The Nizkor Project: Remembering the Holocaust (Shoah)

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	406	Mathias Beer


steskranke durch das Sonderkommando Lange in solchen Wagen getötet worden 
sein[20]. Der Name des Kommandos leitet sich von dem seines Leiters ab, 
SS-Obersturmführer und Kriminalrat Herbert Lange. Das Schreiben des Höheren 
SS- und Polizeiführers Koppe an SS-Gruppenführer Sporrenberg beleuchtet den 
Einsatz dieses Kommandos in Soldau:

"Das mir für besondere Aufgaben unterstellte sogenannte Sonderkommando 
Lange war in der Zeit vom 21. 5. bis 8.6. 1940 gemäß der mit dem 
Reichssicherheitshauptamt getroffenen Absprache nach Soldau in Ostpreußen 
abkommandiert und hat während dieser Zeit vom Durchgangslager Soldau aus 
1558 Kranke evakuiert."[21]

Einen solchen Wagen brachte Lange entweder vom RSHA mit (dafür sprechen 
die Aussagen von Gustav Sorge[22] und die bedeutende Rolle der Gruppe II D, 
Technische Angelegenheiten, im RSHA bei der späteren Entwicklung der 
Gaswagen[23]) oder er ließ ihn in Zusammenarbeit mit dem RSHA selbst 
herstellen[24]. Alfred Trenker, Stellvertretender Leiter der Stapostelle Posen, 
sagte aus, Lange habe ihm im Sommer 1940 erzählt, daß er öfter nach Berlin zum 
RSHA fahren müsse, um "Besprechungen über den geeigneten Typ von 
Vergasungswagen" zu führen[25].

Diese Angaben deuten darauf hin, daß die Anwendung der "Kaisers-Kaffee"-
Wagen auf das Sonderkommando Lange zugeschnitten war, das vermutlich den 
Auftrag hatte, diese Fahrzeuge praktisch zu erproben. Sie scheinen sich aber nicht 
bewährt zu haben (Lange äußerte sich entsprechend gegenüber Trenker[26]), und 
das Sonderkommando Lange wurde bald nach dem Einsatz in Soldau beurlaubt. 
Ab diesem Zeitpunkt liegen keine Nachrichten über den Einsatz solcher Wagen 
vor.

Der Briefwechsel über noch ausstehende Zahlungen im Zusammenhang mit 
dem Sonderkommando Lange, der sich bis Februar 1941 hinzog, zeigt, daß auch 
Himmler die ganze Angelegenheit bekannt war. Im Schreiben Koppes an Karl 
Wolff, Chef des Persönlichen Stabes des Reichsführers SS, vom 22.Februar 1941 
heißt es, "daß im Auftrage des Reichsführers SS Sie [Wolff] die Entscheidung 
wegen der Bezahlung der Transportkosten treffen würden"[27].

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20. Ebenda.

21. Kopie ZSL, USA Dok. Bd.II, Bl.6; vgl. auch Klee, "Euthanasie", S.191.

22. Dieser sagte am 7.3.1962 aus, daß vor 1941 ein anderer "Gaswagen" in Sachsenhausen erprobt 
und hergestellt worden sei; StA Hannover, Az. 2 Js 299/1960 [ZSL, Az. 415 AR-Z 220/59, Bl.277ff.].
Vgl. auch RÜckerl, NS-Vernichtungslager, S.268, Anm.55.
 
23. Vgl. dazu die Ausführungen S.409f.

24. Aussage A.Trenkers vom 17.5.1962; StA Hannover, Az.2 Js 299/60 [ZSL, Az.415 AR-Z 220/59,
Bl.635].

25. Aussage vom 16.5.1961, StA Bonn, Az.8 Js 52/60 [ZSL, Az.203 AR-Z 69/59, Bl.678f.].
 
26. Vgl. Anm.24.

27. Kopie dieses Briefwechsels in: ZSL, USA Dok. Bd.I, Bl.90 und 98; Bd.II, Bl.801-807.Vgl. auch 
Klee, "Euthanasie", S.l90-193. Bezeichnenderweise befindet sich auf dem Schreiben ein Vermerk
Wolffs, daß er in der Angelegenheit telefonisch mit Brack, einem der "Euthanasie"-Verantwortlichen, 
gesprochen habe.

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