416 Mathias Beer SS-Untersturmführer Becker [99]. Auf Befehl Rauffs fuhr er zu den Einsatzgruppen, um das Funktionieren der Gaswagen zu überprüfen und, auftretende Mängel zu beheben [100]. Entsprechend eigenen Angaben war er von Mitte Januar bis September 1942 unterwegs [101]. In dieser Zeit war er in ständiger Verbindung mit Rauff und berichtete laufend von seinen Beobachtungen und seiner Tätigkeit [102]. Seine Berichte bildeten die Grundlage für die "technischen Änderungen", die man bei den noch herzurichtenden Fahrzeugen berücksichtigen wollte [103]. Die Einschaltung Beckers wäre nicht notwendig gewesen, wenn die Gruppe Rauff nur fur die Herstellung der Wagen verantwortlich gewesen wäre. Beckers Aufgabe zeigt, daß die Gruppe II auch fur den Einsatz der Wagen zuständig war. Belegt wird diese Tatsache auch durch die Quellen. Am 15.Juni 1942 wandte sich der Befehshaber der Sicherheits- polizei und des SD Ostland mit der Bitte an Rauff, ihm einen weiteren Wagen Marke Saurer zur Verfügung zu stellen [104]. Gleichzeitig forderte er, "noch 20 Abgas- schläuche mitzusenden, da die vorhandenen bereits undicht" seien. Aus dem Becker- Bericht ergibt sich, daß der Ausfall eines Wagens per Funk dem Amt II D zu melden war und fur größere Reparaturen die Fahrzeuge nach Berlin gesandt wurden [105]. Dem Aktenvermerk vom 5.Juni 1942 ist zu entnehmen, daß in Chelmno ein Gaswa- gen expiodiert war. Diesen Vorfall nahm Rauff zum Anlaß, neue Gasproben durch das KTI durchführen zu lassen. Auch wurden den "betroffenen Dienststellen beson- dere Anweisungen" gegeben sowie kleine Änderungen an den Wagen vorgenom- men, um künftig einen Überdruck im Kastenaufbau zu vermeiden [106]. SS-Gruppen- führer Harald Turner, Chef des Verwaltungsstabes beim Militärbefehishaber in Serbien, hatte im April 1942 einen Gaswagen zur Tötung der Belgrader Juden ange- fordert und erhalten [107]. Am 9.Juni wurde dieser Saurer-Wagen nach erfülltem Son- derauftrag nach Berlin zurückgesandt [108]. Nachdem an ihm notwendige Reparatu- ren vorgenommen worden waren, wurde er entsprechend dem Ansuchen vom 15.Juni nach Riga geschickt [109]. Oft sind Gaswagen auf den Zwischenstationen des Weges in den Osten, z.B. in Krakau und Breslau, gesehen worden. Der Leiter der Einsatzgruppe D, Ohlendorf, sagte aus, die Gaswagen hätten nicht zum Fuhrpark der Einsatzgruppen gehört, sondern seien ihnen von Berlin aus zugeteilt worden [110]. Mit den Gaswagen sind auch Fahrer, die vorher in der Handhabung der Wagen -- 99. Siehe oben S.413. 100. Aussage A. Beckers vom 26.3. 1960 (Anm.73). 101. Ebenda, Bl.197f. 102. Ebenda; vgl. dazu auch seinen Bericht vom 16.5. 1942. 103. Aktenvermerk vom 5.6. 1942 (Anm.4). 104. Siehe Anm.5; Aussage von H. Munk vom 3.2. 1959, StA Karisruhe, Az. 1 Js 2138/58 [ZSL, Az. 415 AR-Z 220/59, Bl.499ff.]. 105. 16.5. 1942 (Anm. 82). 106. Aktenvermerk vom 5.6. 1942 (Anm.4). Aussage A. Widmanns vom 11.1. 1960 (Anm.14). 107. Siehe Anm.6. 108. IMT-Dok. 501-PS. 109. Ebenda. 110. Aussage M.Draheims vom 29.8. 1961, StA Hannover, Az. 2 Js 299/60 [ZSL, Az.415 AR-Z 220/1959, Bl.294 f.]; Aussage W.Schmidts, ebenda, Bl.260z f. 111. IMT, Bd.4, Aussage vom 3.1. 1946, S.357.
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