The Nizkor Project: Remembering the Holocaust (Shoah)

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II D 3 a (9) Nr. 214/42 g.Rs.		Berlin, den [5]. Juni 1942
					Einzigste Ausfertigung


					[Geheime Reichssache!]


I. V e r m e r k:

 Betrifft: Technische Abänderungen an den im Be-
           trieb eingesetzten und an den sich in
           Herstellungen befindlichen Spezialwagen

	Seit Dezember 1941 wurden beispielsweise mit 3 eingesetzten
Wagen 97000 verarbeitet, ohne daß Mängel an den Fahrzeugen auftraten.
Die bekannte Explosion in Kulmhof ist als Einzelfall zu bewerten. Ihre
Ursache ist auf einen Bedienungsfehler zurückzuführen. Zur Vermeidung
von derartigen Unfällen ergingen an die betroffenen Dienststellen
besondere Anweisungen. Die Anweisungen wurden so gehalten, daß der
Sicherheitsgrad erheblich heraufgesetzt wurde.

	Die sonstigen bisher gemachten Erfahrungen lassen folgende
technische Abänderungen zweckmäßig erscheinen:
1.) Um ein schnelles Einströmen des CO unter Vermeidung von Überdrucken
    zu ermöglichen, sind an der oberen Rückwand zwei offene Schlitze
    von 10 x 1 cm lichter Weite anzubringen. Dieselben sind außen mit
    leicht beweglichen Scharnierblechklappen zu versehen, damit ein 
    Ausgleich des evtl. eintretenden Überdruckes selbsttätig erfolgt.

2.) Die Beschickung der Wagen beträgt normalerweise 9 - 10 pro m2. Bei
    den großräumigen Saurer-Spezialwagen ist eine Ausnutzung in dieser
    Form nicht möglich, weil dadurch zwar keine Überlastung eintritt,
    jedoch die Geländegängigkeit sehr herabgemindert wird. Eine Ver-
    kleinerung der Ladefläche erscheint notwendig. Sie wird erreicht
    durch Verkürzung des Aufbaues um ca. 1 m. Vorstehende Schwierigkeit
    ist nicht, wie bisher, dadurch abzustellen, daß man die Stückzahl
    bei der Beschickung vermindert. Bei einer Verminderung der Stückzahl
    wird nämlich eine längere Betriebsdauer notwendig, weil die freien
    Räume auch mit CO angefüllt werden müssen. Dagegen reicht bei einer
    verkleinerten Ladefläche und vollständig ausgefülltem Laderaum eine
    erheblich kürzere Beriebsdauer aus, weil freie Räume fehlen.
	    In einer Besprechung mit der Herstellerfirma wurde von 
    dieser Seite darauf hingewiesen, daß eine Verkürzung des Kastenauf-
    baues eine ungünstige Gewichtsverlagerung nach sich zieht. Es wurde
    betont, daß eine Überlastung der Vorderachse eintritt. Tatsächlich
    findet aber ungewollt ein Ausgleich in der Gewichtsverteilung dadurch
    statt, daß das Ladegut beim Betrieb in dem Streben nach der hinteren
    Tür immer vorwiegend dort liegt. Hierdurch tritt eine zusätzliche
    Belastung der Vorderachse nicht ein.

3.) 	    Die Verbindungsschläuche zwischen Auspuff und Wagen rosten des
    öfteren durch, da sie im Innern durch anfallende Flüssigkeiten
    zerfressen werden. Um dieses zu vermeiden, ist der Einfüllstutzen
    nunmehr so zu verlegen, daß eine Einführung von oben nach unten
    erfolgt. Dadurch wird ein Einfliessen von Flüssigkeiten vermieden.

4.)	    Um eine handliche Säuberung des Fahrzeuges vornehmen zu können,
    ist der Boden in der Mitte mit einer dicht verschließbaren Abfluß-
    öffnung zu versehen. Der Abflußdeckel mit eta 200 bis 300 mm 0
    erhält einen Syphonkrümmer, sodaß dünne Flüssigkeit auch während
    des Betriebes ablaufen kann. Zur Vermeidung von Verstopfungen ist der
    Krümmer oben mit einem Sieb zu versehen. Dicker Schmutz kann bei der
    Reinigung des Wagens durch die große Abflußöffnung fortgespült werden.
    Der Boden des Fahrzeuges ist zur Abflußöffnung leicht zu neigen.
    Hierdurch soll erreicht werden, daß alle Flüssigkeiten unmittelbar
    zur Mitte abfließen. Ein Eindringen der Flüssigkeiten in die Röhren
    wird somit weitgehend unterbunden.

5.)	    Die bisher angebrachten Beobachtungsfenster können entfallen,
    da sie praktisch nie benutzt werden. Bei der Fertigung weiterer
    Fahrzeuge wird durch den Fortfall der Fenster mit Bezug auf die
    schwierige Anbringung und dichte Abschließung derselben erhebliche
    Arbeitszeit eingespart.

6.)	    Die Beleuchtungskörper sind stärker als bisher gegen 
    Zerstörungen zu sichern. Das Eisengitterwerk ist so hoch gewölbt
    über den Lampen anzubringen, daß eine Beschädigung der Lampenfenster
    nicht mehr möglich ist. Aus der Praxis wurde vorgeschlagen, die
    Lampen entfallen zu lassen, da sie angeblich nie gebraucht werden.
    Es wurde aber in Erfahrung gebracht, daß beim Schließen der hinteren
    Tür und somit bei eintretender Dunkelheit immer ein starkes Drängen
    der Ladung nach der Tür erfolgte. Dieses ist darauf zurückzuführen,
    daß die Ladung bei eintretender Dunkelheit sich nach dem Licht drängt.
    Es erschwert das Einklinken der Tür. Ferner wurde festgestellt, daß
    der auftretende Lärm wohl mit Bezug auf die Unheimlichkeit des Dunkels
    immer dann einsetzt, wenn sich die Türen schließen. Es ist deshalb
    zweckmäßig, daß die Beleuchtung vor und während der ersten Minuten
    des Betriebes eingeschaltet wird. Auch ist die Beleuchtung bei 
    Nachtbetrieb und beim Reinigen des Wageninnern von Vorteil.

7.)	    Um eine schnelle und leichte Entladung des Fahrzeuges zu
    erreichen, ist ein ausfahrbarer Rost anzubringen. Er ist auf kleinen
    Rädern in U-Eisen-Schienen zu führen. Das Aus- und Einfahren hat mit
    einer unter dem Wagen angebrachten Drahtseilzugwinde zu geschehen.
    Die mit der Anbringung beauftragte Firma hält diese Ausführungsart
    wegen Kräfte- und Materialmangel z.Zt. für undurchführbar. Die 
    Ausführung ist bei einer anderen Firma anzuregen.

	Vorstehende technische Abänderungen sind an den im Betrieb 
befindlichen Fahrzeugen nur dann auszuführen, wenn jeweils ein Fahrzeug
einer anderen größeren Reparatur unterzogen werden muß. An den in
Auftrag gegebenen 10 Saurer-Fahrgestellen sind die vorstehenden Änderungen
so weit als möglich zu berücksichtigen. Da die Herstellerfirma gelegentlich
einer Rücksprache betonte, daß konstruktive Abänderungen z.Zt. nicht oder
nur für kleinste Abänderungen möglich sind, ist bei einer anderen Firma
der Versuch zu unternehmen, mindestens eines dieser 10 Fahrzeuge mit
allen Neuerungen und Abänderungen, die sich bisher aus der Praxis ergaben,
auszustatten. Ich schlage vor, die Firma in Hohenmuth mit der Einzel-
ausführung zu beuaftragen.

	Nach den Umständen ist bei diesem Fahrzeug mit einer späteren
Fertigstellung zu rechnen. Es ist dann nicht nur als Muster-, sondern
auch als Reserve-Fahrzeug bereitzuhalten bzw. einzusetzen. Bei Bewährung
sind die übrigen Fahrzeuge nacheinander aus dem Betrieb zu ziehen und dem
Musterfahrzeug entsprechend umzubauen.

II. Gruppenleiter II D
    SS-Obersturmbannführer R a u f f

    mit der Bitte um Kentnisnahme und Entscheidung vorgelegt.


			[J.f.?]
							[Lü 4/6]
			[Just]				   WB


-------------------
Transkription des im Bundesarchiv unter der Signatur R 58/871 vorliegenden
Schreibens. Faksimileabbildung in _Nationalsozialistische Massentötungen
durch Giftgas: eine Dokumentation_, Hrsg.: Eugen Kogon, Hermann Langbein,
Adalbert Rückerl u.a., Frankfurt/M.: Fischer, 1989, S. 333-337. 
Handschriftliche Einträge und Stempelaufdrucke wurden durch eckige Klammern
[] gekennzeichnet. Seiten- und Zeilenumbruch des Orignaldokuments wurden
bei der Transkription nicht berücksichtigt, gleiches gilt für die im
Originaldokument vorgenommenen Unterstreichungen.

Nele Abels-Ludwig
abels@stud-mailer.uni-marburg.de

Note:

This text is the transcription of a letter to the Gruppenleiter II D
of the RSHA, Obersturmbannführer Rauff, concerning the technical
improvements of the gas-vans. The original letter is reproduced in
_Nationalsozialistische Massentötungen durch Giftgas: eine Dokumentation_, 
Hrsg.: Eugen Kogon, Hermann Langbein, Adalbert Rückerl u.a., 
Frankfurt/M.: Fischer, 1989, S. 333-337. 

Translation and scan of the reproduction are under work.


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