The Nizkor Project: Remembering the Holocaust (Shoah)

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        Die Entwicklung der Gaswagen beim Mord an den Juden   417


geschult wurden [112], geschickt worden. Gaswagenfahrer sagten aus, auf Befehl des
Einsatzleiters der Gruppe II D 3 a Fahrzeuge in Berlin abgeholt und zum Einsatzort
gebracht zu haben [113].

Folglich war das Amt II D 3 a nicht nur für den Bau der Gaswagen verantwortlich,
sondern es steuerte auch zentral vom RSHA aus den Einsatz der Gaswagen [114],
indem es Wagen, Fahrer und Ersatzteile zur Verfügung stellte, den Einsatz der
Fahrzeuge überprüfte und koordinierte.

Zum Abschluß eine Zusammenfassung der Ergebnisse:

1. Innerhalb von vier Monaten ist auf Befehl Himmlers ein neues Tötungsverfahren,
der Gaswagen, entwickelt worden, und zwar in dieser zeitlichen Folge:
- 15./16.8. 1941 Befehl Himmlers
- 16./18.9. Versuche in Minsk und Mogilew
- Anfang Oktober Auftrag an das Amt II D 3a
- 3.11. Probevergasung in Sachsenhausen
- Ende November und im Dezember Einsatz der ersten Wagen

2. Dabei arbeiteten im RSHA folgende Dienststellen eng zusammen:
- das KTI; von ihm ging die Idee aus, Gaswagen zu bauen, und es war für den
"chemischen Teil" und die Versuche zuständig
- das Referat II D 3a; es richtete zwei Serien von Wagen her, sechs kleine (Dai-
mond und Opel-Blitz) und dann dreißig Saurer-Wagen; es steuerte und Über-
wachte den Einsatz der Wagen zentral von Berlin aus.

3. Bei der Entwicklung der Gaswagen wurde bewußt auf die Erfahrung während
der "Euthanasie", die im August 1941 offiziell gestoppt wurde, zurückgegriffen,
sowohl bei technischen ("Kaisers-Kaffee"-Wagen) als auch bei Personalfragen
(KTI, Becker, Lange). Im Unterschied zu den "Kaisers-Kaffee"-Wagen ist eine
Mitwirkung der Kanzlei des Führers  nicht festzustellen. Sie arbeitete zu dieser
Zeit an der Entwicklung eines anderen Verfahrens, das ab 1942 in den Vernich-
tungslagern verwendet wurde [115].

"Technische Entwicklungen" waren eine Voraussetzung fur die Durchführung der
geplanten Verbrechen. Die schrittweise Perfektionierung der Tötungsmethoden,
wobei die Entwicklung der Gaswagen nur ein Glied in der Reihe nationalsoziali-
stischer Tötungsverfahren darstellt, hatte zur Folge, daß immer mehr Menschen,
vor allem Juden, getötet wurden [116].

--

112. Aussage A. Beckers vom 28.1. 1960 (Anm. 96), Bl.43.

113. Vgl. dazu die Aussagen der Fahrer G. Laabs und K. Gebel (Anm.1 und 69).

114. Aussage von H.Trühe vom 16.10. 1959, ZSL, Az. 2 AR-Z 311/59, Bl.43 ff.

115. Vgl. dazu den Briefentwurf des Sachbearbeiters beim Ministerium für 
die besetzten Gebiete an den Reichskommissar fur das Ostland vom 25.10. 1941,
Dok. NO-365; Aussage des SS- und Polizeiführers im Warthegau Koppe vom 2.2. 1960, 
StA Bonn, Az. 18 Js 52/60 [ZSL, Az.220/59, Bl.138 f.]. 

116. Aktenvermerk vom 5.6. 1942 (Anm.4) Dort heißt es: "Seit Dezember 1941 wurden 
beispielsweise mit 3 eingesetzten Wagen 97 000 verarbeitet, ohne daß Mängel an den 
Fahrzeugen auftraten."

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