The Nizkor Project: Remembering the Holocaust (Shoah)

Shofar FTP Archive File: camps/chelmno/gas-wagons/sonderdruck-07.txt


	Die Entwicklung der Gaswagen beim Mord an den Juden    409


Idee [40] der Tötung mit Hilfe von Auspuffgasen praktikabel war. Aber den 
Einsatzgruppen, für die das neue "humanere" Tötungsverfahren gesucht wurde, 
war mit einer ortsgebundenen Gaskammer, in der Menschen mit Hilfe von 
Auspuffgasen getötet werden konnten, nicht gedient. Sie mußten, um ihren 
Auftrag erfüllen zu können, mobil sein [41]. Aufgrund dieser Überlegungen 
und der bisherigen Erfahrung entstand im KTI der Plan, Gaswagen zu bauen. 
Einen solchen Vorschlag unterbreiteten Nebe und Heess ihrem Vorgesetzten 
Heydrich, Chef der Sicherheitspolizei und des SD [42]. Widmann sagte dazu aus:

"Über das Ergebnis seines Vortrages in der Prinz-Albrecht-Stnae hat mich Heess kurz 
unterrichtet. Er hat mir gesagt, es würden Wagen gebaut, in welche die Abgase geleitet 
würden, statt der bisherigen Verwendung von CO-Flaschen."[43] Es wird deutlich, daß 
als Vorbild für die Gaswagen die "Kaisers-Kaffee"-Wagen gedient haben - fahrbarer, 
luftdicht abgeschlossener Raum -, die dem KTI bekannt waren, doch konnte man wegen 
der zu bewältigenden technischen Schwierigkeiten nicht einfach das reine CO durch 
Auspuffgase ersetzen. Es war eine Neuentwicklung notwendig, bei der Zugmaschine, 
Anhänger und Giftgasquelle vereinigt waren.

Der unmittelbare Vorgesetzte Heydrichs war nach dem Erlaß vom 27.September
1939 Himmler. Damit schließt sich der Kreis. Heydrich hatte vermutlich schon vor- 
her von den Experimenten erfahren, war also in das "Geheimnis" eingeweiht, denn 
sonst ist nicht zu verstehen, warum sich Nebe und Heess an ihn wandten. Heydrich 
war auch in der Lage, dem KTI die notwendigen technischen Hilfsmittel zur Verfügung 
zu stellen. Er wandte sich Anfang Oktober an SS-Obersturmführer Rauff, Leiter der 
Gruppe II D 3 (Technische Angelegenheiten), dessen Referat II D 3a 
(Kraftfahrwesen der Sicherheitspolizei) von SS-Hauptsturmführer Pradel geleitet 
wurde. Dieser sagte in dem gegen ihn eingeleiteten Verfahren aus, Rauff habe zu ihm
gesagt: "Das ist ein Befehl von Heydrich, der ausgeführt werden muß."[44] In diesem
Sinn ist auch die Aussage Rauffs vom 28.Juni 1972 in Santiago de Chile zu verste-
hen: "Ich halte es für ausgeschlossen, daß Pradel die Entwicklung der Gaswagen 
von sich aus vorgenommen hat. Er muß einen Befehl dafür entweder von mir
oder einem anderen Vorgesetzten, der über mir stand, bekommen haben."[45]

--

40. Aussage A. Widmanns vom 27.1. 1959 (Anm.16), Bl.33f.; Aussage H.Engelmanns, Adjutant
Nebes vom 9.1.1961, ebenda Bl.617; Aussage B.Wehners vom 26.1.1960(Anm.37).

41. Krausnick/Wilhelm Truppe S.150ff.

42. Aussagen Widmanns vom 27.1. 1959 (Anm.16) und vom 12.1. 1960 (Anm.14). Die beiden 
Aussagen unterscheiden sich dadurch, daß für das geschilderte Geschehen 
verschiedene Zeitangaben gemacht werden. In der ersten nennt er als Zeit: kurz nach 
Beginn des Rußlandfeldzuges, in der zweiten: "kurz vor dem Rußlandfeldzug". Diese 
zweite Angabe stimmt wahrscheinlich nicht da auf die seelische Belastung der 
Erschießungskommandos hingeswiesen wird und die großen Entfernungen in der 
Sowietunion als Hindernis für den Transport der CO-Flaschen genannt werden. Diese 
Argumente können aber nur nach Beginn des Rußlandfeldzuges angeführt werden. Die 
weiteren Ausführungen werden diese Feststellung noch untermauern. 

43. Ebenda.

44. Urteil des Landgerichts Hannover gegen Pradel und Wentritt, Az.2 Js 299/60 [ZSL, Az.415
AR-Z 220/1959, Bl.419].

45. StA Hamburg, Az.147 Js 31/67 [ZSL, Az.II 415 AR-Z 1310/63-E32 ,Bl.545].

Home ·  Site Map ·  What's New? ·  Search Nizkor

© The Nizkor Project, 1991-2012

This site is intended for educational purposes to teach about the Holocaust and to combat hatred. Any statements or excerpts found on this site are for educational purposes only.

As part of these educational purposes, Nizkor may include on this website materials, such as excerpts from the writings of racists and antisemites. Far from approving these writings, Nizkor condemns them and provides them so that its readers can learn the nature and extent of hate and antisemitic discourse. Nizkor urges the readers of these pages to condemn racist and hate speech in all of its forms and manifestations.