Die Entwicklung der Gaswagen beim Mord an den Juden 413
Noch vor Weihnachten 1941 wurden zwei kleinere Gaswagen von Berlin nach
Riga gebracht [69]. Es handelte sich dabei um die beiden kleinen "Daimond-Wagen",
die im Schreiben des SS-Hauptsturmführers Trühe an Rauff vom 15.Juli 1942
genannt werden [70]. Im Bereich der Einsatzgruppe D [71] ist das Vorhandensein
eines Gaswagens, der mit ca. 50 Personen beladen werden konnte, für Ende 1941
bezeugt [72]. Diese Zeitangaben werden auch durch die Aussagen des SS-Untersturm-
führers Becker bestätigt. Er kam im Dezember 1941 aufgrund einer Aussprache
zwischen Brack und Himmler zum RSHA [73]. Demnach verfolgte Himmler die Gas-
wagenaktion weiter. Im RSHA erhielt er von Rauff den Auftrag, in den Osten zu
fahren, um den Einsatz der Gaswagen zu überprüfen. Becker sagte dazu aus:
"Er [Rauff] sagte, daß zu den einzelnen Einsatzgruppen bereits die Gaswagen
unterwegs bzw. dort eingetroffen seien."[74] Das muß kurz vor dem 14.Dezember
gewesen sein, weil Becker die für diesen Tag vorgesehene Reise infolge eines
Unfalls nicht antreten konnte und sich so seine Abreise bis Anfang 1942 verzögerte [75].
Der geplante Termin für Beckers Inspektionsreise war aber nur dann sinnvoll, wenn
erst kurze Zeit vorher Gaswagen zu den Einsatzgruppen gesandt worden waren. Es gilt
demnach als gesichert, daß Gaswagen ab Ende November und im Dezember 1941
eingesetzt wurden [76]. Der Höhere SS- und Polizeiführer Jeckeln sagte am
21.Dezember 1945 aus:
"Als ich im Dezember 1941 in Lötzen Himmier mündlich die Ausführung seines
Befehis betreffs Erschießen der Juden des Rigaer Ghettos meldete, sagte mir Himm-
ler, daß das Erschießen eine zu komplizierte Operation wäre. Zum Erschießen,
sagte er, brauche man Leute, die erschießen können, und daß dieses auf die Leute
schlecht einwirke. Daher, sagte Himmler weiter, wäre es doch am besten, die Men-
schen durch Anwendung von ,Gaswagen' zu liquidieren, welche laut seinen Anwei-
sungen in Deutschland angefertigt worden seien."[77]
Die sechs bisher beschriebenen Gaswagen (einer bei Einsatzgruppe C, zwei in
Chelmno, zwei in Riga, einer bei der Einsatzgruppe D), die bis Ende 1941 zum Ein-
satz kamen, hatten zwei Merkmale gemeinsam, das äußere Aussehen und die Zahl
der Personen, die darin Platz fanden [78]. Es waren kleinere, 3 t-Lastwagen, mit einem
--
69. Aussage des Fahrers K.Gebel vom 23.10. 1962, StA Hannover, Az. 2 Js 299/60 [ZSL,
Az. 415 AR-Z 220/59, Bl.623f.].
70. IMT-Dok. 501-PS.
71. Siehe Anm.41, S. 195ff.
72. Urteil gegen Drexel und Kehrer, StA München I, Az.119 c KS 6 a-b/70, Bl.33-36
[ZSL, Az. Sammelakte 32].
73. Aussage Beckers vom 26.3. 1960, StA Gießen, Az. 3 Js l 111/60[ZSL, Az.2 AR-Z
311/59, Bl.194].
74. Ebenda.
75. Ebenda, Bl.195; Beckers Angaben werden durch Ohlendorf bestätigt,
Einsatzgruppenprozeß Rep.502 Vl, Interrogation Nr. 167.
76. Demnach können alle Zeitangaben, die vor diesem Datum liegen und sich auf
den Einsatz von Gaswagen beziehen, nicht stimmen. Vgl. auch Anm.65.
77. Aussage Jeckelns vom 21.12. 1945 (Anm.41), S. 548.
78. Siehe dic Ausführungen 414.
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