The Nizkor Project: Remembering the Holocaust (Shoah)

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  408                         Mathias Beer


oder Gaskammern, wie sie bei der "Euthanasie" verwendet wurden, hätte einsetzen  
wollen.

Nachdem in Minsk die Sprengung eines Bunkers, in den Geisteskranke gebracht  
worden waren, nicht den gewünschten Erfolg gehabt hatte, wurde in der Irrenanstalt von  
Mogilew, die Himmler auch besucht hatte [35], ein Versuch mit den von Widmann  
mitgebrachten Metallschläuchen unternommen. Darüber sagte Widmann am 4.Januar  
1960 aus:

"Nebe hat dann am Nachmittag dieses Tages das Fenster zumauern lassen und zwei  
Öffnungen für die Gasleitungen aussparen lassen ... Als wir kamen, wurde zunächst  
einer der Schläuche, der sich bei mir im Wagen befunden hatte, angeschlossen. Der  
Anschluß erfolgte an einen Pkw. In den in der Mauer befindlichen Löchern befanden  
sich Rohrstücke, auf die man die Schläuche bequem aufstecken konnte ... Nach fünf  
Minuten ist Nebe herausgekommen und hat gesagt, es sei noch keine Wirkung festzustellen. 
Auch nach acht Minuten hatte er noch keine Wirkung feststellen können und fragte, 
was nun geschehen solle. Nebe und ich kamen zu der Überzeugung, daß der Wagen zu 
schwach sei. Daraufhin hat Nebe	den zweiten Schlauch an einen Mannschafts-Lkw der 
Ordnungspolizei anschließen lassen. Dann hat es nur noch wenige Minuten gedauert, 
bis die Leute bewußtlos	waren. Man ließ dann vielleicht noch zehn Minuten beide 
Wagen laufen."[36]

Auf den geschilderten Vorgang bezieht sich auch die Aussage der russischen Ärz-		
tin N.N.Akimova vom 18.November 1946, die als Datum für das Experiment den
18.September nennt [37]. Demnach haben sich Widmann und seine Begleiter vom 13.
bis 21.September in Minsk und Mogilew aufgehalten [38]. Der Zusammenhang dieser
Versuche mit dem Besuch und Befehl Himmlers geht aus einer anderen Aussage  
Widmanns hervor: "Nebe wollte, wie er sagte, mit mir die Sache noch einmal  
durchsprechen, da er an Himmler berichten mußte."[39] Die beiden Experimente haben  
Nebe klar gemacht, daß nur die höchstwahrscheinlich auf ihn zurückgehende

--

35. Vgl. Anm.28. 

36. Wie Anm.14, Bl.50f. Gerald Reitlinger, Die Endlösung. Hitlers Versuch der  
Ausrottung der Juden Europas 1939-1945, Berlin 1951, erwähnt auf S.144, daß 1949  
in Nebes Wohnung Negative gefunden worden seien, die diesen Vorgang festhalten.  
Der auf einem der Bilder erkennbare Lkw gehörte laut E.J.Else, Fahrdienstleiter der  
K-Staffel der 1. Kompanie, Polizei-Bataillon 3, zu seinem Fahrzeugpark. Aussage vom  
13.12. 1962, StA Frankfurt a.M., Az 4 Js 1928/60 [ZSL, Az.202 AR-Z 152/1959, 
Bl.1127]. Er gehörte somit zum Einsatzkommando 8,das bei dem Versuch beteiligt war.
  
37. Ebbinghaus/Preissler, Ermordung, S. 189. Die Wahrscheinlichkeit dieses Datums  
ergibt sich auch aus folgendem Zusammenhang: Bach-Zelewski konnte bei der  
abschließenden Besprechung wegen eines russischen Fliegerangriffs nicht dabei  
sein, der laut dem Diensttagebuch Bach-Zelewskis am 17.9. 1941 stattgefunden hat.  
Vgl. auch Aussage A.Widmanns vom 11.1. 1960 (Anm. 14).

38. Diese genaue Bestimmung ist moglich, da die Zeugen die Wochentage nennen, an  
denen sie sich in Minsk und Mogilev aufgehalten haben. Verbindet man diese  
Angaben mit der genauen Zeitangabe 18.9., ergibt sich diese Aufenthaltszeit.

39. Aussage A.Widmanns vom 11.1. 1960 (Anm.14); Weitere Aussagen in diesem Sinn:  
Karl Schulz, Adjutant Nebes, Aussage vom 9.3. 1959, StA Stuttgart, Az. 13 Js 328/60  
[ZSL, Az.439 AR-Z 18 a/1960, Bl.48]; Aussage B.Wehners vom 26.1. 1960, StA Bremen, 
Az.6 Js 3/6 [ZSL, Az.202 AR-Z 152/1959,Bl.57f.].
 

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