und verlangte dringende Fernschriftliche 
Entscheidung darber, ob die Kinder der abzutransportierenden staatenlosen 
Juden,vom 10. Transport ab, mit abgeschoben werden k”nnen. Elf Tage sp„ter 
erhielt ich seitens meines Vorgesetzten Befehl, Paris mitzuteilen, daá, sobald der 
Abtransport in das Generalgouvernement wieder m”glich ist, diese Kinder 
deportiert werden máen.
Ich hatte um jene Zeit selbst drei kleine Kinder. Mehr m”chte ich hier an dieser 
stelle nicht sagen. (24)

Und wieder einmal muáte ich zu einer Arbeitstagung an die Judensachbearbeiter 
des Auslandes, Einladungen ergehen lassen, und zwar fr den 28.8.1942. Der 
Grund hierfr war Himmlers Befehl den Abschub der staatenlosen Juden bis Ende 
des Kalenderjahres 1942 abzuschlieáen und als Endtermin fr die Deportation der 
brigen Juden hatte er Juni 1943 angeordnet.
In diesem Zusammenhang ist eine der berchtigten Rademacherischen 
handschriftlichen Notitzen auf einem solchen Ladungsschreiben an den SS-
Hauptsturmfhrer Richter, Bukarest,

/339/AE 20
- welche ber das Ausw„rtige Amt zu leiten waren - bemerkenswert.
Er schreibt hier, daá siche die Tagung mit technischen Fragen der Lagerfhrung 
besch„ftige und fast ausschlieálich aus zwei Besichtigungen von Lagern bestnde.
Die Phantasiererei des Legationsrates Rademacher vom Ausw„rtigen Amt 
best„tigt am deutschsten ein Vermerk, den ein SS-Unersturmfhrer Ahnert, fr 
seine Vorgesetzten in Paris gefertigt hat und worin er die Besprechungspunkte 
geanu schildert. Der Vermerk datiert vom 1. Sept. 1942. Die einzige Stelle, 
welche etwas mit ,Lagern" zu tun haben k”nnte, ist jener Punkt, indem es heiát, 
daá ich die Tagungsteilnehmer ersuchte, ,den Ankauf der durch den Befehlshaber 
der Sicherheitspolizei Den Haag, bestekkten Baracken sofort vorzunehmen. Das 
Lager soll in Ruáland errichtet werden. Der Abtransport der Baracken k”nne so 
vorgenommen werden, daá von jedem Transportzug 3 - 5 Baracken mitgefhrt 
werden." Ich habe hier einen Befehl meiner Vorgesetzten weiter gegeben. 
Offenbar h”rte Rademacher irgend etwas und reimte sich eine Notitz nach seiner 
Art, zusammen. (25)

/340 - 341/ AE 21
Himmler schrieb im Dezember 1942 an meinen Amtchef Mller: ,Ich ordne an, 
daá von den jetzt in Frankreich noch vorhandenen Juden øebenso von den 
ungarischen und rum„nischen Judenø /Einfgung von Seite 340/ alle diejenigen, 
die einfluáreiche Verwandte in Amerika haben, in einem Sonderlager zusammen 
zu fassen sind. Dort sollen sie zwar arbeiten, jedoch unter Bedingungen, daá sie 
gesund sind und am Leben bleibem. Diese Art von Juden sind fr uns wertvolle 
Geiseln. Ich stelle mir hierunter eine Zahl von rund 10.000 vor." (26)

So aber war der bisherige Ablauf in Frankreich. Jeder dr„ngte, und jedermann in 
den verschiedenen Zentralinstanzen, so er mir eine eingermaáen einfluáreiche 
Stellung innehatte, wollte seine ,Lauterkeit als nationalsozialistischer 
Amtsstelleninhaber" durch Antreiben und Vorschl„ge im Hinblick auf ,L”sung 
der Judenfrage" unter Beweis stellen.
Den Druck, der dann von oben kam, muáte die Polizei aushalten. Sie wurde 
einfach befallen; ihr wurden Termine gestellt. Allen ging es zu langsam; alles 
fand die verzapfte polizeiliche Brokratie fr zu langatmig. Die Polizei, welche 
den gesamten Mist, der in den Zentralnstanzen zusammengebraut wurde, dann 
durchzufhren hatte. Aber so war es und so wird es wohl auch /immer - 
gestrichen/ bleiben. Daher sage ich,

/342/ AE 22
daá der Polizeidienst, zumal den Dienst in einer politischen Plozei, das 
Schlimmste ist, womit einem das Schicksal strafen kann. Es ntzt auch gar nichts, 
wenn man etwa sagen wrde, daá wenn jedermann seine Finger aus einer 
politischen Polizei lieáe, es eben keine gebe. Solange es den Befehl gibt, in 
Verbindung nit dem herrschenden System im Zusammenleben der V”lker, 
solange wird es auch politische Polizeien geben. Trotz Cartas, UNO, nur trotz Tod 
und Teufel.

Nun, ich will nicht jetzt fortfahren zu schildern, wie die Dinge weiter liefen. 
Zuvor nur noch dies: w„re ich anstatt Befehlsempf„nger, Befehlsgeber gewesen, 
w„re ich anstatt Adolf Eichmann, nun sagen wir einmal nur Dr. Zeitschel, dann 
wrde ich nicht in der Lage sein, auch nur eine Zeile aus dem ganzen grausigen 
Geschehen zu berichten; denn bei jedem Wort máte ich die Anklage h”ren ,Du 
bist der Schuldige". Und die Feder wrd sich in meiner Hand streuben. Aber ich 
habe, /Zeile gestrichen/, weder solche noch „hnliche Vorschl„ge gemacht. Daher 
kann ich jenes, was geschah auch berichten. Dies fiel mir gewissermaáen so 
nebenbei gerade ein. Und wenn gleich solche Gedanken eingentlich in ein anderes 
Kapitel dieser Arbeit geh”rten, so nahm ich mir trotzdem nicht die Mhe, es

/343/ AE 23
sorgsam abw„gend an seine, eigentlichen Platz festzunageln, de der Meinung, daá 
wer dies alles lesen will, ohnedies von selbst an diese Stelle kommt.
Es ist ein Vermerk der Beamten der Dienststelle das Befehlshabers der 
Sicherheitspolizei u. des SD, Paris, vom 9.9.1942, erhalten geblieben. In diesem 
lesen wir: ,Nach dem vom Reichsfhrer SS vertraulich bekannt gegebenen Plan 
sollen die von Deutschland besetzten Gebiete bereits bis zur Mitte des Jahres 1943 
judenfrei sein." (27)
Und der nunmehrige Unterstaatssekret„t im Ausw„rtgen Amt zu Berlin, Luther 
informiert am 24. 9.1942 seinen Staatssekret„r v. Weizs„cker, daá ihm der 
Reichsauáenminister eben telephonisch die /folgende - gestrichen/ Weisung 
erteilt habe, daá die Evakuierungen der Juden aus den verschiedensten L„ndern 
Europas m”glichst zu beschleunigen seien. Luther hatte Ribbentrop kurz ber die 
im Gange befindlichen Judendeportationen aus der Slovakei, Kroatien, Rum„nien 
und den besetzten Gebieten Vortrag gehalten. Der Reichsauáenminister - so f„hrt 
Luther in seiner Dienstnotitz fort -, habe angeordnet, daá das Ausw„rtige Amt 
nunmehr an die bulgarische, an die

/344/ AE 24
ungarische und an die d„nische Regierung herantreten soll, mit dem Ziel, die 
Judendeportationen aus diesen L„nadern in Gang zu setzen.
Nur bezglich Italien habe sich der Reichsauáenminister das Weitere selbst 
vorbehalten; denn diese Frage solle entsprechender zwischen Hitler und 
Mussolini, oder zwischen den Auáenministern Deutschlands und Italiens, 
pers”nlich besprochen werden. (28)
Inzwischen hatte sich n„mlich nicht nur die Haltung Frankreichs bezglich der 
weiteren Judendeportationen versteift, sondern auch - und ganz besonders - 
seitens Italien wurden dem diesbezglichen Wollen der Deutschen 
Reichsregierung, die grӇten Schwierigkeiten in die Wege gelegt.
Auf die von Himmler befohlene v”llige Entjudung aller besetzten Gbiete, bis 
Mitte 1943, schickte sein ”stlicher Vertreter in Frankreich, der H”here SS u. 
Polizeifhrer , /Zeile gestrichen/, an Himmler ein Fernschreiben, in dem er ihm 
die besonderen Schwierigkeiten der Regierung Laval und die Einstellung P‚tain`s, 
schilderte; insbesonderlich im Hinblick auf eine Deportation von Juden mit 
franz”sischer Staatsangeh”rigkeit. Die Haltung Italiens war fr

/345/ AE 25
die franz”sische Regierung gleichsam das Fanal.
Himmler schloá sich auch - wenigstens rein „uáerlich - der durch Oberg? 
Dargelegten Auffassung an und verfgte, daá zun„chst keine Juden franz”sischer 
Staatsangeh”rigkeit festgenommen werden drften. Damit war eine weitere 
Deportation in gr”áerem Stil zun„chst nicht m”glich.
Himmler hatte augenscheinlich seinen eigenen ,Entjudungsbefehl" 
zurckgenommen; aber wie gesagt, nur augenscheinlich.
Er hatte um jene Zeit, es sit der September 1942 noch immer die Leistung seines 
Reichsicherheitshauptamtes selbst in H„nden und er befrchtete ein Ausbreiten 
einer versteifenden Haltung in der Judenfrage auf die anderen europ„ischen 
L„nder, insoweit sie unter deutschem Einfluá standen. (29)
Er schickte daher nun seinen h”chsten milit„rischen Dienstgrad ber den er 
befahl, den SS-Oberstgruppenfhrer und Generaloberst der Polizei, Daluege, zur 
Kl„rung der Situation nach Paris und Marseille. Vor allem konnte er sich an Ort 
und Stelle ber eine neue Note der italienischen Regierung an Laval, dem 
Ministerpr„sidenten der Vichy-Regierung,
/346/ AE 26
informieren, in der die Italiener den Franzosen mitteilten, daá sie zwar keine 
Einwendungen gegen Maánahmen franz”sischerseits, in den von Italien besetzten 
Gebiet, betreffend die Juden franz”sischer Staatsangeh”rigkeit machen, daá sie 
aber ihre H„nde von den Juden ausl„ndischer Staatsangeh”rigkeit weg zu lassen 
h„tten.
Dies muáte Laval naturgem„á in groáe Schwierigkeiten bringen. Er brachte dies 
den deutschen Stellen offiziell zur Kenntnis und bat sie um entsprechende 
Untersttzung.
Der Bericht Dalueges an Himmler liegt nicht vor; aber der Inhalt ist nicht sehr 
schwer zu erraten. Im brigen werden die n„chsten Seiten, die nun folgende 
Aktivit„t in gengendem Maáe aufzeigen.
Neben dieser Informatinsreise des Generalobersten Daluege, schrieb der 
Befehlshaber der Sicherheitspolizei u. des SD Paris, am 13. Jan. 1943 an meinen 
Amtchef Mller und bat ihn, Himmler m”glichst umgehend von dieser Methode 
der Itliener in Kenntnis zu setzten; und er schloá mit der Feststellung, daá beim 
derzeitigen Stand der Dinge nicht damit gerechnet werden k”nne, daá in den 
n„chsten Zeiten Juden franz”sischer Staatsangeh”rigkeit berstellt werden 
k”nnen. (30)

/347/ AE 27
So also hatten sich die Dinge seit dem Schreiben des H”heren SS- u. 
Polizeifhrers in Frankreich an Himmler, vom 26. Sept. 1942, versteift. Auch der 
an der deutschen Botschaft unter dem Botschafter Abig diensttuende Gesandte 
Schleier, berichtet am 23. Jan. 1943, an das Ausw„rtige Amt, daá eine 
grunds„tzliche Bereinigung der Judenfrage nur durchgefhrt werden k”nne, wenn 
es gelingt, die Italiener auf die Linie der deutschen Judenmaánahmen zu bringen 
und er erbitttet Drahtanweisungen ber weitere Behandlung der Angelegenheit. 
(31)
Der Schwerpunkt der Deutschen sicherheitspolizeilichen Dinge in dieser Hinsicht 
auch der des Ausw„rtigen Amtes, wird nun vorbergehend nach Rom verlegt.
Ein Geheimbericht des franz”sischen Pr„fekten in Nizza, den dieser nach Vichy, 
an seinen Ministerpr„sidenten gerichtet hat, gelangt zur Kenntnis der deutschen 
Sicherheitspolizei in Paris und Dr. Knochen schickt ihn an Mller ebenfalls mit 
der Bitte um umgehende Vorlage an Himmler, da er auáerordentlich 
aufschluáreich fr die Haltung der Italiener in der Judenfrage sei. (32)
In diesem Zusammenhang ist es interessant, die damalige offizielle Lesart der 
italienischen Haltung zu h”ren. Der Befehlshaber der IV. Italienischen

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Armee, hatte den zust„ndigen franz”sischen Stellen mitgeteilt, ,die italienische 
Regierung gestatte nicht, daá Personen, die sich einer anti-italienischen oder anti-
deutschen Propaganda hingeben k”nnteb, ihrer Aufsicht entzogen wrden." Dies 
teilte der Befehlshaber der Sicherheitspolizei Dr. Knochen, am 3. Februar 1943, 
dem deutschen Oberbefehlshaber West, ber den Milit„rbefehlshaber in 
Frankreich, mit. Und er bemerkte, daá auf eine Entfernung aller Juden aus allen 
Grenz- und Kstendepartements des neubesetzten Gebietes, aus dringenden 
Sicherheitspolizeilichen Grnden bestanden werden máte und bat um 
Intervention bei dem italienischen Oberbefehlshaber in Sdfrankreich. (33)
Inzwischen wurde seitens des Ausw„rtigen Amtes die deutsche Botschaft in Paris 
mobil gemacht und zur ersten offiziellen Fhlungnahme beim ital. 
Auáenministerium veranlaát. (34)
Auch ich wurde durch meinen Amtchef Heinrich Mller nach Paris in Marsch 
gesetzt, um Knochen, dem Befehlshaber der Sicherheitspolizei, die Weisung ui 
berbringen, ungeachtet aller Schwierigkeiten, die Deprtierung aller Juden 
franz”sischer Staatsangeh”rigkeit durchzufhren. Ich berbrachte dies, gem„á 
Befehl meiner Vorgesetzten. Nichts zeigt deutlicher, meine

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Rolle als Nachrichtenbermittler, als der sofort nach meiner Auftragerledigung 
von Dr. Knochen an Mller gerichtete Brief vom 12.Febr. 1943. Er nimmt auf 
meine Mitteilung Bezug, nimmt ferner Bezug auf seine verschiedenen Berichte in 
dieser Angelegenheit, geht sodann auf die m”glicherweise entstehenden 
Komplikationen in politischer Hinsicht ein und teilt mit, falls die Deportationen 
befohlen werden sollten, damit zu rechnen sei, daá das franz”sische 
Staatsoberhaupt P‚tain, sich dagegen stellen wrde und sie verbeitet. Um die 
Maánahmen fr Gesamtfrankreich durchzufhren, sei Voraussetzung, daá auch 
im italienisch besetzten Gebiet, die Maánahmen durchgefhrt werden drfen. (35)
Nun folgen einige aufregende Stunden. Sowohl im Reichsicherheitshauptamt, als 
auch im Ausw„rtigen Amt.
Ribbentrop selbst, der sich pers”nlich die Regelung der Frage in Italien 
vorbehalten hatte, wurde lebendig. Er teilte dem Chefadjudanten beim 
Reichsfhrer SS - Himmler, dem General der Waffen SS Wolff, am 24. Februar 
1943, morgens mit, daá die Reichsfhrung SS, ihm unverzglich Mitteilung aller 
ihrer Wnsche, die Judenfrage in Italien und den von Italien besetzten Gebieten 
betreffend, machen m”ge. Diese sollten in Rom be-
/350/ AE 30
sprochen werden. Er wnschte alle Einzelheiten mitgeteilt zu haben, damit in 
eingehender Besprechung mit Mussolini, eine klare, konkrete Regelung erzielt 
werden k”nne. Es wurde ferner gebeten, dafr Sorge zu tragen, daá diese Antwort 
,uns noch am 24. Februar, vormittags in Rom zugehet". Dies schrieb der 
Gesandte Sonnleithner, aus dem Sonderzug Ribbentrops, ,Westfalen", der sich 
bereits auf dem Wege nach Rom befand.
Noch am gleichen Tage wurden dem Sonderzug die Wnsche durch 
Fernschreiben gesandt. Ich hatte sie nicht bearbeitet, also máen sie von Mller 
an das Ausw. Amt gegeben worden sein; auáerdem scheint es gem„á den 
Dokumenten so, als sei ein Teil der Wnsche auch direkt von Himmler 
durchgegeben worden. N„mlich ,Judenmaánahmen in Italien, gleich wie in 
Deutschland". Ferner, daá ,Judenmaánahmen im neubesetzten Franreich und in 
Griechenland von den italienischen Milit„rbefehlshabern in diesen Gebieten, nicht 
weiter sabotiert werden sollen".
Auáerdem wurde nach dieser ersten Reakiondas Reichssicherheitshauptat ersucht, 
seine Wnsche noch zu konkretisieren und diese am 25. Februar, dem 
Ausw„rtigen amt zu bermitteln. Bisher spielte sich dies alles innerhalb der

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Regionen meiner Vorgesetzten ab. Aber im Ausw„rtigen Amt, wurde der 
damalige Schabearbeiter, Legationsrat von Hahn seites seiner Vorgesetzten 
entsprechen ,getreten", die vermaledeite ,Konkretisierung", endlich 
herbeizuzaubern, auf die Ribbentrop in Rom wartete. Nun einen Himmler konnte 
man nicht treten, meinen unmittelbaren Vorgesetzten, den Generalleutnant der 
Polizei wollte man wohl auch nicht ber Gebhr hetzen. Aber da gab es ja im 
Reichssicherheitshauptamt noch den Obersturmbannfhrer Eichmann; den konnte 
man wohl treten. ,Weisungsgem„á teile ich Ihnen mit, so schrieb mir Hahn, mittel 
Schnellbrief am 25. Frebr., durch Boten berbracht, daá der Herr 
Reichsauáenminister heute morgen erneut sich nach dem Verbleib der von Ihnen 
in Aussicht gestellten Konkretisierung der Wnsche der Reichsfhrung SS, zur 
Judenfrage in Italien und den von Italien besetzten Gebieten, erkundigt hat.
Der Gesandte Bergmann hat die šbermittlung dieser Angaben fr heute abend 
zugesagt." -
Ich muáte ja selbst auf die ,Konkretisierung" warten, die meine Vorgesetzten 
zusammen brauten. Ich konnte auch nichts weiter tun, als das Ausw„rtige amt, 
gem„á den erhaltenen Terminen, zu vertr”sten.

/352/AE 32
Schlieálichbekam ich diese mit dem Befehl fr die Reinschrift und Vorlage wecks 
Unterschrift durch Mller, Sorge zu tragen.
Sie bestanden aus einem alten Schreiben Himmlers an Ribbentrop v. 29. Jan. 43; 
hier schrieb er unter u.a., daá das Verbleiben der Juden im italienischen 
Machtbereich fr viele Kreise in Frankreich und in ganz Europa der Vorwand 
w„re, in der Judefrage leiser zu treten, weil darauf hingewiesen wrde, daá nicht 
einmal unser Achsenpartner Italien, in der Judenfrage mitginge.
Ferner wurden gem„á der Bitte des Gesandten Bergamnn einige der wichtigsten 
F„lle in dieser Angelegenheit angefhrt. 
So, eine Mitteilung des Beauftragten des franz„sischen Polizeichefs Bousquet, an 
den Befehlshaber der Sicherheitspolizei in Paris, mit dem Inhalt der Note, welche 
die italienische Regierung dem franz. Ministerpr„sidenten Laval berreicht hat.
Ferner den Bericht Marcel Ronaix, Missionsbeauftragter bei Laval, den dieser 
nach einer Dienstreise, Laval erstattete, u.„.m-
Mller unterschrieb die Reinschrift und das Schreiben ging am 25. Februar 1943 
an das Ausw„rtige Amt aus. (36)
Unterschriftkrzel

/353/AE 33
Ich erhielt nun Befehl, unter Bezugnahme auf das Fernschreiben Dr. Knochens an 
Mller, vom 13.1.1943, indem er meldete, daá der Generaloberst der Polizei 
Daluege, in Paris und Marseille zur Information war, dem Befehlshaber der 
Sicherheitspolizei Paris, mitzuteilen, daá sein Fernschreiben inhaltsgem„á dem 
Ausw„rtigen Amt mitgeteilt wurde und Ribbentrop mit Mussolini, die Haltung 
Italiens zur Judenfrage zur Sprache bringen werde.
Der deutsche Botschafter v.Mackensen in Rom, erheilt im weiteren Verlauf der 
Dinge den Auftrag, Mussolini am 18. Mrz 1943 eine Aufzeichnung Ribbentrops 
zu berreichen und zwei Tage sp„ter wurde ihm unter anderem, im auftrage 
Mussolinis mitgeteilt, daá der ,vom Duce pers”nlich als besonders energische 
bekante" Polizeiinspekteur Lospinoso, den Befehl erhalten habe, die 
gegest„ndlichen Schwierigkeiten aus dem Wege zu r„umen. (37)
Genauere Angaben ber die T„tigkeit dieses neuen Mannes, vermittelt ein 
Fernschreiben meines damaligen Chefs, Mller, an Knochen Paris, vom 2.4.1943. 
Darin gibt er Bericht un Aweisung wie folgt: ,W„hrend meines Aufenthaltes in 
Rom am 27.3.43, habe ich im Auftrage des Reichsfhrers SS, sowohl mit dem 
deutschen Botschafter, als auch mit dem Chef der

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italienischen Polizei, die Judenfrage in dem neubesetzten franz”sichen Gebeit 
besprochen. Die italienische Polizei hat auf Grund einer klaren und energischen 
Anweisung des Duce, den Generalinspekteur der italienischen Polizei Lospinoso 
und als dessen Vertreter, den Vizequestor Luceri, mit einigen Mitarbeitern, in das 
von Italien besetzte Gebiet entsandt, um in engster Zusammenarbeit mit der 
deutschen Polizei, die Judenproblem wie sie insbesondere zu Zeit aufgetaucht 
sind, im deutschen Sinne einer Regelung zuzufhren.
Generalinspekteur Lospinoso befindet sich bereist seit einigen Tagen in 
Frankreich. Ich gebe hiervon Kenntnis, mit der Bitte, mit Lospinoso sofort 
Verbindung aufzunehmen und zu erforschen, mit welchen Auftr„gen er versehen 
ist. Ich bitte um Mitteilung."
Jetzt beginnt die Suche nach dem Generalinsekteur der italienischen Polizei. 
Knochen muá an Mller Fehlanzeige durchgeben und dieser sieht sich gen”tigt, 
am 9.4.43 abermals pers”nlich einzugreifen, indem er den Polizeiattach‚ bei der 
deutschen Botschaft in Rom veranlaát, beim italinischen Polizeichef zu erwirken, 
daá Lospinoso entweder nach Berlin kommt, oder sich unmittelbar pers”nlich mit 
dem Befehlshaber der Sicherheitspolizei,

/355/AE 35
Paaris, in Verbindung setzt.
Auch ich wurde mit der Lospinoso-Suchaktion befasst, indem ich Befehl erhielt, 
dem zust„ndigen Referenten im Ausw„rtigen Amt, Legationsrat Dr. von Thadden, 
die Wnsche meines Chefs, zu bersenden. Sie gipfelten darin, auch das 
Ausw„rtige amt m”ge sich in die Suchaktion mit einschalten. Mackensen, der 
deutsche Botschaften in Rom wird erneut in Trab gesetzt; er schl„gt vor, daá sich 
der zust„ndige italienische Polizeifhrer mit dem zust„ndigen deutschen 
Polizeifhrer treffen m”gen. Als Termin nannte er den 18. Mai, in der Dienststelle 
des Befehlshabers der Sicherheitspolizei u. des SD in Paris Avenue Foche 72.
Aber selbst am 24. Mai muá der Befehlshaber dem Amtchef IV des 
Reichssicherheitshauptamtes berichten, daá auch die italienische Botschaft in 
Paris weder ber Lospinoso noch ber seine geplante Reise Auskunft zu gben in 
der Lage ist; und er bittet nochmals bei der italienischen Regierung anzufragen, 
ob beraupt noch mit dem Besuch gerechnet werden kann.
Die Sache kl„rte sich aber am 1. Juni 1943 insofern auf, als die italienischen 
Stellen anl„álich des letzten Besuches v. Mackensen im italienischen 
Auáenministerium, ,eine derartige Zusammenkunft fr zur Zeit als 
unzweckm„áig erachten". (38)

/356/AE 36
Inzwischen tat sich in Frankreich etwas anderes. Laval, sowie der neue 
Justizminister Cabolde hatten einen gesetzentwurf unterzeichnet, nachdem alle 
seit dem 10.8.1927 naturalisierten Juden, fr staatenlos erkl„rt wurden. Dieses 
Gesetz wurde mit den italienischen Beh”rden besprochen und am 30.6.1943 
wurde mit Bosquet, dem franz”sischen Polizeichef vereinbart, wie die 
betreffenden Juden, schlagartig mit dem Tage der Verkndung des Gesetzes 
festzunehmen seien.
Dr. Knochen forderte von Mller die Abstellung von mindestens 250 
Sicherheitspolizei zus„tzlich, fr die Dauer von 10 Tagen welche die franz”sische 
Sprache einigermaáen beherrschen máten.
Mller antwortete postwendend; die Wiederingangsetzung der Aktion sei zwar 
erfreulich, zumal Himmler gerade in diesen Tagen eine Beschleunigung der 
Arbeiten verlangt habe, aber er máe leider mitteilen, daá er zus„tzlich lediglich 4 
Mann, abzustellen in der Lage w„re, und er verwies auf die, dem H”heren SS- u. 
Polizeifhrer in Frankreich, zur Ver?gung stehenden Polizeikr„fte,von denen 
jener, Kontingente abstellen m”ge. (39)

/357/AE 37
Dafr konnte am gleichen Tage, n„mlich am 2. Juli 1943, der H”here SS- u. 
Polizeichef  SS-Gruppenfhrer und Generalleutnant der Polizei Oberg an 
Kaltenbrunner und Himmler die Nachricht durchgeben, daá der franz”s. 
Polizeichef Bousquet ein Vichy den Besuch von Lospinoso empfing, der ihm 
mitteilte, daá er sich z.Zt. mit der Konzentrierung von 60.000 Juden ausl„ndischer 
Staatsangeh”rigkeit, im italienischen Operationsgebiet befaáe. /1 « Zeilen 
gestrichen/ Nach Bousquet, habe sich Lospinoso ihm gegenber ge„uáert, daá die 
Deutschen sehr hart in der Durchfhrung der Maánahmen gegen die Juden seien, 
die Franzosen h„rter als die Italiener, w„hrend Italien eine humane L”sung 
anstrebe.
Himmler verfgte, diese Meldung des H”heren SS- u. Polizeifhrers, dem 
Reichsauáenminister zu bermitteln. (40)
Auf Weisung seiner Vorgesetzten suchte der Legationsrat im Ausw„rtigen Amt, 
Dr. von Thadden, am 16.10.43, meinen Chef, SS-Gruppenfhrer Mller auf, 
wegen der technischen Ddurchfhrung der Judenfrage in den neubesetzten 
Gebieten und fhrte dabei aus, daá das Ausw„rtige amt, nach den Erfahrungen

/358/AE 38
in D„nemark besonderes Interesse daran habe, daá Judenaktionen in anderen 
Gebieten mit ausreichenden Mitteln und ausreichender Vorbereitung durchgefhrt 
wrden, damit schwere politischen Komplikationen im Rahmen des M”glichen 
vermieden wrden. Mller meinte dazu, auch das Reichssicherheitshauptamt habe 
aus den Erfahrungen von Kopenhagen vieles gelernt. Der Zeitpunkt jedoch, zu 
dem ausreichenden Polizeikr„fte zur Verfgung stnden, um die in den besetzten 
Gebieten notwendigen Judenaktionen schlagartig durchzufhren, wrde fr die 
Dauer des Krieges wohl nicht mehr kommen. Man k”nne daher nur mit den zur 
Verfgung stehenden Mitteln das Beste herausholen, was bei dieser Aktion 
m”glich sei, um die befohlenen Aktionen durchzufhren. Zu dem bisher von 
italienischen Truppen besetzten Gebiet Frankreichs meinte er, daá die 
beschleunigte Durchfhrung einer Aktion ein sicherheitspolizeiliches Problem 
erster Ordnung seu, dessen L”sung trotz der beschr„nkt zur Verfgung stehenden 
Kr„fte sofort in Angriff genommen werden máe. (41)
/gestrichen - Hitler hatte auf Vorschlag Rosenbergs angeordnet, in den besetzten 
Gebieten Bibliotheken, ?, Logen und sonstige weltanschauliche und kulturelle 
Einrichtungen aller Art nach entsprechendem Material zu durchforschen und 
sicherzustellen.

/359/AE 39
Ebenfalls Kulturgter ,Die im Besitz oder Eigentum von Juden herrenlos oder 
nicht einwandfrei zu kl„render Herkunft waren".
Mit der Durchfhrung dieser Aufgabe wurde der Einsatzstab Reichsleiter 
Rosenberg beauftragt und im Zuge dieser Erfassung wurden auch die M”bel und 
sonstigen Einrichtungsgegenst„nde aus jdischen Wohnungen ebenfalls 
sichergestellt und diese fr die besetzten Ostgebiete zu dortigen Verwendung 
abgefahren.
Auf Vortrag des Reichsleiters Rosenberg hatte Hitler durch Schreiben des 
Reichsministers und Chef  der Reichskanzlei vom 31.12.41, hierzu seine 
Zustimmung gegeben.
« Zeile unleserlich./

/360/AE 40
- 3 -
Holland:
Es fing mit 400 Judenan, welche in das Konzentrationslager Mauthausen, in 
Ober”sterreich liegend, deportiert wurden.
Der Generalkommisar fr das Sicherheitswesen fr die besetzten niederl„ndischen 
Gebiete hatte die Verfgung erlassen. Es war dies der H”here SS u. Polizeifhrer 
beim Reichskommisar fr die besetzten niederl„ndischen Gebiete; sein Dienstgrad 
und Mane war: SS Gruppenfhrer und Generalleutnant der Polizei Rauter. Der 
Reichskommisar jener Zeit, war Dr. Seyss Inquart, der ehemalige ”sterreichische 
Regierungschef, zur Zeit der Wiedervereinigung ™sterreichs mit den Deutschen 
Reich im Jahre 1938. Der Vertreter des Ausw„rtigen Amtes, beim 
Reichskommisar, ein Gesandter Bene, teilte seiner Berliner Zentrale mit, daá die 
Deportation aus Anlaá der Niederschlagung eines SA-Mannes verfgt wurde und 
der Gesandtschaftsrat Mohr, erg„nzte tags darauf, dam 26. Februar 1941, diese 
Meldung seines Chefs mit dem Bemerken, daá auch eine deutsche Patronille im 
Amsterdamer Judenviertel mit Giftstoffen bespritzt worden sei.
Die Folge dieser Deportation war ein Sympathiestreik verschiedener ”ffentlicher 
Einrichtungen im Amsterdam.
Im Juni desselben Jahres wurde aber

/361/AE 41
noch etwa 260 Juden in ein Konzentrationslager ans Holland verbracht. Am 5. 
Nov. 1941 ben”tigte der Legationsrat Rademacher vom ausw„rtigen Amt, eine 
Stellungnahme des Reichssicherheitshauptamtes, zur Frage der weiteren 
Behandlung der in deutschen Konzentrationslagern einsitzenden niiederl„ndischen 
Juden. Er ben”tigte sie zur Beantragung der von der Schwedischen Gesandtschaft 
als Schutzmachtvertretung der Niederlande, eingereichten diesbezglichen 
Verbahnten.
Der Hauptanlaá hierzu war der, daá dem Jdischen Rat von Amsterdam mitgeteilt 
wurde, es seien bisher ber 400 dieser H„ftlinge verstorben.
Rademacher schrieb daher an Mller, daá das Ausw„rtige Amt zwar grunda„tzlich 
auf dem gleichen Standpunkt wie das Reichssicherheitshauptmat stehe und es 
befrworte seinerseits die Reppressalien-Maánahmen gegen Juden als Urheber 
der Unruhen, aber es m”ge Sorge dafr getragen werden, daá bei der Mitteilung 
der Todesf„lle m”glichst nicht der Eindruck entstehe, die Todesf„lle ereigneten 
sich jeweils in bestimmten Tagen. (42)
Im Juni 1942 wurde die Kenzeichnung der Juden angeordnet, der alsbald weitere 
Beschr„nkungsauflagen, wie n„chtliches Ausgehverbot, 
Verkehrsmittelbenutzungsverbot, Berufseinschr„nkungen usf., folgten. (43)

/362/AE 42
Der Vertreter des Ausw„rtigen Amtes beim Reichskommissar fr die besetzten 
niederl„ndischen Gebiete, machte eine Vorlage bei seiner Berliner Zentralinstanz, 
mit dem Vorschlag, s„mtliche niederl„ndischen Juden ihrer Staatsbrgerschaft fr 
verlustigt zu erkl„ren. Dementgegen hielt das Ausw„rtige Amt unter dem 20. Juli 
1942, es fr wnschenswert, durch eine Verordnung des Reichskommissars, die 
niederl„ndische Judengesetzgebung dadurch der des Reiches anzupassen, daá mit 
sofortiger Wirkung alle niederl„ndischen Juden die ihren Aufenthalt im Ausland 
haben, oder ihren Wohnsitz nach dem Ausland verlegen, Analog der 11. 
Verordnung zum Reichsbrgergesetz vom 25.11.1941, ihre Staatsbrgerschaft 
verlieren. (44) Wobei es unerheblich sie, ob der in Frage kommende Jude aus 
freiem Antrieb das Land verlassen hat, oder deportiert wurde. Dieses wurde durch 
den Unterstaatssekret„r Luther, dem Staatssekret„r im Ausw„rtigen Amt v. 
Weizs„cker am 10. August 1942 mit der Bitte um Weisung vorgelegt und von 
diesem genehmigt.
Schon am 29. Juli 1942 meldete der Vertreter des Ausw„rtigen Amtes in Den 
Haag, Gesandter Bene, daá die ersten beiden Deprtationstransporte ohne 
irgendwelche Schwierigkeiten abgegangen seien und der H”here SS u. 
Polizeifhrer (Rauter) daher

/363/AE 43
die Absicht habe, diese Organisation so zu f”rdern, daá w”chentlich bis zu 4.000 
Juden abgefahren werden sollten. (45)
Am 24. Sept. 1942 erfogte der erste groáe Zwischenbericht des SS-
Gruppenfhrers und Generalleutnant der Polizei Rauter, in Form eines 
pers”nlichen Schreibens an den Reichsfhrer SS und Chef der Deutschen Polizei, 
Heinrich Himmler. Er schreibt u.a.
,Bis jetzt haben wir mit den strafweise nach Mauthausen abgeschobenen Juden, 
zusammen 20.000 Juden nach Auschwitz in Marsch gesetzt. In ganz Holland 
kommen ungef„hr 120.000 Juden zur Abschiebung. Im Einvernehmen mit dem 
Reichskommissar schiebe ich aber auch alle jdischen Teile der Mischehen ab, 
sofern aus diesen Mischehen keine Kinder hervorgegangen sind. Es werden dies 
ca. 6.000 F„lle sein. Ich will versuchen, anstatt 2 Zge je Woche, deren 3 zu 
erhalten. 30.000 Juden werden ab 1. Oktober abgeschoben. Ich hoffe, daá wir bis 
Weihnachten auch diese 30.000 Juden weg haben werden, sodaá dann im ganzen 
50.000 Juden, also die H„lfte, aus Holland entfernt sein werden.
Am 15. Oktober wird das Judentum in Holland fr vogelfrei erkl„rt. Jeder Jude, 
der irgendwo in Holland angetroffen wird, wird in die groáen Judenlager 
eingezogen. Es kann also kein Jude, der nicht privilegiert ist, sich mehr in Holland 
sehen lassen.

/364/AE 44
Gleichzeitig beginne ich mit Ver”ffentlichungen, wonach Ariern, die Juden 
versteckt gehalten oder Juden ber die Grenze verschoben oder Ausweispapiere 
gef„lscht haben, das Verm”gen beschlagnahmt und die T„ter in ein 
Konzentrationslager berfhrt werden; das alles, um die Flucht der Juden, die in 
groáem Maáe eingesetzt hat, zu unterbinden. Das Judenlager Westerbork ist 
bereits ganz fertig, das Judenlager Vught wird am 10. - 15. Oktober vollendet 
sein.
Heil Hitler, Ihr gehorsamt ergebener Rauter."
Himmler schrieb auf die erste Seite dieses Geheimberichtes, ,sehr gut". (46)
Im April des darauffolgenden Jahres berichtete der Regierungsrat Z”pf, (Referent 
beim Befehlshaber der Sicherheitspolizei u. des SD, Den Haag, Generalmajor der 
Polizei Dr. Harster) an mein Referat nach  Berlin, daá von den ursprnglich 
gemeldeten 140.000 Juden, inzwischen 68.300 Juden das Land verlassen haben. 
Und zwar 6.000 durch Auswanderung und Landesflucht; 4000 in reichsdeutsche 
Konzentrationslager; 300 nach Theresienstadt und 58.000 in 60 Sonderzgen nach 
dem Osten. (47)
Es ist ein Vermerk des SS-Brigadefhrers und Generalmajor der Polizei Dr. 
Harster, vom 6.5.1943 erhalten geblieben, worin festgehalten ist, daá Himmler

/365/AE 45
wnscht, daá in diesem Jahre an Juden nach dem Osten abtransportiert wird, was 
menschenm”glich ist. Da im Westen ein Bunawerk durch Luftangriff zerst”rt 
wurde, soll ein neues Bunawerk in Auschwitz aufgebaut werden. Daher wurde vor 
allem in den Monaten Mai und Juni eine H”chstzahl von Juden aus dem Westen 
ben”tigt. Anzustreben sei fr den Monat Mai die Ziffer von 8.000 (aus Holland). 
Zugvereinbarungen werden vom Befehlshaber der Sicherheitspolizei Den Haag, 
mit dem Reichssicherheitshauptamt getroffen.
S„mtliche portugisischen Juden (Sephardim) sind in einer Sonderbaracke des 
Lagers Westerbork zusammenzufassen, damit sie dort durch SS-Gruppenfhrer 
Rauter und dem Fhrer des Rasse- und Siedlungshauptamtes auf ihre 
Abstammung geprft werden k”nnen. Der Reichsfhrer SS beabsichtigt, in 
Deutschland ein Lager fr ca. 10.000 Juden franz”sischer, belgischer und 
niederl„ndischer Staatsangeh”rigkeit zu errichten, die wegen ihrer Beziehungen 
zum Ausland als Druckmittel zurckgestellt werden sollen. Gegebenenfalls sollen 
sie sp„ter zum Austausch gegen deutsche Heimkehrer, auswandern drfen. (48)

/366/AE 46
Dem Ausw„rtigen Amt wird durch seinen Vertreter in Den Haag, am 29.6.43, 
gemeldet, daá der Befehlshaber der Sicherheitspolizei Den Haag in einem 
Geheimbericht an seinen Reichskommissar, diesem mitteilt, daá inzwischen der 
Hunderttausenste Jude das Land verlassen hat. (49)
Noch im gleichen Jahr informiert Dr. Harster dem Vertreter des Ausw„rtigen 
Amtes in Den Haag, daá der Reichskommissar fr die besetzten niederl„ndischen 
Gebiete, im Einverst„ndnis mit Himmler bestimmte, daá die in den Niederlanden 
in Mischehe lebenden Juden, bei Nachweis der Unfruchtbarkeit, vom Tragen des 
Judensternes befreit werden. Die Sterilisierung wird von jdischen oder 
niederl„ndischen Žrzten durchgefhrt, wobei dem leitenden Arzt beim H”heren 
SS- i. Polizeifhrer, die Prfung der Unfruchtbarkeit obliege.
Dazu habe ich erg„nzend festzustellen, daá diese Nachricht damals auch im 
Reichssicherheitshauptamt wie eine Bombe platzte, ein Novum, welches bislang 
alleine dastand und bis zum Ende des Krieges nicht nachgeahmt wurde. (50)
Am 28. Februar 1944, wendet sich der Reichskommissar Seyss-Inquart pers”nlich 
an den Chef der ,Kanzlei des Fhrers", an den Reichsleiter Bormann.

/367/AE 47
Ein m„chtiger Mann jener Zeit, ein Mann von entscheidendem Einfluá auf Hitler. 
Ein Mann, der von allen respektiert wurde; einschlieálich Himmler, Goebbels, 
G”hring usf. Er teilte ihm also mit, daá zwar die Juden aus dem niederl„ndischen 
Volksk”rper aus.ieren seien, aber offen noch die Frage der Juden in Mischehen 
w„re. Er sagte, daá sie in Holland zwar weiter gegangen w„ren als im 
Reichsgebiet und auch diesen Juden die Sterntragepflicht auferlegt h„tten und daá 
er auch angeordnet habe die jdischen Mischehenpartner, kinderloser Mischehen, 
nach dem Osten zu deportieren, daá seine Sicherheitspolizei auch einige hundert 
solcher F„lle behandelte, aber dann von Berlin den Auftrag bekam, diese 
Abtransporte nicht weiter durchzufhren. Daher verblieben ihm einige tausend 
dieser Juden im Lande und hiermit wrde das Poblem der Mischehen 
aufgeworfen. Dasselbe sei aber grunds„tzlicher Art und deshalb wende er sich an 
ihn. Im gleichen Sinne habe er auch an Himmler geschrieben. Im einzelnen fhrte 
er vier ,L”sungsm”glichkeiten" an.
Aber es scheint sich daran nicht allzuviel ge„ndert zu haben, denn der Gesandte 
Bene gibt zum Juli1944,
/368/AE 48
wieder einen seiner regelm„áigen halbjahresberichte an das Ausw„rtige Amt, und 
teilt mit, daá die Judenfrage fr die Niederlande als gel”st bezeichnet werden 
k”nne. Er gibt die Zahl der Deportierten mit 113.000 aan; 4.000 Juden seien 
verstorben; 2.500 seien zu Mischlingen bzw. Zu Ariern erkl„rt worden; in 
Mischehe leben etwa 8.600; in den Niederlanden untergetaucht etwa 9.000; in den 
Lagern bef„nden sich 3.600 evangelische Juden, Protektionsjuden, 44 trkische 
Juden und in Frankreich 11 argentinische Juden. Zusammen, 140.711. (51)
/369/AE 49
- 4 -
Belgien:
Himmler hatte um den 11. Juni 1942 befohlen, 10.000 Juden aus Belgien nach 
Auschwitz zu deportieren. Die deutsche Milit„rverwaltung beabsichtigte, den 
gewnschten Abtransport durchzufhren und der Leiter der Dienststelle des 
Ausw„rtigen Amtes in Brssel teilte am 9. Juli seiner Berliner Zentrale mit, daá 
der Milit„rverwaltungschef gegenw„rtig im Hauptquartier sei, um die 
Angelegenheit mit Himmler zu er”rtern. Es seinen gewisse Bedenken geltend 
gemacht worden, jedoch glaube die Milit„rverwaltung dann ihre Besorgnisse 
zurckstellen zu k”nnen, wenn eine Deportation von Juden mit belgischer 
Staatsangeh”rigkeit vermieden werden k”nne; denn fr Zwangsmaánahmen 
wrden die zur Verfgung stehenden Polizeikr„fte nicht ausreichen. (52)
Himmler hatte sich den Vorschl„gen des Chefs der Milit„rverwaltung 
angeschloáen und am 24. Sept. konnte Bargen, der Vertreter des Ausw„rtigen 
Amtes in Brssel melden, daá bis zum 15. Sept. insgesammt 10.000 staatenlose 
Juden evakuiert wurden. Und bis Ende Oktober hoffe die Deutsche 
Sicherheitspolizei in Belgien, etwa 20.000 des in Frage kommenden 
Personenkreises

/370/AE 50
abtransportieren zu k”nnen. (53) Also hatte die Vorsprache des Chefs der 
Milit„rverwaltung im Himmlers Hauptquartier eine Verdoppelung der 
ursprnglich befohlenen Anzahl zur Folge gehabt. Jedoch - wieder ein Bericht 
Bargen an des Ausw„rtige Amt vom 11. Nov. 1942 - ? besagt, daá bis zu diesem 
Zeitpunkt insgesamt 15.000 Juden deportiert wurden. Es h„tten sich auf Grund der 
Judenverordnung des Milit„rbefehlshabers vom 28.10.1940, rund 42.000 Juden 
ber 16 Jahre, gemeldet. Davon waren 38.000 nichtbelgische Staatsangeh”rige. 
Insgesamt drften sich nach seiner Sch„tzung 52.000 bis 55.000 Juden, 
einschlieálich der nichtmeldepflichtigen Kinder, in Belgien gemeldet haben. In 
der letzten Zeit seien illegale Abwanderungen nach Frankreich und nach der 
Schweiz festgestellt worden und er sch„tze vorsichtig, wenn er sage, daá nach der 
Schweiz 3.000 bis 4.000 Juden abwanderten. (54)
Nun griff der Unterstaatssekret„r im Ausw„rtigen Amt Luther ein und richtete am 
4. Dez. 1942 an die Dienststelle des Ausw„rtigen Amtes in Brssel einen Erlaá in 
dem es u.a. heiát:
,Wenn heute sich das in Belgien verbliebene Judentum ber die Anordnungen des 
Milit„rbefehlshabers hinwegsetzt, ferner mit allen Mitteln versucht, seinen
/371/AE 51
jdischen Charakter zu verwischen und sich damit in schwer zu s„ubernde 
Schlupfwinkel verkriechen, und wenn schlieálich bereits Ans„tze zur Beteiligung 
dieser Juden am aktiven Widerstand gegen die Besatzungsmacht festgestellt 
werden, dann sollte ein energisches Zugreifen eine weitere Ausbreitung dieses 
Gefahrendherdes verhindern.
Ich darf daher bitten, im Benehmen mit vom Milit„rbefehlshaber die 
M”glichkeiten zu erw„gen, die getroffenen Maánahmen, nunmehr auf alle Juden 
in Belgien auszudehnen und diese bis zur m”glichen Durchfhrung der 
Transporte, in Sammellager zusammenzufassen. Einzelfragen bezglich 
Ausnahmebehandlung von Juden in Mischehen, solchen christlicher Konfession, 
oder mit Kindern, k”nnten im Benehmen mit der Sicherheitspolizei gel”st werden.
Eine durchgreifende S„uberung Belgiens von den Juden, muá fruher oder sp„ter 
auf alle F„lle erfolgen." (55)
Weisungsgem„á hatte Bergen in Brssel diese Angelegenheit mit vom 
Milit„rbefehlshaber, dem Milit„rverwaltungschef und dem ”rtlichen Chef der 
Sicherheitspolizei besprochen. Aber er muáte seinem neuen Chef nach Berlin 
mitteilen, daá eine Abbef”rderung der Juden

/372/AE 52
nach Meinung der Milit„rverwaltung vor dem Frhjahr 1943 infolge Mangel an 
Eisenbahnwagen nicht aufgenommen werden k”nne.
Inzwischen aber wrden die Vorbereitungen fr die weitere Abbef”rderung 
getroffen und die ausl„ndischen Juden in einem Lager zusammengezogen. Infolge 
Lagermangel aber k”nne man alle Juden nicht zusammenziehen. Da bei 
Wiederaufnahme der Deportation auch die Abbef”rderung der etwa 4.000 Juden 
belgischer Staatsangeh”rigkeit beabsichtigt sei, drften die Absichten der 
Milit„rverwaltung mit den Wnschen des Ausw„rtigen Amtes bereinstimmen. 
(56)
Und noch einmal ermahnt der Unterstaastsekret„r Luther in einem weiteren 
Schreiben vom 25. Jan. 1943 seine Brsseler Dienststelle, indem er darauf 
aufmerksam hin weist, daá von vornherein darauf zu achten sei, bei der 
Zusammenfassung der in Belgien ans„áigen Juden in Lagern, nicht nur Juden 
ausl„ndischer Staatsangeh”rigkeit, sondern auch die belgischen Juden mit zu 
verhaften seien.
Auch das Reichssicherheitshauptamt erhielt eine Durchschrift dieses Schreibens. 
Es wird darin bemerkt, daá gebeten wird, ,auch von dort das Entsprechende zu 
veranlaáen". Was sollte da noch viel zu veranlassen sein. Andere hatten ja alles 
bis in das Kleinste schon veranlaát. (57)
Unterschritfkrzel

/373/AE 53
Am 9. April 1943 teilte Himmler dem Chef der Sicherheitspolizei und des SD, Dr. 
Kaltenbrunner folgendes mit:
,Das Wichtigste ist mir nach wie vor, daá jetzt an Juden nach dem Osten 
abgefahren wird, was berhaupt nur menschenm”glich ist. In den kurzen 
Monatsmeldungen der Sicherheitspolizei will ich lediglich mitgeteilt bekommen, 
was monatlich abgefahren worden ist und was zu diesem Zeitpunkt noch an Juden 
brig blieb." (58)
Diesen Himmler-Erlaá muáte das Reichssicherheitshauptamt an alle Stellen der 
sicherheitspolizei und des SD ausgehen lassen.
Und so liest man in einem ,Einsatzplan" der Dienststelle des Befehlshabers der 
Sicherheitspolizei in Brssel vom 1. Sept. 43, daá in der Nacht vom 3. zum 4. 
September erstmalig die vom Reichssicherheitshauptamt geforderte Erfassung der 
belgischen Juden fr den Osteinsatz, mit einer Groáaktion begonnen wurde. (59)

/375/AE 54
- 5 -
Italien
Die Dokumente - zum Teil bereits im Kapitel ,Frankreich" besprochen - zeigten 
einmal die Haltung Italiens zur Judenfrage ganz klar, und sie zeigten aber zum 
anderen ebenso klar, welche Pers”nlichkeiten des verflossenen 
nationalsozialistischen Regimes, hier federfhrende Rollen spielten. Sie zeigten 
ferner die Bemhungen der ehemaligen deutschen Reichsregierung, eine 
Žnderung der italienischen Einstellung, zu erzwingen. Im Wesentlichen gelang 
dies erst gegen Ende 1943. -
Der Gesandte Moelhausen telegraphiert am 6. Oktober 1943 an Ribbentrop, daá 
der SS-Obersturmbannfhrer Kappler in Rom - er unterstand gewissermaáen als 
Kommandeur der Sicherheitspolizei in Rom, dem Befehlshaber der 
Sicherheitspolizie in Italien, Generalmajor der Polizei Dr. Harster, mit dem Sitz in 
Verona - von Berlin einen besonderen Auftrag erhalten habe. Er sollte die in Rom 
wohnenden achttausende Juden festnehmen lassen und nach Oberitalien bringen, 
wo sie lequidiert werden sollten. Der Stadtkommandant von Raom, General 
Stahel, teilt dem Gesandten Moelhausen mit, daá er diese Aktion nur dann 
zulassen werde, wenn sie im Sinne des Reichsauáenministers l„ge.

/375/AE 55
Er pers”nlich sei der Ansicht, daá es besser w„re, die Juden zu 
Befestigungsarbeiten heranzuziehen und gemeinsam mit Kappler, wollte er dies 
dem Generalfeldmarschall Kesselring, vortragen. (60)
Am 9.10. gab Ribbentrop zur Antwort, daá auf Grund einer Anweisung Hitlers 
diese 8.000 Juden in das Konzentrationslager nach Mauthausen, als Geiseln 
gebracht werden sollen. (61)
Zu dem Vorgang sagt Kappler als Zeuge unter Eid, am 27. Juni 1961 im 
Milit„rgef„ngnis zu Gaeta (Italien) aus, daá er keinerlei Kenntnis von der Existenz 
eines solchen Telegrammes Moelhausen an Ribbentrop gehabt habe: Er habe 
dieses Telegramm erstmals anl„álich seines Prozesses im Jahre 1948 gesehen, 
bzw. Von dessen Existenz, Kenntnis erhalten.
Wohl erinntert sich Kappler, an ein Telegramm, unterschrieben von Himmler, in 
dem er auf die Notwendigkeit bestand, die Judenfrage auch in der Stadt Rom zu 
l”sen. Er erinnerte sich ferner daran, daá er bei dieser Gelegenheit zum ersten 
Male den Begriff ,Endl”sung der Judenfrage" kennen lernte. Dieser Ausdruck 
war ihm jedoch neu und es gelang ihm nicht, ihn zu entr„tseln. Zu jener Zeit 
kreuzte bei ihm ein SS-Hauptmann Dannecker auf, und er hatte eine Vollmacht, 
zur

/376/AE 56
Durchfhrung einer Judenrazzia. Diese Vollmacht war von dem General der SS 
(Polizei), Mller, unterzeichnet. (62)
Meinen Namen hatte Kappler, nach seiner Zeugenaussage, erst nach 1945, durch 
die Presse geh”rt, auch habe er weder Post noch Instruktionen erhalten, welche 
meine Unterschrift getragen hatten.

Anl„álich einer informativen Besprechung zwischen Mller und Dr. von Thadden 
am 16.X.1943, sagte Mller dem Legationsrat des Ausw„rtigen Amtes, daá er 
sich den Argumenten des Ausw„rtigen Amtes keinesfalls verschlieáe, die gerade 
in Italien, insbesondere im Hinblick auf die Stellung der katholischen Kirche fr 
eine schlagartige Aktion spr„chen. Aber die vorhandenen Kr„fte reichten nicht 
aus, um eine solche in ganz Italien durchzufhren. Man werde daher 
gezwungenermaáen mit der Aufrollung der Judenfrage unmittelbar hinter der 
Frontlinie beginnen und schrittweise nach Norden weitertreiben. Legationsrat Dr. 
v. Thadden bemerkte dazu in seiner Vortrags-Notiz fr seinen Staatssekret„r, daá 
Mller offensichtlich auch seinerseits gewisse Sorge habe, wegen der praktischen 
Durchfhrung des Hitler-Befehls, betreffend der Festnahme von 8.000 Juden in 
Rom. (63)
In der Tat hatte die roemisch-katholische Kirche in Rom, durch den Bischof

/377/AE 57
Hudal, sich mit einem Schreiben an den Stadtkommandanten von Rom, General 
Stahel gewandt, und gegen die Verhaftungen von Juden italienischer 
Staatsangeh”rigkeit heftig Stellung genommen, mit dem Wunsche, daá in Rom 
und Umgebung diese Verhaftungen sofort eingestellt werden m„gen, da der Papst 
sonst ”ffentlich dagegen Stellung nehmen wird.
Die Kurie sei deshalb besonders betroffen, weil sich die Vorg„nge sozusagen 
,unter den Fenstern des Vatikans abgespielt haben", best„tigte die Deutsche 
Botschaft beim Heiligen Stuhl.
Eine abschrift dieses Schreibens gelangte seinerzeit auszugsweise, vom 
Ausw„rtigen Amt, auch an mein Dezernat. (64) Jedenfalls leitete ich es sogleich 
an meinen Chef weiter.
Aber all dessen ungeachtet hatte inzwischen die italienische Regierung ein Gesetz 
verkndet, daá alle Juden in Italien in Konzentrationslager zu bernehmen sind.
Gleichzeitig stellte das Reichssicherheitshauptamt in Berlin fest, daá die von 
Himmler in Italien befohlene Aktion, zur Erfassung der italienischen Juden zu 
keinem nennenswerten Ergebnis gefhrt habe. Die von den verschiedenen Seiten 
erfolgten Einsprche h„tten die erforderlichen Schritte solange hinausgez”gert, 
bis die Mehrzahl der Juden sich hatte verstecken k”nnen. (65)

/378/AE 58
Wagner, der Nachfolger des wegen angeblichen Intrigenspiels in ein 
Konzentrationslager eingelieferten Unterstaatssekret„rs Luther, schreibt am 14. 
Dezember 1943 an den Amtchef IV des Reichssicherheitshauptamtes Mller, ,daá 
der deutsche Botschafter Rahn, angewiesen wurde, der Faschistischen Regierung 
die Genugtuung der Reichsregierung ber das so unbedingt notwendige Gesetz, 
betreffend Rckfhrung aller Juden in Italien in Konzentrationslager, 
auszudrcken. Wohingegen die Auslieferung der in den Lagern 
zusammengefaáten Juden zur Evakuierung in die Ostgebiete nicht zweckm„áig 
erscheine. Ein derartiger Antrag soll vielmehr aus taktischen und politischen 
Grnden solange zurckgestellt bleiben, bis die Erfassungsaktion der Juden durch 
die italienischen Organe abgeschlossen sei; denn das Ausw„rtige Amt glaube auf 
Grund seiner Erfahrung annehmen zu máen, daá im anderen Falle der Erfolg der 
Erfassungsaktion, wesentlich beeintr„cktigt, wenn nicht gar vereitelt wrde.
Bei den in den letzten Monaten gezeigten mangelnden Eifer italienischer 
Dienststellen zur Durchfhrung der von Mussolini befohlenen antijdischen 
Maánahmen, hielte es das Ausw„rtige Amt fr dringend wnschenswert, daá die 
Durchfhrung der Maánahmen nunmehr

/379, 380/AE 59
laufend von deutschen Beamten berwacht wird. Daher erscheine der Einbau 
eines Teiles der zur Zeit zum Einsatzkommano Italien geh”renden Kr„fte getarnt 
als Berater, in den italienischen Apparat angezeigt und notwendig."
Abschlieáend bittet das Ausw„rtige Amt, das Einsatzkommando Italien 
entsprechend zu verst„ndigen und dem Hauptsturmfhrer Dannecker zu 
veranlassen, wegen des etwaigen Einbaues von Beratern, mit dem 
Bevollm„chtigten des Reiches, Botschafter Rahn, oder seinem Vertreter, 
unmittelbar Fhlung zu nehmen. (66)

Anl„álich seines Pl„doyers in dem Prozeá gegen mich in Jerusalem, im Jahre 
1961, sagte der israelische Generalstaatsanwalt unter anderem, daá viele 
Schriftsteller ihre bisher herausgegebenen Werke auf Grund der in dem Prozess 
ge. und gewonnenen Erkenntnisse einer šberarbeitung unterziehen máten. Ich 
bin genau derselben Meinung. Ich selbst bin ebenfalls daran interessiert, daá dort, 
wo man bedenkenlos einfach meine Person als den Verantwortlichen 
herausgestellt hatte, - ganz einfach lediglich als das Resultat einer Konstruktion, 
einer Mutmaáung, und diese als bare Mnze wiederspiegeln lieá, - auf Grund der 
Prozesserkenntnisse nunmehr die geschichtliche Wahrheit niederschlagsm„áig, 
fest-
 (/379/)
stellen m”ge.
Diesen meinen Wunsch wird wohl jedermann verstehen; denn ich bin ja 
schlieálich und endlich keine Herostratennatur.
Ich selbst habe mich daher bei der Abfassung dieser Arbeit bemht, mich dort 
ganz esonders streng an die seinerzeitigen amtlichen Dokumente zu halten, wo ich 
mich szs. mit dem sachlichen Geschehen befaáte.
Ich habe in den Zeilen dieses Buches mich in der Hauptsache auf die Dokumente 
beschr„nkt, die das Linienfhrungsm„áige behandeln.
Die Flle der Nebendokumente, in denen meine Person natrlich auch stets eine 
gewisse Rolle spielt, habe ich bei dieser Betrachtung auáer acht gelassen, da sie 
infolge des steten Wiederholens des sachlichen Inhaltes einmal und zum anderen 
deswegen, weil ihnen keine grunds„tzliche Bedeutung zuzumessen ist, die etwa 
neue Gesichtspunkte ergeben k”nnten, auf den Leser ermdend wirken wrden.
Eine Gesamtbehandlung, einschlieálich der kleinsten  Details, muá wohl 
wissenschaftlichen Spezialbehandlungen vorbehalten bleiben.

/381/AE 60
Norwegen:
Am 17. November 1942, wurde von der norwegischen Regierung ein Gesetz ber 
die Anmeldepflicht der Juden erlassen. Damit war die M”glichkeit einer 
allgemeinen Erfassung, mit dem Ziel der Abschiebung der Juden aus Norwegen 
gegeben worden.
Diese norwegischen Bestimmungen waren bedeutend umfassender, als die 
deutschen Judengesetze. So wurden in Norwegen auch solche Personen, welche 
der Abstammung nach Mischlinge sind, und in Deutschland als Mischlinge 
behandelt wurden, rechtlich grunds„tzlich wie Juden behandelt.
Im November 1942, wurden aus Norwegen 532 Juden und im Februar 1943, 158 
Juden nach Auschwitz deportiert.
Seitens des Reichssicherheitshauptamtes wurde der Befehlshaber der 
Sicherheitspolizei beim Reichskommissar fr die besetzten norwegischen Gebiete 
darauf hingewiesen, daá gewisse jdische Personengruppen, darunter auch 
jdische Mischlinge, die nicht als Juden gelten, nicht deportiert werden drfen. 
(67)

/382/AE 61
- 7 -
D„nemark:
Das Ausw„rtige Amt teilte unter dem 17. September 1943, dem 
Reichsbevollm„chtigten in D„nemark, Dr. Best mit, daá Ribbentrop ihn ersuche, 
Vorschl„ge zu unterbreiten, ber die Art der Durchfhrung des Abtransportes der 
Juden aus D„nemark. Dies sei eine im Prinzip beschlossene Angelegenheit und 
insbesondere m”ge er sich Gedanken darber machen, wieviel Polizeikr„fte er 
dazu ben”tige. (68)
Vier Tage sp„ter machte der Gesandte von Grundherr, im Ausw„rtigen Amt zu 
Berlin, seinem Staatssekret„r eine Vorlage, in der er festh„lt, daá der neu in 
Kopenhagen eingetroffene Befehlshaber der Sicherheitspolizei, SS-
Standartenfhrer und Oberst der Polizei Dr. Mildner, gegen den Abtransport der 
Juden aus D„nemark Stellung genommen habe und sich mit Genehmigung von 
Dr. Best, an Himmler ? gewandt habe. (69) Mildner selbst sagte dazu in einer 
Erkl„rung am 22. Juni 1945, unter Eid: ,ich flog sofort nach Berlin, um dem Chef 
der Sicherheitspolizei, Dr. Kaltenbrunner pers”nlich Vortrag zu halten. Der Chef 
war abwesend. Ich ging zum Amtchef IV, SS Gruppenfhrer Mller, der in 
meiner Gegenwart ein Blitz-Fernschreiben an Himmler im Sinne meines 
Vortrages diktierte, kurz nach meiner Rckkehr nach Kopenhagen traf ber den 
Chef der Sicherheitspolizei,

/383/AE 62
Dr. Kaltenbrunner, der definitive Befehl Himmlers ein: ,Die Judenaktion ist 
sofort durchzufhren." (70)
Noch am 1. Oktober um 18,30 Uhr, erhielt der Bevollm„chtigte des Deutschen 
Reiches in D„nemark ein Schreiben K”nig Christians X.; Best sandte diesen um 
19,30 Uhr, am gleichen Tag, an den Reichsauáenminister. Es war um 20, 10 Uhr 
im Ausw„rtigen Amt. Das Schreiben des K”nigs lautete:
,Exzellenz, obwohl die vollziehende Gewalt gem„á der mir am 29. August d.J. 
berbrachten Mitteilung des Herrn Befehlshabers der deutschen Truppen in 
D„nemark auf die deutsche Wehrmacht bergegangen ist, ist es mir jedoch - 
nachdem ich mit einem Vernehmen bekannt gemacht worden bin, wonach man 
Deutscherseits beabsichtigen sollte, Schritte gegen die Juden in D„nemark zu 
unternehmen, - nicht nur aus menschlicher Sorge fr die Brger meines Landes, 
sondern auch aus der Furcht vor den weiteren Konsequenzen in den knftigen 
Beziehungen zwischen Deutschland und D„nemark daran gelegen, Ihnen 
gegenber hervorzuheben, daá Sondermaánahmen hinsichtlich einer Gruppe von 
Menschen, die seit mehr als 100 Jahren die vollen brgerlichen Rechte in 
D„nemark genieáen, die schwersten Folgen werden haben k”nnen. Christian X."

/384/AE 63
Dr. Best gibt Ribbentrop sodann einen Bericht ber die Lage, besonders in 
Hinblick auf dem vom Milit„rbefehlshaber der deutschen Truppen in D„nemark 
verh„ngten Ausnahmezustand und schlieát mit den Worten: ,Die Aktion beginnt 
heute um 21,50 Uhr." (71)
Es wurden insgesamt nicht mehr als 284 Juden erfaát. Mein Vertreter im Referat 
IV B4, des Reichsicherheitshauptamtes SS-Sturmbannfhrer Gnther hatte von 
dem Amtchef IV, SS-Gruppenfhrer Mller, Befehl erhalten mit einigen beamten 
nach D„nemark zu gehen, um den abtransport nach Theresienstadt in die Wege zu 
leiten.
Dr. Best, der Reichsbevollm„chtigte, berichtete am 5. Oktober an das Ausw„rtige 
Amt, daá die Leitung der Judenaktion in D„nemark einheitlich in der Hand des 
Befehlshabers der Sicherheitspolizei, SS-Standartenfhrer Dr. Mildner lag, der 
alle Anordnungen fr die Durchfhrung erteilte. Er teilte weiterhin mit, daá es 
richtig sei, daá der Befehlshaber der Sicherheitspolizei angeordnet habe, daá 
verschlossene Wohnungen nicht aufgebrochen werden sollten. (72)
In diesem Zusammenhang ist eine eidesstattliche Erkl„rung des ehemaligen 
Legationsrates des Ausw„rtigen Amtes Dr. von Thadden vom 16. April 1948, 
gegeben in Nrnberg, interessant, nachder ihm mein damaliger ,St„ndiger 
Vertreter"

/385/AE 64
im Dezernat, eben der besagte SS-Sturmbannfhrer Gnther, im Anschluá an die 
,D„nemark-Aktion" mitgeteilt habe, diese sei vermutlich von der Gesandtschaft 
in Kopenhagen sabotiert worden. Ich h„tte bereits an Himmler berichtet und 
werde den Kopf des Saboteurs fordern. N„here Angaben ber die Art der 
Sabotage habe Gnther verweigert, nur beila„ufig erw„hnt, das Verbot, 
verschlossene Wohnungen zu ”ffnen. - Solches ist wie man aus Best's eigenen 
Berichten gesehen hat, blanker Unsinn. Herr von Thadden ist hier zweifellos einer 
T„uschung zum Opfer gefallen. (73)
Recht friedlich und h”flich und kein Wort ber eine erfundene Sabotage, 
verhandelte ich gem„á Befehl meines Chefs, dem Generalleutnat der Polizei 
Mller, am 3. November 1943, in Kopnehagen mit dem Reichsbevollm„chtigten 
Dr. Best, um Vorschl„ge entgegenzunehmen, die darin gipfelten, daá Juden ber 
60 Jahre nicht mehr festgenommen und deportiert werden, daá Halbjuden und 
Juden in Mischehe freigelassen und nach D„nemark zurckgebracht werden und 
daá die aus D„nemark deportierten Juden in Theresienstadt bleiben und von 
Vertretern der d„nischen Zentralverwaltung und des d„nischen Roten Kreuzes 
besucht werden k”nnen. Da ich keinerlei

/386/AE 65
Entscheidungen zu treffen befugt war, versprach ich Dr. Best, diese 
Angelegenheit meinem Chef im Reichssicherheitshauptamt vorzutragen, und die 
Vorschl„ge an ihn weiterzuleiten.
Der sehr vorsichtige Dr. Best erkundigte sich noch am gleichen Tage beim 
Ausw„rtigen Amt, ob die Sache den besprochenen Weg genommen habe. Und 
Wagner konnte ihm bereits kurz darauf berichten, daá dem so sei. (74)
/387/AE 66
- 8 -
Slowakei
Der erste deutsche Gesandte in der Slowakei war Manfred von Killinger. Seine 
haupts„chliche Aufgabe war, die erste politisch-organisatiorische Ausrichtung der 
jungen slowakischen Regierung, im Hinblick auf die Zielsetzung der deutschen 
Auáenpolitik in die Wege zu leiten.
Er war es auch, welcher das ,Berater-System" zur Einfhrung brachte. Und in 
einem Bericht ber die politische Lage in der Slowakei an das Ausw„rtige Amt 
vom 13. Aug. 1940, bem„ngelte er, daá die Berater noch nicht angelaufen seien, 
da der gr”áte Teil noch nicht eingetroffen w„re. (75)
Im September gibt sein Bericht Aufschluá ber die Lage des Judentums in der 
Slowakei. Eine slowakische Regierungsverordnung v. 18.4.1939, legte fest, wer 
dem Gesetz nach als Jude anzusehen sei. Er kndete dem Ausw„rtigen Amt ferner 
Material ber den Stand des jdischen Gesamtverm”gens in der Slowakei an, 
welches zur Zeit der Berichterstattung gerade von den slowakischen Beh”rden 
festgestellt wrde. Nach offizieller Sch„tzung lebten um jene Zeit in der 
slowakischen Republik, 90.000 Juden. (76)
Nachfolger v. Killingers, welcher als Gesandter nach Rum„nien abging, war 
Ludin. Unter seiner Amtsfhrung komplettierte

/388/AE 67
sich auch das Berater-Corps; darunter auch der Berater fr Judenfragen, SS-
Hauptsturmfhrer Weisli?eng.
In einer anzahl von Erlaáen, und Vereinbarungen zwischen dem 
Reichsauáenminister und Himmler, sowie zwischen deren Hauptamtchefs, wurde 
die Stellung sowohl der Polizeiattach‚s, als auch der Berater genauest festgelegt.
Ausnahmslos waren die Berater den Polizeiattach‚s als Gehilfen zugeteilt, und 
ihnen auch unmittelbar unterstellt. Beide kamen aus dem 
Reichssicherheitshauptamt und wurden zur Dienstleistung im Ausland zu den 
Botschaften oder Gesandtschaften, versetzt.
Die Polizeiattach‚s unterstanden bezglich ihrer T„tigkeit im Ausland 
grunds„tzlich nur dem jeweiligen Missionschef und in dessen Abwesenheit, dem 
jeweiligen Vertreter. Dies Attach‚s hatten, gem„á den Abkommen, dienstliche 
Auftr„ge des Missionschefs auszufhre. Allf„llige Weisungen der Dienststellen 
des Reichsfhrers SS, muáten ihnen ber das Ausw„rtige Amt, durch die Hand 
des Missionschefs zugeleitet werden, der damit die politische Verantwortung fr 
die auáenpolitische Zweckm„áigkeit dieser Weisungen bernahm, denn er konnte 
ja von seinem Einspruchsrecht Gebrauch machen. /eine Zeile gestrichen/. (77)
/389/AE 68
Aus dieser Sachlage heraus wird es beispielsweise verst„ndlich, wenn das 
Reichssicherheitshauptamt einen Berater zu einer Besprechung nach Berlin ladet, 
der Missionschef sich dazu aber erst die Genehmigung seitens des Ausw„rtigen 
Amtes einzuholen hatte; und nach deren Erteilung sodann der Berater der Ladung 
erst Folge leisten konnte. (78)
Am 8.u. 9. Juli 1941 fuhren auf Einladung des Gauleiters von Oberochbenen, der 
Berater fr Sozialpolitik und der, fr Judenfragen, von der Pressburger 
Gesandtschaft, nach Ostober?klawien um dort Judenarbeitslager zu besichtigen. 
Sie wurden von mehreren hohen Beamten des slowakischen Innenministeriums 
und des Zentralwirtschaftsamtes begleitet. Dieser Besuch von Seiten der 
Gesandtschaft sehr befrwortet, da „hnliche Einrichtungen in der Slowakei 
geschaffen werden sollten. (79) Denn Ludin konnte seiner Berliner Zentrale am 
22. Oktober berichten, daá das slowakische Innenministerium keine Ausweisung 
der Juden aus dem Gebiet der Slowakei beabsichtige, sondern eine interne 
Zusammenziehung der juden an bestimmten Orten innerhalb der Slowakei 
anstrebe. Es handele sich hierbei um die vom deutschen Berater angeregte 
Bildung von Ghettos, nach dem Vorbild des Generalgouvernements. (80)

/390/AE 69
Aber mitten in diese Vorbereitungen hienein, platzte eine Aufforderung des 
Unterstaatssekret„rs Luther, vom Ausw„rtigen Amt, daá im Zuge der Maánahmen 
zur Endl”sung der Judenfrage Europas, die Deutsche Reichsregierung bereit sei, 
sofort 20.000 junge, kr„ftige slowakische Juden auzunehmen und nach dem Osten 
zu verbringen, wo Arbeitseinsatzbedarf besteht. /zwei Zeilen gestrichen/
Der Gesandte Ludin bekam am 16. Februar 1942 den Auftrag, das Einverst„ndnis 
der Slowakischen Regierung herbeizufhren.
Und eine Handnotiz auf dem im Ausw„rtigen Amt, nach 1945 aufgefunden 
Durchschlag, des an Ludin gerichteten Fernschreibens lautet: ,Slowakische 
Regierung, Vorschlag mit Eifer aufgegriffen. Vorarbeiten k”nnen eingeleitet 
werden.
Auch Himmler scheint sich selbst mit in diese Angelegenheit eingemengt zu 
haben; jedenfalls schreibt Luther an eine andere Stelle hierber, anl„álich eines 
europ„ischen Gesamtberichtes. (81)
Im April 1942 machte der Chef der Sicherheitspolizei und des SD, SS-
Obergruppenfhrer und General der polizei und der Waffen SS, Heydrich, der 
gleichzeitig auch die Position eines ,Stelvertretenden Reichsprotektors fr 
B”hmen und M„hren" innehatte, dem slowakischen Ministerpr„sidenten Tuca, 
einen Besuch. Einmal war es

/391/AE 70
ein H”flichkeitsbesuch, den ein benachbarter Regierungschef dem anderen 
abstattete und zum anderen war es Heydrichs Wunsch, die angeschnittenen 
Judendeportationsangelegenheiten, anzukurbeln und vorw„rts zu treiben.
Auch nun wurde seitens meines Vorgesetzten befohlen, mich fr eine Dienstreise 
nach Pressburg vorzubereiten und das Ausw„rtige Amt kndete diese bereits am 
13.M„rz 1942, seiner Gesandtschaft in Pressburg an. Ich sollte im Auftrag des 
Chefs der Sicherheitspolizei, Vorbesprechungen zur Evakuieurng von 20.000 
Juden aus der Slowakei, nach der inzwischen erzielten diesbezglichen 
šbereinstimmung zwischen Ausw„rtigen Amt - Gesandtschaft - Slowakischen 
Regierung, mich den zust„ndigen Stellen in Pressburg, fhren. (82)
Nun, da der Hauptamtchef Heydrich selbst fuhr, war es berfláig geworden, 
mich mit den deutschen Wnschen nach der Slowakei in Marsch zu setzen. Erst 
Ende Mai hatte ich sowohl weitere Wnsche meines Chefs, als auch ein 
Handschreiben Heydrichs, an dem slowakischen Ministerpr„sidenten, im 
Zusamenhang mit der gegenseitigen Absprache, dem deutschen Gesandten Ludin 
zu bermitteln gehabt.
Hier wurde ich seitens des deutschen Gesandten in freundlicher Form gen”tigt, 
dem slowakischen Innenminister Mach, den ich noch dunkel aus den Jahren 
meines Wiener Aufenthaltes her kannte, als er noch lange kein

/392/AE 71
slowakischer Innenminister war, auf dessen, inzwischen an die Gesandtschaft 
ergangener Einladung an mich, mit ihm gemeinsam zu Abend zu essen, keine 
Absage zu geben.
Selbst Wisliceng muáte in einer seiner vielen Erkl„rungen nach 1945 zugeben, 
daá man mich zu einer solchen Annahme n”tigen muáte. In der Tat, ich ging all 
solchen Dingen aus dem Wege, wann immer sich mir zum ,Ausdemwegegehen" 
die M”glichkeit bot.
Nun ja, zwar war es eine private Einladung und das Essen war sicherlich nicht 
schlecht; und Mach und ich kegelten, mal ,alle Neune", mal ,Fahrkarte", indessen 
Ordonnanzen labende Getr„nke und Rauchzeug boten. Aber noch am frhen 
Abend teilte mir Mach mit, daá er eben aus Prag die Nachricht erhalten habe, daá 
gegen Heydrich eine Bombe geworfen wurde. Ich blieb noch eine Weile, w„hrend 
der nunmehr laufend weiter Mitteilungen ber das Attentat kamen und furh 
schlieálich noch in selbiger Nacht nach Prag.
Es war der 29. Mai 1942.
Einige Tage sp„ter war Heydrich tot. Was mit dem Brief geworden ist, den ich 
Ludin gab, weiá ich nicht.-

/393/AE 72
Eine Aufzeichnung Luthers vom 29. M„rz 1942 gibt kund, daá gem„á Mitteilung 
von Ludin, der slowakische Staatsrat die Evakuierung der Juden aus der Slowakei 
positiv entschieden habe. Ein Mitglied des Staatsrates habe zwar opponiert, aber 
ein Bischof habe daraufhin eine sehr positive Rede gehalten. Daraufhin sei der 
Vorschlag, der Evakuierung zuzustimmen, einstimmig angenommen worden. Eine 
Einschr„nkung wurde gemacht, n„mlich die, daá bis zu einem bestimmten 
Stichtag getaufte Juden, auszunehmen seien.
Ferner teilte der Gesandte Ludin an Luther noch mit, daá drei 
Evakuierungstransporte bereits abgegangen seien und die weiteren ohne 
Verz”gerung folgen wrden. Und sobald die ersten 20.000 Juden evakuiert seien, 
k”nne nit der Evakuierung der restlichen rund 70.000 Juden begonnen werden.
Luhter verfgte, daá hiervon der Chef der Sicherheitspolizei und des SD, 
umgehend zu benachrichtigen ist. (83)
Und Anfang Mai 1942 schrieb Luhter an Ludin, daá die Reichsregierung bereit 
sei, im Laufe des Monates Mai weitere 20.000 arbeitsf„hige Juden - von den 
angekndigten 70.000 insgesamt, - aus der Slowakei abzunehmen und nach dem 
Osten zu verbringen. Die Einzelheiten wrden wie bisher geregelt. (84)
Unterschriftskrzel

/394/AE 73
Einen genauen šberblick ber die Angelegenheit vermittelt ein Schreiben meines 
damaligen ,St„ndigen Vertreters" als Referent IV B4, im 
Reichsicherheitshauptamt, SS-Sturmbannfhrer Gnther an den Legationsrat 
Rademacher im Ausw„rtigen Amt, vom 15. Mai 42. Demnach wurden vom 25. 
M„rz bis 29. April 42, die ersten 20.000 Juden aus der Slowakei nach Auschwitz 
abgefahren, und am 4. Mai 1942 hatte die Abtransportierung von weiteren 20.000 
Juden, nach Lublin eingesetzt. Die Bereitstellung von rollendem Material durch 
die Slowakische Regierung erleichterte die technische Durchf„hrung der 
Evakuierung erheblich, da es der Deutschen Reichsbahn auf Grund der 
angespannten Verkehrslage nur schwer m”glich w„re, die erforderlichen 
Sonderzge zur Verfgung zu stellen. (85)
Ludin teilte am 26. Juni 42 mit, daá die Weiterfhrung der Depotation, bedingt 
durch kirchliche Einfláe auf einen ,Toten Punkt" angelangt sei. 
Ministerpr„sident Tuca wnsche jedoch sie fortzusetzen und bittet die 
Reichsregierung durch scharfen, diplomatischen Druck, um Untersttzung; Ludin 
bat um Weisung, ob er in dieser Richtung verfahren k”nne.
Daraufhin beeilte sich Staatssekret„r Weizs„cker in einem Telegramm an 
Pressburg zu erwiederen, daá die von Tuca erbetene diplomatische Hilfe in der 
Weise gegeben werden k”nne, daá Ludin das slowakische Staatsoberhaupt 
aufsuche und ihm gegeber

/395, 396/AE 74
zum Ausdruck bringe, daá die Einstellung der Deportierung, in Deutschland 
berraschen wrde.
In einer Besprechung mit Tuca am 30. Juni r„t Ludin kompromisslos, zu einer 
100%igen L”sung. Zwar hatte erst krzlich der p„pstliche Pronuntius Msgr. 
Burzio, den slowakischen Ministerpr„sidenten aufgesucht, um im Auftrage des 
Heiligen Stuhles gegen die Fortsetzung der Deportation zu protestiern. Er habe 
jedoch den Protest erst gar nicht entgegengenommen, da es in dieser Hinsicht fr 
ihn eine h”here Instanz g„be, als den Papst, n„mliche seinen, Tuca`s, Beichtvater. 
Dieser habe ihn gefragt, ob er die Judenaussiedlung als im Interesse seiner Nation 
liegend, vor seinem Gewissen verantworten k”nne. Als Tuca diese Frage bejahte, 
soll der Beichtvater keinen Einwand gegen diese Maánahmen erhoben haben. 
Dies erz„hlte Tuca dem Gesandten Ludin. (86)
Der Reichsauáenminister v. Ribbentrop, verwarf am 21.7.1943 den Vorschlag von 
Weizs„cker und lieá Ludin mitteilen, daá SS-Oberfhrer Dr. Veesenmayer in 
n„chster Zeit den Staatspr„sidenten Dr. Tiso aufsuchen werde und ihm bei dieser 
Gelegenheit die Sache bezglich der Judenaussiedlung vorzutragen habe. Und am 
22. Dezember 1943 konnte Dr. Veesenmayer melden, daá Tiso pers”nlich dafr 
die

/397/AE 75
Gew„hr bieten wrde, daá die Aktion so rasch wie m”glich zur Durchfhrung und 
zum Abschluá gebracht wrde. (87) -
Inzwischen aber kam es im Jahre 1944 zu einem allgemeinen Aufstand in der 
Ostslowakei und in dem Verlauf der Niederschlagung desselben wurde 
deutscherseits zu scharfen Maánahmen geschritten.
Es kam zu einer Vereinbarungen zwischen dem Gesandten Ludin und dem 
inzwischen in der Slowakei installierten Befehlshaber der Sicherheitspolizei Dr. 
Witiska einerseits und der slowakischen Regierung andererseits. Demnach waren 
die deutschen Stellen mit einer Konzentrierung und Bewachung der Juden auf 
slowakischem Gebiet einverstanden.
Am 4. Oktober 1944 intervenierte der slowakischen Ministerpr„sident bei Ludin, 
er habe geh”rt, daá man ohne die slowakische Regierung zu verst„ndigen, daran 
ginge, die Juden aus der Slowakei abzutransportieren. Daraus aber wrden sich 
zweifellos diplomatische Schwierigkeiten ergeben. Ludin sagte ihm, daá die 
Judenfrage jetzt auf alle F„lle radikal gel”st werden máe und er den Rat g„be, im 
Falle von Schwierigkeiten einfach darauf hinzuweisen, daá die Reichsregierung 
vom slowakischen Staat eine radikale L”sung verlange. Das Ausw„rtige Amt 
feilte den Rat Ludins dann noch etwas feiner aus, indem

/398/AE 76
es formulierte, daá die starke Beteiligung der Juden an den Aufst„nden und 
Partisanenbewegungen im Interesse der Sicherheit des slowakischen Staates, eine 
Radikall”sung der Judenfrage unumg„nglich notwendig mache. Und soferne es im 
Interesse der Stellung der slowakischen Regierung unbedingt erforderlich sei, 
k”nne hinzugefgt werden, daá das Reich im Zuge der auf Wunsche der 
slowakischen Regierung erfolgenden Partisanenbek„mpfung, auch seine Hilfe bei 
der L”sung der Judenfrage gew„hrt habe. (88) -
Am 6. Oktober 1947, gab der ehemalige Gesandte Ludin u.a. folgende 
eidesstattliche Erkl„rung, vor der Untersuchungsbeh”rde in Bratislava ab: ,Ich 
kann angeben, daá die Judendeportationen im Jahre 1942 ber auftrag des 
Ausw„rtigen Amtes stattgefunden haben. Ich pers”nlich habe den diesbezglichen 
Auftrag im Jahre 1942 erhalten. 1942 sind dann etwa 60.000 Juden aus der 
Slowakei deportiert worden. Die letzte Judenaussiedlung ging durch den 
Befehlshaber der Sicherheitspolizei." (89)
/399/
AE 77
- 9 -
Griechenland:
Der deutsche Milit„rbefehlshaber Saloniki-Žg„is hatte im Einvernehmen mit 
dem griechischen Generalgouverneur von Mazedonien am 7. Juli 1942 eine 
Anordnung ber den Arbeitseinsatz von Juden zu Ausbau der Straáe 
Saloniki - Katerim - Larissa - erlassen. (90)
Am 3. Januar 1943 flog gem„á einem Befehl des Amtchefs IV im 
Reichssicherheitshauptamt, Generalleutnant der Polizei Mller, mein 
Vertreter, SS Sturmbannfhrer Gnther nach Soloniki, um dort 
Verhandlungen in Judenangelegenheiten zu fhren. Der Unterstaatssekret„r 
Luther schrieb an seinen Gesandten Altenburg nach Athen, ,daá Gnther 
selbstverst„ndlich mit ihm t„tig werden darf." (99)
Derselbe Gnther teilte am 25. Januar 1943 dem Ausw„rtigen Amt mit, daá, 
nachdem die erforderlichen Besprechungen zur Durchfhrung von 
Evakuierungsmaánahmen aus dem Raum von Saloniki, mit dem 
Bevollm„chtigten des Deutschen Reiches in Griechenland, dem deutschen 
Generalkonsul in Saloniki und der Heeresgruppe, sowie dem 
Milit„rbefehlshaber Saloniki Žg„is, gefhrt wurden, eine Abordnung des bei 
der Deutschen Gesavdtschaft in Pressburg diensttuenden Beraters fr 
Judenfragen, erforderlich sei. Es wurde um Einverst„ndnis gebeten.
/400/AE 78
Eine dementsprechende Weisung des Ausw„rtigen Amtes an Pressburg, ging am 
5. Februar 1943, aus. (92)
Am 6. Februar 1943, erlieá der Milit„rbefehlshaber Saloniki - Žg„is, durch 
seine Milit„rverwaltung, eine Kennzeichnungs- und 
Ghettoisierungsverordnung. Er richtete diese anordnung an die jdische 
Kultusgemeinde zu Saloniki, ,Kraft der dem Befehlshaber Saloniki - Žg„is 
verliehenen Rechtsbefugnisse". -
Eine weitere Anordnung derselben Stelle vom 13. Febr. 43, besagt, daá der 
Pr„sident der Jdischen Kultusgemeinde zu Saloniki, alle Juden im gesamten 
Bereich des Befehlshabers Saloniki - Žg„is zu betreuen habe. Am selben 
Tage ordnete der Milit„rbefehlshaber durch seine Milit„rverwaltung ferner 
an, daá Juden nicht befugt seien, ihren Wohnsitz ohne Erlaubnis zu 
verlassen. ,Zuwiderhandelnde werden auf der Stelle erschossen." 
Straáenbahnen und andere Verkehrsmittel seien fr Juden verboten, ebenso 
verboten sei die Benutzung von Fernsprechern, das Betreten von Straáen 
und ”ffentlichen Pl„tzen sowie der Besuch ”ffentlicher Veranstaltungen, 
nach Einbruch der Dunkelheit.
Am 15.6.43 teilt der Milit„rbefehlshaber Saloniki - Žg„is an den 
Generalgouverneur von Mazedonien mit, daá gem„á einer h”heren Weisung, 
das Eigentum an dem gesamten jdischen Verm”gen,

/401/
AE 79
welches sich in seinem Befehlsbereich befunden hat oder noch befindet, dem 
griechischen Staat, vertreten duch den Generalgouverneur von Mazedonien, zu 
Eigentum bertragen wurd. (93)

Wisliceng ist inzwischen in Saloniki eingetroffen und ist dort gem„á den 
verwendeten Dienstsiegeln einem anderen Befehlshaber unterstellt; n„mlich 
dem Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD, der funktionell 
seinerseits wieder dem deutschen Milit„rbefehlshaber Saloniki - Žg„is 
unterstellt ist.
Auf Grund der Erlaáe des Milit„rbefehlshabers, gibt nun Wisliceng die 
Ausfhrungsbestimmungen dazu bekannt. Wie groá die Judenkennzeichen 
zu sein haben, wer als Jude dem Gesetze nach zu gelten hat, usf. (94)
Die Flucht eines Einzeljuden veranlaáte am 21. M„rz 1943 den 
Milit„rbefehlshaber anzuordnen, daá 25 Juden als Geiseln festgenommen 
wrden. Bei geringster Zuwiderhandlung gegen die vorgeschriebenen 
Verpflichtungen, wrden diese erschossen werden. Ferner drfen Juden 
auch innerhalb des Ghettos, nur zwischen 10 Uhr und 16 Uhr ihre H„user 
verlassen. Zuwiderhandelnde werden sofort erschossen; Deutsche und 
griechische Polizeikommandos wrden diese Anordnung besonders streng 
berwachen. (95)



/402/
AE 80
In Saloniki befanden sich etwa 55.000 Juden. Der weitaus grӇte Teil von ihnen, 
wurde deportiert.
Aus einem Runderlaá des Ausw„rtigen Amtes an die deutschen Missionen in 
Budapest, Lissabon, Rom, und Ankara vom 30. April 1943 ist zu ersehen, 
daá zwingende milit„rische und sicherheitspolizeiliche Grnde, allgemeine 
Maánahmen gegen Juden auch auf das von deutschen Truppen besetzte 
nordgriechische Gebiet, auszudehnen, notwendig machen. (96)
Wer allein ber Ingangsetzung oder Einstellung von Judendeportationen 
entschied, und wer die taktischen Belange dabei beobachtete, zeigt ein 
telegramm des deutschen Gesandten Neubacher, aus Athen an das 
Ausw„rtige Amt vom 27. Nov. 1943. ,Bitte bei Chef des 
Reichssicherheitshauptamtes anzuregen, daá mit Abtransport hiesiger Juden 
noch zugewartet wird. Es haben sich von ca. 8.000 Juden ber Aufforderung 
des Sicherheitsdienstes, ca. 1.200 gemeldet; die brigen sind geflchtet oder 
halten sich verborgen. Nach Abtransport der Juden, die sich gemeldet haben 
und die wahrscheinlich das uninteressanteste Kontingent darstellen, besteht 
berhaupt keine Aussicht mehr, an diejenigen heranzukommen, die fr uns 
politisch wesentlich interessanter sind als die gemeldeten.

/403,404/
AE 81
Der H”here SS- u. Polizeifhrer und Chef des Sicherheitsdienstes sind derselben 
Ansicht. Erbitte Bescheid an mich in Belgrad und an H”heren SS- u. Polizeifhrer 
nach Athen."
Neubacher war um jene Yeit der Bevollm„chtigte des Ausw„rtigen Amtes fr 
den gesamten Sdosten.
Dieses Telegramm leitete mir der Referent in der Abteilung DIII des Ausw. 
Amtes, Legationsrat Dr. von Thadden, mit der Bitte, um entsprechende 
Stellungnahme des Chefs des Reichsicherheitshauptamtes, General der 
Polizei und der Waffen SS, Dr. Kaltenbrunner, zu.
Herr v. Thadden versah das nach 1945 aufgefundene Doppel seines 
Schnellbriefes an mich, am 4. Dez. 1943 mit einer Handnotitz, die besagt, daá 
er mit mir die Sache besprochen habe und ich ihm mitgeteilt h„tte, daá 
Kaltenbrunner die Angelegenheit inzwischen direkt mit den Beteiligten, 
telephonisch erledigt habe und der Abtransport daher durchgefhrt werde.
Auch dieses Beispiel zeigt andererseits, daá mein Referat in den Dingen, im 
Reichssicherheitshauptamt, die eines Nachrichten- und Befehlsbermittlers 
war. Im Gegensatz von Presse und Literatur, sowie mancher unwahrer, 
sogenannte Zeugenaussagen, habe ich nie etwas anderes behauptet. (97)
/405, 406/AE 82
- 10 -   Jugoslawien:
Am 10. April marschierten die deutschen Truppen in Zagreb ein und am 12. April 
wurde Belgrad besetzt. Im Verbande der Truppen war ebenfalls eine 
Einsatzgruppe der Sicherheitspolizei und des SD eingegliedert. Ihr Befehlshaber 
war der SS-Standartenfhrer und Oberst der Polizei Dr. Fuchs. Dieser 
Einsatzgruppe unterstanden zwei Einsatzkommandos, eines in Agram unter dem 
SS-Sturmbannfhrer Beisner, das zweite in Begrad, unter SS-Sturmbannfhrer 
Kraus. Nach Einrichtung einer deutschen Gesandtschaft in Agram, unter dem 
Gesandten Kasche, wurde dieser, der SS-Sturmbannfhrer Helm als Polizeiattach‚ 
zugeteilt. (98) Der jugoslavische Raum war in drei Regionen aufgeteilt worden. 
Der slovenische Teil, von welchem einige Kreise dem Reichsgebiet einverleibt 
wurden; Kroatien, welches zu einem selbstst„ndigen Staate proklamiert wurde 
und das von deutschen Truppen besetzte Serbien.
Eins.) Slovenien:
Heydrich erhielt ber Himmler Befehl, umgehend mit der ,Bereinigung der 
Volkstumsfragen" in dem neu zum Reich gekommenen Gebieten im 
Sdosten, zu beginnen. Es handelte sich im wesentlichen um die Evakuieurng 
von 260.000 Slowenen nach Serbien; es war dies eine ursprnglich befohlene 
Zahl, die soweit ich mich glaube erinnern zu k”nnen, auch nicht ann„hernd 
erreicht wurde.
Ich erhielt um jene Zeit den Befehl,

/407/
AE 83
Einladungsschreiben zu einer am 6. Mai 1941 in Marburg anberaumten 
Besprechung unter dem Vorsitz Heydrichs, an s„mtliche deutschen 
Zentralinstanzen auszusenden. So an das Ausw„rtige Amt, 
Reichswirtschaftsministerium, Reichinnenministerium, Beauftragten fr den 
Vierjahresplan, Reichsfinanzministerium, Kanzlei des Fhrers, Rasse- und 
Siedlungshauptamt, Reichsverkehrsminsterium u.a.m.
Die T„tigkeit der Evakuierung lief unter den Auspizien des Reichsfhrers SS 
u. Chef der Deutschen Polizei, als Reichskommissar fr die Festigung 
deutschen Volkstums. Das Konferenzziel war, daá alle beteiligten 
Zentralinstanzen nach dem Aussiedlungsgebiet ihre Vertreter zur Hitler - 
Befehl - Durchfhrung abzustellen haben und dort die ihnen obliegenden 
Ressortarbeiten an Ort und Stelle zu erledigen.
Meine Aufgabe war es fr die laufende Berichterstattung von ,oben nach 
unten" und umgekehrt Sorge zu tragen.
Die Aussiedlungsbestimmungen selbst, war eine Angelegenheit des Amtes III, 
des Reichssicherheitshauptamtes, sowie die des Rasse- u. 
Siedlungshauptamtes. (99)
Zwei.) Serbien:
Am 11. Mai 1941 ergeht seitens des Milit„rbefehlshabers in Serbien, eine 
Einladung zur Besprechung ber Judenangelegenheiten,

/408, 409/
AE 84
an den Generalbevollm„chtigten fr die Wirtschaft in Serbien, Generalkonsul 
Neuhausen, an dem Bevollm„chtigten des Ausw„rtigen Amtes in Serbien, den 
Gesandten Benzler, an den Chef der Einsatzgruppe der Sicherheitspolizei und des 
SD, Dr. Fuchs, dem Feldkommandanten Oberst Keisenberg und an den Leiter der 
Verwaltungsgruppe Oberkriegsverwaltungsrat Dr. Rantze. (100) Fnf Tage sp„ter 
wurden die Juden von Belgrad aufgefordert, sich am 19.4.41, um 8 Uhr frh, bei 
der St„dtischen Schutzpolizei, zu melden. (101)
Und seitens des Gesandten Benzler und Veesenmayer geht nunmehr 
Forderung um Forderung nach Beseitigung dieser Juden aus dem serbischen 
Raum, an das Ausw„rtige Amt, nach Berlin ab.

Am 8. Sept. 1941 schreiben Benzler und Veesenmayer an das Ausw„rtige 
Amt: ,. Es ist daher dringend geboten, nunmehr beschleunigt fr 
Sicherstellung und Entfernung zu mindestens aller m„nnlichen Juden zu 
sorgen. Die hierfr in Frage kommende Zahl drfte ? 8.000 betragen."
Am 10. Sept. 1941, lassen Benzler und Veesenmayer aus Belgrad verlauten: 
,Rasche und drakonische Erledigung serbischer Judenfrage ist dringenstes 
und zweckm„áigstes Gebot. Erbitte von Herrn Reichsauáenminister 
entsprechende

/410/
AE 85
Weisung, um beim Milit„rbefehlshaber Serbien, mit entsprechendem Nachdruck 
wirken zu k”nnen. Seitens serbischer Regierung und Bev”lkerung, ist keinerlei 
Widerstand zu erwarten, umso weniger, als bisherige Teilmaánahmen sich bestens 
bew„hrt haben. Gleichlautender Befehl von Reichsfhrer SS, an chef der 
Einsatzgruppe der Sicherheitspolizei, SS-Standartenfhrer Fuchs, wrde 
Angelegenheit wesentlich f”rdern. (102)
Es ging anf„nglich darum, diese 8.000 Juden auf eigendeine, zu Rum„nien 
geh”rende Donauinsel zu verbringen. Dies wurde jedoch von Ribbentrop 
abgelehnt, da es ohne Zustimmung der Rum„nen nicht durchgefhrt werden 
k”nne. Unterstaatssekret„r Luther teilte dies am 11. Sept. an Benzler mit und 
bemerkte, daá es anheimgestellt wrde, die Juden in Arbeitslager 
sicherzustellen. (103)
Aber sofort, am 12. Sept., antwortet Benzler, daá Unterbringung in 
Arbeitslagern nicht m”glich sei, da infolge der inneren Zust„nde - Aufst„nde 
- die Sicherung nicht gew„hrleistet erscheine. Es bliebe nur noch die 
sofortige Abschiebung etwa nach dem Generalgouvernement oder Ruáland, 
was aber erhebliche Transportschwierigkeiten breiten drfte. Anderenfalls 
máe die Judenaktion vorl„ufig zurckgestellt werden, was gegen die ihm,

/411/
AE 86
von Ribbentrop, erteilten Weisungen sei. (104)
Am 13. Sept. legt der Legationsrat Rademacher seinem Unterstaatssekret„r eine 
bemerkenswerte Aufzeichnung vor.
,Die Notwendigkeit der von der Dienststelle des Bevollm„chtigten des 
Ausw„rtigen Amtes in Belgrad gewnschten Abschiebung der 1.200 m„nnlichen 
Juden, wenn nicht nach Rum„nien, so doch nach dem Generalgouvernement oder 
nach Ruáland, vermag ich nicht einzusehen. Ruáland ist als Operationsgebiet zur 
aufnahme von Juden v”llig ungeeignet. Wenn sie schon in Serbien eine Gefahr 
sind, sind sie in Ruáland eine noch viel gr”áere. Das Generalgouvernement ist 
bereits mit Juden bers„ttigt. M.E. máte es bei der n”tigen H„rte und 
Entschlossenheit m”glich sein, die Juden auch in Serbien in Lager zu halten. 
Wenn die Juden dort nach wie vor Unruhen schren, muá gegen sie mit 
versch„rftem Standrecht vorgegangen werden. Ich kann mit nicht vorstellen, daá 
die Juden weiter konspirieren, wenn erst eine grӇere Anzahl von Geiseln 
erschoáen ist." (105)
Benzler richtet am 28. Sept. ein erneutes dringendes Telegramm; fr den 
Reichsauáenminister pers”nlich. Er erinnert ihn

/412, 413/ AE 87
an seine Zusage, ihm zu helfen, die Juden, Freimaurer und englandh”rige Serben, 
sei es donauabw„rts, sei es in Konzentrationslager in Deutschland oder im 
Generalgouvernement, unterzubringen. Sofortige L”sung der Judenfrage sei im 
Augenblick in Serbien die politisch wichtigste Aufgabe und Voraussetzung fr 
Inangriffnahme der Beseitigung von Freimaurern und deutschlandfeindlicher 
Intelligenz. Die im Gange befindliche milit„rische Aktion zur 
Aufstandsbek„mpfung schaffe jetzt den geeigneten Zeitpunkt fr den Befinn der 
Aktion. Zudem habe General B”hme, ebenso wie der Milit„rbefehlshaber, erneut 
nachdrcklich gebeten, auch in ihrem Namen, m”glichst sofortige Abschickung 
der Juden auáer Landes zu erwirken. Es handele sich zun„chst um etwa 8.000 
m„nnliche Juden, deren Unterbringung in Lager unm”glich sei, da diese Lager fr 
Unterbringung von 20.000 Serben aus den aufstandsgebieten in Anspruch 
genommen werden máen.
Mit den restlichen etwa 20.000 Juden und Familienangeh”rigen, werden sie dort 
selbst fertig werden máen, die Abschickung auf eine Insel im Donaudelta 
erscheine transportm„áig die einfachste L”sung und Benzler erbittet abschlieáend,

/414/AE 88
zusammen mit Veesenmayer, in dieser Frage die erste Voraussetzung fr 
angestrebte Dauerbefriedung sei, um dringende Untersttzung. (106)

Hierzu nahm Luther - zwecks Vorlage ber den Staatssekret„r, bei dem 
Reichsauáenminister - am 2. Oktober wie folgt Stellung:
,Wenn der Milit„rbefehlshaber mit Benzler dahingehend einig ist, daá diese 8000 
Juden in erster Linie die Befriedungsaktion im serbischen Altreich verhindern, so 
muá meiner ansicht nach der Milit„rbefehlshaber fr die sofortige Beseitigung 
dieser 8.000 Juden Sorge tragen. In anderen Orten sind anderer 
Milit„rbefehlshaber mit einer wesentlich gr”áeren anzahl von Juden fertig 
geworden, ohne berhaupt darber zu reden.
Meiner Ansicht nach k”nnen wir dem rum„nischen Staatsfhrer, welcher ohnehin 
gengend Sorgen mit der Abschiebung seiner eigenen Juden hat, nicht zumuten, 
weitere 8.000 Juden aus fremden Staatsgebiet zu bernehmen.
Ich bitte daher um die Erm„chtigung, diese Frage mit Obergruppenfhrer 
Heydrich, welcher in den n„chsten Tagen auf kurze Zeit von Prag nach Berlin 
kommen wird, zu besprechen. Ich bin berzeugt, daá wir im Einvernehmen mit 
ihm

/415/AE 89
sehr bald zu einer klaren L”sung dieser Frage kommen k”nnen." (107)

Noch am selben Tage, um 22,20 Uhr, gab Ribbentrop bekannt, sofort mit 
Himmler die Frage zu kl„ren, ob er die 8.000 Juden, nach Ostpolen schaffen 
k”nne. Und mit Heydrich wurde vereinbart, daá ein Sonderbeauftragter der 
Reichssicherheitshauptamtes zur Regelung der Frage nach Belgrad kommen 
werden. Drei Tage sp„ter schreibt Luther nach Belgrad, daá ich in Begleitung des 
Legationsrates Rademacher die Reise antreten wrde. Am 15. Oktober wurde 
dieser Plan wieder aufgegeben, dann Luther muáte Belgrad mitteilen, daá nicht 
ich, sondern andere, als Vertreter des Reichssicherheitshauptamtes, gemeinsam 
mit Rademacher nach Belgrad k„men.
Auch hier scheint aber wieder etwas dazwischen gekommen zu sein, denn 
Rademacher fuhr - wie sein Dienstreisegenehmigungsantrag den er an seine 
Beh”rde richtete lautet - zwecks Liquidierung von 8.000 Juden, offensichtlich 
alleine nach Belgrad, denn sein ausfhrlicher Dienstreisebericht beinhaltet nichts 
ber andere Dienstreiseteilnehmer; auch die Akten besagen nicht diesbezglich. 
(109)

/416/AE 90
In Serbien geschah in der Zwischenzeit folgendes:
Der Bevollm„chtigte Kommandierende General in Serbien, General der 
Infanterie, B”hme, erlieá am 10. Okt. 41, einen Befehl, demzufolge es notwendig 
geworden sei, die Befehle des Oberkommandos der Deutschen Wehrmacht, in der 
sch„rfsten Form durchzufhren.
Es seien daher in allen Standorten s„mtliche m„nnlichen Kommunisten, Juden 
und eine bestimmte Anzahl nationalistischer und demokratisch gesinnter 
Einwohner, als Geiseln festzunehmen.
Fr jeden get”teten oder ermordeten deutschen Soldaten oder Volksdeutschen 
sind 100 Gefangene oder Geiseln zu erschieáen; fr jeden Verwundeten deren 50.
Der Chef des Generalstabes des Bevollm. Kommandierenden Generals in Serbien 
befahl am 19. Oktober 1941 die Exekution an 2.200 Festgenommenen, fr 10 
gefallene und 24 verwundete deutsche Soldaten. (110)

Rademacher schrieb in seinem Dienstreisebericht vom 25. Okt. 41, daá seine erste 
Aussprache mit dem Gesandten Benzler und dem Staatsrat Turner auf der 
Dienststelle des Milit„rbefehlshabers ergeben h„tte, daá bereits ber 2000

/417/AE 91
dieser Juden als Repressalie fr šberf„lle auf deutsche Soldaten erschoáen waren.
Ins Einzelne gehende Verhandlungen mit den Sachbearbeitern der Judenfrage SS-
Sturmbannfhrer Dr. Weimann von der Dienststelle des Staatsrates Turner und 
dem Leiter der Staatspolizeistelle (er meint hier den Chef der Einsatzgruppe der 
Sicherheitspolizei) SS-Standartenfhrer Dr. Fuchs, und dessen Judenbarbeiterin 
ergaben:
,1.) Die m„nnlichen Juden sind bis Ende dieser Woche erschoáen, damit ist das in 
dem Bericht der Gesandtschaft angeschnittene Problem ereldigt.
2.) Der Rest von etwa 20.000 Juden (Frauen, Kinder, alte Leute) sowie rund 1.500 
Zigeuner, von denen die M„nner ebenfalls noch erschoáen werden, sollte in 
sogenannte Zigeunerviertel der Stadt Belgrad als Ghetto, zusammengefaát 
werden." (111)

Jetzt aber wurde es dem Staatssekret„r im Ausw„rtigen Amt, Herrn von 
Weizs„cker zu Berlin, denn doch zu viel und er schrieb am 22. November auf 
Grund einer Aufzeichnung, der Abteilung D III seines amtes vom 7. Nov., daá 
gem„á Fhrererlaá vom 28.4.1941, der Bevollm„chtigte des Ausw„rtigen Amtes 
fr die Behandlung aller in Serbien auftauchenden Fragen auáen-

/418/AE 92
politischen Charakters zust„ndig sei und daá demnach der Gesandte Benzler und 
mit ihm das Ausw„rtige Amt sich mit dem Abtransport von Juden aus Serbien 
nach anderen L„ndern zu befassen habe, es dagegen ber Benzlers und des 
Ausw„rtigen Amtes Aufgabe hinausginge, darin aktiv mitzuwirken. Er habe heute 
dem Gesandten Benzler mndlich dasselbe gesagt und es wrde sich empfehlen, 
ihn noch entsprechen schriftlich zu unterrichten.
Dagegen fhrte Unterstaatssekret„r Luther in einer Notitz fr seinen Staatssekret„r 
am 12. Dez. 1941, yu seiner Verteidigung in's Treffen, was er alles gem„á 
Weisung Ribbentrops unternommen habe und er daher annehmen muáte, das es 
im Sinne des Herrn Reichsauáenministers lag, wenn sich das Ausw„rtige Amt ,in 
diese an sich sicherlich, recht heikle Angelgenheit" einschaltete. (112)

Dieser ,Streit im Hause" scheint der Grund zu sein, weshalb sich auf einem 
Telegramm Benzlers an das Ausw„rtige Amt vom 12. Sept. 41, fogende 
handschriftlichen Vermerke finden: ,Bitte sofort mit Reichssicherheitshauptamt 
sprechen, dann Bericht.
Luther, 12.9."
Unterschriftkrzel

/419/AE 93
,Nach Auskunft Sturmbannfhrer Eichmann, Reichssicherheitshauptamt, IV D 
VI, Aufnahme im Reichsgebiet und Generalgouvernement unm”glich. Nicht 
einmal die Juden aus Deutschland k”nnen dort untergebracht werden. Eichmann 
schl„gt Erschieáen vor.
Rademacher 13.9."

Dazu sagte Rademacher am 30. Juli 1948, in Nrnberg folgendes aus:
,Auf Grund der Notitz Luthers vom 12.9. bin ich am 13.9. zum Vortrag bestellt 
worden. Ich erinnere mich noch genau, daá ich ihm gegenber saá als ich mit dem 
Reichssicherheitshauptamt telephonierte und daá ich die handschriftlichen 
Stichworte ber Eichmanns Antwort aufschrieb und w„hrend des Telepphonates 
zu Luther hinberschob. Eichmann hat dem Sinne nach gesagt, daá die Milit„rs 
fr die Ordnung in Serbien verantwortlich seien und aufst„ndische Juden eben 
erschieáen máten. Auf meine Nachfrage wiederholte er einfach: ,Erschieáen` 
und hing auf."

Nun, ich habe nie eine solche Žuáerung getan; sie ist von Rademacher frei 
erfunden. Ich h„tte dazu auch gar keine Befugnis gehabt.
Wegen viel geringerer Angelegenheiten wurden zwischen dem 
Reichssicherheitshaupt-
/420/AE 94
amt und dem Ausw„rtigen Amt und umgekehrt, hunderte von Schreiben 
gewechselt. Ja, mit einer ausgesprochenen brokratischen Pedanterie darauf 
geachtet, gegeseitige Stellungnahmen stets s„uberlich bei den Akten, gem„á den 
brokratischen Vorschriften, zu haben.

Ferner; man stelle sich vor, im Ausw„rtigen Amt sitzen sich zwei M„nner 
gegenber. Beide kennen sich gut. Der eine von ihnen kennt den Telephonpartner 
dienstlich sehr gut, der andere kennt ihn dienstlich gut.
Es wird schnell angerufen. Beide wissen wen und wo.
Rademacher tr„gt den Sachverhalt vor. Luther sitzt ihm dabei gegenber. 
Rademacher schreibt die Auskunft auf die Akte.
Ich frage daher vom Standpunkt des Kriminalisten: meines Erachtens f„ngt in 
einem solchen Falle ein Person kaum an zu schreiben: ,Nach Auskunft 
Sturmbannfhrer Eichmann, R & H.A. IV D VI . ."
Luther weiá dies alles, denn er sitzt ja gegenber und er kannte mich ja schon 
lange.
Es kann auch nicht stimmen, daá Rademacher meine angebliche Auskunft 
w„hrend dieses angebliche Telephonat zu Luther ber den Schreibtisch hinber-

/421/AE 95
schob, denn wenn man seine Notitzen und Aussagen durchspielt, geht die Sache 
nicht auf.
Des weiteren, mit keinem Wort werde ich im Laufe der weiteren diesbezglichen 
Aktenbehandlung mehr erw„hnt, was doch sonst sehr nahe liegend w„re. Nein, es 
ist schon so wie ich sagte, hier wurde infolge der Weizs„cker'schen Rgen 
schleunigst ein zus„tzliches ,Entlastungsmaterial" nachtr„glich geschaffen, wie 
solches in „hnlichen F„llen innerhalb der Zentralinstanzen gerne praktiziert wird.
Und letztlich ist in diesem Zusammenhang unter Umst„nden auch die Aussage v. 
Weizs„ckers w„hrend des Nrnberger Prozesses nicht uninteressant. (113) 
Abgesehen davon war meine Dienstbezeichnung nicht IV D VI, sondern IV B 4.

Kroatien:
Der deutsche Gesandte der kroatischen Republik in Adram, Kasche richtete an das 
Ausw„rtige Amt nach Berlin ein Telephonat, in dem er mitteilte, das die 
kroatische Regierung mit der Aussiedlung der Juden grunds„tzlich einverstanden 
sei. Er halte es daher fr richtig, mit der Aussiedlung zu beginnen und zwar fr 
das gesamte Staatsgebiet. Man k”nne es darauf ankommen lassen, ob sich im 
Zuge der Aktion Schwierigkeiten ergeben, soweit es sich um die von Italienern

/422, 423/AE 96
besetzte Zone handele. (114)
Luther machte diese Mitteilung am 24. Juli 42, zum Gegenstand einer Vorlage bei 
Ribbentrop.
Am 16. Oktober 42 meldete Kasche, daá der kroatische Finanzminister Kosak 
sich bereit erkl„rt habe, dem Deutschen Reich fr jeden ausgesiedelten Juden 
Dreiáig Reichsmark zur Verfgung zu stellen. Die schriftliche Best„tigung, sowie 
die Zahlungsweise wrde mit dem Auáenminister Lorkovic vereinbart. Die 
Vorbereitungsarbeiten fr die Aussiedlung der Juden aus den von den Italienern 
besetzten Zonen, werden von dem Polizeiattach‚ durchgefhrt. Er b„te, das 
Reichssicherheitshauptamt zu verst„ndigen. (115)
Aber die Italiener hatten sich die Durchfhrung doeser Aufgabe selbst vorbehalten 
und eine šberstellung der Juden an Deutschland abgelehnt. (116)

Inzwischen wurde dem Polizeiattach‚ als Gehilfe ein SS-Hauptsturmfhrer 
Abromeit unterstellt, welcher den Abtransport der Juden aus Kroatien, soweit 
diese fr eine Evakuierung in Frage kamen, zu bernehmen und die 
Transportzge von der Deutschen Reichsbahn zu bestellen hatte.
Die Erfassung der Juden wrden durch die jeweils zust„ndigen Polizeichefs bei

/424, 425/AE 97
den Groágespanschaften, gem„á einer Anweisung der Hauptdirektion fr 
”ffentliche Ordnung und Sicherheit, durchgefhrt werden. (117)

Am 22. April 1944 gibt der Gesandte Kasche einen Bericht ber die Judenfrage in 
Kroatien an das Ausw„rtige Amt, worin er feststellt, daá diese in Kroatien ,in 
weitem Maáe bereinigt" worden ist; es handele sich jetzt nur noch um 
Maánahmen in den Kstengebieten. Als Anlage fgt er einen Bericht seines 
Polizeitattach‚s bei. Bekanntlich wurde die Judenaussiedlung aus Kroatien - so 
heiát es in diesem Bericht - im Sp„therbst 1942 durch die zust„ndigen kroatischen 
Beh”rden, unter Einschaltung einer beratenden T„tigkeit des Polizeiattaches 
durchgef„hrt. Es l„ge ein Schreiben des Reichssicherheitshauptamt vor, 
demzufolge auf Befehl Himmlers die Judenfrage in Kroatien in schnellster Zeit 
bereinigt werden soll. Auf Grund des Himmler-Befehls, wrde durch den 
Befehlshaber der Sicherheitspolizei, im engsten Einvernehmen mit ihm, die 
Judenfrage nochmals eingehendst geprft. (118)

/426/AE 98
- 11 -
Rum„nien:
Der Deutsche Gesandte in Rum„nien Manfred Freiherr von Killinger fordert vom 
Ausw„rtigen Amt den Berater fr Arisierung- und Romanisierungsfragen SS-
Hauptsturmfhrer Richter, der zum Reichssicherheitshauptamt geh”rt, am 
7.8.1941 an; man m”ge ihn nach Bukarest zurckentsenden.
Eine dahingehende Bitte des stellvertretenden Ministerpr„sidenten Mihai 
Antonescu an Himmler, sei ebenfalls bereist auf dem Wege nach Berlin. (119)
Und Luther konnte in einem ausfhrlichen Lagebericht an Ribbentrop u.a. hierzu 
bemerken, daá es trotz streuben des Reichssicherheitshauptes, auf Antrag des 
Ausw„rtigen Amtes gelungen w„re, Richter, der aus Rum„nien zurckgezogen 
wurde, wieder nach Bukarest zu bekommen. (120)
Richter hatte alsbald zwei bedeutsame Unterredungen mit Mikai Antonescu. Die 
eine am 12. Dez. 1941, die zweite am 23.1.1942.
In beiden Besprechungen handelte es sich vornehmlich um das Einverst„ndnis, 
die rum„nische Regierung m”ge, in Anlehnung an den Himmler-Befehl, 
betreffend Verbot der Auswanderung von Juden ans Deutschland und von 
besetzten Gebieten, vom Oktober 1941, auch von sich aus ein solches Verbot fr 
das

/427, 428/AE 99
rum„nische Hoheitsgebiet erlassen. Richter schreibt darber in seinem Bericht, 
daá der Chef der Sicherheitspolizei und des SD (Heydrich) von sich aus den 
Berater (also ihn) davon in Kenntnis gesetzt habe. Der Chef der Sicherheitspolizei 
wnsche nun, daá auch die Auswanderung von Juden aus Rum„nien unter allen 
Umst„nden unterbunden wird. - /1 « Zeilen gestrichen, unleserlich/ (121)

Am 30.August 1941 wird in Tighina, zwischen dem Oberkommando des 
deutschen Heeres, vertreten durch den Generalmajor Hauffe und dem Vertreter 
des K”niglich Rum„nischen Groáen Generalstabes, Brigadegeneral Tatarascu eine 
Vereinbarung getroffen ber die Sicherung, Verwaltung und 
Wirtschaftsauswertung der Gebiete zwischen den Fláen Dujestc und Bug und 
Bug und Dujepc. Dieser Vereinbarung lagen unter anderen ein Schreiben ,Hitlers 
an den rum„nischen Staatschef Antonescu" v. 14.8.1941 und das 
Antwortschreiben ,Antonescu an den Fhrer und Reichskanzler des Deutschen 
Reiches, Hitler", zugrunde.
Im Punkt sieben des Vertrages heiát es: ,Abschub der Juden ber den Bug ist zur 
Zeit nicht m”glich. Sie máen daher in Konzentrationslager

/429, 430/AE 100
zusammengefaát und zur Arbeit eingesetzt werden, bis nach Abschluá der 
Operationen ein Abschub nach Osten m”glich ist." (122)
Im April 1942 teilte der Reichskommisar fr die besetzten Ostgebiete den in 
Frage kommenden Zentralinstanzen nach Berlin mit, daá ”rtliche rum„nische 
Stellen in letzter Zeit etwa 10.000 Juden ber den Bug in das Reichskommissariat 
Ukraine abgeschoben h„tten und die Abschiebung weiterer 60.000 rum„nischer 
Juden, den Umst„nden nach zu befrchten sei. Auch das 
Reichssicherheitshauptamt erhielt solch eine Beschwerde.
Gem„á Befehl meiner Vorgesetzten schrieb ich daraufhin am 14. April 1942 an 
das Ausw„rtige Amt, daá bei den ”rtlichen rum„nischen Stellen seitens der 
rum„nischen Regierung auf unverzgliche Einstellung dieser illegalen 
Judentransporte hinzuwirken w„re. Da angenommen werden, daá seitens der 
rum„nischen Regierung bedingungslos entsprochen wrde, /1 « Zeilen 
durchgestrichen, unleserlich/ wird zwecks Vermeidung einer Versch„rfung der 
durch die illegale Abschiebung der Juden zwischen den ”rtlichen Stellen bereits 
enstandenen Spannungen, zun„chst von sicherheitspolizeilichen Maánahmen 
abgesehen.
Fr den Fall jedoch - so hatte ich weisungsgem„á weiter zu schreiben - daá die 
rum„nische Regierung dem

/431/AE 101
Ersuchen um Einstellung nicht entspreche, oder aber ”rtliche rum„nische Stellen 
entgegen einer Weisung der rum„nischen Regierung handeln und weiterhin Juden 
abschieben sollten, bleiben sicherheitspolizeiliche Maánahmen vorbehalten.
Im Mai 1942, wurden diese, ber den Bug abgeschobenen Juden, in der Ukraine 
liquidiert. Sie wurden von den ”rtlichen Stellen gem„á einer h”heren Weisung 
get”tet. Die Literatur hat sich hierbei insbesonderlich meinen Satz bezglich der 
,sicherheitspolizeilichen Maánahmen" gemerkt. Jedermann aber, der auch nur 
halbwegs lesen kann, vermag ohne geringste Mhe zu verstehen, daá diese 
Maánahmen sicherheitspolizeilicher Natur nicht gegen die Juden zur Anwendung 
zu bringen sind, sondern gegen die ”rlichen rum„nischen Stellen, welche die 
Abschiebungsmaánahmen durchfhrten. Und jeder im Grenzdienst stehende weiá, 
daá unter solchen Maánahmen eine Sperrung der Grenze zu verstehen sei, Worte 
welche man in dieser scharfen Form im gegenseitigen Verkehr, eben allgemeiner, 
mit sicherheitspolizeiliche Maánahmen, umschreibt. (123)

/432/AE 102
Um es gleich vorweg zu nehmen, nicht daá die damalige Reichsfhrung gegen 
eine abschiebung von Juden nach dem Osten gewesen w„re. Im Gegenteil. Gerade 
um diese Zeit, Mitte 1942, lagen besonders scharfe Befehle Himmlers zur 
Intensivierung der Judendeportationen nach dem Osten vor. Aber offensichtlich 
hatte Rosenberg, der Reichsminster fr die besetzten Gebiete bei h”chster Stelle 
gegen eine solche ,regellose und unkontrollierbare" Abschiebung in ,sein" Gebiet 
Protes erhoben.
Denn etwa zu gleicher Zeit, als diese Aufregung durch den Berliner 
Beh”rdenwald wehte, schrieb Mller an Luther, daá vorgesehen sei etwa ab 10. 
Sept. 1942, nunmehr auch Juden aus Rum„nien in Sonderzgen nach dem Osten 
zu schaffen. Der zu erfassende Personenkreis erstrecke sich zun„chst auf 
arbeitsf„hige Juden, soweit sie nicht unter die privilegierten Ausnahmen fallen. 
Und an Himmler geht dieselbe Mitteilung, jedoch mit dem Bemerken, daá der 
arbeitsf„hige Teil arbeitseinsatzm„áig angesetzt wrde, der Rest der 
Sonderbehandlung unterzogen werden soll. (124)
Luther schrieb daraufhin an Mller zurck, daá grunds„tzlich seitens des 
Ausw„rtigen Amtes keine Bedenken dagegen bestnden, daá nunmehr auch

/433/AE 103
die Abbef”rderung der Juden aus Rum„nien nach dem Osten in Angriff 
genommen wird. Bezglich des Umfanges des zu erfassenden Personenkreises 
und der Haltung der rum„nischen Regierung schwebten jedoch noch 
Ermittlungen, nach deren Abschluá man auf diese Angelegenheit zurckkommen 
wrde. (125)
Am 15. September 1942 richtet Killinger ein Telegramm an das Ausw„rtige Amt 
und teilt mit, da die rum„nische Regierung auf die Verbalnote der deutschen 
Gesandtschaft vom 27. August noch nicht geantwortet habe, k”nne ein Termin 
ber den Beginn der Aussiedlungsaktion nicht festgelegt werden. (126)
In der ganzen Angelegenheit kommt es zwischen Killinger und Luther einem 
recht beachtlichen und energischen Briefwechsel in dessen Verlauf der oftmals 
unbeherrschte Killinger blindlings mit Vorwrfen gegen andere vorgeht, ohne 
sich die Mhe einer sachlichen Prfung zu nehmen. Der Anlaá hierfr ist 
eigentlich sein eigener, ihm unterstellter SS-Hauptsturmfhrer Richter, der einige 
Zeit sp„ter zu seinem Polizeiattach‚ ? wird. Dieser hat sich von dem 
stellvertretenden Ministerpr„sidenten Rum„niens, Mihai Antonescu ein 
Handschreiben ausstellen lassen, demzufolge Rum„nien mit der

/434/AE 104
Aussiedlung der Juden nach dem Osten, einverstanden ist.
Nun, Richter war ein Mann, der aus dem Nachrichtendienst nicht nur kam, 
sondern zu jder Zeit mit beiden Beinen darin stand. Die peinliche Beobachtung 
brokratischer Feinheiten, eine ordnungsgem„áe Aktenbearbeitung, absolute 
Einhaltung des Dienstwegesund was dererlei Vorschriften nich sein mochten, lag 
ihm nicht besonders. Verhandlungen mit untergeordneten Instanzen, etwa 
Referenten, lag ihm ebenfalls nicht. Er verhandelte und trug vor, der Stelle, die er 
als richtig fand und dies waren jeweils die Chefs. So auch gelang ihm als einziger 
Berater der Sprung, zum Polizeiattach‚ akkreditiert zu werden.
Natrlich entsprach die Form des Erlangung eines solchen Handschreibens von 
einer solch hohen offiziellen Stelle, nicht den blichen diplomatischen 
Gepflogenheiten. Und es ist nicht sehr verwunderlich, wenn Luther seitens des 
Ausw„rtigen Amtes hierber dem Gesandten Killinger sein Erstaunen zum 
Ausdruck gebracht haben mag.
Und Killinger reagierte hierauf sehr b”se, und sparte nicht mit Vorwrfen.
Wie das Ausw„rtige Amt annehmen

/435, 436/AE 105
k”nne, daá er derart wichtige Fragen ausschlieálich von einem SS-Offizier 
erledigen lasse; oder: daá der Berater die Vorarbeit auf seinem Befehl gemacht 
hat, st eine Selbstverst„ndlichkeit.
Aber er verstnde andererseits nicht, daá wenn schon ein so hoher Beamter der 
rum„nischen Regierung, wie der Kommissar fr Judenangelegenheiten Lecca, 
nach Berlin zu Verhandlungen k„me, dieser durch das Ausw„rtige Amt 
gewissermaáen zwischen Tr und Angel abgefertigt werde, was ganz zweifellos 
zu Verstimmungen fhren máe.
In seinem blinden Zorn schreibt er ber den postalischen Dienstweg zwischen 
Gesandtschaft - Ausw„rtige Amt - Reichssicherheitshauptamt und umgekehrt und 
unterstellt mir, ich h„tte mich nicht an diesen vorgeschriebenen Dienstweg 
gehalten. Es ist ein Unsinn; durch nichts ist zu belegen, daá ich mir heir einen 
Formfehler in brokratischer Hinsicht h„tte zu Schulden kommen lassen; ja ich 
hatt berhaupt mit dieser Sache nichts zu tun gehabt, weil Richter die 
angelegenheit im Einvernehmen mit seinem eigenen Gesandten durchfhrte, was 
Killinger merkwrdigerweise im selben Atemzuge eigenh„ndig best„tigte. Luther 
selbst schreibt auf eine Akte schlieálich resignierend vor der Sturk”pfigkeit seines 
Gesandten, Killinger wolle einfach nicht verstehen.

/437, 438/AE 106
Und dies alles, als Luther etwa um die gleiche Zeit in einem Bericht an seinen 
Minster schrieb, daá das Reichssicherheitshauptamt von einer geradezu 
bertriebenen Vorsicht sei. (127)

Am 9. Oktober 1942 erkundigt sich Gesandtschaftsrat Dr. Stelzer nach der 
Verbalnote
Vom 27. August. Mihai Antonescu beeilte sich zu versichern, daá er sie noch 
nicht vergessen habe. Auch seine Besprechungen mit dem Reichsauáenminister in 
dessen Feldquartier, h„tten sich auf dieser L? bewegt; es sei daher eher an 
Deutschland, nunmehr konkrete Vorschl„ge zu machen.
Richter suchte daher am 22. Oktober Mihai Antonescu auf. Dier erkl„rte - 
offenbar sehr zu Richters Erstaunen - er habe der Aussiedlung der Juden aus 
Rum„nien zugestimmt und es sei auch in Berlin diesbezglich verhandelt worden; 
andererseits aber seien die Deportationen ber den Bug verboten worden. (Siehe 
dazu mein Schreiben welches ich befehlsm„áig zu fertigen hatte und worin ich 
mit sicherheitspolizeilichen Maánahmen winken muáte, fr den Fall die 
Deportationen ber den Bug nicht eingestellt wrden.) Hier seu seiner Meinung 
nach ein Widerspruch. Richter kommt zu dem Schluá, daá der Staatschef 
Mrschall Antonescu die Aussiedlung der Juden verschoben

/439/AE 107
habe. Und es gelingt Richter sich in den Besitz einer photokopierten Anordnung 
des Marschalls zu setzen, in der es heiát:
,Die Evakuieurng aus Siebenbrgen wird nur studiert. Die Durchfhrung wird 
aufgeschoben. Sie wird nur dann begonnen werden, wenn der gnstige 
Augenblick kommen wird. Bis dahin werden bis in die kleinsten Einzelheiten von 
dem Innenministerium auf Grund der von Herrn M. Antonescu erteilten 
Anweisungen Vorbereitungen getroffen. Marschall Antonescu."
Am 14. Dez. 1942 schreibt Luther an die Gesandtschaft nach Bukarest auf deren 
Bericht vom 26. Nov., daá die Tatsache, der Stockung im Hinblick auf eine 
Judenaussiedlung aus Rum„nien zun„chst nicht schwer in`s Gewicht falle, da 
w„hrend der Hauptwintermonate ein Abtransport ohnedies nicht gewnscht ist. 
Gleichzeitig nimmt er positiv Stellung, zu einer Einladung welche - offensichtlich 
durch Vermittlung der Gesandtschaft - rum„nischerseits an mich erging. Im 
folgenden Januar lehnte ich wegen Arbeitsberlastung ab; eine diensth”fliche 
Form die damals gang und g„be war. Besser gesagt und richtiger, bekam ich 
Befehl,

/440/AE 108
die Einladung abzulehnen. (128) Da nichts l„stiger ist, als offiziellen Einladungen 
nachzukommen und sie zu berstehen - jedenfalls fr mich - geh”rte es mit zu 
meinen angenehmen Obliegenheiten, wenn ich solche ablehnen konnte. -
Und endlich am 2. November 1943m schrieb mir der Legationsrat von Thadden, 
zu meinen oder meines Vertreters H„nden,
,Die Deutsche Gesandtschaft in Bukarest hat sich u.a. ge„uáert:
Das Vorgehen gegen die Juden ist im wesentlichen eingeschlafen. Man nimmt 
lediglich den reichen Juden das Geld ab und zieht „rmere Judem zum 
Arbeitsdienst ein. Die Gesandtschaft zieht den Schluá, daá die Rum„nen dem 
jdischen Treiben freien Lauf lassen, um die Engl„nder und Amerikaner nicht zu 
vergr„men. Eine Žnderung des rum„nischen Verhaltens drfte sich erst erzielen 
lassen, wenn es zu einer Stabilisierung der Ostfront gekommen ist und die Sorge, 
unbedingt den Versuch machen zu máen, sich mit den Angloamerikanern gut zu 
stellen, bevor die Russen rum„nisches Gebeit erreichen, nicht mehr berechtigt 
erscheint." (129)

/426/AE 98
- 11 -
Rum„nien:
Der Deutsche Gesandte in Rum„nien Manfred Freiherr von Killinger fordert vom 
Ausw„rtigen Amt den Berater fr Arisierung- und Romanisierungsfragen SS-
Hauptsturmfhrer Richter, der zum Reichssicherheitshauptamt geh”rt, am 
7.8.1941 an; man m”ge ihn nach Bukarest zurckentsenden.
Eine dahingehende Bitte des stellvertretenden Ministerpr„sidenten Mihai 
Antonescu an Himmler, sei ebenfalls bereist auf dem Wege nach Berlin. (119)
Und Luther konnte in einem ausfhrlichen Lagebericht an Ribbentrop u.a. hierzu 
bemerken, daá es trotz streuben des Reichssicherheitshauptes, auf Antrag des 
Ausw„rtigen Amtes gelungen w„re, Richter, der aus Rum„nien zurckgezogen 
wurde, wieder nach Bukarest zu bekommen. (120)
Richter hatte alsbald zwei bedeutsame Unterredungen mit Mikai Antonescu. Die 
eine am 12. Dez. 1941, die zweite am 23.1.1942.
In beiden Besprechungen handelte es sich vornehmlich um das Einverst„ndnis, 
die rum„nische Regierung m”ge, in Anlehnung an den Himmler-Befehl, 
betreffend Verbot der Auswanderung von Juden ans Deutschland und von 
besetzten Gebieten, vom Oktober 1941, auch von sich aus ein solches Verbot fr 
das

/427, 428/AE 99
rum„nische Hoheitsgebiet erlassen. Richter schreibt darber in seinem Bericht, 
daá der Chef der Sicherheitspolizei und des SD (Heydrich) von sich aus den 
Berater (also ihn) davon in Kenntnis gesetzt habe. Der Chef der Sicherheitspolizei 
wnsche nun, daá auch die Auswanderung von Juden aus Rum„nien unter allen 
Umst„nden unterbunden wird. - /1 « Zeilen gestrichen, unleserlich/ (121)

Am 30.August 1941 wird in Tighina, zwischen dem Oberkommando des 
deutschen Heeres, vertreten durch den Generalmajor Hauffe und dem Vertreter 
des K”niglich Rum„nischen Groáen Generalstabes, Brigadegeneral Tatarascu eine 
Vereinbarung getroffen ber die Sicherung, Verwaltung und 
Wirtschaftsauswertung der Gebiete zwischen den Fláen Dujestc und Bug und 
Bug und Dujepc. Dieser Vereinbarung lagen unter anderen ein Schreiben ,Hitlers 
an den rum„nischen Staatschef Antonescu" v. 14.8.1941 und das 
Antwortschreiben ,Antonescu an den Fhrer und Reichskanzler des Deutschen 
Reiches, Hitler", zugrunde.
Im Punkt sieben des Vertrages heiát es: ,Abschub der Juden ber den Bug ist zur 
Zeit nicht m”glich. Sie máen daher in Konzentrationslager

/429, 430/AE 100
zusammengefaát und zur Arbeit eingesetzt werden, bis nach Abschluá der 
Operationen ein Abschub nach Osten m”glich ist." (122)
Im April 1942 teilte der Reichskommisar fr die besetzten Ostgebiete den in 
Frage kommenden Zentralinstanzen nach Berlin mit, daá ”rtliche rum„nische 
Stellen in letzter Zeit etwa 10.000 Juden ber den Bug in das Reichskommissariat 
Ukraine abgeschoben h„tten und die Abschiebung weiterer 60.000 rum„nischer 
Juden, den Umst„nden nach zu befrchten sei. Auch das 
Reichssicherheitshauptamt erhielt solch eine Beschwerde.
Gem„á Befehl meiner Vorgesetzten schrieb ich daraufhin am 14. April 1942 an 
das Ausw„rtige Amt, daá bei den ”rtlichen rum„nischen Stellen seitens der 
rum„nischen Regierung auf unverzgliche Einstellung dieser illegalen 
Judentransporte hinzuwirken w„re. Da angenommen werden, daá seitens der 
rum„nischen Regierung bedingungslos entsprochen wrde, /1 « Zeilen 
durchgestrichen, unleserlich/ wird zwecks Vermeidung einer Versch„rfung der 
durch die illegale Abschiebung der Juden zwischen den ”rtlichen Stellen bereits 
enstandenen Spannungen, zun„chst von sicherheitspolizeilichen Maánahmen 
abgesehen.
Fr den Fall jedoch - so hatte ich weisungsgem„á weiter zu schreiben - daá die 
rum„nische Regierung dem

/431/AE 101
Ersuchen um Einstellung nicht entspreche, oder aber ”rtliche rum„nische Stellen 
entgegen einer Weisung der rum„nischen Regierung handeln und weiterhin Juden 
abschieben sollten, bleiben sicherheitspolizeiliche Maánahmen vorbehalten.
Im Mai 1942, wurden diese, ber den Bug abgeschobenen Juden, in der Ukraine 
liquidiert. Sie wurden von den ”rtlichen Stellen gem„á einer h”heren Weisung 
get”tet. Die Literatur hat sich hierbei insbesonderlich meinen Satz bezglich der 
,sicherheitspolizeilichen Maánahmen" gemerkt. Jedermann aber, der auch nur 
halbwegs lesen kann, vermag ohne geringste Mhe zu verstehen, daá diese 
Maánahmen sicherheitspolizeilicher Natur nicht gegen die Juden zur Anwendung 
zu bringen sind, sondern gegen die ”rlichen rum„nischen Stellen, welche die 
Abschiebungsmaánahmen durchfhrten. Und jeder im Grenzdienst stehende weiá, 
daá unter solchen Maánahmen eine Sperrung der Grenze zu verstehen sei, Worte 
welche man in dieser scharfen Form im gegenseitigen Verkehr, eben allgemeiner, 
mit sicherheitspolizeiliche Maánahmen, umschreibt. (123)

/432/AE 102
Um es gleich vorweg zu nehmen, nicht daá die damalige Reichsfhrung gegen 
eine abschiebung von Juden nach dem Osten gewesen w„re. Im Gegenteil. Gerade 
um diese Zeit, Mitte 1942, lagen besonders scharfe Befehle Himmlers zur 
Intensivierung der Judendeportationen nach dem Osten vor. Aber offensichtlich 
hatte Rosenberg, der Reichsminster fr die besetzten Gebiete bei h”chster Stelle 
gegen eine solche ,regellose und unkontrollierbare" Abschiebung in ,sein" Gebiet 
Protes erhoben.
Denn etwa zu gleicher Zeit, als diese Aufregung durch den Berliner 
Beh”rdenwald wehte, schrieb Mller an Luther, daá vorgesehen sei etwa ab 10. 
Sept. 1942, nunmehr auch Juden aus Rum„nien in Sonderzgen nach dem Osten 
zu schaffen. Der zu erfassende Personenkreis erstrecke sich zun„chst auf 
arbeitsf„hige Juden, soweit sie nicht unter die privilegierten Ausnahmen fallen. 
Und an Himmler geht dieselbe Mitteilung, jedoch mit dem Bemerken, daá der 
arbeitsf„hige Teil arbeitseinsatzm„áig angesetzt wrde, der Rest der 
Sonderbehandlung unterzogen werden soll. (124)
Luther schrieb daraufhin an Mller zurck, daá grunds„tzlich seitens des 
Ausw„rtigen Amtes keine Bedenken dagegen bestnden, daá nunmehr auch

/433/AE 103
die Abbef”rderung der Juden aus Rum„nien nach dem Osten in Angriff 
genommen wird. Bezglich des Umfanges des zu erfassenden Personenkreises 
und der Haltung der rum„nischen Regierung schwebten jedoch noch 
Ermittlungen, nach deren Abschluá man auf diese Angelegenheit zurckkommen 
wrde. (125)
Am 15. September 1942 richtet Killinger ein Telegramm an das Ausw„rtige Amt 
und teilt mit, da die rum„nische Regierung auf die Verbalnote der deutschen 
Gesandtschaft vom 27. August noch nicht geantwortet habe, k”nne ein Termin 
ber den Beginn der Aussiedlungsaktion nicht festgelegt werden. (126)
In der ganzen Angelegenheit kommt es zwischen Killinger und Luther einem 
recht beachtlichen und energischen Briefwechsel in dessen Verlauf der oftmals 
unbeherrschte Killinger blindlings mit Vorwrfen gegen andere vorgeht, ohne 
sich die Mhe einer sachlichen Prfung zu nehmen. Der Anlaá hierfr ist 
eigentlich sein eigener, ihm unterstellter SS-Hauptsturmfhrer Richter, der einige 
Zeit sp„ter zu seinem Polizeiattach‚ ? wird. Dieser hat sich von dem 
stellvertretenden Ministerpr„sidenten Rum„niens, Mihai Antonescu ein 
Handschreiben ausstellen lassen, demzufolge Rum„nien mit der

/434/AE 104
Aussiedlung der Juden nach dem Osten, einverstanden ist.
Nun, Richter war ein Mann, der aus dem Nachrichtendienst nicht nur kam, 
sondern zu jder Zeit mit beiden Beinen darin stand. Die peinliche Beobachtung 
brokratischer Feinheiten, eine ordnungsgem„áe Aktenbearbeitung, absolute 
Einhaltung des Dienstwegesund was dererlei Vorschriften nich sein mochten, lag 
ihm nicht besonders. Verhandlungen mit untergeordneten Instanzen, etwa 
Referenten, lag ihm ebenfalls nicht. Er verhandelte und trug vor, der Stelle, die er 
als richtig fand und dies waren jeweils die Chefs. So auch gelang ihm als einziger 
Berater der Sprung, zum Polizeiattach‚ akkreditiert zu werden.
Natrlich entsprach die Form des Erlangung eines solchen Handschreibens von 
einer solch hohen offiziellen Stelle, nicht den blichen diplomatischen 
Gepflogenheiten. Und es ist nicht sehr verwunderlich, wenn Luther seitens des 
Ausw„rtigen Amtes hierber dem Gesandten Killinger sein Erstaunen zum 
Ausdruck gebracht haben mag.
Und Killinger reagierte hierauf sehr b”se, und sparte nicht mit Vorwrfen.
Wie das Ausw„rtige Amt annehmen

/435, 436/AE 105
k”nne, daá er derart wichtige Fragen ausschlieálich von einem SS-Offizier 
erledigen lasse; oder: daá der Berater die Vorarbeit auf seinem Befehl gemacht 
hat, st eine Selbstverst„ndlichkeit.
Aber er verstnde andererseits nicht, daá wenn schon ein so hoher Beamter der 
rum„nischen Regierung, wie der Kommissar fr Judenangelegenheiten Lecca, 
nach Berlin zu Verhandlungen k„me, dieser durch das Ausw„rtige Amt 
gewissermaáen zwischen Tr und Angel abgefertigt werde, was ganz zweifellos 
zu Verstimmungen fhren máe.
In seinem blinden Zorn schreibt er ber den postalischen Dienstweg zwischen 
Gesandtschaft - Ausw„rtige Amt - Reichssicherheitshauptamt und umgekehrt und 
unterstellt mir, ich h„tte mich nicht an diesen vorgeschriebenen Dienstweg 
gehalten. Es ist ein Unsinn; durch nichts ist zu belegen, daá ich mir heir einen 
Formfehler in brokratischer Hinsicht h„tte zu Schulden kommen lassen; ja ich 
hatt berhaupt mit dieser Sache nichts zu tun gehabt, weil Richter die 
angelegenheit im Einvernehmen mit seinem eigenen Gesandten durchfhrte, was 
Killinger merkwrdigerweise im selben Atemzuge eigenh„ndig best„tigte. Luther 
selbst schreibt auf eine Akte schlieálich resignierend vor der Sturk”pfigkeit seines 
Gesandten, Killinger wolle einfach nicht verstehen.

/437, 438/AE 106
Und dies alles, als Luther etwa um die gleiche Zeit in einem Bericht an seinen 
Minister schrieb, daá das Reichssicherheitshauptamt von einer geradezu 
bertriebenen Vorsicht sei. (127)

Am 9. Oktober 1942 erkundigt sich Gesandtschaftsrat Dr. Stelzer nach der 
Verbalnote
Vom 27. August. Mihai Antonescu beeilte sich zu versichern, daá er sie noch 
nicht vergessen habe. Auch seine Besprechungen mit dem Reichsauáenminister in 
dessen Feldquartier, h„tten sich auf dieser L? bewegt; es sei daher eher an 
Deutschland, nunmehr konkrete Vorschl„ge zu machen.
Richter suchte daher am 22. Oktober Mihai Antonescu auf. Dier erkl„rte - 
offenbar sehr zu Richters Erstaunen - er habe der Aussiedlung der Juden aus 
Rum„nien zugestimmt und es sei auch in Berlin diesbezglich verhandelt worden; 
andererseits aber seien die Deportationen ber den Bug verboten worden. (Siehe 
dazu mein Schreiben welches ich befehlsm„áig zu fertigen hatte und worin ich 
mit sicherheitspolizeilichen Maánahmen winken muáte, fr den Fall die 
Deportationen ber den Bug nicht eingestellt wrden.) Hier seu seiner Meinung 
nach ein Widerspruch. Richter kommt zu dem Schluá, daá der Staatschef 
Mrschall Antonescu die Aussiedlung der Juden verschoben

/439/AE 107
habe. Und es gelingt Richter sich in den Besitz einer photokopierten Anordnung 
des Marschalls zu setzen, in der es heiát:
,Die Evakuieurng aus Siebenbrgen wird nur studiert. Die Durchfhrung wird 
aufgeschoben. Sie wird nur dann begonnen werden, wenn der gnstige 
Augenblick kommen wird. Bis dahin werden bis in die kleinsten Einzelheiten von 
dem Innenministerium auf Grund der von Herrn M. Antonescu erteilten 
Anweisungen Vorbereitungen getroffen. Marschall Antonescu."
Am 14. Dez. 1942 schreibt Luther an die Gesandtschaft nach Bukarest auf deren 
Bericht vom 26. Nov., daá die Tatsache, der Stockung im Hinblick auf eine 
Judenaussiedlung aus Rum„nien zun„chst nicht schwer in`s Gewicht falle, da 
w„hrend der Hauptwintermonate ein Abtransport ohnedies nicht gewnscht ist. 
Gleichzeitig nimmt er positiv Stellung, zu einer Einladung welche - offensichtlich 
durch Vermittlung der Gesandtschaft - rum„nischerseits an mich erging. Im 
folgenden Januar lehnte ich wegen Arbeitsberlastung ab; eine diensth”fliche 
Form die damals gang und g„be war. Besser gesagt und richtiger, bekam ich 
Befehl,

/440/AE 108
die Einladung abzulehnen. (128) Da nichts l„stiger ist, als offiziellen Einladungen 
nachzukommen und sie zu berstehen - jedenfalls fr mich - geh”rte es mit zu 
meinen angenehmen Obliegenheiten, wenn ich solche ablehnen konnte. -
Und endlich am 2. November 1943m schrieb mir der Legationsrat von Thadden, 
zu meinen oder meines Vertreters H„nden,
,Die Deutsche Gesandtschaft in Bukarest hat sich u.a. ge„uáert:
Das Vorgehen gegen die Juden ist im wesentlichen eingeschlafen. Man nimmt 
lediglich den reichen Juden das Geld ab und zieht „rmere Judem zum 
Arbeitsdienst ein. Die Gesandtschaft zieht den Schluá, daá die Rum„nen dem 
jdischen Treiben freien Lauf lassen, um die Engl„nder und Amerikaner nicht zu 
vergr„men. Eine Žnderung des rum„nischen Verhaltens drfte sich erst erzielen 
lassen, wenn es zu einer Stabilisierung der Ostfront gekommen ist und die Sorge, 
unbedingt den Versuch machen zu máen, sich mit den Angloamerikanern gut zu 
stellen, bevor die Russen rum„nisches Gebeit erreichen, nicht mehr berechtigt 
erscheint." (129)

/441, 442/AE 109
- 12 -
Bulgarien:
Dieses Land kannte eine der deutschen, „hnliche Judengesetzgebung. Seit 1942 
wurde durch ein Erm„chtigungsgesetz die Bestimmung des Judenbegriffs 
festgelegt, die Kennzeichnung durch den Judenstern, Namens und 
Wohnungbeschr„nkungen eingefhrt, die gewerbliche und wirtschaftliche 
Bewegungsm”glichkeit eingeschr„nkt und die Liquidierung jdischer Verm”gen 
weiter vorgetrieben.
Am 27. Nov. 1941 sprechen der bulgarische Ministerpr„sident Popoff und der 
deutsche Reichsauáenminister v. Ribbentrop, anl„álich eines Empfanges in 
Berlin, ber die Judenfrage, wobei Popoff den Vorschlag machte, sie im 
europ„ischen Maástabe zu l”sen.
In seiner Berichterstattung vom 21. August 1942, teilt Luther seinem 
Reichsauáenminister mit, welche einleitenden Schritte er im Hinblick auf die ihm 
erteilte Order, die ihn nach dem Topoff-Ribbentrop-Gespr„ch bermittelt wurde, 
in die Wege geleitet habe. (130)
Und bereits am 15. Oktober waren die Besprechungen zwischen Deutschland und 
Bulgarien soweit gediehen, daá Luther dem Gesandten Beckerle nach Sophia 
drahten konnte, unter Bezugnahme auf diese Verhandlugnen an die bulgarische 
Regierung heranzutreten, um mit ihr die Frage eines Abtransportes, der nach den 
neuen bulgarischen Verordnungen un? Juden, nach dem Osten zu erwirken. Er 
schlug weiterhin vor, diese Juden im Interesse einer verm”gensrechtlichen 
Kl„rung, analog der 11. Verordnung zum Reichsbrgergesetz vom 25. Nov. 1941, 
auszubrgern.
Je nach aufnahme dieses Vorschlages regte er ferner an, zu bermitteln, daá man

/443, 444/AE 110
bereit sei einen Berater zur Verfgung zu stellen. (131)
Die Antwort Beckerle`s traf bereits am 16. Nov. im ausw„rtigen Amt ein. Der 
bulgarische Ministerpr„sident begráte grunds„tzlich die Maánahmen, die Juden 
nach dem Osten zu verbringen und begráte es ferner dankbar, wenn noch vor 
dem Abtransport ein deutscher Berater nach Sofia abgestellt wrde, damit dieser 
bei der Durchfhrung helfe. (132)
Es folgte nun ein Schriftwechsel zwischen dem Unterstaatssekret„r des 
Ausw„rtigen Amtes Luther und dem Amtchef IV im Reichssicherheitshauptamt, 
SS Gruppenfhrer und Generalleutnant der Polizei Mller, in dessem Verlauf man 
sich einigt, daá der in Paris, beim Befehlshaber der Sicherheitspolizei als Referent 
t„tige, SS Hauptsturmfhrer Dannecker, nach Sofia versetzt wird. Er wurde dort 
dem Polizeiattach‚, als dessen Gehilfe, unterstellt. (133)
Die bulgarische Regierung hatte bereits ein Judenkommissariat errichtet und zu 
dessen Leiter den Kommissar Belev ernannt. Er unterstand dem Ministerium fr 
Inneres und Volksgesundheit. Beckerle berichtet am 8. Februar 1943, daá er vor 
der Einfhrung des Dannecker, mit dem bulgar. Innenminister Grabowski 
gesprochen habe, der ihm seine feste Absicht, alle Juden umzusiedeln, best„tigte.


/445/AE 111
Grabowski gab zum Ausdruck, daá er bereit sei, mit deutscher Untersttzung die 
Juden aus den neuen bulgarischen Gebieten, Thrazien und Mazedonien, nach dem 
Osten abzuschieben, daá aber ein Abschub aus dem altbugarischen Teil vorl„ufig 
nicht in Frage k„me.
Die Planung und alle Einzelfragen sollten mit dem Judenkommissar Belev 
besprochen werden. Inzwischen hatte Belev dem Innenminister einen Vorschlag 
zur Genehmigung durch den Ministerrat unterbreitet. (134) Dieser wurde am 12. 
Februar 1943 vollinhaltlich angenommen. Und ohne den Beschluá abzuwarten, 
hatte Belev von sich aus bereits Beauftragte nach Thrazien und Mazedonien 
entsandt, um dort die M”glichkeiten der Zusammenziehung der Juden in Lager zu 
prfen.
Er sagte ferner fr die ersten M„rztage die Bekanntgabe der Abfahrtsbahnh”fe 
und der auf diese entfallenden Anzahl von Juden zu. Er rechnete damit, daá ab 
etwa EndeM„rz 1943 deportiert werden k”nne und die Gesamtzahl rund 20.000 
Juden betragen wrde. (135)
Am 26.M„rz meldete Beckerle, daá der Vizepr„sident der Sobranje, Pescheff, 
dem Ministerpr„sidenten, eine von ihm und 42 weiteren Abgeordneten 
unterzeichnete

/446/AE 112
Petition berreichte, in der gegen die Deportation von Juden Stellung genommen 
wurde.
Daraufhin stellte der Ministerpr„sident den antrag, Pescheff das Miátrauen 
auszusprechen. Die Mehrzahl der Abgeordneten stimmten gegen Pescheff. Als 
Folge muáte er von seiner Position als Vizepr„sident der Sobranje, zurcktreten. 
(136)
Am 24. Juni 1943 meldete der Polizeiattach‚ Hoffmann ber den Gesandten 
Beckerle den Abschluá der Deportation aus Thrazien und Mazedonien mit 
zusammen etwa 20.000 Juden. (137)
Unterschriftkrzel

/447/AE 113
- 13 -
Ungarn:
Es mag um den 10. M„rz 1944 gewesen sein, als mein Chef der SS-
Gruppenfhrer und Generalleutnant der Polizei, /eine Zeile gestrichen, 
unleserlich/ Mller, mich auf einer Arbeitsstelle, etwa 80 km ”stlich von Berlin, 
im Kreise Wustrow, inspizierend kontrollierte. Ich hatte den Befehl, dort ein 
Barackendorf, als Ausweichstelle fr ein allf„llig zusammengelegentes Geheimes 
Staatspolizeiamt, aufzubauen. Er fand alles gut und sch”n und zweckm„áig. 
Abschlieáend sagte er: ,Eichmann Sie melden sich sofort bei dem Befehlshaber 
der Sicherheitspolizei und des SD-Ungarn, SS-Standartenfhrer u. Oberst der 
Polizei, Ministerialrat Dr. Gentke, in Mauthausen. Sie sind ihm als Referent zur 
Dienstleistung zugeteilt. Der Reichsfhrer SS und Chef der Deutschen Polizei hat 
die Evakuieurng s„mtlicher Juden aus Ungarn, aus strategischen Grnden, von 
Osten nach Westen durchk„mmend, befohlen."
Ich versuchte noch einen Hinweis auf die noch l„ngst nicht fertiggestellte Arbeit 
und bat um die Genehmigung, dieselbe zu Ende bringen zu drfen, aber die 
Nutzlosigkeit dieser Bitte war mir bereits beim Beginn des Aussprechens 
derselben klar geworden.
Ich bergab das Referat nun endgltig an meinen bisherigen ,St„ndigen 
Vertreter" und

/448/AE 114
setzte mich nach Mauthausen in Marsch. Dort waren bereits die Befehlshaber der 
Ordnungspolizei und der Sicherheitspolizei mit der Aufstellung und Einteilung 
ihrer Kommandos besch„ftigt. Es wurde feldmarschm„áige Adjustierung 
ausgegeben, die Kommandos wurden bewaffnet und vermunitioniert. Der 
dazugeh”rige Kraftfahrzeugpark aufgestellt und es fuhren sodann die Kommandos 
in drei Gruppen in Richtung Ungarn los. Das schnelle Vorauskommando aus 
Ordnungspolizei und Sicherheitspolizei unter dem SS-Obersturmbannfhrer 
Krumeg, und etwa 24 Stunden sp„ter das Gros - ebenfalls Ordnungspolizei und 
Sicherheitspolizei - unter meinem Kommando; abschlieáend fuhr der Befehlsstab 
mit den Befehlshabern. Im Aufmarschraum angekommen, wurde ich hinter der 1. 
Panzerlehrdivision eingezogen und marschierte hinter diesem Vorhand, gem„á 
der befohlenen Aufmarschordnung. /1 Zeile gestrichen, unleserlich/
In Budapest angekommen, l”ste ich befehlsgem„á die Marschordnung auf und die 
verschiedenen Einheiten meines Marschverbandes - (denn nur w„hrend des 
Marsches und allf„lligen Kampfeinsatz, falls der Einmarsch aus irgendwelchen 
Grnden nicht reibungslos vonstatten gehen sollte,

/449, 450/AE 115
unterstand mir die Einheit) - meldeten sich bei ihren verschiedenen Dienststellen 
und Chefs, zur Dienstleistung.
Wer vielen bisherigen Publikationen ber meine Person glauben schenkte, muáte 
zwangsl„ufig der Meinung sein, daá /1 « Zeilen gestrichen, unleserlich/ ich jetzt 
hier zu schlaten und zu kurbeln anfing, um im Blitztempo, h”chst pers”nlich mit 
meinem Kommando die Juden zu deportieren. Aber, wird er sicherlich schon 
erstaunt gewesen sein, gelesen zu haben, daá ich das Marschkommando aufl”ste, 
als ich nach Budapest kam - es verlieben mir ur etwa 15 - 20 Mann, samt 
Kraftfahrer und Wache eingeschlossen - so wird er bestimmt noch erstaunter sein, 
die folgenden Seiten zu lesen, wobei ich mich streng an die offiziellen Dokumente 
jener Zeit halte.
Der im Jahre 1961 in Deutschland als Zeuge vernommene ehemalige Legationsrat 
Dr. Eberhard von Tahdden erkl„rte: ,Die Deportation der ungarischen Juden 
wurde meines Wissens zwischen Hitler und Horthy, anl„álich ihres Treffens auf 
Schloá Klessheim abgesprochen. Beim Treffen an Klessheim zwischen Hitler und 
Horthy waren Ribbentrop und Himmler dabei. Heute weiá ich, daá Horthy ein 
Ultimatum gestellt wurde." (138) Dieses Treffen fand am 17.M„rz 1944 statt. Am 
19. M„rz um 13,00 Uhr drahete Veesenmayer an das Ausw„rtige Amt u.a.: ,Bin 
nach glattem Verlauf der Fahrt heute um 11 Uhr, in Budapest

/451, 452/AE 116
eingetroffen und habe die Gesch„fte bernommen.
Gesandter von Jagow hat heute morgen dem Reichsverweser mitgeteilt, daá er mit 
sofortiger Wirkung abgerufen sei und hat sich von ihm verabschiedet, nachdem er 
ihm meine Ernennung zum Reichsbevollm„chtigten und Gesandten mitgeteilt 
hat." (139)
Der Zeuge Dr. Wilhelm H”ttl, sagte am 24. April 1947 in Dachau aus: ,Die 
entscheidenden Besprechungen mit dem ungarischen Ministerpr„sidenten Sytojay, 
sowie vermutlich auch mit Horthy, hat Dr. Veesenmayer selbst gefhrt. Erst durch 
die in desen Gespr„chen erfolgten Abmachungen, wurde die Evakuierung 
ausgel”st. Das hat mir Stojay selbst gesagt. Auch die Schaffung einer eigenen 
ungarischen Stelle dafr, n„mlich des Staatssekretariates Endre`s, erfolgte, wie 
mir der damalige ungarische Innenminister Andor Jaross erz„hlte, auf Wunsch Dr 
Veesemayers." (140)
W„hrend dieses Anlaufens operierten, wie die Dokumente zeigen, SS-
Hauptsturmfhrer Wislicenz als Sachbearbeiter und SS-Obersurmbannfhrer 
Krumey, der zwar rangm„áig ungleich h”her als Wislicenz stand, aber von der 
sachlichen Arbeit keine Ahnung hatte, bei dem Kommandeur der 
Sicherheitspolizei in Budapest, einem SS-Obersturmbannfhrer

/453/AE 117
und Oberregierungsrat Trenker. Bei etwaigen Beschwerden, so heiát es in einer 
Aufforderung an die jdischen Funktion„re in Budapest vom 20. M„rz, wenden 
Sie sich an Krumey und Wislicenz. šber die Pester Israelitische Kultusgemeinde 
verfgt einzig und alleine der Kommandeur der Sicherheitspolizei. (141)
Zwar weist dieses Dokument weder Briefkopf und Unterschrift auf, weder tr„gt es 
eine Buchnummer, noch ist es berhaupt vollst„ndig: aber mir ist in Erinnerung, 
daá Wislicenz sich sogleich zu Anfang seines Eintreffens in Budapest mit den 
jdischen Funktion„ren zusammensetzte und es ist mir auch bekannt, daá die 
exekutiven T„tigkeiten durch die Dienststellen der Kommandeure der 
sicherheitspolizei wahrgenommen wurden, im Einvernehmen und nach vorheriger 
Absprache mit der ungarischen Geheimen Staatspolizei und den jeweiligen, 
”rtlichzust„ndigen ungarischen Gendameriekommandozentralen.
Der organisatorische Aufbau der Sicherheitspolizei und des SD in Ungarn sah an 
seiner Spitze den H”heren SS- u. Polizeifhrer, als den ”rtlichen Vertreter des 
Reichsfhrers SS und Chef der Deutschen Polizei. Er war die h”chste Autorit„t 
aller deutschen SS und Polizeieinheiten in Ungarn und deren

/454/AE 118
Gerichtsherr. So unterstand ihm auch der Befehlshaber der Sicherheitspolizei und 
des SD-Ungarn, Dr. Geschke.
Der ehemalige General der Polizei, von dem Bach Zelewski sagte als Zeuge 1961 
in Deutschland: ,In den Gebieten, in denen zum H”heren SS und Polizei Fhrer, 
ein Befehlshaber der Sicherheitspolizei geh”rte, war er dem H”heren SS u. Polizei 
Fhrer unterstellt. Der H”here SS und Polizeifhrer erhielt niemals Befehle von 
Reichssicherheitshauptamt. Wenn ein Befehl dieses Hauptamtes an den 
Befehlshaber der Sicherheitspolizei erging, und dieser ihn dem H”heren SS-Pol. 
Fhrer vorlegte, bestand die M”glichkeit, daá er die Entscheidung Himmlers 
einholte." (142)
Dem Befehlshaber der Sipo, unterstanden die Kommandeure der Sicherheitspolize 
und des SD, deren es in ganz Ungarn glaublich 4 oder 6 gab, (143) und das 
Sondereinsatzkommando ,Eichmann", unter meiner Fhrung.
Die Entstehung des Namens dieses Kommandos ist ebenso simpel wie 
merkwrdig. Ein Sonderbevollm„chtigter Himmlers in Budapest, von dem noch 
die Rede sein wird, klebte an ihm geeignet erscheinende Geb„ude 
Beschlagnahmezettel an, mit der Aufschrift ,Sondereinsatzkommando - 
Eichmann". Der Name war nicht mehr auszurotten. Die Aktion dieses Sonder-

/455/AE 119
bevollm„chtigten war eigenm„chtig, aber er war gedeckt durch seine Himmler 
Vollmacht.
Fr ein Sondereinsatzkommando wrde es sich schon allein merkwrdig anh”ren, 
daá diese nur aus rund 20 Mann bestand.
Es wurde sp„terhin, da der Name offenbar unausrottbar wurde offiziell 
,Sondereinsatzkommando - Ungarn" benannt, wie ein Schreiben des Chefs der 
Sicherheitspolizei, Dr. Kaltenbrunner, an den Brgermeister der Stadt Wien, 
Blaschke vom 30. 6.1944, von dem nach zu sprechen sein wird, besagt. (144)
Der SS-Obersurmbannfhrer Krumey, wurde zu meinem _St„ndigen Vertreter" 
bestellt. Unser Chef war der inzwischen zum SS Oberfhrer bef”rderte Dr. 
Geschke und der h”chste SS u. Polizeichef deutscherseits in Ungarn, der 
Polizeigeneral Winkelmann. Dieser unterstand in politischen Angelegenheiten 
dem Reichsbevollm„chtigten, Dr. Veesenmayer. Es war im Prinzip dieselbe 
hierachisch-organisatorische Form, wie in allen brigen besetzten Gebieten auch, 
nur daá Veesenmayer und Winkelmann zueinander ein in sachlicher Hinsicht, 
schlechtes Verh„ltnis hatten, da sich Winkelmann nur schwer subordinieren 
wollte. Um es einmal kurz und vulg„r auszudrcken,

/456/AE 120
einer trachtete dem anderen zu befehlen. Fr uns Untergeordneten war es am 
besten, man kmmerte sich nicht um die Streitereien der Groáen, da man dabei 
doch nur h„tte ,zermahlen" werden k”nnen, sondern tat stur seinen Dienst, wie er 
befohlen war.
Am 31. M„rz 1944 hatte Ribbentrop groáe Sorgen, und sein pers”nlicher 
Botschafter Ritter gibt durch, ,Sonder-Geheimschreiber" an den 
Reichsbevollm„chtigten Dr. Veesenmayer nach Budapest folgendes 
Fernschreiben durch: ,Der Herr Reichsminister hat erfahren, daá der 
Obergruppenfhrer Kaltenbrunner beabsichtigt, w„hrend der n„chsten 14 Tage in 
Budapest anwesend zu sein. Der Herr Reichsminister bittet Sie aus diesem Anlaá 
um einen vertraulichen Bericht an den Herrn Reichsminister pers”nlich, welche 
Aufgaben Herr Kaltenbrunner, neben dem Ihnen unterstellten General 
Wineklmann dort hat und durchfhrt. Besch„ftigt er sich pers”nlich mit der 
Regelung der Judenfrage oder mit welchen anderen speziellen Fragen? Der Herr 
Reichsminster hat nach wie vor die Sorge, der SD k”nnte versuchen, sich in die 
Ihnen zustehenden Aufgaben und Rechte mischen und bittet Sie, besonders darauf 
zu achten,

/457/AE 121
daá dies nicht geschieht." (145)
Nun ist es schwarz auf weiá gegeben. Der General Winkelmann ist, ob er will 
oder nicht, dem Reichsbevollm„chtigten unterstellt. Schlieálich kann auch in 
Ungarn kein deutscher General herumtanzen wie er gerne m”chte. Aber nun geht 
in der Folgezeit das Rennen zwischen Veesenmayer und Winkelmann um die 
Hegemonie bezglich der Judendeportation los, ein Rennen, bei dem 
Veesenmayer, kraft seiner Vollmacht und Akkredition ber der ungarischen 
Regierung, mhelos gewinnt.
Und schon am 15. April meldete Veesenmayer, daá seine an die ungarische 
Regierung gestellte Forderung, noch bis Ende des Monates 50.000 Juden zur 
Arbeit in Deutschland, zur Verfgung zu stellen, angenommen wurde und er mit 
Obergruppenfhrer Winkelmann die Einzelheiten des Abtransportes vereinbaren 
wird. Er bat das Ausw„rtige Amt, ihm aber jetzt schon umgehend Weisung zu 
erteilen, wohin der Transport im Reich geleitet werden solle. Das Ausw„rtige Amt 
teilte ihm als Antwort mit, daá die Waggengestellung und der Fahrplan durch 
meine Dienststelle geregelt wrde, sobald die abschlieáende Weisung von 
Obergruppenfhrer kaltenbrunner vorliege. Diese Weisung bekam

/458, 459/AE 122
ich durch das Reichssicherheitshauptamt am 22. April. Und der beh”rdliche 
Instanzenweg manifestiert sich in einem Schreiben des 
Reichssicherheitshauptamtes, indem es das Ausw„rtige Amt darauf hinweist, daá 
der Befehlshaber der Sicherheitspolizei in Ungarn durch Blitz-Fernschreiben vin 
den Verhandlungen Veesenmayers mit der ungarischen Regierung und seiner 
Vereinbarung mit dieser, wegen der 50.000 Juden, in Kenntnis gesetzt wurde und 
angefragt wurde, ob unter Hinblick auf die Transportschwierigkeiten eine 
Einschaltung des Reichssicherheitshauptamtes beim Reichsverkehrsministerium 
fr erforderlich gehalten werde. (146)
Aber trotz allem und offensichtlich wegen der umst„ndlichen Brokratie, die im 
Amt IV des Reichssicherheitshauptamtes unvermeidbar war, ging es den 
interessierten Stellen im Ausw„rtigen Amt nicht schnell genug und als ob sie 
Rge von h”chster Stelle befrchteten, empfiehlt der Botschafter Ritter am 27. 
April Veesenmayer im Falle weiterer Verz”gerung des Abtransportes, bei seiner 
drahtlichen Berichterstattung deutlich zum Ausdruck zu bringen, daá von seiner 
Seite aus alles M”gliche und Notwendige zur schleunigen Durchfhrung der 
Aktion geschehen ist, daá der Abtransport der bereitgestellten Juden aber dadurch 
verz”gert wird, daá die fr Abtransport und šbernahme der Juden zust„ndigen 
Stellen, die notwendigen Anordnungen nicht treffen. (147)

/460/AE 123
Am 29. April meldet Veesenmayer an das Ausw„rtige Amt, daá der erste 
Transport von Budapest aus, abgegangen sei. Und am 11. Mai konnte er weiter 
berichten, daá eine Fahrplankonferenz am 6. Mai abgeschlossen wurde. Mit dem 
Abtransport der rund 325.000 Juden aus dem Karpathenraum und Siebenbrgen 
wrde am 15. Mai begonnen. T„glich seien 4 Zge mit je 3.000 Juden zum 
Abtransport nach dem Zielort (Auschwitz) vorgesehen. Die von der ,OT" fr den 
Arbeitseinsatz im Reich ben”tigten 100.000 Arbeitskr„fte, máten bei dem SS-
Verwaltungs- und Wirtschaftshauptamt angefordert werden, daá ber die aus 
Ungarn zum Abtransport kommenden Juden verfgt. (148)
Am 22. Mai traf in Budapest der Legationsrat von Thadden ein. An Ort und Stelle 
hatte er sich ein Bild von der Lage der Dinge zu machen. Zur Frage der 
Verm”gensbehandlung trug er dem Gesandten Veesenmayer seine Auffassung 
vor. Aber er erkl„rte v. Thadden, daá die Frage noch nicht spruchreif sei, sobald 
er den Boden dafr gnstig halte, wolle er sie in Angriff nehmen. Der Gesandte 
wies ihn darauf hin, daá das eben zur Debatte gestandene Objekt in keinem 
Verh„ltnis hinsichtlich der Gr”áenordnung, zu den von den Dienststellen 
Himmlers eingeleiteten Fischzuges stnde. Er habe in dieser auáergew”hnlich 
heiklen

/461,462/AE 124
Angelegenheit seinen besten Mitarbeiter, den Konsul Rokowski zu Himmler 
geschickt. Herr von Thadden meinte in seiner Berichterstattung in dieser 
Angelegenheit an das Ausw„rtige Amt, daá soweit er aus Veesenmayers 
Andeutungen entnehmen konnte, es sich um Geheimvertr„ge handele, welche 
Winkelmann hinter dem Rcken von Veesemayer vorbereitet hat und mit denen 
der Gesandte nicht einverstanden sei. (149)
Nun, worum handelte es sich bei diesen Dingen. Da ich sie selbst erlebt habe, ja 
zum Teil selbst bearbeitet habe und sogar zum Teil auch selbst Ideen mit dazu 
gab, schildere ich die Dinge am besten so, wie ich weiá, daá sie sich zugetragen 
hatten.
Kurz nachdem ich im Monat M„rz des Jahres 1944 in Budapest war, erschien 
eines Nachmittags auf meinem Hotelzimmer - (ich arbeitet und wohnte um jene 
Zeit auf meinem Zimmer im Hotel, da mir noch keine Dienststellenunterkunft 
nachgewiesen war) - ein SS-Obersturmbannfhrer der Waffen SS, Kurt Becker. 
Da wir beide gleichrangig waren, ergab sich von Haus aus sogleich ein Verh„ltnis, 
welches unter Gleichrangigen derselben Uniformfarbe, berlichermaáen in den 
meisten L„ndern der Erde dasselbe sein drfte. Ich konnte damals noch nicht 
ahnen, daá dieserselbe Herr Becker nach 1945, zu seiner eigenen Hautrettung, in 
einer solch unversch„mten und die Tatsachen entstellenden Weise, ber meine 
Person herzog und den in Nrnberg damals verlierenden /Feinden „chten - 
durchgestrichen/ Alliierten und ihren Gehilfen, daá erz„hlte, was sie am liebsten 
h”rten; ohne Rcksicht, auf den Wahrheitsgehalt.
Und noch 1961, hielt es Becker, als Zeuge der israelischen Anklage in 
Deutschland vernommen, so mit der Unwahrheit, ,daá sich die Balken bogen."
Daá er sich dabei eines Meineides schuldig machte, interessiert ihn offensichtlich 
berhaupt nicht und scheint er im Eifer der erdichteten Unwahrheiten gar nicht 
bemerkt zu haben, trotzdem ihm die ,Zeugenfragen" bereits ein oder zwei Tage 
vor der Verhandlung bekannt gegeben wurden. Wahrlich, ein ,sauberes Spiel", 
welches infolge seine Ungeheuerlichkeit verspricht, in die Geschichte der 
,Juristik", einzugehen.
Dieser ehemalige SS-Obersturmbannfhrer Becker teilte mir um jene Zeit mit, 
daá er Sonder-

/463/AE 125
bevollm„chtigter Himmlers in Budapest sei; seine Aufgabe w„re es, 
Verm”genswerte fr die Waffen SS sicherzustellen; kompletter gesagt, damit 
Ausrstungsgegenst„nde fr dieselbe zu besorgen.
Das Interesse an seinem Besuch bei mir galt dem Datum des 
Deportationsbeginnes. Ich konnte ihm um jene Zeit auch keine andere Auskunft 
geben, als die, welche er wahrscheinlich ohnedies wissen mochte, da er ja 
gewissermaáen ,frisch gebacken" von Himmler kam.
In der Folgezeit sahen wir uns sehr oft, und allm„lig konnte ich ihm auch 
genauere Details geben; er war ja schlieálich Sonderbevollm„chtigter Himmlers. 
So konnte ich ihm sagen, daá Veesenmayer und Winkelmann mit den 
Verhandlungen bei der ungarischen Regierung besch„ftigt sind, um die 
Deportationspl„ne und Phasen zu besprechen und sehr genaue Details vermochte 
ich ihm ber die operativen Vorarbeiten durch die ungar. Gendamerie zu 
vermitteln, da ich hierber ja laufend informiert wurde, um meinen Chefs 
berichterstattungsm„áig stets die neueste Lage zu geben; so, wie mir dies befohlen 
war. Insoweit kamen wir gut aus. Nur als Herr Becker eines Tages anfing zu 
dr„ngeln, da er in einer deportationnsschwangeren Luft, in einer berhitzten 
Atmosph„re,

/464/AE 126
seine Himmler-Befehle schneller, besser und eleganter durchfhren k”nne und als 
diese Dr„ngelei zunahm, da wurde ich - wie man zu sagen pflegte - linkisch. 
Denn im ,Ruck-Zuck"-Verfahren arbeitet keine Beh”rde, auch die ungarische 
Gendarmerie, so intakt und schlagkr„ftig dieses Korps auch war, machte darin 
keine Ausnahme. DerAmtsschimmel braucht berall seine Zeit, egal ob in 
Deutschland oder Ungarn. Auáerdem, und dies war das Sch”nste, konnte ich sie 
weder anlaufen lassen, weder abstellen, weder beschleunigen, noch verz”gern. 
Daher fand ich seine Anwrfe ungerechtfertigt und mit der Besorgung eines 
Brolraten schickte ich mich daran, dieserhalb eine dienstliche Meldung an meine 
Vorgesetzten abzufassen, da ich nichts anderes annehmen konnte, daá er dasselbe 
auf seinem Dienstweg ebenfalls in die Wege leiten wrde. Sein Dienstweg war 
kurz, denn er unterstand in jener Zeit, Himmler unmittelbar.
Mein Žrger wurde groá und gr”áer, als er eines Tages damit anfing, Juden gegen 
Abtretung von Verm”genswerten, auswandern zu lassen. Nun war die 
Auswanderung von Juden um jene Zeit durch einen Befehl Himmlers strengstens 
verboten. Und nur er selbst oder der Chef der Sicherheitspolizei, konnten 
Ausnahmen zulassen. Um wieviel mehr

/465/AE 127
erstaunter war ich, als der Obersturmbannfhrer Becker solches ebenfalls, kraft 
eigenen Entscheides, nunmehr genehmigen konnte.
Ich, der ich jahrelang inmitten der jdischen Auswanderung steckte und dienstlich 
damit befaát war, bis eben zu jenem genannten Verbot, muáte in 
Deportationsfahrpl„nen mit dem Reichsverkehrsministerium herumfummeln; mir, 
der ich in Auswanderungserfahrung eine mehrj„hrige ,Schule" zu durchlaufen 
hatte, wurde hier ein Polizeiferner zur Seite gesetzt, ohne daá auch ich solche 
Genehmigungen erteilen konnte. Ich muáte mich im Gegenteil von dieser 
polizeifernen Person noch dr„ngeln lassen mit der Deportation nunmehr endlich 
zu beginnen, damit er seine ,Rosinen aus dem Kuchen" holen konnte, dabei genau 
wissend, daá ber Deportation alleine der Reichsbevollm„chtigte, der H”here SS- 
u. Polizeifhrer, Himmler und Ribbentrop zu entscheiden hatten; und allenfalls 
noch Kaltenbrunner. Da packte mich der Zorn; ein Zorn der umso schlimmer war, 
als Becker ja infolge seiner Himmler-Vollmacht tats„chlich unangreifbar gewesen 
ist. Er hatte eben den Befehl, gegen Verm”genswerte, alles zu genehmigen.

/466/AE 128
Dazu kam, daá um jene Zeit die deutsche Abwehr gegen Devisenzahlung 
ebenfalls Juden in das Ausland schleuste. Ich aber wie eine Pick-Neun da saá und 
in wenigen Wochen, in wenigen Tagen, wrde ich Fernschreiben mit 
abgegangenen Transportzgen an die befohlenen Stellen zu richten haben. 
Berichte an den Befehlshaber der Sicherheitspolizei fr das 
Reichssicherheitshauptamt, nachrichtlich an den H”heren SS- u. Polizeifhrer; 
dazwischen wieder Einholung von Detailausknften aus dem ungar. 
Innenministerium oder an die Reichsbahndirektion Wien, wegen Anberaumung 
einer Fahrplankonferenz, zu der ich Befehl erhielt. Dazwischen dem Befehlshaber 
der Sicherheitspolizei auf Grund der Fahrpl„ne, die Zahl der befohlenen 
Transportbegleitmannschaften auszurechnen, welche dieser in Verhandlung mit 
dem Befehlshaber der Ordnungspolizei klarmachen muáte. Die komplizierte 
Korrespondenz bezglich der Variationen in der Behandlung von Juden der 
verschiedenen ausl„ndischen Staatsangeh”rigkeiten und was dergleichen 
brokratischen T„tigkeiten mehr waren.
Und da begann ich zu berlegen.

/467/AE 129
Ich dachte mir, was die k”nnen, daá kannst Du auch. Ich schickte 
Obersturmbannfhrer Krumey los und mit ihm den SS-Hauptmann Mislicenz. Ich 
lieá bei den jdischen Funktion„ren einmal sondieren, was fr eine 
Auswanderungsgenehmigung fr sagen wir, 100.000 Juden, geboten wrde. 
Devisen wurden geboten. Aber dies half mir nichts; es war nichts Neues. Abwehr 
und der Sonderbevollm„chtigte waren darin ohnedies t„tig.
Wie ich nun im Einzelnen mit dem jdischen Funktion„r Joel Brand damals 
zusammen kam, wer dies arrangierte, dies weiá ich nicht mehr genau zu schildern. 
Ich weiá nur, daá er eines Tages vor meinem Schreibtisch saá und wir zusammen 
einen Plan besprachen; besser gesagt, ich entwickelte ihm meinen Plan.
Ich fuhr in jener kurzen, knappen Zeit, einigemale zwischen Berlin und Budapest 
hin und her.
Irgendjemand hatte nun damals eine Zahl von 10.000 Lastkraftwagen geborgen. 
War ich es, war es mein Chef in Berlin, der Generalleutnant Mller, war es 
Himmler oder Becker, ich vermag es mit Genauigkeit nicht mehr zu sagen. Genau 
weiá ich noch, daá ich meinem langj„hrigen Chef Mller einen Vortrag

/468/AE 130
hielt, 1,000.000 Juden an irgendwelche von den jdischen Organisationen 
gewnschten Punkte zu transportieren. Dafr wurden eben die 10.000 LKW, 
winterfest, mit Anh„ngern, unter der Zusicherung, dieselben nicht an der 
Westfront einzusetzen, verlangt. 10%, also 100.000 Juden sollten, falls Joel Brand 
mit gnstigem Bescheid aus dem Ausland zurckkam, sofort auf diesen Bescheid 
hin als Vorschubleistung zur Auswanderung gebracht werden.
Es ist zum heulen und zum lachen; zum lachen, wenn ich bedenke, daá dieses 
Projekt seitens meiner Vorgesetzten genehmigt wurde. Himmler selbst 
genehmigte es;
zum heulen, . doch darber sp„ter.
Jetzt ging alles schnell
Eine aus dem Ausland angekommenen Sendung Devisen in der H”he von etwa 
120.000 Dollar, samt Auslandspost konnte sich Joel Brand bei mir abholen. Die 
Post wurde nicht einmal kontrolliert; jede Auslandspost fr jeden wurde in jener 
Zeit kontrolliert. Mir stand der Sinn nach anderen Dingen. Damit hielt ich mich 
nicht mehr auf. Joel Brand sagte w„hrend meines Prozesses als Zeuge der 
Anklagebeh”rde, darber aus, daá er nicht wuáte wie ihm geschah; 120.000 
Dollar, Post, 100.000 Juden Vorschubsleistung, Flug nach Konstantinopel -
Unterschriftkrzel

/469, 470/
AE 131
Eine Kuriermaschine der deutschen Luftwaffe brachte Joel Brand nach 
Konstantinopel.
Krumez, als mein h”chster Dienstgrad in meiner Dienststelle, erhielt von mir 
Befehl, Brand sicher nach Wien zu bringen. Der Befehlshaber der 
Sicherheitspolizei u. des SD in Budapest bestimmte die Person, welche Brand zu 
begleiten hatte, einen Bondy Grosz. Auch diesen brachte Krumey pnktlich zum 
Flugzeug.
So, dachte ich in meinem Sinn: diese Sache geht auf alle F„lle in Ordnung; da 
kann nichts mehr schief gehen. Und mit keiner Winper zuckte ich, als die ersten 
Deportationstransporte rollten. Denn jeden Tag konnte Nachricht von Brand 
kommen; konnte Brand selbst kommen und der Fahrplan wrde umgebaut nach 
Spanien, Portugal, Rum„nien. Weiter wrden die jdischen Organisationen schon 
sehen. -
Und was mich w„hrend des Proyesses gegen mich, sehr in Erstaunen versetzte 
war die Tatsache, daá Joel Brand, als Zeuge der Anklage, bis auf einiges 
Weniges, genau wahrheitsgem„á ber den Vorgang aussagte. Nicht richtig ist, daá 
ich gesagt haben soll, die Deportationstransporte wrden w„hrend der Zeit bis zur 
Entscheidung eingestellt bzw. die Juden wrden in ™sterreich ,auf Eis gelegt" 
werden. Ich sagte jedem, der es h”ren wollte, daá ich befehlsm„áig zu sagen h„tte,

/471/AE 132
daá die Transporte zufolge dem vorgesehenen Fahrplan solange laufen werden, 
bis der Bescheid da sei. Diesen auftrag hatte ich.
Wie h„tte ich als Obersturmbannfhrer etwas aufhalten, beschleunigen oder 
umstoáen k”nnen, was ein halbes Dutzend hoher und h”chster Vorgesetzter von 
mir, in den verschiedensten Instanzen und Zentralinstanzen befohlen hatten. Man 
nenne mir einen Menschen in einem europ„ischen Land, der an meiner Stelle, so 
etwas w„hrend des Krieges zu tun in der Lage gewesen w„re. /1 « Zeilen 
gestrichen, unleserlich/
Brand sagte, daá Krumey beim Abflug zu ihm gesagt haben solle, es g„be auch 
noch andere SS-Offiziere wie Eichmann. Es g„be auch noch Krumey`s und 
Wislicenz`s. Daran m”ge er, wenn er bei seinen Freunden im Ausland w„re 
denken. Obzwar der ehemalige SS-Obersturmbannfhrer seit langer Zeit selbst als 
Angeklagter in einem deutschen Untersuchungsgef„ngnis einsetzt, sagte er - auch 
darber als Zeuge vernommen - aus, daá er solches nie gesagt habe.
Und es ist glaubwrdig, denn es w„re sicher keine Belastung fr Krumey 
gewesen, h„tte er Brand`s Version best„tigt.
/5 Zeilen gestrichen, unleserlich/
/472/AE 133
/7 Zeilen gestrichen, unleserlich/
Nun, w„hrend des Prozesses gegen mich wurden im Zusammenhang mit dieser 
Mission eine Reihe von Dokumente aus dem israelischen Geheimarchiv, seitens 
der Anklagebeh”rde dem Gerichtshof als Beweismaterial vorgelegt und 
eingebracht. Es ist nicht meine Aufgabe, hier diese Sache n„her zu beleuchten. Es 
m”gen auch sicherlich noch „hnliche oder sogar erg„nzende Dokumente in den 
Geheimarchiven Englands und Nordamerikas liegen und fr eine allf„llige 
Ver”ffentlichung in sp„teren Zeiten aufbewahrt bleiben.
Mir bleibt lediglich die traurige Aufgabe festzustellen, daá Brand - ohne eigenem 
Verschulden - nicht wiederkam und daá eine Art Best„tigung, nie einging. Die 
Deportationen aber lieáen andere weiterrollen, wie die n„chsten Dokumente 
aufzeigen werden.
Nur Joel Brand und sonst keiner - so glaube ich - wird meinen Zorn und meinen 
Schmerz nachfhlen k”nne, daá die Dinge so und nicht anders liefen; und 
umgekehrt kann ich den Zorn und Schmerz eines Joel Brand

/473/AE 134
nachfhlen, ebenfalls aus erster Quelle, daá Papier, welches sonst stets so 
geduldig ist, in diesem Falle offenbar nicht tauglich war. Denn die Ingangsetzung 
von vorerst einmal 100.000  Juden noch ohne jede 
ausl„ndische Gegenleistung, h„tte ein v”llig anderes Bild zur Folge gehabt. Mit 
diesen oder „hnlichen Worten schloá ich meine diesbezgliche Stellungnahme vor 
dem Gerichtshof, w„hrend des Prozesses gegen mich.

Nun der andere Punkt des von Herrn von Thadden angeschnittenen 
Geheimabkommens seitens Winkelmann, hinter Veesemayers Rcken, war ein 
Abkommen des Bevollm„chtigten Becker. Er kassierte gewissermaáen den 
Rstungsbetrieb des ,ungarischen Krupp", den sogenannten Manfred Weiss - 
Konzern, bei Budapest, gegen die Auswanderung der Gesamten Familien dieses 
jdischen Industriellen, nach Portugal.

Der Chef des Verwaltungs und Wirtschaftshauptamtes des Reichsfhrers SS, SS 
Ober-Gruppenfhrer und General der Waffen SS Oswald Pohl, dem s„mtliche 
Konzentrationslager unterstanden richtete am 24. Mai 1944 an himmler ein 
Fernschreiben, indem er ihn um Genehmigung bat, der ,Organisation OT"

/474/AE 135
der deutschen staatlichen Groábaufirma, fr deren Bauvorhaben, jdische Frauen 
aus Ungarn zufhren zu k”nnen. Himmler versah dieses Fernschreiben mit seinen 
charakteristischen beiden groáen ,HH" und es ist anzunehmen, daá er Pohl dies 
bewilligte. (150)
Etwa im Mai/Juni befaáten sich die planenden K”pfe mit einer Deportierung der 
Juden aus Budapest. Herr von Thadden schreibt an Veesenmayer daá die 
Presseabteilung des Ausw„rtigen Amtes beabsichtigt, beim Reichsauáenminister 
anzuregen, daá man „uáere Anl„áe und Begrndungen fr die Aktion schafft wie 
z.B. Sprengstoffunde in jdischen Vereinsh„usern und Synagogen; 
Sabotageorganisationen; Umsturzpl„ne; šberf„lle auf Polizisten; 
Devisenschiebungen groáen Stils, mit dem Ziel der Untergrabung des ungarischen 
W„hrungsgefges. Der Schluástein unter eine solche Aktion máte ein besonders 
krasser Fall sein, an dem man dann die Groárazzia aufh„ngt. Veesemayer wird um 
Drahtstellungnahme gebeten.
Dieser aber muá dringen bitten, von jeder propagandistischen Aktion Abstand zu 
nehmen, denn es sei berall bekannt, daá seit Wochen jdische Vereinsh„user und 
Synagogen unter scharfer Kontralle der ungarischen Polizei stehen, bzw. zum Teil 
beschlagnahmt worden sind, das jdische Verm”gen ebenfalls beschlagnahmt, 
bzw. gesperrt ist  und daá die Juden in ihrer Bewegungsfreiheit sehr eingeschr„nkt 
seien. (151)

/475/AE 136
Blaschke, der Brgermeister der Stadt Wien, schreibt am 7. Juni seinem Freunde 
Kaltenbrunner, daá er jdische Arbeitskr„fte haben m”chte. Daraufhin bewilligt 
ihm Kaltenbrunner, als Chef der Sicherheitspolizei, 4 Transporte mit zusammen 
12.000 Juden und schreibt ihm, daá davon etwa sch„tzungsweise 30 % an 
arbeitsf„higen Juden abfallen drften. Sowohl die arbeitsf„higen, als auch die 
nichtarbeitsf„higen Juden máten in bewachte Lager untergebracht werden. 
N„here Einzelheiten m”ge er mit dem SS-Obersurmbannfhrer Krumey vom 
Sondereinsatzkommando Ungarn, besprechen.
Es werden sodann /2 « Zeilen gestrichen, unleserlich/ im einzelnen Richtlinien 
fr den Einsatz dieser jdischen Arbeitsgruppen, die auf etwa 20 politische Kreise 
von Nieder”sterrreich aufgeteilt werden, besprochen. (152)

,W„hrend bis zum 19. M„rz zahlreiche Juden aus der Slowakei nach Ungarn 
wanderten, ist nunmehr eine umgekehrte Wanderbewegung festzustellen. Es 
wrde die hiesige Arbeit erheblich erleichtern, wenn nunmehr auch in der 
Slowakei grndlich gegen die Juden vorgegangen wrde. Falls entsprechende 
Weisung erfolgt, wrde ich mich zu einer diesbezglichen Besprechung mit Ludin 
in Pressburg treffen, um gemeinsam prktische Vorschl„ge auszuarbeiten." Dies 
schreibt Veesenmayer am 14. Juni, an das Ausw„rtige Amt. Und General 
Winkelmann richtet einige

/476, 477/AE 137
Tage sp„ter an Himmler ein pers”nliches Schreiben. ,Hochzuverehrender 
Reichsfhrer! In der letzten Woche gab es hier eine gr”áere Zahl von Ereignissen, 
die in anderen Gegenden wohl Besorgnis h„tten erregen k”nnen." Er kommt ber 
Judenfragen und deren L”sungsbestrebungen auf ungarisch-innenpolitische Dinge 
zu sprechen, charkterisiert Einzelfiguren des politischen Lebens und meint dann: 
,Das beste w„re natrlich, wenn der Fhrer den Reichsverweser zu sich bestellte, 
um ihm in aller Deutlichkeit seine Meinung zu sagen. Es máte aber auch so 
gehen, daá Veesenmayer endlich einmal strikte Anweisung erh„lt, hier auf den 
Tisch zu schlagen. Mit seiner Verhandlungstaktik kommt er nun wirklich nicht 
mehr weiter." Am 4. Juli - so schreibt er weiter - nahm er, Winkelmann an einer 
Besprechung teil, welche Becker (der Sonderbevollm„chtigte Himmlers) mit dem 
ungarischen Minister Imredy ber den ,Manfred - Weiss - Konzern", hatte. Unter 
anderen ging es um die Frage der Nationalit„t des Generaldirektors. Die Ungarn 
wnschten einen Ungarn. Becker erkl„rte, daá eine solche Forderung g„nzlich 
unannehmbar sei, denn Generaldirektor k”nne nur ein Mann werden, der seine 
Befehle unmittelbar von Himmler entgegennehmen k”nne und dessen volles 
Vertrauen haben máe. Mit ,Reichsfhrers gehorsamster Winkelmann", endete 
das Schreiben.
Dazwischen funkt eine Botschaft von Ribbentrop pers”nlich. Er bittet 
Veesenmayer, der ungarischen Regierung mitzuteilen,

/478, 479/AE 138
daá es nicht opportun ist, auf die verschiedenen ausl„ndischen Angebote 
zugunsten der Juden einzugehen und er bittet um eine entsprechende 
Sicherstellung der Angelegenheit. (153)

Und was tat ich in jener Zeit? Was trieben die Leute meines Kommandos? Man 
wird es mir sicherlich nur schwerlich glauben, wenn ich sage, nie hatte ich in all 
den letzten Jahren mehr freie Zeit und weniger zu tun, als w„hrend der Budapester 
Monate. Und doch ist es so. Derjenige Leser, welcher die sicherlich sehr trockene 
Aneinandereihung der Dokumente, nach ihrem chronologischen Ablauf, verfolgt, 
sah und wird weiter sehen, daá alles, buchst„blich alles, was auch nur 
einigermaáen von Bedeutung war, entweder von Veesenmayer oder Winkelmann 
pers”nlich behandelt wurde. Hatte ich mich w„hrend der ,Berliner - Jahre" 
geweigert, von dem mir eigentlich zustehenden kleinen Ausfhrungsrecht, 
welches einem jeden Referenten zukam, Gebrauch zu machen und hatte in es mir 
zur Gepflogenheit gemacht, in allen Dingen Weisung meiner Vorgesetzten 
einzuholen, so brauchte ich selbst dieses in Ungarn sehr selten zu tun. Denn die 
st„ndige Sorge beherrschte den Reichsbevollm„chtigten, wie den H”heren SS- u. 
Polizeifhrer, einer k”nnte dem anderen den Rang in der Zust„ndigkeit ablaufen. 
Daher trieb diese Sorge alleine schon den einen wie den anderen, und lieá sie 
Dinge anordnen und verhandeln, welche sie in normalem Zustand einem ihrer 
Untergeordneten

/480, 481/AE 139
bertragen h„tten. Selbst der Befehlshaber der Sicherheitspolizei als Person, hatte 
im Gegensatz zu anderen besetzten Gebieten, in Ungarn mit diesen Dingen aus 
den angefhrten Grnden recht wenig zu tun. Was im Vergleich zu anderen 
L„ndern sehr ins Auge fallend ist. Freilich muá ich billigerweise zugeben, daá die 
Maschinerie der ungarischen inneren Beh”rde so funktionierte, wie dies wohl 
selten von einer anderen Beh”rde in einem anderen Gebiet um jene Zeit behauptet 
h„tte werden k”nnen. Sie funktionierte nicht nur in Judenangelegenheiten, 
sondern schlechtweg in allen ihren dienstlichen Obliegenheiten; und mehr als 
einmal sagte ich zu mir selber, Donnerwetter, bisher glaubtest du, nur in 
Deutschland wrde jene exakte Genauigkeit obwalten; hier siehst du mindestens 
genau dieselbe peinlich saubere Akuratesse. Ich bewunderte um jene Zeit die 
ungarische innere Verwaltung; nicht im Hinblick auf die Erledigung der 
Judenangelegenheiten, sondern ich spreche ganz allgemein, von beh”rden-
sachlichen Standpunkt aus.
Krumey ging oft und oft schon am frhesten nachmittag zum Tennisspielen ab; 
und etwa im Juni/Juli wurde er nach ™sterreich versetzt, denn es gab fr uns 
wirklich herzlich wenig zu tun.
Es sagte noch 1961 als Zeuge in Deutschland vernommen hierber: ,Beobachtet 
habe ich, daá seine (Eichmann`s) Schreibkraft nicht viel zu tun hatte. Eichmann 
hat auf der Dienststelle selbst wenig Zeit zugebracht. Er kam und ging wann er 
wollte. Er hatte in Budapest ein ausgepr„gtes und zeitlich ausgedehntes 
Privatleben."
Ich hatte ja nicht einmal personelle Befugnisse

/481/AE 140
bezglich der kaum zwanzig Angeh”rigen meines Kommandos; selbst diese 
Arbeit erledigten andere, wie Krumey weiter best„tigt. Schon in Mauthausen 
n„mlich sah und h”rte er, daá Dr. Geschke die Sicherheitspolizei leitete. Von ihm 
erhielt er bereits dort seine Auftr„ge. Und er erkl„rt ferner, daá er von dem 
Befehlshaber der Sicherheitspolizei - Ungarn, Dr. Geschke, von Ungarn, wo er 
mein ,St„ndiger Vertreter" war, versetzt wurde; und nicht etwa von mir. (154)
Nun ja, ich kann verstehen, daá dies alles noch keine Antwort auf die Frage ist, 
was ich denn nun wirklich tat; sowohl dienstlich, als auch privat. Dienstlich: 
solange die fahrplanm„áigen Transporte liefen, hatte ich Ariso?fernschreiben 
gem„á den erhaltenen Abfahrtsmeldungen nach Auschwitz, ber den 
Befehlshaber der Sicherheitspolizei - Ungarn an das Reichssicherheitshauptamt 
zu senden; die Statistik zu fhren, meine Vorgesetzten in Ungarn t„glichen 
mndlichen Bericht zu erstatten; mindestens w”chentlich einmal auch einen 
schriftlichen Lagebericht zu geben. Dazu muáte ich mir die Unterlagen aus dem 
ungarischen Innenministerium besorgen; in der Regel direkt von Staatsekret„r 
Endre. Ich bekam t„gliche Mitteilungen von der ungarischen Gendamerie; kurz 
und gut, all jenes war meine Obliegenheit, was mit der befohlenen 
Lageberichterstattung zusammen-

/482, 483/AE 141
hing, dazu kam all jene brokratische Arbeit, von der ich anfangs berichtete. Und 
das ganze aufgeteilt auf etwa fnf bis sechs Mann. Weitere acht Personen z„hlten 
zur Wache, waren Kraftfahrer und Schreibkr„fte. Der Rest war in der Provinz und 
hatte darauf zu achten, daá Juden bestimmter ausl„ndischer Staatsangeh”rigkeit 
nicht deportiert wurden, so wie der Befehl es vorschrieb.

Privat: Ja, neben Motorsport und Segelsport am Plattensee (ich hatte entfernte 
Verwandte in Ungarn) und neben zahlreichen privaten Besuchen und famili„r-
gesellschaftlichen Beisammensein hatte ich in den Jahren 1943 und 1944 ein 
Steckenpferd, welches mir nach 1945 einigemale wieder einfiel, meistens aber der 
Vergessenheit berantwortet blieb. Ich will es hier erz„hlen. Nach dem Unglck 
von Stalingrad begann ich mich mit der šberlegung der Konstruktion eines 
Motors zu besch„ftigen, gerade stark genug, um einen bewaffneten Soldaten 
wenige Meter hoch, kurze Strecken zu transportieren. Die taktischen, ja 
strategischen M”glichkeiten bei Serienproduktion eines solchen Ger„tes schienen 
mir enorme zu sein. Leider verstand ich von dem konstruktiven Teil der Seite 
doch zu wenig, um diese Sache alleine weiter zu betreiben, denn ich war kein 
Explosionsmotorenbauer. Das einzige, was ich tun konnte, war vorerst, daá ich 
mir einschl„gige neueste Literatur

/484, 485/AE 142
besorgte und mich mit Verbissenheit dem Studium hingab. Bedauerlicherweise 
hatte ich auch in jener Zeit zu viel brokratisches Getriebe um die Ohren und die 
zunehmenden Heftigkeiten der Bombenn„chte f”rderten die Angelegenheit 
keinesfalls.
Trotzdem nahm ich nach einigem Studium Verbindung mit einer Kapazit„t auf 
dem Gebiete des Hubschrauberbaues, dem Professor Flettmer auf; dem Erfinder 
des Flettmer-Rotors; dem Erbauer von Kleinhubschrauber fr unsere U-Boote. Er 
erz„hlte mir eines Tages, daá seiner Tochter die Idee der sogenannten 
Versorgungsbombe zuzuschreiben sei, denn inspiriert durch die propellerartige 
Frucht des Ahornbaumes und ihr flatterndes, Zubodenfallen, w„re sie durch 
šberlegung, zur Versorgungsbombe gelangt.
Kurz und gut, der Mann schien mir richtig zu sein. Und er war zwar von meiner 
Idee begeistert, besonders, als ich ihm die herrlichen milit„rischen 
Ausrstungsm”glichkeiten entwickelte, aber infolge unseres latenten 
Buntmetallengpasses, war das PS-Gewicht des deutschen Motors, beispielsweise 
im Vergleich zu einem USA-Motor ungleich h”her. Ich glaube mich erinnern zu 
k”nnen, daá der Unterschied zwischen 30 oder 35% lag, zu ungunsten des 
deutschen Motors oder noch h”her. Aber er versprach mir, die Sache in die Hand 

/486, 487/AE 143
zu nehmen, zu studieren uund mit mir auf dem Laufenden zu bleiben. So war es 
mir recht. Da ich nichts fr mich haben wollte, sondern fr die Sache, war es mir 
egal, wer die allfalligen Anerkennungen oder gar Frchte aus dieser Sache erntete, 
wenn die Idee nur der Verwirklichung n„her gebracht wrde und eine operative 
Erleichterung fr die Truppe abgeben wrde. Daher war es auch v”llig berfláig, 
etwa einen Vertrag zu machen. Lediglich zum Schweigen gegenber Unbefugten 
muáte er sich verpflichten. Mein vornehmliches Interesse in jener Zeit galt mehr 
dem Motor der Getriebereduktion /2 « Zeilen gestrichen, unleserlich/, den 
Drehbewegungsbertragungen und anderen einschl„gigen Dingen mehr, als allen 
sonstigen Sachen.
Flettmer besuchte mich dann einige Male auf meiner Dienststelle; ich besuchte 
ihn in seinem kleinen Werk und sah mir interessiert seine im Bau befindlichen 
Kleinhubschrauber an. Ich wollt ja eigentlich dasselbe, nur einen 
Kleinsthubschrauber, bzw. eine dem Hubschrauber „hnliche Konstruktion, oder 
wie ich es damals kurz ausdrckte ,Motor-Rotor" mit dem allernotwendigsten 
Drum und Dran.
Darber kam allm„lig Ungarn und ich hatte Zeit. Sehr viel Zeit. Aber leider war 
Flettmer weit weg.; in Berlin. Und ich glaubte, ich máe es zwingen. Ich 
skizzierte, ich studierte und plagte mich ab, wie man eine oder zwei Divisionen 
auf diese Art und Weise ,motorisieren" k”nnte. Aber Flettmer blieb stumm und 
nichts ging weiter. Es kam

/488/AE 144
die V1 und sofort dachte ich getr”stet, den Kohl mit dem ,Motor-Rotor" braucht 
nunmehr kein Mensch. Und ich sagte mir, daá mich in diesem Stadium die 
dmmsten S„ue auslachen wrden, wrde ich nur meinen Schnabel aufsperren. 
Meinem Chef, dem Generalleutnant Mller, trug ich die Idee eines Tages des 
mittleren Jahres 1943 vor. Aber ich h„tte sie ebensogut seinem Papierkorb 
erz„hlen k”nnen. Er h”rte mir geduldig zu, sah mich an und l„chelte dnn, um 
mich dann mit einer dienstlichen Angelegenheit wieder in den Alltag 
zurckzurufen. Dies war einer meiner leider fruchtlosen privaten Besch„ftigungen 
in Budapest. -

Wir stehen am Anfang Juli des Jahres 1944. Veesenmayer muá nach Berlin 
berichten, daá ihm Ministerpr„sident Sztojay mitteilte, Horthy habe die 
Fortsetzung der Juden-Aktionen gestoppt; Sztojay bat ihn, sich bei Ribbentrop 
dafr einzusetzen, daá verschiedenen ausl„ndischen Angeboten zu Gunsten einer 
Ausreise bestimmter jdischer Personenverb„nde, n„hergetreten werden k”nnte.
Auf Ribbentrop`s Vorschlag, genehmigte Hitler daraufhin einige dieser Angebote 
unter der Voraussetzung, daá der von Horthy vorrbergehend gestoppte 
Abtransport der Juden nach dem Reich, sofort und schnellstens zu Ende gefhrt 
wrde.

/499/AE 145
Aber die Dinge komplizieren sich immer mehr; wenige Tage danach, am 16.Juli, 
drahtet Ribbentrop erneut nach Budapest: ,Hitler habe davon Kenntnis 
genommen, daá Horthy die derzeitige Regierung Sztojay abzuberufen und an ihre 
Stelle eine Milit„rregierung einzusetzen gedenke. Er habe dies mit Befremden zur 
Kenntnis genommen. Mit noch gr”áerem Befremden habe Hitler vernommen, daá 
Horthy Verhaftungsbefehle gegen einzelne Minister und Staatssekret„re der 
Regierung Sztojay, welche in letzter Zeit Maánahmen gegen die Juden 
durchgefhrt haben, erlassen h„tte.
Er drohte mit der sofortigen Abberufung Veesenmayers und der Ergreifung jener 
Maánahmen, die eine Wiederholung solcher Vorf„lle ein fr allemal ausschlieáen 
wrden. In diesem Falle, wrde Hitler in Zukunft jede Rcksicht fallen lassen.
Hitler hoffe jedoch, daá Horthy einsehen wird, daá jedes Abweichen von dem in 
Klessheim beschlossenen Wege, Komplikationen in sich bergen wrde. (155)
/1 Zeile gestrichen, unleserlich/
Die Deportationstransporte wrden von Ordnungspolizei oder wenn „uáerster 
Personalmangel zu verzeichnen ist, gemischt mit Angeh”rigen der Dienststelle 
des Befehlshabers der Sicherheitspolizei begleitet. Letzteres traf jedoch meiner 
Erinnerung nach sehr selten ein. Die Verhandlungen zur Abstellung dieser Kr„fte 
von der Ordnungspolizei, fhrten

/500/AE 146
jeweils die Befehlshaber dieser Polizeieinheiten unmittelbar. /4 Zeilen gestrichen, 
unleserlich/
W„hrend eines Transportes, kam es glaublich auf slowakischem Gebiet einmal, zu 
Ausschreitungen der Transportbegleitung gegen die Juden. Die deutsche 
Gesandtschaft Budapest berichtet unter anderem darber an das Ausw„rtige Amt 
am 2. August: ,Die Angelegenheit ist vom Befehlshaber der Sicherheitspolizei 
und des SD in Ungarn - das Sondereinsatzkommando des SS-
Obersurmbannfhrer Eichmann ist ausschlieálich fr die technische 
Durchfhrung der Judentransporte zust„ndig - untersucht worden, der ber das 
Ergebnis dem Reichssicherheitshauptamt berichtet hat."
Ich glaubte dieses Dokument mit einschalten zu máen, da es schlagartig erhellt, 
daá meine M„nner mit der exekutiven Angelegenheit nichts zu tun hatten, sondern 
sich deren T„tigkeit ausschlieálich auf die Dinge beschr„nkte, die ich im 
Wesentlichen bereits beschrieben habe.
Und wie wenig selbst in technischen Dingen mein Kommando entscheiden 
konnte, zeigt daá ich sogar beim Vorliegen von Auswanderungsgenehmigungen, 
an den Himmler-Befehl welcher der Sicher-

/501/AE 147
heitspolizei bermittelt wurde, gebunden war. Veesenmayer will Anfang August 
vertraulich erfahren haben, daá ich mich nochmals an das 
Reichssicherheitshauptamt mit der Bitte wandte, endgltige Entscheidung 
Himmlers herbeizufhren, ob die Ausreise einer sogannten ,Schweizer Aktion" 
nach Pal„stina ber Rum„nien genehmigt werden k”nne. Ich hatte bisher in 
Budapest vorgeschlagen lediglich nach Lissabon durch Westeuropa zu gestatten; 
denn ich konnte aus eigener Vollmacht ja schlieálich auch keinen Befehl meiner 
Vorgesetzten um„ndern. Dieser Weg ber Lissabon aber war in solchen F„llen, im 
Hinblick auf das Abkommen zwischen Ribbentrop-Himmler-Mufti, genehmigt. 
(156)
Es gab ja - wie ich den jdischen Funktion„ren in Budapest oft und oft sagte, 
schlieálich auch die ,grne Grenze". Dazu brauchte es keiner Genehmigung, und 
da mich der exekutive Teil nichts anging, interessierte mich auch die ,grne 
Grenze" nicht.
Im August ging nun das Tauziehen zwischen Veesenmayer und der ungarischen 
Regierung wegen des Beginnes der Deportation aus Budapest los. Mir wurde 
daraufhin seitens des ungarischen Inneministeriums mitgeteilt, daá damit 
begonnen wrde; dann gab man wieder den gegenteiligen Befehl bekannt, kurz 
und gut, es ging hin und her;

/502/AE 148
Das Resultat war schlieálich, daá Horthy die Deportation verbot. Dieses Verbot 
wurde von Veesenmayer am 24. August um 10,20 Uhr nach Berlin durchgegeben.
Und am n„chsten Tag um 11,15 Uhr konnte er dem Ausw„rtigen Amt melden, 
daá ihm Winkelmann soeben telephonisch mitgeteilt habe, daá Himmler um 3 
Uhr frh, durch Fernschreiben den Befehl gab, jede Deportation von Juden 
stengstens zu untersagen. (157)

Aber am 30. August geht es wieder von vorne an. Veesenmayer schreibt an 
Ribbentrop, daá anschlieáend an die Vereidigung der neuen ungarischen 
Regierung eine Ministerratssitzung stattfand, in der als Hauptgegenstand, die 
Evakuierung der Juden aus Budapest zur Debatte stand. Es wurde beschlossen, die 
Aktion sofort einzuleiten. (158)
Ich selbst war mit meinem Kommando schon l„ngst nicht mehr in Budapest, denn 
der Befehlshaber der Sicherheitspolizei, Dr. Geschke, erteilte mir Befehl, mich 
mit meinem Kommando in den Raum von Groá Nikolsburg zu begeben, um dort 
durch die Abtransportierung von 10.000 Volksdeutschen diese einem russischen 
Zugriff zu entziehen. Aus Neu Arad transportierte ein Teilkommando von mir ein 
deutsches Wehrmachtlazarett ab, welches vorbergehend von der russischen 
Besetzung

/503/AE 149
befreit war. Und am 22. September 1944, l”ste ich befehlsm„áig mit einem 
Schluáappell das Kommando auf. (159) Ich wurde nach Berlin in das 
Reichssicherheitshauptamt zurckbefohlen, wurde jedoch angewiesen noch eine 
Woche in Budapest zu bleiben und mich dann in Berlin zurckzumelden.

Inzwischen berichtet Veesenmayer seiner Berliner Zentrale, daá die Ungarn die 
eingegangenen Verpflichtungen zur L”sung der Judenfrage in Budapest als 
innerstaatliche Maánahme, bisher nicht nachgekommen seien und Legationsrat 
Wagner als Gruppenleiter Inland II des Ausw„rtigen Amtes, schlug Ribbentrop 
am 12. Oktober im Hinblick auf das N„hherrcken der Front vor, die deutsche 
Haltung grunds„tzlich zu „ndern und entweder die Evakuierung der restlichen 
Juden in eigener Regie, oder durch entsprechenden Druck auf die ungarische 
Regierung, zur Durchfhrung zu bringen. (160)
/Unterstaatsekret„r Luther hatte inzwischen den in Berlin akkreditierten 
ungarischen Gesandten bearbeitet, welcher am 18. Oktober zur Berichterstattung 
nach Budapest reise und die ganze Angelegenheit seinem Ministerpr„sidenten und 
dem Reichsverweser vorzutragen gedenke.
Auáerdem habe er einen offiziellen

/504, 505/AE 150
Schritt deutscherseits bei der ungarischen Regierung in Aussicht gestellt und gibt 
an Veesenmayer nunmehr die Anweisung zu erreichen, daá die Maánahmen 
gegen die Juden in Ungarn entsprechen weiter zu betreiben seien. Und dann am 
14. Oktober schreibt er daá Ziel máe daher in Ungarn sein:
1.) Die Juden auf dem Wege fortschreitender Gesetzgebung unterschiedslos aus dem 
kulturellen und wirtschaftlichen Leben auszuschalten.
2.) Durch sofortige Kennzeichnung aller Juden die entsprechenden 
Regierungsmaánahmen erleichtern und dem Volke die M”glichkeit zu klarer 
Distanzierung zu verschaffen.
3.) Die Aussiedelung und den Abtransport nach dem Osten vorzubereiten. - 
durchgestrichen/
 
Der Leser dieser Zeilen wird sich allgemach darber wundern, warum ich, als der 
Schreiber und gewissermaáen im Geschehen gestandene zeitgen”ssische Chronist, 
denn mir immer vom Tun und Handeln des Reichsbevollm„chtigten des 
Ausw„rtigen Amtes, und allenfalls von dem des H”heren SS- u. Polizeifhrers 
berichte. Haben denn - so wird er sich fragen- nicht auch anderer Stellen hier 
mehr ihre Finger im Spiel gehabt, als er durch deutschreiber dargestellt ist? Will 
der Schreiber etwa Himmler, Kaltenbrunner, seinen eigenen unmittelbaren 
Vorgesetzten, Mller, kurz Namen denen man sonst auf Schritt und Tritt 
begegnet, bewuát aus den Belangen in Ungarn ferne halten? Etwa gar aus dem 
Grund, weil er selbst dort t„tig war?
Ich darf darauf erwiedern, daá dies keinesfalls so ist. Ungarn war im 
Wesentlichen das ,Rennen des Ausw„rtigen Amtes". Nicht daá, der 
Sicherheitspolizei oder Himmlers. Ich habe s„mtliche Dokumente, die hier in 
Israel in dem Prozess gegen mich, vorlagen und denen ich auch nur eineige 
Bedeutung

/506/AE 151
im Hinblick auf die Linienfhrung oder zu derem besseren Verst„ndnis einr„umte, 
herangezogen. Es ist nicht mehr davon da. Man kann auch nicht gur sagen, na ja 
klar, das Reichssicherheitshauptamt hat seine Akten ja im Jahre 1945 verbrannt. 
Dies stimmt zwar. Aber die anderen Zentralinstanzen taten es nicht. Und da 
wurden eben nach 1945 alle die Schreiben mitgefunden, von denen im 
Reichssicherheitshauptamt die Durchschl„ge verbrannt wurden. Sicher mag es 
sein, daá im Laufe der Zeiten das eine oder andere Dokument sich noch auffinden 
wird; aber das Gesamtbild kann sich dadurch nicht mehr „ndern.
-,-
Kaum mag ich nach einigen Urlaubstagen bei meiner Familie - (soweit man in 
diesem vorgerckten Kriegsstadium berhaupt noch von Urlaub sprechen kann) - 
wieder in Berlin gewesen sein, da traf mich der Befehl meines Chefs, abermals 
nach Budapest zurckzufahren. Was war geschehen?
Der H”here SS- u. Polizeifhrer dr„ngelte den deutschen Gesandten ? 
Reichbevollm„chtigten.
Der Reichsbevollm„chtigte dr„ngelte die ungarische Regierung!
Das Ausw„rtige Amt und Veesenmayer dr„ngelten sich gegenseitig!
Wozu?
Die Deportationen waren dort eingestellt. Himmler hatte sie doch verboten, auch 
Horthy hatte sie verboten. -
Aber in Ungarn waren inzwischen die

/507, 508/AE 152
,Pfeilkreuzler" unter Szalasi als Staatsoberhaupt, an die Macht gekommen. Und 
Veesenmayer unterrichtete das Ausw„rtige Amt am 18. Oktober wie folgt: ,Mit 
ge„nderter politischer Lage ist auch die Judenfrage hier in neues Stadium getreten. 
Obersturmbannfhrer Eichmann, der auf Antrag des hiesigen H”heren SS- und 
Polizeifhrers und Befehl des Chefs der Sicherheitspolizei heute nach Budapest 
zurckgeholt ist, hat Verhandlungen mit ungarischer Regierung dahin 
aufgenommen, daá 50.000 m„nnliche, arbeitsf„hige Juden aus Budapest zum 
Arbeitseinsatz nach Deutschland transportiert werden.
Aus Ver”ffentlichungen neuer Regierung ist im brigen zu ersehen, daá auch 
bisherige Ausnahmejuden, wieder zum Sterntragen verpflichtet werden." (161)
Noch am selben Tag berichtet Veesenmayer weiter: ,Trotz seitens Szalasi bereits 
erfolgter grunds„tzlicher Stellungnahme, keinen ungarischen Juden weiterhin in 
das Reich abtransportieren zu lassen, wird Innenminister versuchen, 
ausnahmsweise Zustimmung zu beantragter, zeitweiser šberlassung von 50.000 
arbeitsf„higen, m„nnlichen Juden zu erlangen, die im Reichsgebiet fr 
J„gerprogramm, und zur Abl”sung von russischen Kriegsgefangenen, die 
anderw„rts dringen ben”tigt werden, eingesetzt werden sollen. Transport soll  
durch Fuátrecks in Begleitung deutscher Kommandos erfolgen. Das 
Einsatzkommando Eichmann

/509, 510/AE 153
wird abgesehen von teilweiser šbernahme der Bewachung des Fuátrecks, nur 
beratend mitwirken, w„hrend Aktion im brigen von ungarischer Gendarmerie 
unter Leitung bisherigen Beauftragten fr Judenfragen Oberleutnant Ferencsy und 
Oberleitung Staatssekret„r im Innenmi Laday, durchgefhrt werden soll. (162)
Und an den Reichsauáenminister geht am 24. Oktober eine Geheime Reichssache 
von Veesenmayer ab in der er seinem Minister berichtet:
,. teile ich mit, daá ich gestern auf die dringende, wiederholte Bitte von SA 
Obergruppenfhrer Winkelmann, Syalasi gebeten habe, uns wenigstens 25.000 
Arbeitsjuden leihweise fr ein halbes Jahr fr die Verwendung im deutschen 
J„gerprogramm zur Verfgung zu stellen. SA Obergruppenfhrer Winkelmann 
hat an sich die Forderung auf 50.000 Arbeitsjuden erhoben, doch ist diese bisher 
am Widerstand der ungarischen Regierungsstellen gescheitert. Ich hielt es fr 
richtig, zun„chst eine Teilforderung zu realisieren, mit der Absicht, gegebenfalls 
sp„ter erneut unsere Wnsche vorzubringen.
Szalasi hat sofort dieser Bitte entsprochen, hat lediglich zun„chst darauf 
hingewiesen, daá Ungarn selbst das Gros der ungarischen Juden fr 
Schanzarbeiten brauche und hat mich gebeten die weitere Bearbeitung der 
Angelegenheit zwischen Obergruppnefhrer Winkelmann und Minister Kowacs 
in die Wege zu leiten." (163)

/511/AE 154
Folgendes war geschehen:
DerH”here SS- u. Polizeifhrer General Winkelmann wurde wiederholt bei 
Veesenmayer vorstellig, daá 50.000 Arbeitsjuden in das Reichsgebiet zu 
marschieren h„tten.
Und er setzte sich darber hinaus direkt mit dem Chef der Sicherheitspolizei und 
des SD, Dr. Kaltenbrunner in Verbindung, mit der Forderung meiner sofortigen 
Wiederinmarschsetzung nach Ungarn.
Den Befehl dazu bekam ich.
Ich hatte zu gehorchen.
Ich h„tte keinesfalls etwa sagen k”nnen: ,nein ich will nicht; sucht Euch 
jemanden anderen."
Krankspielen durfte ich nicht, denn ich hatte ja einen Fahneneid geliestet. 
Auáerdem sah ich zum krankspielen zu gesund aus.
Was war das J„gerprogramm?
Die letzte Anstrengung, die feindlichenBomberstr”me vom deutschen Himmel zu 
verjagen.
Tausende und abertausende Einmannturbinenj„ger mit fantastischer 
Geschwindikeit und Wendigkeit wurden gebraucht. Als sie fertig waren, standen 
sie wie Hornissen auf den Autobahnen, auf Feldern, auf Flugpl„tzen, an 
Waldesr„ndern. Aber sie stiegen kaum auf. Treibstoffmangel. Die Alliierten 
hatten die deutschen Raffinerien - Duzende und aberduzende von 
Kleinraffinerien, geschickt wie kleine

/512/AE 155
Schwalbennester in Bodenmulden und an Bergh„ngen gegen feindliche Flieger 
sicher getarnt, - durch systematische Kleinarbeit, oft in Tiefangriffen, zerst”rt. Gut 
noch war es nicht so weit.
Noch lautete der Befehl: J„gerprogramm. Dazu hatte Winkelmann Gott und die 
Welt verrckt gemacht.
Dazu bekkam ich Befehl, mit dem ungarischen Inneministerium 
Detailbesprechungen zu fhren.
Die Trecks;
Die Verpflegungslager;
Die N„chtigungslager;
Die Bewachung der Lebensmitteltransports;
Nur m„nnliche Juden;
Nur arbeitsf„hige Juden;
Zeitweise;
Leihweise;

Mir gelang die Verhandlung nicht, wie die Dokumente es besagen.
Neuer Vorstoá Winkelmanns bei Veesenmayer. Dieser reduziert die 
Winklemann`sche Forderung auf die H„lfte.
Er muá dieserhalb mit dem ungarischen Staatschef sprechen.
Szalasi genehmigt.
Die Einzelheiten muá Winkelmann mit dem Minister Karacs erledigen.

Ein nerv”ses, hektisches Getue. Eine Handlung planvoll lenkender,

/513/AE 156
verantwortlicher Fhrer?
Quatsch!
Irrsinn; die Leute dachten nur von heute auf morgen.
Sie befahlen! Nach dem Motto, besser ein unsinniger Befehl, als gar keiner.

Und was sagt derselbe General a.D. Winklemann im Jahre 1961 als Zeuge in 
Deutschland vernommen?

,Himmler habe ihm erkl„rt, er sei an der Judenfrage in Ungarn nicht interessiert."

Dazu muá ich schon fragen; warum hat Himmler denn die Deportation der Juden 
von Osten nach Westen durchk„mmend, aus strategischen Grnden, befohlen? 
Wozu war denn dann Himmler bei der Hitler-Horthy Besprechung auf Schloá 
Klessheim zugegen, wo die Dinge doch festgelegt wurden?
Warum ist denn der Obergruppenfhrer Winkelmann, als H”herer SS- u. 
Polizeifhrer nicht gegen die Deportation eingeschritten? Er war doch die h”chste 
SS u. Polizeiautorit„t als Vertreter Himmlers in Ungarn.
Warum wurde er dann wiederholt bei Veesenmayer wegen Durchfhrung der 
Judendeportation vorstellig.
Warum holte er mich, durch Dr„ngen bei

/514/AE 157
Kaltenbrunner, denn wieder nach Ungarn zurck?

Und dann habe ich seine Erkl„rung gelesen: ,Eichmann h„tte in seiner 
subalternen Art seine Machtbefugnisse berschritten, wenn er glaubte damit im 
Sinne seines Befehlsgebers zu handeln."

Dazu auf ein Wort Herr General:
Ich wrde solches Ihrem inzwischen erreichten hohen Alter /1 Zeile gestrichen, 
unleserlich/ zuschreiben. Aber wenn ich so bedenke, was fr ein alberner und 
t”rrichter Mensch ich gewesen sein muá, Ihren Befehlen im Jahre 1944 
nachzukommen, dann packt mich heute noch der Zorn ber mich, und das Mitleid 
mit Ihnen Herr General!
Und daá ich albern und t”rricht gewesen sein muá, beweist mir Ihre 
ungeneralm„áigen Worte. /Ich sitze hier in diesem israelischen Gef„ngnis, aber 
ich habe den Mut, Ihnen dies zu sagen: - gestrichen/
/3 ¬ Zeilen gestrichen, unleserlich/
Sie werden daher verstehen, daá ich bei solcher Einstellung meiner Vorgesetzten 
von damals ihren Untergebenen gegenber, mich umso genauer, und nur an den 
Wortlaut der Dokumente halte.

/515, 516/AE 158
/Sicher auch meine Ansichten haben sich in sechzehn Jahren ge„ndert, aber ich 
wrde nicht ich sein, wollte ich meine Gesinnungs„nderung oder Wandlung in 
meinem Vorstellungsverm”gen ber die Dinge des Seins, in solch 
abgeschmacktem Gesabbere von mir geben.
Dieses Herr General, waren die Worte, die ich Ihnen sagen wollte. (164) 
gestrichen/
Sicher auch meine Ansichten haben sich in den  letzten sechzehn Jahren ge„ndert, 
aber ich wrde eine solche Haltung, wie Sie sie als mein damals vorgesetzter 
General mir gegenber heute einnehmen, nie gegenber einem meiner mir damals 
unterstellt gewesenen M„nner, Unteroffiziere oder Offiziere einnehmen, auáer er 
wrde sich so an die Unwahrheit klammern wie Sie. Dieses Herr General, waren 
die Worte, die ich Ihnen sagen wollte. (164)
-,-
Und wie liefen die Dinge weiter:
/1 « Zeilen gestrichen, unleserlich/ ,Ich bitte Sie, den Ungarn bei Durchfhrung 
aller Maánahmen, die sie in den Augen unserer Feinde kompromittieren, nicht 
hinderlich in die Arme zu fallen, sondern sie vielmehr hierbei in jeder Weise zu 
untersttzen, insbesondere liegt es sehr in unserem Interesse, wenn die Ungarn 
jetzt auf das allersch„rfste gegen die Juden vorgehen." Dies drahtet Ribbentrop fr 
den Gesandten pers”nlich, als Geheimvermerk fr geheime Reichssachen am 20. 
Oktober. (165)

/Sollte hier Winkelmann und Veesenmayer aus diesem Grund einen planvollen 
Vorschlag zwecks Anlegung von Lebensmitteldepots, N„chtigungslager, usf. 
nicht zur Ausfhrung gelangen haben lassen, in dem sie sich nunmehr selbst in die 
Detailverhandlungen mit Minister Kowacs einlieáen? Personal! Gestrichen/

/517/AE 159
Am 31. Oktober legte der Leiter der Gruppe Inland des Ausw„rtigen Amtes 
Leg.Rat Wagner, dem Reichsauáenminister einen Lagebericht ber die Judenfrage 
in Ungarn vor. In Ungarn habe es etwa 900.000 Juden gegeben. Davon seien bis 
zum 10. Juli 437.402 in die Ostgebiete abtransportiert worden. Nach Einsetzen der 
Regierung Szalasi sollen nun zun„chst 25.000 Juden zum Arbeitseinsatz in das 
Reich gelangen und wegen weiterer 25.000, beabsichtigte Gesandter 
Veesenmayer demn„chst zu verhandeln. (166)

Der zust„ndige Staatssekret„r im Ausw„rtigen Amt, also Ribbentrops engster und 
n„chster Mitarbeiter war jetzt ein Herr von Steengracht. Er wurde vor dem 
Internationalen Milit„r-Gerichtshof in Nrnberg vernommen und dort sagte er u.a. 
folgendes aus:
,Es gab in Deutschland Stellen, die die Judenaktionen durchfhrten und betrieben. 
Diese Organisationen griffen auch in das Ausland ber und schafften von dort 
ohne Wissen des Ausw„rtigen Amtes und ohne sein Zutun die Leute aus dem 
Ausland weg."

/2 « Zeilen gestrichen, unleserlich/ Man k”nnte der Meinung sein, der Schreiber, 
w„re einem Irrtum anheimgefallen. Nein, nein,

/518/AE 160
ich irrte mich nicht. Es stimmt so, wie ich es schrieb und es ist jederzeit in den 
Quellen nachzuschlagen.
Ich hatte einmal vor vielen, vielen Jahren einen Lateinprofessor, der sich auch mit 
mir abmhte. Viel habe ich mir nicht behalten. Aber sicher hatte er Ursache, mir 
mehr als nur einmal folgendes ,geflgeltes Wort" entgegenzuschleudern:
,Sitacuisses philosophus manisisses."
Aber auch dieses hatte ich mir trotz oftmaliger professoraler Anwendung nicht bis 
heute gemerkt, w„re dem lateinischen Zitat nicht jedesmal prompt die sehr 
handgreifliche freie šbersetzung gefolgt:
,H„ttest Du das Maul gehalten, w„rest Du eine Weiser geblieben."
Ein Mehr kann ich zu diesem Steengracht`schen M„rchen nicht sagen. (167)

Veesenmayer unterrichtet das Ausw„rtige Amt, daá gem„á einer Meldung von 
mir an ihn, bis zum Berichtstag rund 27.000 marsch- und arbeitsf„hige Juden, in 
das Reichsgebeit in Marsch gesetzt worden sind. (168)
In Budapest hatte sich inzwischen folgendes zugetragen: nachdem Veesenmayer 
die Fuámarschgenehmigung bei dem

/519/AE 161
ungarischen Staatschef erwirkte und Winkelmann die Einzelheiten mit dem 
Minister Karacs beprochen hatten, wurde festgestellt, daá dieser Fuámarsch in 
Ungarn ausschlieálich durch Pfeilkreuzler, untersttzt von Einheiten der 
Exekutive, durchzufhren sei. Deutsche Untersttzung, deutsche Bewachung und 
deutsche Transportbegleitung wurde auf ungarischem Gebiet, durch die 
ungarischen Beh”rden abgelehnt.
Und in den ersten Tagen scheint man sich im groáen und ganzen auch an die 
Veesenmayer - Winkelmannschen Forderungen gehalten zu haben, mit der 
Ausnahme, daá nicht nur m„nnliche Marschierer, sondern auch Frauen eingereiht 
wurden; dann aber wurde offenbar in Marsch gesetzt, was an Juden gerade 
angetroffen werden konnte.
Da ich, der Schreiber, gerade in diesem Punkte nach 1945 - wie man sehen wird 
sehr zu unrecht - heftigst angegriffen wurde, will ich keine eigenen Worte 
gebrauchen, um die Situation zu schildern, sondern mich hier auf ein Dokument 
berufen und dieses sprechen lassen. Ein Dokument, welches ber jeden Zweifel 
erhaben sein muá, weiá man, welcher Art es ist.
Es handelt sich um ein Protokoll einer Sitzung in der Schwedischen Gesandtschaft 
zu Budapest am 22. Nov. 1944 um 6 Uhr abends.

/520/AE 162
Die Teilnehmer waren: Legationssekret„r Raoul Wallenberg, Bevollm„chtigter 
der schwedischen Gesandtschaft;
N. Krausz, Bevollm„chtigter der Schweizerischen Gesandtschaft;
Dr. K”rner, Bevollm„chtigter der Portugiesischen Gesandtschaft und
Polizeihauptmann Dr. Batiztalvy.

Der Polizeihauptmann, welcher um Diskretion ersuchte, gibt an, daá die an der 
ungarisch-”sterreichischen Grenze ankommenden Juden, dort dem 
Bevollm„chtigten der Deutschen, bergeben werden. Er gibt weiter an, daá 
10.000 Juden auf den Landstraáen verschwunden sind. Geflohen, gestorben, oder 
erschoáen. Nichts oder zu wenig ist vorbereitet worden.
Es folgte dann ein Bericht der Abgesandten der Schweizer Gesandtschaft, Dr. 
Leopold Breszlauer und Ladislaus Kluger, ber ihre Erfahrungen, welche sie 
w„hrend ihrer amtlichen Reise von Budapest, bis zur ”sterreichischen Grenze, 
zwischen dem 23. Und 27. November 1944, gesammelt hatten.
Dem Berict zu folge, sind von den bis zum 22. Nov. deportierten 25.000 Juden, 
10.000 an die Deutschen bergeben worden; 6-7.000 sollen in den n„chsten Tagen 
bergeben werden und weitere 6-7.000 wurden von den

/521/AE 163
Pfeilkreuzlern unterwegs teilweise niedergeschoáen, teilweise sind sie den 
Strapazen erlegen, teilweise krank.
Der ungarische Gendamerieoberstleutnant Ferencsy hat dem Protokoll dieser 
Sitzung zufolge, das Kommando ber den gesamten Fuámarsch.
Die Juden wurden in Budapest von den Straáen und aus den H„usern, durch die 
Polizei, haups„chlich aber durch die Mitglieder der Pfeilkreuzler-Partei 
ausgehoben.
Die Bewachung oblag prinzipiell der Polizei, tats„chlich aber sei die ”ffentliche 
Macht durch die Mitglieder der Pfeilkreuzler-Partei ausgebt worden.
Die Deportierten wurden sodann ohne Rcksicht auf Alter und Geschlecht in 
groáen Gruppen, zu Fuá nach den verschiedensten Richtungen, zumeist aber zur 
ungar.-”sterreichishcne Grenze getrieben.
W„hrend des Marsches begleiteten ungarische Gendarmerie die marschierenden 
Gruppen, unter Kontrolle der Mitglieder der Pfeilkreuzler-Partei.
Die Kommission konnte feststellen, daá die Deutschen an der Grenze die 
šbernahme arbeitsunf„higer, alter oder kranker Personen, wie auch die von 
schwangeren Frauen, verweigerte.
Im allgemeinen, so f„hrt der Bericht fort - haben wir feststellen k”nnen, daá 
diejenigen Juden, die innerhalb des Landes unmittelbar unter deutschem 
Kommando arbeiten

/522/AE 164
ordentlich verk”stigt und anst„ndig behandelt werden; diejenigen Juden hingegen, 
die unter Aufsicht der Mitglieder der Pfeilkreuzler-Partei zu arbeiten haben, in 
grausamster Weise behandelt und sehr schlecht verk”stigt werden.
Von einer Gruppe von 4000 jdischen Arbeitsdienstlern, seien etwa 2.000 
erschoáen worden, die restlichen 2.000 seien zu Fuá an die ungarisch-
”sterreichische Grenze, in schlechter physischer Kondition, sozusagen halbnackt 
ohne Verk”stigung, aber viel Schl„ge, angekommen. Diese Gruppe sei von den 
Deutschen in Deutschland zuerst desinfiziert, saodann eingekleidet und in Arbeit 
gestellt worden.
Die šbergabe und šbernahme der Juden und in Hegyeshalem (ungar.-”sterr. 
Grenze) von Gendarmen verrichtet, denen ungarische Honved behilflich ist.
Der Bericht enet mit der Feststellung der Kommission, daá der Zweck der 
gegenw„rtigen ungarischen Regierung zweilfellos dersei, das ungarische 
Judentum vollst„ndig zu vernichten und laut einer Erkl„rung Szalasi vor dem 
p„pstlichen Nuntius, werden sie nicht um Gnade bitten, aber sie geben auch keine 
Gnade.
Ein abgesandter des Internationalen Roten Kreuzes vervollsta„ndigte das Bild der 
Kommission.
Dr. Leopold Breszlauer und seine Kommisssionskollegen geben in ihrem Bericht 
eine ganze Anzahl von Namen

/523/AE 165
jener Personen an, welche fr die Angelegenheit verantwortlich waren.
Dr. Leopold Berszlauer trat auch als Zeuge der Anklage, in den Prozeá gegen 
mich, in Israel, auf.
Mit keinem Wort erw„hnte der Zeuge meinen Namen im Zusammehang mit 
diesem Fuámarsch.
Und Dr. Breszlauer h„tte es ganz sicher getan, er h„tte es tun máen, h„tte ich 
meine Finger in der Sache gehabt. (169)

Gem„á einer eideststattlichen Erkl„rung, blieb es, dem SS-General Jttner, am 3. 
Mai 1948, in Nrnberg, vorbehalten, hier ein M„rchen aufzutischen:
,Als wir ankamen (Jttner und Becker, der Sonderbevollm„chtigte Himmlers, 
befanden sich auf einer Fahrt nach Budapest) fuhren wir also gleich zum H”heren 
SS- u. Polizeifhrer. Winkelmann sagte mir damals, er w„re in dieser 
Angelegenheit v”llig machtlos. Und er sagte mir, er w„re mir sehr dankbar, wenn 
ich gegen das, was ich gesehen habe, Einspruch erhaben wrde. Ich verlangte nun, 
daá der fr die Ausfhrung des Transportes verantwortliche Mann zu mir geholt 
wird. Mir wurde gesagt, das ist der Obersturmbannfhrer Eichmann. Ich forderte, 
daá er zu mir

/524/AE 166
geholt wrde und zwar wollte ich ihn in Gegenwart des H”heren SS- u. 
Polizeifhrers und Becker`s sprechen. Eichmann war nicht da. Es kam ein 
Vertreter, soviel ich weiá ein Hauptsturmfhrer, den Namen weiá ich nicht mehr."
Er habe ihn nun in scharfen Worten zurechtgewiesen und soforttige Abstellung 
verlangt.
,Mir wurde in einer etwas schnoddrigen Weise von diesem Hauptsturmfhrer 
entgegnet, er befolge auch nur Befehle und ich h„tte ihm gar nicht zu befehlen."
Jttner wollte sich sofort mit Himmler in`s Benehmen setzen, was er angeblich 
dann auch getan haben will.
Hierzu wird der damalige SS- u. Polizeifhrer General Winkelmann im Jahre 
1961 in Deutschland, als Zeuge vernommen. Er best„tigt die Aussage Jttners, 
soweit sie sich auf die Schilderung des Fuámarsches bezieht. Er erinnert sich aber 
nicht, ob der Name Eichmann dabei gefallen ist.
Dem damaligen Aufsichtsratmitglied des durch Becker ,vereinnahmten" 
Manfred-Weiss-Konzernes, General der Waffen SS - Jttner, habe ich nur eines 
zu sagen:
Herr General, Sie scheinen mir nach bestem Wissen, der einzige General in der 
preuáisch-deutschen Milit„rgeschichte

/525/AE 167
zu sein, der sich von einem Hauptmann in schnoddriger Weise erkl„ren l„át, ,Sie 
haben mir gar nichts zu befehlen."
Aber gestatten Sie, daá ich nicht glaube, daá Sie dieser einzige General sind. 
H„tte Ihnen dies um jene Zeit einer meiner Hauptleute wirklich gesagt, dann 
h„tten Sie ihn sofort eingesperrt und einsperren máen. Auáerdem h„tte der 
General Winkelmann, der ja Ihrem Bericht zufolge zugegen war, als der fr 
diesen Hauptmann zust„ndige Gerichtsherr, denselben sofort der SS- und 
Polizeigerichtsbarkeit bergeben, weil er ihn h„tte bergeben máen.
Auf den anderen Unsinn, den Sie in Ihrer eidesstattlichen Erkl„rung zum Besten 
geben, kann ich - da ich in einem israelischen Gef„ngnis sitze - nichts anderes 
angeben, als Ihnen empfehlen, studieren Sie den Bericht, besser gesagt, das 
Protokoll der schwedischen, schweizerischen, portugisischen und spanischen 
Gesandtschaften vom 22.Nov. 1944, ber den Fuámarsch, ferner die 
Berichterstattung des deutschen Gesandten und Reichsbevollm„chtigten SS-
Gruppenfhrer der Veesenmayer an das Ausw„rtige Amt und fragen Sie sich bei 
Herrn General Winkelmann an, wie das damals mit seinen

/526, 527/AE 168
Verhandlungen bezglich der Einzelheiten des Marsches mit dem ungarischen 
Minister Karacs war.
Mehr wnsche ich mit Ihnen nicht zu tun zu haben, als das ich Ihnen nur noch 
dieses sage: Sch„men Sie sich Herr General; (170) Sie werden schon wissen 
worber. -
- , -
H„tte der letzte ungarische Innenminister Vajna Gabor das 
Gesandtschaftsprotokoll der Vertretung der neutralen M„chte in Budapest 
gekannt, dazu die Veesenmayersche Berichterstattung nach Berlin, dann h„tte er 
sicher in seiner Erkl„rung vom 28. August 1945, vor einer alliierten Stelle nicht 
geschrieben: ,In Budapest wollte Eichmann auch die Frauen, Kindern und alte 
M„nner deportieren, wogegen ich mich wiederholt einsetzte. Zum Schluá hat er 
erkl„rt: dann bernehmen die Deutschen die Abtransportierung der Juden." (171)
Die Geschichte hat diese Herren inzwischen zu jenen gestempelt, zu denen man 
vulg„rerweise zu sagen pflegt: Lgner.
In Weiterfhrung der Judenevakuierung aus Budapest ist grunds„tzliche 
Žnderung eingetreten. So telegraphiert der deutsche Gesandte aus Budapest nach 
Berlin. Szalisi hat angeordnet, daá der Abtransport nicht mehr im Fuátreck, 
sondern durch Transportmittel stattzufinden habe. Was praktisch, infolge Fehlens 
solcher, Einstellung des Abtransportes gleichk„me.
Und noch am 23. Nov. 1944 unterrichtete Veesenmayer den Reichsauáenminister, 
daá er heute Szalasi weisungsgem„á ;itteilung gemacht habe und dieser gewillt 
ist, trotz der technischen Schwierigkeiten, die Evakuierung der Budapester Juden
/Unterschriftkrzel/

/528/AE 169
energisch voranzutreiben. Und er wrde dafr sorgen, daá durch laufende 
Ausk„mmung, dem Wunsche des Herrn Reichsauáenministers weitgehen 
Rechnung getragen wrde. (172)

Der ehemalige Legationsrat Dr.Grell, zeitweilig der deutschen Gesandtschaft in 
Budapest zugeteilt, hatte als einziger den Mut, anl„álich seiner Zeugenvernahme 
im Jahre 1961, in Deutschland, freiweg von der Leber zu erkl„ren, jawohl, in 
Nrnberg wurde auf diejenigen, welche tot oder nicht gefangen waren, abgew„lzt. 
-
Dies war einmal in jenen Zeiten, infolge Mangel an Dokumenten m”glich, und 
zum anderen, warum sollte solches ein untergeordneter Befehlsempf„nger auch 
nicht tun, wenn es seinem Plane entspricht.
Bei einem kommandierenden General jedoch, bei einem Staatssekrat„r, bei 
Reichsbevollm„chtigten und dererlei hochgestellten Pers”nlichkeiten mehr, 
welche ja damals, in der Zeit des Geschehens befahlen, iniziierten und planten, ist 
eine solche Haltung meines Erachtens nur als schamlos zu bezeichnen.
Heute stehen, dank der Forschert„tigkeit der letzten anderthalb Jahrzehnte bereits 
solch eine gewaltige Flle an einwandfreien Dokumenten zur Verfgung, daá ein 
,Abw„lzen" in keinem Falle mehr

/529, 530/AE 170
m”glich ist. Sie bilden das Fundament fr knftige Geschichtsforscher, und diese 
werden eines Tages, jenseits aller Leidenschaften und Subjektivit„tsverhaftungen, 
jenseits aller politischen und propagandistischen Interessenbrcksichtigungen, ein 
objektives Bild des Geschehens geben.
Ich darf von mir sagen, daá ich der Meinung bin, mich als Angeklagter, w„hrend 
des Prozesses gegen mich in Israel, bemht zu haben eine halbwegs objektive 
Einstellung zu den Dingen zu zeigen, wenngleich es fr einen Angeklagten sehr 
schwer ist, das Wort objektiv berhaupt nur in den Mund zu nehmen.
Dort wo ich micht selbst belasten muáte, weil ich nun einmal die entsprechenden 
Befehle bezog, tat ich dies, ohne zu wanken oder zu zaudern. Aber dort, wo 
Unwahrheit, Feigheit ehemaliger Vorgesetzter, oder irgendwelche Interessen 
mancher Publizisten w„hrend der lezten 1 « Jahrzehnte, ihren geistigen Unrat auf 
mich abluden habe ich dagegen Stellung genommen und solches auch zum 
Ausdruck gebracht. Meine besten Verteidiger hierbei waren die Dokumente, 
soferne ich sie als einwandfrei und echt befand; und dies waren, von einigen 
Ausnahmen abgesehen, die sich in den Nachkriegsjahren auf dunkle Art und 
Weise zwischen den echten Papieren gemengt haben m”gen, die weitaus 
berwiegende Mehrzahl, kurz: fast alle.
Bei der Darstellung der Linienfhrung in der T„tigkeit der Judenverfolgung, habe 
ich mich hauptsachlich auf Kerndokumente gesttzt. Der Schwerpunkt

/531, 532/AE 171
Der Verantwortlichen hat sich dabei ganz von selbst herauskristallisiert und durch 
meine Bezugnahme auf das jeweilige Dokument habe ich die M”glichkeit 
gegeben, ohne Mhe, meine Zeilen einer Nachprfung in sachlicher Hinsicht 
unterziehen zu k”nnen.
Zw”lf L„nder habe ich in diesem Block behandelt; daá, was mir damals, das von 
uns besetzte oder beeinfluáte Ausland nannten. Und der Leser hat gesehen, daá 
der ehemalige Reichauáenminister Joachim von Ribbentrop und seine Gehilfen 
eifernd bestrebt waren, ihre Zust„ndigkeiten zu verteidigen. Sie lieáen keinen 
unkontrollierten Einbruch des Reichsfhrers SS und Chef der Deutschen Polizei, 
in der Linienfhrung der Behandlung des Problems, in ihren Dokumenten zu.
- ,  -
Ich habe den Totentanz der G”tzen gezeigt. Jener G”tzen, denen auch ich diente. 
Von ganz geringen Ausnahmen abgesehen, tanzten sie ina allen L„ndern Europas; 
/Zeile gestrichen/ Es sei ferne von mir, diese hektische Katastrophenpolitik auch  
nun mit einem Strich zu verteidigen; denn hier gibt es kein Verteidigen mehr, hier 
gibt es nur ein Eingestehen. Obzwar es auch hier die Wiirkung der Ursache war. 
Nationalistischer Superegoismus der Siegerm„chte nach dem ersten Weltkrieg. 
Jener Egoismus, der zu Versailes fhrte, jener Egoismus, den Wirtschaftsneid und 
Konkurrenzfurcht, gebar. Der da weder seinsehen wollte noch konnte, daá runde 
ziehen sie Millionen Deutsche auch haben wollen. Ohne diesen Tatsachen w„re 
der Nationalsozialismus nie geboren wor Ja, der Nationalsozielaismus, jenes in 
Wahrheit gr”áte Unheil der V”lker.
-
Ich ? von Jugend auf einen mir innewohnenden Drang zur Freiheit des Geistes, 
zur Freiheit der Pers”nlichkeit, den ich erziehungsbedingt mit mir herumtrug.

/533/AE 172
Das Wort, ,wo es St„rkere gibt nimmer auf der Seite der Schw„cheren", wurde 
mir von meinem Vater oft und oft gepredigt. Durch eben dieselbe Erziehung, hatte 
ich mich an eine einfgung in eine „uáere Ordnung ebenso frhzeitig zu 
gew”hnen gehabt.
Diese anerzogenen Werte waren es, welche mich sp„ter mit Macht und Zwang an 
die Seite derer trieb, die da, als Minorit„t noch, und verspottet und verlacht, ihrem 
Freiheitsdrang im Kampfe gegen das Schanddiktat von Versailles breiten Raum 
gaben und dagegen in Wort und Schrift zu Felde zogen.
Und auf diesem Wege ward ich, ohne es bewuát recht eigentlich gewahr zu 
werden, einer Wiilensbeherrschenden ? unterworfen, an die ich dann letztlich 
durch das bindende Mittel des Eides gebunden wurde.
Und ich wurde zum Diener der G„tzen, behangen mit dem Lametta und 
Schulterstcken und den Orden und Ehrenzeichen fr die man mich wrdig hielt. 
Es klingt wie ein Witz, / 1 « Zeilen gestrichen, unleserlich/ daá just jene, die 
mich dergestalt zur Damaligen Zeit mit diesen Dingen behangen und ie mit 
meinen Weg aus dem Zentralen Dients an diese G”tzen verbauten und 
verwehrten, selbst in ihrren Zeugenaussagen vom Jahre 1961 noch, in ihrer Furcht 
und Sorge

/534, 535/AE 173
keinen anderen Weg glaubten gehen zu k”nnen, als den der Verh”nung meiner 
Person, ihres ehemaligen Untergeordneten - und als den der Unwahrheit, in der 
t”rriesten Meinung, man wrde ihnen glauben; in der eitlen Hoffnung, soe 
k”nnten ihren K”rper und dazu ihre Seele, retten. (173)
Und wieder muá ich mich t”rricht schelten, ob meiner bergroáen Dummheit, und 
Unzul„nglichkeit, daá ich mich einstens von der fixen Idee umfangen lassen 
gehalten hatte, diesen G”tzen mit samt ihren Unterg”tzen, in Pflicht und Treue zu 
dienen. Und gl„ubig ihre Reden von Gehorsam und vom ,Dienen am Reich", in 
mir aufnahm.
/4 « Zeilen gestrichen, unleserlich/
Es lebt wohl keiner mehr, dessen eigene Augen das potenzierte Grauen, das 
infernalische, apokalyptische Gewitter in jener Umfassenheit sah, wie solches zu 
sehen, mir bestimmt ward.
Niemand kann es mir daher verbieten, den Finger der Warnung zu recken.
Denn der G„tzen Zungen sind geschmeidig und ihre Worte verlockend.
/Und indem ich meine S”hne warne, vor solchen und „hnlichen 
,Goldverschnrten" Gehorsamspredigern mit ihren salbadernden Phrasen von 
Nationalismus, von Heiligem Krieg, und was dererlei wohlt”srende Worte mehr 
sein m”gen, warne ich - auf Grund meiner gemachten Erfahrungen - die gesamte 
Jugend, die heute und morgen, vor diesen tanzenden G”tzen.
Es Lebt wohl keiner mehr, dessen eigene Augen das potnezierte Grauen, das 
infernalische apokalyptische Gewitter, in jener Umfassenheit sehen, wie mir es 
bestimmt ward.
Daher mag es die Jugend mir glauben, daá meine Warnungsworte von erheblichen 
Gewichte sind, und aus jener Sorge

/536/AE 174
entspringen, 3 Zeilen unleserlich wieder einmal zu Dienern an „hnlichem 
G”tzentotentanze werden.
5 « Zeilen unleserlich - gestrichen/

/536/AE 174
- 14 -
Ich rckte genau am 24. Dezember 1944 um « 4 Uhr nachmittags, gem„á dem 
Befehl, den ich erhielt von budapest ab. šber beinhart gefrorene Straáen und 
Feldern vorbei an zerschossenen und ? Tieffliegern zerhackten Deutschen und 
ungarischen Milit„reinheiten, der ungarisch-”sterreichischen Grenze zu. Nach 
dem Neujahrstag meldete ich mich bei meinem Vorgesetzten in Berlin, dem 
Generalleutnant der Polizei Mller, zurck. Berlin war um jene Zeit ein 
Hexenkesse. Schier Tag und Nacht luden anglo-amerikanische Bomber ihren 
Segen auf des H„usermeer ab. Es stank nach Qualm und Moder, nach 
verbranntem Fleisch und verwesenden Leichen.
An eine geregelte Beh”rdenarbeit war nicht mehr zu denken. Auch ich richtete 
mich mit meinen M„nnern zur Verteidigung ein, denn die gegneischen 
Panzerarmeen drckten auf Berlin. Das Ruienenfeld

/537/AE 175
rings um meine Dienststelle bot fr Panzerfallen und Schtzennester, gutes 
Geb„ude. Ich wurde in den Verteidigungssektro ,Wehrkanal" eingebaut. Die 
Waffenbest„nde wurden aufgefllt, Munition eingelagert und Eiserne-Ration 
deponiert. Ein Befehl jagte den anderen; eine Parole die andere. In dieser Zeit 
teilte mit Mller mit, daá ich mich bei Himmler zu melden h„tte. Ich fuhr in seine 
Feldkommandostele; ein kleines Schloá, welches Friedrich der Groáe einstens  
seinem Reitergeneral von Ziethen schenkte.
Hier sagte er mir, daá wir zwar ,Haare lassen m„áten", aber im groáen und 
ganzen einen besseren Frieden als den ,Hubertusburger" bek„men. Himmler hatte 
sich in jenen Zeiten ganz und gar in die Sorgen- und Vorstellungswelt des ,Alten 
Fritzen" geflchtet. Und hatte jenen der Tod der Zarin vor der Vernichtung 
gerettet, so hoffte wohl Himmler auf eine „hnliche Schicksalsfgung, den 
gegebenen Zeitumst„nden entsprechend. šber siene Mittelm„nner hatte er seine 
F„hler bezglich allf„lliger Kriegsbeendigungsm”glichkeiten ausgestreckt.
Und seine Konzeptionslosigkeit gipfelt in der Tatsache, daá er mir befahl, 100 bis 
200 prominente Juden aus Theresienstadt nach Tirol, welches in der geplanten 
,Alpenfestung" mit eingeschlossen war, zu verlegen; er wollte sie dort als Geiseln 
halten, und ben”tigte diese mit - 

/538/AE 176
als ,Sicherheitsko‰ffizienten" im Hinblick auf seine geplanten Verhandlungen mit 
Eisenhower.
Wenn ich dies so recht bedenke, dann muá ich mich heute fragen, ob er mir dieses 
wirklich befahl, oder ob ich es mir nur einbilde. So kindisch und bar jedweder 
Realit„t, inhaltslos, planlos, ja dumm scheint es mir, daá der Chef der Deutschen 
Polizei, der Oberbefehlshaber der SS, mir solches befohlen haben k”nnte; ,mich 
als Sicherheitsgarant fr seine Verhandlungen mit Eisenhover".
Freilich, nur Schellenberg, der damalige Nachrichtenchef des 
Reichssicherheitshauptamtes, mag alle seine diesbezglichen ,Trmpfe" gekannt 
haben.
Aber ich muá den Befehl ganz zweifelsfrei erhalten haben, denn ich fuhr im 
anschluá daran ja ber Prag - Linz - nach Innsbruck.
In Linz erz„hlte ich meinem Vater vom ,Hubertusfrieden"; mir glaubte er, daá 
Himmler es mir gesagt hatte; aber Himmler glaubte er keinen Buchstaben das 
langen Wortes.
In Bixlegg erlebte ich einen ziemlich knalligen Bombenangriff. Es war der 17. 
April 1945, denn just in dem Augenblick, als ich im Orte war, rauschte der 
Bombensegen der ersten Angriffswelle herunter. Der Angriff galt dem dortigen 
Schwerwasserwerk, wie man

/539, 540/AE 177
mir sp„ter erz„hlte. Der Ort wurde so ziemlich ,zur Sau gemacht". Ich hatte mich 
an einen Toreingang zu einem Garten gelegt mir die Nase in die Erde gesteckt, da 
die herumzischenden Bombensplitter zu solch einer Praxis zwangen.
Nachdem einige Wellen ihre Last abgeworfen hatten, wurde es mir zu dumm und 
da mein Wagen, wie durch ein Wunder noch fahrbereit war, haute ich ab.
/Nachdem einige Wellen ihre Last abgeladen hatten, wurde es mir zu dumm und 
da mein Wagen wie durch ein Wunder nach fahrbereit war, haute ich ab; denn ich 
hatte mich inzwischen an einen Toreingang zu einem Garten gelegt, die Nase in 
die Erde gesteckt, da die herumzischenden Bombensplitter zu einer solchen Praxis 
zwangen. Durchgestrichen/
Als ich auf meiner Rckfahrt wieder durch Linz kam, hatte auch diese Stadt 
inzwischen einen Angriff abbekommen. Und in Prag sagte mir der Staatssekret„r 
K. H. Frank - einen anderen Polizeibefehlshaber traf ich nicht mehr an, sie hatten 
ihre Dienststelle verlassen und offenbar andere Stellungen bezogen, daá ich nach 
Berlin nicht mehr durch k”nne, der Ruáe sei ,durchgestoáen".
Ich erfuhr, daá Kaltenbrunner in Altausse war und bekam Befehl, mich bei ihm zu 
melden. Der Himmler-Befehl kam nicht mehr zur Ausfhrung
Im Aussseer-Land angekommen sollte ich im Gebirg in Partisanenkampf machen. 
Waffen und Munition waren ja in gengender Menge vorhanden. Aber 
Kaltenbrunner gab mir nach wenigen Tagen Befehl, auf Engl„nder und 
Amerikaner nicht zu schieáen. Einen groáen Teil der

/541/AE 178
M„nner, welche man mir an den Hals hing, hatte ich schon vorher entlassen, da 
sie fr das Gebirge untauglich waren. Nachdem aber ringsum nur Nordamerikaner 
waren, konnte ich gem„á dem erhaltenen Befehl, den ich quittieren muáte, nichts 
anderes machen, als das Partisanenkommando aufzul”sen. Ich begab mich mit 
meinem Adjudanten auf die Reise; wir wollten das Hannover`sche erreichen, aber 
da hatte ich Pech. Ich fiel in amerikanische Gefangenschaft, aus der ich mich dann 
erst Anfang Januar 1946 selbst entlieá; das heiát mit Genehmigung meiner 
gefangenen Offizierskameraden, trmte ich. Es war ein SS-Gefangenlager, in dem 
etwa 300 Angeh”rige aus vielen Divisionen stammend, gefangen gehalten 
wurden. Als SS-Leutnant ,Eckermann" wurde ich dort verh”rt und karteim„áig 
erfasst.
Ich war so dann als Waldarbeiter in der Forstverwaltung Miele im Kreis Celle bei 
Hannover t„tig, als selbst„ndiger Holzh„ndler und zuletzt als Hhnerzchter. Hier 
nannte ich mich Otto Henninger, aus Breslau gebrtig.
In den Maitagen des Jahres 1950 trat ich abermals die Reise an und gedachte ber 
Sdamerika nach Ostasien zu fahren. Nach mancherlei Schwierigkeiten - ich 
beschrieb meine Nachkriegserlebnisse an anderer Stelle detaillierter - gelangte ich 
nach

/452, 453/AE 179
Argentinien. Da verblieb ich denn auch. Nach zweij„hrigen Dortsein lieá ich 
meine Familie, welche ich Altaussee lebte, nachkommen.
Zehn Jahre war ich in diesem sch”nen Land. W„hrend der meisten Zeit als 
technischer Angestellter, zuletzt bei der ,Merzedes-Benz-Argentina" t„tig. 
Zwischendurch fhrte ich die einem entfernten Verwandten meiner Frau, 
geh”rende Granja, ein landwirtschaftlicher Betrieb, als Administrator. Im Norden 
Argentiniens, in der Einsamkeit des urweltlichen Aconquija-Massivs, einem 
gewaltigen Gebirgsblock, dessen mehrere Spitzen bis auf fnftausendfnfhundert 
Meter ragen, ging ich meiner Arbeit nach. Ich hatte dort hydrologische Studien zu 
betreiben und bis auf fnftausendzweihundert Meter H”he hatte ich wiederholt 
dienstlich zu tun. In eintausendsechshundert Meter, in Rio Potreso, an der Grenze 
von Tueum„n und Catamarca, lebte meine Familie.
Je h”her wir steigen, umso weiter wird unser sonst so begrenzter Blick. Und in 
dem Schweigen der Pampa, konnte ich dann das mit meinem inneren Blick 
Geschaute, verarbeiten.
Am 11. Mai 1960 fuhr ich wie t„glich von Hause fort, zu meiner Tagesarbeit. 
Zurck kam ich freilich nicht mehr, denn ein israelisches Kommando hatte mich 
bei meiner Rckkehr von meiner Arbeitsstelle gestellt, Widerstandsunf„hig 
gemachte und auf eine Quinta, welche an der Nordstrecke lag, gebracht. Von dort 
aus wurde ich, ohne daá ich Widerstand leisten konnte, mit einer Viermotorigen 
Maschine von Argentinien herausgeflogen und nach Israel gebracht.
/7 « Zeilen gestrichen, unleserlich/
Natrlich war es fr mich nicht gerade

/544/AE 180
angenehm; so etwas ist fr den Betroffenen nie ein Honiglecken, dies ist klar, aber 
ich wurde korrekt und anst”ndig behandelt. Ich hatte mir auf alle F„lle das 
Gegenteilige vorgestellt.
Am 11. April 1961 fing der Prozess gegen mich an.
Es ist Mitte August und die Pl„doyers der Anklage und Verteidigung gehen dem 
Ende entgegen.

Die Anklageschrift gegen mich beinhaltet 15 Anklagepunkte.
In vier Punkten bin ich des Verbrechens gegen das jdische Volk, eine Straftat 
gem„á Abschnitt 1(a) (1) des Nazi und Nazihelfer (Bestrafungs-)Gesetz 5710-
1950 und Absatz 23 der Criminal Code Ordinance 1936, angeklagt;
In sieben Punkten, des Verbrechens gegen die Menschlichkeit, eine Straftat 
gem„á Abschnitt 1(a) (2) des Nazi und Nazihelfer (Bestrafungs-)Gesetz 5710-
1950 und Aabschnitt 23 der Criminal Code Ordinance 1936;
In einem Punkt, des Kriegsverbrechens, eine Straftat gem„á Abschnitt 1(a) (3) des 
Nazi und Nazihelfer (Bestrafungs-)Gesetz 5710-1950 und Abschnitt 23 der 
Criminal Code Ordinance 1936;

/545/AE 181
sowie in drei Punkten, wegen Mitgliedschaft in einer feindlichen Organisation, 
eine Straftat gem„á Abschnitt 3(a) des Nazi und Nazihelfer (Bestrafungs-)Gesetz 
5710-1950.

Auf die Frage des Gerichtspr„sidenten, ob ich mich im Sinne der Anklage 
schuldig bekenne, habe ich zu allen 15 Punkten erkl„rt: ,nein, im Sinne der 
Anklage nicht."

Und die Frage meines Verteidigers, ob es stimme, daá ich eine Erkl„rung 
unterschrieben h„tte, mich freiwillig vor einem israelischen Gericht zu 
verantworten, habe ich mit ,ja" beantwortet.
Die n„chste Frage meines Verteidigers, ob ich diese Erkl„rung freiwillig 
abgegeben h„tte, beantwortete ich mit ,nein".

Bis zum 6. Juli dauerte die Verlesung der Anklage und das H”ren der 
Anklagezeugen; sowie die Verteidigung.
Vom 7. Bis zum 24. Juli stand ich im Kreuzverh”r des Generalstaatsanwaltes Dr. 
Hausner.
Mein Verteidiger Dr. Servatius sagte mir, daá es das l„ngste Kreuzverh”r in der 
Geschichte der Juristik gewesen sei.
Und ich ahbe gelegentlich des Kreuzverh”rs meine Befriedigung zum Ausdruck 
gebracht, daá es einmal so

/546/AE 182
lange und grndlich war und das mir Gelegenheit zur freien und offenen Rede 
gegeben wurde, da dies meine bisher einzige M”glichkeit gewesen sei, vor aller 
™ffentlichkeit, dem in langen 1 « Jahrzehnten auf meine Person abgeladenen 
Unwahrheiten - durch die Praktiken der Zeugen in den Nachkriegsjahren vor den 
alliierten Milit„rgerichten und durch eine gewisse Publiuistik entgegentreten zu 
k”nnen.

Daá, wozu sich damals glaubte verpflichtet sein zu másen, gem„á den mir 
erteilten Befehlen zu machen, habe ich zugegeben, alle anderen Beschuldigungen 
habe ich von mir gewiesen.

Auf die Frage meines Verteidigers bezglich meines Schuldigkeitsgefhls habe 
ich im Gerichtshof folgendes gesagt:

/547/AE 183
,Es ist heute eine der schwersten Fragen, die Frage ber das Schuldgefhl; und 
ich glaube, daá ich bei der Beantwortung hier wohl einen Unterschied, zwischen 
einer rechtlichen Betrachtung und der Beleuchtung von der Seite der 
menschlichen Schuld heraus, machen muá.
Erstens:
Bei den mir vorgeworfenen Taten, handelt es sich um die Mitwirkung bei der 
Deportation.

Da dieses damals eine politische Anordnung war, bin ich des Glaubens, daá 
Schuld im rechtlichen Sinne, hier doch nur derjenige empfinden kann, der die 
Verantwortung fr die politische Entscheidung tr„gt; denn:
Wo keine Verantwortung, da ist auch keine Schuld.
Und das Ergebnis meines Nachdenkens ist daher, daá hier die Verantwortung im 
Rechtssinne zu prfen sei.

Solange das menschliche Zusammenleben in politischer Hinsicht, noch keiner 
globalen L”sung entgegengefhrt ist, solange ist Befehl und Gehorsam die 
Grundlage jeder staatlichen Ordnung.

Kein Staatswesen kann im Ernstfall auf Spione und Verr„ter aufgebaut werden.

/548/AE 184
Zur h”heren Sicherheit, bedient sich die Staatsfhrung eines bindenden Mittels. 
Des Eides.

Die Verantwortung aber, das Gewissen, muá die Staatsspitze haben.
Und es wurde uns ja dauernd gepredigt, in Wort und in Schrift: ,Vertrauen zur 
Fhrung".

Bei einer guten Staatsfhrung hat der Untergebene, der Befehlsempf„nger, Glck;
Bei einer schlechten Unglck.
- , -
Ich hatte kein Glck.
Denn:
Das damalige Staatsoberhaupt gab den Befehl zur Vernichtung der Juden. 
Und:
Meine Mitwirkung an der Deportation ergab sich aus der Tatsache, daá der 
damalige ,H”here Gerichtsherr" der SS- u. Polizeigerichtsbarkeit, der ich 
unterstand, Himmler,
Die Deportationsbefehle an meinem Gerichtsherren, dem C.d.S.u.d.SD, gab.

Dieser beauftragte mit der Durchfhrung meinen unmittelbaren Vorgesetzten, den 
SS-Gruppenf. und Gen.ltnt. der Polizei, Mller.

/549/AE 185
Von ihm erhielt ich sodann die Befehle, soweit ich zufolge des 
Gesch„ftsverteilungsplanes meines Referates, dafr zust„ndig war.

Die Strafordnung der SS- u. Pol. Gerichtsbarkeit besagt, daá suf Ungehorsam der 
Tod stehe;
Die Verschluásachenanweisungen, die Geheimhaltungsvorschriften staatswichtige 
Sachen betreffend, hatten ihre Zuchthaus- u. Todesstrafeprpgraphen.

Ich hatte von mir aus, alle legalen M”glichkeiten ausgesch”pft, um eine andere 
Dienstverordnung zu erhalten; ja, meine Versetzung vom SD zum Geheimen 
Staatspolizeiamt im Herbst 1939, erfolgte gegen meinen Willen, gem„á 
erhaltenem Befehl.
Ich hatte zu gehorchen.
Ich war Uniformtr„ger.
Es war Kriegszeit. -

Ja, selbst als das Jahr 1950 herankam, und ich mich mit dem Gedanken trug, aus 
Deutschland nach šbersee zu fahren, habe ich dieses nicht wegen eines 
Schuldgefhles im Sinne der Rechtssprechung getan, sondern wegen der 
politischen Lage und aus famili„ren Grnden.

/550/AE 186
Meine Stellung ist die gleiche, wie die von Millionen anderen, die zu gehorchen 
hatten.
Der Unterschied ist nur der, daá ich einen viel schwereren Auftrag hatte, den ich 
befehlsgem„á durchzufhren hatte.
- , -
Alle Beteiligten, die behaupten, man h„tte sich mhelos, bzw. ohne groáe Gefahr, 
der Erfllung eines Befehls entziehen k”nnen, geben keine Einzelheiten fr ihren 
eignen Fall an.
Man sagt, die M”glichkeit besteht immer, sich zu drcken und eine Krankheit 
vorzuschtzen.
Ein General hat hier groáe M”glichkeien. Ein Untergebener hat solche 
M”glichkeiten nicht.
Denn: wenn festgestellt wird, daá die Krankheit ein Vorwand ist, wird das seine 
Folgen haben.
Auáerdem steht solches Tun, gegen den Fahneneid.
- , -
Himmler sagt beispielsweise in der Posener-Rede auch nur bezglich der SS-
Gener„le, daá sie versetzt werden k”nnen, wenn sie sich nicht f„hig fhlen. Aber: 
wenn der Befehl aufrecht erhalten wird, ist er zu befolgen.

/551/AE 187
Ein Mann in einer kleineren Stellung kann sich nicht entziehen;
Besonders nicht, wenn er h”chster Geheimnistr„ger ist.
Er konnte sich selbst erschieáen dies ist wahr.-
- , -
Diejenigen, die davon sprechen, man h„tte sich der Ausfhrung der Befehle 
widersetzen k”nnen, erkl„en selbst meist, sie h„tten von Vernichtungen von 
Menschen nichts gewuát.
Waren also keine Geheimnistr„ger.

Die SS- u. Pol. Gerichte legten an die unteren Stellen einen sehr scharfen Maástab 
an, und wrden bei offener Befehlsverweigerung ein entsprechendes Urteil 
erlassen haben máen. -

Zweitens:
Die Schuld im ethischen Sinne, ein Schuldbekenntnis vor seinem inneren ,Ich", 
dies ist eine ganz andere Sache.

Sie liegt in Regionen, welche den Paragraphen einer Rechtsordnung entrckt ist.

/552/AE 188
Hier hat jeder mit sich selbst zu rechten und zu richten.

Ich tat es fr meine Person, und tue es noch.
- . -
Abschlieáend verbleibt mir die Feststellung und das Bekenntnis:
,Ich bedaure und verurteile die von der damaligen deutschen Staatsfhrung 
angeordneten Vernichtungst„tigkeit gegen die Juden."

Ich selbst aber vermochte auch nicht ber meinen eigenen schatten zu springen;
Ich war lediglich ein Werkzeug, in der Hand st„rkerer Kr„fte,
Und eines unerfindlichen Schicksals."
/Unerschriftkrzel 6-7-61
(zum Ende der Verteidigung) gestrichen/
Diese Erkl„rung gab ich am Ende der Verteidigung ab, ehvor das Kreuzverh”r 
seinen Anfang nahm.

/553/AE 189
- 15 -
Und indem ich selbst mit mir zu Gericht sitze, sagen mit viele innere Stimmen 
vieles.- H„tte ich meine Gesch„fte niederlegen k”nnen? H„tte ich mich einfach 
weigern k”nnen, weiter zu arbeiten?
W„re dieses Meuterei gewesen?
Was heiát aber Meuterei gegen Mord?
Meuterei steht gegen Fahnen und Diensteid!
Was ist staatlich befohlener Mord und was ist der Eid?
Geh”rt das Halten des Eides noch zu dem Bereich ethischer Werte? Zur Einheit 
der Ethik?
Geh”rt es wenigstens noch zum Rande der Moral?
Was ist sschon Moral?
Daá Moral ein Teil der ethischen Werte sei, kann ich nicht mehr glauben!
Es sei denn, der Eid w„re eine N”tigung; eine Verpflichtung, gegebenenfalls zum 
Hehler des Staates zu werden.

Da scheint also etwas nicht in Ordnung zu sein. Denn die meisten Staaten egal, 
welcher Staatsform verformten und verformen in ihrer zu Kriegszeiten an den Tag 
gelegten Tyrannis, das logische Denken der Geister.
Sie verlangen von ihren Befehlsempf„ngern im Namen der Heiligkeit des Eides, 
die Zuerkennung ethischer Wertungseinstufung fr Heldenmut, Opferbereitschaft, 
Gehorsam und Disziplin.
Und auf Grund dieses Verlangens befehlen sie Mord, Tod und Vernichtung.

/554/AE 190
Darberhinaus ermuntert der Staat im Kriege mittels einer bereitgehaltenen Serie 
von Auszeichnungen, seine Befehlsempf„nger zur Verbung der vom ihm 
befohlenen Verbrechen. Er benebelt die Gehirne seiner Befehlsempf„nger mit 
Kreuzzugsphrasen, Befreiungsparolen, Hingabe und Verteidigungsbereitschaft.
Die Mordwerkzeuge werden auf beiden Seiten unter Anrufung st„rkerer Kr„fte 
und M„chte gesegnet, denn jede Seite verbt seine Verbrechen fr eine 
sogenannte ,gerechte" Sache.
Und solange werden alle ethischen Wertgefhle sophierend seziert, bis sie in jene 
Moralstufen eingezw„ngt werden k”nnen, dennen der Staat dann sein Sanktum 
verleihen kann.
Durch solche Umwertung vereist die Staatsfhrung nun auch den Geist und den 
Willen seiner Befehlsempf„nger, nachdem er dessen Handlungsfreiheit l„ngst 
paralysiert hat.

Da scheint also wirklich etwas nicht in Ordnung zu sein.

Was also ist Wahrheit und was ist Recht?

Eugen Kogan schreibt in seinem buch ,Der SS-Staat": ,Was aber erst die zw”lf 
bis vierzehn Millionen Vertriebenen zu erz„hlen wuáten, die in den 
osteurop„ischen L„ndern vielfach auf die barbarischste Weise ,ausgesiedelt" und 
in plombierten Waggons, in

/555/AE 191
Elendszgen, einzeln, gruppen- und herdenweise nach Deutschland getrieben 
wurden! Man mache einer Mutter, die ihre Kinder verloren hat, einem Mann, dem 
die Frau gesch„ndet wurde, Halbwchsigen, deren Eltern man prgelte, allen, die 
Tod und Grausamkeit nun am eigenen Leibe erlebten klar, daá dies - in einer 
proklamierten besseren Welt - eben nichts als die traurigen Folgen vorher 
begangenen Massenunrechtes seien, die ohne Unterschied Schuldige und 
Unschuldige treffen. Und man verdeutliche einem Volke, es sei weder Heuchelei 
noch Feigheit, wenn den Erkl„rungen von Jalta und Potsdam, daá die 
,Umsiedlungen" ,ordnungsgem„á" erfolgen sollten, nicht Nachdruck verliehen 
wurde. Mehr Millionen haben auch die Nationalsozialisten nicht durch Osteuropa 
gezerrt." (174)

Und wenn ich noch die Worte Hiroshima, Nagasaki und Dresden hinzufge und 
die L„nder Korea, Indochina, Žgypten und Algerien erw„hne, dann habe ich dazu 
weiter nichts mehr zu sagen; h”chstens noch dieses: auf der Moskauer 
Auáenministerkonferenz am 20. Oktober 1943 wurde die Eintschlossenheit 
kundgetan, die Kriegsverbrecher zu bestrafen.

Alliierterseits aber wurde kein einziger Befehlsempf„nger wegen der Ausfhrung 
erhaltener Befehle vor Gericht gestellt und bestraft. Von den

/556/AE 192
Befehlsempf„ngern, ebenfalls ganz zu schweigen.
Zweierlei Maá!
Zweierlei Recht!
Nationalistischer Egoismus allenthalben; hben und drben. Ende des II. Teiles
Adolf Eichmann /Unterschrift/
6-9-61

/557/AE 1
Quellen zum Teil II.
Frankreich
(1) Dok. 440, (T 385)
(2) Dok. 229, (N 36)
(3) Dok. 955 (T 387)
(4) Dok. 86
(5) Dok. 309 (N 37)
(6) Dok. 445
(7) Dok. 1071
(8) Dok. 441 (N 39)
(9) Poliakov ,Rot" Seite 118 - 121, Dok. V-3, 15, 16.
(10) Dok 1209

/558/AE 2
(11) Dok. 333
(12) Dok. 694 (T 401)
(13) Dok. 54
(14) Dok. 113
(15) Dok. 54
(16) Dok. 485, 486, 1166, 459
(17) Dok. 1211 (T 411)
(18) Dok. 177  (T 402)
(19) Dok. Prozess VI (IG-Farben) NI 500
(20) Dok. Prozess IV, Ahnhift S. 8080

/559/AE 3
(21) Dok. 585 (T 419)
(22) Dok. 58, 59
(23) Dok. 699
(24) Dok. 64 (T 438), 65 (T 439)
(25) Dok 142 (T 451) 1348 (T 1028)
(26) Dok. 1164 (T 467)
(27) Dok. 1260
(28) Dok. Poliakov ,Rot" S. 87, Dok. P5 3688
(29) Dok. 270 (T 456)
(30) Dok. 815 (N 40)

/560/AE 4
(31) Dok. 726 (N 62)
(32) Dok. 819 (N 41)
(33) Dok. 489
(34) Dok. 487
(35) Dok. 121 (T 471)
(36) Dok. 723,
Dok. 724 (T 610)
Dok. 961 (T 611)
Dok. 962 (T 612) ?
(37) Dok. 697 (T 473)
456 (N 63)
727

561/AE 5
(38) Dok. 820
Dok. 821
Dok. 822
Dok. 196
Dok. 826
Dok. 875
(39) Dok. 217
Dok. 218
(40) Dok. 960
(41) Dok. 299

/562/AE 6
Holland
(42) Dok. 582 (T 521)
Dok. 1627 (T 523)
(43) Dok. 1359 (T 529)
(44) Dok. 325
(45) Dok. 594 (N 47)
Dok. 325
(46) Dok. 1496 (T 531)
(47) Dok. 589 (T 543)
(48) Dok. 1356 (T 544)

/563/AE 7
(49) Dok. 725
(50) Dok. 463 (T 556)
(51) Dok. 1439 (T 571)
Dok. 1353 (T 577)

Belgien
(52) Dok. 753 (T 512)
(53) Dok. 759 (T 514)
(54) Dok. 760 (T515)
(55) Dok. 761 (N 49)

/564/AE 8
(56) Dok. 1604 (T 615)
(57) Dok 1073
(58) Dok. 3 (N12)
(59) Dok. 1446 (T 519)
Italien
(60) Dok. 1604 (T 615)
(61) Dok. 1600 (T 616)
(62) Dok. Zeugenaussage Kappler v. 27.6.61 im Milit„rgef„ngnis zu Gaeta (Italien) 
šbersetzung aus dem Hebr„ischen; (S.2+3+5)

/565/AE 9
(63) Dok. 299 (liegt bei den Frankreich-Akten)
(64) Dok. 954 (T 618)
(65) Dok. 1274
(66) Dok. 964 (T 623)
Norwegen
(67) Dok. 1622
Dok. 1621
Dok. 491
Dok. 198 (T 604

/566/AE 10
D„nemark
(68) Poliakov ,Rot" S. 102, Dok. NG-S121
(69) Dok. 1074 (T 579)
(70) Dok. 251 (T 585) ?
(71) Dok. 1636
(72) Dok. 757 (T ?)
(73) Dok. 816 (T 584) ? Seite 2
(74) Dok. 1077 (T 587)
Dok. 1078 (T 588)
/567/AE 11
Slowakei
(75) Dok.1527 (T 1073) S. 5 Abs III.
(76) Dok. 1266 (N 65)
(77) Dok. 543
(78) Dok. 1526 (T 1102)
(79) Dok. 1267 (T 1057) ?
(80) Dok. 1268 (T ?
(81) Dok. 837 (T 1078)
Dok. 92 ?
(82) Dok. 1270 (T 1079)
(83) Dok. 1015 (T 1081)
(84) Dok. 836 (T 1087)
(85) Dok. 839 (T 1089)

/568/AE 12
(86) Dok. 626
Dok. 627
Dok. 369 (T 1101)
Dok. 1016 (T 1106)
(87) Dok. 499
Dok. 370
(88) Dok. 514 (N 67) Seite 5
Griechenland
(89) Dok. 998 (T 956)
(90) Dok. 344 (T 958)
(91) Dok. 1000 (T 959)
Dok. 1001 (N 54)

 /569/AE 13
(92) Dok. 424 (T 960)
Dok. 426 (N 55)
Dok. 427 (T 966)
Dok. 241 (T 963)
(93) Dok. 425 (T 961)
Dok. 237 (T 962
(94) Dok. 429 (968
(95) Dok. 1343
(96) Dok. 176 (T996)
Jugoslawien
(97) Dok. 33 (T 887)
(98) Dok. 423 (T 898
(99) Dok. 1339
(100) Dok. 1340 (T 888)
(101) Dok. 642 (T 870)
Dok. 645 (T 873)
(102) Dok. 643 (T 871)
                    644

/570/AE 14
(103) Dok. 647 (T 874)
(104) Dok. 648 (T 875)
(105) Dok. 649
(106) Dok. 650 (T 878)
(107) Dok. 651 (T879)
Dok. 1044 (T 880)
Dok. 1045 (T 881)
Dok. 1162 (T 882)
(108) Dok. 170 (T 883)
(109) Dok. Poliakov, Rot, S. 350/51, 448
(110) Dok. 170 (T 883)
(111) Dok. 652 ( 884)
Dok. 654 (T 886)
(112) Dok. 647 (874)
Dok. 1244, S. 3
(113) Dok. 658 (T 902)
(114) Dok. 87 (T 903)
(115) Dok. 661 
Dok. 1074 (T 906)
(116) Dok. 1081 (T 907)
(117) Dok. 656 (T 921)

/571/AE 15
Rum„nien
(118) Dok. 472 (T 1001)
(119) Dok. 92 (?)
(120)  Dok. 573
Dok. 1225 
Dok. 1227 + Dok. 404
(121) Dok. 840 (T 1002)
(122) Dok. 83 (T 1013)
Dok. 99 (T 1014)
(123) Dok. 181
Dok. 561
Dok. 562 (N 60)
(124) Dok. 477
(125) Dok. 194 (T 1032)
(126) Dok. 178 (T 1029)
Dok. 92
(127)  Dok. 987 (T 1042)
Dok. 224 (T 1044)
(128) Dok. 484 (T 1052)

/572/AE 16
Bulgarien
(129) Dok. 92
(130) Dok. 1023 (T 926)
(131) Dok. 1024
(132) Dok. 1026 (T 930)
(133) Dok. 1028 (T 931)
(134) Dok. 1030 (T 934)
(135) Dok. 1033
(136) Dok. 420 (T 944)
/573/AE 17
(137) Zeugenaussage v. Thadden, 1961, S. 10.
(138) Dok. 1021 (T 1145
(139) Dok. 801
(140) Dok. 813 (T 1155)
(141) Zeugenaussage v. d. Bach Zdersky 1961
(142) Dok. 679
(143) Dok. 114 (T 1211)
(144) Dok. 1124 (N 70)
(145) Dok. 675 (N 73)
Dok. 216 (N 72)
Dok. 366 (T 1182)
Dok. 213 (T 1186)
(146) Dok. 681 (N 75)
(147) Dok. 374 (N 76), Dok. 1314 (T 1158)
Dok. 180 Dok. 1315 (T 1159)
Dok. 158 (T 1193)
(148) Dok. 678 (T 1193)
/574/AE 18
(149) Dok. 529
(150) Dok. 630 (T 1199)
Dok. 631 (N 79)
Dok. 632 (T 1200)
(151) Dok. 114
Dok. 870 (T 1226)
(152) Dok. 385 (T 1208)
Dok. 992 (N 80)
Dok. 680
(153) Zeugenaussage Krumey 1961, S. 9, 10, 12, 13.
(154) Dok. 797
Dok. 677
Dok. 848
Dok. 772
(155) Dok. 640
Dok. 162 (N 86)

/575/AE 19
(156) Dok.156 (T 1217)
Dok. 976 (T 1218)
Dok. 154 (T 1219)
Dok. 1441 (T 1222)
(157) Dok. 155 (T 1223)
(158) Dok. 387
(159) Dok. 388 (T 1230)
(160) Dok. 525
(161) Dok. 212
(162) Dok. 871 (N89)
(163) Zeugenaussage Winkelmann 1961, S. 6.
(164) Dok. 376 (N 90)
/576/AE 20
(165) Dok.221 (
(166) Dok. 44, (Seite 3.)
(167) Dok. 973 (T 1247)
(168) Dok. 853 (T 1237)
(169) Dok. 1297 u. Zeugenaussage Winkelmann 1961 und Dok. 411 (Seite 12, Punkt 
142)
(170) Dok. 511 (T 1245)
(171) Dok. 377 (T 1242)
378
(172) Zeugenaussage Six (1961)
- , - Winkelmann (1961)
Dok. 1169
Dok. 27 (Vermerk zu meiner Bef”rderung durch Six)
(173) Eugen Kogon: ,Der SS-Staat". S. 403/404
Europ„ische Verlagsanstalt 1946
Fnfte Auflage
(174) Zu Teil III, Schreiben des Pastor Achenbach an mich.

/577/
G”tzen Teil III.
Inhalt
Teil III                               72 Seiten
(Unterteilt in 14 Abschnitte)
Adolf Eichmann
6-9-61
/578/AE 1
III. Teil
,Denn Frieden und Glcksgefhl und die Freude, werden der Inhalt ihres 
Ganzheitslebens sein. Denn die Ganzheit kennt nur das Gute." (Seite 67)

/579/AE 2
Teil III:
In sich ausgeglichene Naturen mit unkompliziertem Einfhlungsverm”gen, sind 
in auáergew”hnlichen Zeiten, mit zunehmenden Auáergew”hnlichkeitsgrad, 
sicher immer seltener. Es sei denn, ,sie h„tten ihre Jahre bereits erreicht." Junge 
Menschen wiederum befinden sich noch im Stadium der Formung und mangels 
vergleichender M”glichkeiten aus der Erfahrung, wird diese Formung durch die 
Umwelt vollzogen und von Individuum mehr oder weniger kritiklos akzeptiert. 
Mancher der mittleren Jahrg„nge hingegen, sieht sich im Zustande der eigenen 
Umkrempelung, der Einordnungsversuche seines inneren ,Ich", zur 
auáergew”hnlichen Umwelt, und er sieht sich den geistigen Einfláen dieser 
Umwelt, den handlungsm„áigen Einwirkungen dieser Umwelt, auf sein inneres 
,Ich", mit den verschiedenartigsten Reaktionen, gegenber.

Das sinnlich wahrnehmbare und aufgenommene Tagesgeschehen, ,der 
Tagesablauf", wird von dem, der nicht allzu gleichgltig ,in den Tag hinein lebt", 
zu vergleichenden Vorstellungen in den Stunden der ,Abschaltung", in den 
Stunden der Muáe, weiterverarbeitet. Oft ungewollt und nicht in konzentrierter, 
bewuáter Arbeit, aber, wie man zu sagen pflegt, ,man kommt nicht

/580/
Bemerkung fr den Zensor:
Diese schriftstellerische arbeit kann nicht mit der Waage der Rechtsparagraphen 
gewogen werden.
Unterschriftkrzel

/581/AE 3
davon los"; ,es l„át einen nicht aus"; ,es geht einem nicht aus dem Sinn".

Und die eigene Haltung, die eigene Reaktion zum Geschehen des Tages, wird 
dabei einer geistigen Selbstbeobachtung unterzogen, wobei mein „uáeres ,Ich", 
mit meinem inneren ,Ich" - man k”nnte es auch Gewissen nennen - eine Art 
Zwiegespr„ch h„lt und  mein inneres ,Ich", auf Grund dieser ,Unterhaltung", 
dann seine Position bezieht. Eine Position, die ich fr mich als ,beruhigend" oder 
als fr mich ,beunruhigend" registriere. Und je nach diesem, meinem psychischen 
Zustand, spre ich dann ein Mitschwingen des physischen Befindens.
Kl„tzt ein Mensch - wie ich zum Beispiel - die innere Ruhe und eine gewisse 
innere, beschwingte Ausgeglichenheit, oder, um ein geflgeltes Wort aus meinen 
Vorkriegsjahren zu gebrauchen, die ,innere stille Heiterkeit", ber alles, dann 
wird er - und ich spreche aus grndlicher Erfahrung - alles daran setzen, nun die 
innere Unordnung, wieder zur Ordnung zu gestalten, zumindest, es zu versuchen.

In welche innere ,Hexenkche" ein Mensch jedoch im praktischen Leben 
kommen kann, dessen eigene Handlungs-

/582/AE 4
Freiheit durch h”here Gewalt gebunden ist, gibt dieses Kapitel wieder. Mit einem 
Beispiel will ich es im allgemeinen umschreiben:
Ein Blatt Papier; darauf Eisenfeilsp„ne gestreut.
Kreuz und quer liegen diese kleinen Eisenstckchen im wirren Durcheinander.
So sieht es bei mir aus, wenn mit die innere ruhe fehlt, wenn ich vergeblich 
bemht bin, Ornung in die Dinge meines Innenlebens zu bringen.
Fahre ich nun aber mit meinem Magnet unter dieses Blatt Papier, dann ordnet sich 
im Bereich des magnetischen Kraftfeldes sogleich dieses Durcheinander an 
Eisenfeilsp„nchen zu einer - fast m”chte ich sagen milit„rische ausgerichteten - 
Ordnung.
Was ntzt mir aber allen Ordnenwollen, wenn meine Erkenntnis nicht in Handeln 
umgesetzt werden kann, wenn ich diesen Magneten nicht bedienen darf, ja wenn 
ich selbst sogar nur ein solcher Eisenfeilspan bin, der in dieses Kraftfeld 
eingeordnet ist. Wenn mich st„rkere Kr„fte daran hindern, gem„á meinem Willen 
zu handeln und darber hinaus, gem„á einer staatlichen Befehlsgebung, mein 
Handeln teilweise sogar in dem Entgegengesetzten zu 

/583/AE 5
meinem inneren Wollen zu stehen hat; zu einem Wollen, daá gem„á der 
Wahrnehmung meines Gefhlssinnes, aus den Bereichen der ethischen Werte zu 
entspringen habe, will ich als Individuum, innere Ruhe und inneren 
Gleichgewichtszustand fr mich, alleine schon aus der mir triebhaft 
zukommenden Egoistik heraus, buchen k”nnen.
- , -

/584/AE 6
(1)
Ich bin weder Philosoph, noch Physiker. Aus Lust und Liebe zur Sache 
besch„ftigte ich mich nach Art interessierter Laien, zuweilen sowohl mit der 
einen, als auch mit der anderen Materie. Es bereitete mit Vergngen und es war 
lehrsam zugleich. So wie der Briefmarkensammler von Zeit zu Zeit seine 
Sammlung durchst”bert. Gerne kaufte ich mir ab und an ein besonders 
empfohlenes Werk, welches sich mit diesen F„chern befaáte, und dann konnte ich 
so recht wie ein abseitiger Bchernarr darin schwelgen. Es war fr mich das 
gleiche, wie Sonntagvormittaggottesdienst, fr fromme Kirchenbesucher; ein 
verlangendes Suchenwollen nach dem absolut Gltigen, nach den wahren Dingen, 
nach dem h”heren Sinn des Seins. Wohl wissend, daá ich nur bis zu einer sehr 
bescheidenen Grenze werde vordringen k”nnen, aber ein jedes Wenige nur an 
neuen Erkenntnissen, befriedigte mich schon zutiefst. Dieses neugierige 
Wissenwollen haftet mit viele Jahrzehnte schon an, und vielleicht gehe ich recht 
wenn ich sage, solange ich berhaupt zurck denken kann. Freilich in diesen 
beiden besonderen F„chern lag das beginnende rege Interesse, erst in sp„teren 
Jahren und wurde oft durch l„ngere Pausen unterbrochen; sei es durch die 
hastende Schnelllebigkeit des beruflichen Alltags, die jedwede Muáe zur 
Sammlung raubte, oder auch gar zeitweilige Unlust, hervorgerufen durch 
d”rperliche Mdigkeit und Schlappheit, ketztlich besonders zur Zeit der 
argentinischen Sommer.
Schon mein Religionslehrer in der Linz a/Donau, legte den Grund fr meine 
zeitweilige besondere

/585/AE 7
>Kantvorliebe<. Der evangelische Pfarrer - gebrtiger Ostpreuáe - war in Sachen 
des >K”nigsbergers< geradezu Spezialist und es ist erstaunlich daá es ihm gelang, 
in unseren Bubengehirnen ein solch mitgehendes Interesse zu wecken, fr eine 
Materie, welche gar oft selbst den Erwachsenen langweilt. Er Jedenfalls brachte es 
lebensnahe, mit vielen Beispielen aus dem Tagesleben eine Buben, gewrzt.
Mein Jugendfreund, heute Prior eine Pr„monstratenserklosters in Deutschland, 
liebte damals, wenn ich es so recht betrachte, die >Philosophie aus der Technik<. 
Aus seinen zahlreichen Brckenbau-Konstruktions-Skizzen, muá er die Žsthetik 
und Ethik das Sch”pfungswillens mit erschaut haben; denn immer neue Entwrfe 
und Ideen gebar er, und wir freuten uns beide ber die Sch”nheit der Linie. Wir 
besuchten in jener Zeit gemeinsam eine h”here technische Schule. Er trat dann 
zum geistlichen Stande ber. Ich freute mich sehr, von ihm, zu H„nden meines 
Verteidigers, in das Gef„ngnis nach Isra‰l freundliche Gráe geschickt zu 
erhalten. Und ich bedanke mich fr sein freundliches Gedenken, und weiá daá ich 
eine antwort auf meine Arbeit von ihm bekomme. Sei sie positiv oder negativ, 
gleichermaáen sei er dafr bedankent. Ja, mein lieber Frater Bernadus, da magst 
Du mal sehen, wie es einem Menschen ergehen kann. Solches h„tten wir uns nicht 
ttr„umen lassen, als wir das letztemal in der abtei Hinsdorf beisammen waren und 
noch viel weniger frher im Schloáe zu Traun, oder in der >H”heren< in der 
Goethestraáe, in Linz.

/586/AE 8
Der Krieg war ausgebrochen. Ich kaufte mir die >Kritik der praktischen 
Vernunft<; in Reclam-Ausgabe, denn so konnte ich diese >Kritik< in meinem 
Waffenrock bergen. Nicht aber k”nnte ich sagen, ich h„tte Kant selbst in reiferen 
Alter zu jeder Zeit g„nzlich verstanden, denn dazu reichte mein Verstehen 
zuweilig nicht aus. Ich bemhte mich, daá in mir aufzunehmen, was ich durch ihn 
nun auch zu erkennen k”nnen vermeinte, um danach mein Leben zu leben.Mit der 
Philosophie erging und ergeht es mir so, wie mit dem Bund, an dem sehr viele 
Schláel h„ngen; und immer suchte und suche ich einen passenden, fr 
verschlossene Tren, zu finden. Manchesmal passt solch ein Schláel sofort, ein 
anderesmal muá ich auch langm„chtig suchen. Zuweilen muá ich mit, und auch 
ohne Geschick, selbst noch ein wenig dran feilen.
Man sagt, es sei der Philosophie trotz jahrtausenderlanger Bemhungen noch 
nicht gelungen, eine allgemein anerkannte Linie zu finden, die alle 
philosophierenden Geister einigen k”nnte. Denn bisher gab es zu jeder Erkenntnis 
>wenn< und >aber<. Der eine „uáerte seine Bedenken sanft und voll Kummer, 
andere wie Schopenhauer zum Beispiel, zogen zuweilen auch forscher vom Leder. 
Solcher Gerede aber vermag offenbar den Pilosoph nicht aus seinem Gleichmut 
zu bringen. Denn was bereits allgemein anerkannt wrde, so argumentiert er, habe 
mit eigentlicher Philosophie nichts mehr gleich, da es ja dann ein allgemeines 
wissenschaftliches Erkennen, bindendes Gltiges, sei. Freilich dachte ich oft, 
mein Gott, wie sch”n máte

/587, 588/AE 9
es sein, dem Sucher nach letzten gltigen Dingen, wahres Wissen geben zu 
k”nnen. Aber es ist nichts als h”chstens ein Glauben an ein vermeintliches 
Erkennen, je nach Vorstellung des einzelnen. Glcklich ist schon derjenige zu 
nennen, der sich ein Weltbild zurecht bauen kann, darin aufgeht und seine innere 
Befriedigung aus dieser Vorstellung erh„lt und dieses fr sich als vorl„ufig gltig 
betrachtet.
Das Suchen nach Wahrheit, daá wird ein Ende nie haben; denn nichts hat ein 
wahres Ende im Sein.
Wrde ein Ende es geben im Sein, und wir wáten darum, dann w„ren wir satt 
von der Wahrheit und traurig zugleich.
Und ohne dem Hunger nach der Wahrheit, wrde keiner mehr suchen. Und das 
menschliche Leben aber, w„re um vieles noch schwerer.

Heute verwirft er, was gestern nach Gltigkeit hatte.
Und heutiges Erkennen, wird morgen vervollkommt.
Dies ist das Werden.
Ein Ende jedoch findet er nie auf die Frage: was ist die Wahrheit der Dinge?

/589/AE 10
(2)
Nicht sehr zahlreich so denke ich, sind die F„lle denen das Schicksal eine solche 
Konzentration des Schauerlichen vor Augen gefhrt hat, wie gerade mir. Und es 
hat mich bis jetzt obendrein all dieses als Mensch berlesen lassen.
Den Krieg mit seinem Grauenhaften und das Nachkriegsgeschehen; vor allen, 
dann auch die Mhen des Existenzkampfes in šbersee, weniger die physischen 
Belastungen durch Klima und all des Ungewohnten - dies trifft auf Tausende zu - 
als vielmehr die psychische Last, bedingt durch die Anonymit„t der Person; die 
Entfhrung aus Argentinien schlieálich, und den darauf folgenden 
Monsterprozess gegen mich.
Ich habe mich selbst oft gefragt, wie ich dies alles habe berstehen k”nnen, ohne 
selbst Hand an mich zu legen, um endlich alles mit dem gn„dig zudeckenden 
Tuch einer freiwilligen und gewollten Daseinbeendigung als Mensch, zu 
verhllen.
Aber dadurch, h„tte ich Schuld zugegeben, die ich nicht hatte noch habe. Und in 
dem Maáe ich mich in die Philosophie flchtete, wurde meine Neugierde, mein 
Wissenwollen, immer grӇer als die mich umfangen haltende augenblickliche 
Not; stets gewann ich sodann an Abstand von dem Leide des Alltages, und nichtig 
erschienen mir meine pers”nlichen Sorgen. Und ich erkannte, daá es fr mich 
kein Ende g„be und ebenso wenig ein Nichts. In fernen, fernen Endlichkeiten wird 
die Zeit sich wieder im Raume verlieren; aber ich weiá zugleich, daá fr mich 
abermals neue >Zeiten< bereit sind. Und dann erkenne ich, wie die gebundene 
Enge des Augenblicks mich verl„át. Das Leid des Tages

/590/AE 11
Flieht, nur ich bleibe umstrahlt vom belebenden Glanze, mich ewig beschtzender 
Sonnen.

(3)
Ich war von Kindheit an, in protestantischer Erziehung aufgewachsen. Und als ich 
l„ngst schon in der SS, ja fast drei Jahre schon im Sicherheitshauptamt war, hing 
ich noch immer in konservativer Verharrung dem Glauben meiner V„ter an.
Erst im Laufe des Jahres 1937, meldete ich aus freiem Willen und aus eigenem 
Antrieb, meinen austritt aus der evangelischen Kirchengemeinde, bei irgend einer 
Gerichtsstelle in Berlin-Neuk”ln an. Es waren keine politischen šberlegungen; 
ich konnte ganz einfach den Inhalt der Bibel nicht mehr als daá gl„ubig fr mich 
betrachten, was sie vorgab vermitteln zu k”nnen, n„mlich die gltige Wahrheit 
der letzten Dinge. Ein zrnender und r„chender Gott war mir unvorstellbar 
geworden; solches schien mir zu menschlich, keinesfalls g”ttlich.
Und je mehr ich damals forochte, umso lockerer war das Gefge, was ich bis 
dahin als etwas Fundamentales betrachtete. Ich glaubte zu erkennen, das daá, 
woran ich bis dahin glaubte, das Ergebnis der streibaren, rechthaberischen und 
eifernden Kirchenv„ter der ersten Jahrhunderte der neuen Zeitrechnung war die 
sich , welche jenes, welches Christentum genant ist, zurechtphilosophierten.
Sei es das Trinit„tsdogma oder die Vielzahl

/591/AE 12
der anderen Dogmen. Sei es der Streit um die G”ttlichkeits- oder 
Menschlichkeitsthese Christus betreffend, mit dergleichen mehr.
Auch die Luhter-Melanchthon`sche Reformierung dieses philosophischen 
Gebildes fuáte weitgehend auf dem Geistesgut der klassischen Philosophen des 
alten Griechenlands, ebenfalls vermischt mit anderen Religionsphilosophien. Und 
nachdem auch die evangelische Kirche kein Wissen vermitteln konnte, sondern 
die Seligmachung im Glauben verkndete, glaubte ich, daá es sicherer und 
einfacher sei, wenn ich mich kftig allein mit meinem Herrgott zusammen f„nde, 
ohne mich der Vermittlung evangelischer Pastoren zu bedienen, zumal auch sie 
den menschlichen Schw„chen unterworfen watren, genau so, wie auch der 
Protestantismus selbst Menschenwerk ist.
Daran hat sich bei mir bis heute nichts ge„ndert und wird sich nichts „ndern.
Auáerdem hat auch die Luther-Melanchthon`sche Lehre gengend Unheil ber 
die Menschen gebracht. Oder sollte ich mich irren, wenn ich z. ? die Geschichte 
des dreiáigj„hrigen Krieges betrachte?

Als ich w„hrend des Prozesses gegen mich in Jerusalem vereidigt wrude - als 
Zeuge in eigener Sache - sollte ich nach blicher Gepflogenheit, mit der Hand auf 
die Bibel den Eid leitsten. Meiner šberzeugung gem„á erkl„rte ich, daá ich auf 
die Bibel nicht schw”ren werden, sondern bei Gott, denn ich sei gottgl„ubig;

/592/AE 13
Dieses stimmt, denn das bin ich. Aber ich vermag nicht zu personifizieren. Ich 
glaube an eine allwaltende und allm„chtige Sch”pfungskraft, Lenker dessen was 
war, was ist und was kommt. An ,das Gott"! Und ich der Mensch, bin gem„á 
dessen Wollen und dessen Toleranz ein Mitflieáendes im Flieáen des Werdens, in 
unserem Sein.
--
Ich bekam von einem protestantischen Pastor i.R., Paul Achenbach einen Brief, 
den er am 11. September 1961 schrieb. Er lautet u.a.:

,An den Angeklagten Eichmann, z.Zt. Israel.

. Haben Sie schon einmal darber nachgedacht, daá Ihre Auffindung in der 
weiten Welt fr Sie pers”nlich zugleich Gottes Gericht, aber wenn es zu einem 
Schuldbekenntnis k„me, auch Gottes Gnade bedeuten k”nnte.
. Ihre moralische Schuld haben Sie, soweit ich sehe, nicht geleugnet. Sie suchten 
dieselbe aber wohl zu verkleinern.
. Wenn ich mich jetzt mhe, Ihnen innerlich ein weinig weiterzuhelfen, dann tue 
ich das, im Angesicht der Ewigkeit, vor der sie stehen.
. Ein offenes, wahrhaftes, aufrichtiges, alles umfassendes Gest„ndnis vor 
Menschen, wird auch von Gott in der oberen Welt aufgenommen. Ein solches 
kann nicht nur fr Sie, sondern auch fr unser unter Gottesgericht stehendes 
zweigeteiltes deutsches Volk, ungeahnte Auswirkungen haben - im Blick auf 
Begnadigung von Gott her." (175)

/593/AE 14
Des weiteren spricht der Schreiber von einer Studienreise, die ihn nach Israel 
fhrte, von seinem Besuch im Gerichtssaal w„hrend des Prozesses gegen mich, 
vom ,jngsten Gericht" und vom Teufel als Ankl„ger und anderes mehr.

Ich habe darauf folgendes zu sagen:

,An den Pfarrer Achenbach, z.Zt. Bad Krozingen.

1.) Ich wáte nicht, daá ich Sie darum gebeten h„tte, sich meinethalben abzumhen.
2.) Ihr versuchter Druck auf mich, meinerseits Schuld zuzugeben (worum Sie den 
Inhalt Ihres Briefes nach zweifellos die rechtliche Schuld meinen, da Sie an 
anderer Stelle, von moralischer Schuld sprechen), wo solche nicht vorliegt, weise 
ich als eine namaáende N”tigung Ihrerseits, zurck.
3.) Ich darf Sie sowohl auf mein Schluáwort, als auch auf das Kreuverh”r meines 
Verteidigers, im Falle des Zeugen der isra‰lischen Anklage, des evangelischen 
Probstes zu Berlin, Grber, hinweisen.
4.) Ich empfehle Ihnen ein eingehendes, einschl„giges Quellenstudium, eher Sie 
predigend Ihren Mund zur N”tigung ”ffnen. Ich frchte, daá sonst Ihr ,Teufel" 
am ,Jngsten Tage" sich darber freuen k”nnte, daá Sie sich wegen versuchter 
Verleitung eines Angeklagten zu falscher Aussage, schuldig gemacht haben.
5.) Ihre inquisitorischen Eigenschaften, sind mir nichts Neues, wenngleich ich 
wahrheitshalber

/594/AE 15
Feststellen muá, daá gottlob nicht alle protestantischen Geistlichen so sind, wie 
Sie, wo keine rechtliche Schuld vorliegt, laáe ich /2 Zeilen gestrichen, unleserlich/ 
mich auch durch Sie nicht dazu zwingen, solche zuzugeben, nur wenn es Ihnen so 
paát."

(4)
Ich sagte, daá ich freiwillig zur SS gestoáen sei. Dies stimmt auch. Und die 
Grnde die mich bewogen, nannte ich schon.
Welch eine Flle innerer K„mpfe standen mir noch bevor. Ich konnte es auch 
nicht ann„hernd ahnen. Einem Schwimmer war ich vergleichlich, der in ein Tang- 
und Schlingpflanzengew„sser ger„t und nunmehr bestrebt ist, herauszukommen 
aus diesem Durcheinander, um wieder klare Wasserbahn zu gewinnen.
Das Gew„sser war - zum Vergleich - fr mich die SS; das Durcheinander in daá 
ich geriet, war jenes Konglomerat, welches die damalige >Weltanschauung< in 
Wirklichkeit bildete. Da die Grenzen des Gedanklichen dieser Anschauung ich 
m”chte einmal sagen, auch mit den Grenzen und Interessen des >Reiches< 
endeten, wrde man diese trefender und genauer mit >Reichsanschauung< zu 
bezeichnen heben.
Und h„tte ich in jener Zeit den Rat meines Religionslehrers befolgt und in diesem 
Gedanken-Durcheinander, zum Zwecke der Gewinnung einer freien 
Gedandenbahn, Kant`sche Erkenntnisse weiter bedacht, wer weiá, wie sich meine 
innere Konfliktstellung ausgewirkt h„tte. Ich weiá, es ist máig mit >h„tte< und 
>wenn< zu bedenken, denn Tatsache ist, ich tat es ja nicht. Eine Weile versuchte 
ich noch, Kant`sches Fordern meiner damaligen national-

/595/AE 16
Sozialistischen šberzeugung anzupassen, und ich muá sagen, es ging eine 
zeitlang recht gut. Freilich immer nur in dem bescheidenen Rahmen des 
auffassenden Verm”gens meines Gehirnes.
Dann aber kam der Augenblick, wo es zum Sprung kam und jegliches 
Einpassenwollen vergeblich war; jene Zeit, wo selbst ein wenig Sophisterei, deren 
ich mich - wie k”nnte ich es leugnen - zur abrundung des Ganzen oftmals 
bediente, hier nicht mehr half.
Es waren die Zeiten, in denen mein Chef mich als Berichterstatter zu den 
verschiedenen T”tungsstellen befahl.
Ich aber lieá es, dies muá ich sagen, in der Folgezeit an jener Gesinnungsethik 
fehlen, die man fglich von einem Menschen h„tte erwarten k”nnen, der sich mit 
solchen Gedankeng„ngen berhaupt schon befaáte. Aber, es ist nachher stets 
leicht zu reden und zu rechten, denn da waren es auf der anderen Seite auch 
wiederum „uáere Bande, denen ich mich zu unterwerfen hatte. Denn abgesehen 
vom Eid, den ich getreu zu erfllen bestrebt war, hatte mich meine zust„ndige 
Beh”rde nach meiner Versetzung im Sp„therbst 1939, ber das Wehrmeldeamt 
zur Kriegsdienstleistung bei der Geheimen Staatspolizei verpflichten lassen.
Einer solchen Verpflichtung hatte ich mich zu beugen, denn solches war damals, - 
wie heute in „hnlichen F„llen, - gltiges Gesetz, dem der einzelne sich auf 
legalem Wege nicht zu entziehen vermochte.

/596/AE 17
Aber wie sah nun mein Schlingpflanzengew„sser, das damalige Konglomerat 
meiner Anschauungen, mit dem ich mich abplagen muáte innen, aus. Ein Schuá 
nationaler Egoismus, verment noch mit Selbstsucht. Dazu kam etwas 
romantischer Idealismus, auch fehlte zuweilen ein wenig vernnftige, nchterne 
Sachlichkeit nicht, um die Dinge gegenst„ndlich zu sehen. Im brigen ging sie 
bald auf, im kollektivistischen Denken und noch vorhandene individualistische 
Tendenzen wurden diesem, gem„á dem geschworenen Gehorsam, nach und nach 
geopfert. Die Unvernunft der Staatsfhrung sah ich zuweilen, wenn sie ihre 
besonderen Blten trieb und flchtete mich, weil ich mit meinem Idealismus nicht 
mehr weiter kam, endlich und letztlich in einen materillen Naturalismus hinein. 
Die Grundtendenz aber wurde trotz allem stets pessimistischer. Meine 
pers”nlichen Lebensanschauungen dievergierten zwar mit einem Teil der 
gepredigten offiziellen >Weltanschauung<, aber allm„lig nahm ich so ziemlich 
dann alles vorl„ufig einmal in mir auf, was sich so bot. Freilich, eine 
bedingungslose innere Aufnahmebereitschaft und ein fanatisches Wollen fr alle 
nationalsozialistischen Ziele konnte ich nicht aufbringen, denn dazu reichte es in 
einem Herzen voll Zweifel, wohl nie.
Meine klare innere Anfangslinie nach meinem Kirchenaustritt konnte ich nicht 
mehr in ihren Konsequenzen weiter verfolgen. Ich arbeitete zwar in mir und an 
mir, wie der ,Schopenhauer`sche Bergsteiger", der den ungesicherten Berpfad 
ohne Bergfhrer erarbeitet, dafr aber das Gefhl der Freiheit bek„me. Und es ist 
sicher, daá es mir in normalen Zeiten gelungen w„re,

/597, 598/AE 18
hier auch die von mir stets erstrebte, ausgeglichene innere Ruhe und Sicherheit zu 
erlangen. 
Aber ich war in eine auáergew”hnliche Zeit und in auáergew”hnliche Umst„nde 
hineingestellt worden, wofr bisher Gltiges und Praktiziertes nicht nicht erprobt 
war.
Meine pers”nliche Arbeit an mir, wurde berlagert und verdr„ngt durch totale 
staatliche Maánahmen von einer Art die ich verwarf, und denen ich selbst, gegen 
meinen Willen, unterworfen war. So kam es zur Spaltung zwischen meinem 
inneren Ich, mit dem ich nur noch zu einem kleinen Teil meiner Fhrung dienlich 
war, und zu meinem „uáeren Ich, welches ich fast g„nzlich der Fhrung hingab, 
denn es war Krieg. Ich trieb eine Art gewollte und bewuáte Schizophrenie.

Dieses Gespaltensein wurde ausgel”st durch mein Nichtverstehenk”nnen, im 
Hinblick auf die Art der Behandlung von unbescholtenen Zivilisten durch die 
damalige deutsche Staatsfhrung, ihre Anmaáung gegenber den Zivilisten 
ausl„ndischer Staatsangeh”rigkeit in sonderhordt, und danach das Nicht mehr mit 
kommen k”nnen bezglich staatslicherseits befohlenen Massenmordes an den 
Juden.

Da ich jedoch damit nicht direkt befaát war und mein Handeln an der Mitwirkung 
der Deportation weder meinem Willen entsprach, noch von mir aus abgestellt 
werden konnte, ich solches berhaupt nicht einmal zu beeinfluáen vermochte, 
lagen meine Hemmungen, der Hauptsache nich bei meinem inneren Ich.

Mein „uáerer Mensch, zwar ohnedies gebunden, gehorchte eidgetreu der 
Staatsfhrung, denn Deutschlands Feinde hatten sich, so wurde es uns gepredigt 
und wir sahen es auch, zum Ziel gesetzt, mein Vaterland zu vernichten. Und 
gem„á meiner damaligen Auffassung ber Fahnen- und Diensteid, kam fr mich 
nur der legale Weg im Hinblick auf Žnderung meiner Kriegsdienstverwendung in 
Frage. Denn der Vernichtungswille unserer damaligen Feinde, appelierte auch 
trotz der Tollheiten der eigenen Staatsfhrung, an mein damaliges vaterl„ndisches 
Gewissen.
Der Fehler, abgesehen vom grunds„tzlichen, war, daá mich meine damalige 
Fhrung an einen fr mich vollen ungeeigneten Platz stellte, den ich von mir aus 
nicht zu wechseln vermochte, es sei denn, ber den Weg der Desertation. Den 
Weg aber lahnte ich ab.

Dies alles aber schuf in mir eine innere Zerrissenheit; das gerade Gegenteilige von 
dem, was ich als Gleichwertig, ja besser noch als den verlorenen Jugendglauben, 
fast schon vermeinte, mir erarbeitet zu haben.
Dieses Vermeinen lag in den Jahren 1937 bis Ende 1939-
Aber ab dieser Zeit sank die Kurve der inneren ruhe sehr steil nach abw„rts. Und 
w„re ich um diese Zeit noch in einer Kirchengemeinschaft gewesen, so h„tte auch 
diese an meinem inneren Zustande nicht zu „ndern vermocht, noch an meiner 
„uáeren Bedingung.
Es war die Zeit nach dem ich zum Geheimen Staatspolizeiamt versetzt wurde.

/599/AE 19
Dabei hatte ich noch nicht einmal mit jenen charakterlichen Hemmbl”cken zu 
k„mpfen, wie Neid, Habgier, Grausamkeit, Haá oder Rache. Davor war ich dank 
meiner Jugenderziehung und dank der Tatsache, daá ich die Arbeit an mit selbst, 
zu keiner Zeit g„nzlich aufgab, gefeit.
Dafr aber sah ich den Tod an allen Ecken und Enden jetzt, in seinen furchtbaren 
Formen.
Die einzige Erkenntnis, die ich auf Schritt und Tritt in jener Zeit best„tigt fand 
war, daá die Welt, in der ich als Erscheinungsform Mensch zu leben hatte, nie und 
nimmer die beste, sondern nur die allerschlechteste sein muáte, die man sich 
denken konnte.
Ich hielt das Menschsein fr sinnlos, denn so sehr ich auch forschte, ich konnte 
bei dieser Massenvernichtung der Menschen, auf Freund und auf Feinseite keinen 
h”heren Sinn im Walten der Natur mehr erkennen; ja nicht einmal eine ganz 
gew”hnliche Nebenabsicht vermochte ich zu erdenken.
Und im Stillen beneidete ich die Tr„ger des gelben Budha-Gewandes, denn dieser 
versuchten aus der pessimistischen Einstellung zu den ,Dingen der Welt", fr sich 
wenigstens noch das Beste herauszuholen, und taten solches offensichtlich - im 
Gegensatz zu mir - mit Erfolg.
Und wenn ich alles so recht bedachte, was hatte ich noch einige Jahre vorher, fr 
ein sonniges, frohes Gemt; unbeschwert, optimistisch, ohne irgendwelche 
Konflikte, --
Meine harmonische Ausgeglichenheit wich

/600/AE 20
In zunehmeden Maáe der Disharmonie einer inneren Verkrampfung und mir blieb 
als einziger eruhigender Trost, daá andere, mir noch bevorstehende Welten, auf 
keinem Falle schlechter sein k”nnen, als die von mir jetzt als Mensch zu 
Durchstehende; eine Welt der aufgezwungenen Komplexe. Aller Voraussicht nach 
aber - so berlegte ich weiter - weil sich h”heres Sch”pfungswalten nicht im 
Negativen verlieren k”nne, máten nach meiner Erkenntnis, kommende 
Lebenswelten daher zwangsl„ufig bessere sein; denn von allem organischen 
Leben ist mir keines bekannt, daá vors„tzlich Schlechtes, statt Gutes setzt; 
ausgenommen der 
Mensch. -
Beweisen freilich konnte dieses - mit den guten und schlechten Welten - 
niemand, aber trostreich war`s doch. (Und zu meinem Pessimismus gesellte sich 
w„hrend des Krieges ein geh”riger Schuá Fatalismus; welch letzteren ich bis 
heute nicht abstreifte). Solches ergab dann fr mich immerhin einigen 
Hoffnungsschimmer. Und so sher war ich von solchen Gedanken verhaftet, daá 
ich fr meine Person beispielsweise nur dann w„hrend der Bomebenangriffe den 
befohlenen Unterstaand aufsuchte, wenn ich mich dem, aus Grnden der Disziplin 
nicht glaubte entziehen zu k”nnen.

(5)    
Mein Egoismus und meine Selbstsucht, galten in ihrer eigentlichen Bezogenheit 
und in bewuáter Hinsicht zum weitaus brwiegenden Teile meinem Volk und 
meinem Vaterland. Es war richtiger gesagt, nationaler Egoismus.
Die Initialzndung hieá ,Versailles"; daran l„át

/601/AE 21
Sich nichts „ndern. Dieser einmal in Umlauf gekommene Motor, wurde durch 
meine Umgebung weiter angetrieben. Meine haltungsm„áige Einstellung zum 
Nationalsozialismus, volk und Staat, wurde aus der Situation heraus geformt, die 
mich umgab. 
Die weitere Formung meines Verh„ltnisses des ,Ich" zum ,Reich", verlief ab nun 
in jenem Bereich, indem nach und nach der nationale Stelbsterhaltungsgedanke 
die Dominante spielte, und der letztlich in der gepredigten These: ,Recht ist, was 
dem Volke ntzt", gipfelte.

Selbstsucht leitet den Menschen als einer seiner Haupttriebe, denen er 
unterworfen ist, von Anfang an. Seit jenen fernen Zeiten, da er als Einzelg„nger 
noch, oder schon Hordenweise, pers”nlichen Krief und Kampf gegen alles zu 
fhren hatte, um berhaupt sein Leben behalten zu k”nnen.
Sp„ter, viel sp„ter vereinigten sich dan die Menschen teils unter Druck, teils ohne 
solchen zu einer Gemeinschaft, zum Staat. Sie leisteten dem Stammes- oder 
Staatsfhrer Gehorsam; in diesem Kollektiv wurde ihnen ihre Existenz offenbar 
besser garantiert, als sie solches frher je schaffen konnten. Was das Oberhaupt 
ihres Gemeinschaftswesen fr richtig hieá, war fglich gut, alles andere war 
schlecht. An dieser Einstellung hat sich bei den verschiedenen Formen des 
menschlichen Gemeinschaftslebens bis heute im Wesentlichen nichts ge„ndert.
- , -

/602/AE 22
(6)
Die Untergangsprophezeihungen des eigenen Volkes bei nichterfllter Pflicht, 
welche von der Staatsfhrung propagandistisch ausgestreut wurden, glaubte man; 
auch ich glaubte sie. Und so unrichtig war sie im brigen auch gar nicht.
Stelbstverst„ndlich wollte auch ich die Unrechtbeseitigung von Versailles; wollte 
die Beseitigung der vielen katasrophalen Folgen dieses Diktates. Ich geh”rte auch 
zu jenen, die ein groáes und freies und starkes Reich erhofften und ersehnten. 
Dessentwegen hatte ja auch ich damals alle meine Lebensbequemlichkeiten, 
denen ich nachh„ngenkonnte aufgegeben. Und ich war der Meinung, daá ein 
starkes Reich, mit einem geeinten Volk alleine schon die Garanten dafr w„ren, 
daá diesem Volk und Reich gegenber, dann ein anderer als der ,Versailler-
Respekt", an den Tag gelegt worden w„re.
Aber durch die Nichtachtung alles Nichtnationalsozialistischen, in dem Zertreten 
jedes anderen Willens und Wollens durch den Unduldsamkeitsfaktor der 
nationalsozialistischen Reichsregierung, eine Tatsache die ebenso bedauerlich wie 
schmerzlich ist, entstanden in der Folgezeit notwendigerweise die 
Komplikationen und Katastrophen, deren Traurigkeit wohl in ihrer GrӇe, bisher 
einmalig in der Geschichte dastehen.
Ich glaube, es gab nur wenige, welche der Meinung gewesen waren, die Parolen 
und Drohungen der Kampfzeitredner, wrden nach der Machtergreifung, zur 
Wirklichkeit werden. Vielmehr

/603, 604/AE 23
dachten doch alle, daá die von der Fhrung nach der Revolution versprochene 
Evolution , fr bare Mnze zu nehmen sei. Und daá dann ein friedliches 
Nebeneinanderregieren im Kreise der europ„ischen V”lkerfamilie anheben wrde, 
nachdem die Einsicht der anderen Seite, zu Konzessionen deutscherseits fhren 
werde, womit dann im Laufe der Verhandlungen alle schwebenden Probleme, auf 
dem Verwaltungswege ihre Erledigung finden wrden.
Ein ,tanzender Kongress" sollte fr”hliche Urst„nd feiern.
Aber leider zeigte sich hier die unvernnftige Intoleranz, gepaart mit 
machthungrigem Ehrgeiz seitens der Fhrungsspitzen des Reiches. Dies ist eine 
Tatsache, die nicht zu umgehen ist. Ihr Vorgehen war vergleichlich, den 
m„chtigen Volksbeherrschern der alten und teilweise nicht mittleren Zeiten. Sie 
bedachten dabei aber nicht genugsam, die mittlerweile auáerordentlich fein 
ver„stelten Bindungen und Beziehungen in kultureller, wirtschaftlicher und 
politischer Hinsicht, welche das Leben der V”lkerfamilien untereinander regelten 
und von denen sie abh„ngig waren; und daá hier eine jede St”rung dieser 
empfindlichen Maschinerie zu Konflikten fhren muáte. Vielmehr waren sie von 
ihrer Macht d„monisch besessen und nicht achtend, das besonders 
gefhlsgebundenem Denken unserer Zeit. Sie waren stehen geblieben, ja sie 
schraubten wieder zurck, in das absolutistische Denken der ,Herrenmoral".
Es waren rckl„ufig betrachtet, ohne jede zwingende Notwendigkeit, Hasardeure, 
die da leichtfertig

/605/AE 24
Glck und Freiheit der Natinen in ihnr Spiel warfen. Ich sage rckl„ufig 
betrachtet, denn mein damaliges Eigenurteil war zufolge meiner untergeordneten 
Stellung welche ich in der Hierachie, bekleidetet, ein recht beschr„nktes.
An Informationsmaterial stand mir freilich mehr zur Verfgung, als den 
damaligen Durchschnittszeitgenossen, aber Kontakt mit den hohen 
Fhrungsstellen hatte auch ich keinen. Meine pers”nliche Meinung war 
uninteressant und ist es bis zum Mai 1945 geblieben.
Daá ich zu einem unbedingten Bejaher zu allen Maánahmen der ehemaligen 
Reichsregierung geworden w„re, dies erlaubte mit der von mir gepflegte Rest, des 
ber alles hinber geretteten romantischen Idealismus nicht. Ehner ich mit dem 
Nationalsozialismus Bekanntschaft machte, war dieser der mich ausfllende 
Hang; ja noch mehr, er gab mir jenes Gefhl, welches in mir freudhafte 
Glcksvorstellungen hervorzuzaubern in der Lage war. Es hatte nichts zu tun mit 
der Burschenschaftsromantik. Eher noch m”chte ich ihn als einen primitiven 
romantischen Idealismus bezeichnen; ein Zustand, in dem ich mich der 
Naturschw„rmerei, ohne Grenzen und Zgel, frei hingeben konnte und in ihm ein 
wunderbares Gefhl der inneren Ruhe erlangte. Und ich sch„me mich selbst nicht 
einer Umdrehung der Worte, wenn ich sage, ich hatte den romantischen 
Idealismus eines Primitiven. Denn ich war damals

/606/AE 25
Jedenfalls unverbildeter und glcklicher daran, als sp„ter, wo ich mich im Sumpfe 
der inneren Unfreiheit befand und mich mit einem halben Dutzend und mehr der 
verschiedenen Anschauungen herumzuschlagen hatte.
In die Reste dieser sch”nen Erlebniswelt, konnte ich mich dann flchten und tat es 
zuweilen auch, wenn ich mich hinten und vorne, nicht mehr auszukennen glaubte, 
und mit nichts mehr zurecht kam. Es war eine Art Medizinschrank, den ich mir 
hielt. Und ein Adalbert Stifter und Peter Rosegger, bereiteten mir Genuá. 
W„hrend all der Jahre in Berlin lag auf dem Schreibtisch meines Privatzimmers, 
Roseggers reizende Gebirgsheiligenabendbeschreibung ,Als ich noch ein 
Waldbauernbub war". Ich habe sie oft und oft gelesen. Ein v”llig anspruchsloses 
Geschichtchen, aber sollte jemand mit Nein-, Habgier- oder Machtgedanken 
lieb„ugeln, dann lese er diese Erz„hlung; bedachtsam und mit der Ruhe des 
Bergbauern.
Die jungfr„uliche Sch”nheit des B”hmerwaldes, die wohltuende Stille des 
Alleinseins in der Welt der Gebirge und die von mir in diese Bereiche 
hineingelegten und hineingedachten šberlegungen und Vorstellungen ber das 
Werden des Seins im Laufe der Zeiten, und meine eigenen Beziehungen zu 
diesem Werden, lieáen mich mit dem Versenken in diese Welt, alle Doktrinen und 
mich verdrieáendes Gegenwartsgeschehen vergessen.
Selbst heute noch, im Gef„ngnis zu Isra‰l

/607/AE 26
Greife ich zu dieser erprobten Methode zurck; denn das Gefangensein und 
Gefangenendasein, bringt nun einmal eine solche Flle von Ungelegenheiten mit 
sich, daá ich schon oft und oft dem Tag nach der Nacht grau war, der mich ihm 
auf`s neue erleben lieá.
Es gibt keinen Zweifel, daá der Tod besser ist, als die Gefangeschaft, aber der 
Mensch tut gut daran, seinem Schicksal nicht auszuweichen. Und jedenfalls sind 
die Kr„fte aus diesen herrlichen Vorstellungswelten jeweils stark genug gewesen, 
mich stets noch ,auf andere Gedanken zu bringen". Aber ich will ja jetzt nicht 
von meinen gegenw„rtigen Gefhlen sprechen, sondern mich in die vergangene 
Zeit zurck zu versetzen suchen. -
Daá ich solche ,Ausflge", zur inneren Ruheherstellung, zur inneren 
Gleichgewichtshaltung ben”tigte, war sicherlich ein Zeichen, daá da etwas nicht 
in Ordnung war. Dieses ist sicher. Aber ich konnte daran nichts „ndern, denn ich 
war weder Ursache, noch Wirkung; auch ich war zum Spielball der Zust„nde 
geworden. Ich muáte ja selbst oft gegen mein Wollen, gegen meinen Willen 
gehorchen.
Die meisten der Befehlsempf„nger von damals sagten sich - wenn es wieder 
einmal gegen ihren Strich ging - ,Ach was, habe der Teufel den Satansbraten; ich 
habe meinen Dienst zu schieben und hinter mir die Sintflut". Ich will offen genug 
sein und zugeben, daá auch ich mich mehr als einmal, hinter dieser Beruhigung 
ausl”sen sollenden Pille verschanzte. Nur, es war ohne jede innere Wirkung.

/608/AE 27
Daher verlor ich mich lieber in meine zwar stets konfuser werdenden 
Betrachtungen. Freilich hatte er etwas fr sich, der Standpunkt der Realisten, denn 
er nahm die Dinge eben entgegen, wie sie sich ihm boten. Ich verfgte aber nicht 
ber die Robustizit„t des Gefhls, welche dazu vonn”ten gewesen w„re. Natrlich 
konnte auch ich aus meinen schw„rmereischen Liebhabereien beraustreten in die 
Wirklichkeit, auch ich konnte meine tausend Bedenken einmal verlassen und dann 
zweifelsohne manche Fortschritte feststellen. Es gab da zum Beispiel keine 
Arbeitslose mehr. Es wurden Werte geschaffen in baulicher Hinsicht; auf dem 
Gebeite der Produktion, welche wieder angekurbelt war, ob die Art der Arbeit und 
die Vehemenz mit der sie vorw„rts getrieben wurde, im Hinblick auf die 
Miátrauenssteigerung, den Neid und die Habgier des Auslandes, vom 
Vernunftstandpunkt aus diktiert wurde, dieses konnte ich damals nicht beurteilen, 
denn daran dachte ich nicht einmal. Heute muá ich solches fglich bezweifeln. 
Wenngleich es ja eigentlich eine innerdeutsche Angelegenheit war und auch 
geblieben w„re, h„tte unsere damalige Fhrung nicht in ihrer Unvernunft ihren 
,Justamentstandpunkt" derart s„belrasselnd vertreten; ein Unterfangen, welches 
unsere Nachbaren kopfstutzig machen muáte. Die Behandlung der Judenfrage, 
durch die damalige deutsche
/609/AE 28
Regierung tat ein briges, um Abkapselung und den Boykott gegen Deutschland 
zu festigen.
Und Anfangserfolge verfhrten die Spitzen des Reiches, zu leichtfertigem und 
unberlegtem Tun, pr„sentiert in immer neuen Forderungen. Gleichwohl muáte 
endlich auch nach Danzig vom Zaune gebrochen werden. Und diese Stadt sollte 
zum Schicksal Deutschland und seines Volkes werden.
Schuld an dem ganzen unheilvollen Entwicklungsprozess hatte aber nicht nur die 
damalige politische Fhrung, wenngleich sie die entscheidende Verantwortung 
trug, sondern auch die deutsche Hochfinanz jener Zeit. Sie schrte und trieb genau 
so, wie die internationale Hochfinanz, dieses steht auáer Zweifel.

(7)
Nun, wie die Dinge einmal lagen, gab es vieles, zu dem man bejahend stehen 
konnte; aber mindestens ebenso vieles geschah, wo einem Menschen wie mir, nur 
das Eintauchen in andere Welten, die Flucht aus dem Alltag ern”glichte. Dieses 
ewige Suchen und Dochnichtfinden, zerriá mich mehr, als ich mir davon 
Erleichterung erhoffen konnte. Und der Schluá: nachdem ich doch nicht 
entscheiden konnte, dann ganz ,untertauchen", im kollektivistischen denken. Im 
Denken nit der Masse. Die

/610/AE 29
Masse war fr mich damals die SS. Sie war ferner die gesante NSDAP und will 
man weitergehen, der Groáteil des deutschen Volkes, daá ja im Wesentlichen 
auch nicht gefragt wurde, und nicht anordnete, und auch nichts abstellen konnte.
Hier im Kollektiv war die Gelegenheit, als Einzelpers”nlichkeit zu verschwinden 
und sich ideologisch gleichzufhlen mit dem Massendenken. Ich fhlte mich nicht 
unwohl bei diesem Gedanken, denn es lag mir ohnedies, - zu keinem Zeitpunkt 
meines Lebens, von mir aus ein h”heres Maá an Verantwortung zu bernehmen, 
als ich ein solches zur Existenz meiner Familiie glaubte bernehmen zu máen. 
Darber hinaus aber kein Qu„ntchen mehr.
Mit irgendwelchem Ehrgeiz oder gar Machthunger war ich nicht ausgestattet. 
M”glich, daá ich daher auch meistenteils mit allen Kollegen, Kameraden und 
Vorgesetzten, gut auskam; denn ich war im ihren pers”nlichen Ambitionen zu 
keiner Zeit je ein Hindernis gewesen. M”glich, daá ich dieserhalb schlieálich 
auch vier Jahre lang auf meinem Oberstleutnant sitzen blieb, w„hrend Kameraden, 
mit denen ich lange Zeit gleichrangig war, inzwischen zu Generalen bef”rdert 
wurden.
M”glich, daá ich aus diesem Grunde auch mit dem jdischen Funktion„ren, mit 
denen ich zu tun hatte, gut auskam und

/611, 612/AE 30
sie mit mir.
Ich sage ,m”glich", denn wissen tu ich gar nichts.
Freilich das Kollektiv war nichts anderes als ein milit„risch durchgegliedertes 
Instrument; mehr oder weniger scheint straffste Ordnung und System, allem 
Kollektiven eigen zu sein. Kritikloses, blindes Gehorchen, Disziplin und 
Opferbereitschaft. Dafr versprach das SS-Kollektiv im Frieden materiell gesehen 
eine Sicherung der Existenz, im Kriege den sehr m”glichen Tod.
Hat man sich einmal mit dem kolletivistischen Denken abgefunden, dann ist es 
ein relativ bequemes Leben; ich meine jetzt weniger vom Standpunkt des 
leiblichen Lebens, sondern ich habe dabei das Inneleben im Auge.
Freilich verlangt ein solches Denken schlieálich und endlich eine gewisse 
Oberfl„chlichkeitsbereitschaft. Der eine bringt dazu von Haus aus die Neigung 
mit, dem anderen wird solches, ohne daá es ihm noch recht bewuát wird, 
anerzogen und der dritte - ich m”chte es einmal bildlich ausdrcken - flchtet 
sich sogar in diese Bereitschaft hinein, weil er - egoistisch wie er nun einmal 
denkt - der Meinung ist, dergestalt jeder inneren pers”nlichen Problemstellung, 
mit all den zermrbenden Zweifeln, die ihn nie zur Ruhe kommen lassen wollen, 
entrinnen zu k”nnen. Das weltliche Kollektiv nach Art der SS, verlangte die 
befohlene Arbeitsleistung und die Bejahung

/613/AE 31
zur ,Weltanschauung des Nationalsozialismus". Da diese aber noch etwas v”llig 
Unausgegorenes, von allen m”glichen Erkenntnissen und Vorstellungen 
Zusammengetragenes war, gab es eigentlich so recht auch keinerlei geistige oder 
,weltanschauliche" Aufsicht, die Vertiefungen in diesem Bekennen h„tte 
feststellen oder f”rdern k”nnen; die da lenkend und leiten h„tte Geistesgut nach 
bestimmtem Plane vermitteln k”nnen. Freilichm da gab es die Ordensbrgen, 
auch die SS-Junkerschulen. Einmal aber waren diese Einrichtungen, zeitbedingt, 
auf rein kriegsm„áige Belange abgestellt und zum anderen, waren es 
Nachwuchsangelegenheiten. Um die Probleme der ,Alten", kmmerte sich keiner. 
H„tte sich schlieálich und endlich auch keiner zu kmmern brauchen, da weder 
ich noch andere, Ammenhilfe verlangten. Aber in dem Maáe, in dem die 
Staatsfhrung von der herk”mmlichen Rechtsnorm - wie sie sagte nur fr die 
Kriegsdauer - abwich und sich nachtr„glich dazu sogar die Genehmigung durch 
den Reichstag hatte geben lassen, in dem Maáe, konnte der sonst keiner 
Ammenhilfe Bedrftige, dann sehr wohl nach einer regulierenden Aussprache 
Verlangen haben, besonders dann wenn er gegen seinen Willen zu einer Beh”rde 
versetzt wurde, die soche Rechtsnormab-

/614, 615/AE 32
weichungen, in exekutive Bahnen zu leiten hatte.
Aber die Kardinalforderung war eine einzige und sie hieá: gehorchen.
Einjeder hat in Zeiten des Krieges irgendwie zu gehorchen, gleichgltig wo er 
hingestellt wird; dies ist berall so.

Ein Losl”sen aus diesem Kollektiv, so etwa wie seinerzeit aus dem 
Kirchenverband, solches gab es jetzt nicht mehr. Ich h„tte es jedenfalls auch 
solange nicht getan, als Feinde mein Vaterland k„mpfend bedrohten. Das einzige 
war ich tat, waren meine Bemhungen, an einer anderen Stelle des Kollektivs 
eingesetzt zu werden. Etwa an der Front oder wenigstens in der allgemeinen 
Polizeiverwaltung. Es war zwar ein Kollektiv, aufgebaut auf dem ,Fhrerprinzip". 
Aber das verpflichtende sture Gehorchenmssen in allen Dingen und das Warten 
auf die jeweiligen Befehle und Anordnungen, nahm jeden Pers”nlichkeitswert, 
beziehungsweise lieáen ihn einmal zufolge des Zwanges und im Verlaufe der 
Gewohnheeit, unter dem Einfluá des Tr„gheitsgesetzes, zur Verdr„ngung 
gelangen.
Mir war es recht so, denn nun ich ohnedies nicht mehr Herr meines Willens war, 
bedeutete soches fr mich die einzige Zufluchtsm”glichkeit um den ohnhin 
fruchtlosen Problem- und Komplexl”sungsversuchen, aus dem Wege zu gehen.
Ich habe die Erfahrung gemacht, daá wenn man schon in einem grausamen 
Gegenwartsgeschehen schicksalsbedingt leben muá, und nicht recht

/616/AE 33
Regulator sein kann,sondern Regulierter ist, dann die kollektive Einordnung 
immer nich leichter zu ertragen ist, da anders das Einzelwesen mit ,sich und den 
Schwierigkeiten", berhaupt nicht mehr fertig werden kann. Freilich erf„hrt das 
individuelle Denken eine Zurcksetzung zugunsten des Gruppenbewuátseins, 
dieses aber ist in Zeiten des Krieges, fr den sensiblen geist eher von Vorteil, weil 
ihm Denkvernachl„ssigung und Verantwortungsaufteilung, vor der Wucht des 
seelischen Druckes einen gewissen Schutz bietet.
Das Kollektivumfangene Bewuátsein, eingespannt in Forderungen und Befehlen 
verliert zwar an Pers”nlichkeitswerten, aber auf diese verzichtet der einzelne oft 
ohnedies mit tausend Freuden, denn nur im Fortfall all der vielen seelisch 
beslatenden Punkte, kann das Individuum berhaupt noch bestehen. Es sei denn, 
es hadele sich um Menschen denen ein Abweichen von der Rechtsnorm, h„heren 
Sinn, oder berhaupt nur einen Sinn oder irgend eine Verpflichtung bedeuten 
wrde. Solche aber glaube ich, sind doch nur in einer verschwindenden Minorit„t 
vorhanden.
Ich fand aber das Kollektivverhaftetsein in Anbetracht der Umst„nde und 
Zust„nde noch als das einzig Lindernde und nahm daher alle kollektivbedingten 
Nachteile in Kauf. Es ging mir so, wie dem im technischen Kollektiv lebenden 
Zeitgenossen,

/617/AE 34
dem das elektrische Licht pl”tzlich ausgeht. Solch ein in der Masse Verhafteter 
stellt dann lediglich fest, ob es nur bei ihm alleine ausging, oder ob er dasselbe im 
Nachbarhause auch feststellen kann. Ist er nicht alleine das Opfer der 
Verdunkelung, dann wird er zwar murrend und schimpfend feststellen, daá diese 
ewigen St”rungen eine eminente Schweinerei seien, er wird sich aber schlieálich 
resignierend in sein Schicksal fgen, in der šberlegung, daá er soch machtlos ist 
und als Einzelmensch nichts mit Erfolg dagegen unternehmen kann. Er wird sich 
auch erkundigen, warum dieses notwendig sei, oder wieso es entstehen konnte; ja 
er wird unter Umst„nden Vorschl„ge machen, wie solch Unliebsames, knftig in 
Fortfall kommen k”nnte, er wird auf den Schaden hinweisen, der durch solche 
Maánahmen entsteht, und was dergleichen noch mehr sein mag. Das Resultat 
solcher Bemhungen, hat man bei seinem zust„ndigen Elektrizit„tswerk ja mehr 
als einmal gesehen.
Da k”nnte man nun einwenden, sch”n, dann trete ich aus diesem technischen 
Kollektiv aus, kaufe mir eine Petroleumlampe und bin frei. Bescheidener zwar, 
aber dafr unabh„ngig.
Ja, in normalen Zeiten ist solches ganz sch”n und gut. Aber in Kriegszeiten gibt es 
eben weder Petroleum noch Kerzen, in den St„dten; und der eventuellen Absicht, 
seinen

/618/ AE 35
Wohnsitz auf das Land zu verlegen, um freier leben zu k”nnen, ist ebenfalls ein 
Riegel vorgeschoben, durch eine mehr oder weniger straffe Einschr„nkung der 
Freizgigkeit fr jedermann, fr die Dauer des Krieges.
Nun, es gab auch einige wenige, die warfen den Laden hin und machten 
berhaupt nicht mehr mit; sie stellten sich gegen das System. Die Folgen sind ja 
bekannt; das Ergebnis ebenso.
W„hrend meiner SD-Hauptamtzeit bis 1938 fiel mir ”fter Freimaurerliteratur ber 
Giordano Bruno, dem ehemaligen Dominikanerm”nch, der im Jahre 1600 wegen 
Ketzerei den Scheiterhaufen besteigen muáte, in die H„nde. Seine panthe‹stische 
Lehre widersprach den Prinzipien der damaligen Kirche.
Abgesehen davon, daá ich kein ,Giordano Bruno" war, h„tte eine allf„llige 
”ffentliche Opposition meinerseits, - etwa gegen die Art der L”sung der 
Judenfrage, - das gleiche Ergebnis insoferne gezeitigt, als ich verschwunden und 
unsch„dlich gemacht worden w„re; ein anderer Befehlsempf„nger w„re an meine 
Stelle gerckt.
Es ist natrlich heute ein leichtes Reden, ,der Mensch ist stets Herr seines 
Willens; Wahrung der Pers”nlichkeitswerte; etwas Gesinnungsethik" und 
dergleichen mehr. Auch mir schwebte einmal die Freiheit des Individuums vor; 
auch ich stand einmal gegen jede geistige Versklavung. In Wunsch- und 
Tagtr„umen

/619, 620/AE 36
Konnte ich mich zeitweilig daran berauschen. Aber dann muáte ich erkennen und 
konnte sagen, versuche es einmal jemand in der Praxis. In Mitten eines 
m”rderischen Krieges, unter einer totalit„ren Staatsfhrung als Befehlsempf„nger.
Welch ein Unterschied ist hier zwischen Theorie und Praxis. /19 Zeilen 
gestrichen, unleserlich/ Das willensm„áige Wollen des Einzelnen, n„mlich die 
Verwirklichung des in ihm seienden Sittengesetzes, stӇt bei dem Versuch der 
praktischen Anwendung, in Konsequenz des Erkennens, auf eine unberwindliche 
Mauer. Denn durch Umkehrung der Werte seitens der Staatsfhrung, wurde das 
Umkerungsergebnis zum neuen, ,sittlichen Gebot" erhoben. Was aber ist 
sittliches Gebot, wenn es durch die Staatsfhrung zu etwas Variabelen gemacht 
werden kann, und den politischen Wnschen der Staatsfhrung untergeordnet 
wird, statt daá es umgekehrt w„re und die Fhrung des Staates sich diesem Gebot 
unterwerfe
Was also ist Recht?
/Die Staatsfhrung zwingt seine Exekutive, das Einzelwesen zu vergewaltigen. 
Und welchen wesentlichen Schutz h„tte der Befehlsempf„nger, wenn er gem„á 
seinem Gewissen berhaupt handeln k”nnte. Und was noch wichtiger, welchen 
praktischen Erfolg hat das Wollen des einzelnen Befehlsempf„ngers, wenn er 
nach seinem Gewissen nicht handeln kann, da die Staatsfhrung pare gebietet. 
Was ntzt bloáe Erkenntnis und der Wille allein, wenn die Tat keine Wirkung 
zeigt? - gestrichen/ Und niemand kann sagen, daá solches nur in totalit„ren 
Staaten geschehe. Auch die westliche Hemisp„re lieferte und liefert Beispiele 
genug.
--

/621/AE 37
(8)
Kaum aus anderen Gebieten bezieht der nicht an Konfessionen Gebundene, soviel 
ihn befriedigendes Material gegen Willk„r, Unvernunft und 
Abweichungsbestrebungen von der Gesetzesnorm, wie gerade aus dem Gebiete 
des materiellen Naturalismus, wenn er die Dinge von einer h”heren Warte aus 
besieht.

Der Blut- und Bodengedanke, das Weiterleben im Blute der Nachkommen,das 
Geborgensein im Schoáe der Sippe, sind solange keine schlechten Gedanken, 
solange sie nicht von šberheblichkeitsvorstellungen begleitet sein. Aber trotzdem 
k”nnen auch sie den geist, der mehr wissen will, der suchend weiter treibt, nicht 
befriedigen; ich sagte schon einmal, es sind Werte innerhalb des Geviertes der 
Grenzen des Reiches, Gltigkeit habend. Fragestellungen Logos und Leben im 
Sinne einer allwltenden Ordnung, und damit solche nach dem h”heren Sinn allen 
organischen Lebens berhaupt, finden damit keine Beantwortung. Es sei denn mit 
Sophisterei; damit kann ich ja schlieálich sehr vieles beantworten; aber es kommt 
dann oft einem Trugschluá recht nahe, wenn es nicht solch einer ist. Als 
kleinliche, menschliche Torheit muá der im materiellen Naturalismus auch nur 
kurz und flchitg  Hineinsehende, beispielsweise alle Rassenvorurteile und 
Rassendiskriminierungen bezeichnen.
Man frug mich einmal w„hrend des Prozesses gegen mich, ob ich Antisemit 
gewesen sei.

/622/AE 35
Ich konnte diese Frage frei und gerade heraus mit einem Nein beantworten und 
dafr Beweise erbringen. W„re ich es gewesen, dann h„tte ich sicher dafr auch 
meine ,Grnde" gehabt und dann wrde ich solches auch erkl„rt haben. Natrlich 
war ich - und dieses sagte ich auch - fr eine L”sung der Frage zwischen 
Wirtsvolk und Gastvolk, nun die Komplikationen durch eine gezielte Propaganda 
seitens des Wirtsvolkes auf eine Spitze getrieben wurden, die angeblich nicht 
mehr sang- und klanglos aus der Welt zu schaffen war, und da diese 
Angelegenheit schlieálich zu eienm unverrckbaren Dogma erhoben wurde.
Aber einmal schwebte mir eine politische L”sung vor und zum anderen hatte ich 
keiner Rassenvorurteilsgefhle.
--
(9)
Ein Walten schuf das all und im All manifestierte sich das Walten; und dem 
Menschen kommt im Geschehen des Seins weder eine bevorzugte Sonderstellung 
zu, noch ist er das ,Ebenbild Gottes", er kann es nicht sein, denn dazu fehlt ihm 
die Allmacht.
Die Natur ist das Sein und der Menshc ist darin ein kleines Partikelchen. Kaum 
erst von der Natur geschaffen, schon maát er sich an, korrigierend t„tig werden zu 
wollen. Nein, dieses ging gegen meine šberzeugung.
Verlautete man seinerzeit Solche Gedankeng„nge,

/623/AE 36
etwa die ,Blutschutzgesetze" betreffend, in Verbindung mit materialistisch- 
naturalistischer šberlegung, dann konnte ich h”ren, daá es ein Abschwenken in 
transzendentale Welten w„re und ein Verlassen der staats- und 
gegenwartsbejahenden Lienie. Natrlich stand auch  ich auf dem boden des 
Gegenwartsbejahenden und in vielen Dingen auch konnte ich von einer 
Staatsbejahung sprechen, schon aus Grnden der Selbsterhaltung meines Volkes. 
Aber die T”tung von Zivilisten, die konnte ich allen nationalsozialistischen 
Bekenntnissen zum Trotz, in keiner Form ordnend unterbringen.

Unreife Geister waren am Werk, um einer H„ufung von Begriffen und 
Vorstellungen, den Klang von Ewigkeitswerten aufzudr„ngen. Aber selbst nach 
einem gewonnenen Kriege, h„tten diese zusammengebrauten Postulate, einer 
umfassenden Art Renaissance bedurft und unr unter Erarbeitung g„nzlich neuer 
und innerlich auch wirklich befriedigender Ziele, h„tte man von einem etwaigen 
Weiterbstand dieser Bewegung berhaupt sprechen k”nnen. Wenngleich ich auf 
der anderen Seite der šberzeugung bin, daá es der damaligen Staatsfhrung sogar 
gelungen w„re, selbst Zivilistenmord, durch entsprechende psychologische 
Beeinflussung, bei dem Zeitgenossen moralischen Druck solange zu 
kompensieren, solange der einzelne noch nicht in jenes

/624, 625/AE 40
Lebensalter einer abgekl„rten šberschau eingeteten sein wrde, die ihn vor 
propagandistischer Vernebelung feit.
Die Masse w„re ihr auf jeden Fall erlegen. Man hat es ja anderwo praktiziert und 
erlebt.
Solche Gemeinschafts-Systeme aber sind als naturwidrig abzulehnen. Und man 
sage nicht, das nationalsozialistische System wrde einen Einzelfall darstellen. 
Der Beispiele sind viele. Ja ich m”chte behaupten, daá die wenigen F„lle, in der 
Geschichte, wo dem einzelnen Gemeinschafts-System solches nicht nachzuweien 
ist, weil es ihm an entsprechender Gelegenheit dazu gefehlt hat.
Es ist einer der menschlichen Urtriebem der Kampf aller gegen Alle und er wird 
solange dauern, bis sie nicht alle eines Tages ,in ein und denselben Topf gesteckt 
werden".
Das einzige, worber ich mich wundere ist, daá sich zu diesen eigentlich doch 
recht berlebten System, selbst Nobelpreistr„ger und die brige CrŠme der 
Wissenschaften bekannten und bekennen; ihnen folgten und folgen; von geringen 
Ausnahmen abgesehen.
Freilich, es ist schwer, wenn man in einem Atemzuge damit bedenkt, daá es selbst 
einem Platon nicht gelang den Tyranen Dionysios, zur Verwirklichung seiner 
Staatsfhrungsreformvorstellung zu gewinnen. Und auch Platon muáte erkennen, 
daá die Staatsfhrung m„chtiger ist als selbst der Weise und daá sie auch dessen 
ethisches Handelnwollen paralysieren kann.

Nein, es ist richtig: „ndern kann

/626, 627/AE 41
der einzelne einen Zustand, den auch das Wollen der Masse im guten Glauben mit 
herbeigefhrt hat, nur in den allerseltensten F„llen. Wenn man nun selbst ein 
Teilchen solch einer Masse war und das Sein dazu beitrut, daá ein solcher Zustand 
eintreten konnte, den man sp„ter fr verh„ngnisvoll erkennen muáte, dann macht 
sich solch einer mit Recht Selbstvorwrfe. Es ntzt zwar auch nichts, denn 
Geschehenes l„át sich nicht ungeschehen machen und man konnte die 
Zielrichtung nicht ahnen. Und wenn nun jemand, - dem unter der Diktatur im 
Rahmen des Kollektivs, Funktionen bertragen waren, die er auszufhren oder 
auszuben hatt - nun pl”tzlich nach Zerschlagung der kollektivistischen sicherheit 
alleine und ganz auf sich selbst angewiesen ist, dann tritt eine ebenso pl”tzliche 
Leere ein. /2 Zeilen gestrichem unleserlich/Ein Zustand in dem er logischen 
Denkens oder Handelns noch weniger f„hig ist und in welchem er nach der 
šberwindung des ersten Schockes, nach šberwindung jenes Zustandes, in dem er 
sich unterhalb jeder Lebenswillensgrenze befindet, alles Unheil und alles 
Urs„chliche, daá zu diesem Unheil fhrte durch vergleichende šberlegungen, 
jawohl auch vermischt mit Trugschluá und anderer Sophisterei, in seiner 
gesamten Ausschlieálichkeit, zuerst einmal den Feinden zuschiebt, und nur sie 
alleine verantwortlich macht, fr das Herausreiáen seines Volkes, aus der 
existenzsichernden Geborgenheit, und schlechterdings

/628, 629/
AE 42
fr alles Negative, zu dem sie, seine eigene Regierung zwangen.
Erst viel sp„ter, bei nchternerer Betrachtung erkennt er, daá die Feindseite nicht 
schlechterdings fr alles und jedes Negative verantwortlich gemacht werden kann 
und langsam bekennt er sich zu einer etwas objektiveren Betrachtung der Dinge, 
und gibt unter dem Druck seiner inneren Fragestellung nach vermeintlichem 
Recht und Unrecht, daá auch nach auáen hin zu, was er bezglich dieser 
šberlegungen, gefhlsm„áig oder erkennend, schon zur Zeit der Macht seiner 
eigenen fhrer empfunden hat.

Aber erst ganz zum Schluá, besch„ftigt er sich mit der Haltung seiner eigenen 
Pers”nlichkeit. Hier aber ist fr ihn die Differenzierung der Wertungsgruppen, 
was vermeintliches recht und was Unrecht war, noch bedeutend schwieriger, da 
jetzt die Ausgangspunkte seiner Betrachtungen von einer Unzahl Faktoren 
beeinfluát werden, die ihn gewissensm„áig besch„ftigten und jetzt erst recht 
besch„ftigen. Sie reichen von der wirklichen oder vermeintlichen Verpflichtung, 
der er unterworfen war, bis in das Gebiet der Psychologie hinein. Ganz besonders 
dann, wenn es sich um eine Kollektivangelegenheit, politischer Natur handelt. Die 
frage der Willens- und Handlungsfreiheit ist hier nicht nur ein Berg, hinter dem er 
sich verstecken kann. Sie ist auch ein sehr reales und entscheidendes Faktum.
Einfacher freilich máte eine jede solche Betrachtung bei ehemaligen 
Befehlsgebern sein.
Eines ist richtig: es l„át sich annehmen, daá im Verh„ltnis zur Masse aller 
Beteiligten nur in den selteneren F„llen

/630/AE 43
eine šbertretung des sittlichen Gebotes, in Handlungen welche zur Kriegszeit 
geschehen, vom befehlsempfangenden Einzelindividuum initiativ und von sich 
heraus ausging. Die Staatsfhrung selbst war es, die solches befahl; das 
Staatsoberhaupt; der eigene Polizeichef; der unmittelbar vorgesetzte Gerichtsherr. 
Diese befahlen.
Ich selbst stehe auch heute, nach wie vor - bezglich meines Falles - auf dem 
Standpunkt, daá mich eine Schuld im juristischen Sinne, in keinem Falle trifft.
Und dies ohne jede Sophisterei!
- , -
(10)
Ich geh”rte nicht zu jenen, welche nach dem verlorenen Krieg nun alles von heute 
auf morgen von sich warfen und sich opportunisische lauthals zur demodratischen 
Umerziehung und Entnazifizierung behkannten und sich als unfreie Verfhrte 
hinstellten. Ich halte selbst heute noch die Form, wie solches durchgefhrt wurde, 
fr einen Unfug, den sehr Schlaue, nicht geboren haben mochten. Ganz abgesehen 
davon, daá das Verhalten gewisser M„chte nach 1945, due Meinung aufkommen 
lassen konnte, als habe man den Teufel mit dem Belzebub vertrieben. -
Eine Flucht in die Philosophie alleine, h„tte mich keinesfalls restlos befriedigt, 
auch ben”tigte einen guten Schuá an Tatsachen, die geeignet waren mein 
Vorstellungsgeb„ude, welches sich mir jetzt neu zu errichten hatte, zu sttzen. Es 
war anf„nglich ein schwaches Geb„use, daá durch nationalistische Anwandlungen 
immer wieder zusammenbrach oder zusammen zu 

/631/AE 44
Brechen drohte. Meist waren esVorg„nge politischer Natur, just in den Jahren der 
,Umerziehung" des eigenen Volkes, die mir dann jede Lust nahmen, an mir 
weiterzuarbeiten und die mich rckf„llig werden lieáen. Dann aber kamen Jahre 
gewisser Ruhe und ich fand keine allzugroáen Anstoásteine; es waren die Jahre 
der ersten erfolgreichen Versuche, den Schritt in den Weltenraum zu tun, es waren 
die Jahre in denen sogar den Raketen einmal ein anderes Ziel gegeben wurde, als 
dichtbewohnte St„dte der Erdbev”lkerung.
Und in dem Maáe ich mich immer intensiver mit meinen Gedanken befaáte, 
erhielt mein geplantes Geb„ude, ohne daá es mir so eigentlich recht zum 
Bewuátsein kam, jedenfalls ein Fundament, daá meinen ansprchen, die ich 
keinesfalls sehr hoch schraubte, gengte. Ich brauchte es jetzt nur noch zu festigen 
und auf dieses Fundament mein neues Geb„ude zu bauen.

(11)
- , -
Will ein Mensch sich ein Haus bauen, dann muá er zu allererst einmal 
zusammenkratzen, was er an Geld oder Geldeswert hat, um dafr den Baugrund 
und das Baumaterial zu kaufen; denn nur die wenigsten Menschen k”nnen solche 
Auslagen als Nebenauslagen ansehen, die sie mhelos bestreiten k”nnen.
Dem kleinen Mann gengt ein bescheidenes H„us`chen, denn seine Mittel sind 
beschr„nkt. Er kann es ja sp„ter, im Laufe der Zeit immer noch besser ausbauen. 
Er kann es vergrӇern, durch Anbau oder Aufstockung. So, wie es ihm seine 
Vorstellung

/632/AE 45
Und M”glichkeiten gestatten werden. Er hat inzwischen mit dem Spaten einige 
Probeaushebungen vorgenommen; er weiá wie das Erdreich beschaffen ist und 
wie er daher glaubt fundamentieren zu máen. Auch umz„unt er seinen Bauplatz; 
er kapselt sich ab. Es ist ja nicht n”tig, daá ihm alle Nachbarn zuschauen; sie 
wrden ihn auch nur unn”tig st”ren. Er beginnt jetzt einen kleinen Plan, oder auch 
nur eine Skizze zu fertigen und dann gedenkt er danach Ziegel fr Ziegel zu 
setzen, nachdem das Fundament tragfest geworden ist. Ein Dach ber den Kopf; 
Fenster und Tren werden eingepaát und schon kann der Mensch, wenn Not am 
Mann ist, einziehen, denn die meiste weitere Arbeit, wird sich ohnedies jetzt im 
Inneren des Hauses abspielen. Sie ist bei fast jedem Wetter zu machen. Der „uáere 
Verputz ist gegen die Unbilden der Witterung auch noch n”tig, wenngleich nicht 
fr alle klimatischen Zonen von gleicher Bedeutung.
Meine Frau und meine erwachsenen S”hne wollten in Argentinien ein Haus 
bauen. Eich hatte damals etwas freie Zeit und besuchte die Fachleute. Ich kam aus 
dem Stauenen nicht mehr heraus, was da alles zu beachten w„re und mit was man 
rechnen máte. Wie sich die Kosten verteilen wrden und welche gesetzlichen 
Bestimmungen vorgesehen seien. Die fr mich zum Teil unverst„ndlichen 
Fachw”rter, komplizierten und verwirrten die Dinge immer mehr.
Ich sagte mir, bei solchen Schwierigkeiten kommen voraussichtlich weder meine 
Frau, noch meine

/633/AE 46
Kinder, zu Lebzeiten zu einem Haus. Da setzte ich mich eines Tages hin, und 
machte eine Skizze. Im Maschinenbau w„re sie sicherlich irgendwie noch gn„dig 
akzeptiert worden aber jeden Baupolier h„tte sie in hellste Verzweiflung gebracht.
Dann fundamentierten und mauerten meine S”hne, und ich mit ihnen, und ich 
glaube in Jahresfrist stand der Rohbau fertig da. Nicht tagt„glich konnten wir 
arbeiten, dazu hatten wir keine Zeit. Samstags und Sonntags und sonst, wenn 
jeder gerade mal Zeit hatte. Und es ist nach Meinung der Fachleute, ein recht 
solides und fest gebautes Haus geworden.

Genauso ging ich mit dem Bau meines neuen Weltbildes zu Werke. Die Arbeiten 
und Schwierigkeiten waren ganz „hnlich, dem eben geschilderten Hausbau.
Hier st”át man beim Suchen nach der Wahrheit, nach der Gltigkeit der Dinge, 
nach umfassender Klarheit, auf eine solche Unmenge schulphilosophischer 
šberlegngen, Vermutungen, Erkenntnisse und Meinungen, daá man zu Anfang 
schlechterdings zurckschreckt.
Aber nach und nach geben die alten und neuen Weisen daá, was zur Sammlung 
zuerst vonn”ten ist: den Abstand von den Dingen des Tages. Als ich diesen 
endlich hatte, da konnte ich anfangen zu mauern. Nur eines: bauen muáte ich hier 
ganz alleine

/634/AE 47
Fr mich. Mein Weltbildhaus hat sicherlich viele fachliche M„ngel und Fehler. 
Ich habe es daraufhin noch nicht einmal berprfen lassen. Auch das Haus, daá 
meine S”hne und ich bauten, hat einige fachliche M„ngel, aber sie st”ren meine 
Familie nicht, denn die Statik wird durch sie in keinerlei Weise beeintr„chtigt und 
es l„át sich recht sch”n in diesem Hause wohnen. Es interessiert auch einmal 
groá, ob sich da und dort, dieser oder jener Fehler eingeschlichen hat; die 
Hauptsache ist, daá man sich in einem solchen Hause wohl fhlt.
- , -

					/636/				AE: 48

						-(12)-
Protagoras sagte vor rund 2.400 Jahren, daá er von den G”ttern nichts wisse; er 
k”nne weder sagen daá es solche g„be, noch k”nne er sagen, daá es keine g„be.
Wir sind in dieser Erkenntnis bis zum heutigen Tage nicht um einen Schritt weiter 
gekommen.
Der eine glaubt an Gott; der andere nicht.
Wissen tut es keiner.
Ich glaube an einen Gott. -

Ich laá(sic) vor wenigen Jahren in Argentinien eine mich fesselnde Theorie ber 
die Entstehung unserer Welten. Ein belgischer oder franz”sischer Priester stellte 
sie auf.

Vor einem Zeitraum von etwa fnf Milliarden Jahren explodierte eine 
Kernbreimasse vorstellungsm„áig etwa in der Gr”áe eines Wrfel von mehrern 
hundert Kilometer Kantenl„nge. Der modernen Astronomie und Physik sind 
solche Katastrophen nichts Neues.
Der Kernbrei wurde ,verdampft". Mit gewaltiger Geschwindigkeit wurden diese 
,Explosionsdampfwolken" in den Raum geschleudert. Nach allen Richtungen 
stieben sie auseinander und ihre Geschwindigkeit nahm (und nimmt immer noch) 
zu, je weiter sie sich dem Explosionsherd entfernten. Die Rotation verlieh diesen

					 	/637/				AE: 49

Gasgebilden Form und Gestalt und die Abkhlung hatte Verdichtung zur Folge.
Und unsere Erde, als einer der Planeten unseres Sonnensystems ist ein ganz 
kleines Partikelchen, ein St„ubchen nur, in der gewaltigen Zahl der anderen 
Sonnensysteme im Rahmen ,unserer Milchstraáe", von denen es ebenfalls 
ungez„hlte noch gibt.
Soweit die Geschichte.
Nun, solches ist so undenkbar nicht und scheint durchaus verst„ndlich; besonders 
nachdem der Menschheit selbst es bereits gelungen ist, solche Naturkatastrophen, 
im kleinsten und bescheidensten Rahmen, in Form von einigen 
Atombombenexplosionen w„hrend des letzten Weltkrieges, und danachfolgen 
Wasserstoffbombenversuchen, nachzumachen.
Bezglich der Zeitbestimmung scheint es von seiten der berufenen Fachleute 
offenbar auch keine die Theorie umstrzenden sachlichen Einw„nde zu geben. Ja, 
sie ist darber hinaus, wie man lesen kann, in etwa sogar kontrollierbar; 
Verfallszeiten, Halbwertzeiten und Strahlungsverlust; Umwandlung, z.B.: Radium 
in Blei; sie spielen in solchen Berechnungn mit ein(sic) Rolle. Aber nicht nur 
irdische Zeugen erz„hlen von l„ngst vergangenem Geschehen, auch andere Sterne 
schicken uns laufend die Boten. Das auf uns kommende Licht ferner Welten, wird 
spektralanalysiert und Meteorteilchen wandern in Laboratorien.
Und so ergibt es sich, daá die Explosion, von der unserer kleine Geschichte 
erz„hlte, offenbar nicht einmal die einzige

						/638/				AE: 50
ihrer Art ist. Und zwar andere, gewaltigere Naturkatastrophen, den lumpigen 
zwanzigmillionen Grad Hitze, dem Helfer bei der Geburt unserer Welten, noch 
spottend. Und wir Menschen, inmitten unserer galaktischen Welten, erahnen 
supragalaktische GrӇen, die Bahnen des Raumes durchjagend.
Dies alles bewegt sich im Raum; im All, wie wir es nennen.
Einer bezeichnet als Raum das Insgesamt aller Getgend, in der die k”rperlichen 
Dinge auftreten k”nnen.
Der andere gibt zu dem Dreidimensionalen des Raumes an sich, die Zeit noch /2 
Zeilen unleserlich gemacht/. ,Er flieát"; ,ununterbrochen und stetig sich 
ausdehnend."
Wieder andere sehen ihn rechtwinkelig und sie stehen im Gegensatz zu denen, die 
ihn gekrmmt wissen wollen.
Jene vertreten die Meinung, der Raum sei ein leeres und totes Nichts und er habe 
keine andere M”glichkeit, als ausgefllt zu werden.
Und diese wiederum sagen, kein Zweifel, er hat eine Realit„t, wenngleich auch 
auáerhalb unseres Geistes.

Ich meine, ein Nichts kann weder gekrmmt sein, ein Nichts dehnt sich nicht aus, 
es ,flieát" nicht, ein ,Insgesamt der Gegenden" ist immerhin

						/639/				AE: 51

auch ein Etwas, und daá(sic) worin etwas auftreten kann, ist folglich kein Nichts.

Ob die mir augenscheinlich bekannten Weltensysteme und darber hinaus gem„á 
meiner ahnenden Vernunft weitere Welten auf die Art von stattgefunden(sic) 
Explosionen, wie eine solche meine Eingangsgeschichte aufzeichnete in dieses 
Etwas geschleudert wurden, eine Sache, die mir recht einleuchtend ist, und fr 
meinen Hausverstand brauchbar erscheint, oder ob sich die Ordnung auf anderen 
Bahnen urs„chlich vollzog, wird solange sicherlich unbekannt bleiben, bis eines 
Tages der Mensch diese Welten betreten kann und seine Untersuchungen an Ort 
und Stelle durchfhren wird.

Als vorl„ufigen Endwert dieser Urs„chlichkeit aber sehe ich, der Mensch, 
nunmehr das ,Sein" und empfinde es. Dieses ,Sein" unseres Weltensystems hat 
jedenfalls in einer ,Zeit", die vor einer bis zehn Milliarden Jahren zu liegen 
kommt, konkrete Gestalt angenommen. Ein ,Ist" kam durch einen Sch”pfungsakt 
und zieht seine Bahn. /gestrichen: nach den Gesetzen des Makrokosmos/
Und hier setzt man den Beginn unserer ,Zeit"; das ,Sein" liegt in ihr.
In dieser ,Zeit" erfolgt im ununterbrochenen Kr„ftestpiel der Natur, das sich stets 
vervollkommnende ,Werden" des entandenen ,Seins".
Alles ,Sein" ist im steten ,Werden"; und dieses

						/640/				AE: (52)
(Irrtmlich ausgelassen)

						/641/				AE: 42
(Irrtmlich ausgelassen)

					/642-643/				AE: 52

ist es, was mich ganz besonders interessiert. Hier habe ich also fr mein 
Vorstellungsverm”gen etwas ,Handfestes, Greifbares". Und ich hte mich aus 
Grnden der Vorsicht, mich nicht zu sehr in andere Vorstellungsm”glichkeiten zu 
begeben, in der Sorge, ich k”nnte etwas relativ Sicheres dabei verlieren. Ich 
kmmere mich einfach um andere Seins-Auslegungen nicht mehr.
Es ist ja alles etwas unglaublich Fesselndes und Interessantes, aber wenn ich mir 
ein Haus bauen will, dann muá ich mich schlieálich und endlich auch einmal fr 
einen bestimmten Typ, fr eine bestimmte Ausfhrung entschlieáen. Oh ja, es gibt 
eine ganze Menge sch”ner und herrlicher Formen, aber als ,kleiner Mann", kann 
ich mir schlieálich keinen Zwanzig-Zimmer-Palast bauen. Und was h„tte ich von 
einem Palast, wenn nur die vier W„nde hochgemauert wrden und nicht mehr, 
weil die Finanzen ersch”pft sind. Was ntzt mir existieren wollenden Menschen, 
etwa ein glhender Gasball, eine halbfláige Feuerkugel oder ein zwar schon 
fester K”rper, der aber beschaffenheitsbedingt, dem organischen Leben keine 
Existenzm”glichkeit bietet. 
/6 Zeilen gestrichen, ersetzt durch Text von Seite gegenber: Was ntzen mir ein 
halbes Dutzend anderer theorien; sehr sch”n, interessant aber leider unglaublich 
kompliziert und schwer zu verdauen./

						/644/				AE: 53

						-(13)-
Das ,Sein" ist ein einziges, groáes ununterbrochenes ,Werden", solange der 
Seins-Zustnad anh„lt; und das ,Werden", ein immerw„hrendes, 
ineinandergreifendes und flieáendes šbergehen von einem Seinszustand, ber das 
Werden, in einen anderen Zustand des Seins.
Und dann war es eines Tages so weit, daá der Seins-Zustand unserer Erde 
geeignet war, organisches Leben zu geben und zu erhalten.
Pflanze; Tier; Mensch. -
Ob Haeckel, Darwin oder andere auf dem richtigen Wege der Deutung zur 
Lebenswerdung waren, ist schláig bis heute noch nicht bewiesen worden. Mir 
gengt es zu wissen, daá ich im Akte der Zeugung einem einzigen von etwa 150 
Millionen Spermateilchen, welches als erstes das reife Ei im Mutterleibe 
befruchtete, meinen Eintritt als Mensch in das Dasein zuschreiben kann. 
Ich, der Mensch, stamme aus einem gar reichen Hause; denn die Natur der ich 
angeh”re, kann sich unglaubliche Verschwendung leisten; ich brauche mich daher 
um gar ncihts zu sorgen, sie tut es mit ihrem unendlichen Reichtum fr mich. Und 
fr mein ,Werden" ist fr das ganze ,Sein" gesorgt und ein Fallen in's ,Nichts", 
das nicht existieren kann, ist unm”glich.

						/645/				AE: 54

Und Tatsache ist, ich stehe im ,Leben" des ,Seins"; und das ,Leben" ist eine 
Werdens-Bestimmtheit des ,Seins". Und solange aber das ,Sein", ,Leben" tragen 
wird, bin ich diesem ewigen Kommen und Gehen, diesem ewigen Stirb und 
Werde unterworfen. Solange einmal bin ich auf jedenfall unsterblich.
Dies aber ist es, was mich beruhigend an der Sache interessiert.
Und ich vermag nicht einzusehen, daá das Leben eine Last ist - obschon ich zur 
Zeit im Gef„ngnis sitze - auch vermag ich nicht zu erkennen, inwieferne man sich 
,vor dem Tode" frchten solle, oder infolge einer mjutmaálichen Endbestimmung 
alen organischen Lebens, von Angst geplagt sein muá.
Etwas, welches das naturgewollte Schicksal aller Menschen ist, kann nichts 
Schreckliches sein. Undenkbar ist es fr mich, wenn ich den natrlichen Ablauf 
der Dinge betrachte, das Walten, welches uns Menschen in seinen Plan setzte, 
k”nne nur Nutzlosigkeit und Leid, zum Lose des Lebens bestimmt haben.
Freilich, es ist eine weise Vorsehung, die uns Menschen, nicht gerade als 
Menschen unsterblich werden l„át. Dies ist sehr tr”stlich. Aber der Gedanke an 
die Flle der Lebensformen, welche ich einem ehernen Naturzwang noch zu 
durchleben haben werde, stimmt mich heiter, glcklich und froh.

					/646-647/				AE: 56

Daá wir als Menschen noch so viel an Leid und Sorge mit uns herumtragen und 
gegenseitig zufgen, liegt in der Unzul„nglichkeit unser selbst. Auch der Mensch 
ist einer immerw„hrenden Verfollkommnungsentwickelung unterworfen, solange 
das ,Werden" es vorsieht. Und noch stehen wir Menschen erst am Anfag unserer 
Formung und vieles, was uns Heutigen noch Žngste und Schrecken verursacht, 
wird durch den Schleifstein des ,Werdens", gegl„ttet.
Das Leid und die Drangsal der Menschen in frheren Zeiten, war vergleichlich, 
noch ungleich gr”áer als heute. Und in knftigen Epochen werden unsere 
Nachkommen bei Anlegung des Vergleichsmaástabes, genau dasselben 
behaupten, von uns.
Immer kann es und wird es zeitweilige Rckschl„ge, ja vermeintlihce 
Rckw„rtsentwicklungen geben; doch was tut dieses zur Sache, bei Betrachtung 
der Ganzheit. Es ist ein trauriges Schicksal fr in solche zeiten Hineingeborene; 
dies ist unleugbar. Und der Mensch sollte versuchen, kraft seines K”nnens, dem 
Rckschlag zu steuern. Er vermag es schon l„ngst /ca. 1 Zeile unleserlich 
gemacht, ersetzt durch Text von Seite gegenber: ob er es endlich will, wird die 
Zukunft beweisen./
Ein gtiges Walten will jedenfalls keineswegs das Verderben. Dies beweist mir 
ganz deutlich, daá es mir, der ich mit in einem Teil des organischen Ablaufes der 
Dinge gestellt bin, das Gefhl fr Freude und Herzlichkeit gab.

					/648-649/				AE: 57
Und unm”glich ist das Wollen des Waltens, daá sein Geschaffenes, in Furcht, 
Angst, Zittern und Leid gar, verkomme.
So gesehen ist meine Auffassung, welche ich mir von den Dingen mache, 
freundlich und heiter. /Zusatz von Seite gegenber, nicht genau plaziert: Und ich 
vermag nicht den Sartre'schen Standpunkt zu teilen, daá Leben, wie Tod, 
Absurdit„ten seien. Zwar gebe ich zu, daá sie unwichtig sind, sowohl Leben sie 
Sterben, von der Wartes des ,Werdens im Sein" aus gesehen, soweit es mich, als 
Person anbelangt./
Ich habe den Anschluá wieder bekommen an Ruhe und Frieden; Werte, die ich in 
jngeren Jahren schon einmal hatte.
Zwar beziehe ich sie jetzt aus anderen Bereichen; doch was tut dies zur Sache. 
Das Ergebnis alleine ist bestimmend.
Die Zeit dazwischen aber h„tte mich mir einsparen k”nnen.
					----------
Epikur sagt ber den Tod, daá dieser, solange er lebe nicht da sei. Kommt er, ist 
Epikur nicht mehr da. Und Schopenhauer denkt den Tod nicht schlimmer als die 
Geburt.
Ich erg„nze, halte mich zwischen Tod und Geburt, die ich nicht kenne, und sage, 
die Hochzeit mit meiner Braut zu feiern ist fr”hlich; ein ,neues Leben" beginnt 
dann fr beide. Und der Tod tut nichts anderes, er fhrt mich zu neuen Leben.
/Zusatz von Seite gegenber: Achtung! nicht neuem Leben, sondern wie ich es 
schrieb! (Mehrzahl)/
Aber der ,Tod" des Organischen ist eine naturgesetzte Notwendigkeit, im Zuge 
der fortschreitenden ,Werdung des Lebens" und dient der Vervollkommnung. 
Eine Umwandlung ist es zu Neuem, nicht mehr. Wozu also Angst und Besorgnis?

					/650-651/				AE: 58
Tausend  mal tausend Tode, ziehen mich in tausend mal tausend Leben; in seinen 
mannigfaltigsten Daseinsformen. Im ununterbrochenen Spiel. Solange, bis aus 
klimatischen Grnden, die Erde, welche mein jeweiliges Leben tr„gt und ern„hrt, 
mich nicht mehr erhalten kann.
Mit Erreichung der Existenzlosigkeitsgrenze fr organisches Leben auf unserer 
Erde, f„llt dieses wieder zurck in andere Formen des ,Seins". Und hiermit wird 
der erste Kreis nun geschlossen, und weitere folgen. Bis abermals eine neue 
Urs„chlichkeit zu neuen Beginnen /Zusatz auf Seite gegenber: Achtung! Zu 
neuen Beginnen!!! (Mehrzahl)/ den Anlaá gibt. Denn nichts im All kann ruhen 
und stehen und alles ist stets im fluá. Und es gibt keinen Tod als solchen, weil es 
kein Nichts gibt. Denn das Glieáen schlieát sich in sich, um wieder zu flieáen.
						-(14)-
Wenn ich so dieses Gebilde betrachte, dann muá ich sagen, es ist eine Zeichnung 
die mich erfreut. Alles Finstere und Dunkle entschwindet und ich bin glcklich 
darber. Einfach, in sich geschlossen, steht es mir stets vor Augen; anders h„tte es 
im Gehetze des Alltags auch wenig praktischen Wert. Denn je mehr Zeit ich 
aufwenden máte, um durch scharfsinniges Denken - falls ich mich dazu 
berhaupt aufraffen m”chte - mein Weltbild vor mir zu haben, desto weniger 
wrde es mir fr den Hausgebrauch ntzen.
So also kenne ich meine Rolle, welche zu spielen, im Ablauf der Dinge

						/652/				AE: 59

mir zugedacht ist.
Dies gibt mir jetzt auch den Abstand vom kleinlichen Tagesgeschehen und alles 
gestern noch Schwere, ist heute entschwunden.
Es ist dies die wahre Freiheit; aus der Erkenntnis geboren, daá kein Menschentand 
mehr f„hig ist, mir meine innere Ruhe zu rauben. Und damit „ndert sich 
gleichzeitig meine Stellung von Mensch zu Mensch; sie wird eine andere. Heutere 
Aufgeschlossenheit, kein „ngstliches Lauern, Vorurteilslosigkeit, kein Neid und 
kein Haá, sind mit die wichtigsten Pluspunkte. Zwar bin ich nach wie vor Egoist, 
doch diesmal nicht auf Kosten der anderen. Jetzt nehmen sogar die Mitmenschen, 
an diesem Egoismus auch fr sie gewinnbringenden Anteil. Denn Streitsucht, 
Hader, Schwierigkeitsbereitung, Miáachtung, Verleumdung und wie die Litanei 
der Verdruágrnde da lautet, erlebt mangels ausreichender Begrndung, 
Abschw„chung in bisher nicht gekannten Gr”áen.

Ich erfuhr in gengendem Maáe die Auswirkung einer pessimistischen 
Weltbildvorstellung; als Geb„rmutter vielen šbels kann man sie ruhig 
bezeichnen.

Und in folgerichtiger Auswertung dieses Erkennens, ist zerfleischender Kampf 
um souver„ne Belange kleiner Sektoren, jene Zusammendr„ngung beherbergend, 
die als ,mein Volk" genannt wird, von absoluter Unwichtigkeit geworden.

						/653/				AE: 60

Es ist mir nationales enghorizontiges Denken und Verharren in demselben direkt 
zur Last geworden, die mich behindert.
Gegenseitiges Miátrauen, Vorherrschaftsbestrebung des einen ber den anderen, 
Wertung- und Klassifizierungsgruppen der Menschen, dies alles geh”rt fortan 
zum alten Germpel.
In Wahrheit, daá(sic) derzeitig immer noch andauernde und beigehaltene(sic) 
System im Zusammenleben der V”lker, kann nur als eine tragische Lage der 
Menschen auf Erden bezeichnet werden. Und bei Fortdauer derselben, lebt der 
Mensch, bar jeder Hoffnung und Zuversicht, seine Erdentage dahin, ohne sie in 
glcklichere Bahnen verbringen zu k”nnen.
Denn was ntzt dem einzelnen seine ihn befriedigende Weltbildvorstellung und 
was ntzen Erkenntnis vom h”heren Sinne des ,Seins", wenn jeden Tag 
Kriegsgesetze in Kraft treten k”nnen und die Handlungsfreiheit des einzelnen, 
starr mit Beschlag gelegt(sic) wird.
Zahlreich sind die durch Jahrtausende erprobten Gesellschaftsformen, mit dem 
Ziel, mehr oder weniger befriedigende Systematik in das Zusammenleben der 
Menschen zu bringen. Aber wirklich gerecht werdend fr heutige Verh„ltnisse, 
scheint nichts von allem Herk”mmlichen zu sein. Freilich, wie berall, sind auch 
hier die Dinge in stetem Fluá. Und es l„át sich annehmen, daá was bei einer 
Gesamtbev”lkerung von rund drei Milliarden,

						/654/				AE: 61
ein dringendes Gebot der Stunde wurde, die Menschen zu einer Zeit, wo sie mit 
einer einzigen Milliarde dahin leben konnten, m”glicherweise noch nicht zu 
interessieren gehabt hat. Und mir will scheinen, als seien Gedanken, die eine 
globale L”sung behandeln, umstnadsgem„á, glcklich und gut. Denn im ,Werden 
des Seins", dr„ngt alles zum Ganzen.
Warum der moderne Mensch sich einer solchen L”sungsform trotz zwei 
vernichtenden Weltkriege, bisher noch immer verschloá, dies scheint wie ein 
R„tsel. Vielleicht ist es eine Verkettung von mancherlei Ursache und Wirkung; 
und menschliche Starrk”pfigkeit scheint mir dabei nicht eine der letzten zu sein.
	Nun gut, die Kommenden werden es „ndern; ohnedies werden sie nur noch ein 
bedauerndes L„cherln brig haben, fr unser Verhalten.
Haben wir Heutigen etwa kein mitleidiges L„cheln bezglich der Haltung unserer 
Vordern, wenn wir an die Dutzende der deutschen Kleinstaaten denken. Noch 
Goethe fuhr nur wenige Stunden Postkutschenfahrt und schon war er im Ausland 
und anderen Gesetzen unterworfen. Dann aber r„umte man eines Tages auf mit 
dieser Miniaturstaaterei. Und warum sollte solches fr die gesamte 
V”lkergemeinschaft nicht Gltigkeit haben.
Nach solcher L”sung wird sich von selbst dann ein friedliches Zusammenwirken 
der Menschen untereinander ergeben. Denn in politischer Hinsicht wird es 
solcherart zwangsl„ufig schon, zu einer Neutralisierung des Gegens„tzlichen
			/technische Bemerkung am unteren Rand unleserlich gemacht/

						/655/				AE: 62

kommen. Und dem Alltagsgeschehen wird dann jene Bedeutung zuteil, die ihm 
billigerweise zur Lebensverbesserung einger„umt werden muá.
Aufgabe der L„nderregierungen, welche dann nur noch provinziellen Charakter 
haben, wird sein, im Verein mit der Zentrale, die Glcklichermachung der V”lker 
der Erde. Und je eher ist solches erreicht, je mehr fr die pers”nliche Sicherheit 
und Unabh„ngigkeit des Einzelmenschen gesorgt und jedwede Vergewaltigung 
desselben verhindert wird.
Bei gleichbleibender Tendenz aber wird trotz der sch”nsten 
Weltbildvorstellungen, die der Einzelne auch(?) haben mag, die Masse 
unweigerlich in die Daseinsangst der Primitiven so lange zurckfallen, bis ein 
„uáerer, gewaltsamer Anlaá, zu solch einer L”sung dann zwingen wird, falls es 
sich dann berhaupt noch verlohnt.

						/656/				AE: 63
/technische Bemerkung am oberen Rand unleserlich gemacht/
Denn bei ehrlicher Betrachtung der Lage ist es seit langen, langen Zeiten doch so, 
daá sich jeder selbst der N„chste ist. Trieblich bedingt; ein Urzustand. Alle 
diesbezglichen Korrekturbestrebungen haben breiten und dauernden 
Niederschlag bisher nicht gefunden. Und nur eine šbernationalisierung der 
V”lker, nimmt den nun einmal vorhandenen Urtrieben, wenigstens einen Teil der 
von Menschen durch die Nationalisierung knstlich geschaffenen, zus„tzlichen 
Tummelpl„tze. Und solange des bei der Eigenstaatlichkeit, bei dem 
Unabh„ngigseinwollen des einen Staates vom anderen bleibt, solange wird der 
Standpunkt ,Jeder ist sich selbst der N„chste", auch im nationalen Sinne, seine 
unausrottbare Bedeutung beibehalten, und in Zeiten des Kriegszustandes wird die 
Mehrzahl der Bev”lkerung eines Staates auf jeden Fall, willig oder widerwillig, 
daá(sic) ausfhren, was der Staat befiehlt. Geht solches nicht mehr auf gtlichem 
Wege, dann hat der Staat bereits dafr Vorsorge getroffen, dem Nachdruck zu 
verleihen.
Und alle sittlichen Forderungen mit denen der einzelne schwanger geht, alles 
ethische Wollen des einzelnen, bleibt Theorie, die praktisch keinerlei konkreten 
Niederschlag zu zeitigen in der Lage ist. Denn der Machtapparat des Staates, 
w„lzt alle Erscheinungen handlungsm„áiger Natur, so sie seinem Ziel und seinem 
Wollen entgegenstehen, nieder.
Egal, ob Demokratie oder Totalitarismus, egal, ob Monarchie oder Republik.

					/657-658/				AE: 64
Dies ist in Kriegszeiten jedenfalls die nakte(sic) Wirklichkeit, die durch nichts fort 
philosophiert, ja nicht einmal fort sophistiziert werden kann.
Es ist fr einen Menschen verh„ltnism„áig leicht, von zu verwirklichenden 
Sitttengesetzen zu sprechen und dabei auch gegen einen staatlichen Machtapparat, 
als einzelner /Zusatz von Seite gegenber: - gleichwohl er um die praktische 
Erfolglosigkeit weiá - / aufzustehen und lauthals zu sagen: ,Hier stehe ich, ich 
kann nicht anders, als Euch zu sagen, daá(sic), was Ihr macht ist eine groáe 
Schweinerei, ihr seid M”rder, Verbrecher und Volksbetrger und ich schreie es in 
alle Welt hinaus und ich selbst werde nicht einen Tag mehr fr euch t„tig sein", 
wenn der Betreffende entweder sein entsprechendes Alter so zwischen die Fnfzig 
und Sechzig mindestens, erreicht oder: keine Familie hat, oder: seine Familie 
wirtschaftlich so gesichert ist, daá seine diesbezgliche Sorgepflicht als 
unerheblich angesehen werden kann.
In allen anderen F„llen, wird das Individuum sich im besten Falle winden und 
wenden und letztlich doch die staatlich befohlene ,Pflicht" tun. Die wenigen 
Ausnahmen best„tigen die Regel.
Und nicht zuletzt waren offenbar auch solche šberlegungen mit der Grund, 
wessentwegen beispielsweise die r”misch-katholische Kirche ihren Geistlichen 
das Z”libat auferlegte. Der Bekennermut und der Wider-

						/659/				AE: 65
stand in Zeiten der Bedrohung ethischer Werte, in Zeiten der Glaubensbedrohung, 
unbeschadet der Konsequenzen fr die Person des Bekennenden, und unbeschadet 
der irdischen Nutzlosigkiet seines Opfers, wird durch solch eine Freiheit von 
Sorgepflichtbindungen, st„rker und hartn„ckiger.
Deswegen sagte ich, das šbel máe im Grunde, an der Wurzel, ausgerottet 
werden. Die Organisationsform, die den Menschen in solche Konflikte bringen 
kann máte beseitigt werden. Nicht der Mensch hat sich der Organisationsform 
im Zusammenleben, anzupassen, sondern die Organisationsform, máte auf den 
Menschen zugeschnitten werden. Dieses alleine scheint praktische 
Nutzanwendung auf Grund der bisherigen trben Erfahrungen zu sein; das andere 
ist, glaube ich, H„retisches(?) Geschw„tz. Wohl sch”n fr die Stunden der inneren 
Erbauung, aber was ntzt dies, wenn Mord und Vernichtung weiterhin staatlich 
befohlen werden k”nnen.
Und es ist fr mich heute ein leichtes reden(sic), wenn ich sage, ich habe fr mich 
mein Weltbild, daá(sic) mich befriedigt, endlich gefunden.
Ich bin inzwischen sechsundfnfzig Jahre geworden, und sehe die Dinge auch des 
t„glichen Lebens anders als frher. Sterbe ich morgen, ist es gut; sterbe ich heute, 
bueno, dann ist es auch recht. Nicht von unbedingter Wichtigkeit bin ich mehr fr 
die leibliche Existenz meiner Familie. Zur Not wird sie heute auch ohne

						/661/				AE: 66
mich, zurecht kommen, Denn rund zwanzig Jahre ist seit dem Geschehen 
inzwischen alles „lter geworden.
Der Soldat der da fiel, er wuáte, daá staatliche Hinterbliebenenfrsorge die Seinen 
vor bitterster Not schtzte, denn so besagten es die Gesetze. Der 
Kriegsdienstverpflichtete aber, der da gegen den staatlichen Stachel l”ckte und 
dieserhalb geahndet wurde, wuáte, daá sich um seine Familienangeh”rige 
niemand kmmern wrde. Im besten Falle, im allerbesten, w„ren sie dem 
Familienverbande zur Last gelegen.
Und weil die Sorgepflicht, das Sorgefhl um die Seinen ebenfalls trieblich bedingt 
ist, wird sich auch an der Einstellung des Menschen zu diesen Dingen nicht 
„ndern.
Damit aber wird in Zeiten der Katastrophen auch die Einstellung der 
Jahrg„nge zumindestens zwischen fnfundzwanzig bis fnfzig zu diesen Dingen 
die gleiche sein, wie wir sie hatten und wie jene sie hatten, die vor uns waren.
Denn noch ist das System der Gesellschaftsordnung dasselbe.
/nach Zusatz von Seite gegenber, gestrichen, aber noch lesbar: Daher m”ge die 
kommende Generation sich fr sich zuerst einmal jene Organisationsform zu 
einem besseren Gemeinschaftsleben zurecht bauen, die solche Komplikationen 
ausschlieát, denn die Weltbildvorstellung, die da beruhigt, die kommt dann ganz 
von selbst und sie wird in Frieden und Ruhe leben k”nnen und die Freude wird 
der Inhalt ihres lebens sein; denn die Ganzheit kennt nur das Gute./

						/660/			Zusatz zu S. 66
Ich sprach von der Sorgepflicht.
Aber warum tr„gt das Individuum sich denn mit der Sorge; doch nur weil es fr 
sich und den Seinen, Frieden und Nahrung will, dann lebt es in Freude.
Und ob Flora und Fauna, auch dort ist's das Gleiche.
Um die Freude alleine, dreht sich das Fhlen und Denken der Menschen.
Aber der Sorge des Individuums um sich und den Seinen, haben die St„rkeren 
unter den Menschen, sich zu allen Zeiten, als mit eines der Haupthilfsmittel, zur 
Erreichung ihrer eigenen pers”nlichen Wnsche bedient. Und von den 
Sklavenhaltern in grauen Vorzeiten als Einzelpersonen bis zu unseren angeblich 
modernen Gesellschaftsformen als Gemeinschaftsunternehmen, ist es ein und 
dasselbe. Das bereits urs„chlich im Menschen als Hauptquell seines Seins 
vorhandene Sichfreuenwollen, wurde und wird ausgentzt, unter Versprechung 
und Gewalt.
Die Ursache, wessentwegen berhaupt organische Einzelwesen existent sind, 
n„mlich sich der durch ein Walten eingesetzten Freude zu bedienen, wird durch 
menschliches Eingreifen herangezogen, um auf Kosten der Freude anderer, 
entweder seine Freude mhelos zu erhalten, oder sie mhelos zu vervielfachen.
Solches aber, kann nicht im Sinne der gesetzten Ordnung und Harmonie des 
Waltens sein, weil es allem uns Bekannten widerspricht; seien es die Prinzipien 
der Ordnung und Harmonie in den atomaren Welten, seien es diese, der 
Bewegung der K”rper im All.

						/662/				AE: 67

Daher m”ge die kommende Generation sich fr sich zuerst einmahl(sic) jene 
Organisationsform zu einem besseren Gemeinschaftsleben zurecht bauen, die 
solche Komplikationen und Konfliktstellungen ausschlieát, denn die 
Weltbildvorstellung, die da beruhigt, die kommt dann ganz von selbst.
Und das Hoffen und Sehnen der Menschheit wird sich endlich erfllen; Frieden 
und Glcksgefhl und die Freude, werden der Inhalt ihres Ganzheitslebens sein. 
Denn die Ganzheit kennt nur das Gute. /7 Zeilen bis zum Ende des Kapitels 
weitgehend unleserlich gemacht/
						_________
/3 Zeilen unleserlich gemacht; der weitere Text bis zum Ende der Seite gestrichen, 
aber noch lesbar: ,... Ich, der ich aus dem Sein einer allwaltenden Ordnung in 
die hauchartig vorbergehende Erscheinungsform Mensch herausgestellt wurde - 
so notierte ich mir einmal - erkannte durch der Umwelt Formung, allm„lig das 
,Reich". Denn ich wurde als Deutscher geboren. Ich lernte das ,Reich" sowohl 
als etwas Konkretes, wie auch seinen begrifflichen Sinn zu erfassen; alles, was 
hier hineinversenkt wurde, und was ich als Nationalist empfand und ersehnte. - 
So war es bis zum Jahre 1945./

						/663/				AE: 63

/diese gesamte Seite gestrichen, aber weitgehend noch lesbar; obere H„lfte 
nahezu identisch mit S. 62, untere H„lfte mit S. 67/
kommen. Und dem Alltagsgeschehen wird dann jene Bedeutung zuteil, die ihm 
billigerweise zur Lebensverbesserung einger„umt werden muá. Aufgabe der 
L„nderregierungen, welche dann nurnoch provinziellen Charakter haben, ist im 
Verein mit der Zentrale, die Glcklichermachung der V”lker der Erde. Je eher ist 
solches erreicht, je mehr fr pers”nliche Sicherheit und Unabh„ngigkeit des 
Einzelindividuums gesorgt und jedwede Vergewaltigung desselben verhindert 
wird.

Bei gleichbleibender Tendenz aber wird trotz der sch”nsten 
Weltbildvorstellungen, die der Einzelne auchhaben mag, die Masse unweigerlich 
in die Daseinsangst der Primitiven so lange zurckfallen, bis ein „uáerer, 
gewaltsamer Anlaá, zu solch einer L”sung dann zwingen wird.    (x) Fortsetzung 
siehe die vier Beibl„tter 59-62
					-(15)-
/3 Zeilen weitgehend unleserlich gemacht, enden mit: meine Verteitigung einen 
Gefangengruá zu gehen:
,... Ich, der ich aus dem Sein einer allwaltenden Ordnung in die hauchartig 
vorbergehende Erscheinungsform Mensch herausgestellt wurde, erkannte durch 
der Umwelt Formung, allm„lig das ,Reich". Denn ich wurde als Deutscher 
geboren. Ich lernte das ,Reich" sowohl als etwas Konkretes, wie auch seinen 
begrifflichen Sinn zu erfassen; alles, was hier hineinversenkt wurde, und was ich 
als Nationalist empfand und ersehnte. - 
So war es bis zum Jahre 1945.

						/664/				AE: 68
Aber im Laufe der letzten rund 1 « Jahrzehnte, lernte ich langsam und ganz nach 
und nach, immer wieder z”gernd und rckf„llig werdend, dann diesen 
partikularisitschen Gedanken, in das Globale zu formen.
Ich bin der Meinung, daá dieses Sehnen und Hoffen nach einer Vereinigung von 
Logos und Leben, welches bedauerlicherweise zeitweilig in den verschiedenen 
Formen, mit verschiedener Vehemenz zum Austragen kommt, nicht nur eine auf 
uns Deutsche bezogene Angelegenheit, sondern allen V”lkern dieser Erde bewuát 
eigen ist.
Darin aber erkenne ich den Kern aller menschlichen Zwietracht untereinander und 
mit eine der Wurzel vieler šbel.
Wird aber dieses, dem menschlihcen Wunschgedanken urs„chliche Sehnen anstatt 
sektorenartig in globaler Universalit„t gedacht, und ihm Ausdruck verliehen, dann 
tritt an Stelle einer alles zerst”renden Wirkung, ein friedliches Hinstreben nach 
der Erfllung der menschlichen Wnsche. Ja, selbst der Hang zu dem nun einmal 
vorhandenen menschlichen Egoismus geht hierbei nicht leer aus, denn ein jedes 
Individuum bucht per saldo aus dem friedvollen Nebeneinanderleben, seinen 
eigenen, ganz pers”nlichen Vorteil, der ihn mit gr”áeren Annehmlichkeiten als 
zuvor, in den nunmehr geruhsameren Mittelpunkt seiner eigenen, kleinen, 
privatpers”nlichen Welt stellen l„át.
Ich habe w„hrend der letzten Jahre

						/665/				AE: 69
teils in der Stille der argentinischen Pampa, teils in der Unberhrtheit der 
zerklfteten Urwelt des argentinischen Nordens, in seinem Aconquija-Massiv, 
gelernt, aus zweierlei Dingen die fr mich gltige Nutzanwendung zu ziehen.
Ich sah H”lle, Tod und Teufel, weil ich dem Wahnsinn der Vernichtung zusehen 
muáte; denn ich war als eines der vielen Pferde in den Sielen mit eingespannt und 
konnte gem„á dem Wollen und den Befehlen der Kutscher, weder nach links noch 
nach rechts ausbrechen.
Ich habe ferner lebhaften inneren Anteil an den Erkenntnissen genommen, welche 
der menschliche Geist dem All bisher abgerugnen hat, bei seinen Bemhungen, 
,die Sterne zu greifen".

In jener Ruhe der argentinischen Gegenden, konnte ich mich so recht in das 
Walten einer h”heren Ordnung hineinvertiefen, soweit dies fr mich gedanklich 
noch m”glich war; und zu diesem versuchte ich, mir den Spiegel der 
Selbsterkenntnis vorhaltend, mein Ich, meine Position als Mensch, in Relation zu 
setzen. Und ganz von selbst wird dabei der Logos des nationalen Denkens, 
hineingedr„ngt in andere šberlegungen, die letztlich in das unbedingte Wollen 
zur universellen, zur globalen L”sung, mnden.
	Und ich muá sagen, dieses Ergebnis be-

						/666/				AE: 70
friedigte mich tief.
Es ist nicht einmal schwer; es ist eigentlich - wie alles in der Natur - einfach. Die 
Wiederspiegelung des Makrokosmos im Mikrokosmos und umgekehrt.
Tausendmal geh”rt; auch erfaát. Aber ich zog in frheren Jahren nicht die 
Nutzanwendung.
Freilich, ich stehe damit nicht alleine da; denn die Oberfl„chlichkeit ist es, welche 
triumphiert. Sonst g„be es ja l„ngst schon keine Kriege, Ausrottungen, Haá und 
Zerst”rung mehr.

Mit Beginn der Existenz des materiellen ,Seins" unserer Welten, den der Mensch 
erkenntnism„áig vor runden fnf Milliarden Jahren glaubt ansetzen zu k”nnen, 
steht dieses ,Sein" in der ,Zeit".
Seit eben dieser Zeit, stehe auch ich, der ich mich augenblicklich im Seins-
Zustande des Menschen befinde, in irgendwelchen Lebensformen des ,Seins", 
gem„á einer Ordnung des Waltens.
Fnf Milliarden Jahre muáte ich also warten bis mich eine allwaltende Ordnung, 
auf einen kurzen Zeitla?? als Daseinsform Mensch ,abkommandierte".
Ob ich in diesem genannten Zeitraum schon einmal als Erscheinungsform Mensch 
gegenst„ndlich und gegenw„rtig war, weiá ich nicht. Ob ich in knftigen Žonen 
wieder einmal zu solch einer ,Kommandierung"

					/667-668/				AE: 71-72
gelange, weiá ich auch nicht.
Ich glaube weder das eine, noch das andere. Nur eines weiá ich sicher, daá ich 
nach Beendigung meiner augenblicklichen Lebensform, unz„hlige andere 
Daseinsformen des organischen und anorganischen Lebens, als Partikelchen des 
,Seins" zu durchlaufen habe.
Sechzig Jahre lebe ich als Mensch. Mag sein etwas l„nger, mag sein etwas krzere 
Zeit.
Wie t”richt war ich, nur im Sektor ,Das Reich", nur im engen, nationalistischen 
Verharren zu denken.
Es ist ein Wunder, besser gesagt wunderbar, daá ein allgtiges Walten, dem 
Menschen seines ,Sein", als der Gter H”chstes, die Freude gab. Die Freude in 
ihren tausendf„ltigen Formen.
Freude nutzend, und wieder teilend, sollte alleine die wahre Lebensafgabe des 
Menschen w„hrend seiner Erdenjahre sein.
Alles andere lohnt wenig und ist so recht bedacht nicht einmal egoistisch. Es ist 
nur t”richt, sonst aber nichts.
/6 Zeilen bis Ende der Seite unleserlich gemacht, ebenso knapp 6 weitere Zeilen 
auf der neuen Seite oben/
							Ende
								Adolf Eichmann
								6 - 9 - 61
Ich habe die letzten Seiten gestrichen. Falls man glaubt, das eine oder andere 
davon verwenden zu wollen, habe ich nichts dagegen; mir ist es egal.      
/Kurzsignatur/

/669/
IV. Teil (Anhang)
,G”tzen" 	Skizzen.

Inhalt							6 Bl„tter
	5 Skizzen als Anhang zur
	Illustration
					Adolf Eichmann
					Haifa, den
					6-9-61
/677
/Anhang 1
/durchgestrichen mit der Bemerkung Ungltiger Entwurf
Testament.
Im falle meines Todes bitte ich folgendes:
1.) Ich wnsche, daá meine Leiche von meinen Brdern aus Israel nach Linz 
a/Donau, Ober”sterreich gebracht wird.
2.) Daselbst ist sie zu verbrennen.
3.) Die Asche ist in sieben Teile zu teilen.
4.) 1/7 der Asche soll in das Grab meiner Eltern auf dem Friedhof zu Linz 
a/Donau, kommen.
5.) 1/7 der Asche im Garten des Hauses meiner Frau und S”hne in Buenos Aires, 
verstreut werden.
6.) Von den restlichen 5/7 geh”ren jedem, meiner Ehefrau Vera geborene Liebl, 
und meinen S”hnen: Klaus, Horst, Dieter und Ricardo-Francisco, je ein 
Siebentel.
Es soll einem jeden von ihnen dermaleinst, wenn auch sie ihr Erdenleben 
beendet haben, mit in ihrem Sarg gegeben werden.

/678/
Es mag ihnen zur Beruhigung dienen, dieses zu wissen, und allf„llige Angst vor 
dem Tode, ihnen nehmen.
Denn: der Tod ist nicht schlimmer als die Geburt; und tausendmal tausend 
andere Leben erwarten noch unser.
Adolf Eichmann
Jerusalem, den fnfzehnten August Eintausendneunhunderteinundsechzig.
(Am 30. Jahrestag meiner Verlobung mit meiner Frau).

Die Adressen meiner Brder sind:
Otto Eichmann, Linz a/Donau, Bischofstraáe 3, Ober”sterreich
Dr. Robert Eichmann, Linz a/Donau Bischofstraáe 3, Ober”sterreich

Dieses Testament ist meiner Ehefrau Vera geb. Liebl ber Herrn Dr. Robert 
Eichmann, Linz a/Donau auszuh„ndigen. Fr die Arbeit, die ich nach 
meinem Tode noch mache, hatte ich nur Entschuldigung und danken den 
Personen, die sich darum bemhen.
Adolf Eichmann
15-8-61/

/677/
Anhang 1
/durchgestrichen mit der Bemerkung Ungltiger Entwurf
Testament.
Im falle meines Todes bitte ich folgendes:
7.) Ich wnsche, daá meine Leiche von meinen Brdern aus Israel nach Linz 
a/Donau, Ober”sterreich gebracht wird.
8.) Daselbst ist sie zu verbrennen.
9.) Die Asche ist in sieben Teile zu teilen.
10.) 1/7 der Asche soll in das Grab meiner Eltern auf dem Friedhof zu Linz 
a/Donau, kommen.
11.) 1/7 der Asche im Garten des Hauses meiner Frau und S”hne in Buenos 
Aires, verstreut werden.
12.) Von den restlichen 5/7 geh”ren jedem, meiner Ehefrau Vera geborene 
Liebl, und meinen S”hnen: Klaus, Horst, Dieter und Ricardo-Francisco, je 
ein Siebentel.
Es soll einem jeden von ihnen dermaleinst, wenn auch sie ihr Erdenleben 
beendet haben, mit in ihrem Sarg gegeben werden.

/678/
Es mag ihnen zur Beruhigung dienen, dieses zu wissen, und allf„llige Angst vor 
dem Tode, ihnen nehmen.
Denn: der Tod ist nicht schlimmer als die Geburt; und tausendmal tausend 
andere Leben erwarten noch unser.
Adolf Eichmann
Jerusalem, den fnfzehnten August Eintausendneunhunderteinundsechzig.
(Am 30. Jahrestag meiner Verlobung mit meiner Frau).

Die Adressen meiner Brder sind:
Otto Eichmann, Linz a/Donau, Bischofstraáe 3, Ober”sterreich
Dr. Robert Eichmann, Linz a/Donau Bischofstraáe 3, Ober”sterreich

Dieses Testament ist meiner Ehefrau Vera geb. Liebl ber Herrn Dr. Robert 
Eichmann, Linz a/Donau auszuh„ndigen. Fr die Arbeit, die ich nach 
meinem Tode noch mache, hatte ich nur Entschuldigung und danken den 
Personen, die sich darum bemhen.
Adolf Eichmann
15-8-61/

/675/
175
1
Anhang 2

P. Achenbach(1)					Bad Krozingen (Baden),
Pastor i. R.						Hofstrasse 14
11. September 1961
An den Angeklagten Eichmann, z. Zt. Israel.
Gelegentlich einer Studienreise durch Israel hatten evangelische Pfarrer in 
Deutschland mich beauftragt, bei Herrn Dr Servatius anzufragen, ob auch 
seelsorgerlich fr Sie etwas getan wrde. Nach einem Telefongespr„ch mit Herrn 
Staatsanwalt Wechtenbruch erhielt ich  keine Nachricht mehr.
Von einem Pfarrer, der in Israel lebt und im Blick auf eine gleiche Bitte Ihrer 
damaligen evangelischen Heimatgemeinde Linz, sich mit Herrn Dr. Servatius ind 
Verbindung setzte, ergab sich, daá auch er bis zu meiner Abreise aus Israel nichts 
mehr geh”rt hat.
Nun weiá ich nicht, ob Sie von diesen Verhandlungen Kenntnis erhalten haben.

Vielleicht haben Sie inzwischen den Wunsch nach seelsorgerlicher Aussprache 
selbst gehabt.(2) Es bewegt mich aber doch einmal pers”nlich an Sie zu schreiben. 
Auf meiner Reise durch Israel war ich auch im Gerichtssaal und folgte einer 
Verhandlung. Sp„ter habe ich durch Rundfunk und Fernsehen an dem fortgang 
des Prozeáes teilgenommen.
Als ich im Gerichtssaal die Anklagen vernahm und auch den Verteidiger wie die 
™ffentlichkeit beobachtete sah ich mich im Geist an den jngsten Tag, dem 
Gerichtstag Gottes, versetzt. Schon jetzt war ja im Gerichtssaal alles ”ffentlich zu 
beobachten. Am jngsten Tage wird aber unsere Schuld fr alle Welt vernehmbar 
aufgedeckt. Denn wird der Teufel selbst der Ankl„ger sein. Was wird ein Mensch 
dann antworten, wenn er nicht den Verteidiger JESUS zur Seite hat. Es wird am 
jngsten Tage alles noch so Geheimnisvolle vor Gott offenbar werden. Am 
Richterstuhl gottes kommt niemand vorbei. Darum ist es gut, wnn amn schon in 
dieser Welt Schuld erkennt, bereut und soweit es m”glich ist wieder gutmacht. 
Darf ich Sie an einen Liedervers erinnern, den sie wohl aus dem Konfirmanden-
Unterricht noch im Ged„chtnis haben:
"Wenn der Kl„ger mich verklagt, Jesus hat mich schon vertreten,
Wenn er gar zu schten wagt, Jesus hat fr mich gebeten,
Daá mein Mittler fr mich spricht, das ist meine Zuversicht."
Sollte es Ihnen von diesem Gesichtspunkt aus nicht m”glich sein, einmal Ihre 
ganze Schuldfrage an der Vernichtung der Juden von Gott her im Lichte der Bibel 
und der Ewigkeit zu sehen. Aus zuverl„ssiger Quelle habe ich geh”rt, daá Sie 
einmal ein frommer Junge gewesen sein sollen. Wenn dem so ist, w„re es doch 
wichtig, sich zu fragen, an welchem Punkt die Weichen Ihres Lebens umgestellt 
wurden, sodaá Sie trotz Kenntnis der Bibel dem Fanatismus des dritten Reiches 
verfallen konnten. Wenn amn beabsichtigte die gesamte Judenschaft der Welt 
auszurotten, dann fanden Ihre Vorgesetzten wohl in Ihrer Person ein willf„hriges 
Werkzeug.(3)
Haben Sie schon einmal darber nachgedacht, daá Ihre Auffindung in der weiten 
Welt fr Sie pers”nlich zugleich Gottes Gericht, aber wenn es zu einem 
Schuldbekenntnis k„me, auch Gottes Gnade bedeuten k”nnte. Ihre Bereitschaft, 
sich selbst das Leben zu nehmen, hebt Gottes Gericht nicht auf.(4)

Ich bin der šberzeugung, daá kein anderes Volk, als Israel, das Recht hatte nach 
Ihnen zu fahnden und Sie vor Gericht zu stellen; denn die Juden sind das Volk, an 
welchem wir Deutsche in einem ausmaá schuldig geworden sind, wie es bisher 
nie in der Welt vorkam. Gott sucht uns Menschen immer in unserer Schuld. Das 
geteilte Berlin und Deutschland sehe ich als Gottes Gericht wegen unserer Schuld 
an Israel.

/676/2
Da Sie nicht nur dem richterlichen Urteilsspruch in Israel entgegesehen, sondern 
auch dem Richtspruch Gottes ber Ihr Leben, Handeln und Tun, sollten Sie ein 
umfassendes Gest„ndnis der ganzen Schuld(5) vor Gott und Menschen ablegen. 
Es war ja schon im alten Testament so, daá wer Snde und Schuld erkannte und 
im Lichte Gottes bereute, auch Vergebung empfing. Eine Bibel zum Studium 
wurde Ihnen ja schon, als Sie nach Israel kamen, bersandt.(6) In ihr k”nnen Sie 
ja nachlesen, was Gott zu solchen schweren Verbrechen an Menschen sagt. Ich 
kann nur hoffen, daá Sie sich noch von Gott und Seinem Wort ansprechen lassen.

Ihre moralische Schuld haben Sie - soweit ich sehe - nicht geleugnet: Sie suchten 
dieselbe aber wohl zu verkleinern. In Ihren Erwiderungen sttzen Sie sich auf den 
abgelegten Eid. Jeder Eid, auch wenn er scheinbar vor Gott ausgesprochen wird, 
hat seine Grenze am g”ttlichen gebot und allgmein gesagt an der Humanit„t. In 
der Prozeáfhrung wird Ihnen ja vom Richter-Kollegium und der Anklage 
Humanit„t in einem solchen Maáe zuteil, wie man das sonst in schweren 
Prozessen kaum erlebte.

Wenn ich mich jetzt mhe(7), Ihnen innerlich ein wenig weiterzuhelfen, dann tue 
ich das im Angesicht der Ewigkeit, vor der Sie stehen. Durch ein klares 
Bekenntnis und einen ehrlichen inneren Aufschluá fr Ihren und unser aller Anteil 
an dem Furchtbaren, was an dem jdischen Volk geschehen ist, k”nnte es 
vielleicht doch fr Sie zu einer Entlastung kommen.

Wenn ich nicht irre, haben Sie sich auch einmal auf den Philosophen Kant 
berufen, aber gerade Kant hat uns Menschen ja gesagt:
,Das Gewissen des Menschen ist der groáe Mitwisser Gottes. Es steht immer auf 
Gottes Seite. Es ist der groáe Mahner in der Menschenbrust."
Man kann das Gewissen zum Schweigen bringen, aber doch bricht eines Tages die 
Not auf, sich verantworten zu mssen. Ein offenes, wahrhaftiges, aufrichtiges, 
alles umfassendes Gest„ndnis vor Menschen wird auch von Gott in der oberen 
Welt aufgenommen. Ein solches kann nicht nur fr Sie, sondern auch fr unser 
unter Gottes Gericht stehendes zweigeteiltes deutsches Volk ungeahnte 
Auswirkungen im -Blick auf Begnadigung von Gott her haben.
Lassen Sie mich Ihnen noch einige Bibelworte in Erinnerung bringen.
,Wer Israel antastet, tastet Gottes Augapfel an." Sch.2,12.
Auf Grund der Bibel wurde mir folgender Satz bedeutsam:
,Wer Israel liebt wirkt Hand in Hand mit Gott."
Das Ernste ist, daá fr jeden von uns pers”nlich die Stunde des Todes kommt. 
Dann mssen wir vor Gottes Richerstuhl erscheinen. Unentrinnbar werden wir 
dann Gott und seinem Gerichtsurteil ausgeliefert sein. Jedem wird die Frage nach 
Gottes auserw„hltem Volk und nach dem, was wir den Juden getan oder diesem 
oder jenem Bruder getan oder nicht getan haben, vorgelegt werden. Dann kann 
sich gottes Gericht nicht mehr in Gnade verwandeln. Das ist nur m”glich, solange 
wir auf Erden sind, d.h. wenn wir Buáe tun. Buáe aber heiát, sich sehen, wie Gott 
uns sieht. Wer Gnade finden will vor Gott - wer Deutschland liebt und es mit vom 
Verderben retten will, der stelle sich ein in die Reihen derer, die sich richten 
lassen und zur Shne bereit sind. Wer Gott liebt und ihn nicht weiter erzrnen und 
betrben will, der kehre heute noch um und bekenne seine Schuld, auf daá die 
Gnade der Vergebung ber ihn kommen kann, und dann den jdischen Brdern 
Liebe und Wohltat gebracht werde, solange es noch fr uns Zeit ist.
Seien Sie der Gnade der irdischen Richter, wie des himmlischen Richters 
befohlen.
Paul Achenbach
(Unterschrift)

Die Hervorhebungen im Brief wurden von Eichmann vorgenommen.
Anmerkungen Eichmanns
 zu dem Brief:
(1) Als Antwort; dem Pastor Achenbach:
     1.)Er m”ge sich die Stellen lesen, die mein Verteidiger seinem Kollegen 
Grber 
          anl„álich des Kreuzverh”rs vorgelesen hat.
(2) Nicht mit einem protst. Geistlichen.
(3) ???
      Frechheit von diesem Achenbach!!	
 (4) Er soll siicht bekommen, auch nicht verlangt.
(7) Ich habe nicht darum gebeten, daá sich der pensionierte Pastor bemhen m”g
 
3


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