410 Mathias Beer Wentritt, der Leiter der Instandsetzungswerkstatt im Referat II D 3a, sagte dazu aus: "Noch im Jahre 1941 wurde ich zum Dienststellenleiter Major Pradel bestellt. Dieser erklärte mir, daß die Erschießungskommandos im Einsatz häufig Nervenzusammenbrüche erlitten (bzw. dicht davor stünden), so daß eine humanere Tötungsart verwendet werden sollte. Dazu benötigten wir - wie Pradel ausführte geschlossene Kraftfahrzeuge."[46] Pradel gab Wentritt den Auftrag zu prüfen, ob es möglich sei, Auspuffgase in den geschlossenen Kastenaufbau eines Wagens zu leiten. Nachdem Wentritt diese Frage bejaht hatte, gab Pradel die positive Antwort an Rauff weiter und erhielt den Befehl, sich mit Heess in Verbindung zu setzen. Dieser erläuterte ihm, wie ein solcher Wagen umgebaut werden und funktionieren solle. Auf Befehl Rauffs besuchten dann Pradel und Wentritt die Firma Gaubschat in Berlin-Neukölln, die auf Herstellung von Kastenaufbauten spezialisiert war [47], wo sie vorgaben, Fahrzeuge zu benötigen, mit denen Leichen von Fleckfieberepidemien abtransportiert werden könnten. Es wurde vereinbart, daß das RSHA die Fahrgestelle der Firma anliefert, "die dann einen Kastenaufbau darauf setzen sollte"[48]. Der Auftrag wurde unmittelbar von Rauff vergeben, wahrscheinlich in schriftlicher Form [49]. Aber Pradels Versuch, Chassis zu besorgen, schlug fehl, so daß es notwendig war, daß sich Rauff einschaltete. Er sagte am 19.0ktober 1945 aus: "In so far as I can recall I only supplied 5 or 6 [chassis]."[50] Nachdem die Fahrgestelle an die Firma Gaubschat geliefert worden waren, erkundigte sich Wentritt mehrmals nach dem Verlauf der Arbeiten und holte dann den ersten Wagen persönlich ab. An diesem nahm er in der Werkstatt des Referates II D 3a, da es sich um eine "geheime Reichssache" handelte, folgende Veränderungen vor: "Dort wurde am Auspuff ein Abgasschlauch angebracht, der von außen zum Boden des Wagens geführt wurde. In diesen Wagen bohrten wir ein Loch im Durchmesser von etwa 58 bis 60 mm, in Stärke des Auspuffrohres. Im Wageninneren, über diesem Loch, wurde ein Metallrohr (Auspuffrohr) angeschweißt, das mit dem von außen herangefühnen Abgasschlauch verbunden war bzw. verbunden werden konnte. Bei Anlassen des Motors und nach hergestellten Verbindungen gingen die Auspuffgase des Motors durch den Auspuff in den Abgasschlauch und von dort in das im Wageninneren angebrachte Auspuffrohr, wo das Gas sich dann verteilte."[51] Den so hergerichteten Wagen brachte Wentritt auf Befehl Pradels zum KTI, wo -- 46. Aussage vom 2.2. 1961, StA Hannover, Az. 2 Js 299/60 [ZSL, Az. 415 AR-Z 220/59, Bl.260b]. Vgl. zu den folgenden Ausführungen das Urteil gegen Pradel, Bl. 418ff. 47. Aussage von M. Bauer, Techniker bei Gaubschat, vom 21. 3. 1961, StA Hannover, 2 Js 299/60 [ZSL, Az. 202 AR-Z 152/59, Bl.275f.]. 48. Aussage H.Wentritts vom 2.2. 1961 (Anm.46),Bl.260d ff. 49. Vgl. dazu die folgenden Ausführungen S. 412. 50. IMT-Dok. 234S-PS. Die Glaubwürdigkeit dieser Aussage wird durch jene von H.Wentritt unterstrichen (Anm. 46), Bl.260e, der auch die Zahl von fünf bis sechs Fahrzeugen nennt. 51. Aussage H.Wentritts vom 2.2.1961 (Anm.46), Bl.260b ff.
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