The Nizkor Project: Remembering the Holocaust (Shoah)

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      412                        Mathias Beer


Für den dargestellten Ablauf spricht auch die analoge Vorgehensweise im Jahre
1942. Ab April wurde im Referat II D 3a darüber nachgedacht, wie die Gaswagen
verbessert werden könnten, um ihre Tötungskapazität zu steigern und die Handha-	
bung zu erleichtern [60]. Dabei ist man in der gleichen Art und Weise vorgegangen 
wie bei der Entwicklung des Prototyps. Die Angelegenheit wurde zunächst intern
besprochen und dann erteilte Rauff der Firma Gaubschat den Auftrag, ein Fahrzeug
mit den gewünschten Änderungen zu versehen. Dieses sollte anschließend praktisch
erprobt werden, und erst danach wollte man eine Entscheidung über die restlichen
umzubauenden Fahrzeuge treffen [61].

Geht man von dem Termin der Probevergasung in Sachsenhausen aus und
berücksichtigt die notwendige Umbauzeit der Fahrzeuge von ca. acht bis vierzehn	
Tagen [62] sowie die Zeit, die notwendig war, um die Fahrzeuge zum Einsatzort zu
bringen [63], ergibt sich, daß die ersten Gaswagen erst Ende November und Anfang	
Dezember 1941 zum Einsatz gekommen sein können. Der erste Einsatz eines Gas-
wagens läßt sich im Bereich der Einsatzgruppe C [64] beim Sonderkommando 4a in	
Poltawa nachweisen. Augenzeugen zufolge soll dort im November 1941 ein Gaswa-
gen beim Töten von Juden verwendet worden sein [65]. Der Wagen wird wie folgt
beschrieben: "Der Gaswagen war gleichzeitig [d. h. es wurden auch Erschießungen
vorgenommen] im Einsatz. In ihm wurden je ca.30 Personen jeweils befördert.
Soviel ich weiß, wurden die Insassen des Gaswagens durch einströmende Abgase
getötet."[66]	

Für den 8.Dezember ist der Einsatz von Gaswagen durch das schon bekannte
Sonderkommando Lange in Chelmno bezeugt [67]. Es wurde demnach nicht nur in der	
Experimentierphase auf erfahrenes Personal zurückgegriffen, sondern auch beim
Einsatz der Wagen. In Chelmno kamen anfangs zwei "kleinere Fahrzeuge" zum
Einsatz. Gustav Laabs, der Fahrer eines dieser beiden Wagen sagte aus:

"Später stellte ich fest, daß es sich bei diesen Fahrzeugen um amerikanische 
3 t-Lastwagen handelte . . . Der Innenraum des Kastenaufbaus der Wagen war, 
wie ich später zu sehen bekam, 4 m lang und 2 m breit . . . In dem von mir 
gefahrenen Gaswagen . . . (sind) ca. 50 Menschen vergast worden."[68]

--

60. Aktenvermerk vom 27.4. 1942 und 5.6. 1942 (Anm.3). 

61. Aktenvermerk vom 23.6. 1942 (Anm.5).

62. Schreiben Rauffs an das KTI vom 26.3. 1942 (Anm.2). 

63. Vgl. dazu die weiteren Ausführungen S.413.

64. Anm.41, S.186 ff.

65. Aussage des Angehörigen dieses Kommandos, Lauer, StA Darmstadt, Az. Ks 1/67 
[ZSL, Az.204 AR-Z 269/60, Bl.2390ff.]. P. Blobel, der Leiter des Einsatzkommandos 4a, 
erklärte am 6.5.1947 in Nürnberg, ein Gaswagen sei schon im September oder Oktober 1941 
verwendet worden. Diese Angabe kann nicht stimmen. Dagegen trift seine Beschreibung 
auf die kleinen Fahneuge zu. Nürnberger Dokument NO-3824.

66. Ebenda.

67. L. Bednarz, Extermination Camp at Chelmno, in: German Crimes in 
Poland 1/1946, S.110. Zum Sonderkommando Lange vgl. Rückerl, NS-Vernichtungslager, S.243 ff. 

68. Siehe Anm.1 .

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